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Full text of "Geologie von Oberschlesien. Eine Erläuterung zu der im Auftrage des Königl. Preuss. Handels-Ministeriums von dem Verfasser bearbeiteten geologischen Karte von Oberschlesien in 12 Sektionen, nebsteinem von dem Königl. Oberbergrath Dr. Runge in Breslau verfassten das Vorkommen und die Gewinnung der Nutzbaren Fossilien Oberschlesiens betreffenden Anhange"

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Geologie  von  Oberschlesien. 

1^707.-  ' ___ 

Höli. 

, Eine  Erläuterung 

.zu  der 

im  Aufträge  des  Königl.  Preuss.  Handels-Ministeriums 
von  dem  Verfasser  bearbeiteten  geologischen  Karte  von 
Oberschlesien  in  12  Sektionen 

nebst  einepi 


von  dem  Königl.  Oberbergrath  Dr.  Runge  in  Breslau 
verfassten  das  Vorkommen  und  die  Gewinnung  der  nutzbaren  Fossilien 
Oberschlesiens  betreffenden  Anhänge 


von 

Dr.  Ferd.  Roemer, 


BWsloia  crf  MaHmfa 
Secüonal  libroty 


Königl.  Geh.  Bergrath,  ord.  Professor  der  Mineralogie  und  Geologie  an  der 
Universität  Breslau,  korresp.  Mitgliede  der  Königl.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin,  und  anderer  gelehrten 

Gesellschaften  Mitgliede. 


Mit  einem 

Atlas  von  50  die  bezeichnenden  Versteinerungen 
der  einzelnen  Ablagerungen  Oberschlesiens  darstellenden  litbographirten  Tafeln 
und  einer  Mappe  mit  Karten  und  Profilen. 


Auf  Staatskosten  gedruckt. 


Breslau, 

Drixok  von  Kobert 

1870. 


Vorwort. 


Die  vorliegende  Schrift  ist  zunächst  bestimmt  als  Erläuterung  zu  der  im 

Aufträge  des  Königlicli  Preussischen  Ministeriums  für  Handelj  Gewerbe  und 
öffentliche  Arbeiten  von  dem  Verfasser  bearbeiteten  geognostischen  Karte 
von  Oberschlesien  zu  dienen  und  ist  vorzugsweise  aus  der  Zusammen- 
stellung und  Verarbeitung  der  Beobachtungen  hervorgegangen,  welche  die 
Herstellung  dieser  Karte  zum  Zweck  hatten. 

Diese  Beobachtungen  wurden  in  dem  Zeiträume  von  1862 — 1869  ange- 
stellt, nachdem  durch  einen  Erlass  des  Königlich  Preussischen  Ministeriums 
für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  vom  3.  Juli  1862  die  Her- 
stellung einer  geognostischen  Karte  von  Oberschlesien  im  Maassstabe  von 
angeordnet  und  dem  Verfasser  die  wissenschaftliche  Leitung  dieses 
Unternehmens  übertragen  worden  war.  Die  Mehrzahl  der  in  der  gegen- 
wärtigen Schrift  mitgetheilten  Thatsachen  wurde  bei  der  Ausführung  der 
Special  - Aufnahmen  zur  Feststellung  der  Grenzen  der  einzelnen  For- 
mationen und  Formations-Glieder  gewonnen. 

An  diesen  Arbeiten  gebührt  dem  Königl.  Bergrath  Herrn  0.  Degen- 


IV 


har  dt  ein  wichtiger  Antheil.  Derselbe  ist  während  des  ganzen  sechsjähri- 
gen Zeitraums  1862 — 1868  bis  zu  seiner  Versetzung  in  die  westlichen  Pro- 
vinzen ausschliesslich  mit  den  Special- Aufnahmen  beschäftigt  gewesen 
und  namentlich  wurde  durch  ihn  der  östlich  von  der  Oder  liegende 
grössere  Theil  des  Karten -Gebietes  aufgenommen.  Seiner  umsichtigen 
und  aufopfernden  Thätigkeit  ist  es  vorzugsweise  zu  danken,  dass  die 
ganze  Karte  in  einem  verhältnissmässig  so  kurzen  Zeiträume  vollendet 
werden  konnte. 

Die  Special-Aufnahmen  des  westlich  von  der  Oder  liegenden  Theiles 
des  Kartengebietes  sind  vorzugsweise  durch  den  Königlichen  Bergeleven 
Herrn  Anton  Halfar  bewirkt.  Die  gewissenhafte  Sorgfalt,  mit  welcher 
Herr  Halfar  sich  diesen  Arbeiten  gewidmet  hat  wird  überall,  wo  die  auf 
der  Karte  angegebenen  Grenzen  der  einzelnen  Ablagerungen  einer  nähren 
Prüfung  unterworfen  werden,  sich  bewähren.  Sie  führte  auch  zu  der  Ent- 
deckung von  verschiedenen  bisher  unbekannten  Fundorten  von  Verstei- 
nerungen, durch  welche  die  sichere  Altersbestimmung  von  mehreren  in 
ihrer  Stellung  bisher  zweifelhaften  Ablagerungen  möglich  wurde  und 
namentlich  das  Verständniss  von  dem  geognostischen  Bau  des  ausgedehn- 
ten zwischen  der  Oppa  und  dem  krjstallinischen  ürgebirge  des  Altvaters 
sich  verbreitenden  Grauwacken -Gebietes  eine  wesentliche  Erweiterung 
erfuhr. 

Herr  Dr.  H.  Eck  hat  die  geognostische  Aufnahme  des  ausgedehnten 
Muschelkalk-Gebietes  zwischen  Tarnowitz  und  Krappitz  an  der  Oder  aus- 
geführt. Die  dabei  angenommene  Eintheilung  des  Muschelkalks  in  ver- 
schiedene Glieder  wurde  von  ihm  in  einer  werthvollen  besonderen  Schrift 
näher  begründet,  welche  auch  die  Grundlage  für  die  in  dem  gegenwärti- 
gen Werke  gegebene  Darstellung  des  betreffenden  Gebietes  gewährte. 


V 


Die  Aufnalime  der  jurassischen  Ablagerungen  zwischen  Olkusz  und  Czen- 
stochau  ist  vorzugsweise  das  Verdienst  des  Königlichen  .Bergreferendars 
Herrn  A.  Dondorff.  Dasselbe  erscheint  um  so  grösser,  als  für  dieses 
Gebiet  fast  jede  Vorarbeit  fehlte  und  die  ünwirthlichkeit  des  Landes  der 
Aufnahme  auch  äussere  Schwierigkeiten  entgegenstellte.  Endlich  ist  auch 
der  Königliche  Bergreferendar  Herr  J.  Janik  an  den  Aufnahmearbeiten 
betheiligt  gewesen,  indem  er  die  Special -Aufnahme  der  einzelnen  Partien 
von  Keuper-Gesteinen  in  den  Flussgebieten  der  Malapane  und  des  Stober- 
Baches,  sowie  diejenige  der  braunkohlenführenden  Tertiär- Bildung  in  dem 
Gebiete  zwischen  Oppeln  und  Bernstadt  ausführte. 

Das  Königliche  Ober-Bergamt  in  Breslau  hat  sowohl  die  äusseren 
geschäftlichen  Angelegenheiten  des  Unternehmens  vertreten,  als  auch  für 
die  Untersuchungen  selbst  jede  wünschenswerthe  Unterstützung  gewährt. 
Im  Besonderen  ist  der  Königliche  Oberbergrath  Herr  Dr.  W.  Runge  wäh- 
rend der  ganzen  Dauer  der  Aufnahmen  für  das  Unternehmen  thätig  gewe- 
sen. Durch  die  ausführliche,  das  Vorkommen  und  die  Gewinnung  der 
nutzbaren  Fossilien  Oberschlesiens  betreffende  Abhandlung,  welche  von 
ihm  dieser  Schrift  als  Anhang  beigegeben  wurde,  hat  dieselbe  eine  wich- 
tige und  sehr  erwünschte  Ergänzung  erhalten. 

Durch  das  Königliche  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und 
öffentliche  Arbeiten  wurden  bereitwillig  die  Mittel  gewährt,  welche  für  die 
Ausführung  der  Aufnahmen , für  die  Herstellung  der  Karte  und  für  den 
Druck  der  vorliegenden  Schrift  erforderlich  waren. 

So  ist  es  möglich  geworden,  in  dem  verhältnissmässig  kurzen  Zeiträume 
von  acht  Jahren  das  ganze  Unternehmen  durch  Vollendung  der  ein  600 
Quadratmeilen  grosses  Gebiet  begreifenden  Karte  und  dieser  zunächst  als 
Erläuterung  der  Karte  bestimmten  Schrift  zu  Ende  zu  führen. 


VI 


Mögen  immerhin  beiden  vielfache  Mängel  und  Unvollkommenheiten 
noch  anhaften,  so  wird  doch,  wie  der  Verfasser  hoffen  zu  dürfen  glaubt, 
bei  einer  näheren  Prüfung  nirgends  die  sorgfältige  und  gewissenhafte 
Arbeit  vermisst  und  bei  einer  Vergleichung  mit  dem  bisher  Vorhandenen 
ein  wesentlicher  Fortschritt  in  der  geologischen  Kenntniss  Oberschlesiens 
erkannt  werden. 

Breslau,  den  15.  Juli  1870. 


Ferd.  Roemer. 


Inhaltsverzeicliniss. 


Seite. 


Vorwort  III 

Einleitendes. 

Begrenzung  des  Karten-Gebietes XV 

Orographische  Skizze  desselben XVI 

Literatur  XXI 

Uebersicht  über  die  Geschichte  der  geologischen  Kenntniss  von  Oberschlesien  . XXII 

Specieller  Theil. 

TJrgebirge. 

1.  Gneiss 1 

2.  Glimmerschiefer 3 

3.  Granit 4 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 

I.  Palaeozoische  Formation. 

1.  Devonische  Schichten. 

A.  Devonische  Schichten  am  Ostabhange  des  krystallinischen  Altvatergebirges. 
1)  Würbenthaler  Quarzite  und  Thonschiefer. 


a)  Geschichtliches  5 

b)  Petrographisches  Verhalten 7 

c)  Lagerungsverhältnisse 8 

d)  Verbreitung  9 

e)  Orographisches  Verhalten 9 

f)  Eruptiv-Gesteine 9 

Diorit  und  Dioritschiefer 9 

g)  Erzführung 11 

h)  Besondere  Mineralvorkommnisse 13 

i)  Versteinerungsführung . 14 

k)  Altersbestimmung 17 

2)  Engelsberger  Grauwacke 17 

a)  Petrographisches  Verhalten 17 

b)  Lagerungsverhältnisse 19 

c)  Verbreitung  , . . • 19 

d)  Organische  Einschlüsse 20 

e)  Altersbestimmung 21 

3)  Bennischer  Schichten 21 

a)  Petrographisches  Verhalten  21 

b)  Erzvorkommen 23 


VIII 


Seite. 

c)  Verbreitung 24 

d)  Versteinerungen 29 

e)  Altersbestimmung 31 

B.  Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura-Zuges 32 

1)  Partieen  in  der  Umgegend  von  Siewierz 32 

a)  Hügel  bei  Dziwki 32 

b)  Hügel  bei  Nova-Wioska 34 

c)  Schwarzer  Dolomit  bei  der  Eisenbahnstation  Zawierzie 35 

2)  Partie  von  Dembnik  bei  Krzeszowice  36 

2.  Steinkohlengebirge 39 

A.  Untere  Abtheilung 39 

1)  Culm 39 

a)  Geschichtliches 39 

b)  Petrographisches  Verhalten 43 

c)  Stratographisches  Verhalten 45 

d)  Verbreitung 47 

Culm -Partien  von  Zyrowa  und  Tost 49 

e)  Gliederung 51 

f)  Organische  Einschlüsse 52 

Verzeichniss  der  in  den  Schlesisch-Mährischen  Culmschichten  beob- 
achteten Versteinerungen 54 

g)  Vergleichung  der  Oberschlesisch -Mährischen  Culmbildung  mit  den 

Culmschichten  anderer  Gegenden 56 

h)  Verhalten  der  Culmbildung  zum  Kohlenkalk 57 

2)  Kohlenkalk 59 

B.  Obere  Abtheilung 61 

Productives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 

a)  Literatur 61 

b)  Geschichtliches 62 

c)  Verbreitung 62 

d)  Orographisches  Verhalten 65 

e)  Petrographisches  Verhalten 66 

f)  Bemerkenswerthe  Mineralvorkommnisse 70 

g)  Lagerungsverhältnisse 73 

h)  Organische  Einschlüsse 75 

1)  Pflanzen 75 

2)  Thiere 76 

Aufzählung  der  marinen  Fossilien  in  dem  oberschlesisch -polnischen  Kohlen- 
gebirge   78 

V erhalten  in  England 92 

Gliederung  in  Yorkshire 96 

i)  Gliederung 101 

k)  Vergleichung  des  Oberschlesisch -Polnischen  Steinkohlenbeckens  mit 

anderen  Kohlenbecken  und  im  Besonderen  mit  demjenigen  Nieder- 
schlesiens   102 

3.  Permische  oder  Zechstein-Gruppe  103 

Rothliegendes  103 

a)  Geschichtliches 103 

b)  Beschreibung  der  einzelnen  Gesteine;  Kalkconglomerate 104 

c)  Rothe  und  weisse  Sandsteine 105 

d)  Porphyr-Tuffe 106 

e)  Quarzporphyr  und  Melaphyr 108 

aa)  Melaphyr  nebst  Mandelstein 108 

bb)  Quarzführender  Feldspath-Porphyr 111 


IX 


Seite. 

f)  Karniowicer  Kalk  114 

Altersbestimmung  der  Permischen  Gesteine 118 

II.  Trias  Formation 122 

1 ) Der  bunte  Sandstein 122 

a)  Verbreitung 123 

b)  Petrographische  Zusammensetzung 123 

c)  Organische  Einschlüsse 123 

d)  Gliederung 124 

a.  Unterer  bunter  Sandstein 124 

b.  Roth 125 

aa)  petrographische  Zusammensetzung 125 

bb)  Verbreitung 125 

cc)  Organische  Einschlüsse 126 

2)  Muschelkalk 129 

a)  Verbreitung 129 

b)  Gliederung 131 

c)  Beschreibung  der  einzelnen  Glieder  des  Muschelkalks 133 

I.  Unterer  Muschelkalk 133 

A.  Aequivalente  des  unteren  Wellenkalks 133 

a)  Cavernöser  Kalk 133 

b)  Schichten  von  Chorzow 134 

B.  Aequivalente  des  Schaumkalks 136 

a)  Blauer  Sohlenstein 136 

b)  Schichten  von  Gorasdze 137 

c)  Die  Encriniten-  und  Terebratel-Schichten  ....  139 

d)  Die  Schichten  von  Mikultschütz 140 

e)  Der  Himmelwitzer  Dolomit 142 

II.  Mittlerer  Muschelkalk 144 

III.  Oberer  Muschelkalk  oder  Rybnaer  Kalk 145 

Vergleichung  des  Oberschlesisch-Polnischen  Muschelkalks  mit  dem  typischen 
Muschelkalke  im  westlichen  Deutschland 147 

3)  Keuper 148 

a)  Literatur 148 

b)  Geschichte 148 

c)  Allgemeines  petrographisches  und  stratographisches  Verhalten  . . . 150 

d)  Verbreitung 150 

e)  Orographisches  Verhalten 151 

f)  Gliederung 152 

l)  Die  Lettenkohlengruppe 153 

a)  Geschichtliches 153 

b)  Petrographisches  Verhalten  153 

c)  Lagerungsverhältnisse  153 

d)  Organische  Einschlüsse 153 

e)  Verbreitung 154 

2)  Eigentlicher  oder  mittlerer  Keuper  156 

1.  Braunrothe  und  bunte  Thone  156 

a)  Petrographisches  Verhalten  156 

b)  Verbreitung ' 157 

c)  Einlagerungen  von  Kalksteinen,  Breccien,  Sandsteinen, 

Kohlen  und  Brauneisensteinen  in  den  Keuper-Thonen  . 160 

aa)  Woischniker  Kalk 160 

1.  Petrographisches  Verhalten 160 

2.  Lagerungsverhältnisse 161 

3.  Organische  Einschlüsse , 162 

• b 


X 


Seite. 

4.  Verbreitung ^ . 162 

bb)  Lissauer  Breccien 163 

1.  Petrographisches  Verhalten 163 

2.  Lagerungsverhältnisse 165 

3.  Organische  Einschlüsse 165 

4.  Verbreitung 165 

cc)  Blanowicer  Kohlen  (Pusch’s  Moorkohlen)  . . . 167 

1.  Geschichtliches 167 

2.  Petrographisches  Verhalten 168 

3.  Verbreitung 169 

dd)  Porembaer  Brauneisensteine 170 

3)  Oberer  Keuper  oder  Rhätische  Schichten 171 

a)  Wilmsdorfer  Schichten  mit  pflanzenführenden  Sphaerosideriten  171 

aa)  Geschichtliches 171 

bb)  Petrographisches  Verhalten 171 

cc)  Gliederung 172 

dd)  Lagerungsverhältnisse 173 

ee)  Verbreitung 173 

ff)  Organische  Einschlüsse 174 

b)  Hellewalder  Estherien-Schichten 174 

Organische  Einschlüsse 176 

A.  Pflanzen 177 

a)  Pflanzen  der  Thoneisensteine  der  Wilmsdorfer  Schichten  177 

aa)  Geschichtliches 177 

bb)  Aufzählung  der  Arten 178 

Pflanzen  aus  den  Sphärosideriten  von  Wilmsdorf, 

Goslau  und  Ludwigsdorf 178 

Pflanzen  aus  den  Kalkschichten  bei  Ellguth 

unweit  Woischnik . 182 

B.  Thiere 183 

g)  Vergleichung  des  oberschlesisch-polnischen  Keupers  mit  dem  typischen 

Keuper  im  mittleren  Deutschland 186 

III.  Jura  Formation 189 

1)  Literatur 189 

2)  Geschichtliches  . 190 

3)  Verbreitung  und  orographisches  Verhalten  191 

4)  Stratographisches  Verhalten 194 

5)  Gliederung 194 

6)  Beschreibung  der  einzelnen  Glieder 196 

a)  Schichten  des  Inoceramus  polyplocus  und  andere  Ablagerungen  von  wesentlich 

gleichem  Alter 196 

aa)  Eisenschüssiger  brauner  Sandstein  mit  Inoceramus  polyplocus  und  Pecten 

pumilus  bei  Helenenthal  unweit  Woischnik 196 

bb)  Kostczelitzer  Sandstein  d.  i.  eisenschüssiger  brauner  Sandstein  mit  un- 
deutlichen Zweischalern,  Einlagerungen  in  losem  gelbem  Sande  bildend  . 200 

1)  Geschichtliches 200 

2)  Petrographisches  Verhalten 201 

3)  Lagerungsverhältnisse 202 

4)  Verbreitung 202 

5)  Organische  Einschlüsse 204 

6)  Altersbestimmung 204 

cc)  Grauer  Sandmergel  und  lockere  Schiefer  von  Lysiec  und  Siedlec  ....  205 

dd)  Schichtenfolge  des  feuerfesten  Thons  von  Mirow  . . 206 


XI 


Seite. 

b)  Schichten  des  Ammonites  Parkinsoni 208 

aa)  Petrographische  Zusammensetzung 208 

bb)  Lagerungsverhältnisse 209 

cc)  Verbreitung 209 

dd)  Gliederung . 209 

11)  Untere  Abtheilung  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni  210 

a)  Verbreitung 210 

b)  Organische  Einschlüsse 211 

Versteinerungen  der  thonigen  Sphaerosiderite  von  Bodza- 

nowitz,  Wichrow  und  Sternalitz  bei  Landsberg  ....  212 

12)  Schichten  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni  . . . 221 

a)  Verbreitung 221 

b)  Organische  Einschlüsse 222 

1)  Versteinerungen  der  Eisensteinförderungen  östlich  von  Blanowice 

unweit  Kromolow 223 

2)  Versteinerungen  von  Poremba-Mrzyglodzka  zwischen  Siewierz  und 

Kromolow 226 

3)  Versteinerungen  von  Grodzisko  südlich  von  Klobucko 229 

4)  Versteinerungen  von  Gnaszyn  westlich  von  Czenstochau  ....  229 

5)  Versteinerungen  von  Hutka  bei  Panki 229 

c)  Schiehten  des  Ammonites  macrocephalus 230 

a)  Petrographisches  Verhalten 230 

b)  Verbreitung 230 

e)  Organisehe  Einschlüsse  . 234 

Verzeichniss  der  in  den  Schichten  mit  Ammonites  macrocepha- 
lus zwischen  Bahn  und  Wielun  beobachteten  Arten  ....  235 

d)  Schichten  mit  Ammonites  cordatus 240 

1)  Petrographisches  Verhalten 240 

2)  Verbreitung 240 

3)  Gliederung 241 

1.  Schichten  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  cordatus  (Zone  des  Ammo- 

nites Arduennensis) 241 

Verzeichniss  der  in  den  weissen  Kalkmergeln  am  westlichen  Abhange  des 

Klarenbergs  beobachteten  Versteinerungen  242 

2.  Schichten  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  cordatus 250 

Verzeichniss  der  in  den  weissen  Kalkschichten  mit  der  grossen  Form 
des  Am.  cordatus  vorkommenden  V'ersteinerungen  .......  250 

e)  Schichten  der  Rhynchonella  lacunosa.  (Unterer  Felsenkalk.) 257 

f)  Schichten  der  Rhynchonella  trilobata.  (Oberer  Felsenkalk.) 259 

g)  Schichten  der  Rhynchonella  Astieriana 261 

Aufzählung  der  in  den  Schichten  mit  Rhynchonella  Astieriana  beobachteten  Ver- 
steinerungen   263 

h)  Nerineenkalk  von  Inwald •.  . . 271 

i)  Schichten  mit  Exogyra  virgula.  (Kimmeridge  Bildung.)  273 

7)  Vergleichung  des  polnisch  oberschlesischen  Jura  mit  der  Entwickelung  der  Jura- 

Formation  in  anderen  Gegenden 274 

IV.  Kreide-Formation.  . 277 

A.  Kreide-Bildungen  der  Nord-Karpathen  oder  Beskiden 277 

I.  Neocom  278 

1)  Untere  Teschener  Schiefer 279 

2)  Teschener  Kalkstein 279 

3)  Obere  Teschener  Schiefer  und  Grodisehter  Sandstein 280 

. 4)  Wernsdorfer  Schichten 281 

II.  Gault  , 238 

b* 


XII 


Seite. 

III,  Obere  Kreide  d.  i.  Kreide  über  dem  Gault 285 

Friedecker  ßaculiten-Mergel  und  Baschka-Sandstein 285 

Verbreitung  der  einzelnen  Glieder  der  Kreide-Formation  in  denNord-Karpathen  . . . 285 

B.  Kreide-Bildungen  der  Gegend  von  Oppeln  und  Leobschütz 287 

a.  Kreidebildungen  der  Umgebung  von  Oppeln 287 

aa)  Cenomane  sandige  Kreide-Schichten  im  Liegenden  des  turonen  Kreidemergels 

von  Oppeln 288 

1)  Geschichtliches 288 

2)  Verbreitung 288 

3)  Lagerungsverhältnisse 289 

4)  Gliederung 289 

5}  Organische  Einschlüsse 290 

Versteinerungen  der  sandigen  Cenoman -Bildung  von  Groschow^itz 

bei  Oppeln  • 290 

6)  Altersbestimmung  und  Vergleichung  mit  anderen  cenomanen  Kreidebil- 
dungen Oberschlesiens 294 

bb)  Turoner  Kreidemergel  von  Oppeln  294 

1)  Geschichtliches 294 

2)  Petrographisches  und  stratographisches  Verhalten 295 

3)  Verbreitung 296 

4)  Organische  Einschlüsse 299 

5)  Altersbestimmung  und  Gliederung 324 

cc)  Senoner  lockerer  Sandstein  bei  Dambrau 327 

b.  Kreide-Bildungen  der  Umgebungen  von  Leobschütz 328 

1)  Geschichtliches 328 

2)  Beschreibung 329 

aa)  Weisse  Sande  und  Sandstein  mit  Exogyra  columba 329 

1)  Petrographisches  und  stratographisches  Verhalten  .......  329 

2)  Verbreitung 329 

3)  Organische  Einschlüsse  332 

4)  Altersbestimmung  und  Vergleichung  mit  gleichstehenden  Ablagerungen 

anderer  Gegenden 336 

bb)  Graue  sandige  Kalkmergel  mit  Ammonites  Rhotomagensis 337 

1)  Petrographisches  Verhalten 337 

2)  Stratographisches  Verhalten 337 

3)  Verbreitung 337 

4)  Organische  Einschlüsse  ....  339 

11)  Versteinerungen  des  sandigen  grauen  Mergels  in  dem  am  westlichen 

Ausgange  von  Bladen  gelegenen  Steinbruche 339 

2®)  Aufzählung  der  Versteinerungen  aus  dem  Kalkmergel  der  Mergel- 
grube am  Wehr  der  Rothen  Mühle  bei  Bladen 340 

3^)  Aufzählung  der  Versteinerungen  aus  dem  Kreidemergel  von  Hohn- 
dorf   343 

5)  Altersbestimmung  und  Vergleichung  mit  gleichstehenden  Ablagerungen 

benachbarter  Gegenden  344 

Gegenseitige  Beziehungen  der  einzelnen  Kreide  - Bildungen  in  der  Gegend  von 
Oppeln  und  Leobschütz 345 

C.  Kreidebildungen  auf  der  Ostseite  des  polnischen  Jurazuges  346 

1)  Literatur 346 

2)  Geschichtliches 346 

3)  Petrographisches  Verhalten 347 

4)  Verbreitung 347 

5)  Gliederung 348 

6)  Beschreibung  der  beiden  Glieder  . . ............  . 348 


XIII 

Seite. 

a)  Untere  aus  losen  zum  Theil  glaukonitischen  Sanden  und  Sand- 
steinen bestehende  Schichtenfolge 348 

1)  Petrographisches  Verhalten 348 

2)  Verbreitung 349 

3)  Organische  Einschlüsse  . . * 351 

4)  Altersbestimmung 353 

b)  Weisse  Kalkmergel  mit  Belemnitella  mucronata 354 

1)  Petrographisches  und  stratographisches  Verhalten  . . 354 

2)  Organische  Einschlüsse 354 

3)  Altersbestimmung 357 

V.  Tertiär-Formation 358 

A.  Nummuliten  führende  Eocän-Gesteine  in  den  Nord-Karpathen 358 

1)  Petrographisches  Verhalten 358 

2)  Stratographisches  Verhalten 359 

3)  Verbreitung  359 

4)  Gliederung • 360 

a)  Nummuliten  führende  untere  Abtheilung ,361 

b)  Menilit-führende  obere  Abtheilung ' . . . 362 

5)  Eruptiv-Gesteine  vom  Alter  der  eocänen  Schichten  (Teschenit)  ....  363 

a)  Geschichtliches  und  Literatur 363 

b)  Mineralogische  Zusammensetzung 363 

b)  Verbreitung 365 

d)  Alter  des  Teschenits 366 

B.  Miocäne  Tertiärablagerungen - 367 

1)  Geschichtliches 367 

2)  Verbreitung 369 

3)  Mächtigkeit  und  stratographisches  Verhalten 371 

4)  Gliederung 371 

a)  Untere  Abtheilung  (mariner  Tegel  nebst  Leitha- Kalk)  ....  372 

1)  Petrographisches  Verhalten 372 

2)  Verbreitung  und  Entwickelung  im  Einzelnen  .....  373 

a.  Verbreitung  auf  der  rechten  Seite  der  Oder  ....  373 

Verzeichniss  von  Versteinerungen  aus  den  glaukoniti- 
schen tertiären  Mergeln  des  Hauptschlüsselstollens 

bei  Zabrze 375 

Verzeichniss  von  Versteinerungen  aus  dem  Versuchs- 
schachte No.  7 der  Gottessegen  - Galmeigrube  bei 
Biskupitz 380 

b.  Verbreitung  auf  der  linken  Seite  der  Oder 389 

Verzeichniss  der  in  dem  tertiären  Kalke  (Leitha- Kalke) 

von  Hohndorf  bei  Leobschütz  vorkommenden  orga- 
nischen Einschlüsse 394 

Verzeichniss  der  fossilen  Organismen  der  marinen  mio- 

cänen  Tertiär-Bildungen  in  Oberschlesien  ....  401 

3)  Altersbestimmung  und  Vergleichung  mit  gleichstehenden 

Ablagerungen  anderer  Gegenden 404 

4)  Bemerkenswerthe  Mineral-Vorkommen 404 

b)  Obere  Abtheilung  (weisse  Sande  und  Thone  mit  Thoneisenstei- 
nen bei  Kieferstädtel  und  Stanitz) 407 

1)  Geschichtliches 407 

2)  Petrographisches  Verhalten 407 

3)  Verbreitung 408 

4)  Organische  Einschlüsse 408 


XIV 


Seite. 

Vergleichung  der  oberschlesischen  miocänen  Tertiärbildungen  überhaupt 

mit  denjenigen  des  Wiener  Beckens 409 

C.  Oligocäne  braunkohlenführende  Tertiär-Bildung 410 

1)  Geschichtliches 411 

2)  Petrographisches  Verhalten 411 

3)  Verbreitung 413 

4)  Basalte 419 

Aufzählung  der  im  Gebiete  der  Karte  bekannten  Basalt-Punkte.  . . 420 

I.  In  den  in  das  Gebiet  der  Karte  fallenden  Theilen  von  Oesterreichisch- Schle- 
sien und  Mähren 420 

II.  In  Preussisch-Oberschlesien 423 

A.  Auf  der  linken  Oder-Seite 423 

B.  Auf  der  rechten  Oder-Seite 425 

VI.  Diluvium 428 

VII.  Alluvium 436 

Beilage. 

Mikroskopische  Untersuchung  des  rothen  Porphyrs  von  Mienkina  und  des  schwarzen  Eruptiv- 
Gesteins  (Olivin-Gabbro)  aus  dem  Thiergarten  bei  Krzeszowice  bei  Krakau  durch  Herrn 
Dr.  M.  Websky 437 

Anhang. 

Ueber  das  Vorkommen  und  die  Gewinnung  der  nutzbaren  Fossilien  Oberschlesiens  von  Herrn 
Ober-Bergrath  Dr.  Runge 441 


Netz 


der  neognoslisehen  Karte  von  OB E R ' S C H L E S I E N. 


Jtaassstah  der  Karle  i:  100,000.  dieser  Uebersiclit  - 1 : 1,600,000. 


Stich  und  Druck  M.  . Spiegel,  Art.  Jnst. Breslau. 


Einleitung*. 


1.  Begrenzung  des  Gebietes. 

Das  Preussische  Oberschlesien  ist  kein  natürlich  begrenztes  Gebiet. 
Man  muss  gewisse  Theile  von  Oesterreichisch  Schlesien,  Galizien  und 
Russisch  Polen  hinzunehmen,  um  ein  orographisch  und  geognostisch  natur- 
gemäss  abgeschlossenes  Ganzes  zu  erhalten.  Das  ist  denn  auch  bei  der 
Grenzbestimmung  der  geologischen  Karte  von  Oberschlesien  geschehen. 
Für  dieselbe  sind  im  Allgemeinen  im  Westen  das  Altvater- Gebirge,  im 
Süden  die  Nord-Karpathen  oder  Beskiden,  im  Osten  der  jurassische  Höhen- 
zug zwischen  Krakau  und  Wielun  in  Polen  als  Grenzen  gewählt  wor- 
den. Gegen  Norden  ist  keine  natürliche  Grenze  für  Oberschlesien  gegeben. 
Hier  schliesst  es  sich  ohne  merkbare  Scheide  an  die  Ebenen  Nieder-Schle- 
siens,  der  Provinz  Posen  und  Russisch  Polens  an^).  In  solcher  Begren- 
zung erstreckt  sich  das  Kartengebiet  zwischen  51^  22^'  und  49^  39|-' 
Nördlicher  Breite  und  zwischen  35^  bis  37^  2V  Oestl.  Länge  und  begreift 
einen  Flächenraum  von  633  Quadratmeilen^).  Eine  Erweiterung 


1)  In  der  natürlichen  für  die  Karte  von  Oberschlesien  gewählten  Begrenzung  begreift  das  Kar- 
tengebiet 

1)  das  ganze  sogenannte  Preussische  Oberschlesien  d.  i.  den  Regierungsbezirk  Oppeln; 

2)  Theile  des  Regierungsbezirks  Breslau,  namentlich  der  Kreise  Brieg,  Namslau,  Oels,  Polnisch- 
Wartenberg; 

3)  einen  Theil  des  zur  Provinz  Posen  gehörigen  Kreises  Schildberg ; 

4)  den  grössten  Theil  von  Oesterreichisch-Schlesien; 

5)  Theile  der  Markgrafschaft  Mähren,  namentlich  der  Umgebungen  von  Mährisch-  Ostrau,  Freu- 
denthal, Bärn  u.  s.  w. 

6)  den  westlich  von  Krzeszowice  und  Alwernia  liegenden  Theil  des  jetzt  zu  Galizien  gehörenden 
ehemaligen  Grossherzogthums  Krakau ; 

7)  den  grössten  Theil  des  zu  Galizien  gehörenden  Kreises  Wadowice; 

8)  Theile  von  Russisch-Polen,  namentlich  der  Kreise  Bendzin,  Czenstochau  und  Wielun. 

2)  Das  nebenstehende -Netz  lässt  die  Ausdehnung  des  Kartengebietes,  sowie  die  Begrenzung 
der  einzelnen  Sektionen  mit  einem  Blicke  übersehen. 


XVI 


des  Kartengebietes  über  die  politischen  Grenzen  von  Oberschlesien  hinaus 
war  nothwendig,  weil  nur  so  die  auf  Preussischem  Gebiete  vorhandenen 
geognostischen  Bildungen  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  und  Entwickelung 
übersehen  und  richtig  verstanden  werden  können.  So  ist  z.  B.  das  Ober- 
schlesische Steinkohlenbecken  nur  in  Verbindung  mit  den  Partien  des 
Steinkohlengebirges  in  der  Umgebung  des  von  Krzeszowice  imKrakau’- 
schenj  derenLiegendes  der  Kohlenkalk  bildet,  richtig  aufzufassen  und  ebenso 
wird  für  die  Entwickelung  der  Trias-Formation  in  dem  Preussischen  Ober- 
schlesien erst  durch  die  Hinzunahme  der  betreffenden  Ablagerungen  in 
den  benachbarten  Theilen  von  Russisch -Polen  und  Galizien  das  wahre 
Verständniss  gewonnen.  Gegen  Westen  schliesst  sich  das  Kartengebiet  an 
dasjenige  der  früher  in  dem  gleichen  Maassstabe  auf  Staatskosten 
erschienenen  Karte  von  Niederschlesien  ‘)  an. 

2.  Orographische  Skizze^). 

Das  Preussische  Oberschlesien  oder  das  Land  auf  beiden  Seiten  des 
oberen  Oder-Laufes  ist  ein  Gebiet  von  einförmigem  und  wenig  bemerkens- 

1)  Geologische  Karte  von  dem  Niederschlesischen  Gebirge  und  den  angrenzenden  Gebieten,  im 
Aufträge  des  Königl.  Preuss.  Handelsministers  Herren  von  der  Heydt  bearbeitet  von  E.  Beyrich, 
G.  Rose,  J.  Roth  und  W.  Runge  in  9 Blättern.  Berlin,  Verlag  der  S chropp’schen  Landkarten- 
Handlung. 

2)  Auf  den  verschiedenen  Sectionen  der  Karte  sind  über  800  Höhenpunkte  eingetragen.  Die- 
selben sind,  als  von  mehreren  Autoren  herrührend  und  theils  auf  barometrischer  theils  auf  trigono- 
metrischer Messung  beruhend,  augenscheinlich  von  sehr  verschiedenem  Werthe.  Da  die 
Messungen  ursprünglich  in  verschiedenem  Maasse  angegeben  sind,  so  wurden  zur  Gewinnung  einer 
gewissen  Einheit  alle  Höhenangaben  auf  das  gemeinsame  Maass  des  Rheinländischen  oder  Preussi- 
schen Fusses  reducirt.  Die  Messungen  auf  Preussischem  Gebiet  beziehen  sich  auf  den  mittleren 
Wasserstand  des  Ostseespiegels  bei  Swinemünde  als  Nullpunkt.  Für  die  Oesterreichischen  Höhen 
angaben  musste  dagegen  der  Spiegel  des  Adriatischen  Meeres  zwischen  Fiume  und  Aquileja  als 
Nullpunkt  beibehalten  werden,  da  sich  das  Verhalten  des  Niveau’s  beider  Meere  bisher  noch  nicht 
mit  Sicherheit  hat  feststellen  lassen.  Die  für  die  auf  der  Karte  angegebenen  Höhenpunkte  benutzten 
Quellen  sind: 

a.  R.’  von  Garn  all:  Die  vorzüglichsten  Höhenpunkte  Oberschlesiens  gegen  den  Oderspiegel 
beim  Einflüsse  der  Neisse  und  über  der  Meeresfläche  durch  barometrische  Beobachtungen  bestimmt. 
Karsten’s  Archiv  für  Bergbau  und  Hüttenwesen.  Bd.  18.  S.  283  ff.  Berlin  1829. 

b.  F.  Prudlo:  Die  vorhandenen  Höhenmessungen  in  Schlesien  beider  Antheile,  der  Grafschaft 
Glatz,  der  Preuss.  Lausitz  und  der  Angrenzungen,  vorzüglich  in  den  gebirgigen  Theilen.  Breslau, 
Grass  & Barth  1837. 

Aus  dieser  Schrift  sind  auch  die  Höhenangaben  aller  früheren  Preussischen  Autoren  entlehnt. 
Nur  bei  den  Höhenmessungen  R.  v.  CarnalTs  wurden  die  Original- Angaben  mit  blosser  Reduction 
auf  das  Preussische  Maass  benutzt  und  demgemäss  in  so  weit  sie  wegen  der  Erhöhung  aller  auf  der 


XVII 


werthen  orographisohem  Verhalten.  Es  ist  eine  flach  wellenförmige  Hoch- 
fläche von  einer  durchschnittlichen  Erhebung  über  den  Meeresspiegel  von 
600  bis  900  Fuss  und  einzelnen  bis  über  1200  Fuss  ansteigenden  Erhebun- 
gen und  Höhenzügen.  Auf  der  rechten  Seite  der  Oder  sind  es  besonders 
einzelne  Rücken  des  Steinkohlengebirges,  wie  namentlich  diejenigen  in  der 
Umgebung  von  Nikolai,  und  Theile  des  von  Tarnowitz  bis  zur  Oder  in 
ost-westlicher  Richtung  streichenden  Muschelkalk -Rückens,  welche  über 
die  mittlere  Erhebung  der  Hochfläche  ansteigen.  In  der  dem  Muschelkalk- 
Rücken  aufgesetzten  Basaltkuppe  des  Annaberges  bei  Le  schnitz  erreicht 
mit  1232  Fuss  das  Land  auf  der  rechten  Seite  der  Oder  überhaupt  die 
grösste  Seehöhe.  Nordwärts  des  Muschelkalk-Rückens  fällt  das  Land  dann 
stärker  gegen  Nordwesten  ab^),  offenbar  zum  Theil  deshalb  weil  hier  der  Boden 
durch  leichter  zerstörbare  Gesteine  gebildet  wird.  Nur  einzelne  Anhöhen  erhe- 
ben sich  über  dieses  niedrige  Flachland.  Unter  denselben  ist  der  Woisch- 
nik-Lublinitzer  Höhenzug  der  bemerkenswertheste.  In  der  Gegend 
zwischen  Kromolow,  Mrzyglod  und  Siewierz  in  Polen  beginnend 
tritt  derselbe  bei  Woischnik  auf  Preussisches  Gebiet  und  zieht  sich  dann 
über  Lubschau  und  Koschentin  zusammenhängend  bis  Lublinitz  und 
in  einzelnen  Ausläufern  bis  in  die  Nähe  von  Guttentag  in  einer  Erhebung 
von  900'  bis  1150'  fort^).  Aus  den  flachen  sandigen  Niederungen,  welche 


Berechnung  des  Tarnowitzer  Marktplatzes  basirenden  Messungen  um  10  Par.  Fuss  aus  Prudlo’s 
Werke  zu  entnehmen  waren,  um  64  Par.  Fuss  verringert. 

c.  Neumann:  Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde  No.  81.  März  1860. 

Aus  dieser  Schrift  sind  die  corrigirten  und  auf  die  Ostsee  reducirten  Nivellements-Angaben  der 
Oberschlesischen,  der  Neisse-Brieger,  der  Cosel -Oderberger  und  der  Oppeln -Tarnowitzer  Eisen- 
bahn entnommen. 

d.  Acta  generalia,  betreffend  die  Höhenmessungen  im  Schlesischen  Hauptbergdistrikte  Vol.  11 
(Registratur  des  Königl.  Oberbergamts  in  Breslau). 

Dieses  Aktenstück  enthält  namentlich  die  Seehöhen  der  Bahnhöfe  der  Zweigbahn  von  Nicolai 
nach  Leobschütz. 

e.  Pusch:  Geognostische  Beschreibung  von  Polen,  so  wie  der  übrigen  Nordkarpathen-Länder. 
Stuttgart  und  Tübingen  1833.  Th.  I S.  25—27. 

f.  Koristka:  Hypsometrie  von  Mähren  und  Oesterreich-Schlesien  mit  einer  Höhenschichten- 
Karte.  Brünn  1863.  In  Commission  bei  Hölzel  in  Olmütz. 

g.  Karte  von  Galizien.  Verlag  und  Eigenthum  von  x\rtaria  & Co.  Depot  des  k.  k.  militär- 
geographischen Instituts  in  Wien. 

1)  Der  Abschnitt  der  Oppeln -Tarnowitzer  Eisenbahn  zwischen  Oppeln  und  Kolonowska  liegt 
zwischen  500  bis  639',  der  Eisenbahnhof  von  Constadt  an  der  Rechten- Oderufer -Eisenbahn  liegt 
533,60',  derjenige  von  Namslau  487,66',  derjenige  von  Bernstadt  478,06'  hoch. 

2)  Der  Zogelberg  bei  Woischnik  1148',  der  Grojetzberg  W.  von  Lubschau  1161',  der  Kapellen- 
berg N.  O.  von  Koschentin  1025',  der  Lubetzkoberg  N.  W.  von  Lublinitz  952'. 


XVIII 


sich  längs  des  südwestlichen  Fusses  dieses  Höhenzuges  verbreiten,  erscheint 
derselbe  bei  dem  ziemlich  plötzlichen  Ansteigen  aus  der  Ebene  viel  bedeu- 
tender, als  von  Nordosten  her  gesehen,  wo  er  sich  ganz  allmählich  in  das 
angrenzende  Land  verflacht. 

Auf  der  linken  Oder- Seite  steigt  die  Hochfläche  gegen  Westen  und 
Süden  d.  i.  gegen  das  Bergland  des  Altvater -Gebirges  oder  Gesenkes  aus 
der  Oder -Ebene  allmählich  an.  Nur  ein  ganz  kleiner  Theil  Preussischen 
Gebietes  südlich  von  Neustadt  und  Ziegen  hals  gehört  hier  schon  dem 
Berglande  selbst  an.  In  dem  durch  die  Thäler  der  Öppa,  der  Hotzenplotz 
und  der  Oder  oder  durch  die  Lage  der  Städte  Hultschin,  Troppau, 
Jägerndorf,  Leobschütz,  Ober-Glogau,  Krappitz,  Cosel,  Rati- 
bor  und  Oderberg  begrenzten  Gebiete  erreichen  selbst  die  höchsten 
Punkte’)  nicht  1000  Fuss  Meereshöhe,  üeberall  sind  die  Höhen  flach 
gerundete  Kuppen  und  die  Gehänge  der  Thäler  mässig  geneigte  Flächen 
ohne  felsige  Abstürze. 

Orographische  Verhältnisse  von  entschiedenerem  Charakter  und  grös- 
serer Marmichfaltigkeit  treten  erst  an  der  östlichen,  südlichen  und  west- 
lichen Grenze  des  Kartengebietes  jenseits  der  Grenzen  des  preussischen 
Oberschlesiens  auf.  Im  Osten  bildet  der  aus  jurassischen  Gesteinen  zusam- 
mengesetzte Höhenzug,  welcher,  bei  Krakau  entspringend,  über  Olkusz, 
Pilica  bis  Czenstochau  in  nördlicher  Richtung  sich  erstreckt,  trotz  der 
nicht  sehr  bedeutenden  Höhe  eine  ausgezeichnete  orographische  Erschei- 
nung. Von  Westen  her  aus  der  Gegend  von  Slawkow  oder  SiewTerz 
gesehen,  erscheint  er  wie  ein  plötzlich  aufsteigender,  mit  vielen  zinnenartig 
vorragenden  Felsspitzen  gekrönter  zusammenhängender  Rücken.  Tritt 
man  dagegen  in  den  Höhenzug  selbst  ein,  so  sieht  man,  dass  es  eine  2 bis 
3 Meilen  breite,  durchschnittlich  gegen  400  bis  500  Fuss  über  das  angren- 
zende Gebiet  aufsteigende  Erhebung  ist,  welche  durch  zahlreiche,  mit 
Diluvial- Sand  erfüllte  Querthäler  in  viele  kleine  Berggruppen  zerschnitten 
ist.  Einige  dieser  letzteren  erheben  sich  zu  mehr  als  1500  Fuss^). 

Gegen  Süden  wird  das  Kartengebiet  in  ausgezeichneter  Weise  durch  die 
Nord-Karpathen  oder  B eskiden  begrenzt.  Dieselben  bestehen  aus  einer 
Hauptkette  von  steil  aufragenden  mächtigen  Bergrücken  von  zum  Theil 


1)  Der  Berg  mit  den  Liptiner  Linden  S.  S.  W.  Kätscher  993',  der  Leisnitzer  Berg  S.  Leisnitz 
unweit  Leobschütz  875',  der  Strassenauer  Berg  W.  Autischkau  937',  der  Matzkircher  Berg  unweit 
Bauerwitz  922'. 

2)  Nach  einer  auf  preussische  Fuss  reducirten  Angabe  der  Reimann’schen  Karte  beträgt  die  See- 
höhe der  Felsen  am  Podzamczer  Felsen-Schlosse  unweit  Pilica  1525  Fuss. 


XIX 


mehr  als  4000  Fuss  Höhe  und  einem  nordwärts  davor  liegenden  Hügel- 
laiide  von  durchschnittlich  nur  1000  Fuss  Meereshöhe.  Die  Städte  Frie- 
deck,  Teschen,  Skotschau,  Bielitz,  Biala,  Kenty  und  Wado- 
wice  liegen  in  dem  Bereiche  dieses  Hügellandes.  In  dem  Grodischtberge 
nordwestlich  vonT eschen  erreicht  das  Hügelland  eineHöhe  von  1341  Fuss 
und  in  demTul  südöstlich  von  Teschen  erbebtes  sich  sogar  bis  zu  1900  Fuss. 

Die  Grenze  zwischen  dem  Hügellande  und  der  Hauptkette  ist  nirgends 
zweifelhaft.  Plötzlich  und  ohne  Vermittelung  erheben  sich  die  steilen, 
bewaldeten  Sandsteinrücken  der  letzteren  an  der  südlichen  Grenze  des  Hügel- 
landes. Der  Godula-Berg  südwestlich  von  Teschen  hat  eine  Höhe  von 
23 7 r Fuss,  die  Grosse  Czantory  südlich  von  Skotschau  eine  Höhe  von 
3153  und  der  Skr'zy czni-Berg  östlich  von  Saybusch  eine  von 3974 Fuss. 
Die  über  4000  Fuss  hohe  Lissa  Hora  südlich  von  Friedeck  fällt  schon 
nicht  mehr  in  den  Bereich  unserer  Karte. 

Gegen  Südwesten  endlich  bildet  das  Mäh  rische  Gesenke  oder  Altva- 
ter-Gebirge die  Begrenzung  des  Kartengebietes.  Von  dem  aus  krystalli- 
nischen  ürgebirgs- Schiefern  bestehenden  eigentlichen  Altvatergebirge, 
welches  bei  einer  mittlern  Erhebung  von  3000',  in  einzelnen  Kuppen  über 
4000'  und  in  dem  Altvater  selbst  bis  4500'  ansteigt,  fällt  nur  eine  ganz 
schmale  Zone  an  dem  westlichsten  Saume  der  Sektion  Leobschütz  in  das 
Kartengebiet.  Dagegen  gehört  das  unter  der  Benennung  des  Niederen 
Gesenkes  bekannte  Bergland,  welches  sich  gegen  Südosten  an  das  eigent- 
liche Altvater-Gebirge  anschliesst,  zum  grossen  Theile  unserem  Kartenge- 
biete an.  Es  ist  ein  ausgedehntes  von  Osten  nach  Westen  allmählich 
ansteigendes  1000'  bis  3000'  hohes  Grauwacken-Gebiet,  welches  von  den 
zum  Theil  engen  und  tief  eingeschnittenen  Thälern  der  Oppa-  und  Oder- 
Zuflüsse  durchfurcht  wird.  Auf  die  breiten  Rücken  des  Grauwacken-  und 
Thonschiefer-Gebirges  sind  zwischen  Freu d ent hal  und  Hof  in  Mähren 
dann  noch  die  das  Land  weithin  beherrschenden  kegelförmigen  Basalt- 
Berge,  wie  namentlich  der  Köhlerberg  und  der  2476'  hohe  Rauden- 
berg  aufgesetzt. 

Von  den  Nord -Karpathen  oder  Beskiden  bleibt  das  den  südlichsten 
Abschnitt  der  Sudeten  bildende  Gesenke  durch  eine  eigen thüm liehe  zwi- 
schen Mährisch-Ostrau  und  Prerau  sich  erstreckende  mit  tertiären 
Thonen  erfüllte  Thalniederung  scharf  getrennt.  In  dieser  die  Verbindung 
zwischen  Schlesien  und  Mähren  bildenden  und  in  ihrem  mittleren  Abschnitte, 
wo  die  Oder  in  dieselbe  eintritt,  deshalb  als  Mährische  Pforte  bezeichneten 
Niederung  liegt  nördlich  von  Weisskirchen  in  der  unbedeutenden  Meeres- 
höhe von  932  Preuss.  Fuss  die  Wasserscheide  zwischen  zwei  der  bedeu- 


XX 


tendsten  Stromgebiete  Europas,  demjenigen  der  Oder  und  der  Donau. 
Nur  der  nördlichste  Abschnitt  dieser  Niederung  in  der  Umgebung  von 
Mährisch- Ostrau  fällt  übrigens  noch  in  das  Kartengebiet. 

In  hydrographischer  Beziehung  vertheilt  sich  das  Gebiet  der  Karte 
in  die  Flussgebiete  der  Oder,  der  Weichsel  und  der  March.  Der  bei  Wei- 
ten grössere  Theil  fällt  in  das  Flussgebiet  der  Oder.  In  der  That  lässt  sich 
das  Preussische  Oberschlesien  vorzugsweise  als  das  Flussgebiet  des  oberen 
Oder-Laufes  bezeichnen.  Die  in  2000  F.  Meereshöhe  gelegenen  Quellen  der 
Oder  liegen  zwar  nicht  mehr  in  dem  Bereiche  der  Karte,  aber  doch  dem 
südlichen  Rande  derselben  ganz  nahe.  Das  Gefälle  des  Flusses  beträgt 
in  dem  ganzen  40  Meilen  langen  Laufe  von  den  Quellen  bis  zum  Austritte 
aus  dem  Gebiete  derKarte  oberhalb  OhlauQ  gegen  IGOOFuss.  Aberfreilich 
ist  das  Gefälle  in  den  verschiedenen  Abschnitten  des  Laufes  ein  sehr 
abweichendes,  denn  während  es  in  dem  15  Meilen  langen  Abschnitte  von 
den  Quellen  bis  Oderberg  1406  Fuss  beträgt,  ist  es  in  dem  gegen  30  Mei- 
len langen  Abschnitte  von  Oderberg  bis  Ohlau  nur  184  Fuss.  Von  bei- 
den Seiten  erhält  die  Oder  in  dem  Gebiete  der  Karte  zahlreiche  Zuflüsse. 
Die  bedeutendsten  Nebenflüsse  auf  der  linken  Seite  sind  die  Oppa,  die 
Zinna,  die  Hotzenplotz  und  die  Neisse,  auf  der  rechten  Seite  die  Ostra- 
witza,  die  Olsa,  die  Birawka,  die  Klodnitz,  die  Malapane  und  der  Stöber. 
Sehr  bedeutend  ist  endlich  ,auch  der  Theil  des  Kartengebietes,  welcher 
durch  Zuflüsse  der  Oder  entwässert  wird,  die  sich  erst  nordwärts  von  der 
nördlichen  Grenze  der  Karte  in  die  Oder  ergiessen.  So  gehört  nament- 
lich das  ganze  weit  ausgedehnte  Gebiet,  welches  sich  im  Nordosten  und 
Norden  des  aus  Keuper-Gesteinen  bestehenden  Woischnik-Lublinitzer 
Höhenzuges  verbreitet  und  namentlich  die  Gegend  von  Czenstochau, 
Krzepice  und  Landsberg  in  das  Flussgebiet  der  Warthe  und  ihres 
Nebenflusses  der  Prosna.  Andererseits  fällt  die  Gegend  von  Polnisch- 
Wartenberg,  Namslau  und  Bernstadt  in  das  Flussgebiet  der  Weida, 
welche  sich  unterhalb  Breslau  in  die  Oder  ergiesst.  Der  in  das  Flussge- 
biet der  Weichsel  entfallende  Theil  des  Kartengebietes  ist  viel  unbedeu- 
tender und  beträgt  nur  150  Quadratmeilen.  Es  ist  der  obere  Theil  des 
Flusslaufes,  welcher  der  Karte  angehört.  Die  3100  Fuss  hoch  südöstlich 
von  Skotschau  entspringenden  Quellen  liegen  freilich  schon  jenseits  der 
südlichen  Grenzen  der  Karte.  Zwischen  Freistadt  und  Schwarzwas- 
ser im  Kreise  Te  sehen  liegt  die  durch  die  Ferdinands -Nordbahn  über- 


1)  Am  Oberwasser  des  Wehres  bei  Ohlau  ist  die  Meereshöhe  410,81  Rheinl.  Fuss. 


XXI 


schrittene  Wasserscheide  zwischen  Weichsel  und  Oder  in  einem  ganz  flach- 
welligen mit  Löss  bedeckten  Htigellande  in  750  Fuss  Meereshöhe.  Zahl- 
reiche Zuflüsse,  von  denen  die  Sola  und  die  Skawa  die  bedeutendsten  sind, 
strömen  von  der  rechten  Seite  d.  i.  von  den  Nord-Karpathen  oder  Beskiden 
her  der  Weichsel  zu,  von  der  linken  oder  nördlichen  Seite  erhält  sie  dage- 
gen nur  einen  bedeutenderen  Zufluss  nämlich  die  Przemsa,  die  aus  der 
Vereinigung  von  zwei  Hauptarmen  der  weissen  und  schwarzen  Przemsa 
bei  Slupna  unweit  Myslowitz  entsteht.  Die  ganze  ausgedehnte  Hoch- 
fläche, welche  sich  zwischen  der  Gegend  vonKönigshütte  undTarnowitz 
einerseits  und  dem  Polnischen  Jura-Zuge  andererseits  ausdehnt,  wird  durch 
diesen  Fluss  entwässert. 

Ganz  unbedeutend  und  nur  wenige  Quadratmeilen  gross  ist  endlich 
der  zu  dem  Flussgebiete  der  March  und  damit  der  Donau  gehörende 
Theil  des  Kartengebietes.  Es  ist  die  Gegend  von  Deutsch-Lodenitz, 
Bärn  und  Domstadtl  in  Mähren,  weiche  an  den  Zuflüssen  der  bei 
Olmütz  in  die  March  sich  ergiessenden  Bistrzitza  gelegen  ist. 


3.  Literatur. 

Allgemeinere  Schriften  über  die  Geognosie  von  Oberschlesien. 

1805.  Leop.  von  Buch:  Geognostische  üebersicht  von  Neu-Schlesien 
d.  d.  Berlin,  2.  Februar  1805.  Leop.  von  Buch’s  Gesammelte 
Schriften,  herausgegeben  von  J.  Ewald,  J.  Roth  und  H.  Eck. 
Erster  Band.  Berlin  1867.  S.  719— 739. 

1822.  Carl  von  Oeynhausen:  Versuch  einer  geognostischen  Beschrei- 
bung von  Oberschlesien  und  den  nächst  angrenzenden  Gegenden 
von  Polen,  Galizien  und  Oesterreichisch-Schlesien.  Nebst  einer  geog- 
nostischen Karte  und  drei  Special-Abrissen.  Essen. 

1844.  R.  von  Carnall:  Geognostische  Karte  von  Oberschlesien.  Berlin, 
Verlag  von  Simon  Schropp  & Co. 

1844.  R.  von  Carnall:  Entwurf  eines  geognostischen  Bildes  von 
Oberschlesien.  Bergmännisches  Taschenbuch.  Erster  Jahrgang. 
S.  100  ff. 

1845.  E.  Beyrich:  lieber  die  Entwickelung  des  Flötzgebirges  in  Schle- 
sien. Karsten’s  Archiv  für  Bergbau  und  Hüttenk.  Bd.  18.  S.  1 — 86. 


xxir 


1857.  R.  von  Garn  all:  Geognostische  Karte  von  Oberschlesien,  in  zwei 
Blättern  und  ein  Blatt  mit  Gebirgsdurchschnitten.  Zweite  Auflage. 
Simon  Schropp  in  Berlin. 

18G0.  R.  von  Carnall:  Oberschlesiens  Gebirgsschichten  oder  Erläute- 
rungen zu  der  geognostischen  Karte  von  Oberschlesien.  Jahrbuch 
des  Schlesischen  Vereins  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Zweiter  Band. 
Breslau  1860.  S.  44— 58. 

1867.  Ferd.  Roemer:  Erläuterungen  zu  den  Sektionen  Gleiwitz,  Königs- 
hütte.  Loslau  und  Pless  der  geognostischen  Karte  von  Oberschlesien 
im  Maassstabe  Berlin. 


4.  üehersicht  über  die  geschichtliche  Entwickelung  der  geognostischen 
Kenntniss  von  Oberschlesien. 

Den  ersten  freilich  sehr  aphoristischen  Bericht  über  die  allgemeineren 
geognostischen  Verhältnisse  Oberschlesiens  verdanken  wir  Leop.  v.  Buch. 
Derselbe  führt  den  Titel:  Geognostische  üebersicht  von  Keuschlesien. 
Schon  im  Jahre  1805  verfasst  und  der  damaligen  obersten  Preussischen 
Bergbehörde  übergeben  ist  er  erst  unlängst  in  den  gesammelten  Schriften 
L.  V.  ßuch’s  gedruckt  erschienen.  Es  ist  in  diesem  Aufsatze  eine  kurze 
Beschreibung  der  in  Neu -Schlesien  d.  i.  in  dem  von  1795  bis  1807  unter 
Preussischer  Herrschaft  stehenden,  das  Fürstenthum  Siewierz  begreifen- 
den Theile  von  Polen  entwickelten  Sedimentär- Bildungen  mit  besonderer 
Beziehung  auf  die  in  denselben  vorkommendeii  nutzbaren  Fossilien  und 
unter  Vergleichung  des  Verhaltens  derselben  Bildungen  in  dem  angrenzen- 
den Oberschlesien  gegeben  worden.  Im  Besonderen  werden  das  Steinkoh- 
lengebirge,  der  erzführende  Muschelkalk,  der  Jurakalk  und  die  kohleu- 
führenden  Keuper -Schichten  beschrieben.  Zu  dem  Jurakalke  werden 
schon  mit  Bestimmtheit  die  Kalkschichten  des  jurassischen  Höhenzuges 
zwischen  Krakau  und  Czenstochau  gerechnet  und  die  kohlenführenden 
Keuper -Schichten  werden  unter  der  Benennung  „neueres  Steinkohlenge- 
birge^‘  von  dem  älteren  Steinkohlengebirge  schon  sicher  geschieden. 

Vielfach  auf  L.  v.  Buch’s  Beobachtungen  sich  stützend,  aber  zugleich 
durch  umfassende  eigene’ Beobachtungen  vorbereitet  lieferte  dann  im  Jahre 
1822  C.  von  Oeynhausen  in  seiner  Schrift:  Versuch  einer  geognostischen 


XXIII 


Beschreibung  von  Obersclilesien  die  erste  ausführlichere  Darstellung  der 
geognostischen  Verhältnisse  von  Oberschlesien  und  den  angrenzenden 
Theilen  von  Polen,  Galizien  und  Oesterreichisch  Schlesien.  Eine  unbe- 
fangene und  scharfsichtige  Beobachtung  zeichnet  diese  Arbeit  von  Oeyn- 
hausen’s  aus  und  lässt  dieselbe  noch  heute  als  werthvoll  erscheinen, 
obgleich  die  Ansichten  über  die  Altersstellung  der  darin  beschriebenen 
Sedimentär-Bildungen  sich  seitdem  zum  Theil  freilich  sehr  wesentlich  geän- 
dert haben. 

In  den  vierziger  Jahren  folgen  dann  die  Arbeiten  R.  von  CarnalTs, 
der  in  seiner  vieljährigen  amtlichen  Thätigkeit  in  Oberschlesien  der 
geognostischen  Erforschung  des  Landes  mit  besonderem  Eifer  und  mit 
dem  glücklichsten  Erfolge  sich  widmete.  Abgesehen  von  verschiede- 
nen einzelne  Ablagerungen  betreffenden  Untersuchungen,  welche  in  dem 
Folgenden  bei  der  Beschreibung  der  einzelnen  Formationen  näher  zu 
erwähnen  sein  werden,  gab  er  auch  in  seiner  geognostischen  Karte  von 
Oberschlesien,  von  welcher  1857  eine  neue  wesentlich  verbesserte  Auflage 
erschien,  eine  graphische  Darstellung  von  dem  geognostischen  Baue  Ober- 
schlesiens überhaupt.  Wenngleich  nach  der  Grösse  des  Massstabes  nur 
als  Uebersichtskarte  zu  betrachten  und  obgleich  in  manchen  Punkten  noch 
irrig,  ist  diese  einen  so  grossen  Landstrich  begreifende  Karte  doch  als 
Werk  eines  Einzelnen  höchst  verdienstlich  und  der  mit  derselben  für  die 
geognostische  Kenntniss  Oberschlesiens  gewonnene  Fortschritt  ergiebt  sich 
am  Besten  aus  einer  Vergleichung  mit  der  durch  C.  von  Oeynhausen 
seinem  Werke  beigegebenen  Karte. 

Im  Jahre  1845  veröffentlichte  E.  Beyrich  als  das  Ergebniss  einer  in 
den  Jahren  1842  und  1843  ausgeführten  Bereisung  des  Landes  einen  wich- 
tigen und  inhaltreichen  Aufsatz  über  die  Entwickelung  des  Flötzgebirges  in 
Schlesien,  in  welchem  er  namentlich  mit  Hülfe  der  Paläontologie  das  Alter 
und  den  Zusammenhang  der  einzelnen  in  Schlesien  vorkommenden  Sedi- 
mentär-Bildungen genauer  als  bisher  geschehen  festzustellen  vermochte. 
Der  zweite  Abschnitt  dieses  Aufsatzes  bezieht  sich  auf  Oberschlesien  und 
das  Gebirgs-System  der  Karpathen.  Die  verschiedenen  hier  auftretenden 
Sedimentär-Bildungen  werden  beleuchtet  und  die  Kenntniss  einer  jeden 
mehr  oder  minder  wesentlich  erweitert.  Besonders  gilt  das  von  dem 
Muschelkalk,  der  Jura-Formation  und  den  Tertiär-Bildungen. 

Seit  dem  Jahre  1862,  in  welchem  die  Arbeiten  für  die  Herstellung  der 
gegenwärtig  vollendeten  geognostischen  Karte  von  Oberschlesien  ihren 
Anfang  nahmen,,  habe  ich  selbst  eine  Reihe  von  Aufsätzen  über  einzelne 
der  in  Oberschlesien  vorkommenden  Formations -Glieder  veröffentlicht. 


XXIV 


In  einem  kurzen  erläuternden  Berichte  zu  den  den  Oberschlesischen  Berg- 
distrikt begreifenden  Sektionen:  Gleiwitz,  Königshütte,  Loslau  und 
Pie  SS  habe  ich  ferner  die  in  dem  Bereiche  dieser  Sektionen  auftretenden 
Formationen  übersichtlich  geschildert.  Die  gegenwärtige  Schrift  soll  eine 
annähernd  vollständige  Darstellung  der  geognostischen  Verhältnisse  Ober- 
schlesiens und  der  angrenzenden  Gebiete  liefern,  wie  sie  sich  unter 
Benutzung  der  früheren  Arbeiten  aus  den  für  die  Herstellung  der  Karte 
angestellten  Untersuchungen  ergeben  hat. 


TJrgebirge 


Das  kristallinische  Urgebirge  besitzt  in  dem  Kartengebiete  nur  eine 
sehr  geringe  Yerbreitung.  Es  erscheint  lediglich  in  einem  ganz  schmalen 
Streifen  an  dem  westlichen  Rande  der  Sektion  Leobschütz  auf  der 
Strecke  zwischen  Würbenthal,  Zuckmantel  und  Neisse.  Dieser 
Streifen  bildet  den  nordöstlichen  Saum  der  ausgedehnten  Partie  von 
älteren  krjstallinischen  Gesteinen  in  dem  Gebirgsstocke  des  hohen  Altvater- 
gebirges und  seiner  Umgebungen.  Gneiss,  Glimmerschiefer  und  Granit 
sind  die  Gesteine,  welche  in  diesem  Streifen  des  ürgebirges  auftreten. 

1.  Giieiss. 

Derselbe  erscheint  in  dem  Kartengebiete  in  zwei  Partien  von  sehr  ver- 
schiedenem Verhalten.  Er  bildet  nämlich: 

a)  eine  schmale  Zone  zwischen  Würbenthal  und  Zuck- 
mantel. Diese  Zone  erstreckt  sich  unmittelbar  westlich  von  dem  aus 
weissen  Quarziten,  glimmerreichen  Quarzitschiefern  und  schwarzen 
glimm  er  schief erähnlichen  Thonschiefern  bestehenden  Streifen  unter-devo- 
nischer Gesteine,  welche  am  Einsiedler -Dürrberge  bei  Würbenthal 
Grammysia  Hamiltonensis , Homalonotus  crassicauda,  Spirifer  macropterus 
und  andere  Versteinerungen  führen.  Der  Gneiss  bildet  das  unmittelbare 
Liegende  dieser  unter  - devonischen  Gesteine.  In  diesem  Lagerungs ver- 
hältniss  lässt  er  sich  auf  der  ganzen  Strecke  von  Ludwigsthal  bei 
Würbenthal  bis  Obergrund  bei  Zuckmantel  verfolgen.  In  der  Regel 
hat  der  Gneiss  ein  Glimmerschiefer-ähnliches  Ansehen,  indem  das  Gefüge 
bei  dem  Reichthum  an  Glimmer  ein  sehr  vollkommen  schiefriges  ist  und 

1)  Wahrscheinlich  mit  Beziehung  auf  dieses  deutlich  krystallinisch- schiefrige  Gefüge  haben 
ihn  Oesterreichische  Geologen  auf  den  geologischen  Karten  des  Altvater- Gebietes  als  Phyllit- 
Gneiss  bezeichnet. 


1 


2 


ürgebirge. 


auf  den  Schieferungsflächen  fast  nur  Glimmer  sichtbar  ist.  Auch  ist  der 
Feldspath  bei  fast  mit  derjenigen  des  Quarzes  ganz  übereinstimmender 
grauer  Färbung  von  dem  Quarz  nur  schwer  zu  unterscheiden.  Die  Farbe 
des  ganzen  Gesteins  ist  meistens  ein  schmutziges  Dunkelgrün.  Dieselbe 
ist  abhängig  von  feinen  Schüppchen  oder  Flasern  von  Chlorit,  welche 
neben  dem  Glimmer  und  häufig  der  Masse  nach  über  diesen  selbst  über- 
wiegend in  der  Richtung  der  Schieferungsflächen  des  Gesteins  sich  aus- 
breiten. Der  Glimmer  ist  durch  die  hellgraue  oder  silberweisse  Farbe 
von  dem  Chlorit  stets  leicht  zu  unterscheiden.  Zuweilen  erscheint  der 
Glimmer  in  zollgrossen  Tafeln  und  giebt  dann  dem  Gesteine  ein  sehr  aus- 
gezeichnetes Aussehen.  Namentlich  auf  dem  linken  Thalgehänge  der 
Weissen  Oppa  bei  Ludwigsthal  unterhalb  Carlsbrunn  fanden  sich 
Gneissschichten  mit  solchen  grossen  Glimmer-Tafeln. 

Zuweilen  nimmt  nun  aber  der  Gneiss  ein  von  dem  bisher  beschrie- 
benen sehr  abweichendes  granitähnliches  Ansehen  an.  Er  verliert  das 
deutliche  krystallinisch  schiefrige  Gefüge,  so  dass  man  die  Parallel-Struktur 
nur  noch  im  Grossen  erkennen  kann,  wird  reich  an  Feldspath  und  hellgrau 
von  Farbe.  Dieser  granitähnliche  Gneiss  bildet  Einlagerungen  in  dem 
dunkelen  deutlich  schiefrigen  Gneiss.  Namentlich  lässt  sich  eine  solche 
Einlagerung  als  eine  langgezogene  schmale  Zone  von  einem  zwischen  dem 
Davidstein  und  der  Victor -Hütte  in  Ludwigsthal  liegenden  Punkte  an 
über  die  Machold-Platte  verfolgen. 

Allgemein  zeigt  der  Gneiss  eine  grosse  Neigung  zur  Felsbildung.  Die 
zum  Theil  haushohen  senkrecht  abstürzenden  Felswände,  welche  an  den 
Thalgehängen  der  Weissen  und  Mittel-Oppa  an  vielen  Punkten  hervortretend 
und  unter  denen  der  Davidstein,  die  Machold-Platte,  der  Rauberstein 
und  der  Johannisstein  einige  der  ausgezeichnetsten  sind,  geben  davon 
Zeugniss.  Als  bemerkenswerth  ist  noch  das  Aufsetzen  eines  erzführenden 
Quarzganges  in  dem  Gneisse  zu  erwähnen.  Biegt  man  am  obersten  Dorf- 
ende von  Ludwigsthal  bei  der  Försterei  links  in  südöstlicher  Richtung 
in  den  tiefen  Einschnitt  eines  Nebenthaies  ein,  so  sieht  man  gleich  am  Ein- 
gänge des  Thaies  eine  weisse  Felsklippe  an  dem  Thalgehänge  hervor- 
treten. Weiter  aufwärts  sieht  man  noch  einige  andere  solcher  weissen 
Klippen  in  der  Nähe  eines  neu  angesetzten  Stollens  und  der  sogenannten 
Kupferschächte,  d.  i.  Pingen  von  alten  Stollenlichtlöchern,  hervor- 
treten. Diese  Felsen  bestehen  aus  weissem  Quarz  und  sind  augenschein- 
lich das  Ausgehende  eines  Quarzganges,  dessen  nördliche  Fortsetzung 
wahrscheinlich  „die  weissen  Steine^^  auf  dem  Zimmerberge  bilden 
und  dessen  Vorhandensein  auch  noch  weiterhin  durch  lose  Quarzblöcke 


Urgebirge. 


3 


bezeichnet  wird,  welche  man  in  der  von  der  Macholdplatte  ostwärts  hinab- 
laufenden Waldschneise  neben  alten  verfallenen  Schächten  beobachtet. 
Weniger  sicher  ist  das  Fortsetzen  des  Ganges  gegen  Süden  nach 
Dürrseifen  hin  nachzuweisen,  obgleich  nordöstlich  von  dem  genannten 
Orte  sehr  zahlreiche  Quarzblöcke  umherliegen.  Die  Mächtigkeit  des  Gan- 
ges beträgt  in  der  Nähe  der  Kupferschächte  gegen  12  Fuss.  Das  Ein- 
fallen ist  mit  80 gegen  Westen.  Bei  den  Kupfers chächten  setzt  nun  in 
diesem  Quarzgange  ein  nur  zwei  Zoll  mächtiges  Trum  von  Kupferkies  auf. 
Gewöhnlich  erscheint  der  Kupferkies  in  zoll-  bis  faustgrossen  Knollen  und 
kleinen  Schnüren.  Eine  Rinde  von  Kupferpecherz  umgiebt  ihn  gewöhnlich. 
Auch  faseriger  Malachit  und  erdiges  Kupferlasur  kommen  in  Glimmer- 
partien untergeordnet  vor. 

b)  Gneiss-Partie  bei  Deutschwette  zwischen  Ziegenhals 
und  Neisse.  Diese  Partie  ist  von  ganz  beschränktem  Umfange.  Die 
einzigen  Aufschlüsse  derselben  sind  die  Felsen  am  Katternberge  auf  dem 
rechten  Biele-Ufer  neben  der  grossen  Mühle  von  Deuts chwette.  Das 
Gestein  ist  weiss  und  stark  zersetzt.  Gewöhnlich  sieht  man  nur  Quarz 
und  Feldspath  und  der  Glimmer  fehlt  entweder  ganz  oder  ist  nur  in 
sparsamen  ganz  kleinen  weissen  Schüppchen  vorhanden.  Quarz  ist  der 
entschieden  vorwaltende  Gemengtheil.  Er  ist  von  hellgrauer  Farbe  und 
bildet  dünne  Lamellen  oder  langgezogene  Körnchen.  Der  Feldspath  ist 
in  der  Regel  ganz  zu  erdigen  weissen  Kaolin  aufgelöst.  Nur  ganz  aus- 
nahmsweise sieht  man  ihn  noch  krystallinisch  blätterig.  Das  Gestein  ist 
also  ein  glimmerarmer  Gneiss  mit  zersetztem  Feldspath. 

Uebrigens  ist  diese  Gneiss-Partie  von  Deutschwette  nicht  ganz  isoHrt, 
sondern  *|4  Meile  in  südwestlicher  Richtung  auf  dem  schon  auf  dem  Blatte 
Glatz  der  geologischen  Karte  von  Niederschlesien  gelegenen  Höllenberge 
südlich  von  der  Braunkohlengrube  Lentsch  tritt  dasselbe  Gestein  in  einer 
viel  grösseren  Partie  zu  Tage.  Auf  der  geognostischen  Karte  von  Nieder- 
schlesien ist  es  als  Quarzit  bezeichnet. 

2.  Glimmerschiefer. 

Das  Auftreten  dieses  Gesteins  in  dem  Kartengebiete  beschränkt  sich 
auf  eine  ganz  kleine  Partie  westlich  von  Ziegenhals.  An  dem  Punkte, 
wo  der  Weg  von  Ziegenhals  nach  Niklas dorf  das  Biele-Thal  hinab- 
führt, befinden  sich  links  vom  Wege  Steinbrüche,  in  welchen  der  Glimmer- 
schiefer zur  Gewinnung  von  Platten  gebrochen  wird.  Das  Gestein  ist  ein 
echter  Glimmerschiefer  mit  sehr  vollkommen  krystallinisch  schieferiger 
Struktur  und  von  grauer  Farbe.  Uebrigens  ist  dieses  Auftreten  des  Ghm- 

u 


4 


Urgeijirge. 


merscliiefers  nicht  ein  für  sich  bestehendes,  sondern  dasselbe  bildet  nur 
den  äussersten  nordöstlichen  Ausläufer  einer  grösseren  in  der  Richtung 
gegen  Südost,  gegen  Freiwaldau  hin,  sich  erstreckenden  Partie. 

3.  Granit. 

Auch  die  Verbreitung  dieses  Gesteins  in  dem  Kartengebiete  ist  eine 
ganz  beschränkte. 

a)  Ein  Paar  kleine  Partien  westlich  von  Zuckmantel  in  der 
Nähe  der  Endersdorfer  Hütte.  Die  eine  dieser  kleinen  Partien  liegt 
nordöstlich  von  der  Endersdorfer  Hütte  und  ist  durch  Sandgruben  auf- 
geschlossen, in  welchen  Sand  zum  Scheuern  gegraben  wird.  Das  Gestein 
ist  nämlich  durchaus  zersetzt  und  zu  einem  weissen  Granitgrus  zerfallen. 
Eine  andere  Partie  liegt  weiter  nördlich  neben  der  Salis-Mühle,  westlich 
von  Schönwaldau.  Hier  ist  der  Granit  in  hohen  nackten  Felswänden 
entblösst.  Wie  an  der  ersteren  Stelle  ist  er  auch  hier  zu  Grus  zerfallen. 
Zwischen  Niklasdorf  und  Freiwaldau  tritt  derselbe  Granit  den  Glim- 
merschiefer durchbrechend  in  mehreren  kleinen  Partien  auf. 

b)  Granit-Gänge  im  Gneis s bei  Deuts chwette.  Die  früher  auf- 
geführte Gneiss-Partie  bei  Deuts  chwette  wird  in  allen  Richtungen  von 
1 bis  2 Fuss  dicken  Granit-Gängen  durchsetzt.  Wie  der  Gneiss,  in  wel- 
chem die  Gänge  aufsetzen,  so  ist  auch  der  Granit  selbst  stark  zersetzt  und 
der  Feldspath  zu  weissem  Kaolin  aufgelöst. 

c)  Granit-Gänge  im  Gneiss  bei  Ludwigsthal.  Dicht  unterhalb 
der  Philippshütte  in  Ludwigsthal  bei  Würbenthal  über  dem  steilen 
linken  Thalgehänge  der  Weissen  Oppa  am  Eingänge  in  das  dortige  Neben- 
thal setzt  mitten  in  dem  grünlich-grauen  Gneiss  ein  Gang  von  graulich- 
weissem  Granit  auf.  Das  Gestein  besteht  aus  Aveissem  Feldspath,  grauem 
Quarz  und  schmutzig  grünem  Glimmer.  Von  anderer  Beschaffenheit  ist 
der  Granit,  welcher  oberhalb  des  Elisabeth-Hammers  an  der  Mittel-Oppa 
in  losen  Blöcken,  Avelche  jedenfalls  auch  von  einem  Gange  im  Gneiss  her- 
rühren, umherliegend  gefunden  wird.  In  diesen  Stücken  ist  der  Glimmer 
dunkelfarbig,  fast  schwarz,  und  der  Feldspath  fleischartig. 


V ersteinerungsf ührendes  Sedimentär-Gebirge. 


1.  Palaeozoische  rormation. 


I.  Devonische  Schichten. 

A.  Devonische  Schichten  am  Ost-Abhange  des  krystallinischen  Altvatergebirges. 

1.  Würbenthaler  Quarzite  und  Thonschiefcr '). 
a.  Geschichtliches. 

Die  hier  zu  beschreibenden  Schichten  werden  hier,  um  eine  kurze  Be- 
zeichnung zu  haben,  nach  dem  Städtchen  Würbe nthal  in  Oesterreichisch- 
Schlesien,  in  dessen  Umgebungen  sie  deutlich  entwickelt  sind,  benannt. 
Von  allen  früheren  Beobachtern  sind  sie  dem  krystallinischen  Gebirge 
zugerechnet  und  als  solche  auf  den  geognostischen  Karten  verzeichnet 
worden.  In  der  That  ist  auch  das  äussere  Ansehen  derselben  ein  so 
krystallinisches  und  die  Verbindung  mit  echten  Urgebirgs arten,  namentlich 
Gneiss  und  Glimmerschiefer,  eine  so  enge,  dass  man  durch  das  minera- 
logische Verhalten  und  die  Lagerungsverhältnisse  durchaus  nur  ver- 
anlasst sein  konnte,  sie  für  älter  als  die  ältesten  versteinerungsführenden 
Schichten  zu  halten.  Erst  ein  glücklicher  Fund  von  Versteinerungen  hat 
in  Betreff  des  wirkhchen  Alters  unerwarteten  Aufschluss  gewährt.  Herr 
A.  Halfar  entdeckte  im  Sommer  1865  in  glimmerreichen  weissen  Quar- 
ziten auf  der  Höhe  des  bei  dem  Dorfe  Einsiedel,  *|2  Meile  nördlich  von 
dem  Städtchen  Würbenthal  gelegenen  Dürrberges  zahlreiche  verhältniss- 
mässig  wohl  erhaltene  Versteinerungen,  aus  deren  näherer  Untersuchung 
sich  mir  die  Zugehörigkeit  der  Quarzite  zu  der  unteren  Abtheilung  der 
Devonischen  Gruppe  mit  Sicherheit  ergab  ^).  An  diese  Altersbestimmung 
der  Quarzite  als  unter- devonisch  knüpften  sich  weitere  Folgerungen  in 

1)  Auf  der  Karte  mit  de^  bezeichnet. 

2)  Vergl.  Ueber  die  Auffindung  Devonischer  Versteinerungen  auf  dem  Ostabhange  des  Alt- 
vatergebirges von  Ferd.  Roemer.  Zeitschr.  der  D.  geol.  Ges.  Jahrg.  1865,  S.  579  fit*. 


6 


Versteinerungöführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


Betreff  des  Alters  des  weiter  östlich  sich  verbreitenden  Grauwacken- 
gebirges. Wenn  bei  Würbenthal  unter -devonische  Quarzite,  welche, 
wie  früher  gezeigt  wurde,  glimmerreichen  Gneiss  zur  unmittelbaren  Unter- 
lage haben,  mit  nord-südlichem  Streichen  entwickelt  sind,  und  wenn 
anderer  Seits  bei  Troppau,  Jägerndorf,  Hotzenplotz  u.  s.  w.  Grau- 
wackensandsteine und  Thonschiefer  mit  Poddonomya  Bechen  und  anderen 
bezeichnenden  Organismen  der  Culm-Bildung  sich  verbreiten,  so  ist  es 
zunächst  durchaus  wahrscheinlich,  dass  in  dem  am  Ostabhange  des  Alt- 
vatergebirges sich  ausdehnenden  Berglande  von  Westen  nach  Osten  immer 
jüngere  Gesteine  aufeinander  folgen,  und  dass  also  die  zunächst  östlich 
von  den  Quarziten  des  Dürrberges  folgenden  devonischen  Schichten  von 
jüngerem  Alter  sind.  Da  fast  gleichzeitig  mit  der  Entdeckung  der  Ver- 
steinerungen in  den  Quarziten  des  Dürrberges  in  gewissen  eisenstein- 
führenden und  von  Diabas -Mandelsteinen  und  Schalsteinen  begleiteten 
Schichten  bei  Bennisch  unweit  Freudenthal  durch  A.  Halfar  Verstei- 
nerungen aufgefunden  wurden,  welche  auf  eine  höhere  Abtheilung  der 
devonischen  Gruppe  hinweisen,  so  erschien  es  als  eine  naturgemässe  Fol- 
gerung, einen  Theil  der  zwischen  Bennisch  und  dem  Dürrberge  bei  Wür- 
benthal entwickelten  Grauwacken  und  Thonschiefer  einer  mittleren 
Abtheilung  der  devonischen  Gruppe  zuzuweisen.  Paläontologische  Beweis- 
mittel zur  Unterstützung  dieser  letzteren  Annahme  sind  freilich  nicht  vor- 
handen, denn  die  einzigen  aus  dem  ganzen  zwischen  Bennisch  und 
dem  Dürrberge  liegenden  Gebiete  bekannt  gewordenen  Versteinerungen 
sind  die  wenigen  durch  den  verstorbenen  Dr.  Scharenberg  vor  einer 
Reihe  von  Jahren  in  den  Dachschieferbrüchen  von  Dittersdorf  bei 
Engelsberg  bekannt  gewordenen,  in  der  Form  von  undeutlichen  Stein- 
kernen erhaltenen  und  specifisch  nicht  bestimmbaren  Reste.  Aber  wenn 
diese  Reste  der  Annahme  von  dem  mittel-devonischen  Alter  der  fraglichen 
Schichten  auch  eine  Stütze  nicht  gewähren,  so  stehen  sie  doch  auch  anderer 
Seits  dieser  Annahme  durchaus  nicht  entgegen.  Die  Begrenzung  der  mittel- 
devonischen Schichten  gegen  die  unter -devonischen  Quarzite  des  Dürr- 
berges unweit  Würbenthal  ist  durchaus  unsicher.  Weder  paläonto- 
logische Merkmale,  noch  solche  des  petrographischen  Verhaltens  und  der 
Lagerung  gewähren  für  dieselbe  ein  festes  Anhalten.  Auf  der  Karte  wurde 
die  Grenze  so  gezogen,  dass  die  blaugrauen  krystallinischen  Kalkstein- 
lager noch  zu  dem  unter-devonischen  Schichten -Systeme  gehören,  weil 
deren  Gefüge  ein  so  krystallinisches  und  das  ganze  Verhalten  ein  dem- 
jenigen der  älteren  Urkalke  so  ähnliches  ist,  dass  ihre  Verbindung  mit  dem 
älteren  Schichtenkomplexe  natürlicher  schien. 


V ersteinerungsfuhrendes  Sedimentär  - Gebirge. 


7 


Auf  diese  Weise  nehmen  also  an  der  Zusammensetzung  des  zwischen 
dem  Altvater  und  der  Oppa  sich  verbreitenden  Grauwacken-Gebirges,  wel- 
ches vor  zehn  Jahren  noch  als  ungegliedert  galt,  in  Wirklichkeit  drei  ver- 
schiedene Abtheilungen  des  devonischen  Systems  und  die  den  Kohlenkalk 
vertretende  Calm-Bildung  Antheil. 

h.  Petrographisches  Verhalten. 

Das  ganze  Schichtensystem  besteht  aus  weissen  Quarziten  und  schwar- 
zen glimmerschieferähnlichen  Thonschiefern,  die  letzteren  mit  Einlage- 
rungen von  krystallinischem  Kalkstein. 

Die  Quarzite  bilden  das  unterste  Glied  der  ganzen  Schichtenfolge.  Die 
Hauptmasse  der  Thonschiefer  mit  den  Kalksteinlagern  lagern  darauf.  Ein- 
zelne Lager  von  Thonschiefer  kommen  auch  schon  zwischen  den  Quarziten 
vor.  Das  nähere  petrographische  Verhalten  dieser  Gesteine  betreffend, 
so  sind  die  Quarzite  weiss  oder  grau  und  stets  deutlich  geschichtet,  mit 
mehr  oder  minder  zahlreichen  Glimmerblättchen  von  weisser  oder  durch 
Verwitterung  kupferrother  Färbung  auf  den  ebenen  Schichtflächen.  Durch 
Aufnahme  von  mehr  Glimmer  wird  der  Quarzit  häufig  schieferig  und 
gewinnt  der  Glimmer  noch  mehr  die  Oberhand,  so  findet  zuweilen  selbst 
ein  üebergang  in  Glimmerschiefer  statt.  Namentlich  gegen  das  Nordende 
der  Zone  wechsellagern  die  Quarzite  mit  echten  hellgrauen  Glimmer- 
schiefern, in  welchen  selbst  Krystalle  verschiedener  Mineral-Species  sich 
ausscheiden,  wie  namentlich  Staurolith  und  Granat.  Der  Letztere  wurde 
namentlich  in  den  Glimmerschiefern  des  sehr  steil  abfallenden  Thal- 
gehänges der  Biele  westlich  von  Ziegenhals  beobachtet. 

Die  Thonschiefer  sind  schwarz,  auf  den  Schieferungsflächen  schim- 
mernd fast  wie  Glimmerschiefer  und  diesen  auch  durch  halbkrystallinisches 
Gefüge  enge  verbunden.  Deutlich  ausgeschiedene  Glimmerblättchen  wer- 
den jedoch  niemals  bemerkt,  sondern  die  Masse  bleibt  immer  gleichartig. 
Die  Schieferungsflächen  sind  fein  gefältelt,  wie  das  bei  ähnlichen  halb- 
krystallinischen  Thonschiefern  auch  in  anderen  Gegenden  gewöhnlich  ist. 
Die  Falten  sind  haarförmig  dünn  und  unter  sich  parallel.  Zuweilen 
schwellen  sie  aber  auch  zu  dickeren  Runzeln  an.  Würfel  von  Schwefel- 
kies, zum  Theil  bis  ^|2  Zoll  gross,  erfüllen  nicht  selten  den  Thonschiefer. 

Der  Kalkstein  ist  gewöhnlich  ein  feinkörniger  krystallinischer  Kalk- 
stein von  blaugrauer  Farbe  und  gleicht  durchaus  den  den  Urthonschiefern 
und  krystallinischen  Schiefem  untergeordneten  Urkalken  anderer  Gegen- 
den. Dieser  Kalkstein  bildet  mehrere  beschränkte  Partien  in  dem  Gebiete 
der  Thonschiefer,  welche  als  stockförmig  auftretende  Massen  zu  betrachten 


8 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


sind.  Eine  solche  Partie  liegt  ganz  nahe  bei  W ürb  enthäl,  am  Zusammen- 
flüsse der  drei  Oppa-Quellen  nördlich  von  der  Stadt.  Sie  ist  durch  mehrere 
Steinbrüche  aufgeschlossen,  in  welchen  Wegebau-Material  und  Kalk  zum 
Kalkbrennen  gewönnen  wird.  Eine  zweite  Partie  befindet  sich  neben  der 
Kirche  des  Dorfes  Ein  siedel.  Auch  diese  ist  durch  einige  zum  Theil  sehr 
bedeutende  Steinbrüche  aufgeschlossen.  Eine  dritte  liegt  ganz  in  der  Nähe 
der  Rochus-Kirche  bei  Hermannstadt,  eine  vierte  \ Meile  nördlich  von 
der  Wallfahrts -Kirche  Mariahilf  bei  Zuckmantel.  Die  letztgenannte 
Partie  ist  wieder  durch  mehrere  Steinbrüche  aufgeschlossen.  Eine  fünfte 
liegt  östlich  von  Endersdorf.  Auch  hier  gewährt  ein  grossartiger  Stein- 
bruch einen  deutlichen  Aufschluss’).  Auch  über  die  Grenzen  der  Karte 
hinaus  sind  ähnliche  Kalkpartieen  gegen  Süden  weiter  verbreitet  und 
namentlich  kennt  man  mehrere  derselben  in  der  Gegend  von  Kl  ein - 
Mohra. 

c.  Lagerungsverhältnisse. 

Im  Allgemeinen  ist  die  Schichtenstellung  in  dem  ganzen  Schichten- 
Systeme  eine  steile  und  äusserst  gestörte.  Die  Sättel  und  Mulden,  in 
welche  die  Schichten  gefaltet  sind,  stehen  viel  steiler  und  gedrängter,  als 
in  dem  weiter  östlich  gelegenen  Theile  des  Gebirges. 

Das  Streichen  der  Schichten  ist  im  Ganzen  von  Süden  nach  Norden. 
Nur  im  Einzelnen  zeigen  sich  mehr  oder  minder  bedeutende  Abweichungen 
von  dieser  herrschenden  Streichungsrichtung,  z.  B.  in  der  Erhebung  des 
Querberges. 

Das  Verhalten  gegen  die  angrenzenden  Schichten  ist  das  der  gleich- 
förmigen Zwischenlagerung  zwischen  die  unten  und  oben  angrenzenden 
Gesteine.  Nach  unten  ist  dies  ein  glimmerreicher  Gneiss,  der,  wie  früher 
bei  den  Gesteinen  des  Urgebirges  angegeben  wurde,  eine  schmale  Zone 
zunächst  westlich  von  den  Quarziten  zwischen  Würbenthal  und  Zuck- 
mantel bildet.  Nach  oben  ist  es  die  aus  Thonschiefern  und  Grauwacken- 
sandsteinen zusammengesetzte  Schichtenfolge,  welche  weiterhin  unter  der 
Benennung  der  Engelsberger  Schichten  beschrieben  werden  wird.  Die 
Grenze  gegen  diese  letzteren  ist  sehr  wenig  bestimmt.  Das  weniger 
krystallinische  Gefüge  der  Thonschiefer  der  Engelsberger  Schichtenfolge 

1)  Die  Angabe  einer  in  südlicher  Richtung  verlaufenden  Kalkzone  im  Südwesten  von  Würben- 
thal auf  der  Geolog.  Karte  der  Markgrafsch.  Mähren  und  des  Herzogth.  Schlesien,  bearb.  von 
Fötterle.  Wien  1866,  ist  irrthümlich.  In  dem  von  derselben  angeblich  eingenommenen  Raume  treten 
vielmehr  Diorite  und  Dioritschiefer  hervor.  Eben  so  wenig  ist  die  auf  der  genannten  Karte  zwischen 
Obergrund  und  Hermann stadt  südlich  vom  Querberge  verzeichnete  Kalkpartie  in  Wirklichkeit 
vorhanden. 


yerstelnerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


9 


und  das  Vorkommen  von  dünnen  Sandsteinschichten  an  der  Basis  der- 
selben ist  für  die  Abgrenzung  vorzugsweise  benutzt  worden. 

d,  Verbreitung. 

Die  Würbenthaler  Schichten  bilden  eine  von  Süden  nach  Norden 
vorherrschend  ausgedehnte  Zone  zwischen  Neu- Vogelseifen  unweit 
Engelsberg  einer  Seits  und  Ziegenhals  anderer  Seils.  Die  Breite  der- 
selben schwankt  zwischen  ^jg  bis  ^|4  Meilen.  Die  grösste  Breite  hat  sie  in 
der  Erhebung  des  Querberges  südlich  von  Zuckmantel.  Gegen  Süden 
lässt  sich  diese  Zone  auch  über  die  Grenzen  unserer  Karte  hinaus  weiter 
verfolgen.  Sie  erstreckt  sich  hier  mit  einer  Richtung  gegen  S.  S.W.  über 
Bergstadt  hinaus  bis  in  die  Nähe  von  Schönwald  und  wahrscheinlich 
bis  in  das  March-Thal.  In  dem  Bereiche  der  Zone,  so  weit  sie  unserer 
Kartö  angehört,  liegen  die  Orte  "Würbenthal,  Ober-Hermannstadt 
und  Zuckmantel. 

e.  Orographisches  Verhalten. 

Das  von  diesen  Gesteinen  eingenommene  Gebiet  ist  ein  Bergland  mit 
hoch  aufragenden  steilen  Bergrücken  und  tief  eingeschnittenen  engen 
Thälern.  Die  höchsten,  zum  Theil  über  3000  Fuss  hoch  ansteigenden  Berg- 
rücken bildet  der  Quarzit,  welcher  auf  dem  Kamme  der  Berge  häufig  in 
senkrecht  abfallenden,  10  bis  30  Fuss  hohen  Klippen  zu  Tage  tritt.  Zu 
den  höchsten  durch  den  Quarzit  gebildeten  Bergen  gehören  namentlich  der 
Würbenthaler  Hoheberg,  der  Ludwigsthaler  Schlossberg,  der 
Rauberstein  (östlicher  Abhang),  der  Einsiedler  Dürrberg,  der 
Mothseifenkamm , der  Hackelstein  und  der  Kahleberg  in  der  Berg- 
gruppe des  Querberges. 

f.  Eruptiv -Gresteine. 

Diorit  und  Dioritschiefer. 

Die  einzigen  Eruptiv  - Gesteine  des  Schichtensystems  sind  Diorit  und 
Dioritschiefer.  Dieselben  treten  in  dem  Bereiche  der  Thonschiefer  auf. 
Nur  am  Querberge  finden  sie  sich  in  dem  Gebiete  der  Quarzite.  Meistens 
treten  sie  als  schroffe  Felspartieen  auf  der  Höhe  der  Bergrücken  hervor. 

Das  petrographische  Verhalten  des  Diorit  betreffend,  so  sind  sehr 
feinkörnige  und  undeutlich  krystallinisch  körnige  Varietäten  des  Gesteins 
durchaus  vorherrschend.  Nur  ausnahmsweise  sind  die  Gemengtheile  deut- 
lich erkennbar.  Diö  Hornblende  ist  dann  zum  Theil  in  2 Linien  grossen 
Krystallen  von  grünlich-schwarzer  Farbe  ausgeschieden,  die  namentlich 
auf  den  Verwitterungsflächen  deutlich  hervortreten,  indem  sie  von  der 

2 


10 


Verßteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


Verwitterung  weniger  als  der  feldspathartige  Gemengtheil  angegriffen 
werden.  Der  Oligoclas  von  grünlich-weisser  oder  schmutzig-weisser  Farbe 
ist  nur  äusserst  selten  in  deutlichen  Krjstallen  erkennbar,  meistens  ist  er 
undeutlich  krjstallinisch  körnig  oder  dicht.  Fast  nur  in  dem  Diorite  süd- 
lich von  dem  Würbenthaler  Schiesshause  wurden  deutliche  Krjstalle  von 
Oligoclas  beobachtet.  Nicht  selten  ist  der  Diorit  mit  kleinen  eingespreng- 
ten Partieen  von  Magnetkies  erfüllt.  So  namentlich  am  Schlossberge  bei 
Würbenthal.  Die  Farbe  des  Gesteins  ist  gewöhnlich  dunkel  lauchgrün. 
Zuweilen  aber  auch  durch  Vorherrschen  des  Oligoclas  viel  heller. 

Ein  schieferiges  Gefüge  des  Gesteins  ist  sehr  gewöhnlich.  Mit  solchen 
Dioritschiefern  sind  dann  häufig  auch  eigenthümliche  grüne  Schiefer  von 
sehr  wechselnder  Beschaffenheit  ohne  deuthch  erkennbare  Gemengtheile 
enge  verbunden.  Zum  Theil  nehmen  diese  Schiefer  Kalk  auf  und  werden 
zu  echtem  Kalkgiimmer schiefer.  Solche  Schiefer  bilden  auffallend  höcke- 
rige Felsen  auf  dem  sogenannten  Schreiberbusche  nördlich  der  Kirche 
von  Wiedergrün.  Eine  Reihe  ähnlicher  Felsen  desselben  Gesteins  lässt 
sich  von  hier  aus  gegen  Süden  im  Osten  der  Eisenerzlager  von  Klein- 
Mo  hra  verfolgen. 

Die  Verbreitung  des  Diorit  betreffend,  so  bildet  der  eigentliche 
Diorit  zahlreiche  grössere  und  kleinere,  gewöhnlich  in  der  Richtung  von 
Süden  nach  Norden,  mehr  oder  minder  langgezogene  Partieen.  Eine  solche 
Partie  befindet  sich  zunächst  am  östlichen  Fusse  des  Nesselberges  zwischen 
Wiedergrün  und  Carlsbrunn.  Es  liegen  dort  zwar  nur  lose  Blöcke 
umher,  aber  von  solcher  Form  und  in  solcher  Häufigkeit,  dass  an  dem 
Anstehen  des  Gesteins  nicht  gezweifelt  werden  kann.  Ein  kleiner  Felsen 
von  Diorit  ragt  ferner  600  Schritt  westlich  von  Dürrseifen  bei  Engels- 
berg, südlich  vom  Wege  nach  Carlsbrunn,  hervor.  Eine  dritte  Partie 
tritt  auf  dem  breiten  Rücken  der  Ascherlehne,  ‘I2  Meile  N.W.  von  Engels- 
berg, hervor.  Eine  weitere  Partie  befindet  sich  westlich  von  der  Stadt 
Würbenthal,  südlich  von  dem  Schiesshause.  Schon  C.  v.  Oeynhausen 
hat  dieselbe  gekannt.  Einen  einzelnen  Fels  bildet  ferner  der  Diorit  S.O. 
vom  Südende  von  Ludwigsthal,  oberhalb  der  Kupferschächte.  Eine 
bedeutende  Partie  ist  diejenige  des  Ludwigsthaler  Schlossberges.  Der 
Gipfel  und  die  östliche  Abdachung  des  Berges  bestehen  daraus.  Auf  dem 
Gipfel  tritt  das  Gestein  als  ein  vorwiegend  aus  grobkörnigem  Diorit 
zusammengesetzter  scharfer  Felsgrat  hervor.  Auch  auf  dem  östlichen 
Abhange  des  Berges  werden  kleine  Diorit-Felsen  beobachtet.  Dann  folgt 
eine  Partie  bei  Einsiedel.  N. N.W.  von  der  Kirche  des  Dorfes,  an  dem 
höchsten  westlichen  Theile  des  Dorfes,  liegen  lose  Blöcke  von  Diorit  so 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


11 


massenhaft  umher,  dass  das  Gestein  hier  nothwendig  anstehend  sein  muss. 
In  einer  Partie  am  südwestlichen  Theile  des  Kahleberges,  in  der  Berg- 
gruppe des  Querberges,  geht  der  Diorit  in  Hornblendegestein  über.  Eine 
ansehnliche  Partie  liegt  südwärts  von  der  Endersdorfer  Kalkmasse.  Das 
Gestein  findet  sich  hier  sowohl  in  Felsen  anstehend,  als  auch  in  zahlreichen 
lose  umherliegenden  Blöcken.  Nur  durch  solche  lose  Blöcke  ist  ein  Diorit- 
Vorkommen  in  Schönwalde  bezeichnet.  Die  Blöcke  von  zum  Theil 
bedeutender  Grösse  liegen  zerstreut  in  den  Gärten  des  Dorfes  umher. 
Endlich  ist  auch  noch  eine  östlich  von  Carlsbrunn  am  Südabfalle  des 
Holzberges  gelegene  Partie,  obgleich  nicht  mehr  in  das  Kartengebiet 
fallend,  wegen  des  deutlich  krystallinisch  körnigen  Gefüges,  welches  hier 
der  Diorit  zeigt,  zu  erwähnen. 

g.  Erzführung. 

Die  hier  zu  einer  Gruppe  zusammengefassten  unter  - devonischen 
Gesteine  haben  sich  an  mehreren  Punkten  erzführend  erwiesen.  Das 
bekannteste  Erzvorkommen  ist 

1.  Das  Vorkommen  goldhaltiger  Kiese  am  Querberge  bei 
Obergrund  unweit  Zuckmantel.  Dieses  Erzvorkommen  besteht 
wesentlich  aus  Partieen  von  kleinen  Krystallen  von  goldhaltigem  Schwefel- 
kies und  Kupferkies,  die  in  einem  aus  talk-  und  glimmerschiefer-ähnlichen 
Schiefern  und  Quarziten  bestehenden  Schichtensysteme  auftreten.  Zum 
Theil  sind  diese  Partieen  echte  Gänge,  zum  Theil  bestehen  sie  nur  in 
unregelmässigen  Imprägnationen  des  Gesteins.  Die  Krystalle  von  Schwe- 
felkies und  Kupferkies  sind  klein,  meistens  nur  von  der  Grösse  eines  Hirse- 
korns, selten  von  halber  Erbsengrösse.  Die  Würfelform  des  Schwefel- 
kieses ist  wie  die  Tetraeder-Form  des  Kupferkieses  oft  deutlich  zu  erkennen. 
Besonders  auf  dem  Querbruche  des  Gesteins  zeichnen  sich  die  Erzlager  als 
lebhaft  metallglänzende  Schnüre  zwischen  dem  dunklen  Glimmerschiefer 
und  dem  weissen  Quarze  auffallend  aus.  Der  Kupferkies  hat  durch  seine 
Zersetzung  häufig  Veranlassung  zur  Bildung  von  erdigem  Malachit,  Ziegel- 
erz und  Kupferschwärze  gegeben.  Da  der  ehemalige  Goldbergbau  ganz 
zum  Erliegen  gekommen,  so  ist  übrigens  die  nähere  Kenntniss  des  Erz- 
vorkommens am  Querberge  eine  sehr  unvollkommene.  Herr  A.  Halfar 
erhielt  durch  Herrn  Moritz  Richter  in  Würbenthal,  welcher  einige 
Gruben  am  Querberge  zur  Gewinnung  von  Kiesen  für  Schwefelsäure-Fabri- 
kation betreibt,  noch  einige  das  dortige  Erzvorkommen  betreffende  Notizen. 

Auf  der  Sarkander-Zeche  soll  Schwerspath  als  Gangart  Vorkommen. 
Auf  der  Grube  Mariatrost  kennt  man  Magneteisenstein.  Bleiglanz  hat 

2* 


12 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


man  im  „Blauen  Stollen,“  wo  er  mit  Zinkblende,  Kupferkies  und  Schwefel- 
kies in  einem  quarzreichen  Glimmerschiefer  aufsetzt,  angetroffen.  Auf 
den, Gruben  Bleistollen,  Carolus  und  Sarkander  ist  das  Haupterz  ein 
Gemenge  von  Schwefelkies  und  Kupferkies,  jedoch  in  solchem  Verhältniss, 
dass  gewöhnlich  der  Schwefelkies  durchaus  vorwaltet  und  nur  selten,  wie 
an  einigen  Stellen  auf  Carolus-Grube  und  in  grösserer  Teufe  auf  Sarkander, 
dem  Kupferkies  an  Menge  nachsteht.  Auf  diesen  Gruben  wird  das  Erz- 
vorkommen zugleich  mit  Bestimmtheit  als  ein  gangartiges  bezeichnet.  Auf 
dem  1 bis  3 Fuss  mächtigen  Carolus- Gange,  welchen  man  1865  zwanzig 
Klafter  weit  verfolgt  hatte,  ist  das  genannte  Erzgemenge  vorzugsweise 
goldhaltig.  Sonst  ist  ein  Goldgehalt  auch  auf  dem  4 bis  5 Fuss  mächtigen 
Hauptkluftgange  der  Alt-Hackelsberger  Zeche  beobachtet.  Ferner 
auch  auf  dem  3 bis  4 Fuss  mächtigen  Drei-Brüder-Gange  und  auf  dem 
Segen-Gottes-Gange.  Auf  diesen  beiden  letzteren  Gängen  ist  es  die  Zink- 
blende, welche  das  Gold  enthält. 

2.  Gangartige  Erzvorkommen  im  Gebiete  des  Thonschiefers. 
An  zahlreichen  Punkten  in  dem  Gebiete  des  Thonschiefers  geben  alte 
Halden  und  Pingenzüge  von  ehemals  betriebenem  Erzbergbau  Zeugniss. 
Nur  an  sehr  wenigen  Stellen  sind  aber  die  Ueberreste  dieses  ehemaligen 
Bergbaues  so  deutlich,  dass  die  Natur  des  Erzvorkommens  näher  ersicht- 
lich wäre. 

Auf  der  Halde  des  nordwestlich  von  Dürrseifen  gelegenen  und  erst 
vor  einigen  Jahren  verlassenen  Augustin-Stollens  fand  A.  Halfar  in  den 
massenhaft  umherliegenden  Stücken  von  weissem  Quarz,  welcher  anschei- 
nend das  erzführende  Gestein  ist,  Schnüre  von  Spatheisenstein  und  ausser- 
dem in  kleineren  Partieen  eingesprengt  Schwefelkies,  Kupferkies,  Arsenik- 
kies und  silberhaltigen  Bleiglanz.  Der  Quarz  scheint  Schnüre  und  Nester 
in  einem  blauschwarzen,  zum  Theil  auch  grünlichen  Thonschiefer  zu  bilden. 

Ganz  ähnlich  scheint  das  Erzvorkommen  in  dem  unweit  Würbenthal 
gelegenen  ehemaligen  Hohenberg-Bergwerke  gewesen  zu  sein.  An  dem 
Mundloche  des  ganz  verfallenen  Stollens  steht  dunkler  Thonschiefer  an, 
welcher  von  Schnüren  von  Spatheisenstein  und  von  weissem  Quarz  durch- 
schwärmt wird.  Kleine  Partieen  von  Kupferkies,  der  zum  Theil  zu 
Ziegelerz  zersetzt  ist,  sind  namentlich  in  den  Spatheisenstein  eingesprengt. 
Endlich  ist  auch  anzuführen,  dass  das  Gold,  welches  in  einer  älteren  allu- 
vialen Sandablagerung  nördlich  von  dem  Dorfe  Dürr  seifen,  westlich  von 
Engelsberg,  vorkommt  und  durch  Waschbetrieb  gewonnen  wird,  sehr 
wahrscheinlich  aus  westlich  davon  anstehenden,  im  Thonschiefer  einge- 
lagerten, bedeutenden  Quarzmassen  herrührt. 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


13 


3.  Lager  von  Eisenglanz,  Rotheisenstein  und  Magneteisen- 
stein bei  Kl  ein -Mohr  a.  Dieses  Erzvorkommen  fällt  zwar  grösstentheils 
nicht  mehr  in  das  Kartengebiet,  soll  hier  aber,  als  dem  Würbenthaler 
Schichtensysteme  untergeordnet,  wenigstens  erwähnt  werden.  Schon 
C.  V.  Oeynhausen’)  hat  dieselben  beschrieben.  In  gliramerschieferähn- 
lichen  Thonschiefern  und  grünen  Schiefern  von  undeutlicher  Zusammen- 
setzung treten  Kalkstein-  und  Quarzlager  auf,  denen  die  Eisenerze  unter- 
geordnet sind.  Lebhaft  metallglänzender  blätteriger  Eisenglanz  ist  das 
Haupterz.  Nicht  selten  mit  demselben  Magneteisen,  zum  Theil  in  deut- 
lichen oktaedrischen  Krystallen.  Schwefelkies  ist  häufig  eingesprengt. 
Dieses  Erzvorkommen  giebt  zu  einer  ansehnlichen  Erzgewinnung  Ver- 
anlassung. Aehnliche  aber  unbedeutendere  Eisenerzlager  wie  diese  bei 
Klein-Mohra  sind  weiter  nördlich  zwischen  Würbenthal  und  Hermann- 
stadt, so  wie  auf  der  nordöstlichen  Abdachung  des  Querberges  nördlich 
von  der  Mariahilf- Kirche,  grünem  Schiefer  untergeordnet,  bekannt,  und 
sind,  wie  Beste  alter  Grubenbaue  nachweisen,  früher  abgebaut  worden. 

h.  Besondere  Mineral -Vorkommnisse. 

Als  solche  sind  anzuführen: 

1.  Cyanit.  In  grossen,  bis  6 Zoll  langen  und  ^|4  Zoll  breiten,  schilf- 
förmigen, an  den  Enden  nicht  deutlich  ausgebildeten  Krystallen  von  him- 
melblauer Farbe  in  gelblich-weissem  , dem  . Glimmerschiefer  untergeord- 
netem Quarze  eingewachsen  an  dem  steilen  nördlichen  Biele-Ufer  westlich 
von  Ziegenhals  und  auch  in  einem  etwas  weiter  südlich  gelegenen  Stein- 
bruche. Durch  Herrn  A.  Halfar  im  Jahre  1864  aufgefunden.  Vergl. 
43.  Jahrber.  der  Schles.  Ges.  für  vaterl.  Cultur.  Breslau  1866.  S.  38. 

2.  Staurolith.  In  kleinen,  selten  bis  Zoll  langen,  undeutlich 
begrenzten,  in  Glimmerschiefer  eingewachsenen  Krystallen  an  derselben 
Fundstelle. 

3.  Granat.  In  braunen,  bis  ‘I2  Zoll  grossen  Rhomben -Dodekaedern 
ebendaselbst. 

4.  Fas  er  quarz,  die  Rinde  von  haselnuss -grossen  Schwefelkieswür- 
feln bildend,  welche  in  einem  unregelmässig  gefältelten  und  gerunzelten, 
glimmerschieferähnlichen  grauen  Thonschiefer  am  Westende  von  Dürr- 
seifen, am  Wege  nach  Carlsbrunn,  eingewachsen  verkommen.  Der 
Quarz  ist  weiss  und  meistens  nur  unvollkommen  faserig.  Gewöhnlich  sind 
nur  einige  der  Würfelflächen  der  auf  der  Oberfläche  in  Brauneisenstein 


1)  a.  a.  0.  S.  52. 


14 


Verstcinerungsfuhrendes  Sedimentär  - Gebirge. 


verwandelten  Schwefelkieses  mit  der  nur  etwa  *|2  Linie  dicken  Quarzrinde 
überzogen.  Das  Vorkommen  gleicht  durchaus  dem  von  Gr.  Rose  (Vergl. 
Zeitschr.  der  D.  geol.  Ges.  XVI.  Bd.  1864.  S.  595  ff.)  beschriebenen  Faser- 
quarz-Vorkommen von  Ligneuville  bei  Malmedy,  von  Salm  bei  Lüt- 
tich und  von  Ingleborough  in  Nordamerika. 

i.  Yersteinerungsführung. 

Vergl.  Tafel  I. 

Nur  an  einem  einzigen  Punkte  haben  sich  bisher  in  dem  hier  zu  betrach- 
tenden Schichtensysteme  organische  Einschlüsse  gefunden.  Das  ist  der 
Einsiedler  Dürrberg,  ^|2  Meile  von  Würbenthal  in  Oesterreich-Schlesien. 
Auf  dem  kahlen  Scheitel  des  Berges,  dessen  Bewaldung  vor  einer  Reihe 
von  Jahren  durch  einen  Waldbrand  zerstört  wurde,  stehen  sehr  feste, 
plattenförmig  abgesonderte  weisse  Quarzite  in  10  bis  20  Fuss  hohen  senk- 
recht abfallenden  Klippen  zu  Tage.  Die  Abhänge  des  Berges  sind  ausser- 
dem mit  losen  Blöcken  desselben  Gesteins  in  wilder  Unordnung  überstreut. 
Sowohl  in  den  anstehenden  Felsklippen  wie  in  den  lose  umherliegenden 
Blöcken  wurden  Versteinerungen  beobachtet.  Im  Ganzen  sind  sie  selten 
und  scheinen  auf  eine  einzelne  dünne  Bank  beschränkt  zu  sein.  Findet 
man  Blöcke  dieser  Schicht,  so  zeigen  sie  sich  oft  ganz  erfüllt  mit  Ver- 
steinerungen. Die  Erhaltung  ist  im  Ganzen  ziemlich  gut.  Bei  den  zwei- 
schaligen  Muscheln  hat  sich  zwar  die  Schale  nicht  in  einer  von  derjenigen 
des  Quarzits  gesonderten  Substanz  erhalten,  aber  es  sind  auch  nicht  immer 
Steinkerne,  sondern  die  ursprüngliche  Skulptur  der  Aussenfläche  der  Schale 
hat  sich  erhalten.  Andere  Arten  sind  aber  auch  nur  als  Steinkerne  bekannt. 
Häulig  ist  die  Oberfläche  der  Versteinerungen  durch  Eisenoxyd  roth  gefärbt 
und  dadurch  scharf  gegen  den  einschliessenden  Quarzit  begrenzt.  Nach- 
dem A.  Halfar  zuerst  diese  Versteinerungen  im  Jahre  1865  aufgefunden 
und  ich  selbst  demnächst  die  Fundstelle  besucht  hatte,  habe  ich  eine  Dar- 
stellung des  Vorkommens  und  eine  Beschreibung  der  Arten  geliefert  und 
das  Alter  des  Quarzits  nach  diesen  Arten  bestimmt*).  Auf  unserer  Tafel  I. 
sind  nur  die  wichtigeren  Arten  wiederum  abgebildet  worden. 

Die  bisher  bekannt  gewordenen  Arten  sind  folgende : 

1.  Grammysia  Hamiltonensis  E.  de  Verneuil.  Taf.  I.  Fig.  1.  Zeitschr. 
der  D.  geol.  Ges.  1.  c.  p.  582.  Fig.  1.  u.  2.  (conf.  Ferd.  Roemer  in  Leih, 
geogn.  Th.  II.  p.  431.) 


q lieber  die  Auffindung  devonischer  Versteinerungen  auf  dem  Ostabhange  des  Altvater- 
gebirgcs;  hierzu  Taf.  XVII.  Zeitschr.  der  Deutschen  geol.  Ges.  Jahrg.  1865.  S.  579  fi'. 


Versteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


15 


In  zahlreichen  Varietäten,  welche  man  leicht  versucht  sein  könnte  für 
selbstständige  Arten  zu  halten.  Die  Verschiedenheit  der  Individuen  zeigt 
sich  namentlich  in  der  mehr  oder  minder  starken  Ausdehnung  in  die  Quere 
und  in  der  Beschaffenheit  der  concentrischen  Anwachsringe.  Fig.  1. 
unserer  Tafel  stellt  eine  Form  mit  wenigen  starken  Anwachsringen  dar; 
Fig.  2.  der  Tafel  XVII.  in  Zeitschr.  d.  Deutschen  geol.  Ges.  a.  a.  0.  ein 
schmaleres  mehr  in  die  Quere  ausgedehntes  Exemplar  der  linken  Klappe. 

Vorkommen:  Die  häufigste  Art  von  allen,  welche  in  zahlreichen  Exem- 
plaren vorliegt. 

2.  Pterinea  sp.  Fig.  2.  Obgleich  die  für  die  Gattung  bezeichnenden 
Schlossleisten  nicht  erkennbar  sind,  so  weiset  doch  die  allgemeine  Form 
am  meisten  auf  Pterinea  hin.  Es  liegen  zwei  Exemplare  vor.  Die  Figur 
stellt  ein  als  ein  Steinkern  erhaltenes  Exemplar  der  rechten  Klappe  dar. 

3.  Edmondia  (?)  acutangula  n.  sp.  Zeitschr.  der  D.  geol.  Ges.  1.  c. 
Fig.  4.  Durch  den  sehr  scharfkantigen  hinteren  Kiel  und  durch  eine  gewisse 
Drehung  der  ganzen  Schale  ausgezeichnet.  Eine  breite  flache  Eirisenkung 
zieht  sich  von  dem  Wirbel  gegen  den  Ventralrand  der  Schale  hinab.  Die 
Gattungsbestimmung  ist  völlig  unsicher.  J.  Hall  hat  gewisse  einiger- 
maassen  ähnliche  Zweischaler  zu  Edmondia  gebracht.  Es  liegt  nur  ein 
deutliches  Exemplar  vor. 

4.  Edmondia  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  I.  c.  Fig.  5.  Ein 
vielleicht  ebenfalls  zur  Gattung  Edmondia  gehörender  Zweischaler,  bei 
welchem  die  Wirbel  viel  mehr  am  vorderen  Ende  der  Schale  liegen  als 
bei  der  vorigen  Art. 

5.  Sjoirifer  macropterus  Goldf;  Taf.  I.  Fig.  3.  Stimmt  gut  mit  gewissen 
kleineren  Formen  der  Art  in  der  Rheinischen  Grauwacke  überein.  Die  aus- 
gewachsene grosse  Rheinische  Form  wurde  nicht  beobachtet.  Es  liegen 
8 Exemplare  vor. 

6.  Naiicopsis  (?)  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  1.  c.  Fig.  7.  Ein 
stets  verdrückter  und  unvollkommen  erhaltener  Gastropod,  dessen  Zugehö- 
rigkeit zur  Gattung  Naticopsis  ganz  zweifelhaft  ist,  der  aber  seiner  grossen 
Häufigkeit  wegen  Beachtung  verdient.  Fast  immer  ist  nur  der  letzte 
Umgang  mit  mehr  oder  minder  scharfkantigem  Rücken  erhalten.  Das 
Gewinde  ist  niemals  deutlich  erkennbar,  war  aber  jedenfalls  ganz  niedrig. 

7.  Pleurotomaria  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  1.  c.  Fig.  8. 
Nicht  näher  bestimmbarer  Steinkern. 

8.  Murchisonia  sp.  Taf.  I.  Fig.  7.  Da  die  Skulptur  der  Schale  nicht 
erhalten  ist,  so  ist  eine  nähere  Bestimmung  kaum  thunlich.  Selbst  die  Gat- 
tungsbestimmung ist  keineswegs  zweifellos.  Nur  4 Exemplare  liegen  vor. 


16 


V ersteinerungsführendes  Sedimentär  - Gebirge. 


9.  Tentaculites  grandis  n,  sp.  Taf.  1.  Fig.  5.  Die  grösste  mir  bekannte 
Art  der  Gattung,  welche  mehr  als  1^|.2  Zoll  in  der  Länge  erreicht.  Die 
Zwischenräume  zwischen  den  starken  Ringwülsten  haben  keine  feineren, 
erhabenen  Linien  und  sind  anscheinend  glatt.  Die  braun  gefärbten  Schicht- 
flächen gewisser  dünner  Platten  des  Quarzits  sind  häufig  ganz  bedeckt  mit 
den  Individuen  dieser  Art.  Diese  sind  schwarz  durch  Schwefelkies,  dessen 
Zersetzung  die  braune  Färbung  der  Schichtflächen  bewirkt.  Zuweilen  ist 
ausser  dem  Abdrucke  der  Oberfläche  auch  der  Steinkern  der  inneren  Höh- 
lung erhalten.  Die  Abbildung  stellt  ein  Exemplar  in  natürlicher  Grösse 
nach  einem  Gutta-Percha- Abgusse  dar. 

10.  Cyrtoceras  (?)  sp.  Taf.  I.  Fig.  6.  Ein  nicht  näher  bestimmbarer  ein- 
zelner Steinkern.  Die  Lage  des  Sipho  ist  nicht  sichtbar.  Nur  das  rasche 
Anwachsen  und  eine  leichte  Krümmung  des  Gehäuses  bestimmt,  den  Stein- 
kern zu  Cyrtoceras  und  nicht  zu  Orthoceras  zu  stellen. 

11.  Homalonotus  crassicauda  Saiidberger;  Taf.  I.  Fig.  4.  Es  liegen  vier 
mehr  oder  minder  verdrückte  Exemplare  des  Schwanzschildes  und  ein 
einzelnes  Rumpf-Segment  vor.  Die  üebereinstimmung  des  Schwanzschildes 
mit  solchen  der  rheinischen  Grauwacke  und  namentlich  von  Daun  in  der 
Eifel  ist  so  vollständig,  dass  an  der  Identität  der  Art  nicht  wohl  zu  zwei- 
feln ist.  Bei  dem  einen  der  vorliegenden  Exemplare  des  Schwanzschildes 
endet  dasselbe  anscheinend  in  eine  feine  Spitze,  wie  sie  die  Abbildung 
zeigt.  Uebrigens  verstehe  ich  Ä crassicauda  nicht  in  dem  Umfange  wie 
die  Gebrüder  Sandberger  (Rhein.  Schichten -Syst,  in  Nassau  p.  27), 
welche  den  H,  KnigJitii  der  englischen  Ludlow-Schichten  als  ein  Synonym 
citiren  und  also  die  Benennung  H.  crassicauda  nur  als  eine  vermeintlich 
nomenklatorisch  passendere  der  älteren  englischen  substituiren,  sondern 
halte  die  devonische  Art  von  der  genannten  silurischen  Art  für  specifisch 
verschieden.  Die  von  S alter  neuerlichst  gegebene  genauere  Beschrei- 
bung des  H.  Knightii  ist  dafür  entscheidend. 

12.  Serpulites  sp.  Taf.  I.  Fig.  8.  Ein  Bruchstück  in  natürlicher  Grösse! 
Einzelne  der  vorliegenden  Exemplare  sind  2 Fuss  lang,  ohne  eine  Endigung 
zu  zeigen.  Häufig  liegen  mehrere  Exemplare  nebeneinander  in  demselben 
Gesteinsstücke.  Es  sind  übrigens  lediglich  Steinkerne  von  zusammen- 
gedrückt elliptischem  Querschnitt  und  ohne  alle  Spur  einer  Oberflächen- 
Skulptur.  Die  Art  erinnert  an  den  Serpuliies  longissimus  Murch.  der  oberen 
Ludlow-Schichten,  welcher  nach  der  hornig-kalkigen  Beschaffenheit  der 
häufig  erhaltenen  Schale  gewiss  eine  Anneliden-Röhre  ist.  Sonst  sind  ähn- 
liche Avurmförmige  Körper,  die  in  Sandsteinen  verschiedener  Formationen 
Vorkommen,  ja  auch  häufig  als  pflanzliche  Reste  gedeutet  Avorden. . 


Engelsberger  Grauwacke. 


17 


Ausser  den  vorstehend  aufgezählten  Arten  liegen  noch  verschiedene 
unvollkommen  erhaltene  und  eine  nähere  Bestimmung  nicht  zulassende 
Zweischaler  und  GastrojToden  vor. 

k.  Altersbestimmung. 

Obgleich  die  Zahl  der  sicher  bestimmbaren  unter  den  vorstehend  auf- 
gezählten Arten  von  Versteinerungen  eine  sehr  geringe  ist,  so  genügen  sie 
doch,  um  das  Alter  der  Quarzite  festzustellen.  Grammysia  Hainiltonensis, 
Spirifer  macropterus  und  Homalonotus  crassicauda,  sind  die  drei  Arten,  auf 
welche  die  Altersbestimmung  fast  allein  zu  gründen  ist.  Alle  drei  sind 
bekannte  Devonische  Arten  und  zwar  der  unteren  Abtheilung  der  Devoni- 
schen Gruppe,  welche  in  den  älteren  Rheinischen  Grauwackenschichten 
oder  der  Grauwcke  von  C oblenz  ihre  typische  Entwickelung  hat.  Alle 
drei  kommen  in  der  That  auch  am  Rheine  vor.  Man  wird  daher  auch 
wohl  kein  Bedenken  tragen  dürfen  die  Quarzite  des  Dürrberges  für  wesent- 
lich gleichalterig  mit  der  Rheinischen  Grauwacke  zu  halten,  obgleich 
abgesehen  von  diesen  drei  Arten,  eine  eigentliche  Identität  der  beiden 
Faunen  nicht  besteht,  da  die  übrigen  am  Dürrberge  beobachteten  Arten 
am  Rheine  nicht  bekannt  sind.  Damit  ist  also  die  früher  ganz  unbekannte 
Thatsache  gewonnen,  dass  Unter-Devonische  Schichten  an  der  Zusammen- 
setzung des  südlichen  Abschnittes  der  Sudeten  Theil  nehmen,  während  man 
bisher  östlich  vom  Harze  Schichten  dieses  Alters  überhaupt  nicht  kannte. 
Auch  für  die  Altersbestimmung  der  jüngeren  von  dem  krjstallinischen  Kerne 
(ies  Gebirges  entfernteren  und  weiter  gegen  Osten  gerückten  Schichten  des 
Gesenkes  ist  durch  diese  Bestimmung  ein  festerer  Ausgangspunkt  gewonnen 
worden.  Anderer  Seits  wird  aus  dieser  Altersbestimmung  zu  folgern  sein, 
dass,  da  die  unmittelbare  Unterlage  der  Quarzite  durch  Gneiss  gebildet 
wird,  man  ältere  versteinerungsführende  Schichten,  also  Silurische  in  die- 
sem südhchen  Abschnitte  der  Sudeten  nicht  zu  finden  erwarten  darf. 

2.  Engelsberger  Grauwacke  0» 

a.  Petrographisches  Verhalten. 

Nach  dem  besonders  deuthchen  Vorkommen  in  der  Umgebung  der 
Stadt  Engelsberg  wird  hier  ein  über  einen  grossen  Flächenraum  ver- 
breitetes aus  Grauwacken  und  Thonschiefern  zusammengesetztes  mächti- 
ges Schichten-System  benannt. 

Das  vorherrschende  Gestein  sind  Grauwacken  - Sandsteine  von  eigen- 


1)  Auf  der  Karte  mit  der  Farbe  de  3 bezeichnet. 


3 


18 


Devonische  Schichten. 


thümlichem  halbkrystallinischen  Gefüge.  Die  Gemeiigtheile  des  Gesteins 
sind  sehr  innig  mit  einander  vereinigt  und  in  einander  verflossen.  Bei 
frischen  deutlichen  Yarietäten  unterscheidet  maif  weisse  Körner,  die  zum 
Theil  Quarzkörner,  zum  Theil  aber  auch  Feldspath  sind  und  ein  dunkeles, 
gewöhnlich  dunkel  lauchgrünes  Talk-  oder  Chlorit-ähnliches  halbkrystalli- 
nisches  thoniges  Bindemittel.  Ein  mehr  oder  minder  bedeutender  Kalk- 
gehalt ist  meistens  vorhanden  und  verräth  sich  durch  Brausen  mit  Säuren. 
Ein  unvollkommen  schiefriges  Gefüge  des  Gesteines  ist  ganz  allgemein 
und  wird  selbst  dann  wahrgenommen,  wenn  es  in  dicken  Bänken  abge- 
lagert ist.  Grauwacken-Conglomerate  kommen  im  Ganzen  selten 
und  nur  untergeordnet  vor.  Das  Bindemittel  ist  hier  von  derselben  dunkel- 
lauchgrünen talkähnlichen  Beschaffenheit  wie  bei  den  Sandsteinen.  In 
demselben  liegen  weisse  hnsenförmig  zusammengedrückte  erbsen-  bis 
haselnussgrosse  Gerölle  von  weissem  Quarz  und  unregelmässig  ovale  bis 
l'|2Zoll  grosse  flache  Lamellen  von  schwarzem  fein  gefältelten  Thonschiefer. 
Diese  Thonschiefer -Lamellen  befinden  sich  in  paralleler  i\nordnung  und 
bringen  ein  unvollkommen  schieferiges  Gefüge  des  Gesteines  hervor.  Auf 
den  Schieferungsflächen  treten  diese  Thonschiefer-Schuppen  viel  mehr  als 
der  Quarz  hervor*  den  letzteren  erkennt  man  fast  nur  auf  dem  Querbruche 
des  Gesteins.  Namentlich  am  Wege  von  Würbenthal  nach  Eng  eis  b erg 
und  zwischen  Lichtenwerden  und  Altstadt  bei  Freudenthal  sind 
solche  Grauwacken-Conglomerate  deutlich  aufgeschlossen. 

Die  Thon  schiefer  sind  gewöhnlich  dunkel  grünlich-grau  und  ebenfalls 
von  unvollkommen  krystallinis ehern  Gefüge,  jedoch  in  minderem  Grade 
als  die  Thonschiefer  des  Würbenthaler  Schichten -Systems.  Sie  werden 
zwar  auch  zuweilen  dem  Chloritschiefer  und  Glimmerschiefer  ähnlich, 
aber  niemals  in  solchem  Grade,  dass  deutliche  Glimmer-  oder  Chlorit- 
Krystalle  erkennbar  würden.  Eine  feine  Fältelung  der  Schieferungsflächen 
ist  ganz  allgemein,  jedoch  weniger  fein  und  weniger  regelmässig,  als  bei 
den  Thonschiefern  des  Würbenthaler  Schichten-Systemes. 

Zuweilen  treten  statt  der  gewöhnlichen  Thonschiefer  ausgezeichnete 
Dachschiefer  auf.  Dieselben  bilden  mehrere  dünne  Zonen  in  dem  Schich- 
ten-Complexe.  Sie  sind  an  vielen  Stellen  durch  Schieferbrüche  aufge- 
schlossen. Ausgedehnte  Schieferbrüche  sind  namentlich  bei  Dittersdorf 
östlich  von  Engelsberg.  Sonst  auch  bei  Kotzendorf  zwischen  Schrei- 
berseifen und  Neu-Ebersdorf  nördlich  von  Freudenthal,  auf  den 
Fleischerbergen  südlich  von  Kronsdorf  im  Westen  von  Jägerndorf 
und  südlich  von  dem  Dorfe  Wildgrund  nordöstlich  von  Zuckmantel. 

In  dem  Veik’schen  Dachschieferbruche  bei  Dittersdorf  umschliesst  eine 


Engelsberger  Grauwacke, 


19 


Thonschiefer-Lage,  welche  in  dem  Bruche  zu  oberst  liegt,  faustgrosse,  bis 
mehrere  Centner  schwere  gerundete  Geschiebe  von  einem  sehr  feinkörni- 
gen graulich  weissen  Granit,  der  mit  keiner  der  im  Altvater- Gebirge  an- 
stehend gekannten  Granit- Varietäten  übereinstimmt. 

Zwischen  den  Grauwacken  und  Thonschiefern  findet  ein  unregelmässi- 
ger Wechsel  Statt,  jedoch  so,  dass  die  Grauwacken  vorherrschen.  Zu- 
weilen wechselt  feinkörniger  Grauwacken- Sandstein  und  Thonschiefer  in 
ganz  dünnen,  kaum  Zoll  dicken  Lagen,  so  dass  der  Querschnitt  des  Gesteins 
bandförmig  gestreift  erscheint. 

h.  Lagerungsverhältnisse. 

Das  ganze  Schichten -System  ist  wie  die  angrenzenden  Systeme  in 
eine  Menge  paralleler,  von  lokalen  Abweichungen  abgesehen,  von  Nor- 
den nach  Süden  streichender  Falten  gebogen.  Ein  Fallen  der  Schich- 
ten gegen  Osten  ist  vorherrschend.  Man  darf  sich  durch  dasselbe  nicht 
verführen  lassen,  die  in  gleicher  Richtung  fallenden  Schichten  als  eine  ein- 
fache Schichtenfolge  anzusehen.  Eine  solche  ist  nirgends  scharf  zu  ermit- 
teln und  deshalb  auch  die  Mächtigkeit  des  ganzen  Schichten-Systems,  die 
jedoch  jedenfalls  mehrere  tausend  Fuss  beträgt,  nicht  mit  Sicherheit  zu 
bestimmen. 

Sehr  allgemein  ist  die  Erscheinung  der  transversalen  oder  falschen 
Schieferung  in  den  Thonschiefern  und  feinkörnigen  Grauwacken -Sand- 
steinen des  Schichtensystems  verbreitet.  Häufig  ist  die  dadurch  bewirkte 
Absonderung  so  vollkommen,  dass  die  Richtung  der  ursprünghchen  Schich- 
tung schwer  erkennbar  wird.  Bei  Neu -Ebersdorf  südwestlich  von 
Jägerndorf  und  am  Kreutzberge  bei  Alt-Bürgersdorf  südwestlich 
von  Tropplo  witz  wurde  die  Erscheinung  namentlich  deutlich  beobachtet. 

Die  Grenzen  des  Schichten-Systems  nach  oben  und  unten  sind  in  gleicher 
Weise  wenig  scharf  bestimmbar.  Nach  unten  gegen  die  Würbenthaler 
Schichten  hin  wird,  wie  schon  bei  jenen  bemerkt  wurde,  das  erste  Auf- 
treten von^Grauwacken-Sandsteinen,  die  den  Würbenthaler  Schichten 
fremd  sind,  als  Grenzlinie  angenommen,  nach  oben  gegen  die  Bennischer 
Schichten  hin  ist  das  Vorkommen  von  gewissen  verwitterten  gelbgrauen 
Sandsteinen  und  schwarzen  gelbgefleckten  Thonschiefern  in  dem  untersten 
Theile  dieses  letzteren  Schichten-Systems  für  die  Abgrenzung  leitend. 

c.  Verbreitung. 

Die  Gesteine  dieses  Schichten-Systems  bilden  eine  grosse,  in  der  Rich- 
tung nach  Süden  vorzugsweise  ausgedehnte,  zwischen  den  Städten 

3* 


20 


Devonische  Schichten. 


Sternberg  in  Mähren  und  Zuckmantel  in  Oesterreichisch  - Schlesien 
7‘|2  Meilen  lange  und  zwischen  Engelsberg  und  Bennisch  2^1^  Meilen 
breite  Zone.  Dieselbe  wird  gegen  Westen  durch  die  Zone  der  Würben- 
thaler  Schichten,  gegen  Osten  durch  diejenige  der  Bennischer  Schichten, 
begrenzt.  Der  ganze  von  derselben  eingenommene  Flächenraum  beträgt 
gegen  12  Quadrat-Meilen.  Die  Städte  und  Flecken  Engelsberg,  Freu- 
denthal, Friedland,  Braunseifen,  Deutsch-Hause  undSternberg 
liegen  namentlich  in  dem  Bereiche  dieser  Zone  ^). 

d.  Organische  Einschlüsse. 

Nur  von  einem  einzigen  Punkte,  von  Dittersdorf  östlich  von  Engels» 
berg  nämlich,  sind  bisher  einige  wenige  Versteinerungen  aus  diesem 
mächtigen  und  weit  verbreiteten  Schichten  - Systeme  bekannt  geworden. 
Im  Jahre  1855  gab  der  seitdem  verstorbene  Dr.  Scharenberg eine 
Notiz  über  einige  von  ihm  bei  Engelsberg  aufgefundene  Versteinerungen 
und  führte  neben  Crinoiden  und  Polypen  namentlich  auch  Lituiten  auf. 
Diese  von  Scharenberg  aufgefundenen  Versteinerungen  sind  schlecht 
erhaltene  Steinkerne,  welche  eine  genaue  Bestimmung  nicht  zulassen.  Das 
bemerkenswertheste  Stück  ist  ein  4 Zoll  breiter  verdrückter  Steinkern  eines 
spiral  aufgerollten  gekammerten  Cephalopoden  (Vergl.  Taf.  2 Fig.  1), 
welchen  Scharenberg  für  einen  Lituiten  erklärte,  den  ich  selbst  aber 
lieber  zu  der  Gattung  Gyroceras  stellen  möchte,  ohne  ihn  freilich  auf  eine 
bestimmte  bekannte  Art  dieser  Gattung  näher  beziehen  zu  können.  Die 
übrigen  von  Scharenberg  gesammelten  Arten  sind  ganz  unvollkommen 
erhaltene  einzellige  Cyathophylliden  und  Säulenstücke  von  Crinoiden  mit 
radial  gestreiften  Gelenkflächen.  Zu  diesen  von  Scharenberg  aufgefun- 
denen Arten  kommen  nun  noch  einige  durch  A.  Halfar  in  dem  auf  der 


1)  Das  südliche  Ende  dieser  Zone  fällt  nicht  mehr  in  den  Bereich  der  Karte.  Für  die  Kenntnis» 
desselben  ist  Fötterle’s  geologische  Karte  der  Markgrafschaft  Mähren  etc.  zu  vergleichen.  Auf 
dieser  Karte  sind  die  Gesteine  der  in  Rede  stehenden  Zone  als  Devonische  Grauwacken  und  Thon- 
schiefer bezeichnet.  Die  Grenzen  dieser  Gesteine  gegen  Westen  und  Osten  auf  der  genannten  Karte, 
welche  durch  H.  Wolf  in  Wien  aufgenommen  wurden,  stimmen  im  Grossen  und  Ganzen  mit  der  für 
unsere  Zone  angenommenen  überein. 

2)  Vergl.  33ster  Jahresbericht  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vaterländ.  Cultur,  1855.  S.  22. 
Diese  von  Scharenberg  aufgefundenen  Versteinerungen  werden  in  der  Sammlung  der  königlichen 
Bergakademie  aufbewahrt  und  haben  mir  zur  Vergleichung  Vorgelegen.  Herr  A.  Halfar  hat  ermit- 
telt, dass  während  Scharenberg  selbst  nur  allgemein  Engelsberg  als  Fundort  dieser  Versteine- 
rung angiebt,  dieselben  in  Wirklichkeit  aus  den  Dachschieferbrüchen  von  Dittersdorf  östlich  von 
Engelsberg  und  zwar  aus  dem  Veik’schen,  an  dem  obersten  Dorfende  gelegenen  Schieferbruche 
herrühren. 


ßennisoher  Schichten. 


21 


Südseite  des  unteren  Dorfendes  von  Dittersdorf  gelegenen  Alscher- 
schen  Schieferbruche  gesammelte,  freilich  auch  nur  sehr  unvollkommen 
erhaltene  Arten  hinzu.  Es  sind  Säulenstücke  von  Crinoiden,  einzellige 
Cjathophylliden  und  eine  nicht  näher  bestimmbare  Art  der  Gattung  Syrin- 
gopora.  Sie  liegen  auf  der  angewitterten  Oberfläche  eines  dichten  oder 
sehr  feinkörnig  krjstallinischen  dunkel  blaugrauen  Kalksteins,  welcher  in 
dem  genannten  Steinbruche  zwei  durch  einen  l^IgFuss  grossen  Abstand  von 
einander  getrennte  2 bis  4 Zoll  dicken  Lagen  in  dem  Dachschiefer  bildet 

e.  Altersbestimmung. 

Die  wenigen  vorstehend  aufgeführten  organischen  Einschlüsse,  welche 
bisher  aus  dem  Schichten-Systeme  bekannt  geworden  sind,  genügen  für 
dessen  genauere  Altersbestimmung  nicht.  Der  Umstand,  dass  die  durch 
die  Schichten  gebildete  Zone  östlich  von  derjenigen  der  unzweifelhaft 
Unter-Devonischen  Würbenthaler  Schichten  und  westlich  von  derjenigen 
der  jedenfalls  auch  Devonischen  Bennischer  Schichten  liegt,  lässt  es  als 
sicher  erscheinen,  dass  auch  die  Schichten  selbst  der  Devonischen  Gruppe* 
angehören.  Für  die  Ermittelung  der  näheren  Stellung  innerhalb  der  Gruppo 
gewähren  aber  auch  diese  Verhältnisse  der  Lagerung  kein  Anhalten,  weil 
die  Stellung  der  ostwärts  angrenzenden  Bennischer  Schichten  auch  nicht 
näher  bestimmbar  ist. 

3.  Bennischer  Schichten. 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  ein  aus  Grauwacken -Sandsteinen^ 
Thonschiefern,  Quarz-Conglomeraten  und  Diabas-Mandelsteinen  mit  unter- 
geordneten Kalkstein-,  Eisenstein-  und  Schalstein  - Lagern  bestehendes 
Schichten-System  zusammengefasst,  welches  bei  der  östlich  von  Freuden- 
thal gelegenen  kleinen  Stadt  Bennisch  deutlich  entwickelt  und  zum  Theil 
durch  Bergbau  aufgeschlossen  ist  und  nach  seiner  Lagerung  zwischen  den 
Engelsberger  Schichten  einer  Seits  und  den  Culm  - Schichten  anderer  Seits 
eine  Altersstellung  zwischen  beiden  einnehmen  muss. 

a.  Petrographisches  Verhalten. 

Die  Grauwacken-Sandsteine  sind  deutlich  körnig  und  unterschei- 
den sich  von  denjenigen  der  Engelsberger  Schichten  durch  die  deutliche 
Sonderung  der  nicht  verflössten  Gemengtheile.  Ein  fast  beständiger  Kalk- 
gehalt ist  im  Vergleich  zu  jenen  ebenfalls  bezeichnend.  Selten  wird  das 
Gestein  so  grobkörnig,  dass  man  es  als  Grauwacken-Conglomerat  bezeich- 
nen kann.  Die  Farbe  ist  im  frischen  Zustande  dunkel  bläulich  oder  dunkel 


22 


Devonische  Schichten. 


grünlich  grau.  Durch  Verwitterung  des  Gesteins  wird  sie  heller.  Gewisse, 
die  Eisensteinlager  zunächst  begleitende  Sandsteine  von  geringer  Mächtig- 
keit sind  ganz  mürbe  und  von  gelber  Farbe. 

Die  Thonschiefer  haben  im  Vergleich  zu  denjenigen  des  Engels- 
berger Schichten-Systems  viel  mehr  das  Ansehen  gewöhnlicher  mechanisch 
gebildeter  Sedimente  und  niemals  das  halbkrystallinische,  derjenigen  des 
Glimmerschiefers  ähnliche  Gefüge,  welches  dort  häufig  ist.  Auch  die  bei 
jener  so  gewöhnliche  feine  parallele  Fältelung  fehlt.  Die  falsche  oder 
transversale  Schieferung  ist  nicht  selten  und  wurde  z.  B.  in  den  Thon- 
schiefern von  Andersdorf  südwestlich  von  Bärn  deutlich  beobachtet. 
Gewisse  die  Eisenerze  zunächst  begleitende  Lagen  des  Thonschiefers  sind 
kalkhaltig  und  zur  Verwitterung  geneigt.  Die  Verwitterung  zeigt  sich 
zuerst  in  dem  Hervortreten  grosser  heller  Flecken  auf  den  Schichtflächen. 
Zuletzt  wird  die  ganze  Masse  des  Schiefers  gelb  und  mürbe. 

Schwarze  Kiesel  schiefer  sind  in  dünnen  Lagen  den  Thonschiefern 
untergeordnet,  welche  die  Eisenerze  begleiten. 

Kalkstein  kommt  nur  sehr  untergeordnet  vor.  Er  bildet  kleine  stock- 
förmige  den  Diabas -Mandelsteinen  untergeordnete  Massen  von  schwarzer 
oder  rother  Farbe. 

Die  Quarz-Conglomerate  sind  von  lichter  gelblich  weisser  Farbe 
und  bestehen  aus  erbsengrossen  bis  haselnussgrossen,  durch  ein  kieseliges 
Bindemittel  verkitteten  Quarzgeröllen.  Uebergange  in  Sandstein  sind  häufig. 
Das  Gestein  ist  stark  zerklüftet  und  zeigt  grosse  Neigung  zu  zerfallen.  Es 
besteht  daraus  eine  Zone,  welche  sich  vom  Kreuzwaldberge  westlich 
von  Bärn  mit  einiger  Unterbrechung  über  die  nördlich  der  Stadt  gelegene 
ehemalige  Giesshütte  westlich  anNeu-W  altersdorf  vorbeibis  Ochsen - 
stall  erstreckt.  Ein  gesonderter  kleiner  Ausläufer  des  Gesteins  zeigt  sich 
auch  noch  in  dem  Dorfe  Carlsberg.  Die  deutlichsten  Aufschlüsse  ge- 
währt eine  Anzahl  von  Steinbrüchen,  welche  nordöstlich  von  der  genann- 
ten Giesshütte  im  Walde  zerstreut  liegen.  Ein  westlich  der  Giesshütte 
auf  dem  gegenüberliegenden  Thalgehänge  befindlicher  Steinbruch  zeigt  das 
Gestein  in  losen  Gruss  aufgelöst.  Auch  westlich  und  nördlich  von  Neu- 
Waltersdorf  ist  das  Gestein,  welches  sich  hier  fast  nur  als  Sandstein 
zeigt,  durch  Steinbrüche  aufgeschlossen.  Lose  Blöcke  des  Gesteins  liegen 
auf  der  östlichen  Abdachung  des  Kreuzwaldberges  bei  Andersdorf 
westhch  von  Bärn  umher. 

Der  Diabas-Mandelstein  erscheint  in  der  sehr  mannichfaltigen 
äusseren  Form,  wie  sie  dem  Gesteine  auch  in  anderen  Gegenden  seines 
Vorkommens  und  namentlich  in  Nassau  und  am  Harze  eigenthümlich 


Bennischer  Schichten. 


28, 


ist.  In  einer  dunkeln  dichten  Grundmasse  liegen  weisse  Körner  von  Kalk- 
spath.  Die  gewöhnliche  Farbe  der  Grundmasse  ist  dunkel  lauchgrün.  Im 
ganz  frischen  Zustande  des  Gesteins  ist  die  Farbe  grünlich  schwarz.  Bei 
stärkerer  Verwitterung  färbt  sich  das  Gestein  braun.  Die  mohnkorngrossen 
oder  linsengrossen  Kalkspath  - Körner  werden  dann  ausgelaugt  und  das 
ganze  Gestein  wird  schwammig  porös.  Ein  mehr  oder  minder  deutliches 
schieferiges  Gefüge  kommt  dem  Gesteine  allgemein  zu,  Uebergänge  in 
Schalstein  und  Kalkschiefer  sind  nicht  selten.  Man  beobachtet  dergleichen 
namentlich  nördlich  von  der  Spachendorfer  Fabrik. 

Das  Eisenerz  ist  von  sehr  verschiedener  äusserer  Erscheinungsweise. 
Durchaus  vorherrschend  ist  ein  an  Quarz  oder  Kalkstein  gebundenes 
Magneteisen.  Zuweilen  erscheint  dieses  letztere  in  deutlich  ausgebildeten 
lebhaft  glänzenden  Oktaedern.  Meistens  ist  es  dicht.  Zuweilen  ist  neben 
dem  Magneteisen  auch  schuppiger  Eisenglanz  in  ganz  kleinen  Blättchen 
eingestreui  So  namentlich  auf  den  Gruben  in  Lodenitz  unweit  Bärm 
Ist  die  Grundmasse  kalkig,  so  ist  die  Farbe  des  ganzen  Erzes  schwarz 
oder  dunkelgrau.  Pechglänzende  schwarze  Schnüre  von  grossblätterigem 
Stilpnomelan  durchziehen  dann  häufig  das  dunkele  Erz.  So  namentlich 
bei  Christdorf  nördlich  von  Hof  und  auf  dem  Tief- Anna-Schachte 
bei  Bennisch. 

b.  Erzvorkommnen. 

Abgesehen  von  dem  vorher  beschriebenen  der  Schichtenfolge  fast  in 
ihrer  ganzen  Verbreitung  eigenthümlichen  Magneteisenstein -Vorkommen 
ist  an  einer  einzelnen  Stelle  auch  noch  eine  Lagerstätte  von  silberhaltigem 
Bleiglanz  der  Schichtenfolge  untergeordnet.  Diese  Lagerstätte  ist  diejenige 
des  südlich  von  Bennisch  gelegenen  Silberschachtes,  welche  früher 
Gegenstand  eines  bedeutenden,  jetzt  verlassenen  Bergbaues  gewesen  ist. 
Nur  durch  Berichte  der  früher  auf  der  Grube  beschäftigten  Arbeiter  und 
durch  die  auf  den  Halden  liegenden  Gesteinsstücke  kann  man  sich  gegen- 
wärtig von  der  Natur  dieses  Erzvorkommens  eine  Vorstellung  bilden.  An- 
geblich ist  das  Erzvorkommen  ein  gangartiges  gewesen.  Der  vorzugsweise 
gebaute  „Haupt-  oder  Mittags  - Gang“  hatte  ein  Streichen  von  Süden  nach 
Norden  und  fiel  mit  40*^  gegen  Osten  ein.  Die  Mächtigkeit  schwankte 
zwischen  1 bis  6 Fuss.  Das  die  Erze  einschliessende  Gestein  besteht  aus 
Schwerspath,  Kalkspath  und  Quarz.  Von  dem  Schwerspath  findet  man 
krystallinisch  blätterige  Massen  und  Aggregate  von  bläulich  weissen  Krjstal- 
len  noch  auf  den  Halden.  Das  Erz  selbst  ist  silberhaltiger  Bleiglanz  mit 
gelber  Blende,  Kupferkies  und  viel  Schwefelkies.  Mehrere  Stufen  dieses 


24 


Devonische  Schichten. 


Erzgemenges  wurden  in  Bennisch  erworben.  In  grosser  Häufigkeit  liegen 
auf  den  Halden  Blöcke  einer  aus  eckigen  Stücken  von  schwarzem  Kiesel- 
schiefer und  einem  Bindemittel  von  weissem  Quarz  bestehenden  Breccie. 
Zerstreut  an  der  Oberfläche  umherliegende  Blöcke  desselben  Gesteins 
lassen  sich  südwärts  bis  zum  Glammersberge,  nordwärts  bis  zum 
Georgs  schachte  verfolgen. 

Dicht  südlich  von  der  Kirche  von  Seitendorf  ist  ein  demjenigen  des 
Silberschachtes  ähnliches  Erzvorkommen  bekannt.  Hier  ist  Kieselschiefer 
das  erzführende  Gestein. 

c.  Yerhreitung. 

Die  Gesteine  dieses  Schichtensystems  setzen  eine  schmale  5*|2  Meilen 
lange  und  gewöhnlich  kaum  Meile  breite  Zone  zusammen,  welche  sich  von 
Sternberg  in  Mähren  bis  Lichten  südlich  von  Jägerndorf  in  Oester- 
reich. Schlesien  erstreckt.  Gegen  Osten  wird  diese  Zone  durch  die  Culm- 
Schichten,  gegen  Westen  durch  die  Engelsberger  Schichten  begrenzt.  Die 
Grenze  gegen  die  letzteren  Schichten  ist  bei  der  Aehnlichkeit  der  Grau- 
wacken-Sandsteine und  Thonschiefer  der  oberen  Abtheilung  der  Engels- 
berger Schichtenfolge  mit  denjenigen  der  Bennischer  Schichtenfolge  und 
bei  der  Abwesenheit  von  Versteinerungen  in  den  Grenzschichten  sehr 
schwierig  scharf  festzustellen  und  namentlich  da,  wo  die  Diabas -Mandel- 
steine und  die  die  Eisenstein -Lager  gewöhnlich  begleitenden  den  Thon- 
schiefern untergeordneten  Kieselschiefer  fehlen,  hat  man  kaum  ein  Anhal- 
ten für  eine  sichere  Abgrenzung  der  Zone.  Die  Grenze  gegen  die  Culm- 
Bildung  ist  meistens  durch  die  an  der  Basis  dieser  Bildung  gewöhnlich  auf- 
tretenden groben  Grauwacken- Conglomerate  bezeichnet.  Auch  orogra- 
phisch  zeichnet  sich  die  Zone  vor  der  angrenzenden  im  Ganzen  wenig  aus. 
Nur  die  Diabas -Mandelsteine  treten  gewöhnlich  in  höckerigen  15  bi^ 
30Fuss  hohen  Felsen  in  auffallender  Weise  auf  den  durch  die  Thonschiefer 
und  Grauwacken  gebildeten  breiten  Rücken  oder  Hochflächen  hervor. 

Die  Verbreitung  dieser  Zone  ist  wie  ihre  Zusammensetzung  vorzugs- 
weise durch  die  zahlreichen  Eisensteingruben  bekannt*).  Das  Eisenerz- 
vorkommen besteht  in  aufgerichteten  Lagern  von  fein  eingesprengtem 
Magneteisenstein,  welche  gewöhnlich  zu  mehreren  und  unter  sich  parallel  in 


1)  Der  Eisensteinbergbau  auf  diesen  Gruben  wird  vorzugsweise  für  die  Roth  Schild’ sehen 
Hüttenwerke  in  Witkowitz  bei  Mährisch«Ostrau,  für  diejenigen  der  Gebrüder  Klein  zu  Buch- 
bergsthal  in  Oesterreich.  Schlesien  und  an  mehreren  Orten  in  Mähren  und  besonders  bei  Barn 
für  die  Erzherzoglich  Albrecht’schen  Hüttenwerke  in  der  Gegend  von  Te sehen  betrieben. 


Bennischer  Schichten. 


25 


einer  zwischen  50  und  180  Fuss  schwankenden  Gesamrnt-Mächtigkeit  auf- 
treten.  Die  Mächtigkeit  der  einzelnen  Lager  beträgt  zwischen  1 bis  27  Fuss, 
ihre  Ausdehnung  in  der  Richtung  des  Streichens  30  bis  300  Fuss. 

Der  südlichste  Punkt  des  Eisensteinvorkommens  ist  Deutsch -Lode- 
nitz, wo  die  in  dem  Dorfe  selbst  befindliche  Ferdinandsgrube  auf  dem- 
selben baut.  Dicht  südwärts  von  der  Kirche  des  Dorfes  tritt  der  Diabas- 
Mandelstein  dicht  unter  dem  Rasen  auf.  Die  dann  in  der  Richtung  gegen 
Nord-Ost  zunächst  folgenden  Eisenstein- Gruben  sind  diejenigen  auf  dem 
Kreuzwaldberge  bei  Andersdorf.  Der  Diabas -Mandelstein  tritt  in 
dem  Felde  dieser  Gruben  nicht  in  orographisch  auffallenden  Formen  her- 
vor. Dagegen  beginnt  an  dem  nordöstlichen  Abfalle  des  Kreuz wald- 
berges  eine  bis  an  den  nordöstlich  von  Bärn  gelegenen  Sarnickel-Berg 
zu  verfolgende  Reihe  von  auffallend  höckerigen  Felsen  von  Diabas-Mandel- 
stein. Zu  denselben  gehört  auch  der  unmittelbar  bei  der  Stadt  sich  erhe- 
bende Kapellenberg,  von  dessen  Höhe  sich  die  anderen  Felsen  am 
besten  übersehen  lassen.  Das  Vorkommen  des  Eisensteins  in  der  Umge- 
bung von  Bärn  betreffend  so  geht  besonders  um  Brockersdorf  ein  sehr 
alter  Bergbau  um.  Neben  dem  Magneteisenstein  kommt  hier  auch  Roth- 
eisenstein vor,  was,  obgleich  häufig  behauptet,  von  keinem  anderen  Punkte 
der  Zone  bekannt  ist. 

Weiter  nördlich  folgen  dann  die  Gruben  bei  Christdorf.  Sie  liegen 
an  dem  Nordende  des  Dorfes  und  zeichneten  sich  namentlich  früher  durch 
ein  Vorkommen  von  besonders  reichem  Erze  aus.  Stilpnomelan  in  zum 
Theil  l Zoll  starken  Trümern  ist  hier  häufig. 

Eine  deutliche  Entwickelung  gewinnen  die  Gesteine  der  Zone  bei 
Spach endorf  an  der  nordöstlichen  Abdachung  der  Berggruppe  des 
Rautenberges.  Der  Diabas-Mandelstein  tritt  besonders  am  nördlichen 
steil  abstürzenden  Thalgehänge  der  Mora  in  deutlichen  Felsen  auf. 
Schwarze  Schiefer  mit  faustgrossen  Kalksteinknollen  sind  östlich  dem 
Diabas-Mandelsteine  angelagert.  Diese  Schiefer  sind  durch  einen  etwas 
weiter  nördlich  gelegenen  bedeutenden  aber  jetzt  verlassenen  Kalkstein- 
bruch aufgeschlossen.  In  einem  einige  hundert  Schritt  weiter  südöstlich 
gelegenen  viel  kleineren  Steinbruche  stehen  dunkele  Kalkschiefer  und  in 
deren  Hangendem  hellfarbige  zersetzte  Schiefer  an.  Eisensteinbergbau 
wird  gegenwärtig  besonders  westlich  von  Spachend orf  betrieben.  West- 
lich von  der  Heidenpiltscher  Fabrik  sind  mehrere  Gruben,  deren  Erz 
zum  Theil  ein  mit  fein  vertheiltem  Magneteisen  imprägnirter  dunkel  lauch- 
grüner Quarz  ist. 

Westlich  des  von  Spachendorf  nach  Bennisch  führenden  Weges, 

4 


26 


Devonische  Schichten. 


*|4  Meile  nördlich  von  ersterem  Orte,  befinden  sich  in  einem  Birkenwalde 
versteckt  alte  verlassene  Eisenerzförderungen,  in  welehen  früher  ein  in 
Begleitung  von  Diabas -Mandelstein  auftretendes  sehr  reiches  Eisenerz 
gewonnen  wurde. 

Dann  folgen  weiter  nördlich  alte  Eisensteinförderungen  auf  einem  rechts 
von  dem  Wege  nach  Bennisch  gelegenen  niedrigen  Hügel.  Dicht  westlich 
an  diesen  Förderungen  treten  Schaalsteine  zu  Tage.  Unfern  dieses  Punktes 
zieht  sich  auf  der  linken  Seite  des  nach  Bennisch  führenden  Weges  eine 
schmale  Zone  eines  eigenthümlichen  schieferigen  Gesteines  von  grau  grün- 
licher Farbe  entlang.  In  einer  Serpentin-artigen  durchscheinenden  weichen 
a.morphen  Grundmasse  liegen  zersetzte  und  zu  Kaolin  aufgelöste  kleine 
weisse  Krystalle  ( Oligoclas?)  porphyrartig  ausgesondert. 

Weiter  nordöstlich  gelangt  man  zu  den  südlich  von  Bennisch  gele- 
genen Erzförderungen.  Zunächst  zu  denjenigen  am  Glammers berge, 
einem  mit  Laubholz  bestandenen  aus  einzelnen  10  bis  15  Fuss  hohen  höcke- 
rigen Felsen  bestehenden  niedrigen  Höhenzuge,  welcher  selbst  aus  Diabas- 
Mandelstein  besteht.  Auf  dem  am  westlichen  Abhange  gelegenen  David- 
schachte  wurde  früher  ein  aus  der  Zersetzung  von  Magneteisenstein  her- 
vorgegangener mulmiger  Brauneisenstein  gegraben.  Auf  dem  Gl^mmers- 
berge  selbst  sind  zwei  Erzlager  aufgeschlossen  worden,  von  denen  das 
eine  bis  36  Zoll  Mächtigkeit  hat  und  sehr  steil  gegen  Osten  einfällt.  Das  Erz 
gleicht  demjenigen,  welches  bei  Spachendorf  an  der  vorher  erwähnten 
Stelle  vorkommt.  Es  ist  ein  kieseliges  Gestein  von  dunkel  lauchgrüner 
Farbe  mit  grossen  ziegelrothen  Partien  von  rothem  Eisenkiesel,  in  welches 
kleine  mit  blossem  Auge  kaum  erkennbare  glänzend  glatte  Oktaeder  von 
Magneteisenstein  eingesprengt  sind.  In  unmittelbarer  Nähe  dieser  Eisen- 
erzlager steht  wahrscheinlich  der  Kalkstein  an,  welcher  nordwärts  von 
diesem  Punkte  auf  einem  Feldwege  in  losen  Blöcken  umherliegt.  Derselbe 
ist  von  graulich  weisser  Farbe,  von  krystallinisch  körnigem  Gefüge  und  ist 
erfüllt  mit  Säulenstücken  von  Crinoiden,  namentlich  auch  solchen  mit  fünf- 
fachem Nahrungskanal  (Cupressocrinus?),^ 

Nur  durch  einen  kleinen  Zwischenraum  getrennt  folgen  die  Eisenerz- 
förderungen von  Tief- Anna  und  Gross- Anna  an  dem  Wilde  Gans  ge- 
nannten höckerigen  Felsen  von  Diabas-Mandelstein.  Der  Tief- Anna-Schacht 
liegt  hart  an  diesem  Felsen.  Das  hier  abgebaute  Lager  soll  bis  10  Fuss 
Mächtigkeit  haben  und  fällt  mit  45®  gegen  Osten  ein.  Es  hat  angeblich 
Thonschiefer  zum  Liegenden  und  schieferigen  Sandstein  zum  Hangenden. 
Das  Erz  ist  ein  schwarzes,  häufig  mit  Schnüren  von  grossblätterigen  Stilpno- 
melan  durchzogenes  kalkiges  Gestein.  Dasselbe  schliesst  Goniatiten  und 


Bennischer  Schichten. 


27 


Orthoceren  ein.  Durch  einen  40  bis  50  Fuss  grossen  Zwischenraum  davon 
getrennt  befindet  sich  im  Hangenden  ein  6 bis  8 Zoll  starkes  Kalklager, 
welchem  wahrscheinlich  die  auf  den  Halden  liegenden  Stücke  eines  korallen- 
reichen rothgefleckten  grauen  Kalksteins  angehören. 

In  nordöstlicher  Richtung  weiter  fortschreitend  gelangt  man  zu  den 
Gruben  bei  S eiten dorf‘).  An  der  Südseite  des  Dorfes  westlich  von  der 
Kirche  hat  das  Erzlager  eine  Mächtigkeit  von  3^|2  bis  7 Fuss.  Es  ruht  auf 
nierenförmig  abgesondertem  Kalkstein  und  wird  von  Schalstein  überlagert. 
Auf  den  letzteren  folgt  weiter  im  Hangenden  Thonschiefer.  Mehrere 
Schürfe  in  der  nordwärts  von  dem  Bache  gelegenen  Hälfte  des  Dorfes 
haben  ebenfalls  das  Erzlager  und  den  Merenkalk  aufgeschlossen. 

Nördlich  von  Seitendorf  befindet  sich  unmittelbar  an  der  von  Ben- 
nisch  nach  Troppau  führenden  Landstrasse  einem  Kreuze  gegenüber 
ein  verlassener  Schacht,  in  welchem  früher  Eisenerze  in  Begleitung  von 
Diabas -Mandelstein  gewonnen  wurden.  Nördlich  von  derselben  Land- 
strasse liegt  *|4  Meile  weiter  gegen  Westen  im  Walde  versteckt  am  östlichen 
Ende  eines  ganz  niedrigen' Hügelrückens  ein  alter  verlassener  Steinbruch, 
in  welchem  auf  kalkigem  Grauwacken-Sandstein  eine  6 bis  10  Fuss  mäch- 
tige Bank  von  hellfarbigem  grünlich  grauen  dünnschieferigen  Wetzschiefer 
lagert,  der  seiner  Seits  von  blauschwarzem  dünnschieferigen  Thonschiefer 
bedeckt  wird.  Dieser  Thonschiefer  schliesst  dünne  Zwischenlagen  von 
Serpentin  mit  zersetzten  weissen  Krystallen  ( Oligoclas?)  ein.  Dieses  Vor- 
kommen Serpentin  artiger  Zwischenlagen  gleicht  durchaus  dem  früher  er- 
wähnten zwischen  Spachendorf  und  Bennisch.  Zugleich  enthält  der 
Thonschiefer  Versteinerungen,  namentlich  Trilobiten  (Acidasjpis  sp,)^ 
Tentaculiten  und  ein  nicht  näher  bestimmbares  Cjathophyllid. 

Ein  anderer  Aufschlusspunkt  befindet  sich  bei  den  Frobelhof- Wald- 
häusern südlich  des  von  Bennisch  nach  Zossen  führenden  Weges.  Eine 
alte  Schachtpinge  bezeichnet  die  Stelle,  an  welcher  früher  Eisenerz,  welches 
auch  hier  in  Begleitung  von  Diabas -Mandelstein  auftrat,  gefördert  wurde. 

Endlich  ist  an  der  nordwestlichen  Seite  des  Dorfes  Lichten  Diabas- 
Mandelstein  anstehend.  Derselbe  bildet  einige  kleine  höckerige  Felsen  auf 
dem  Grundstücke  des  Bauern  Johann  Meier  und  tritt  auch  weiter  nördlich 
an  der  westlichen  Abdachung  der  nördlich  vorliegenden  hohen  Bergkuppe 
noch  einmal  hervor.  Es  ist  dies  der  nördlichste  Punkt  an  w^elchem  der 
Dmbas-Mandelstein  bekannt  ist.  Zugleich  endigt  hier  die  Zone  der  Ben- 
nischer  Schichten  insofern,  als  genau  in  der  Fortsetzung  der  bisherigen 


1)  Wilhelmine-  und  Heinrich-Schächt  genannt. 

» 4* 


28 


Devonische  Schichten. 


Richtung  der  Zone  gegen  Norden  Gesteine  derselben  überhaupt  nicht  mehr 
bekannt  sind. 

Allein  wenn  auch  die  Zone  in  ihrer  typischen  Entwickelung  hier  ihr 
nördliches  Ende  erreicht,  so  lässt  sie  sich  in  gewissen  Ausläufern  noch  viel 
weiter  gegen  Nordwesten  verfolgen.  In  die  Richtung  einer  Linie,  welche  man 
von  Olbersdorf  nach  dem  östlichen  Ende  des  nordöstlich  von  Zuck- 
mantel gelegenen  Dorfes  Wildgrund  in  nord-nord- westlicher  Richtung 
zieht,  fallen  verschiedene  schmale  Partien  oder  Züge  von  Diorit,  welche 
augenscheinlich  Einlagerungen  in  dem  Grauwacken -Gebirge  bilden.  Der 
Umstand,  dass  die  Linie,  in  welcher  diese  Diorit-Partien  liegen,  in  ihrer  V^er- 
längerung  gegen  Süd-Südost  genau  auf  den  nordöstlichsten  Punkt  des  Diabas- 
Vorkommens  bei  Lichten  trifft,  so  wie  die  Thatsache,  dass  diese  Diorite 
an  dem  nördlichsten  Ende  dieser  Zone  bei  Wildgrund  durch  Kalkgehalt 
und  schieferiges  Gefüge  eine  gewisse  Verwandtschaft  mit  Diabas-Mandel- 
stein  zeigen,  begründen  die  Vermuthung,  dass  man  in  dieser  Diorit-Zone  eine 
nord-nordwestliche  modificirte  Fortsetzung  der  Bennischer  Gesteins-Zone 
und  im  Besonderen  der  Diabas -Mandelsteine  vor  sich  hat.  Meistens  sind 
die  Diorite  nur  in  der  Form  von  losen  Blöcken  bekannt.  Aber  das  Vor- 
kommen der  Blöcke  ist  dann  unter  Ausschluss  von  Blöcken  anderer  Gesteins- 
arten gewöhnlich  so  gehäuft,  dass  das  Anstehen  in  unmittelbarer  Nähe  nicht 
zweifelhaft  sein  kann.  Meistens  ist  das  Gestein  massig  und  die  Blöcke  sind 
kubisch  oder  polyedrisch.  Nur  gegen  das  nordwestliche  Ende  der  Zone 
nimmt  es  ein  schieferiges  Gefüge  an.  So  zeigt  es  sich  namentlich  oberhalb 
Langenbrück  südlich  an  dem  Ufer  des  Zuckmanteler  Wassers,  wo  es 
einige  kleine  im  Gebüsch  versteckte  niedrige  Felshöcker  zusammensetzt, 
und  ganz  ähnlich  an  dem  nördlichsten  Ausläufer  des  Birkberges  nörd- 
lich von  Wildgrund,  wo  das  Gestein  früher  in  einem  Steinbruche  gewon- 
nen wurde.  Der  massige  Diorit  ist  gewöhnlich  feinkörnig  und  lässt  sehr 
selten  die  Gemengtheile  deutlich  erkennen.  Nur  ausnahmsweise  ist  die 
Hornblende  in  deutlichen  Krystallen  ausgebildet.  Schwefelkies  ist  in  klei- 
nen Partien  häufig  eingesprengt  und  besonders  sind  die  sehr  feinkörnigen 
Varietäten  des  Gesteins  reich  daran.  Das  bemerkenswertheste  Vorkom- 
men des  Diorits  befindet  sich  an  der  Mandelbecher  Kuppe  S.S.O.  von 
Johannesthal.  Dicht  östlich  von  dem  Gipfel  des  Berges  befinden  sich 
grosse  Haufen  von  Blöcken,  die  man  in  dem  Walde  zusammengelesen 
und  hier  abgelagert  hat.  Ganz  in  der  Nähe  dieses  Punktes  wurden  auch 
einzelne  Stücke  des  Gesteins  gefunden,  welche  Hornblende  in  deutlich 
ausgebildeten  1'''  bis  3'^'  langen  Krystallen  zeigen.  Auch  an  der  süd- 
östlichen Abdachung  des  Lorbeerberges  südlich  von  Johannesthal 


Beniiischer  Schichten, 


29 


sind  Blöcke  des  Gesteins  sehr  häufig.  Sie  liegen  hier  zwischen  den  lan- 
gen mauerähnlichen  Steinhaufen  auf  den  Ackerrainen.  Hier  wurden 
auch  einzelne  zollgrosse  Quarzgerölle  in  dem  Diorit  bemerkt.  Auch  in 
dem  obersten  Theile  des  Dorfes  Klein- Wallstein  liegen  grosse  Blöcke 
des  Gesteins,  welches  hier  sehr  feinkörnig  ist  und  die  Gemengtheile  nur 
undeutlich  erkennen  lässt,  umher.  Völlig  scharfkantige  und  deshalb  in 
keinem  Falle  aus  grösserer  Entfernung  herbeigeführte  Blöcke  trifft  man 
östlich  von  Gross-Wallstein  oben  an  der  Abdachung  der  zunächst  lie- 
genden Bergkuppen  an. 

d.  Versteinerungen, 

Vergl.  Tafel  II. 

Im  Ganzen  sind  organische  Einschlüsse  in  den  Schichten  dieses  Systems 
sehr  selten  und  nur  von  wenigen  Fundorten  bisher  nachgewiesen.  Diese 
Fundorte  sind  folgende: 

1.  Die  Halden  des  ^[3  Meile  südlich  von  Bennisch  gelegenen 
Gross- Anna-Schacht  es. 

Knollen  eines  krystallinischen  grauen  Kalksteins  mit  sehr  kleinen 
Oktaedern  von  Magneteisenstein  schliessen  unregelmässige  wallnussgrosse 
bis  kopfgrosse  Partien  eines  feinkörnig  krystallinischen  rothen  Kalksteins 
ein.  Diese  letzteren  rothen  Kalkpartien  erweisen  sich  bei  näherer  Unter- 
suchung als  Korallenstöcke  und  zwar  von  mehreren  Arten.  Am  häufig- 
sten ist  Heliolites  porosa  mit  zum  Theil  sehr  deutlich  erhaltener  Struktur. 
Nächstdem  Stromatopora  polymorpha,  Älveolites  suborbicularis  (?)  und  Am- 
plexus sp.  Die  Hauptmasse  des  grauen  Kalkes  besteht  aus  Säulengliedern 
von  Crinoiden.  Darunter  wurden  namentlich  solche  mit  kreuzförmigem 
vierlappigen  Nahrungs-Kanal  bemerkt.  Ausserdem  fand  sich  ein  undeut- 
lich erhaltenes  vielleicht  als  Atrypa  reticularis  zu  bestimmendes  Brachiopod. 
Stücke  von  verwittertem  grauen  Mergelschiefer,  die  mit  den  Kalkstein- 
knolien  auf  der  Halde  liegen,  haben  endlich  ein  Paar  Trilobiten- Arten 
geliefert.  Am  häufigsten  sind  Kopfschilder  von  Phacops  latifrons.  Bei 
mehreren  Exemplaren  dieser  Kopfschilder  ragt  der  vordere  Rand  der 
Glabella  über  den  allgemeinen  Umriss  des  Kopfschildes  (Vergl.  Fig.  7) 
und  erinnert  dadurch  an  Phacops  cephalotes  Corda  (Vergl.  Barrande  Syst. 
Sil.  Boh.  I.  Trilob.  p.  509,  tab.  20  Fig.  1 — 14)  aus  Ober-Silurischen  Schich- 
ten (Etage  G)  Böhmens.  Ausserdem  wurden  unvollständige  Exemplare 
einer  Art  der  Gattung  Acidaspis  beobachtet  (vergl.  Taf.  2.  Fig.  4 und  5). 

2.  Die  Halden  des  östlich  von  dem  Gross- Anna-Schachte 
gelegenen  Klein- Anna-Schachtes  und  des  Fundschachtes.  In 


30 


Devonische  Schichten. 


einem  ähnlichen  kalkigen  Mergelschiefer  kommen  hier  kleine  Brachiopoden 
und  namentlich  eine  kleine  Form  Rhynchonella  parallelepipeda  und  eine 
nicht  näher  bestimmbare  glatte  Terebratel  vor. 

3.  Die  Halden  des  Tief- Anna-Schachtes.  Das  schwarze  kalkige 
mit  Schnüren  von  Stilpnomelan  durchzogene  Erz  enthält  Goniatiten  und 
Orthoceren,  Die  zwei  bis  drei  Zoll  grossen  Goniatiten^)  gehören  einer  Art 
aus  der  Gruppe  der  Goniatiten  mit  einfachem  Dorsal-Lobus  und  ohne  deut- 
liche Lateral-  Loben  an,  wie  sie  vorzugsweise  in  Unter -Devonischen  und 
Silurischen  Schichten  verkommen  und  sind  vielleicht  mit  dem  Goniatites 
lateseptatus  B e y r i c h aus  den  Dachschiefern  von  Wissenbach,  dem  auch 
der  Goniatites  plebejus  Barr  an  de  aus  Ober-Silurischen  Schichten  Böhmens 
sehr  nahe  steht,  identisch.  Die  fingerdicken  Orthoceren  sind  zu  undeutlich 
erhalten,  um  eine  nähere  Bestimmung  zuzulassen.  Auch  eine  kleine  thurm- 
förmige sehr  langsam  sich  verjüngende  Art  der  Gattung  Loxonema  wurde 
in  demselben  dunkelen  kalkigen  Gesteine  beobachtet. 

4.  Auf  dem  von  dem  Tief- Anna-Schachte  nach  dem  ehemali- 
gen David-Schachte  führenden  Feldwege  liegen  nördlich  vom 
Glammersberge  lose  Blöcke  von  hellgrauem  krystallinischen  Kalkstein 
umher.  Auf  den  Verwitterungsflächen  des  Gesteins  erkennt  man,  dass 
dasselbe  fast  ausschliesslich  aus  Säulenstücken  von  Crinoiden  zusammen- 
gesetzt ist.  Unter  diesen  wurden  einzelne  kleine  Säulenstücke  beobachtet, 
welche,  wie  es  nur  bei  den  Säuiengliedern  der  Gattung  Cupressocrinus  be- 
kannt ist,  ausser  demi  centralen  Nahrungskanale,  noch  von  vier  anderen 
excentrischen  durchbohrt  sind.  (Vergl.  Taf.  2.  Fig.  14,  15.) 

5.  Zwischen  den  Frobelhof- Waldhäusern  und  Seitendorf 
finden  sich  in  dem  schon  vorher  erwähnten  verlassenen  Steinbruche 
in  dunkelgrauen  kalkigen  Thonschiefern  einige  in  der  Form  von  Stein- 
kernen erhaltene  organische  Einschlüsse.  Am  häufigsten  ist  ein  kleines 
einzelliges  Cyathophyllid.  Ferner  wurden  einzelne  unvollständige  Rumpf- 
Segmente  eines  zur  Gattung  Acidaspis  gehörenden  Trilobiten  beobachtet. 
Endlich  sind  gewisse  Lagen  des  Schiefers  ganz  erfüllt  mit  den  zusamm en- 
gedrückten  und  nach  Art  der  Tentacuiites  striatus  Richter  mit  einem  mitt- 
leren Längsknick  versehenen  nur  4 millim.  langen  Schalen  eines  kleinen 
Tentaculiten  ähnlichen  Körpers^).  Dieselbe  Art  kommt  in  gleicher  Zu- 
sammenhäufung  in  einem  ähnlichen  aber  mürberen  Thonschiefer  bei  Go- 
bitschau  unweit  Sternberg  vor. 


1)  Vergl.  Taf.  2 Fig.  2 und  3. 
Vergl.  Taf,  2 Fig.  11. 


Bennischer  Schichten. 


31 


e.  Altersbestimmung*. 

Die  allgemeine  Betrachtung,  dass  die  Bennischer  Schichten  gegen 
Osten  durch  Grauwacken  und  Thonschiefer  mit  Posidonomya  Becheri,  also 
durch  wesentlich  dem  Kohlenkalke  aequivalente  Gesteine  begrenzt  wer- 
den und  dass  sie  anderer  Seits  in  ansehnlicher  Entfernung  gegen  Westen 
die  Unter-Devonischen  Quarzite  des  Einsiedler  Dürrberges  bei  Wür- 
benthal  haben,  macht  es  wahrscheinlich,  dass  sie  der  oberen  Abtheilimg 
der  Devonischen  Gruppe  angehören.  Die  petrographische  Beschaffenheit 
und  die  organischen  Einschlüsse  bestätigen  zum  Theil  diese  Annahme.  Die 
Diabas -Mandelsteine  von  Bärn,  Bennisch  u.  s.  w.,  gleichen  durchaus 
denjenigen,  welche  in  Nassau,  in  Westphalen  und  am  Harze  dem 
durch  Goniatiten  und  Cljmenien  vorzugsweise  als  Ober-Devonisch  bezeich- 
neten  Schichten-Systeme  untergeordnet  sind.  Auch  das  Vorkommen  von 
Eisensteinlagern  in  der  Begleitung  der  Diabas-Mandelsteine  entspricht  dem 
Verhalten  in  Nassau,  in  Westphalen  und  am  Harze.  Freilich  ist  das 
Eisenerz  nicht  wie  in  den  genannten  Gegenden  Rotheisenstein,  sondern 
Magneteisenstein.  Aber  diese  mineralogische  Verschiedenheit  des  Erzes 
hebt  doch  wohl  die  in  dem  Vorkommen  der  Eisensteinlager  überhaupt  be- 
gründete Analogie  nicht  auf.  Die  organischen  Einschlüsse  betreffend,  so  sind 
die  bisher  bekannt  gewordenen  leider  zu  sparsam  um  einen  ganz  sicheren 
Schluss  auf  das  Alter  der  Schichten  zu  begründen.  Die  in  dem  Kalksteine 
des  Gross-Anna- Schachtes  bei  Bennisch  beobachteten  Korallen,  wie 
namentlich  Heliolites  joorosa  Stromatoposa  polymorpha  und  Älveolites  suborbi- 
cularis  sind  Devonische,  der  mittleren  und  oberen  Abtheilung  der  Gruppe 
gemeinsame  Arten.  Auch  der  auf  den  Halden  desselben  Schachtes  be- 
obachtete Phacops  latifrons  ist  für  die  nähere  Altersbestimmung  nicht  ent- 
scheidend, da  diese  Trilobiten-Art  wohl  in  der  mittleren  Abtheilung  der 
Devonischen  Gruppe  ihre  Hauptverbreitung  hat,  aber  auch  in  der  mittleren 
und  unteren  gefunden  wird.  Das  Vorkommen  der  Goniatiten  in  den 
schwarzen  mit  Diabas-Mandelsteinen  in  enger  Verbindung  stehenden  Erzen 
auf  den  Halden  des  Tief- Anna-Schachtes  erinnert  im  Allgemeinen  an 
das  Vorkommen  der  Goniatiten  in  den  ebenfalls  von  Diabas-Mandelsteinen 
begleiteten  Eisensteinen  von  Nassau  und  Westphalen.  Allein  der  Art 
nach  stimmt  der  Goniatit  von  Bennisch  vielmehr  mit  Unter-Devonischen 
und  Ober-Silurischen,  als  mit  Ober-Devonischen  Arten  überein. 

Die  in  den  am  Glammersberge  lose  umherliegenden  Blöcken  be- 
obachteten Säulenglieder  von  Cupressocrinus  sind  wohl  für  die  Devonische 
Natur  des  Kalksteins  beweisend,  aber  für  die  nähere  Altersbestimmung 
sind  sie  kaum  entscheidend.  Die  übrigen  Versteinerungen  sind  für  die 


32 


Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura-Zuges. 


Feststellung  des  geognostischen  Niveau’s  der  Schichten  nicht  zu  benutzen. 
Unter  diesen  Umständen  bleibt  das  Alter  der  Bennischer  Schichten 
ziemlich  unbestimmt  und  es  muss  die  Auffindung  anderer  entscheidenderer 
organischer  Einschlüsse  abgewartet  werden  um  diese  Unsicherheit  zu  be- 
seitigen. Immerhin  ist  aber  aus  den  allgemeinen  Lagerungs- 
verhältnissen so  viel  unbedenklich  zu  folgern,  dass  der  hier 
unter  der  Benennung  „Bennischer  Schichten“  zusammenge- 
fasste Schichten-Complex  jünger  ist  als  die  unzweifelhaft 
Unter-Devonischen  Quarzite  des  Einsiedler  Dürrberges  bei 
Würbenthal  und  auch  als  die  Engelsberger  Schichten,  da- 
gegen älter  als  die  ostwärts  verbreiteten  durch  Posidonomya 
Becheri  bezeichneten  Culm-Grauwacken. 


B.  Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura -Zuges. 

Die  Verbreitung  dieser  Gesteine  ist  nur  gering,  aber  dennoch  ist  ihr 
Vorkommen  von  bedeutendem  Interesse,  namentlich  weil  durch  sie  die 
Grenze  des  Oberschlesisch -Polnischen  Kohlenbeckens  gegen  Osten  und 
Süd-Osten  fest  bestimmt  wird. 

An  zwei  Stellen  kennt  man  Gesteine  dieses  Alters.  Einmal  in  den 
Umgebungen  von  Siewierz  in  Russisch-Polen  und  andererseits  bei 
Dembnik  unweit  Kreszowice  im  Krakau’schen  Gebiete. 

1.  Partien  in  der  Umgebung  von  Siewierz  0* 

Hierher  gehören  drei  kleine  Partien : 

a.  Der  Hügel  hei  Dziwki. 

Der  zwei  bis  drei  Meilen  breite  Zwischenraum  zwischen  dem  nord- 
östlichen Flügel  des  grossen  oberschlesisch-polnischen  Steinkohlenbeckens 
und  dem  polnischen  Jura-Zuge  von  Olkusz,  Pilica  und  Czenstochau 
wird  durch  Gesteine  der  Trias-Formation  ausgefüllt.  Ein  durch  verschie- 
dene Glieder  des  Muschelkalks  gebildeter  Rücken  erstreckt  sich  mit  nord- 
westlicher Richtung  von  Olkusz  über  Slawkow  bis  Siewierz.  Am  süd- 
westlichen Abhange  dieses  Rückens  tritt  der  bunte  Sandstein  in  der  Form 
braunrother  Letten  hervor  und  bildet  eine  schmale,  das  Steinkohlengebirge 
zunächst  begrenzende  Zone.  Der  Boden  des  flachen  und  meistens  wald- 


i)  Vergl.  F.  Roemer,  Ueber  die  Auffindung  devonischer  Kalksteinschichten  bei  Siewierz  ini 
Königreiche  Polen.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1866.  S.  433  ff. 


Partien  in  der  Umgebung  von  Siewierz. 


33 


bewachsenen  Gebietes  östlich  und  nordöstlich  von  dem  Muschelkalkriicken 
bis  zu  dem  jurassischen  Höhenzuge  setzt  dagegen  eine  mehrere  Hundert  Fus'S 
mächtige  Schichtenfolge  von  braunrothen  und  grünlichgrauen  Thonen  mit 
Einlagerungen  von  glimmerreichen,  mürben,  grauen  Sandsteinen,  breccien- 
artigen  oder  conglomeratischen  Kalksteinschichten  und  wenig  mächtigen 
und  unreinen  Kohlenflötzen  zusammen,  welche  dem  Keuper  angehört. 

Ringsum  von  diesen  braunrothen  Keuper -Letten  umgeben,  erhebt  sich 
nun  ^|4  Meilen  nördlich  von  dem  etwa  4 Meilen  östlich  von  Tarnowitz 
gelegenen  Städtchen  Siewierz  unmittelbar  nördlich  von  dem  Dörfchen 
Dziwki  ein  schmaler,  aber  fast  'I2  Meile  langer,  von  Osten  nach  Westen 
streichender,  mit  Buschwerk  bewachsener  niedriger  Rücken,  welcher  aus 
einem  ganz  fremdartigen  Gesteine  besteht.  Es  ist  ein  dunkelblaugrauer, 
an  der  Luft  hellgrau  ausbleichender,  beim  Zerschlagen  stark  bituminös 
riechender,  dichter  kompakter  Kalkstein.  Zahlreiche  auf  der  mit  Busch- 
werk bewachsenen  Oberfläche  des  Rückens  und  auf  den  die  Abhänge  bil- 
denden Feldern  lose  umherliegende  grössere  und  kleinere  Blöcke  gewäh- 
ren gute  Gelegenheit  zur  Beobachtung  des  Gesteines.  Ausserdem  tritt  es 
aber  auch  an  einzelnen  kleinen,  wenige  Fuss  hohen  vorstehenden  Klippen 
auf  der  Oberfläche  des  Rückens  hervor.  An  diesen  letzteren  ist  denn  auch 
mit  Deutlichkeit  zu  beobachten,  dass  die  Bänke  des  Kalksteines  mit  einem 
steilen  Neigungsmittel  gegen  Norden  einfallen. 

Der  Kalkstein  ist  reich  an  organischen  Einschlüssen,  die  jedoch  immer 
nur  auf  der  angewitterten  Oberfläche  der  Stücke  in  Durchschnitten  her- 
vortreten, niemals  aber  aus  der  gleichmässig  dichten  Masse  des  Gesteins, 
mit  welcher  sie  innig  verwachsen  sind,  sich  auslösen  lassen^).  Korallen- 
stöcke herrschen  durchaus  vor.  Zuweilen  sind  sie  so  dicht  zusammen- 
gehäuft, dass  das  ganze  Gestein  als  ein  Aggregat  von  Korallenstöcken  er- 
scheint. Am  häufigsten  sind  Stromatopora  polymorpha,  CyathopJiyllum  liexa- 
gonum  und  vor  allem  Calamopora  filiformis  n.  eine  kleine,  zwei  Linien 
dicke  walzenrunde  Stämmchen  bildende  Art  der  Gattung.  An  der  Oberfläche 
umherliegende  und  lange  der  Verwitterung  ausgesetzt  gewesene  Stücke  des 
Kalksteins  sind  oft  auf  allen  Seiten  mit  den  vorragenden  dicht  zusammen- 


1)  Vergl.  Taf.  3 Fig.  1 — 9. 

2)  Die  Art  ist  der  Calamop.  cervicornis  (Calamop.  polymorpha  var.  cervicornis  Goldf.)  ähnlich, 
aber  von  viel  geringerem  Durchmesser  und  viel  weniger  zur  Verästelung  geneigt.  Dieselbe  Art  ist 
auch  in  den  Devonischen  Kalksteinschichten  des  Polnischen  Mittelgebirges  und  namentlich  in 
denjenigen  von  Chen  ein  häufig.  (Vergl.  Geognostisehe  Beob.  im  Poln.  Mittelgeb.  von  F.  Roemer, 
Zeitschrift  der  Deutsch,  geol.  Ges.  S.  678.)  Auch  bei  Oberkunzendorf  erfüllt  sie  gewisse  Lagen 
des  dunkelblaugrünen  Kalksteins. 


34 


Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura -Zuges. 


gedrängten  verkieselten  Stämmchen  dieser  Koralle  ganz  bedeckt.  Selte- 
ner wurden  Heliolites  porosa  und  Calamopora  cervicornis  ( Calamopora  poly- 
morpha  var,  cervicornis  Goldf. ; Favosites  cervicornis  Edw.  et  Haime),  Äheoli- 
tes  suhorhicularis  und  eine  einzellige  kreiselförmige  Cyathophyllen  Art  von 
der  allgemeinen  Form  des  C.  ceratites  Goldf,  beobachtet.  Schalthiere  sind 
viel  seltener.  Gewisse  Schichten  des  Kalksteines  sind  jedoch  mit  den 
Schalen  eines  grossen  Brachiopoden  erfüllt,  welchen  vollständig  aus  dem 
Gesteine  zu  lösen  zwar  nicht  gelang,  welcher  sich  aber  dennoch  durch 
Vergleichung  der  nach  verschiedenen  Richtungen  geführten  Durchschnitte 
auf  den  Verwitterungsflächen  des  Gesteins  mit  Sicherheit  als  String ocepha- 
lus  Burtini  bestimmen  liess.  Wenn  die  Korallen  die  Devonische  Natur  des 
Kalksteins  überhaupt  erweisen,  so  bezeichnet  String ocephalus  Burtini  auch 
die  Abtheilung  der  Devonischen  Schichtenreihe,  in  welche  der  Kalkstein 
gehört.  Er  muss  dem  durch  String  ocephalus  Burtini  vorzugsweise  bezeich- 
neten  Kalke  von  Paffrath,  d.  i.  der  oberen  Abtheilung  des  Eifeier  Kalks 
gleichstehen. 

Jüngere  paläozoische  Gesteine,  namentlich  Kohlen-Kalk  oder  per- 
mische Ablagerungen,  welche  man  in  der  Umgebung  dieser  ganz  isolirten 
Erhebung  devonischer  Gesteine  etwa  erwarten  könnte,  sind  nicht  vorhan- 
den. Dagegen  tritt  allerdings  der  Muschelkalk  in  der  nächsten  Umgebung 
des  Devonischen  Kalkrückens  auf.  Namentlich  auf  der  Nordseite  de» 
Hügels  ist  er  an  mehreren  Stellen  aufgeschlossen.  Es  sind  die  durch 
Cylindrum  annulatum  Eck  (Nullipora  annulata  Schaf h.)  bezeichn eten  dolo- 
mitischen  Bänke  des  unteren  Muschelkalks.  Die  noch  tieferen  Glieder  des 
Muschelkalks  fehlen  eben  so  wie  die  jüngeren.  Auch  auf  der  Südseite  des 
Rückens  tritt  der  Muschelkalk  an  ein  Paar  Punkten  hervor  und  es  ist 
durchaus  wahrscheinlich,  dass  er  die  Devonische  Erhebung  mantelförmig 
umlagert.  Jenseits  des  Muschelkalks  sind  überall  die  rothen  Keuper-Let- 
ten verbreitet. 

h.  Der  Hügel  bei  Mowa-Wioska. 

Südöstlich  von  dem  nur  *{4  Meile  von  Dziwki  entfernten  Dorfe  Nowa- 
Wioska  erhebt  sich  ein  niedriger,  mit  Wachholdersträuchen  bewachsener^ 
stumpf  konischer  Hügel,  auf  dessen  Oberfläche  ein  dunkelblauschwarzer 
Dolomit  in  Blöcken  und  niedrigen,  wenige  Fuss  hohen  Klippen  zu  Tage 
steht.  Das  Gestein  ist  mit  den  cjlindrischen  Stämmchen  derselben  kleinen 
Calamopora  filiformis  erfüllt,  welche  in  gleicher  Weise  gewisse  Schichten 
des  Kalksteins  von  Dziwki  durchzieht.  Freilich  erscheint  sie  hier  in  einer 
viel  weniger  deutlichen  Erhaltung  als  dort,  indem  meistens  nur  die  durch 


Partien  in  der  Umgebung  von  Siewierz. 


35 


hellere  Versteinerungsmasse  bezeichneten  Umrisse  der  fadenförmigen  klei- 
nen Koralle  in  dem  dunkelen  Gesteine  hervortreten.  Zuweilen  ist  die 
Substanz  der  Koralle  selbst  verschwunden,  und  dann  erscheint  das  Gestein 
von  den  entsprechenden  dicht  gedrängten  wurmförmigen  Hohlräumen 
durchzogen.  Ausser  dieser  Koralle  wurde  nur  noch  ein  undeutlicher  Ab- 
druck, der  vielleicht  zu  TJncites  gryphus  gehören  könnte,  beobachtet. 

c.  Schwarzer  Dolomit  bei  der  Eisenbahnstation  Zawierzie. 

Dieser  dritte  Punkt  liegt  Meilen  weiter  östlich.  Wenige  Schritte 
von  der  Eisenbahnstation  Zawierzie  an  der  Warschau- Wiener  Eisenbahn 
ist  in  einem  dicht  neben  der  Mühle  am  Ufer  des  Baches  gelegenen,  jetzt 
zum  Theil  schon  wieder  verschütteten  Steinbruche  ein  dunkelgrauer,  fast 
schwarzer  Dolomit  mit  deutlich  krystallinisch  körnigem  Gefüge  aufge- 
schlossen, welcher,  obgleich  er  keine  bestimmbaren,  organischen  Reste  er- 
kennen liess,  doch  durch  sein  petrographisches  Verhalten  sich  dem  Ge- 
steine von  No  wa-Wioska  so  verwandt  zeigt,  dass  er  diesem  im  Alter 
unbedenklich  gleichgestellt  werden  darf.  Ohne  die  Kenntniss  der  beiden 
anderen  Partien  würde  man  wohl  durch  den  Contrast,  in  welchem  das  hier 
bei  Zawierzie  so  vereinzelt  hervortretende,  dunkele  Gestein  gegen  die 
ringsum  herrschenden,  rothen  Keuper-Letten  und  alle  anderen  benachbar- 
ten Gesteine  des  Flötzgebirges  steht,  betroffen  sein,  aber  kaum  daran 
denken,  eine  devonische  Bildung  vor  sich  zu  haben.  So  aber  ist  sie'nicht 
Zweifelhaft. 

Es  sind  also  in  der  Gegend  von  Siewierz  drei  beschränkte 
Partien  von  kalkigen  devonischen  Schichten  vorhanden, 
welche  sich  inselartig  isolirt  aus  den  ringsum  herrschenden 
Keuper-Thonen  erheben  und  von  anderen  devonischen  Ge- 
bieten weit  getrennt  liegen. 

Am  nächsten,  aber  immerhin  noch  gegen  7 Meilen  entfernt,  ist  die 
gleich  näher  zu  betrachtende  kleine  Partie  von  Dembnik  bei  Krzeszo- 
wice  unweit  Krakau.  Eine  andere  Vergleichung  bietet  sich  für  die  de- 
vonischen Kalkpartien  bei  Siewierz  mit  den  allerdings  weiter  entfernten 
devonischen  Schichten  des  von  Pusch  so  genannten  Sandomirer  Mit- 
telgebirges oder  der  Höhenzüge  bei  Kielce  im  südlichen  Polen.  In  der 
That  sind  im  Mittelgebirge  devonische  Kalksteinschichten  von  ganz  ähn- 
licher Beschaffenheit,  wie  diejenigen  bei  Siewierz,  bekannt.  Nament- 
lich kommen  in  der  Umgebung  von  Chencin,  südwestlich  von  Kielce, 
dunkelblaugraue  devonische  Kalkstein  schichten  vor,  welche,  wie  schon 
vorher  erwähnt  wurde,  in  ganz  gleicher  Weise  mit  den  cjlindrischen 

5* 


36 


Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura-Zuges. 


Stämmchen  der  kleinen  Calamopora  filiformis  erfüllt  sind,  wie  gewisse 
Schichten  des  Kalkes  bei  Dziwki.  Die  Streichungslinie  der  Schichten  bei 
Chen  ein  gegen  Westen  fortgesetzt  gedacht,  trifft  in  der  That  genau  auf 
die  devonischen  Partien  bei  Siewierz,  welche  selbst  von  Osten  gegen 
Westen  streichen.  Man  wird  diese  letzteren  als  äusserste  westliche  Aus- 
läufer der  devonischen  Erhebung  des  Mittelgebirges  betrachten  müssen, 
obgleich  sie  durch  einen  mehr  als  20  Meilen  langen  Zwischenraum,  über 
welchen  Kreide-  und  Jura-Gesteine  sich  verbreiten,  von  der  Haupterhe- 
bung des  Mittelgebirges  bei  Kielce  getrennt  sind. 

2.  Partie  von  Dembnik  bei  Rrzeszowice. 

Die  felsigen  Wände  des  Thaies,  welches  sich  von  Krzeszowice 
imRudawa-Thale  gegen  das  Kloster  Czerna  nach  Norden  hinaufzieht, 
werden  durch  Kalksteinbänke  gebildet,  welche  durch  ihre  organischen 
Einschlüsse,  unter  welchen  namentlich  Productus  giganteus  und  Prod.  stria- 
tus  häufig  sind,  als  Kohlenkalk  mit  Sicherheit  bezeichnet  werden.  In 
gleicher  Weise  ist  das  mit  diesem  parallele,  aber  1 Meile  weiter  östlich 
gelegene  Thal,  welches  bei  dem  Dorfe  Rudawa  in  das  Thal  der  Rudawa 
einmündet,  im  Kohlenkalk  eingeschnitten.  Auf  dem  durch  diese  beiden 
Thäler  begrenzten  und  mehr  als  500  Fuss  über  die  Sohle  des  Rudawa- 
Thales  sich  erhebenden  Plateau  liegt  das  Dorf  Dembnik  (Debnik)  mit 
seinen  Marmorbrüchen,  dessen  Marmor  seit  alter  Zeit  in  Polen  berühmt  ist 
und  namentlich  auch  das  Material  zu  vielen  schönen  Bildwerken  in  den 
Kirchen  von  Krakau  geliefert  hat.  Es  ist  eine  gegen  Nordwesten  ein- 
fallende Schichtenfolge  von  dunkelgrauem  bis  schwarzen,  beim  Zerschla- 
gen bituminös  riechenden,  im  Inneren  unvollkommen  nierenförmig  abge- 
sonderten dichten  Kalkstein,  dessen  feste  Bänke  den  Marmor  liefern. 
Da  der  Kohlenkalk  fast  ringsum  in  den  benachbarten  Thälern  ansteht, 
so  würde  man  an  sich  durchaus  geneigt  sein  müssen,  auch  die  Kalk- 
steinschichten dieser  Marmorbrüche  als  Kohlenkalk  anzusprechen.  In 
der  That  ist  das  auch  von  allen  früheren  Beobachtern  geschehen  und 
namentlich  hat  auch  Pusch,  der  sich  mit  der  durch  die  Mamiichfaltigkeit 
ihrer  geognostischen  Erscheinungen,  wie  auch  durch  landschaftliche  Schön- 
heit so  ausgezeichneten  Gegend  von  Krzeszowice  sehr  eingehend  be- 
schäftigt hat,  den  Marmor  von  Dembnik  den  von  ihm  schon  richtig  als 
Kohlenkalk  erkannten  Kalksteinschichten  von  Czerna  im  Alter  gleich- 
gestellt^). Erst  durch  die  Auffindung  organischer  Einschlüsse,  welche  in 


1)  Vergl.  Pusch,  Geognost.  Beschreib,  von  Polen  Thl,  I.  S.  149. 


Partie  von  Demhnik  bei  Krzeszowice. 


37 


dem  frischen  Kalkstein  der  Marmorbrüche^  allerdings  nur  äusserst  selten, 
erkennbar  sind,  gelang  es,  dem  Kalkstein  seine  richtige  Stelle  in  der  devo- 
nischen Schichtenreihe  anzuweisen.  Bei  meinem  ersten  Besuche  der  Mar- 
morbrüche im  Jahre  1862  fand  ich  Stromatopora  ;polymorpha  und  hierdurch 
zu  weiteren  Nachforschungen  ermuthigt,  im  folgenden  Jahre  Atrypa  reticu- 
laris und  einige  andere  Fossilien,  weiche  die  devonische  Natur  des  Kalk- 
steins entschieden^).  Diese  Versteinerungen  wurden  theils  auf  angewitter- 
ten Gesteinsstücken  der  beiden  Marmorbrüche  beobachtet,  theils  in  einem 
200  Schritt  weiter  nordwärts  gelegenen  Wasserrisse,  in  welchem  dünne 
mit  30®  gegen  Norden  einfallende  Schichten  von  bituminösem  zum  Theil 
mergeligen  grauen  Kalkstein  anstehen,  gesammelt.  Im  Ganzen  wurden 
folgende  Arten  beobachtet: 

1.  Atrypa  reticularis^  Taf.  3 Fig.  11.  Sowohl  in  dem  Gesteine  des  grösse- 
ren Marmorbruchs  wie  auch  in  den  durch  den  Wasserriss  aufge- 
schlossenen Schichten  nicht  selten. 

2.  Pentamerus  galeatus,  var.  mit  zahlreichen  Falten.  Taf.  3 Fig.  10. 
ln  den  in  dem  Wasserrisse  aufgeschlossenen  Schichten  nicht  selten. 

3.  Belleroplion  Folonicus  n.  sp,  Taf.  3 Fig.  12,  13,  14.  Dem  Bellerophon 
striatusY^.r.  nahe  stehend,  unterscheidet  er  sich  vorzugsweise  durch 
die  Skulptur  der  Oberfläche,  welche  aus  stärkeren  Querreifen  und 
feineren  Längslinien  bestehend  ein  zierlich  gegittertes  Ansehen  hervor- 
bringt. Ausserdem  scheint  auch  die  Grösse  des  Gehäuses  stets  eine 
weit  geringere  zu  sein,  denn  von  den  zahlreichen  vorliegenden  Exem- 
plaren überschreitet  keines  die  Dimensionen  des  abgebildeten.  Vor- 
kommen: Auf  angewitterten  Gesteinsflächen  des  schwarzen  Kalksteins 
des  grösseren  Marmorbruches  in  zahlreichen  Exemplaren  zusammen 
mit  einer  sehr  kleinen  nicht  näher  bestimmbaren  Art  der  Gattung 
Murchisonia. 

4.  Camarophoria  (?)  Polonica  Ferd.  Roemer.  Vergl.  Geognost.  Beob- 
achtungen im  Poln.  Mittelgeb.  von  Ferd.  Roemer  in:  Zeitschr.  der 
Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XVIII.  1866.  p.  676.  Taf.  XIII.  Fig.  9,  10.  Die 
lieber  ein  Stimmung  mit  Exemplaren  von  Szydlowek  bei  Kielce  ist 
vollständig.  Jüngere  Exemplare  haben  w^enige  Falten.  Häufig  in  den 
Schichten  des  Wasserrisses. 

5.  Spirifer  sp.  conf.  Spirifera  nuda  Sow.  bei  Phillips  Palaeoz.  foss.  p.  78; 
Orthis  liians  Hohenegger:  Geogn.  Karte  des  ehemal.  Gebietes  von 
Krakau,  zusammengest.  durch  Fallaux.  Wien  1866.  p.  7.  (von  L.  v. 

1)  Vergl.  Die  Altersbestimmung  des  schwarzen  Marmors  von  Dembnik  im  Gebiete  von  Kra- 
kau von  Ferd,  Roemer.  Zeitsehr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1863  S.  708 — 713. 


38 


Devonische  Gesteine  im  Westen  des  Polnischen  Jura-Zuges. 

Buch).  Die  Bestimmung  Hohenegger’s  als  Ortliis  hians  L,  v.  Buch 
(Brut  von  String ocephalus  Burtini)  ist  irrthümlich,  wie  ich  mich  durch 
Vergleichung  der  Original -Exemplare  bestimmt  überzeugen  konnte. 
Durch  Hohenegger  in  mehreren  Exemplaren  in  dem  nördlichen 
Marmorbruche  aufgefunden. 

6.  Stromatopora polymorpha  Goldf.  Wurde  nur  einmal  in  dem  Gesteine 
des  grösseren  Marmorbruchs  beobachtet. 

So  wenig  zahlreich  die  vorstehend  aufgezählten  Arten  von  Versteine- 
rungen auch  sind,  so  genügen  sie  doch  vollständig,  um  die  Kalkstein- 
schichten vonDembnik  als  Devonisch  zu  bezeichnen  und  zwar  weisen 
sie  auf  die  mittlere  Abtheilung  der  devonischen  Schichtenreihe  hin.  Ob- 
gleich sich  String  ocephalus  Burtini  bisher  nicht  hat  nachweisen  lassen,  so  ist 
dennoch  das  Gleichstehen  mit  dem  Kalkstein  von  Dziwki  bei  Siewierz 
wahrscheinlich^).  Uebrigens  liegt  diese  Partie  von  D embnik  ebenso  isolirt 
und  weit  getrennt  von  allen  anderen  ausgedehnteren  Partien  devonischer 
Gesteine  wie  die  kleinen  Erhebungen  devonischer  Kalksteinschichten  in  der 
Gegend  von  Siewierz.  Wie  diese  letzteren  wird  man  sie  wohl  ebenfalls 
als  einen  äussersten  östlichen  Ausläufer  der  devonischen  Erhebung  des  Pol- 
nischen Mittelgebirges  betrachten  müssen.  Von  Dembnik  gegen  Westen 
trifft  man  erst  bei  Weisskirchen  und  bei  Rittberg  unweit  Olmütz  in 
Mähren  devonische  Kalksteinschichten  von  ungefähr  gleichem  Alter  an. 

Das  Lagerungsverhältniss  der  devonischen  Kalksteinschichten  zu  den- 
jenigen des  in  den  benachbarten  Thälern  von  Czerna,  Paczoltowice 
und  Radwanowice  anstehenden  Kohlenkalks  betreffend,  so  ist  dasselbe 
in  der  dichtbewaldeten  Gegend  nicht  unmittelbar  zu  beobachten.  An- 
scheinend umlagert  der  Kohlenkalk  mantelförmig  die  domförmige  Erhe- 
bung der  devonischen  Schichten.  Uebrigens  ist  nun  durch  das  Auftreten 
der  devonischen  Schichten  bei  Dembnik  in  der  Gegend  von  Krzeszo- 
wice  eine  so  vollständige  Aufeinanderfolge  der  Glieder  des  älteren  Gebir- 
ges gegeben,  wie  an  keinem  anderen  Punkte  in  der  Umgebung  des  Ober- 
schlesisch-Polnischen Kohlenbeckens,  nämlich  devonischer  Kalk,  Kohlen- 
kalk, produktives  Steinkohlengebirge  und  endlich  auch  noch  Permische 
Gesteine.  Die  südöstliche  Grenze  des  Kohlenbeckens  ist  hier  durch  das 
Auftreten  des  Kohlenkalks  und  der  devonischen  Schichten  auf  das  schärfste 
bezeichnet. 


ö In  der  That  ist  auch  der  Kalkstein  von  Dziwki  demjenigen  von  Dembnik  ganz  ähnlich 
und  wenn  ein  Bedürfniss  dazu  vorhanden  sein  sollte,  so  würde  man  gewiss  mit  Leichtigkeit  in  dem 
Hügelrücken  von  Dziwki  ebenfalls  eine  Schichtenfolge  von  ähnlichen  als  Marmor  verwendbaren 
Kalksteinbänken  durch  einen  Steinbruch  aufschliessen  können. 


Steinkohlengebirge.  Culm. 


39 


2.  Steinkohlengebirge. 

A.  Untere  Abtheilung. 

1.  Culm. 

a.  Geschichtliches. 

In  einer  im  Jahre  1837  veröffentlichten  Abhandlung^)  über  die  älteren 
Sedimentärge steine  der  Grafschaft  Devonshire  bezeichneten  Sedgwick 
und  Murchison  einen  aus  Schiefern,  Sandsteinen  und  untergeordneten 
dünnen  Kalksteinbänken  bestehenden  mächtigen  Schichten -Complex,  wel- 
cher im  mittleren  Devonshire  ein  von  Osten  nach  Westen  ausgedehntes, 
auf  den  jüngsten  durch  Spirifer  calcaratus  (Sp.  Verneuilii)  in  ihrem  Alter 
bestimmten  devonischen  Schichten  aufruhendes  Becken  bildet,  als  ,jCulmi- 
ferous  series,^^  weil  in  einem  gewissen  Niveau  dieses  Schichtensystems  Lager 
von  unreiner  Steinkohle  (culm)  Vorkommen,  die  auch  Gegenstand  eines 
freilich  nur  unbedeutenden  Bergbaus  sind.  Sie  unterscheiden  in  diesem 
Schichten-System  eine  untere  Abtheilung  (Lower  culm  measures)  und  eine 
obere  (Upper  culm  measures).  Die  untere  Abtheiliing  besteht  vorherrschend 
aus  einem  Wechsel  von  dunkeln  Thonschiefern  und  Sandsteinen  und 
schliesst  oben  mit  einer  Schichtenfolge  schwarzer  kalkiger  Schiefer  und 
dünner  Lagen  von  schwarzem  mit  weissen  Kalkspathadern  durchzogenen 
Kalkstein.  Diese  letzteren  Kalksteine  und  kalkigen  Schiefer  schliessen 
Goniatiten  (G,  spliaericus  und  G.  mixolohus)  und  Posidonomya  (P.  Becheri) 
ein.  Die  obere  Abtheilung  dagegen  ist  ausschliesslich  aus  dunkelen  Sand- 
steinen und  Schieferthonen  zusammengesetzt  und  enthält  in  einem  ihrer 
unteren  Grenze  nahe  liegenden  Niveau  die  Lager  von  unreiner  Kohle 
(culm),  welche  die  Benennung  des  ganzen  Schichten-Systems  veranlasst 
haben.  Von  organischen  Einschlüssen  sind  nur  Pflanzen  und  zwar  nur 
solche  Arten,  welche  auch  in  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  (cool 
measures)  des  mittleren  Englands  häufig  sind,  bekannt.  Die  Englischen 
Autoren  stellen  daher  schliesslich  die  „upper  culm  measures^^  dem  produkti- 
ven Steinkohlengebirge  (coal  measures)  im  Alter  geradezu  gleich,  während 
sie  die  „lower  culm  measures^^  und  namentlich  die  Kalkschichten  mit  Posido- 
nomya Becheri  und  Goniatiten  dem  Kohlenkalk  parallelisiren.  Später  erkann- 
ten Murchison  und  Sedgwick^)  das  aus  Schieferthonen,  Kieselschiefern 


1)  On  the  physical  structiire  of  Devonshire,  and  on  the  subdivisions  and  geological  relations 
of  its  older  stratified  deposits,  etc.  Transact.  geol.  soc.  2end.  Ser.  Vol.  V.  pag.  od3 — ^703. 

2)  On  the  distribution  and  Classification  of  the  older  or  palaeozoic  deposits  öf  the  north  of  Ger- 
many  and  Belgium.  London  1842.  Transact.  of  the  geol.  soc.  of  London.  Sec.  Ser.  Vol.  VI.  p.  221  ff. 


40 


Steinkohlengebirge. 


und  plattenförmigen  grauen  Kalksteinen  bestehende  und  paläontologisch 
besonders  durch  PosidonomyaBecheri  bezeichnete  Schichtensystem,  welches 
in  Westphalen  eine  schmale  Zone  im  unmittelbaren  Liegenden  des  West- 
phälischen  Steinkohlenbeckens  zusammensetzt,  als  eine  mit  den  lower  culm 
measures‘‘  in  England  durchaus  gleichalterige  Bildung  und  deuteten 
auch  für  gewisse  Schichten  des  Oberharzes  dieselbe  Stellung  als  wahr- 
scheinlich an. 

Im  Jahre  1852  bezeichnete  mein  Bruder  Ad.  Roemer^)  die  jüngere 
Grauwacke  des  Oberharzes,  welche  Pflanzenreste  und  namentlich  Cola- 
mites  transitionis  enthält  und  in  den  damit  wechsellagernden  Posidonomyen- 
Schiefern  Posidonomya  Becheri  einschliesst,  als  Culm.  Seitdem  hat  man 
sich  ziemlich  allgemein  dieses  englischen  Wortes  zur  Benennung  des 
durch  PosidonomyaBecheri  vorzugsweise  bezeichneten,  vorherrschend  aus 
Grauwackensandstein  und  Thonschiefern  bestehenden  Schichten-Systems, 
welches  im  Allgemeinen  als  den  Kohlenkalk  vertretend  angesehen  werden 
muss,  bedient.  Freilich  darf  man  dabei  nicht  vergessen,  dass  nicht  die 
von  Murchison  und  Sedgwick  als  ,yCulmiferons  series‘‘  in  Devonshire 
bezeichneten  Schichten  überhaupt,  sondern  nur  deren  untere  Abtheilung 
(die  lower  culm  measures)  den  in  Deutschland  unter  der  Benennung  Culm 
zusammengefassten  Schichten  entsprechen,  während  die  obere  Abtheilung 
(upper  culm  measures),  welche  allein  die  Lager  von  unreiner  Kohle  (culm) 
enthalten,  ein  höheres  Niveau  annehmen  und  schon  dem  produktiven  Stein- 
kohlengebirge gleichzustellen  sind.  Die  aus  diesem  Verhalten  etwa  her- 
zuleitenden Bedenken  gegen  die  Benennung  treten  vor  dem  Vortheil,  einen 
kurzen,  von  der  Gesteinsbeschaffenheit  unabhängigen  Namen  für  das  in 
Deutschland  sehr  verbreitete  Schichtensystem  zu  gewinnen,  zurück. 

Eben  dieses  Schichtensystem  ist  nun  auch  in  Ob  er  Schlesien  und  in 
den  angrenzenden  Theilen  von  Oesterreichisch  Schlesien  und  Mäh- 
ren und  namentlich  in  dem  die  östlichen  und  südlichen  Vorberge  des  hohen 
Altvatergebirges  bildenden  Berglande  in  grosser  Verbreitung  ent- 
wickelt. Freilich  sind  die  hierher  gehörenden  Gesteine  erst  in  jüngster 
Zeit  als  solche  erkennt. 

Die  älteren  Autoren,  welche  sich  mit  den  geognostischen  Verhältnissen 
Oberschlesiens  und  Oes  terreichisch  - Schlesiens  beschäftigten, 
haben  die  hierher  gehörigen  Gesteine  einfach  als  Thonschiefer-  und  Grau- 
wacken-Gebirge  bezeichnet  und  sich  auf  eine  Beschreibung  des  petrogra- 


1)  Beitrag  zur  geologischen  Kenntniss  des  nordwestl.  Harzgeb.  Zweite  Abtheil.  Cassel  1852. 
(H.v.  Meyer  und  Dunk-er,  Palaeontogr.)  S.  89. 


Culm. 


41 


phischen  und  stratographischen  Verhaltens  desselben  beschränkt  ohne  eine 
nähere  Altersbestimmung  desselben  zu  versuchen.  Das  geschah  nament- 
lich durch  V.  Oeynhausen,  welcher  auf  der  seinem  Werke  beigegebenen 
Karte  von  Oberschlesien  die  östliche  Grenze  „des  üebergangs- Thon- 
schiefer und  der  Grauwacke“  durch  den  ürthonschiefer  bilden  lässt.  Der 
erste  Schritt  zu  einer  näheren  Altersbestimmung  mit  Hilfe  der  organischen 
Einschlüsse  zu  gelangen,  wurde  durch  Gö  pp  er  t dadurch  gemacht,  dass 
er  in  den  Grauwacken  der  Gegend  von  Leobschütz  und  von  Tr  o pp  au 
Pflanzenreste  nachwies,  welche  mit  solchen  der  schon  damals  als  unteres 
Steinkohlengebirge  bestimmten  Grauwacke  von  Landshut,  Hausdorf 
und  Altwasser  im  Niederschlesischen  Gebirge  identisch  waren,  wie 
namentlich  Calamites  transitionis,  C.  dilatatus  u.  s.  w.').  Göppert  beobach- 
tete solche  Pflanzenreste  namentlich  im  Steinbruche  der  Spital-Mühle 
bei  Berndau  und  bei  Kittelwitz  unweit  Leobschütz.  Auch  in  dem 
Dachschiefer  von  Grätz  bei  Troppau  fand  er  eine  Art  der  Gattung  Cala- 
mites auf.  Durch  diese  Beobachtungen  Göppert’s  wurde  also  wenigstens 
der  östliche  Rand  des  zwischen  dem  Altvater  und  der  Gegend  von  Leob- 
schütz sich  ausbreitenden  älteren  Gebirges  als  zur  unteren  Abtheilung  des 
Kohlengebirges  gehörend  mit  Wahrscheinlichkeit  bestimmt. 

Ausführlicher  theilte  Göppert  seine  Beobachtungen  über  das  ober- 
schlesische Grauwacken-Gebirge  in  seiner  1852  erschienenen  Schrift  über 
die  fossile  Flora  des  Uebergangsgebirges  mit^).  Die  Beziehung  dieser 
pflanzeiiführenden  Grauwacke  der  Gegend  von  Leobschütz  zu  den 
pflanzenführenden  Culm-Grauwacken  des  Oberharzes  und  zu  den  Posi- 
donomyen-Schiefern  von  Na  ssau  und  dem  Harze  war  übrigens  durch  jene 
Beobachtungen  noch  nicht  klar  gestellt,  denn  noch  in  seiner  jüngsten  im 
Jahre  1859  erschienenen  üebersicht  über  die  fossilen  Pflanzen  der  älteren 
Formationen^)  unterscheidet  Göppert  eine  Flora  der  Culm -Grauwacke 


9 Vßrgl.  Ueber  die  fossile  Flora  der  Grauwacke  oder  des  Uebergangsgebirges,  besonders  in 
Schlesien,  von  Prof.  Dr.  Göppert.  Neues  Jahrb.  für  Miner,  etc.  Jahrg.  1847  S.  675  ff. 

2)  Fossile  Flora  des  Uebergangsgebirges  von  H.  R.  Göppert,  init  44  Tafeln.  Breslau  und 
Bonn  1852.  S.  69  ff.  Die  schon  in  dem  früheren  Aufsatze  und  hier  wiederholte  Angabe  von  dem 
Vorkommen  einer  Glymenia  in  kalkigen  Schichten  bei  Unter-Paulsdorf  (Nieder-Paulowitz),  unweit 
H otzßnplotz  in  Oesterreichisch  Schlesien  muss  auf  einem  Irrthume  beruhen,  da  an  jener  Stelle  nur 
Culm  - Schichten  anstehen  und  Devonische  Schichten  nur  weiter  westlich  zu  erwarten  sind.  Da 
Göppert  nach  der  in  dem  ersten  Aufsatze  gemachten  Angabe  die  Glymenia  nicht  selbst  in  den 
Schichten  auffand,  sondern  sie  erst  nachdem  der  Schacht,  in  welchem  sie  vorgekommen  sein  sollte, 
wieder  geschlossen  war,  dort  erhielt,  so  ist  die  Annahme  einer  Verwechselung  nahe  liegend. 

3)  Ueber  die  fossile  Flora  der  Silurischen,  der  Devonischen  und  unteren  Kohlenformation  oder 
des  sogenannten  Uebergangsgebirges,  mit  12  Tafeln.  (Act.  Acad.  Leopold.  Carol.  Vol.  XXVII.) 
1859.  S.  176. 


6 


42 


Steinkohlengebirge. 


einschliesslich  Posidonomyen-Schiefer  und  eine  solche  der  jüngsten  Grau- 
wacke, zu  welcher  letzteren  er  die  Grauwacken  Oberschlesiens  rechnet, 
freilich  schon  die  nahe  Verwandtschaft  beider  betonend.  Ein  wichtiger 
Fortschritt  in  der  Kenntniss  der  hier  in  Rede  stehenden  Gesteine  wurde 
durch  die  Auffindung  von  thierischen  Resten  und  namentlich  von  Posidono- 
mya  Beclieri  gemacht.  Im  Jahre  1860  berichtete  ich  über  die  durch  Herrn 
von  Gellhorn  geschehene  Auffindung  der  Posidonomya  Becheri  bei 
Johannesfeld  unweit  Troppau^)  und  sehr  bald  darauf  noch  in  demsel- 
ben Jahre über  die  Nachweisung  von  thierischen  und  pflanzlichen  Resten 
an  zahlreichen  Punkten  in  Oesterreichisch-Schlesien  und  in  Mähren 
durch  Heinr.  Wolf  in  Wien.  Die  Kenntniss  der  pflanzlichen  üeberreste 
des  Mährisch -Schlesischen  Culm- Gebirges  ist  endlich  durch  eine  mono- 
graphische Arbeit  über  diesen  Gegenstand  von  C.  v.  Ettingshausen  sehr 
wesentlich  gefördert  worden^).  Für  die  Bestimmung  der  westlichen  Grenze 
der  Culm-Bildung  gegen  die  devonischen  Gesteine  war  die  Entdeckung 
der  Posidonomya  Becheri  in  den  1 Meile  südöstlich  von  Bennisch  gelege- 
nen Dachschieferbrüchen  von  Eckersdorf"^)  von  Bedeutung.  Inzwischen 
waren  auch  die  nach  der  Aufnahme  von  H.  Wolf  geognostisch  kolorirten 
Blätter  der  österreichischen  Generalstabskarte,  welche  Oesterreichisch- 
Schlesien  und  die  angrenzenden  Theile  von  Mähren  begreifen,  durch  ein- 
zelne von  der  geologischen  Reichsanstalt  in  Wien  veranstaltete  Copien 
zugänglich  geworden.  Auf  diesen  Blättern  ist  die  ausgedehnte  Verbreitung 
der  Culm -Schichten  im  Osten  und  Süden  des  krystallinischen  Hauptstocks 
des  Altvater-Gebirges  zum  ersten  Male  dargestellt  und  zwischen  ihnen  und 
dem  krystallinischen  Urgebirge  noch  eine  Zone  von  älterem,  vielleicht  devo- 
nischen Thonschiefer-  und  Grauwacken - Gebirge  angenommen  worden. 
Durch  die  in  den  letzten  Jahren  für  die  Herstellung  der  geognostischen 
Karte  von  Oberschlesien  ausgeführten  Arbeiten  und  im  Besonderen  durch 
die  Untersuchungen  des  Herrn  A.  Halfar  ist  endlich  ein  so  umfangreiches 
neues  Material  für  die  Kenntniss  der  schlesisch-mährischen  Culm-Bildung  ge- 
wonnen worden,  dass  sich  dieselbe  nun  viel  bestimmter  als  früher  gestaltet. 


1)  Notiz  über  die  Auffindung  von  Posidonomya  Becheri  im  Grauvracken  - Gebirge  der  Sudeten, 
von  Ferd.  Roemer.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geoi.  Ges.  Jahrg.  1860.  S.  350—382. 

2)  Weitere  Nachricht  von  dem  Vorkommen  der  Posidonomya  Becheri  und  anderer  für  die  Culra- 
Schichten  bezeichnender  Fossilien  in  den  Sudeten  und  in  Mähren,  nach  den  Beobachtungen  von 
H.  Wolf  in  Wien,  ebendaselbst,  S.  513  ff. 

3)  Die  fossile  P’lora  des  Mährisch-Schlesischen  Dachschiefers;  mit  7 lithographirten  Tafeln  und 
15  in  den  Text  gedruckten  Zinkographien.  Wien  1865.  (Aus  den  Schriften  der  Wiener  Akademie.) 

4)  Ueber  Vorarbeiten  zur  Herstellung  einer  geologischen  Karte  von  Oberschlesien.  Neues 
Jahrb.  für  Mineral.  Jahrg.  1863.  S.  341. 


Culm. 


4B 


b.  Petrographisches  Verhalten. 

Die  Culra-Bildimg  von  Ob  er  Schlesien,  Oe  sterreichisch- Schlesien 
und  Mähren  stellt  ein  mehrere  tausend  Fuss  mächtiges  aus  einem  Wech- 
sel von  Grauwacken -Sandsteinen  und  Thonschiefern  mit  fast  völligem 
Ausschluss  kalkiger  Schichten  bestehendes  Schichten- System  dar.  Die 
Sandsteine  sind  regelmässig  dunkelfarbig  und  haben  das  dunkele  kieselig- 
thonige  Bindemittel,  Avelches  für  die  Grauwacken  überhaupt  bezeichnend 
ist.  Die  dunkele  Farbe  und  die  grössere  Festigkeit  des  Bindemittels  unter- 
scheiden diese  Culm-Sandsteine  allgemein  von  den  Sandsteinen  des  pro- 
duktiven Steinkohlengebirges.  Gewöhnlich  ist  die  Farbe  der  Sandsteine 
graubraun.  Die  braune  Farbe  ist  aber  immer  schon  Folge  einer  gewissen 
Verwitterung.  Im  ganz  frischen  unzersetzten  Zustande  ist  die  Farbe  dun- 
kel blaugrau.  Eine  mittlere  Grösse  des  Korns  ist  das  gewöhnliche.  Zu- 
weilen gehen  die  Sandsteine  in  Conglomerate  über.  Diese  Conglomerate 
gleichen  in  jeder  Beziehung  den  Conglomeraten  der  Culm -Bildung  des 
Oberharzes,  auf  welche  die  Benennung  Grauwacke  zuerst  angewendet 
wurde.  Abgerundete  Gerölle  von  Quarz  und  eckige  oder  halbgerundete 
Bruchstücke  von  Thonschiefern  sind  durch  ein  aus  fein  zerriebenen  Theilen 
derselben  Gesteine  bestehendes  sehr  festes  und  zähes  Bindemittel  verbun- 
den. Die  Grösse  der  Gerölle  ist  gewöhnlich  erbsengross  bis  haselnuss- 
gross. Sehr  selten  werden  die  Gemengtheüe  kopfgross.  Man  kennt  solche 
sehr  grobkörnige  Grauwacken -Conglomerate  namentlich  auf  dem  Glem- 
kauer  Galgenberge  westlich  von  Hotzenplotz,  in  einer  Thalschlucht 
nördlich  von  Peischdorf  bei  Tropplowitz,  ferner  süd- südöstlich  von 
Bennisch  am  Wege  nach  Alt-Erbesdorf,  südlich  von  Bautsch  in 
Mähren  am  Wege  nach  Altendorf  und  südlich  von  W eisskirchen.  Auf 
dem  Glemkauer  Galgenberge  beobachtete  A.  Halfar  einzelne  Bänke 
der  Grauwacke  mit  mehr  als  kopfgrossen  Gemengtheilen.  BeiPeiseh- 
dorf  enthält  die  Grauwacke  Rollstücke  von  zähem  und  festen  Grünstein 
mit  Serpentin-ähnlicher  Grundmasse  und  von  weissem  Granit.  Gneiss- 
Brocken  wurden  an  mehreren  Punkten  in  den  Conglomeraten  beobachtet. 
Das  frischeste  mir  bekannt  gewordene  Grauwacken- Conglomerat  ist  das- 
jenige von  Weisskirchen.  Es  ist  von  dunkelblaugrauer  Farbe  mit  erb- 
sen-  bis  haselnussgrossen  Gemengtheilen  und  das  Bindemittel  so  fest,  dass 
beim  Zerschlagen  des  Gesteins  die  weissen  Quarzgeschiebe  stets  mitten 
durchgespalten  werden.  Neben  den  Quarzgeröllen  sind  eckige  oder  halb 
abgerundete  Bruchstücke  von  schwarzem  Glimmerschiefer-ähnlichen  Thon- 
schiefer am  häufigsten.  Bemerkens werth  ist  an  diesem  Grauwacken- Con- 
glomerate von  W eisskirchen  das  häufige  Vorkommen  von  ganz  frischem 

6* 


44 


Steinkohlengebirge. 


weissen  gemeinen  Feldspath  (Orthoclas)  in  erbsengrossen  krystallinisch 
blätterigen  eckigen  Stücken.  An  dem  Lichtreflex  der  ebenen  Spaltungs- 
flächen unterscheiden  sich  diese  Feldspath-Stücke  sogleich  von  den  Quarz- 
geröllen.  Gewöhnlich  ist  die  Grauwacke  mehr  oder  minder  verwittert 
und  dann  graubraun  oder  braun  von  Farbe.  Meistens  ist  dann  auch  das 
Bindemittel  mehr  oder  minder  aufgelockert.  Gewöhnlich  ist  die  Mächtig- 
keit der  Grauwacken -Conglomerate  nur  gering  und  beträgt  nur  wenige 
Fuss.  Zuweilen  wird  sie  aber  auch  viel  bedeutender.  Bei  Peischdorf 
z.  B.  beträgt  sie  nach  A.  Halfar  mehr  als  200  Fuss.  Die  Haupt- 
entwickelung der  Conglomerate  ist  an  der  unteren  Grenze  der  Culm- 
Bildung.  Das  ist  namentlich  bei  Weisskirchen  nachweisbar,  wo  ganz 
nahe  unter  den  Grauwacken -Bänken  die  obersten  devonischen  Schichten 
zum  Vorschein  kommen.  Nächst  den  Sandsteinen  und  Conglomeraten  ist 
der  Thonschiefer  das  wichtigste  Gestein  der  Cülm- Bildung.  Es  sind  vor- 
herrschend dunkel  blaugraue  Thonschiefer  von  dem  gewöhnlichen  An- 
sehen der  älteren  Thon  schiefer  überhaupt.  Sehr  häufig  werden  sie  durch 
Aufnahme  von  Quarzkörnern  sandig.  Durch  Aufnahme  von  mehr  Quarz 
werden  ganz  unmerkliche  üebergänge  in  Grauwacken  - Sandstein  bewirkt. 
Die  Parallelstruktur  des  Thonschiefer’s  ist  mehr  oder  weniger  deutlich 
entwickelt.  Nicht  selten  wird  sie  so  vollkommen,  dass  ausgezeichnete 
Dachschiefer  entstehen.  In  zahlreichen  Dachschieferbrüchen  werden  diese 
Dachschiefer  in  Oesterreichisch- Schlesien  und  Mähren  gewonnen 
und  diese  Gewinnung  bildet  eine  wichtige,  zahlreiche  Arbeiter  beschäfti- 
gende Industrie.  Es  sind  hier  namentlich  diejenigen  von  Mel t sch  bei 
Troppau,  von  Eckersdorf  bei  Bennisch  und  von  Altendorf  bei 
B auts  ch  zu  nennen.  Die  Schieferung  dieser  Dachschiefer  ist  der  ursprüng- 
lichen Schichtung  parallel  und  nicht  etwa  wie  bei  dem  Dachschiefer  ande- 
rer Gegenden,  ein  Ergebniss  der  sogenannten  falschen  oder  transversalen 
Schichtung^).  Das  beweist  das  Vorkommen  der  thierischen  und  pflanzlichen 
Versteinerungen  in  diesen  Dachschiefern,  welche  mit  ihren  breiten  Flächen 
auf  den  Spaltungsflächen  der  Schiefer  ausgebreitet  liegen.  In  den  Thon- 
schiefern und  Grauwackenschiefern  ist  sonst  die  falsche  oder  transversale 
Schichtung  (slaty  cleavage  der  Engländer)  d.  i.  das  durch  mechanischen 
Druck  bei  der  Hebung  und  Biegung  der  Schichten  bewirkte  Strukturver- 
hältniss,  dem  zufolge  die  Ebene  der  Schieferung  nicht  der  Schichtungsebene 
parallel  geht,  sondern  diese  unter  einen  mehr  oder  minder  grossen  Winkel 
schneidet,  keineswegs  selten,  sondern  im  Gegentheil  über  ausgedehnte 


ü Eine  Ausnahme  zeigt  sich  in  dem  Dachschieferbruche  am  Mühlberge  rechts  am  Wege  von  Hof 
nach  B autsch,  wo  die  transversale  Schieferung  über  die  versteckte  Schichtung  völlig  vorherrscht. 


Culm. 


45 


Flächen  verbreitet.  Ich  beobachtete  sie  namenthch  zwischen  Fr  enden - 
thal  und  Jägerndorf  an  mehreren  Punkten  und  namentlich  bei  Neu- 
Erbesdorf.  A.  Halfar  sah  sie  zwischen  Bärn  und  Bautsch  und  nament- 
lich am  Wege  von  Unter-  nach  Ober-Gundersdorf.  Rein  kalkige 
Schichten  sind  der  Schlesisch -Mährischen  Culm -Bildung  durchaus  fremd. 
Ebenso  fehlen  die  Kieselschiefer  durchaus,  welche  für  die  Culm-Bildung 
des  Harzes,  Westphalens  undNassau’s  so  bezeichnend  sind.  Dagegen 
treten  an  einigen  Punkten  Alaunschiefer-Lager  in  dem  Thonschiefer  auf.  Die 
bemerkenswerthesten  sind  diejenigen  von  Gross-Pohlom  an  der  Land- 
strasse von  Troppau  nach  Mährisch-Ostrau.  Es  sind  nach  C.  v.  Oeyn- 
hausen') zwei  Lager  von  1 und  1 Lachter  Mächtigkeit.  Die  Schiefer  sind 
sehr  bituminös  und  reich  an  unsichtbar  eingesprengtem  Schwefelkies.  Eine 
Zeit  lang  wurden  diese  Schichten  abgebaut.  Auch  bei  Tropplowitz 
kamen  dergleichen  Alaunschieferlagen  nach  C.  v.  Oeynhausen  vor. 

Bauwürdige  Steinkohlenflötze  sind  nirgends  in  der  Oberschlesisch-Mäh- 
rischen  Culm-Bildung  bekannt,  so  oft  auch  das  Vorkommen  dunkeier  mit 
kohligen  Theilen  erfüllter  Schieferthone  Versuche  auf  Kohle  veranlasst  hat. 
Auch  Erzlagerstätten  kennt  man  in  derselben  nicht^). 

c.  Stratographisches  Verhalten. 

Die  Gesteine  der  Culm-Bildung  theilen  durchaus  die  aufgerichtete  und  in 
vielfachen  parallelen  Wellen  oder  Falten  gebogene  Schichtenstellung,  welche 
dem  ganzen  ostwärts  von  dem  krystallinischenürgebirge  des  Altvater-Stocks 
ausgedehntem  Berglande  eigenthümlich  ist.  Die  Schichten  sind  durchgängig 
steil  aufgerichtet  und  in  den  mannigfachsten  Richtungen  gebogen  und  ge- 
brochen. Jedoch  ist  im  Allgemeinen  bei  einem  durchaus  vorherrschenden 
und  nur  ganz  lokale  Abweichungen  erleidenden  Streichen  der  Schichten  von 
Süden  nach  Norden  ein  östliches  Fallen  der  Schichten  gewöhnlich.  Zu- 
gleich nimmt  im  Allgemeinen  die  Steillieit  der  Schichtenstellung  von  Westen 
gegen  Osten  allmählich  ab.  Während  in  der  Nähe  der  Grenze  gegen  das 
Devonische  Gebirge  die  Stellung  der  Schichten  meistens  fast  senkrecht 
ist,  so  beträgt  dagegen  in  der  Gegend  von  Leob schütz  z.  B.  in  den  Sand- 
steinbrüchen bei  Leissnitz  und  Sabschütz  die  Neigung  der  Schichten 
durchschnitthch  nur  15®  bis  20®.  Die  im  Westen  steilen  und  dicht  an  ein- 
ander gedrängten  Schichtenfalten  werden  gegen  Osten  zu  breiten  und 


1)  a.  a.  0.  S.  70. 

2)  Es  ist  jedoch  zu  erwähnen,  dass  alte  Grubenbaue  SSWestlich  von  Pohorz,  östlich  von 
Odrau  auf  die  ehemalige  Gewinnung  von  Erzen  hindeuten.  Vergl.  v.  Oeynhausen,  Versuche 
einer  geogn.  Beschreibung  von  Oberschlesien.  Essen  1822.  S.  71. 


46 


Steinkohlengebirge. 


flachen  ündulationen  von  Moilden  und  Sätteln,  wie  es  überhaupt  in  den 
Oe birgs erheb ungen  mit  einer  krystallinischen  Achse  das  gewöhnliche  Ver- 
halten ist.  Dieser  Verschiedenheit  der  Schichtenstellung  entspricht  auch 
eine  Verschiedenheit  des  petrographischen  Verhaltens.  Je  mehr  man  von 
Osten  gegen  Westen  fortschreitend  steile  und  gestörte  Schichten  Stellungen 
hervortreten  sieht,  desto  mehr  nimmt  auch  die  Festigkeit  der  Gesteine  zu 
und  die  aus  rein  mechanischen  Aggregaten  bestehenden  Gesteine  nehmen 
ein  halbkrjstallinisches  Gefüge  an.  Die  in  der  Gegend  von  Leo b schütz 
massig  festen  und  zum  Theil  zu  Werkstücken  zu  verarbeitenden  Grau- 
wacken-Sandsteine werden  gegen  die  West-Grenze  des  Culm-Gebietes  zu 
einem  sehr  festen  kieseligen  Gesteine,  in  welchem  die  Quarzkörner  mit  dem 
kieseligen  Bindemittel  innig  verschmolzen  sind.  Ebenso  werden  die  an  der 
Luft  zerfallenden  Schieferthone,  welche  in  der  Gegend  von  Leob schütz 
die  Bänke  des  Grauwacken -Sandsteines  von  einander  trennen,  gegen 
Westen  allmählich  zu  sehr  festen,  zum  Theil  Glimmerschieferähnlichen 
Thonschiefern  und  Dachschiefern.  Auch  dieses  ist  ein  Verhalten,  wie  es 
in  anderen  Gebirgen  mit  krjstallinischer  Achse  häufig  beobachtet  wird. 

Das  Lagerungsverhältniss  der  Culm- Bildung  zu  den  nächst  älteren 
und  den  nächst  jüngeren  Ablagerungen  betreffend,  so  ist  zwar  dasselbe 
zu  den  Devonischen  Gesteinen  an  der  westlichen  Grenze  des  Culm- 
Gebietes,  wie  namenthch  in  der  Gegend  von  Bennisch,  bei  der  sehr 
gestörten  Schichtenstellung  nicht  mit  Sicherheit  zu  ermitteln,  jedoch  ist  es 
an  sich  durchaus  wahrscheinhch,  dass  die  Auflagerung  auf  die  obersten 
Devonischen  Schichten  eine  gleichförmige  ist.  Dagegen  ist  nach  H.  Wolf 
die  Auflagerung  auf  den  mittel-devonischen  Kalkstein  in  Mähren  überall 
eine  ungleichförmige  und  üb  ergreif  ende,  wie  namentlich  bei  Rittberg, 
Kebetein,  Rokos,  Leipnik  und  Weisskirchen.  Anderer  Seits  ist  es 
zuverlässig  sicher,  dass  das  produktive  Steinkohlengebirge  den  obersten 
Culm- Schichten  gleichförmig  aufruht.  Namentlich  westlich  von  Hoschial- 
kowitz  unweit  Hultschin  treten  die  Grauwacken  der  Culm-Bildung  den 
Gesteinen  des  produktiven  Steinkohlengebirges  an  der  Oberfläche  ganz  nahe. 
An  der  südlichsten  Spitze  des  Winkels,  der  durch  die  Vereinigung  der  Oppa 
mit  der  Oder  gebildet  wird,  ist  ächter  Kohlensandstein  durch  Steinbrüche 
aufgeschlossen  und  eine  ganz  kurze  Strecke  weiter  nordwärts  steht  schon 
Culm-Grauwacke  an,  in  welcher  bei  Bobrownik  Posidonomya  Bechen 
und  andere  für  die  Culm-Bildung  bezeichnende  Fossilien  gefunden  wurden. 

Eigenthümliche  Eruptiv-Gesteine,  d.  i.  solche,  deren  Hervorbrechen  in 
die  Ablagerungszeit  der  Schichten  fiele,  sind  der  Schlesisch -Mährischen 
Culm-Bildung  fremd. 


Culra. 


47 


d.  Verbreitung. 

Die  Gesteine  der  Culm-Bildimg  verbreiten  sich  im  Osten  und  Süden  des 
aus  krystallinischen  Urgebirgsmassen  zusammengesetzten  Gebirgsstocks 
des  eigentlichen  Altvaters  über  einen  mehr  als  fünfzig  Quadrat -Meilen 
grossen  Flächenraum,  welcher  orographisch  ein  unter  der  Benennung  des 
Niederen  Gesenkes  bekanntes  Berg-  oder  Hügelland  mit  gerundeten  Berg- 
formen darstellt.  Die  Hauptmasse  dehnt  sich  zusammenhängend  zwischen 
den  Flussthälern  der  Oppa  und  March  und  im  Süden  durch  das  mit 
Jüngern  miocänen  Tertiär- Ablagerungen  erfüllte,  die  Sudeten  von  den 
Karpathen  scheidende  Thal  zwischen  Prerau  und  Mährisch- Ostrau 
begrenzt,  ohne  alle  Bedeckung  durch  jüngere  Gesteine  aus.  Die  Städte 
Neustadt,  Jägerndorf,  Troppau,  Weisskirchen,  Prerau  und 
Olmütz  bezeichnen  durch  ihre  Lage  den  Umfang  dieser  grossen  Haupt- 
masse der  Culm-Gesteine.  Nur  die  westliche  Grenze  ist  nicht  in  gleicher 
Weise  durch  eine  orographische  oder  petrographische  Scheide  einfach 
gegeben,  sondern  es  stösst  die  scharfe  Feststellung  derselben  auf  grosse 
Schwierigkeiten.  Es  findet  hier  nämlich  ein  scheinbar  ganz  allmählicher 
Uebergang  in  die  Devonischen  Gesteine  Statt,  welche,  wie  früher  nach- 
gewiesen wurde,  eine  Zone  zwischen  den  Culm-Gesteinen  und  dem  krjstal- 
linischen  Urgebirge  des  Altvaters  bilden.  Geht  man  in  gerader  Richtung 
von  Hotzenplotz  nach  Zuckmantel,  oder  von  Jägerndorf  nach 
Freudenthal,  oder  auch  von  Troppau  nach  Hof  in  Mähren,  so  über- 
schreitet man  mehr  oder  minder  steil  aufgerichtete  Grauwacken-Sandstein- 
und  Thonschiefer-Schichten  in  vielfachem  Wechsel,  welche  wohl  allmählich 
eine  festere  und  zum  Theil  halbkiystallinische  Beschaffenheit  annehmen, 
aber  nirgends  einen  auffallenden  Abschnitt  wahrnehmen  lassen,  der  als  die 
Grenze  zweier  Formationen  gelten  könnte.  Durch  die  petrographische 
Beschaffenheit  der  Gesteine  allein  würde  man  kaum  veranlasst  sein,  zwi- 
schen jenen  Orten  eine  Grenze  zu  ziehen  und  doch  ist  eine  solche  vorhan- 
den. Es  müssen  die  freilich  bisher  nur  an  sehr  vereinzelten  Punkten  be- 
obachteten Versteinerungen  und  das  Auftreten  gewisser  Eruptiv-Gesteine 
benutzt  werden,  um  die  Grenzlinie  zwischen  Culm  und  Devon  zu  ziehen.  ^ 

In  Betreff  der  Versteinerungen  ist  zunächst  die  Thatsache  zweifellos,  dass 
während  bei  Troppau,  Jägerndorf  und  Hotzenplotz  die  bezeichnen- 
den Landpflanzen  und  Meeresthiere  der  Culm -Bildung  Vorkommen,  bei 
Engelsberg,  nordwestlich  von  Freudenthal  und  bei  Bennisch  östlich 
von  Freudenthal  thierische  Versteinerungen  einer  durchaus  verschiede- 
nen Fauna  gefunden  werden.  Bei  Bennisch  werden,  wie  vorher  berich- 
tet wurde,  auf  den  südlich  von  der  Stadt  gelegenen  Eisensteingruben  zahl- 


48 


Steinkohlengebirge. 


reiche  Devonische  Korallen  in  einem  roth  gefleckten  Kalksteine,  Avelcher  in 
Begleitung  von  Diabas-Mandelsteinen  auftritt,  beobachtet  und  kaum  ^ 4 Mei- 
len südöstlich  voü  diesem  Punkte  fand  sich  in  den  Dachschieferbrüchen 
von  Eckersdorf  Posidonomya  Becheri.  Hier  muss  also  die  Grenze  zwi- 
schen diesen  beiden  Punkten  durchgehen  und  man  wird  mit  Wahrschein- 
lichkeit annehmen  dürfen,  dass  südwärts  und  nordwärts,  wo  Culm- Ver- 
steinerungen nicht  in  gleicher  Nähe  der  in  Begleitung  von  Diabas-Mandel- 
steinen auftretenden  Devonischen  Schichten  bekannt  sind,  die  Grenze  eben- 
falls nicht  weit  östlich  von  diesen  Schichten  zu  suchen  ist.  Noch  weiter 
nordwärts  treten  in  der  Fortsetzung  der  Diabas-Mandelsteine  schmale  Züge 
von  Dioriten  auf,  welche,  da  die  Culm-Gesteine  nirgendwo  eigenthümliche 
Eruptiv -Gesteine  einschliessen,  ebenfalls  noch  als  Devonischen  Schichten 
untergeordnet  angesehen  werden  müssen,  so  dass  auch  östlich  von  ihnen 
die  Grenze  zu  ziehen  ist.  In  solcher  Weise  hat  sich  bisher  die  Grenze 
zwischen  Culm  und  Devon  nur  sehr  allgemein  bestimmen  lassen  und  erst 
die  Auffindung  von  Culm -Versteinerungen  an  zahlreicheren  den  Diabas- 
Mandelstein  - Zügen  nahe  gelegenen  Punkten  wird  dieselbe  mit  grösserer 
Schärfe  festzustellen  gestatten. 

Im  Südosten  bildet  zwar  im  Allgemeinen  die  die  Sudeten  von  den  Kar- 
pathen scheidende  mit  Tertiär -Ablagerungen  erfüllte  Thaleinsenkung  zwi- 
schen Pr  er  au  und  Mährisch-Ostrau  die  südöstliche  Grenze  des  Culm- 
Gebietes,  allein  eine  zwischen  Weisskirchen  und  Leipnik  ausgedehnte 
Partie  von  Culm-Gesteinen  liegt  auf  der  Südostseite  dieses  Thaies.  Südlich 
von  Weisskirchen  wird  diese  Grauwacken -Partie,  von  dem  Beczwa- 
Flusse  in  einem  engen  steilwandigen  Thale  durchbrochen.  Ausgezeichnet 
frische  grobkörnige  Grauwacken-Conglomerate,  welche  auffallend  mit  den 
typischen  Grauwacken  - Conglomeraten  des  Oberharzes  übereinstimmen, 
stehen  hier  an. 

Diese  bisher  betrachtete  zwischen  der  Oppa  und  March  sich  aus- 
dehnende und  im  Nordwesten  an  die  Devonischen  Gesteine  sich  anlehnende 
Hauptmasse  der  Culm-Gesteine  hat  nun  aber  noch  zahlreiche,  jenseits 
jener  Grenzen  liegende  Ausläufer.  Namentlich  verbreitet  sie  sich  von 
Jägerndorf  und  Troppau  über  die  Oppa  hinaus  gegen  Norden  und 
Nordosten  in  der  Richtung  von  Neustadt,  Hotzenplotz,  Leobschütz, 
Bauerwitz,  Deutsch-Neukirch  und  Kätscher.  Zwischen  Jägern- 
dorf, Hotzenploz  und  Neustadt  erscheint  die  Culm -Grauwacke  auf 
der  linken  Seite  der  Oppa  noch  als  eine  zusammenhängende  Zone  an  der 
Oberfläche.  Weiter  hin  gegen  Nordosten  in  der  Richtung  von  Ober- 
Glogau  und  Leobschütz  liegt  auf  den  Höhen  überall  der  Löss  und  nur 


Culm. 


49 


in  den  Thaleinschnitten  tritt  hin  und  wieder  auf  kurze  Strecken  die  Grau- 
wacke zu  Tage.  So  ist  das  Verhalten  namentlich  nördlich  von  Le  Ob- 
schütz in  den  durch  die  Zuflüsse  des  Straduna-Baches  gebildeten  Thal- 
einschnitten bei  Sabschütz,  Leissnitz,  Berndau,  Kittelwitz  und 
Steubendorf.  Zahlreiche  Steinbrüche  in  dem  Grauwacken -Sandsteine 
gewähren  hier  vortrefflichen  Aufschluss  über  die  Natur  des  Gesteines.  Bei 
Hohndorf,  H'2  Meilen  südöstlich  von  Leobschütz,  ist  die  Culm-Grau- 
wacke  an  drei  Punkten  des  Bachthalgehänges  aufgeschlossen  und  wird  an 
dem  einen  von  wagerechten  Schichten  eines  versteinerungführenden  Kreide- 
mergels ungleichförmig  überlagert.  In  den  Umgebungen  von  Dirschel 
und  Deutsch-Neukirch  bilden  die  Culm-Schichten  die  Unterlage  der 
dort  verbreiteten  Gyps-führ  enden  Tertiär -Bildung  und  treten  an  mehreren 
vereinzelten  Punkten  zu  Tage*).  Auch  an  dem  südlichen  Ende  des  durch 
die  Oppa  und  die  Oder  gebildeten  Winkels  in  der  Umgebung  von  Hult- 
schin^)  erscheint  die  Grauwacke  nochmals  auf  dem  linken  Ufer  der  Oppa, 
hier  nachweislich  das  unmittelbare  gleichförmige  Liegende  des  produkti- 
ven Steinkohlengebirges  bildend,  welches  ganz  in  der  Nähe  durch  zahl- 
reiche Kohlengruben  bei  Petrzkowitz  aufgeschlossen  ist. 

Culm-Partien  von  Zyrowa  und  Tost. 

Viel  weiter  als  die  bisher  genannten  Ausläufer  sind  die  auf  der  rechten 
Seite  der  Oder  gelegenen  Partien  von  Culm-Gesteinen,  diejenige  von  Zy- 
rowa zwischen  Krappitz  und  Leschnitz  und  diejenige  von  Tost,  von 
der  zwischen  Oppa  und  March  entwickelten  Hauptmasse  derselben  ge- 
trennt. Beide  liegen  am  südlichen  Rande  des  grossen  oberschlesischen 
Muschelkalk-Zuges,  von  dem  Muschelkalke  selbst  noch  durch  eine  schmale 


1)  So  namentlich  östlich  und  nordöstlich  von  Dirschel.  Die  Aufschlüsse  sind  hier  ein  in  dem 
Dorfe  selbst  gelegener  Steinbruch,  ein  anderer  an  seinem  Ostende  und  zwei  Brüche  westlich  von  der 
Kalkmühle.  Die  Schichten  fallen  meist  mit  flacher  Neigung  und  nur  in  dem  nördlichsten  der  genann- 
ten Brüche  mit  35®  gegen  Osten  ein.  Weiter  westlich  ist  die  Grauwacke  durch  einen  Steinbruch  am 
Neuhofe  zwischen  Nass i edel  und  Hochkretscham  aufgeschlossen.  Südlich  von  Bieskau 
bei  Deutsch-Neukirch  sind  Culm-Schichten  durch  einen  alten  Steinbruch  am  Potich-Grabeii 
aufgeschlossen.  Eine  kleine  Partie  der  Grauwacke  tritt  südlich  von  Br  anitz  auf  dem  linken  Ufer 
der  Oppa  hervor. 

2)  Eine  ganz  kleine  Partie  bildet  die  Grauwacke  bei  Kosmitz  westlich  von  Hultschin.  Viel 
ansehnlicher  ist  die  von  Hultschin  über  Bobrownik  nach  Hoscialkowitz  sich  erstreckende 
Partie.  Bei  Bobrownik  wurden  unzweifelhafte  Culm -Versteinerungen,  namentlich  Calamites 
transitionis,  Goniatites  mixolohus  und  Orthoceras  striolatum  beobachtet.  Die  südlichste  Spitze  des 
Winkels  zwischen  Oppa  und  Oder  wird  schon  durch  Kohlensandstein  gebildet,  der  in  mehreren 
ansehnlichen  Steinbrüchen  aufgeschlossen  ist. 


7 


50 


Steinkohlengebirge. 


Zone  von  buntem  Sandstein  geschieden.  Die  Partie  von  Zyro  wa  erstreckt 
sich  als  eine  1 Meile  lange  und  nur  etwa  % Meile  breite  Zone  in  ostwest- 
licher Richtung  von  Oberwitz  über  Jeschiöna  nach  Zyrowa.  Eigent- 
lich sind  es  drei  getrennte  Partien,  allein  die  Trennung  wird  nur  durch 
aufgelagertes  Diluvium  bewirkt  und  es  ist  nicht  zu  bezweifeln,  dass  sie 
unter  dieser  Bedeckung  sich  im  Zusammenhänge  befinden,  ln  dem  Dorfe 
Zyrowa  stehen  die  Schichten  deutlich  zu  Tage.  Es  sind  steil  aufgerich- 
tete dünn  geschichtete  dunkele  Grauwacken-Sandsteine.  Organische  Ein- 
schlüsse wurden  nicht  beobachtet. 

Die  Partie  von  Tost  ist  ausgedehnter.  Zunächst  besteht  der  Schloss- 
berg, ein  isolirter  kegelförmiger  Hügel  daraus.  Im  Süden  der  Stadt  ver- 
breitet sich  das  Gestein  bis  nach  Boguschütz  in  einer  ansehnlichen  Partie. 
An  den  Gehängen  des  Bachthaies  ist  es  deutlich  aufgeschlossen.  Viel 
beschränkter  ist  die  Verbreitung  an  einer  Stelle  südlich  von  Kottlischo- 
witz,  wo  unmittelbar  neben  der  Grauwacke  der  bunte  Sandstein  aufge- 
schlossen ist.  Noch  beschränkter  endlich  ist  ein  Vorkommen  südlich  von 
Schierot  an  dem  linken  Gehänge  des  Bachthaies.  Obgleich  an  der  Ober- 
fläche durch  Löss  getrennt,  ist  es  auch  bei  diesen  verschiedenen  Partien 
von  Tost  nicht  zweifelhaft,  dass  sie  Zusammenhängen.  Das  Gestein  ist 
an  allen  Punkten  wesentlich  dasselbe.  Steil  aufgerichtete,  mit  kohligen 
Theilen  erfüllte  dunkele  plattenförmige  Grauwacken-Sandsteine  und  san- 
dige Schiefer.  Das  allgemeine  Ansehen  ist  von  demjenigen  der  sandigen 
Schichten  des  produktiven  Steinkohlengebirges  verschieden.  Schon  die 
durchgehends  dunkele  Färbung  ist  unterscheidend.  Deutliche  organische 
Einschlüsse  sind  sehr  selten.  Doch  erhielt  ich  Calamites  transitionis  und 
ein  wahrscheinlich  mit  L.  tetragonum  identisches  Lepidodendron  von  dort. 
Die  erstere  Art  beobachtete  auch  schon  früher  Göppert  daselbst.  Hier- 
nach würde  die  Zugehörigkeit  der  Schichten  zur  Culm-Bildung  nicht  zwei- 
felhaft sein. 

Diese  Grauwacken-Partien  von  Tost  und  Zyrowa  haben  ein  beson- 
deres Interesse,  weil  sie  für  die  Verbreitung  des  oberschlesischen  Kohlen- 
beckens ein  bestimmtes  Anhalten  gewähren.  Nordwärts  einer  von  Zy- 
rowa nach  Tost  und  darüber  hinaus  gegen  Osten  gezogenen  Linie  wird 
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  jeder  Versuch  auf  Steinkohlen  vergeblich 
sein,  denn  die  Culm-Grauwacke  bildet  ja  eben  das  Liegende  des  produk- 
tiven Steinkohlengebirges. 

Im  fiebrigen  wird  man  die  Grau  wacken  - Partien  von  Zyrowa  und 
Tost  nur  als  die  äussersten  östlichen  Ausläufer  des  grossen  westlich  gele- 
genen Culm  - Gebietes  betrachten  können.  In  der  That  beträgt  auch  der 


Ciilm, 


51 


Abstand  des  nördlichen  Grauwacken -Vorkommens ')  zwischen  Leob- 
schütz  und  Ober-Glogau  von  demjenigen  von  Zyrowa  nur  wenige 
Meilen.  In  grösserer  Tiefe  würde  in  diesem  Zwischenräume  sehr  wahr- 
scheinlich die  Grauwacke  überall  anzutreffen  sein.  Westlich  von  einer 
Zyrowa  und  Leobschütz  verbindenden  geraden  Linie  wird  das  pro- 
duktive Steinkohlengebirge  nicht  mehr  zu  suchen  sein  und  vielleicht  reicht 
es  selbst  nicht  über  eine  von  Tost  nach  Kätscher  gezogene  gerade  Linie 
hinaus  gegen  Westen. 

Endlich  ist  auch  noch  der  Verbreitung  der  Culm-Gesteine  im  Südwesten 
der  March  in  Mähren  zu  gedenken.  Wenn  wir  in  dem  Vorstehenden 
besonders  nur  die  Entwickelung  der  Culm-Gesteine  zwischen  Oppa  und 
March  in’s  Auge  fassten,  so  bildet  doch  die  March  keineswegs  die 
äusserste  Grenze  der  Verbreitung.  Im  Südwesten  dieses  Flusses  verbrei- 
ten sich  dieselben  vielmehr  noch  über  einen  ausgedehnten  Flächenraum, 
welcher  fast  der  Hälfte  des  ganzen  Gebietes  derselben  zwischen  March 
und  Oppa  gleich  kommt.  Sie  reichen  gegen  Südwesten  bis  in  die  Nähe  von 
Brünn  und  Blansko.  Auf  Fötterle’s  geologischer  Karte  von  Mähren^) 
ist  diese  Verbreitung  nach  den  Aufnahmen  von  H.  Wolf  näher  angegeben. 
Nach  der  Ansicht  des  letzteren  Beobachters^)  ist  aber  wahrscheinlich  auch 
bei  Brünn  noch  nicht  die  südlichste  Grenze,  sondern  anscheinend  treten 
sie  unter  den  Rossitzer  und  Oslawaner  Kohlenlagern  in  der  südlichen 
Fortsetzung  über  Kromau  wieder  hervor,  indem  hier  wieder  grobe  Grau- 
wacken-Conglomerate  von  der  Beschaffenheit  derjenigen  bei  Henners- 
dorf in  Oesterreichisch  Schlesien  bekannt  sind.  Ist  die  letzte  Annahme 
begründet,  so  reichen  die  südlichsten  Culm- Schichten  bis  10  Meilen  vor 
Wien. 

e.  Gliederung. 

Obgleich  es  bei  der  jedenfalls  sehr  bedeutenden  Mächtigkeit  der  Ober- 
schlesisch-Mährischen Culm -Bildung  an  sich  durchaus  wahrscheinlich  ist, 
dass  dieselbe  nicht  eine  einzige  ungegliederte  Masse  darstellt,  so  fehlt  es 


1)  Südwestlich  von  Kostenthal,  auf  dem  Wege  nach  dem  Dorfe  Militsch  wurde  nach  An- 
gabe des  Kreis-Baumeister  Zi ekler  in  Cosel  mit  einem  Bohrloche,  welches  die  Aufsuchung  von 
Steinkohlen  bezweckte,  in  4 Lachter  Tiefe  Grauwacken-Sandstein  von  gleicher  Beschaffenheit  wie 
derjenige  bei  Leis nitz  angetroffen.  Dieses  würde  das  der  Grauwacken-Partie  von  Zyrowa  am 
meisten  genäherte  Vorkommen  der  Grauwacke  in  der  Gegend  von  Leobschütz  und  Cosel  sein. 

2)  Geologische  Karte  der  Makgrafschaft  Mähren  und  des  Herzogthums  Schlesien  von  Franz 
Fötterle.  Wien  1866. 

3)  Vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1860.  S.  515. 


r 


52 


Steinkohlengebirge. 


doch  bis  jetzt  an  jedem  festen  Anhalten  für  die  Unterscheidung  von  Unter- 
abtheilungen.  Namentlich  bietet  die  Yertheilung  der  organischen  Ein- 
schlüsse, so  weit  sie  bis  jetzt  bekannt  ist,  kein  Mittel  für  eine  solche  Unter- 
scheidung. In  petrographischer  Beziehung  verdient  der  Umstand  Beach- 
tung, dass  die  groben  Grauwacken-Conglomerate  vorzugsweise  der  Basis 
des  ganzen  Schichten -Systems  an  der  Grenze  gegen  die  Devonischen  Ab- 
lagerungen anzugehören  scheinen.  Namentlich  bei  Weisskirchen,  am 
Glemkauer  Galgenberge  bei  Hotzenplotz  und  bei  Rittberg  unweit 
Olmütz  ist  diese  Lagerung  der  Grauwacken-Conglomerate  nachweisbar. 
Die  Dachschiefer  haben  anscheinend  ein  geognostisches  Niveau  etwa  in 
der  Mitte  des  ganzen  Schichten-Systems. 

f.  Organische  Einschlüsse. 

" Vergl.  Taf.  4,  5 und  6. 

In  Betracht  der  jedenfalls  sehr  bedeutenden  Mächtigkeit  der  Oberschle- 
sisch-Mährischen Culm-Bildung  ist  deren  fossile  Fauna  und  Flora  eine  dem 
Umfange  nach  sehr  beschränkte.  Namentlich  die  erstere,  wenn  man  sie 
mit  der  artenreichen  Fauna  des  Kohlenkalks  vergleicht,  von  welchem  die 
Culm-Bildung  nur  eine  andere  Facies  aus  gleicher  Bildungszeit  darstellt, 
wie  weiterhin  gezeigt  werden  wird.  Ausserdem  ist  auch  das  Vorkommen 
der  thierischen  und  pflanzlichen  Reste  nur  auf  gewisse,  im  Vergleich  mit 
der  Gesammtmächtigkeit  des  ganzen  Schichtensystems  sehr  wenig  mäch- 
tige Schichtenlagen  eingeschränkt.  Bedeutende  dazwischen  liegende 
Schichtenreihen  von  Grauwacken-Sandsteinen  und  Thonschiefern  sind  an- 
scheinend ganz  frei  davon.  Die  meisten  Fundorte  von  Versteinerungen 
liegen  in  dem  östlichen  und  mittleren  Theile  des  Verbreitungsgebietes  der 
Bildung,  wo  die  Schichtenstellung  eine  mässig  geneigte  und  die  petrogra- 
phische  BeschalFenheit  seit  der  ursprünglichen  Ablagerung  eine  wenig  ver- 
änderte ist.  Wo  dagegen  gegen  Westen  hin  d.  i.  mit  der  Annäherung  an 
die  krystalhnische  Achse  des  Gebirges  steile  und  gestörte  Schichtenstellun- 
gen herrschend  werden  und  die  Gesteine  ein  festes  halbkrystallinisches 
Ansehen  gewinnen,  da  werden  die  organischen  Einschlüsse  sehr  selten 
oder  fehlen  ganz,  wahrscheinhch  nur  desshalb,  weil  sie  bei  der  vorzugs- 
weise durch  Druck  bewirkten  Aenderung  der  Gesteine  verwischt  oder 
undeutlich  geworden  sind.  Uebrigens  enthalten  sowohl  die  Sandsteine 
wie  die  Thonschiefer  Versteinerungen  und  nur  die  groben  Grauwacken- 
Conglomerate  sind  nicht  für  die  Erhaltung  derselben  geeignet  gewesen. 
Besonders  verschiedene  Dachschieferbrüche,  wie  namentlich  derjenige  von 
Meltsch  bei  Troppau  und  diejenigen  von  Altendorf  und  Tschirm  bei 


Culm. 


53 


Bautsch  in  Mähren  haben  sich„als  reiche  Fundorte  von  pflanzlichen  und 
thierischen  Versteinerungen  erwiesen. 

Die  fossile  Flora  der  Oberschlesisch-Mährischen  Culm-Bildungen  wird, 
abgesehen  von  zwei  nur  in  unvollkommener  Erhaltung  bekannten  und 
wohl  nicht  zweifellosen  Fucoiden  der  G-attung  Chondrites  nur  durch  Land- 
pflanzen, und  zwar  solcher  Geschlechter,  welche  auch  für  das  produktive 
Steinkohlengebirge  bezeichnend  sind,  gebildet.  Es  sind  vorzugsweise 
Farrenkräuter,  Calamiten  und  Lepidodendren.  Die  Farrenkräuter  gehö- 
ren namentlich  den  Gattungen  S^henopteris,  Neuropteris,  Cydopteris,  Tricho- 
manites  und  Hymenophyllites  an.  Unter  den  Calamiten  ist  (7.  transitionis 
Göpp.  die  wichtigste  Art  und  neben  Lepidodendron  tetragonum  überhaupt 
die  verbreitetste  Leitpflanze.  C.  v.  Ettingshaus eiF)  zählt  im  Ganzen 
38  Pflanzenarten  auf. 

Die  dem  Umfange  nach  beschränkte  fossile  Fauna  besteht  ausschliess- 
lich aus  Meeresthieren.  Zweiklappige  Muscheln  (Lamellihmnchiaten)  und 
Cephalopoden  bilden  die  Mehrzahl  der  Arten.  Unter  den  Muscheln  ist  Pasi- 
donomya  Becheri  Bronn  weitaus  die  verbreitetste  und  überhaupt  das  wich- 
tigste Leitfossil.  Sie  wurde  namentlich  in  den  Dachschieferbrüchen  von 
M eit  sch  bei  Troppau  in  grossen  und  schönen  Exemplaren  beobachtet. 
Sonst  auch  bei  Johannesfeld^)  östlich  von  Troppau,  in  den  Dach- 
schieferbrüchen von  Eckersdorf  bei  Bennisch,  bei  Nieder-Paulo- 
witz  unweit  Hotzenplotz,  und  bei  Altendorf  unweit  Bautsch^)  in 
Mähren.  Unter  den  Cephalopoden  ist  Goniatites  sphaericus  So  w.  f Gonia- 
tites  crenistria  Phill.)  die  verbreitetste  Art.  Man  kennt  sie  namentlich  aus 
den  Dachschieferbrüchen  von  M eit  sch  bei  Troppau  und  von  Altendorf 
bei  Bautsch,  aus  dem  Thönschiefer  von  Nieder-Paulowitz  und  aus 
den  Grauwacken-Sandsteinen  von  Leissnitz  und  Sabschütz  bei  Leob- 
schütz.  Eine  zweite  kleinere  Art  der  Gattung,  Go7i,  mixolohus,  wurde 
ebenfalls  an  mehreren  Orten  beobachtet,  freilich  stets  nur  in  sehr  unvoll- 


Die  fossile  Flora  des  Mährisch- Schles.  Dachschiefers.  Wien  1865.  (Schriften  der  Wien.  Akad.) 

2)  Der  Aufschluss  bei  Johannesfeld  ist  ein  Einschnitt  der  Landstrasse  an  einem  kleinen  Ab- 
hange. Ausser  Posidonomya  Becheri  fanden  sich  in  dem  an  der  Luft  rasch  in  kleine  Stüekchenzer- 
fallenden  Schieferthone  auch  Lepidodendron  tetragonum. 

3)  Der  Aufschluss  bei  Nieder-Paulowitz  besteht  in  einem  verfallenen  Stollen  bei  der 
Klappermühle,  mit  welchem  man  vor  etwa  20  Jahren  in  dem  schwarzen  Thonschiefer  nach  Stein- 
kohlen schürfte.  In  diesem  schwarzen,  auf  den  zahlreichen  Klüften  mit  einem  dünnen  braunen 
Häutchen  von  Brauneisenstein  überzogenen  Thonschiefer  sind  Versteinerungen,  freilich  nur  in  sehr 
unvollkommener  Erhaltung,  nicht  selten.  Durch  A.  Halfar  wurden  dort  gesammelt:  Posidonomya 
Becheri,  Pecten  sp.,  Goniatites  sphaericus,  Orthoceras  striolatum  und  Calamites  transitionis.  Ausser 
dem  Stollen  wurden  damals  auch  einige  jetzt  wieder  verschüttete  kleine  Schächte  zu  demselben 
Zwecke  abgeteuft. 


54 


Steinkohlengebirge. 


kommener  Erhaltung  mit  ganz  zusammengedrückter  Schale.  Auch  zwei 
Arten  der  Gattung  Orthocercis,  0.  scalare  und  0.  striolatum,  welche  ursprüng- 
lich aus  den  Schieferthonen  der  Culm-Bildung  bei  Herborn  in  Nassau 
beschrieben  wurden,  fanden  sich  an  mehreren  Stellen.  Eine  Art  der  Gat- 
tung Phillipsia,  welche  ebenfalls  aus  den  Culm-Schiefern  von  Nassau  be- 
kannt ist,  Ph.  latispinosa  Sandb.,  wurde  in  den  Dachschiefern  an  der 
Tschirmer-MühlebeiBautsch  gefunden.  Endlich  fand  sich  ein  seiner 
systematischen  Stellung  nach  durchaus  zweifelhafter  wurmförmiger  Körper, 
Nemertites  Sudeticus,  in  den  Dachschieferbrüchen  von  M eit  sch  bei  Trop- 
pau.  Die  Gesammtzahl  der  aus  der  Oberschlesisch -Mährischen  Culm- 
Bildung  bisher  bekannt  gewordenen  Arten  von  Thier en  beträgt  nur  8.  J)as 
nachstehende  Verzeichniss  lässt  die  aus  der  Oberschlesisch -Mährischen 
Culm-Bildung  bisher  bekannt  gewordenen  organischen  Einschlüsse  mit  den 
Fundorten  übersehen. 

Verzeichniss  der  in  den  Schlesisch-Mährischen  Culm-Schichten 
beobachteten  Versteinerungen. 

-A.  Pflanzen. 

Ghondrites  vermiformis  C.  v.  Etting  sh.  . Tschirm  bei  Bautsch  in  Mähren. 

Chondrites  tenellus  Göppert Altendorf  bei  Bautsch  in  Mähren. 

Calamites  transitionis  Göppert.  .....  Sabschütz  und  Kittel  witz  bei  Leobschütz; 

(Taf.  4,  Fig,  1,  2,  3.)  Bobrownik  bei  Hultschin;  Meltsch,  Grätz 

• und  Alt-MokrolasetzbeiTroppau;  Nieder- 

Paulowitz  bei  Hotzenplotz;  Altendorf, 
Tschirm,  Mora  witz,  Seibersdorf  bei  Dom- 
stadtl,  Austy  und  Teplitz  bei  Weisskirchen 
in  Mähren;  Tost  (?). 


Calamites  tenuissimus  Göppert Altendorf. 

Calamites  laticostatus  C.  v.  Etting  sh.  . . Mohradorf  in  Mähren. 

Calamites  communis  C.  v.  Etting  sh.  . . . Tschirm,  Mohradorf. 

Calamites  Poemeri  Göppert.  Tschirm,  Mohradorf. 

Galarnites  dilatatus  Göppert . Schönstein. 

Equisetites  Göpperti  C.  v.  Ettings h.  . . . Tschirm  bei  Bautsch. 

Sphenopteris  elegans  Brongn Alten dorf  bei  Bautsch. 

Bphenopteris  distans  Sternberg. Altendorf. 

(Taf.  5,  Fig.  2.) 

Bphenopteris  lanceolata  Gutb Mohradorf. 

Neuropteris  Loshii  Brongn Alten  dorf. 

Neuropteris  heterophylla  Brongn Altendorf. 

Cyclopteris  Haiding  er  i C.  v.  Etting  sh. . . Altendorf,  Kunzendorf. 
(Taf.  5,  Fig.  1.) 

Cyclopteris  Hochstetteri  C.  v.  Etting  sh.  . Kunzendorf. 


Ciilm. 


55 


Gymnogramme  obtusiloba  C.  v.  Etting  sh.  Altendorf. 

Adiantum  antiquum  C.  v.  Ettingsh.  . . . Altendorf,  Kunzendorf. 

Trtchomanes  dissectum  C.  v.  E 1 1 i n g s h.  . Altendorf. 

Trichomanes  moravicum  C.  v.  Ettingsh.  . Altendorf. 

Trichomanites  Göpperti  C.  v.  Ettingsh.  . Altendorf,  Kunzendorf. 

Trichomanites  Machanehii  C.  v.  Ettingsh.  Altendorf. 

Trichomanites  gyrophyllUs  Göppert.  . . . Mohradorf. 

Hymenophyllites  quercifolius  Göppert.  . . Altendorf. 

Hymenophyllites  patentissimus  C.  v.  E 1 1 i n g.  Altendorf. 

Schizaea  transitionis  0.  v.  Ettingsh.  . . . Altendorf. 

Aneimia  Tschermakii  C.  v.  Ettingsh.  . . Altendorf,  Tschirm. 
ßchizopteris  lactuca  Presl.  . Tschirm,  Mohradorf. 

Lepidodendron  tetragonum  Sternb Meltsch,  Schönstein,  Morawitz,  Bleischwitz 

bei  Jägerndorf,  Johannesfeld  beiTroppau, 
Leissnitz  bei  Leobschütz,  Boblowitz  a.  d. 
Oppa,  Kreutzendorf  bei  Leobschütz. 

Sagenaria  Veltheimiana  Presl.  ......  Meltsch,  Altendorf,  Tschirmer  Mühle  bei 

(Taf.  4,  Fig.  5.)  Bautsch,  Mohradorf. 

Sagenaria  var.(Knorria  imbricata  Bieskau  bei  Deutsch-Neukirch,  Hennerwitz 

(Taf.  4,  Fig.  4.)  bei  Leobschütz. 

Sagenaria  acuminata  Göppert Mohradorf. 

Megaphytum  Simplex  Göppert Mohradorf. 

Nöggerathia  Rücheriana  Göppert Morawitz^  Leissnitz. 

Nöggerathia palmaeformis  Göppert.  ...  Tschirm,  Mohradorf. 

Stigmaria  ficoides  Brongn.  var,  undu- 

lata  Göppert.  . Mohradorf. 

Trigonocarpum  ellipsoideum  Göppert.  . . Mohradorf. 

Rhabdocarpus  conchaeformis  Göppert..  . Mohradorf. 


B.  Thiere. 


Posidonomya  Becheri  Bronn. 

(Taf.  6,  Fig.  1.) 


Reden  sp.  mit  gerundeten  ausstrahlenden  Rippen 
Orthoceras  scalare  H.  v.  Meyer.  . , . . . . 
(Taf.  6,  Fig.  4,  4a.) 

Orthoceras  striolatum  H.  v.  Meyer 

(Taf.  6,  Fig.  5.) 

Goniatites  sphaericus  Sow.  (=.G.crenistria) 
(Taf.  6,  Fig.  2,  2a.) 

Goniatites  mixolobus  P h i 1 1. ; (Taf.  6,  Fig.  3,8a.) 
Rhillipsia  latispinosa  S a n d b. ; (Taf.  6,  Fg.  6.) 
Nemertites  Sudeticus  n.  sp.  (Taf.  6,  Fig.  7.) 


Morawitz,  Meltsch  bei  Troppau,  Altendorf 
bei  Bautsch,  Johannesfeld  bei  Troppau, 
Eckersdorf  bei  Bennisch,  Nieder -Paulo- 
witz, Waltersdorf,  Bleischwitz  bei  Jägern- 
dorf (?),  Bladen  bei  Leobschütz ; Bobrow- 
nik  bei  Hultsehin  (?). 

Bautsch,  Nieder-Paulowitz,  Morawitz. 

Leobschütz,  Meltsch,  Tschirm  bei  Bautsch. 

Morawitz,  Bobrownik,  Nieder-Paulowitz. 

Leissnitz  u.Sabschütz  b.Leobschütz,  Meltsch, 
Schönstein,  Altendorf,  Nieder-Paulowitz, 

Meltsch;  Bobrownik  bei  Hultsehin. 

Tschirmer  Mühle  bei  Bautsch. 

Meltsch. 


56 


Steinkohlengebirge. 


Im  Ganzen  sind  die  thierischen  Versteinerungen  im  Vergleich  zu  den 
pflanzlichen  durchaus  untergeordnet  nach  Zahl  der  Arten  und  Allgemeinheit 
des  Vorkommens  und  verhalten  sich  in  dieser  Beziehung  fast  wie  die  wenigen 
Meeresthiere  des  oberen  oder  produktiven  Steinkohlengebirges  den  zahl- 
reichen Landpflanzen  gegenüber.  Ebenso  wie  das  produktive  Kohlen- 
gebirge wird  man  daher  die  Culm-Bildung  als  eine  lacustre  oder  brackische 
Bildung  anzusehen  haben. 

g.  Vergleichung  der  Oherschlesisch- Mährischen  Culm-Bildung  mit  den 
Culmschichten  anderer  Gegenden. 

Zunächst  würde  die  Oberschlesisch -Mährische  Culm-Bildung  mit  den 
Culmschichten  Nie  der  Schlesiens  zu  vergleichen  sein.  Bekanntlich  ist 
in  den  Umgebungen  des  Niederschlesischen  oder  Waldenburger 
Kohlenbeckens  uud  namentlich  auf  der  Nordseite  desselben  in  der  Gegend 
von  Landeshut  und  Bolkenhain  ein  mächtiges  Schichtensjstem  von 
Grauwacken  - Sandsteinen  und  Grauwacken  - Conglomeraten  verbreitet. 
Durch  das  stratographische  Verhalten  im  Liegenden  des  produktiven  Koh- 
lengebirges ebensowohl  wie  auch  durch  die  paläontologischen  Merkmale 
erweist  sich  diese  Niederschlesische  Grauwacke  als  eine  der  Oberschle- 
sisch-Mährischen Culm-Bildung  gleichstehende  Ablagerung.  Die  aus  der- 
selben bekannten  Pflanzenreste,  welche  schon  früh  von  Göppert  als 
verschieden  von  denjenigen  des  produktiven  Steinkohlengebirges  erkannt 
wurden,  sind  dieselben  wie  diejenigen  der  Oberschlesischen  Culm-Bildung 
und  namentlich  sind  Calamites  transitionis,  Lepidodendron  tetragonum  und 
Sagenaria  Veltlieimiana  Presl.  (Knorria  imhricata  Sternb.)  beiden  ge- 
meinsam. Dagegen  fehlen  der  Niederschlesischen  Culm-Grauwacke 
alle  thierischen  Organismen  und  besonders  die  bezeichnende  Posidonomya 
Bechen.  In  petrographischer  Beziehung  ist  ausserdem  das  Fehlen  der 
Dachschiefer  und  die  viel  geringere  Entwickelung  der  Thonschiefer  in 
Niederschlesien  unterscheidend. 

Der  Culm-Bildung  des  Fichtelgebirges,  welche  zunächst  zu  ver- 
gleichen sein  würde,  fehlen  ebenso  wie  der  Niederschlesischen  alle  thieri- 
schen Einschlüsse^).  In  dieser  Beziehung  sind  die  Culmschichten  des 
Harzes  mit  denjenigen  Ob  erschlesiens  und  Mährens  näher  verwandt. 
In  der  Gegend  von  Clausthal  wechseln  Posidonomya  Bechen  führende 
Schieferthone  mit  Grauwacken-Sandsteinen  und  Grauwacken-Conglomera- 


1)  Vergl.  üeber  Clymenieii  in  den  Uebergangsgebilden  des  Fichtelgebirges  von  Dr.  C.  W.  Güm  - 
bei.  (Abdruck  aus  Palaeontograph.  Bd.  XL)  Cassel  1863.  p.  19. 


Culm. 


57 


ten  ab,  welche  die  bezeichnenden  Landpflanzen  der  Culm -Bildung  wie 
namentlich  Calamites  transitionisj  Lepidodendron  tetragonum  und  Sagenaria 
VeltJieimiana  enthalten.  Das  ist  also  ganz  dasselbe  Verhalten  wie  in  der 
Gegend  von  Troppau,  Jägern dorf  und  Leobschütz.  Dagegen  sind 
die  Kieselschiefer,  wie  sie  namentlich  zwischen  Clausthal  und  Osterode 
entwickelt  sind,  und  die  dunkelen  mit  Goniatites  sphaericus  erfüllten  Kalk- 
steinschichten  von  Grund^)  der  Oberschlesisch-Mährischen  Culin-Bildung 
durchaus  fremd.  In  Westphalen  und  Nassau  besteht  die  Culm-Biidung 
im  Gegensatz  zu  dem  Verhalten  in  Oberschlesien  und  Mähren  vorherrschend 
aus  Schieferthonen  und  Thonschiefern  (Posidonomyen-Schiefern)  nebst  Kie- 
selschiefern und  plattenförmigen  Kalksteinen,  während  Grauwacken-Sand- 
steine und  Grauwacken-Congloinerate  ganz  untergordnet  sind.  Dagegen 
ist  in  paläontologischer  Beziehung  die  Uebereinstimmung  grösser,  in  so- 
fern auch  in  Westphalen  und  Nassau  Landpflanzen  und  Meeresthiere 
Vorkommen.  Zugleich  sind  die  Arten  der  Mehrzahl  nach  identisch  und 
Posidonomya  Becheri,  welche  ja  zuerst  aus  den  dunkelen  Schiefern  des 
Geistlichen  Berges  bei  Herborn  beschrieben  wurde,  ist  hier  im  west- 
lichen Deutschland  ebenso  wie  in  den  Sudeten  das  vorzugsweise  bezeich- 
nende Fossil.  Die  Englische  Culm-Biidung  endlich,  wie  sie  räumlich  von 
derjenigen  der  Sudeten  am  weitesten  absteht,  scheint  auch  in  petrographi- 
scher  und  paläontologischer  Entwickelung  sich  am  weitesten  zu  entfernen. 
Die  schwarzen  Kalke  mit  Posidonomya  Becheri  und  Goniatiten,  welche 
die  obere  Grenze  der  Lower  culm  measures  in  Devonshire  bezeichnen, 
fehlen  der  Oberschlesisch- Mährischen  Culm-Biidung  durchaus,  während 
anderer  Seits  die  pflanzenführenden  Dachschiefer  dieser  letzteren  in  Eng- 
land nicht  gekannt  sind. 

Im  Ganzen  ergiebt  sich  aus  dieser  Vergleichung,  dass  die  Oberschle- 
sisch-Mährische Culm-Biidung  mit  derjenigen  des  Oberharzes  die  meiste 
Verwandtschaft  zeigt,  indem  in  beiden  Gegenden  sandige  und  thonige 
Gesteine  an  der  Zusammensetzung  Theil  nehmen  und  sowohl  Landpflanzen 
wie  Meeresthiere  verkommen. 

h.  Verhalten  der  Culm-Biidung  zum  Kohlenkalk. 

Murchison  und  Sedgwick  sprachen  schon  in  ihrer  ersten  Abhand- 
lung über  die  älteren  Gesteine  in  Devonshire  die  Ansicht  aus,  dass  da 
die  Upper  culm  measures  nach  ihren  mit  solchen  des  produktiven  Stein- 


1)  Vergl.  A.  Roemer:  Beitrag  zur  geologischen  Kenntniss  des  nordwestlichen  Harzgebirges. 
Cassel  1850.  S.  89. 


8 


58 


Steinkohlengebirge. 


kohlengebirges  in  anderen  Theilen  von  England  specifisch  identischen 
Pflanzen  dem  eigentlichen  Kohlengebirge  gleichzustellen  seien,  die  schwar- 
zen Kalklager  der  Lower  culm  measures  ein  Aequivalent  gewisser  Schich- 
ten des  Kohlenkalks  darstellen  müssen,  besonders  da  auch  die  Goniatiten 
und  Posidonomyen  der  dunkelen  Kalke  mit  solchen  des  Kohlenkalks  ver- 
wandt oder  identisch  seien.  Der  auch  für  alle  Culm- Ablagerungen  des 
Continents  geltende  Umstand,  dass  ihr  Auftreten  die  Entwickelung  des 
Kohlenkalks  regelmässig  ausschliesst,  scheint  die  Auffassung,  derzufolge 
die  Culm-Schichten  den  Kohlenkalk  vertreten,  durchaus  zu  bestätigen  und 
es  könnte  nur  zweifelhaft  sein,  ob  die  Culm-Schichten  der  Gesammtmasse 
des  Kohlenkalks  oder  nur  einer  Abtheilung  desselben  der  Ablagerungszeit 
nach  entsprechen.  Der  Umstand,  dass  in  N orthumberland  Posidono- 
mya  Becheri  in  oberen,  dem  Mills  tone  grit  genäherten  Lagen  des  Kohlen- 
kalks vorkommt,  könnte  bestimmen,  in  der  Culm-Bildung  nur  ein  Aequi- 
valent der  oberen  Lagen  des  Kohlenkalks  zu  sehen^).  Auch  die  wichtige 
Beobachtung  H.  v.  Dechen ’s^),  derzufolge  bei  Neviges,  nordwestlich 
von  Elberfeld,  plattenförmige  Kalksteine,  welche  sich  als  die  Ausläufer 
des  ächten  Kohlenkalks  von  Ratingen  darstellen,  durch  Thonschiefer  und 
Kieselschiefer  mit  Posidonomya  Becheri  gleichförmig  überlagert  werden, 
könnte  dafür  beweisend  scheinen.  Allein  anderer  Seits  würde  man  bei 
dieser  Annahme,  da,  wo  der  Kohlenkalk  fehlt  und  nur  die  Culm-Bildung 
zwischen  dem  Devon  und  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  entwickelt 
ist,  ein  Aequivalent  für  den  unteren  Kohlenkalk  ganz  vermissen.  Es 
scheint  desshalb  naturgemässer,  die  Culm-Bildung  als  ein  Aequivalent  der 
Gesammtmasse  des  Kohlenkalks  zu  betrachten.  Vielleicht  wird  es  sich 
auch  nachweisen  lassen,  dass  Posidonomya  Becheri,  ihrem  Vorkommen  in 
der  oberen  Abtheilung  des  Kohlenkalks  in  Northumberland  ent- 
sprechend, auch  in  der  Culm-Bildung  ihre  Hauptentwickelung  in  einem 
gewissen  Niveau  der  oberen  Abtheilung  besitzt.  Wenn  im  Fichtelgebirge 
nach  der  Darstellung  von  GümbeP)  Kohlenkalk  mit  Productus  semireticu- 


1)  Sedgwick  and  Murchison  1.  c.  p.  693.  „Now  the  genus  Posidonia  is  foiind  abundantly 
in  the  upper  and  lower  limestone  shales,  for  instance  in  the  calp  of  Ireland,  which  is  in  the  place 
of  the  lower  shales,  and  in  the  upper  limestone  shales  of  Northumberland,  not  far 
below  the  millstone  grit.  Die  Art  des  Kohlenkalks  von  Northumberland  wird  von  den 
englischen  Autoren  gewöhnlich  als  Posidonomya  tuherculata  Sow.  aufgeführt,  allein  vor  mir  liegende 
in  rothem  Schieferthon  erhaltene  Exemplare  aus  Northumberland  stimmen  in  jeder  Beziehung 
mit  Posidonomya  Becheri  der  deutschen  Culm-Bildung  überein. 

2)  Vergl.  Verhandlungen  des  naturhistorischen  Vereins  für  Rheinland  und  Westphalen,  Jahrg. 
VII.,  1850,  s.  m. 

3)  lieber  Clymenien  in  den  üebergangsgebilden  des  Fichtelgebirges  (Abdruck  aus  Palaeonto- 


Kohlenkalk. 


59 


latus  zwischen  den  Grauwacke -Schichten  mit  Calamites  transitionis  liegt, 
so  wird  man  in  diesen  Kalkschichten  nur  das  Aequivaleiit  eines  Theils  des 
in  anderen  Gegenden  mächtiger  entwickelten  Kohlenkalks  sehen  müssen. 
Allgemein  wird  sich  die  Culm- Bildung  bezeichnen  lassen  als  ein  vor- 
herrschend aus  Gräuwacken-Sandsteinen  und  Thonschiefern 
zusammengesetztes,  aber  zuweilen  auch  Kieselschiefer  und 
Kalksteine  einschliess endes,  Landpflanzen  und  einzelne  ma- 
rine Thierreste  führendes  mächtiges  Schichten-System,  wel- 
ches sich  durch  seine  Lagerung  und  durch  seine  organischen 
Einschlüsse  als  ein  Aequivaleiit  und  zwar  als  die  lacrustre 
Facies  des  Kohlenkalks  darstellt. 

2.  Kohlenkalk. 

Nur  an  dem  südöstlichen  Ende  des  oberschlesisch -polnischen  Stein- 
kohlenbeckens ist  der  Kohlenkalk,  diese  tj^pische  Form  der  unteren  Ab- 
theilung des  Steinkohlengebirges,  in  dem  Kartengebiete  bekannt  und  auch 
hier  nimmt  er  nur  unbedeutende  Flächenräume  ein.  Er  tritt  in  den  beiden 
steilwandigen,  felsigen  Nebenthälern  auf,  welche  hier  von  Norden  her  in 
das  Rudawa-Thal  einmünden,  demjenigen  von  Krz es zo  wie e selbst  und 
dem  eine  halbe  Meile  weiter  östlich  gelegenen,  welches  bei  dem  Dorfe 
Rudawa  sich  mit  dem  Hauptthale  vereinigt.  Die  russisch-polnische  Grenze 
bildet  fast  genau  die  Grenze  der  Verbreitung  des  Kohlenkalks  gegen  Nor- 
den. Er  verschwindet  hier  unter  dem  überlagernden  Löss.  In  dem  Thale 
von  Krzeszowice  tritt  er  zuerst  bei  dem  Dorfe  Czatko  wice  in  der  Form 
weisser  Kalkfelsen  an  der  östlichen  Thalwand  auf.  Productus  striatus  und 
Productus  semireticulatus,  welche  hier  von  mir  gesammelt  wurden,  bestim- 
men den  Kalkstein  sicher  als  Kohlenkalk.  Auch  höher  hinauf  in  dem 
Thale  und  namentlich  da,  wo  es  sich  gabelt,  wurden  in  dem  hier  grauen 
Kalksteine  Exemplare  von.  ■ Productus  semireticulatus  beobachtet.  In  der 
westlichen  Verzweigung  des  Thaies,  in  welcher  das  langgestreckte  Dorf 
Czerna  gelegen  ist,  erscheint  der  Kohlenkalk  an  mehreren  Punkten  in 


grapliica  Band  XI.)  Cassel  1863.  S.  25.  P^s  wird  hier  nachstehende  Gliederung  der  Culm-Bildung 
aufgestellt ; 

Praecarbonische  Formation  oder  Culm -Schichten. 

Basis  der  produktiven  Steinkolilen-P'ormation. 

1)  Obere  Calämiten  Grauwacke-Schichten.  Stufe  des  letzten  Auftretens  von  Calamites  transitionis, 

2)  Bergkalk.  Stufe  des  Productus  semireticulatus.  Produktus-Kalk. 

o)  Untere  Calamiten-Schichten.  Stufe  des  ersten  Auftretens  von  Calamites  transitionis  oder 
4)  Grenzschicht.  Obere  Thüringer  Dachschiefer-Schiehten,  (Lehstener  Schichten.) 

Devonische  P’ormation, 


8 


60 


Stelnkohleiigebirge. 


deutlichen  Aufschlüssen.  Man  sieht  in  dem  Dorfe  Czerna  selbst  die  ge- 
neigten Schichtflächen  des  hier  braunrothen  eisenschüssigen  Kalksteins  mit 
den  faustgrossen  Schalen  des  Productus  giganteus  dicht  bedeckt.  Zwischen 
diesen,  obgleich  viel  seltener,  auch  Chonetes  comoides.  Auch  an  der  nordöst- 
lichen Verzweigung  des  Thaies,  welche  von  Gorenice  in  Russisch-Polen 
herabkommend  neben  dem  Dorfe  Paczoftowice  und  dem  Kloster 
Czerna  vorbeiläuft,  ist  der  Kohlenkalk,  vom  unteren  Muschelkalke  un- 
mittelbar bedeckt,  an  vielen  Punkten  aufgeschlossen.  Neben  dem  Dorfe 
Paczoltowice  tritt  er  in  der  Thalsohle  selbst  als  blaugrauer  Kalkstein, 
aus  welchem  sehr  wasserreiche  klare  Quellen  hervorbrechen,  auf.  Ober- 
halb des  Dorfes,  wenige  Schritte  von  der  russisch -polnischen  Grenze  ent- 
fernt, w^ar  im  Jahre  1865  ein  Steinbruch  eröffnet,  in  welchem  eine  mässig 
geneigte  Schichtenfolge  von  dunkelen  Kalksteinen  und  Mergeln  au%e- 
schlossen  war.  Namentlich  die  mergeligen  Schichten  erwiesen  sich  reich 
an  organischen  Einschlüssen.  Die  meisten  der  auf  Taf.  7 abgebildeteii 
Arten  wurden  hier  gesammelt,  namentlich  Productus  punctatus,  Strepto- 
rhynchus  crenistria,  Orthis  Michelini,  Spirifer  striatus  var.  mit  sehr  zahlreichen 
feinen  ausstrahlenden  Faltew^ , Sjnrig er a Boissyi,  Rhynchonella  pugnus^  Cho- 
netes Hardrensis,  Fenestella  plebeja  und  Syringopora  reticulata.  Chonetes 
Hardrensis  und  Streptorhynchus  crenistria  waren  die  beiden  häufigsten  Arten. 

In  dem  östlicher  gelegenen  Thale  von  Rudawa  und  seinen  Verzwei- 
gungen ist  die  Verbreitung  des  Kohlenkalks  eine  noch  bedeutendere, 
namentlich  in  den  Umgebungen  der  Dörfer  Zary,  Dubie  und  Radwano- 
wice,  und  auch  hier  bezeichnen  zahlreiche  organische  Einschlüsse  das 
Gestein  unzweifelhaft  als  Kohlenkalk*). 

Auf  der  Höhe  zwischen  den  beiden  Thälern  treten  die  durch  die  Mar- 
morbrüche von  Dembnik  aufgeschlossenen  Devonischen  Kalkschichten 
hervor,  welche  früher  beschrieben  wurden.  Im  Grossen  und  Ganzen  sind 
wahrscheinlich  die  Kohlenkalkschichten  mantelförmig  um  diese  devo- 


1)  Der  verstorbene  L.  Hohen  egge r in  Teschen  hat  hier  zahlreiche  Versteinerungen  gesam- 
melt, welche  mit  seiner  übrigen  Sammlung  in  das  Münchener  Museum  gelangt  sind  und  mir  von  dort 
durch  Herrn  Prof.  Dr.  Zittel  gütigst  zur  Vergleichung  anvertraut  wurden.  Es  Hessen  sich  bestim- 
men von  Zary:  Chonetes  Hardrensis  Phill.,  Streptorhynchus  crenistria  Dav.  (Spirifer  crenistria 
Phillips),  Spirifer  striatus  S o w.  und  Poteriocrinus  crassus  Miller?  (Säulenstück) ; von  R a d w a - 
nowice:  Streptorhynchus  crenistria^  Spirifer  striatus  und  Productus  margaritaceus  Phill.?  Das 
bei  Fallaux  (Geognost.  Karte  des  ehemal.  Gebietes  von  Krakau  u.  s.  w.  von  weil.  L.  Hohen- 
egger,  zusammengestellt  durch  Cornelius  E'allaux;  Wien  1866;  [Erläuterungen  zu  der  Karte.) 
S.  8.)  gegebene,  durch  Hohenegger  aufgestellte  Verzeichniss  der  an  den  genannten  Fundorten 
vorkommenden  Versteinerungen  zählt  noch  mehrere  Arten  auf,  die  aber  nach  den  betreffenden  Ori- 
ginal-Exemplaren eine  sichere  Bestimmung  in  Wirklichkeit  nicht  zulassen. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


61 


nische  Erhebung  gelagert.  Dieses  im  Einzelnen  nachzuweisen,  genügen 
jedoch  die  vorhandenen  Aufschlüsse  nicht.  Der  Fallwinkel  und  das 
Streichen  sind  an  den  verschiedenen  Aufschlussstellen  sehr  verschieden. 
Der  Fall  Winkel  schwankt  zwischen  9®  bis  60^.  An  mehreren  Punkten  des 
Thaies  von  Krzeszowice  wird  der  Kohlenkalk  durch  die  Schiefer  des 
produktiven  Kohlengebirges  unmittelbar  überlagert.  So  hat  also  das 
oberschlesisch -polnische  Steinkohlenbecken  hier  an  seinem  südöstlichen 
Ende  in  dem  Kohlenkalke  seine  normale  Unterlage,  während  in  dem  gan- 
zen übrigen  Umfange  des  Beckens  das  Liegende  der  flötzführenden  oberen 
Abtheilung  oder  des  Kohlengebirges  im  engeren  Sinne  entweder  gar  nicht 
bekannt  ist  oder  durch  die  bereits  oben  beschriebenen  Gesteine  von  ganz 
anderem  Habitus,  diejenigen  der  Culm.ßildung,  gebildet  wird. 

Uebrigens  hat  schon  Pusch‘)  den  Kohlenkalk  der  Gegend  von  Krze- 
szowice richtig  als  solchen  erkannt.  Freilich  irrte  er  noch  darin,  dass  er 
die  Devonischen  Kalkschichten  der  Marmorbrüche  von  Dembnik  damit 
vereinigte. 


B.  Obere  Abtheilung. 

Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 

a.  Literatur. 

1805.  Leop.  von  Buch:  Geognostische  Uebersicht  von  Neu -Schlesien 
in:  Leop.  von  Buch ’s  gesammelte  Schriften,  herausgegeben  von 
Ewald,  Roth  und  Eck.  Bd.  1.  Berlin  1867.  S.  719  tf. 

1822.  Carl  von  Oeynhausen:  Versuch  einer  geognostischen  Beschrei- 
bung von  Oberschlesien.  Essen,  1822.  S.  112 — 197. 

1833.  Pusch:  Geognostische  Beschreibung  von  Polen.  Thl.  I.  S.  149 
bis  178. 

1854.  Krug  von  Nidda:  Ueber  das  Oberschlesische  Steinkohlenbecken. 
32ster  Jahresbericht  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vaterl.  Cultur. 
Breslau,  1854.  S.  28—34. 

1860.  Carl  Mauve:  Flötzkarte  des  Oberschlesischen  Steinkohlengebirges 
zwischen  Beuthen,  Gleiwitz,  Nikolai  und  Myslowitz  im  Massstabe 
von  1 : 16,000,  bestehend  aus  12  Sektionen  und  6 Blättern  mit  Pro- 
filen. Hierzu  von  demselben  Verfasser:  Erläuterungen  zu  der  Flötz- 
karte u.  s.  w.  Breslau,  1860. 


1)  Geognost.  Beschreib,  von  Polen  Thl.  I.  S.  142 — 149. 


62 


Steinkohlengebirge, 


1865.  Schütze:  Die  Schlesischen  Steinkohlenbecken  und  deren  Fort- 
setzung nach  Böhmen  und  Mähren.  B.  das  Oberschlesische  Stein- 
kohlengebirge in  Preussen  und  Oesterreich;  mit  Taf.  XXL  XXIL  in: 
Die  Steinkohlen  Deutschlands  und  anderer  Länder  Europas  von 
H.  B.  Geinitz,  H.  Fleck  und  E.  Hartig.  1.  Band,  Geologie. 
München,  1865.  S.  237—257. 

h.  Geschichtliches. 

Die  erste  eingehendere  Darstellung  des  oberschlesischen  Steinkohlen- 
gebirges gab  C.  von  Oeynhausen  in  seiner  noch  heute  werthvolleii,  durch 
Unbefangenheit  und  Schärfe  der  Beobachtung  ausgezeichneten  geognosti- 
schen  Beschreibung  von  Oberschlesien,  nachdem  L.  v.  Buch  schon  vorher 
einzelne  Bemerkungen  über  dasselbe  gemacht  hatte*).  Hier  ist  die  Ver- 
breitung des  oberschlesich- polnischen  Steinkohlengebirges,  so  wie  das 
petrographische  und  stratographische  Verhalten  schon  in  den  allgemeinen 
Zügen  richtig  angegeben.  Natürlich  stützte  sich  C.  v.  Oeynhausen’s 
Darstellung  grösstentheils  auf  die  schon  bei  dem  Bergbau  gemachten 
Beobachtungen.  Eine  Darstellung  des  Kohlengebirges  auf  polnischem  Ge- 
biete gab  Pusch  in  seinem  verdienstvollen  Werke  über  die  geologischen 
Verhältnisse  Polens.  Im  Jahre  1854  gab  Krug  v.  Nidda  eine  gedrängte 
Skizze  des  oberschlesischen  Steinkohlengebirges  und  erörterte  darin  na- 
mentlich auch  die  Frage,  in  wie  weit  die  Kohlenflötze  des  Steinkohlengebir- 
ges auch  unter  dem  nordwärts  sich  auflagernden  Muschelkalk-Plateau  auf- 
zufinden sein  dürften.  Die  Flötzkarte  von  C.  Mauve  stellte  die  durch 
den  Bergbau  gewonnenen  Erfahrungen  über  die  Lagerungsverhältnisse  der 
einzelnen  Kohlenflötze  und  deren  Zusammenhang  in  dem  Hauptgebiete  des 
oberschlesischen  Kohlenbergbaus  zu  einem  grossen  übersichtlichen  Bilde 
zusammen  und  förderte  dadurch  wesentlich  die  Kenntniss  des  oberschlesi- 
schen Steinkohlengebirges  überhaupt.  Neuerlichst  hat  Bergmeister  Schütze 
in  Waldenburg  eine  kurze  Darstellung  des  oberschlesischen  Steinkohlen- 
gebirges geliefert  und  namentlich  die  Mächtigkeit  und  Beschaffenheit  der 
Kohlenflötze  in  den  einzelnen  Flötzzügen  näher  berücksichtigt. 

c.  Verbreitung. 

Das  oberschlesisch  - polnische  Steinkohlengebirge  bildet  verschiedene, 
inselartig  aus  dem  umgebenden  Diluvium  sich  erhebende  grössere  und 


1)  Theils  in  der  Schrift;  Entwurf  einer  geognost.  Beschreibung  von  Schlesien.  Geognostische 
Beobachtungen  auf  Reisen.  Ister  Band.  Berlin,  1802.  S.  81  ff.;  theils  in  dem  erst  unlängst  gedruck- 
ten, aber  als  Manuskript  schon  durch  C.  v,  Oeynhausen  benutzten  Aufsatze  über  Neu-Schlesieu. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkoblengebirge  im  engeren  Sinne.  63 

kleinere  Partien.  Die  grösste  dieser  Partien  ist  diejenige,  welche  sich 
zwischen  Gleiwitz  und  Myslowitz  ausdehnt  und  an  letzterem  Orte,  die 
preussische  Grenze  überschreitend,  nach  Polen  hinübergreift  und  hier 
namentlich  östlich  und  südöstlich  von  Bendzin  über  einen  ausgedehnten 
Flächenraum  sich  verbreitet,  ln  dieser  Partie,  deren  preussischer  Antheil 
schon  mehr  als  5 Quadratmeilen  gross  ist,  sind  die  mächtigsten  Plötze  ent- 
wickelt und  liegen  die  wichtigsten  und  reichsten  Kohlengruben,  namentlich 
bei  Zabrze,  Königshütte,  Kattowitz,  Rosdzin,  Myslowitz  und 
Dombrowa  (Dabrowa).  Nur  als  ein  südwestlicher  Ausläufer  dieser 
Haupt-Partie  ist  das  Steinkohlengebirge  in  der  Umgebung  von  Nikolai 
anzusehen,  welches  bis  C z er wion kau  reicht  und  namentlich  auch  die 
Gruben  bei  Orzesze  begreift.  Eine  durch  aufgelagerte  Tertiär-  und 
' Diluvial-Massen  völlig  getrennte  Partie  ist  dagegen  die  viel  kleinere  und 
noch  nicht  1 Q.-M.  grosse  zwischen  Rybnik  und  Pschow,  in  welcher 
namentlich  bei  Czernitz,  Birtultau  und  Ridultau  ein  ansehnlicher 
Bergbau  umgeht.  Die  südwestliche  Ecke  des  ganzen  Kohlenbeckens  bildet 
die  Partie  von  Hultschin  und  Mährisch  Ostrau,  deren  östliche  Aus- 
läufer, durch  Kohlengruben  bei  Michalko witz,  Orlau  und  Karwin  be- 
zeichnet, sich  bis  in  die  Nähe  von  Freistadt  erstrecken.  Namentlich  bei 
Petrzkowitz,  südöstlich  von  Hultschin,  bei  Hruschau  und  bei  Mäh- 
risch Ostrau  selbst  findet  in  dieser  Partie  eine  bedeutende  Kohlen- 
gewinnung statt.  Von  viel  beschränkterem  Umfange  als  die  bisher  genann- 
ten sind  die  kleinen  Partien  von  Chelm  und  Lendzin  unweit  Berun, 
und  diejenige  von  Koslowagora  zwischen  Beuthen  und  Neudeck. 
Von  grösserem  Umfange  ist  die  Partie  von  Tenczynek  bei  Krzeszo- 
wice  unweit  Krakau,  in  welcher  noch  ein  beschränkter  Bergbau  auf 
einigen  Kohlenflötzen  von  geringer  Mächtigkeit  betrieben  wird. 

Alle  diese  verschiedenen  in  Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden 
Gebieten  auftretenden  Partien  des  flötzführenden  Steinkohlengebirges  ge- 
hören, obgleich  an  der  Oberfläche  nicht  zusammenhängend  und  zum  Theil 
selbst  durch  weite  Zwischenräume  getrennt,  doch  augenscheinlich  demsel- 
ben Becken  an,  denn  nirgendwo  treten  zwischen  ihnen  ältere  Gesteine  zu 
Tage  und  zum  Theil  ist  durch  Bohrlöcher  das  Vorhandensein  des  Kohlen- 
gebirges  in  grösserer  Tiefe  in  den  zwischen  den  einzelnen  Partien  liegen- 
den Zwischenräumen  nachgewiesen.  Dieses  grosse  oberschlesisch -pol- 
nische Steinkohlenbecken  reicht  von  Hultschin  und  Mährisch-Ostrau 
bis  in  die  N ähe  von  Siewierz  in  Polen  und  anderer  Seits  von  Tenczynek 
bei  Krzeszowice  bis  über  Gleiwitz  hinaus  gegen  Nordwesten.  Will 
man  die  ganze  Ausdehnung  dieses  Beckens  bestimmen,  so  wird  man  den 


64 


Steinkohlengebirge. 


äusseren  Umfang  desselben  durch  die  Feststellung  der  Punkte,  an  welchen 
die  zunächst  älteren  Gesteine  hervortreten,  zu  ermitteln  suchen.  Im  Westen 
wird  die  Grenze  des  Beckens  durch  die  östlichsten  Partien  der  Culm- 
Grauwacke,  nämlich  diejenigen  von  Hultschin,  Kätscher,  Deutsch- 
Neukirch,  Bauerwitz,  Leobschütz  und  Ober-Glogau  bezeichnet 
sein.  Im  Norden  wird  eine  Linie,  welche  die  Grauwacken -Partie  von 
Oberwitz  und  Zyrowa  mit  derjenigen  von  Tost  verbindet  und  dann 
weiter  gegen  Osten  nördlich  von  Tarnowitz  vorbei  bis  nach  Siewierz 
in  Polen  verlängert  wird,  als  äusserste  Grenzlinie  des  Beckens  gelten 
müssen.  Nördlich  von  der  zuletzt  genannten  Stadt  liegen  die  früher  be- 
schriebenen Partien  devonischer  Kalksteinschichten  und  es  ist  daher  jeden- 
falls südlich  von  diesen  die  nördliche  Grenze  des  Kohlenbeckens  zu  suchen. 
Für  die  Bestimmung  der  Grenze  des  Beckens  gegen  Osten  sind  nur  wenige 
feste  Anhaltspunkte  gegeben  und  man  könnte,  da  ältere  Gesteine  hier  nicht 
bekannt  sind,  sogar  vermuthen,  dass  sich  das  Becken  unter  den  triassischen 
und  jurassischen  Ablagerungen  noch  weit  gegen  Osten  erstrecke.  Allein  der 
Umstand,  dass  bei  Golonog,  östlich  von  Dombrowa,  in  einem  Eisen- 
bahneinschnitte die  weiterhin  näher  zu  beschreibenden  flötzarmen  Schich- 
ten des  Kohlengebirges  mit  marinen  Thierresten  auftreten,  welche  jeden- 
falls der  untersten  Abtheilung  des  produktiven  Steinkohlengebirges  ange- 
hören, weiset  mit  Wahrscheinlichkeit  darauf  hin,  dass  an  diesem  Punkte 
die  östliche  Grenze  des  Beckens  nicht  fern  ist  und  dass  wohl  in  keinem  Falle 
die  östliche  Grenze  des  Beckens  überhaupt  jenseits  einer  von  Siewierz 
nach  Tenczynek  bei  Krzeszowice  gezogenen  geraden  Linie  zu  suchen 
ist.  An  dem  letzteren  Punkte  ist  die  östliche  Grenze  durch  das  Hervor- 
treten von  unzweifelhaftem  Kohlenkalk  und  von  Devonischen  Kalkschich- 
ten mit  Sicherheit  festgestellt.  Gegen  Süden  ist  die  Grenze  des  Beckens 
durch  das  Auftreten  von  Gesteinen  höheren  Alters  als  das  produktive 
Kohlengebirge  selbst  nirgends  bezeichnet.  Man  wird  dieselbe  hier  aber 
mindestens  bis  an  den  nördlichen  Fuss  der  Nor d -Karpathen  oder  Bes- 
kiden vorschieben  dürfen,  denn  ganz  in  der  Nähe  dieser  Gebirgskette  ist 
das  Steinkohlengebirge  an  mehreren  Stellen  gekannt.  An  einem  •‘*j4  Meilen 
südlich  von  Oswiencim  auf  dem  rechten  Ufer  der  Sola  gelegenen  Punkte 
treten  sie  zu  Tage.  Bei  Goczalkowitz  unweit  Pless  und  bei  Jastr- 
zemb  unweit  Loslau  ist  das  Vorhandensein  des  Steinkohlengebirges  mit 
bauwürdigen  Flötzen  durch  Bohrlöcher  unter  der  Bedeckung  von  tertiären 
Ablagerungen  nachgewiesen  worden.  Noch  näher  liegen  die  Kohlen- 
gruben von  Karwin  und  Orlau  westlich  von  Freistadt  und  diejenigen 
von  Mährisch-Ostrau  dem  nördlichen  Fusse  der  Karpathen. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


65 


Nimmt  man  nun  an,  dass  innerhalb  des  durch  diese  Grenzen^)  bezeich- 
neten  Raumes  sich  die  Schichten  des  Kohlengebirges  zusammenhängend 
verbreiten,  wenn  sie  auch  durch  aufgelagerte  diluviale,  tertiäre  und  tri- 
assische  Bildungen  grossentheils  der  unmittelbaren  Beobachtung  an  der 
Oberfläche  entzogen  sind,  so  wird  die  Grösse  des  ganzen  Beckens  gegen 
100  Quadrat-Meilen  betragen^). 

d.  Orographisches  Verhalten. 

Das  orographische  Verhalten  oder  die  Relief-Verhältnisse  der  Gebiete, 
in  denen  das  produktive  Steinkohlengebirge  an  der  Oberfläche  hervortritt, 
sind  im  Ganzen  wenig  ausgezeichnet.  Die  die  wichtigsten  Kohlengruben 
Ob  er  Schlesiens  begreifende  Partie  zwischen  Zabrze  und  Myslowitz  bil- 
det eine  ganz  flache,  aus  einzelnen  gerundeten  Kuppen  bestehende  Erhe- 
bung, welche  nur  wenig  über  das  allgemeine  mittlere  Niveau  des  ober- 
schlesischen  Plateaus  ansteigt.  Die  ansehnlichsten  selbstständigen  Erhe- 
bungen zeigt  das  Steinkohlengebirge  in  den  Umgebungen  von  Nikolai, 
wo  die  daraus  bestehenden  bewaldeten  Bergrücken  bis  gegen  1100  Fuss 
Meereshöhe  erreichen.  Auch  die  durch  aufgelagerte  jüngere  Massen  gegen- 
wärtig der  unmittelbaren  Beobachtung  entzogenen  Theile  des  Kohlen- 
beckens bildeten  vor  der  Ablagerung  der  jüngeren  Gesteine  imd  nament- 
lich der  tertiären  Schichten  keinesweges  eine  ebene  Fläche,  sondern  ein 
aus  einem  Wechsel  von  Höhen  und  Thälern  bestehendes  Land.  Oft  trifft 
man  nämlich  in  verhältnissmässig  geringer  Entfernung  von  an  der  Ober- 
fläche anstehenden  Partien  des  Steinkohlengebirges  dieses  erst  in  Tiefen 
von  mehreren  hundert  Fuss  unter  den  diluvialen  und  tertiären  Ablagerun- 
gen wieder  an.  So  wurde  z.  B.  bei  der  Carl  Oswald-Grube,  ^|4  Meilen 
östlich  von  Zabrze,  das  Kohlengebirge  mit  einem  Bohrloche  erst  in  400  Fuss 
Tiefe  erschürft,  während  es  bei  Zabrze  selbst  bis  zur  Oberfläche  reicht, 

1)  Vielleicht  reicht  nur  gegen  Westen  das  SteinkohJengebirge  nicht  bis  zu  der  bezeichnetea 
Grenze.  Manche  Umstände  machen  es  wahrscheinlich,  dass  die  Verbreitung  des  Kohlengebirges 
gegen  Westen  über  eine  von  Hultschin  nach  Tost  gezogene  gerade  Linie  kaum  hinübergreift. 

2)  Die  Grösse  des  Areals,  in  welchem  das  Kohlengebirge  in  Oberschlesien  und  Polen 
unmittelbar  an  der  Oberfläche  erscheint,  wird  dagegen  nur  gegen  15  Quadrat-Meilen  betragen.  Für  die 
bequemere  Uebersicht  des  Zusammenhangs  der  einzelnen  Partien  ist  es  erleichternd,  das  die  Zwischen- 
räume zwischen  denselben  erfüllende  Diluvium  als  nicht  vorhanden  anzusehen.  Herr  0,  Degen- 
hardt  hat  daher  unter  Zugrundelegung  der  grossen  Karte  in  12  Sektionen  eine  demnächst  zu  ver- 
öffentlichende geognostische  Karte  des  oberschlesisch-polnischen  Bergdistrikts  mit  Hinweglassung 
des  Diluviums  entworfen,  welche  für  den  angegebenen  Zweck  sehr  belehrend  ist.  Die  fragliche  Karte 
zeigt  freilich,  dass  auch  bei  Hinweglassung  des  Diluvium,  in  dem  bei  Weitem  grösseren  Theile  des 
Beckens  das  Kohlengebirge  durch  die  aufgelagerten  Tertiär- Schichten  der  unmittelbaren  Beobach- 
noch  entzogen  bleibt  und  im  Allgemeinen  nur  einzelne  höhere  Rücken  oder  Höhenzüge  als  zusammen- 
hängende Partien  erscheinen. 


9 


66 


Steinkohlengebirge. 


e.  PetrograpMsclies  Yerhalten. 

Die  petrographische  Zusammensetzung  des  obersciilesisch- polnischen 
Steinkohlenbeckens  ist  derjenigen  anderer  europäischer  Kohlenbecken  im 
Ganzen  durchaus  ähnlich.  Sandsteine  und  Schieferthone  mit  untergeord- 
neten Steinkohlenflötzen  sind  die  herrschenden  Gesteine.  Das  Vorherrschen 
der  Sandsteine  gegen  die  Schieferthone^),  die  Seltenheit  grobkörniger  Con- 
glomerate  und  die  zum  Theil  ungewöhnlich  grosse  Mächtigkeit  der  Flötze 
können  etwa  als  bemerkenswerthe  Eigenthümlichkeiten  im  Vergleich  zu 
anderen  Kohlenbecken  und  namentlich  dem  Mederschlesischen  hervor- 
gehoben werden.  Der  Sandstein  ist  gewöhnlich  von  weisser  Farbe  und 
von  mässig  grossem  oder  feinem  Korn.  Feine  Glimmerblättchen  sind 
häufig  eingestreut.  Selten  sind  den  Quarzkörnern  kleine  Stücke  von  ver- 
wittertem Feldspath  und  von  schwarzem  Kieselschiefer  beigemengt.  Häufig 
ist  der  Sandstein  in  mächtige  gleichförmige  Bänke  abgesondert  und  gestat- 
tet die  Gewinnung  grosser  Werkstücke.  Der  Schieferthon  gleicht  durch- 
aus demjenigen  in  anderen  Kohlenbecken.  Er  bildet  gewöhnlich  das 
Liegende  und  Hangende  der  Flötze,  und  namentlich  der  weniger  starken, 
aber  immer  nur  in  nicht  sehr  grosser  Mächtigkeit.  Nur  in  dem  2006^|3Fuss 
tiefen  Bohrloche  bei  Königshütte  wurde  Schieferthon  in  einer  Mächtig- 
keit von  45  Lachter  durchsunken.  Diese  mächtigere  Schichtenfolge 
gehört  aber  schon  der  unteren  xibtheilung  des  produktiven  Kohlengebir- 
ges, derjenigen  unter  den  mächtigeren  in  Oberschlesien  bebauten  Flötzen 
an.  LTebergänge  des  Schieferthons  in  sandige  Schiefer  und  schieferige 
Sandsteine  sind  wie  anderswo  sehr  gewöhnlich.  Auch  Brandschiefer 
und  Alaunschiefer  treten  mit  dem  Schieferthon  auf  und  sind  demsel- 
ben untergeordnet.  Die  10  Zoll  starke  Oberbank  des  Egmont-Flötzes 
auf  der  Gharlotte-Grube  bei  Czernitz  ist  ein  braunschwarzer  Brand- 
schiefer, welcher  irrthümlich  zuweilen  als  Gannel-Kohle  bezeichnet  wor- 
den ist.  Kohleneisenstein  (Black  hand)  wurde  bisher  nur  auf  der 
Grube  Orzegow  bei  Schwientochlowitz  beobachtet.  Am  Ausgehen- 
den löst  sich  der  Schieferthon  durch  Verwitterung  oft  bis  in  ansehnliche 
Tiefe  zu  hellfarbigem  grauen  oder  weissen  plastischen  Thone  auf.  Im 
Walde  bei  Kattowitz  sind  solche  weisse  Thone  durch  flache  Gruben  auf- 
geschlossen, welche  leicht  für  tertiäre  Thone  gehalten  werden  könnten,  wenn 
nicht  gelegentlich  darin  vorkommende  undeutliche  üeberreste  von  Kohlen- 
pflanzen ihre  wahre  Natur  verriethen.  Bei  Antonienhütte  liefern  solche 


1)  C.  V.  Oeynhausen  beschreibt  deshalb  das  oberschlesische  Kohlengebirge  unter  der  Be- 
nennung „Kohlensandstein-Gebirge‘h 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlcngebirge  im  engeren  Sinne. 


67 


Thone  das  Material  zur  Herstellung^  von  Thonwaaren.  Auch  als  feuerfeste 
Thone  finden  diese  aus  der  Verwitterung  von  Schieferthonen  hervorge- 
gangene Thone  zum  Theil  Verwendung. 

An  vielen  Orten  schliessen  die  Schieferthone  lagenweise  angeordnete 
Knollen  von  thonigem  Sphaerosid erit  ein,  welche  als  Eisenerz 
bergmännisch  gewonnen  und  mit  den  Brauneisensteinen  der  Muschel- 
kalk-Bildung gemengt  verhüttet  werden.  Besonders  reich  an  solchen 
Sphaerosideriten  sind  die  Schieferthone  zwischen  den  hängenderen  Flötzen 
des  Hauptzuges,  namentlich  im  Myslowitzer  Walde  zwischen  Katto- 
witz  und  Myslowitz,  bei  Orzesche,  Lazisk,  Ruda  u.  s.  w.  üebri- 
gens  scheinen  die  Sphaerosiderite  immer  nur  nesterweise  und  nicht  in  weit 
aushaltenden  Lagern  vorzukommen.  Die  Gewinnung  kann  daher  meistens 
auch  nur  mit  einem  unregelmässigem  Bergbau  in  kleinen  Schächten,  so- 
genannten Du  ekeln,  geschehen. 

Die  Kohlen flötze  sind  durch  die  ganze  Mächtigkeit  des  Kohlen- 
gebirges, soweit  sie  bekannt  ist,  verbreitet.  Aber  freilich  ist  diese  Ver- 
breitung nicht  gleichförmig  und  namentlich  sind  die  Flötze  bei  gleichzeitig 
geringerer  Mächtigkeit  in  der  unteren  Abtheilung  des  Kohlengebirges,  wie 
sie  besonders  durch  das  tiefe  Bohrloch  bei  Königshütte  bekannt  gewor- 
den ist,  viel  sparsamer,  als  in  der  oberen  Abtheilung.  Hier  sind  diesel- 
ben zu  gewissen  Gruppen  oder  Flötzzügen  vereinigt.  Der  tiefste  dieser 
Flötzzüge  begreift  die  Flötze  von  Hultschin.  Ein  zweiter  ist  der  die 
mächtigsten  Flötze  von  Zabrze,  Königshütte,  Laurahütte  und  Ros d- 
zin  umfassende  Hauptzug.  Ein  dritter  Flötzzug  gehört  einer  Schichten- 
folge an,  welche  sich  dem  Südabfälle  des  die  Flötze  des  Hauptzuges  ein- 
schliessenden  flachen  Bergrückens  anlegt.  Zu  einem  vierten  Flötzzüge 
gehören  die  Flötze  der  Gegend  von  Nikolai,  deren  Zahl  mehr  als  20 
beträgt.  Als  einen  fünften  Flötzzug  lassen  sich  endlich  die  Flötze  der 
Rybniker  Flötzpartie  zusammenfassen,  dessen  Alters verhältniss  zu  den 
anderen  Flötzzügen  freilich  nicht  ganz  klar  ist. 

Die  Mächtigkeit  der  einzelnen  Flötze  ist  zum  Theil  sehr  bedeutend  und 
beträgt  zuweilen  15  bis  30  Fuss,  ja  das  Xaveri-Flötz  bei  Dombrowa 
(Dabrowa)  in  Polen  schwillt  sogar  bis  zu  der  erstaunlichen  Mächtigkeit 
von  45  Fuss  bis  50  PMss  an.  Die  Gesammtmächtigkeit  der  in  dem  ober- 
schlesischen Steinkohlengebirge  bisher  bekannt  gewordenen  Flötze  wird 
von  C.  Mauve  auf  333  Fuss  berechnet.  Erwägt  man  die  im  Ganzen 
flache  Neigung  der  Flötze  und  den  grossen  Umfang  des  Beckens,  so  er- 
giebt  sich  ein  ungeheuerer  durch  den  Bergbau  erreichbarer  Vorrath  von 
Steinkohlen.  Nur  das  westphälische  Kohlenbecken  dürfte  sich  unter  den 

9* 


08  Steinkohlengebirge. 

verschiedenen  europäischen  Kohlenmulden  eines  ähnlichen  Reichthums 
berühinen  können'). 

Die  chemische  Beschaffenheit  der  oberschlesischen  Steinkohlen  be- 
treffend, so  sind  magere  Kohlen  durchaus  vorherrschend.  Fette,  backende 
Kohlen  sind  fast  nur  auf  der  Königin-Louise-Grube  bei  Zabrze  und 
bei  Hultschin  bekannt.  Doch  liefern  auch  die  Kohlen  vieler  anderen 
Flötze  brauchbare  Koks  (cohes).  Die  durchgängige  Festigkeit  der  ober- 
schlesischen Kohlen,  welche  bei  dem  Abbau  der  Flötze  die  Gewinnung 
des  grösseren  Theils  der  Kohle  in  der  Form  von  „Stückkohlen,“  d.  i. 
mehr  als  faustgrossen,  für  die  Verwendung  vorzugsweise  geeigneten 
Stücken  gestattet,  bildet  einen  besonderen  Vorzug  derselben.  Durch  das 
Vorhandensein  regelmässiger  Absonderungen  (sogenannter  Schlechten) 
wird  die  Gewinnung  allgemein  sehr  erleichtert. 

Durch  Entzündung  von  Kohlenflötzen  haben  sich  an  mehreren  Punkten 
Oberschlesiens  sogenannte  Brandfelder  gebildet,  in  deren  Bereiche  die 
thonigen  und  sandigen  Gesteine  des  Kohlengebirges  zu  eigenthümlichen 
pseudovulkanischen  Gesteinen  von  rothen  und  anderen  lebhaften  Farben 
umgeändert  und  die  Flötze  verbrannt  und  in  Asche  verwandelt  wurden. 
Ein  Theil  dieser  Brandfelder  stammt  aus  vorhistorischer  Zeit  oder  wenig- 
stens aus  einer  Zeit,  in  welcher  noch  kein  Kohlenbergbau  in  Oberschlesien 
Statt  fand,  und  es  kann  daher  nur  Selbstentzündung  der  Kohle  Veran- 
lassung zum  Ausbruche  des  Brandes  gegeben  haben.  Das  Letztere  er- 
scheint deshalb  auffallend,  weil  gegenwärtig  solche  Brände  im  unverritz- 
ten  Gebirge  kaum  entstehen,  wohl  aber  häufig  beim  Abbau  selbst  oder  in 
den  abgebauten  Räumen  ausbrechen,  so  dass  Luftzutritt  ein  wesentliches 
Erforderniss  der  Entzündung  zu  sein  scheint.  Ein  ausgezeichnetes  vor- 
historisches Brandfeld  ist  dasjenige  im  Revier  der  Carolinen -Grube 
östlich  von  Hohenlohehütte  und  nördlich  von  Bogutschütz.  Ein  an- 
sehnlicher Hügel  besteht  hier  ganz  aus  solchem  älteren  Brandgebirge, 
welches  durch  mehrere  grosse  Steinbrüche  für  die  Gewinnung  von  Wege- 
Bau-Material  aufgeschlossen  ist.  Die  Schieferthone  sind  in  ein  dem  so- 
genannten Porcellan-Jaspis  ähnliches  festes  Email-artiges  Gestein  von  zum 


1)  Schon  jetzt  ist  die  Kohlengewinnung  eine  selir  bedeutende  und  betrug  nach  amtlichem  Aus- 
weis im  Jahre  1867  über  92  Millionen  Centner  oder  25V'a  Millionen  Tonnen.  (S.  üebersicht  von  der 
Produktion  der  Bergwerke,  Salinen  und  Hütten  in  dem  preussischen  Staate  im  Jahre  1867  in:  Zeit- 
schrift für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinen- Wesen  im  preussischen  Staate,  Bd.  XVI.)  Man  müsste 
die  jährliche  Ausbeute  der  österreichisehen  Gruben  in  der  Gegend  von  Mährisch-Ost  rau  und  im 
Krakau’schen  Gebiete  (Jaworzno,  Tenczynek  u.  s.  w.),  sowie  diejenige  im  Königreiche 
Polen  (Dombrowa,  Bendziii  u.  s.  w.)  hinzurechnen,  um  die  Gesammt- Produktion  des  ober- 
schlesisch-polnischen Steinkohlenbeckens  zu  erhalten. 


Produktives  Sieinkohleiigebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


69 


Tlieil  lebhaften  graulichen  und  röthlichen  Färbungen  umgewandelt.  Die 
Sandsteine  sind  theilweise  gefrittet  und  von  lebhaft  ziegelrother  Färbung. 
Abdrücke  von  Calamiten  und  Lepidodendren,  welche  der  Sandstein  häufig 
einschliesst,  lassen  an  seiner  ursprünglichen  Natur  als  Kohlensandstein  kei- 
nen Zweifel.  Zuweilen  sind  die  Gesteine  auch  zu  unförmlichen  Schlacken 
von  dunkeier  Farbe  zusaminengeschmolzen.  Die  Schicht-  und  Kluftflächen 
des  Gesteins  sind  häufig  mit  einem  dünnen  üeberzuge  von  Hyalith  bedeckt. 

Auch  bei  Colonie  Carlsberg  im  Felde  der  Carls-Hoffnung-Grube 
unweit  Laurahütte  treten  in  ganz  eigenthümlicher  Art  umgewandelte 
Gesteine  des  Steinkohlengebirges  auf.  Das  eine  kleine  Kuppe  bildende 
feste  rothbraune  Gestein  gleicht  fast  einem  Eruptiv-Gesteine  und  wurde 
von  den  Entdeckern  für  rothen  Quarzporphyr  gehalten,  den  sie  gleich  dem 
auf  mehreren  Landstrassen  verwendeten  Porphyr  von  Mienkina  bei 
Krzeszowice  als  Wegebau-Material  zu  verwerthen  gedachten.  Faust- 
grosse Stücke  desselben  braunen  dichten  Gesteins,  aussen  mit  einer  scharf 
abgesetzten  hellfarbigen  lockeren  Rinde,  in  welcher  feine  Quarzkörner 
erkennbar  sind,  umgeben,  wurden  auch  in  den  Umgebungen  der  Siema- 
nowitz-Grube  umherliegend  von  mir  beobachtet. 

Auf  der  Königin-Louise-Grube  bei  Zabrze  ist  auf  dem  Südflügel 
der  Mulde  das  Heinitz-Flötz  durch  einen  Erdbrand  gänzlich  zerstört. 
Bei  dem  Betriebe  des  Hauptschlüssel-Erbstollens  wurde  das  Flötz  bis 
in  die  Stollensohle  (18  Lachter  unter  Tage)  verbrannt  angetroffen.  Kohlen- 
schlacken, roth  gebrannter  mürber  Sandstein  und  Porzellan-Jaspis  mit 
Uebergängen  in  Schieferthon  erfüllten  nach  C.  v.  Oeynhausen  den 
durch  das  Flötz  früher  eingenommenen  Raum. 

Unter  den  verschiedenen,  nachweislich  erst  durch  den  Bergbau  ver- 
anlassten  Brandfeldern  ist  dasjenige  der  Fanny -Grube  bei  Laurahütte 
das  bedeutendste.  Die  drei  Hauptflötze  des  Flötzzuges  sind  hier  von  dem 
Brande  ergriffen  und  ein  ungeheurer  Vorrath  von  Kohlen  (circa  6 Millio- 
nen Tonnen)  bereits  zerstört.  Ein  mehrere  Morgen  grosser  Flächenraum 
ist  daselbst  in  ein  durch  rauchende  Spalten  zerrissenes  und  mit  hellfarbigen 
Brand-Produkten  bedecktes  Brandfeld  verwandelt,  welches  an  die  Sol- 
fatara  bei  Neapel  erinnert.  Wie  in  dieser  bilden  sich  aus  den  Fumaro- 
len  verschiedene  Zersetzungsprodukte  durch  Sublimation.  Gediegener 
Schwefel  wird  häufig  in  kleinen  Krystallen  abgesetzt,  die  aber  meistens 
nachher  wieder  zu  einer  gestaltlosen  Kruste  zusammenschmelzen.  Auch 
Salmiak  ist  ein  häufig  vorkommendes  Sublimations -Produkt.  Magne- 
sia-Eisen-Alaun  bildet  sich  als  sekundäres  Produkt  oft  in  mehreren 
Zoll  dicken  Lagen.  Auch  auf  der  Königsgrube  und  auf  der  Königin- 


70 


Steinkohlengebirge. 


Louise- Grube  finden  noch  gegenwärtig  Grubenbrände  von  beschränkte- 
rem Umfange  Statt  und  auf  den  meisten  Gruben  zeigt  sich  in  den  abgebau- 
ten Räumen  Neigung  zur  Selbstentzündung  der  Kohle. 

üebrigens  scheinen  mehrfach  gewisse  auf  dem  Steinkohlengebirge 
ruhende  Schichten  von  rothen  Schieferthonen  und  Sandsteinen  nur  wegen 
ihrer  rothen  Farbe  irrthümlich  für  verbranntes  Kohlengebirge  gehalten 
worden  zu  sein,  während  sie  in  Wirklichkeit  wahrscheinlich  zum  bunten 
Sandstein  gehören.  Namentlich  in  Betreff  solcher  auf  den  Gruben  Loui- 
sen’s-Glück  und  Guter-Traugott  beiRosdzin  beobachteten  Schich- 
ten hat  V.  Krenski  diese  Zugehörigkeit  wahrscheinlich  gemacht'). 

f.  Bemerkenswerthe  Mineral- Vorkommen. 

1.  Löwigit.  In  unregelmässigen  1 bis  3 Zoll  grossen  sphäroidischen 
oder  ellipsoidischen  Knollen  inmitten  der  Steinkohle  des  Pochhammer- 
Flötzes  der  Königin-Louise-Grube  bei  Zabrze.  Die  aussen  mit 
einer  schwarzen  Kohlenrinde  überzogenen  Knollen  bestehen  im  Innern  aus 
einer  amorphen  blassgelblichen  dichten  Mineral-Substanz  von  auffallender 
Reinheit  und  Gleichförmigkeit.  Das  Mineral  wurde  zuerst  von  mir  als 
Alaunstein  auf  Grund  einer  von  C.  Löwig  ausgeführten  Analyse  beschrie- 
ben. (Notiz  über  ein  eigenthümliches  Vorkommen  von  Alaunstein  in  der 
Steinkohle  bei  Zabrze  in  Oberschlesien,  in:  Zeitschrift  der  Deutschen 
geolog.  Gesellsch.  YlII.  Bd.  1856.  S.  246  ff.)  Später  hat  Alex.  Mitscher- 
lich (Journal  für  prakt.  Chemie,  1861,  S.  474)  das  Mineral  einer  ein- 
gehenderen chemischen  Untersuchung  unterworfen  und  hat  es  wegen  grös- 
seren Wassergehalts  vom  Alaunstein  als  neue  Species  unter  der  Benennung 
Löwigit  unterschieden.  Die  Formel  ist  KO.  SO3  + 3 AI2O3.  SO3  + 9HO. 

2.  Carolathin.  Ein  honiggelbes  oder  schmutzig  weingelbes  Fossil 
von  geringer  Härte  (zwischen  2 und  3)  und  schwachem  Fettglanz  von  1,515 
specif.  Gewicht,  welches  in  Trümern  oder  als  Ueberzug  von  Kluftflächen 
in  der  Steinkohle  des  Pochhammer-Flötzes  bei  Zabrze  vorkam.  (V^rgl. 
Sonnenschein:  Ueber  das  Carolathin  in:  Zeitschrift  der  Deutsch,  geolog. 
Ges.  Bd.  V.,  1853,  S.  223  ff.)  Nach  Sonnenschein  ist  die  procentische 
Zusammensetzung  des  Fossils: 

Al  47  i 

^ ! 76,87  Fixe  Bestandtheile. 

01  z9,d!2  ; 

theils  als  Wasser,  theils  in  \ H 2,41  j 

Verbindung  mit  Kohlenstoff  ( 0 19,39  | 23,13  als  flüchtige  Bestandtheile. 

C 1,33) 

1)  Vergl.  Jahrbuch  des  Schlesischen  Vereins  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Jahrg.  HL,  1861. 
Wochenschr.  S.  121. 


71 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 

Das  Po  chliammer-Flötz  zeigt  übrigens  an  der  Stelle,  an  welcher 
der  Carolathin  vorgekommen  ist,  eine  Aufstauchung  und  das  Fossil  ver- 
dankt daher  wahrscheinlich  der  durch  den  Druck  bewirkten  Wärmeent- 
wickelung seinen  Ursprung. 

3.  Anthrakox^en.  Dieses  durch  Reuss  (Sitzungsbericht  der  Wiener 
Acad.  1856,  XXL,  S.  271 — 275)  von  Brandeisl  bei  Schlan  in  Böhmen 
beschriebene  und  benannte  fossile  Harz  wurde  durch  Bergreferendar  D on- 
dorff  auch  in  dünnen  Lagen  von  schwarzbrauner  bis  hyacinthrother  Farbe 
auf  Kohlenschiefer  mit  Streifen  von  Pechkohle  und  Russkohle  auf  der 
Napoleon-Grube  bei  Mokrau  und  in  der  Steinkohle  der  Burghard- 
Grub  e beobachtet.  An  der  ersten  Stelle  auch  in  der  Form  kleiner  walzen- 
runder Stäbchen,  welche  von  Geinitz  (vergl.  N.  Jahrb.  für  Miner.,  1864, 
S.  518}  für  einen  Schwamm  gehalten  und  als  Spongillopsis  carbonica  be- 
schrieben worden  sind.  Eine  chemische  Analyse  des  Minerals  durch 
Dr.  H.  Fleck  (vergl.  Die  Steinkohlen  Deutschlands  und  anderer  Länder 
Europas  von  Geinitz,  Fleck  und  Hartig.  Bd.  L München  1865.  S.  37) 
ergab  in  100  Gewichtstheilen ; 

68,852  Kohlenstoff,  als  aschenfreie  Verbindung: 

6,192  Wasserstoff,  76,86^  Kohlenstoff, 

16,766  Sauerstoff,  6,867  Wasserstoff, 

8,190  Asche;  46,730  Sauerstoff. 

4.  Bleiglanz.  Zwei  Zoll  dicke  krystallinisch-körnige  Kluftausfüllun- 
gen im  Kohlensandsteine  der  Charlotte-Steinkohlengrube  bei  Ryb- 
nik  bildend.  Durch  Berginspektor  v.  Gellhorn  gelangten  faustgrosse 
Stücke  des  Vorkommens  in  das  Breslauer  Museum.  Als  dünner  üeberzug 
ist  Bleiglanz  auch  auf  Steinkohle  der  König  Saul-Grube  bei  Königs- 
hütte vorgekommen.  In  derselben  Art  hat  er  sich  nach  Pusch  (a.  a.  0. 

S.  158)  auch  bei  Strzyzowice  in  Polen  gefunden. 

5.  Schaalenblende.  Zusammen  mit  Bleiglanz  3 Linien  dicke,  aussen 
mit  sehr  kleinen  Diamant -glänzenden  Krystallen  besetzte  Schnüre  von 
dunkel  graubrauner  Farbe  bildend,  zum  Theil  auch  in  2 bis  3 Zoll  grossen, 
auf  der  Oberfläche  wie  geflossen  aussehenden  Knollen  mit  sehr  feiner  excen- 
trisch faseriger  Struktur  im  Kohlensandstein  derselben  Stelle  auf  der 
Charlotte-Grube.  Ich  erhielt  Stufen  des  Vorkommens  im  Jahre  1866 
durch  V.  Gellhorn,  der  dasselbe  auf  der  Grube  selbst  beobachtet  hatte. 

6.  Schwerspath.  In  regelmässig  ausgebildeten  bis  U|4  Zoll  grossen 
wasserhellen  Krystallen  auf  einer  Kluft  im  Steinkohlengebirge  auf  der 
combinirten  Hohenlohe-Grube  beim  Bitko wer  Zollhause.  Die  Haupt- 
ausfüllung der  Kluft  wird  durch  Binar-Kies  in  kleinen  Krystallen  gebildet. 


72 


Steinkohlengehirge. 


Auf  diesen  sind  die  Schwerspath-Krystalle  aufgewachsen.  (Vergl.  Jahres- 
bericht der  Schles.  Ges.  für  vaterl.  Cultur  im  Jahre  1862.  Breslau  1863. 
S.  38.)  Schon  früher  waren  auf  der  Königsgrube  Schwerspath-Krystalle 
unter  ähnlichen  Verhältnissen,  aber  nicht  von  gleicher  Schönheit  und  Grösse 
vorgekommen.  Faseriger  Schwerspath  von  holzbrauner  Farbe  fand 
sich  in  nierenförmigen  Massen  auf  Sprungklüften  der  Steinkohle  auf  Got- 
tesseegen-Grube bei  Antonienhütte*  in  einem  Steinbruche  nahe  bei 
dem  Mundloche  des  Hauptschlüssel-Stollens  bei  Zabrze  endlich  kam  nach 
mündlicher  Mittheilung  von  Websky  dichter  erdiger  Schwerspath  in  Mas- 
sen von  ansehnlicher  Grösse  vor. 

7.  Braunspath.  Eine  auf  der  Carlsseegen-Grube  bei  Brzensko- 
witz  unmittelbar  auf  dem  Carlsseegen-Flötze  liegende  sehr  feste  Sandstein- 
Lage  enthält  nach  Websky  zierliche  Drusen  von  Braunspath,  Schwefel- 
kies und  Binarkies. 

8.  Der  auf  das  Vorkommen  von  Haar  kies  (Schwefel -Nickel)  deu- 
tende Nickel-Gehalt  in  oberschlesischen  Gruben  wässern,  welchen  Po  leck 
(s,  Beiträge  zur  Kenntniss  der  chemischen  Veränderungen  fliessender  Ge- 
wässer von  Dr.  Theod.  Poleck;  mit  einer  Karte,  Breslau  1869.  S.  71) 
beobachtete,  ist  hier  ebenfalls  zji  erwähnen,  ln  dem  Steinkohlengebirge 
von  Saarbrücken  und  demjenigen  von  Westphalen  ist  der  Haarkies 
auch  krystallisirt  bekannt. 

9.  Gneiss- und  Granulit-Geschiebe  in  der  Steinkohle  des  Caro- 
line-Flötzes  auf  der  Hohenlohe- Grube  bei  Kattowitz.  (Vergl. 
Ferd.  Roemer:  Ueber  das  Vorkommen  von  Gneiss-  und  Granulit- Ge- 
schieben in  einem  Steinkohlen  - Flötze  Oberschlesiens,  in:  Zeitschrift  der 
Deutsch,  geol.  Ges.,  Jahrg.  1864,  S.  615 — 617.)  Diese  Geschiebe  sind 
scheibenförmig  und  vollkommen  abgerundet  wie  Flussgeschiebe.  Das 
grösste  der  beobachteten  Stücke  ist  1 1 Zoll  lang.  Das  Gestein  der  Ge- 
schiebe ist  verschieden  von  irgend  einem  in  Schlesien  anstehend  gekannten ; 
die  Herkunft  der  Geschiebe  ist  bisher  unbekannt.  Ebenso  ist  die  Art  des 
Transports  der  Geschiebe  bei  der  angenommenen  Bildungsart  der  Stein- 
kohlenflötze  schwer  zu  erklären.  Phillips  (Manual  of  geology,  London 
1855,  S.  225),  welcher  ein  ähnliches  Vorkommen  von  gerundeten  Quarzit- 
oder Sandstein-Geschieben  in  einem  Steinkohlen -Flötze  bei  New-Castle 
erwähnt,  spricht  die  Vermuthung  aus,  dass  die  Geschiebe  in  das  Wurzel- 
geflecht von  Bäumen  eingeschlossen  mit  diesen  aus  der  Ferne  herbeige- 
schwemmt seien. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


73 


g,  Lagerungsverhältnisse, 

Im  Ganzen  sind  die  Lagerungsverhältnisse  des  oberschlesisch-polnischen 
Steinkohlengebirges  einfach  und  viel  weniger  verwickelt,  als  diejenigen 
anderer  deutscher  Steinkohlenbecken.  Flache  Neigungen  der  Schichten 
sind  durchaus  herrschend.  Am  besten  kennt  man  die  Lagerungsverhältnisse 
in  den  Gegenden,  wo  der  Haupt- Steinkohlenbergbau  Statt  findet,  d.  i. 
namentlich  in  einer  Zone,  welche  sich  von  Zabrze  über  Königshütte, 
Hohenlohehütte  bis  Rosdzin  und  Myslowitz  erstreckt.  Das  Koh- 
lengebirge ist  bei  einem  west -östlichen  Hauptstreichen  der  Schichten  in 
dieser  Zone  zu  einem  Sattel  aufgerichtet  und  in  dieser  Sattellinie  heben 
sich  noch  einzelne  Theile—  die  sogenannten  Flötzb  erge  — kuppenförmig 
hervor.  Die  obersten  Theile  dieser  Kuppen  sind  zerstört  und  fortgeführt. 
Deshalb  haben  die  die  oberen  Steinkohlenflötze  einschliessenden  Schichten 
mit  den  Flötzen  selbst  an  den  Abhängen  der  Flötzberge  ihr  Ausgehendes 
und  bilden  einen  Luftsattel,  während  die  unteren  Flötze  die  kuppenförmige 
Wölbung  noch  vollständig  zeigen.  Allgemein  fallen  die  Schichten  von  der 
Hauptsattel-Linie  in  der  genannten  Zone  einerseits  flach  gegen  Norden  und 
anderer  Seits  flach  gegen  Süden  ein.  Eine  15®  übersteigende  Neigung  der 
Schichten  ist  in  dem  oberschlesischen  Steinkohlengebirge  durchaus  unge- 
wöhnlich. Auf  der  ganzen  Strecke  von  Zabrze  bis  Siemianowitz  fallen 
die  Flötze  unter  ganz  flachen  Neigungswinkeln,  welche  10®  noch  nicht  er- 
reichen, unter  den  Muschelkalk  ein.  Nur  die  unteren  Flötze  der  Königin 
Louise-Grube  zeigen  ein  steileres  Einfallen  bis  zu  30®. 

Gegen  diese  durchaus  vorherrschende  flache  und  ungestörte  Lagerung 
in  dem  grössten  Theile  von  Oberschlesien  bilden  nun  die  Lagerungsver- 
hältnisse in  dem  südwestlichsten  Theile  des  Beckens  den  aulfaUendsten 
Gegensatz.  Hier  sind  in  den  Umgebungen  von  Hultschin  und  Mährisch- 
Ostrau  und  im  Besonderen  bei  Petrzkowitz  die  Schichten  des  Stein- 
kohlengebirges bei  nord-südlichem  Streichen  nicht  nur  steil  aufgerichtet, 
sondern  auf  das  mannichfachste  gekrümmt  und  selbst  zickzackförmig  ge- 
knickt. Auch  in  dem  Kohlenfelde  vonStrzjzowice  in  Polen  kommen 
nach  Pusch^)  starke  Neigungen  der  Flötze  von  45® — 60®  vor.  Die  abge- 
sehen von  diesen  letzteren  Lokalitäten  im  Vergleich  mit  anderen  europäi- 
schen Kohlenbecken  und  im  Besonderen  mit  demjenigen  Niederschlesiens 
oder  der  Gegend  von  Waldenburg  im  Ganzen  so  aulFallend  flache  und 
regelmässige  Lagerung  des  oberschlesischen  Kohlengebirges  findet  in 


1)  a.  a.  0.  Thl.  I.  S.  165. 

10 


74 


Steinkohlengebirge. 


dem  Umstande,  dass  bei  der  Grösse  des  Beckens  die  eine  flache  Schichten- 
neigung vorzugsweise  zeigenden  mittleren  Theile  desselben,  von  den  die 
Unterlage  des  Beckens  bildenden  steil  aufgerichteten  älteren  Schichten  durch 
einen  weiten  Abstand  getrennt  sind,  wohl  vorzugsweise  ihre  Erklärung. 
Das  Vorkommen  stärkerer  Neigungswinkel  der  Schichten  in  den  Umge- 
bungen von  Hultschin  und  bei  Strzyzowice  ist  damit  im  Einklänge, 
in  sofern  als  an  beiden  Punkten  die  den  Umfang  des  Beckens  bildenden 
älteren  Gesteine  nahe  liegen.  Mit  der  völligen  Abwesenheit  von  gleich- 
alterigen  Eruptiv-Gesteinen  in  dem  Bereiche  des  oberschlesisch-polnischen 
Kohlenbeckens  sind  ausserdem  die  durch  solche  plutonische  Massen  in 
anderen  Mulden  und  namentlich  auch  in  Niederschlesien  bewirkten  Störun- 
gen der  Lagerung  ausgeschlossen.  Sie  theilen  durchaus  die  Lagerungs- 
verhältnisse der  in  der  Nähe  anstehenden  Culm- Grauwacke,  welcher  sie 
auch  gleichförmig  aufruhen. 

Die  im  Allgemeinen  regelmässige  Lagerung  des  oberschlesich- polni- 
schen Steinkohlengebirges  schliesst  das  häufige  Vorkonunen  partieller  Stö- 
rungen durch  Verwerfungen  oder  Sprünge  nicht  aus^).  Einige  der- 
selben haben  eine  Verschiebung  der  zu  beiden  Seiten  des  Sprunges  liegen- 
den Gebirgstheile  bis  zu  250  Fuss  senkrechter  Höhe  bewirkt.  In  Betreff 
der  Entstehungszeit  dieser  Verwerfungen  sind' verschiedene  Ansichten  auf- 
gestellt worden  und  namentlich  ist  es  streitig  gewesen,  ob  sie  schon  vor 
der  Ablagerung  des  Muschelkalks  vorhanden  gewesen  oder  erst  nach 
dessen  Ablagerung  entstanden  seien.  Bei  einigen  dieser  Verwerfungen 
ist  es  jedoch  unzweifelhaft,  dass  sie  erst  nach  der  Ablagerung  des  Muschel- 
kalks gebildet  wurden,  da  die  Schichten  des  letzteren  durch  dieselben  Ver- 
werfungen, welche  Theile  des  Steinkohlengebirges  gegen  einander  ver- 
schoben, ebenfalls  verrückt  wurden.  Besonders  beweisende  Beispiele  dieser 
Art  liefern  namentlich  ein  Sprung  auf  der  Florentine-Grube  bei  Beu- 
then,  ferner  ein  solcher  im  Felde  der  König  Saul-Grube  bei  Lipine, 
durch  welchen  die  Schichten  des  bunten  Sandsteins  und  des  Muschelkalks 
verworfen  wurden  und  endlich  ein  an  dem  Kreuzungspunkte  der  von 
Ben  dz  in  nach  Dombrowa  führenden  Landstrasse  mit  der  Warschau- 
Wiener  Eisenbahn  in  dem  Eisenbahneinschnitte  zu  beobachtender  Sprung, 
welcher  auf  das  bestimmteste  .die  Verschiebung  des  Muschelkalks  in  der 
Richtung  des  das  unterliegende  Steinkohlengebirge  verwerfenden  Sprunges 
zu  erkennen  erlaubt.  Ob  alle  oder  nur  ein  Theil  der  Verwerfungen  im 


ü Vergl.  Die  Sprünge  im  Steinkohlengebirge.  Dargestellt  von  von  Carnall  (aus  dem  9ten 
Bande  von  Karsten’ s Archiv  besonders  abgednickt)  mit  9 Kupfertafeln.  Berlin  1835. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkoblengebirge  im  engeren  Sinne. 


75 


oberschlesisch-polnischen  -Steinkohlengebirge  jünger  sind,  als  die  Ablage- 
rung des  Muschelkalks  ist  noch  festzustellen.  Bei  der  Aehnlichkeit  ihres 
allgemeinen  Verhaltens  ist  das  erstere  wahrscheinlich*). 

h.  Organische  Einschlüsse. 

1.  Pflanzen. 

Das  oberschlesische  Steinkohlengebirge  enthält  zahlreiche  Pflanzenreste 
aus  denselben  Pflanz en-Familien,  welche  für  das  Kohlengebirge  überhaupt 
bezeichnend  sind,  namentlich  Sigillarieriy  Stigmarien,  Lepidodendren,  Cola- 
miten,  Farne  (Farrenkräuter)  und  Coniferen.  Die  Gattung  Sigillaria  ist 
namentlich  durch  zahlreiche  Arten  vertreten.  Nach  Göppert^)  ist  die 
Steinkohle  Oberschlesiens,  namentlich  diejenige  der  bei  Nikolai,  Myslo- 
witz  und  Jaworzno  abgebauten  Flötze  vorherrschend  durch  Sigillarien- 
Stäinme  gebildet.  Auch  als  aufrecht  stehende  Stämme  haben  sich  die  Sigil- 
larien  zum  Theil  in  dem  Kohlensandstein  erhalten  und  namentlich  hat  man 
dergleichen  auf  einer  Grube  bei  Lipine  beobachtet^).  Man  kann  daher 
die  Kohle  Oberschlesiens  als  Sigillarien-Kohle  bezeichnen.  Lepidodendren, 
Stigmarien,  Calamiten  und  Farrenkräuter  haben  nach  Göppert  im  Allge- 
meinen nur  einen  untergeordneten  Antheil  an  der  Bildung  der  oberschlesi- 
schen Steinkohle.  Farrenkräuter  sind  auch  aus  den  Schieferthonen  und 
Sandsteinen  des  oberschlesischen  Steinkohlengebirges  nur  in  geringer 
Zahl  bekannt,  namentlich  wenn  man  die  Mannichfaltigkeit  der  Farrenkraut- 
Flora  in  dem  Waldenburger  Steinkohlengebirge  damit  vergleicht.  Eine 
gewisse  Armuth  und  Einförmigkeit  der  oberschlesischen  Kohlen-Flora  ist 
namentlich  durch  diese  Sparsamkeit  der  Farrenkräuter  bedingt.  Zum 
Theil  mag  die  letztere  freilich  nur  scheinbar  sein,  da  zufällig  solche  Schiefer- 
thonschichten, in  welchen  sie  vorzugsweise  zu  erwarten  sind,  durch  den 
Bergbau  weniger  aufgeschlossen  sind^). 


1)  R.  V.  Carnall  (Oberschlesien’s  Gebirgsschichten  S.  59)  glaubt  dagegen  aus  dem  Verhalten 
der  Sprünge  folgern  zu  dürfen,  dass  dieselben  der  grösseren  Mehrzahl  nach,  wenn  nicht  alle,  in  einer 
Zeit  entstanden,  in  welcher  die  Schichten  des  Kohlengebirges  noch  nicht  fest  geworden  waren,  d.  i. 
in  der  Zeit,  in  welcher  sich  in  anderen  Gegenden  die  Schichten  des  Rothliegenden  und  des  Zech- 
steins absetzten. 

2)  Vergl.  Preisschrift  über  den  Ursprung  der  Steinkohlen.  Leiden,  1848.  S.  276  ff. 

3)  Bei  einem  Besuch  der  dortigen  Kohlengrube  unter  Führung  des  Herrn  Berginspektor  F üllers 
im  Jahre  1866  sah  ich  in  dem  die  Wände  einer  Strecke  bildenden  Kohlensandsteine  eine  grosse 
Anzahl  aufrecht  stehender  walzenrunder  und  zum  Theil  mehr  als  1 Fuss  dicker  Sigillarien-Stämme. 

4)  Eine  monographische  Bearbeitung  der  fossilen  Flora  des  oberschlesischen  Steinkohlengebir- 
ges, wie  wir  sie  für  andere  Kohlenbecken  besitzen,  fehlt  leider  noch  und  ist  das  für  eine  solche  erfor- 
derliche Material  erst  durch  den  bisher  nur  ungenügend  bethätigten  Eifer  von  Sammlern  in  Ober- 
schlesien selbst  zusammenzubringen.  Erst  mit  Hülfe  einer  solchen  Monographie  wird  es  möglich 

10’^ 


7 6 Steinkohlengebirge. 

2.  Thiere. 

Vergl.  Taf.  8. 

Bis  zum  Jahre  1862  waren  nur  einige  wenige  undeutliche  und  schlecht 
erhaltene  Arten  von  thierischen  Ueberresten  aus  dem  oberschlesischen 
Steinkohlengebirge  bekannt.  Man  kannte  an  mehreren  Stellen,  so  nament- 
lich auf  der  Königin  Louisen-Grube  und  auf  den  Gruben  bei  Orzesze, 
zusammengedrückte,  gegenwärtig  gewöhnlich  zur  Gattung  Änthracosia  ge- 
rechnete Zweischaler,  wie  sie,  ohne  in  ihrer  unvollständigen  Erhaltung 
die  Möglichkeit  näherer  specifischer  Bestimmung  zu  gewähren,  in  dichter 
Zusammenhäufung  auf  den  Schichtflächen  gewisser  Schichten  in  den  Schie- 
ferthonen  der  meisten  europäischen  Kohlenmulden  verkommen^). 

Tm  Jahre  1862  erfolgte  die  sehr  interessante  Auffindung  einer  arten- 
reichen marinen  Conchylien-Fauna  auf  der  Carolinen- Grube  bei  Hohen- 
lohehütte. Diese  zuerst  durch  Herrn  Kör f er  beobachteten  Fossilien 
finden  sich  in  einer  8 Fuss  mächtigen,  zahlreiche  kleine  Sphäre siderit- 
Nieren  führenden  Schieferthonschicht,  welche  unter  den  mächtigeren  in 
Oberschlesien  bebauten  Kohlenflötzen  aber  unmittelbar  im  Hangenden 
eines  anderen  30  Zoll  starken  Kohlenflötzes  liegt.  Ich  habe  eine  nähere 
Beschreibung  dieser  Fossilien  geliefert^).  Es  sind  Arten  der  Gattungen 
Productus,  Orthis,  Lingula,  Discina,  Pecten,  Area,  Nucula,  Bellerophon,  Gonia- 
tites,  Nautilus,  Orthoceras,  Poteriocrinus,  Phillipsia  u.  s.  w.  Productus  longi- 
spinus,  Bellerophon  TJrii,  Littorina  ohscura  und  Orthoceras  undatum  sind  die 
häufigsten  Arten.  Nicht  lange  nach  der  Entdeckung  dieser  Fossilien  auf 
der  Carolinen-Grube  erfolgte  die  Auffindung  derselben  Fauna  unter 
durchaus  ähnlichen  Verhältnissen  auf  der  Königsgrube  bei  Königs- 


sein, das  oberschlesische  Steinkohleugebirge  in  Betreff  seines  organischen  Charakters  mit  anderen 
deutschen  Kohlenbecken  und  namentlich  mit  demjenigen  Niederschlesiens  eingehend  zu  vergleichen. 

1)  Auf  der  Kohlengrube  Charlotte  bei  Czernitz  im  Kreise  Rybnik  wird  das  Hangende 
eines  der  dort  gebauten  Blötze,  des  Egmont-Flötzes,  durch  einen  unreinen  braunen  Brandschie- 
fer, welcher  ein  ganz  Braunkohlenähnliches  Ansehen  hat,  an  der  Lichtflamme  sich  leicht  entzündet 
und  mit  Flamme  brennt,  in  der  Mächtigkeit  von  wenigen  Zollen  gebildet.  Die  Schieferungsflächbn 
dieses  dunkelbraunen  Brandschiefers  sind  mit  den  Waizenkorn-grossen  Hohldrücken  eines  kleinen 
Zweischalers  bedeckt,  welche,  da  sie  gewöhnlich  mit  einer  hellfarbigen  erdigen  Substanz  ausgeklei- 
det sind,  etwas  deutlicher  hervortreten,  als  es  bei  der  geringen  Grösse  derselben  sonst  der  Fall  sein 
würde.  Bei  näherer  Untersuchung  zeigte  dieser  kleine  Zweischaler  entschieden  die  Form  der  Gat- 
tung Modiola.  Die  Skulptur  der  Oberfläche  besteht  nur  in  feinen  eoncentrischen  Anwachsringen. 
Da  ich  keine  ähnliche  Art  aus  dem  produktiven  Kohlengebirge  kenne,  so  betrachte  ich  sie  vorläufig 
als  neu  und  nenne  sie  Modiola  Carlotae.  Vielleicht  ist  die  Art  mit  Modiola  sp.,  welche  sich  bei  Vol- 
persdorf  in  der  Grafschaft  Gl  atz  zusammen  mit  Schuppen  von  Bhiizodus  Sibherti  findet  (vergl. 
Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.,  XVII.,  1865,  S.  276.  Tab.  VI.  Fig.  6),  identisch. 

2)  Ueber  eine  marine  Conchylien  - Fauna  im  produktiven  Steinkohlengebirge  Oberschlesien’s ; 
hierzu  Taf.  XIV.  bis  XVI.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  1863.  S.  567 — 606. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne.  7 7 

hütte  durch  Herrn  Bergrath  Meitzen,  den  ich  um  Nachforschungen  in 
dieser  Richtung  gebeten  hatte.  Im  Jahre  1864  wurde  auch  bei  Rosdzin 
die  Schicht  mit  marinen  Conchylien  durch  Herrn  von  Krensky  aufgefun- 
den. Zum  Theil  sind  es  hier  dieselben  Arten  wie  auf  der  Carolinen- 
Grube  und  Königs-Grube,  wie  namentlich  Productus  longispinus,  Gonia” 
tites  Listeri  und  Orthocerus  telescopiolum.  Es  treten  aber  auch  einige  dort 
nicht  beobachtete  Arten  hinzu.  Das  petrographische  Verhalten  ist  etwas 
abweichend  und  namentlich  ist  das  Vorkommen  einer  mehrere  Zoll 
dicken  dunkeln  Kalksteinschicht  zwischen  den  versteinerungsführenden 
Schieferthonen  bemerkenswerth.  Dagegen  ist  das  Lagerungsverhältniss 
demjenigen  an  den  anderen  beiden  Punkten  durchaus  gleich  und  lässt 
keinen  Zweifel  an  der  Identität  des  geognostischen  Niveau’s.  Die  ver- 
steinerungsführende Schicht  wurde  auf  der  Grube  Guter  Traugott,  etwa 
6 Lachter  unter  einem  4 Lachter  mächtigen  Flötze  (dem  sogenannten 
Nieder-Flötze),  welches  dem  Carolinen-Flötze  der  Carolinen- 
Grube  und  dem  Sattel-Flötze  der  Königs-Grube  entspricht,  ange- 
troffen.  Demnächst  kam  nun  ein  viel  weiter  westlich  gelegenes  Vorkom- 
men hinzu.  Herr  Berginspektor  von  Gellhorn  übersendete  dem  Ver- 
fasser undeuthch  erhaltene,  in  einen  dunkelen  dickschieferigen  Schieferthon 
eingeschlossene  Conchylien  zu,  welche  von  ihm  in  dem  Sk  all  ey- Sch  achte 
der  Königin  Louise-Grube  bei  Zabrze  in  53  Lachter  Tiefe  beobach- 
tet worden  waren.  Trotz  der  unvollkommenen  Erhaltung  Hessen  sich 
einige  Arten  mit  Sicherheit  bestimmen.  Unter  diesen  namenthch  Productus 
longispinus,  das  häufigste  Fossil  auf  der  Carolinen-Grube  und  auf  der 
Königs-Grube.  Besonders  häufig  ist  eine  kleine  Chonetes-Art,  welche 
sich  bei  näherer  Vergleichung  als  eine  kleine  Form  der  im  Kohlenkalke 
weit  verbreiteten  Chonetes  Hardrensis  Phill.  (conf.  Davidson:  Brit.  foss. 
Brachiop.  p.  186,  Tab.  47.  Fig.  12 — 18)  erwies.  (Vergl.  Fig.  6,  7.)  Es  ist 
nicht  zu  bezweifeln,  dass  das  geognostische  Niveau  dieser  versteinerungs- 
führenden Schichten  von  Zabrze  dasselbe  ist  wie  dasjenige  auf  der  Caro- 
linen-Grube, der  Königs-Grube  und  bei  Rosdzin. 

Während  nun  an  den  bisher  genannten  Punkten  die  marinen  Conchylien 
im  Schieferthone  Vorkommen,  so  wurden  ganz  neuerlichst  auch  noch  ein 
Paar  andere  Lokalitäten  bekannt,  an  welchen  es  Sandsteine  sind,  welche 
die  marinen  Thierreste  einschliessen*). 

Die  eine  dieser  neu  aufgefundenen  Lokahtäten  liegt  an  der  von  Beu- 

1)  Vergl.  Neuere  Beobachtungen  über  das  Vorkommen  mariner  Conchylien  in  dem  oberschles,- 
polnischen  Steinkohlengebirge  von  Ferd.  Roerner  in*.  Zeitschrift  der  Deutschen  geologischen  Ge- 
sellschaft. Jahrg.  1866.  S.  663  ff. 


78 


Steinkohlengebirge. 


then  nach  Neudeck  führenden  Landstrasse,  der  IJnterförsterei  von  Kos- 
lowagora  gegenüber.  Theils  durch  die  Gräben  der  Landstrasse,  theils 
durch  andere  kleine  Entblössungen  neben  der  Landstrasse  sind  hier  gegen 
Norden  einfalleiide  dünn  geschichtete  graue  Sandsteine  aufgeschlossen, 
welche  auf  den  Schichtflächen  zum  Theil  mit  Abdrücken  und  Steinkernen 
von  Schalthieren  bedeckt  sind.  Am  häufigsten  ist  unter  diesen  Chonetes 
Hardrensis,  Ausserdem  wurden  Bellerophon  ürii  und  Phillipsia  mucronata 
n.  sp.  beobachtet.  In  einem  wenige  Schritte  östlich  von  der  Landstrasse 
liegenden  kleinen  Steinbruche  sind  hellgraue  Sandsteinschichten,  welche 
den  Schichten  mit  marinen  Resten  augenscheinlich  aufruhen,  aufgeschlos- 
sen, welche  Lepidodendren  und  andere  bekannte  Pflanzenformen  des  pro- 
duktiven Steinkohlengebirges  enthalten  und  ausserdem  zwei  kleine  taube 
Kohlenflötze  einschliessen. 

Die  andere  Lokalität  ist  ein  Eisenbahneinschnitt  an  der  Warschau- 
Wiener  Eisenbahn  östlich  von  dem  unweit  des  grossen  Hüttenwerkes  von 
D^browa  (spr.  Dombrowa)  gelegenen  Dorfes  Golonog.  In  Sandstein- 
schichten von  ganz  ähnlicher  Beschaffenheit,  wie  diejenigen  von  Koslo- 
wagora,  kommen  hier,  wie  Herr  ßerg^Assessor  Degenhardt  zuerst 
beobachtete,  ebenfalls  marine  Thierreste  vor.  Chonetes  Hardrensis  ist  auch 
hier  das  häufigste  Fossil.  Ausserdem  wurden  dort  von  mir  gesammelt: 
Streptorhynchus  ( Orthis)  crenistria,  Bellerophon  TJrii,  Orthoceras  undatum, 
Phillipsia  mucronata  und  Littorina  obscura.  Die  meisten  dieser  Arten 
sind  solche,  welche  auch  in  den  Schieferthonen  der  Carolinen- Grube 
und  der  Königs-Grube  Vorkommen  und  es  ist  nicht  zu  bezweifeln,  dass 
das  geognostische  Niveau  dieser  Sandsteinschichten  wesentlich  dasselbe 
ist  wie  dasjenige  der  Schieferthonschichten  mit  marinen  Thierresten  auf 
der  Grube  Guter  Traugott  bei  Rosdzin,  der  Königs-Grube,  der 
Carolinen-Grube  und  der  Königin  Louise-Grube. 

Im  Ganzen  wurden  folgende  Arten  in  den  die  marinen  Conchjlien  ent- 
haltenden Schichten  an  den  verschiedenen  Fundstellen  beobachtet: 

Aufzählung  der  marinen  Fossilien  in  dem  oberschlesisch- 
polnischen Kohlengebirge. 

Vergl.  Taf.  8i). 

1.  Rhombische  Schuppe  eines  nicht  näher  bestimmbaren  Ganoiden, 

Vorkommen:  Ein  Exemplar  auf  der  Carolinen-Grube. 


1)  Auf  dieser  Tafel  sind  nicht  alle  der  in  dem  früheren  Aufsatze  (Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 
Jahrg.  1863  S.  567  — 606)  von  mir  beschriebenen  und  abgebildeten  Arten  wieder  gegeben,  sondern 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


79 


2.  Philli^sia  mucronata  n.  sp.  Taf.  8.  Fig.  26,  27;  Phillipsia  sp, 
F.  Roemer  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  570, 
Taf.  XIV,  Fig.  1 a,  b. 

Das  auffallendste  Merkmal  der  Art  ist  die  Verlängerung  des  Hinter- 
randes des  Pygidium  in  einen  spitzen  Stachel,  der  ‘jg  so  lang  wie  das 
übrige  Pygidium.  Die  zahlreichen  dicht  gedrängten  Ringe  der  Achse  des 
Pygidium  sind  fein  gekörnelt.  Die  Granulationen  sind  länglich,  thränen- 
förmig  und  oft  nicht  vollständig  von  einander  getrennt,  sondern  namentlich 
vorn  in  einander  fliessend.  Die  Seitenrippen  sind  fast  glatt.  Auf  den  grauen, 
äusserlich  braunen  zolldicken  Sandstein -Platten  bei  Golonog  sind  die 
Abdrücke  solcher  Pygidien  häufig.  Gewisse  Lagen  des  schwarzen  Schiefer- 
thones  von  Rosdzin  enthalten  in  grosser  Häufigkeit  Pygidien  von  ganz 
gleicher  Skulptur  der  Oberfläche,  aber  mit  gerundetem  Hinterrande  ohne 
Stachel.  Auf  der  Königs-Grube  fand  sich  ein  einzelnes  eben  solches 
Exemplar,  welches  ich  als  Phillipsia  sp.  aufgeführt  und  abgebildet  habe. 
Ich  halte  bei  der  vollständig  übereinstimmenden  Skulptur  der  Oberfläche 
diese  stachellosen  Pygidien  einer  nur  als  Varietät  von  der  Art  von  Golo- 
nog verschiedenen  Form  angehörend.  Das  Kopfschild  ist  selten  vollstän- 
dig erhalten  und  die  Glabella  ist  nur  mässig  gewölbt  und  glatt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  26.  Ansicht  des  Schwanzschildes 
ist  natürlicher  Grösse  nach  dem  Gutta-percha- Abgusse  eines  Abdrucks  im 
Sandstein  von  Golonog.  Fig.  27.  Ansicht  des  Kopfschildes  eines  kleinen 
Exemplars  von  Rosdzin. 

3.  Phillipsia  margaritifera  n.  sp.  Taf.  8.  Fig.  24,  25. 

Diese  Art  ist  durch  die  sehr  grobe  und  doch  zugleich  zierliche  Granu- 
lation der  Oberfläche  ausgezeichnet.  Das  Kopfschild  im  Besonderen  zeigt 
diese  grobe  Körnelung  in  der  Gestalt  halbkugeliger  Tuberkel.  Am  stärksten 
sind  dieselben  auf  dem  hinteren  Theile  der  Glabella.  Besonders  zierlich  ist 
die  Umgebung  der  Augen.  Die  elliptische  Sehfläche  des  Auges,  welche 
unter  derLoupe  sehr  feine  und  äusserst  zahlreiche  Facetten  zeigt,  wird  nach 
innen  durch  eine  mit  einer  Doppelreihe  von  Tuberkeln  gezierte  Wulst  be- 
grenzt. Der  äussere  Rand  des  Auges  wird  dagegen  durch  eine  einfache 
Reihe  von  Perlen  begrenzt.  Nur  die  das  Kopfschild  umgebende  Randwulst 
trägt  keine  groben  Körnchen,  sondern  ist  blos  mit  einigen  linienförmigen 
scharfen  Längsleisten  verziert,  zwischen  denen  man  nur  mit  der  Loupe 
ganz  feine  Knötchen  erkennt.  An  den  Hinter  ecken  verlängert  sich  diese 


nur  die  wichtigeren;  diese  sind  zum  Theil  nach  vollständigeren  Exemplaren  neu  gezeichnet.  Die 
Fig.  24  und  25,  Ansichten  des  Kopfschildes  von  Phillipsia  margaritifera^  sind  ganz  neu, 


80 


Steinkohlengebirge. 


Randwulst  in  kurze  Spitzen.  ^Der  das  Kopfschild  nach  hinten  begrenzende 
Nackenring  ist  dagegen  wieder  granulirt.  Der  Rumpf  und  das  Schwanz- 
schild haben  eine  ganz  ähnliche  grobe  Granulation  wie  das  Kopfschild. 

Unter  den  beschriebenen  Arten  ist  Phillipsia  Maccoyi  Portlock  Report, 
p.  309,  tab.  IX.,  Fig.  6 a,  b,  wegen  der  gleichfalls  sehr  groben  Granulation 
der  Oberfläche  mit  unserer  Art  zu  vergleichen,  aber  die  nach  Portio ck’s 
Angabe  sehr  geringe  Grösse  der  Glabella  unterscheidet,  abgesehen  von 
anderen  Merkmalen,  die  irländische  Art  sehr  bestimmt  von  der  unserigen. 

Vorkommen:  Dicht  neben  einander  liegen  drei  Exemplare  in  einem 
Schieferthonstücke  von  Ros dzin.'  Dieselben  sind  zwar  verdrückt,  aber 
die  ursprüngliche  Form  Hess  sich  mit  Sicherheit  wieder  hersteilen. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  24.  Ansicht  des  Kopfschildes 
in  natürlicher  Grösse.  Fig.  25.  Vergrösserte  Ansicht  desselben. 

4.  Orthoceras  sp.  Taf.  8.  Fig.  15,  16;  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol. 
Ges.  a.  a.  0.  S.  572,  Taf.  XIV.,  Fig.  3a,  3b. 

Eine  Art  von  der  Dicke  des  kleinen  Fingers,  welche,  weil  nur  in  der 
Form  von  Steinkernen  erhalten,  sich  specifisch  nicht  sicher  bestimmen  Hess. 
Der  Sipho  ist  excentrisch.  Meistens  finden  sich  nur  die  Steinkerne  der 
W ohnkammer.  Zuweilen  hat  sich  auch  ein  Stück  des  gekammerten  Theils 
des  Gehäuses  erhalten.  Die  Kammerwände  sind  so  genähert,  dass  etwa  sechs 
derselben  auf  eine  dem  Durchmesser  gleiche  Länge  des  Gehäuses  kommen. 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  auf  der  Carolinen-Grube  zu  den 
häufigsten  Fossilien.  Auch  auf  der  Königs-Grube  fanden  sich  Exemplare. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  15.  Ansicht  eines  Exemplars 
von  der  Carolinen-Grube  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite.  Fig.  16. 
Ansicht  des  unteren  Endes  mit  dem  excentrischen  Sipho. 

5.  Orthoceras  undatum  Flem.  Taf.  8,  Fig.  17, 18;  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  571,  tab.  XIV.,  Fig.  2 a,  2 b. 

Die  oberschlesischen  Exemplare  stimmen  mit  solchen  von  Carluke  in 
Schottland  vollständig  überein.  M’Coy  führt  die  Art  auch  aus  dem 
Kohlenschiefer  (coal-shale)  von  Glasgow  an. 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  zu  den  gewöhnlicheren  Arten  der  Fauna. 
Besonders  auf  der  Carolinen-Grube  ist  sie  häufig.  Einzelne  Exemplare 
Heferte  auch  die  Königs-Grube.  Alle  Exemplare  sind  übrigens  nur 
^|2  Zoll  bis  1 Zoll  lange  Fragmente  des  Gehäuses.  Unvollständige  Abdrücke 
des  Gehäuses  fanden  sich  auch  im  Sandsteine  von  Golonog. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  17.  Ansicht  eines  Exemplars  in 
natürlicher  Grösse  von  der  Seite.  Ein  Stück  der  Schale  ist  erhalten.  Fig.  18. 
Ansicht  des  unteren  Endes  mit  dem  sub centralen  Sipho. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


81 


6.  Orthoceras  sp. 

Ein  5 Zoll  langes  und  am  unteren  Ende  gegen  2 Zoll  breites  Exemplar 
ohne  Schale  von  Rosdzin  liegt  vor.  Dasselbe  ist  in  graugelben  krystalli- 
nischen  Kalk  versteinert.  Die  genauere  Artbestimmung  ist  bei  der  unvoll- 
kommenen Erhaltung  unthunlich.  Vielleicht  gehört  zu  derselben  Art  ein 
anderes  gleichfalls  in  gelblichen  krystallinischen  Kalk  versteinertes  mit  der 
Schale  erhaltenes  2 Zoll  langes  Fragment,  welches  durch  eine  eigenthüm- 
liche  Skulptur  der  Oberfläche  ausgezeichnet  ist.  Die  letztere  besteht  in 
feinen  dicht  gedrängten  horizontalen  Linien,  welche  sich  mit  eigenthümlicher 
Unregelmässigkeit  gabeln  und  wieder  zusammenfliessen. 

7.  Orthoceras  dilatatum  Kon.  Vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 
a.  a.  0.  S.  573.  Taf.  XIV.  Fig.  4a,  4 b. 

Sehr  rasches  Anwachsen  des  Durchmessers  des  Gehäuses  und  wellen- 
förmige Biegung  der  Kammerwands-Suturen  zeichnen  die  hier  zu  beschrei- 
bende Art  gleich  auf  den  ersten  Blick  aus.  Bei  einer  Länge  von  2 Zoll 
beträgt  die  Breite  des  oberen  Endes  1‘|.2  Zoll  und  diejenige  des  unteren 
Endes  11  Linien.  Der  Querschnitt  des  Gehäuses  ist  nicht  vollkommen 
kreisrund,  sondern  in  einer  Richtung  etwas  mehr  ausgedehnt.  Das  ganze 
Gehäuse  erscheint  daher  etwas  zusammengedrückt.  Auf  der  einen  der 
beiden  breiteren  Seiten  des  Gehäuses  beschreiben  die  Kammerwands- 
Nähte  zwei  flach  wellenförmige  Biegungen,  auf  der  entgegengesetzten  Seite 
dagegen  sind  sie  in  einfachem  Bogen  nach  auswärts  gewendet.  Die 
Kammerwände  sind  stark  convex.  Sie  liegen  so  nahe  aneinander,  dass 
sechs  auf  die  Länge  eines  Zolles  kommen.  Der  kleine  Sipho  durchbricht 
dieselben  nicht  genau  in  der  Mitte,  sondern  ist  anscheinend  der  Seite,  an 
welcher  die  Kammerwands  - Nähte  die  doppelte  wellenförmige  Biegung 
beschreiben,  etwas  mehr  genähert. 

Die  Identificirung  dieser  Art  mit  dem  Orthoceras  dilatatum  Kon.  (Recher- 
ches  sur  les  anim.  foss.  du  terr.  carbonif.  Belg.  p.  515,  tab.  XLV.  fig.  8) 
ist  keinesweges  sicher,  sondern  geschieht  hier  vorzugsweise  nur  auf  Grund 
der  in  dem  raschen  Anwachsen  des  Gehäuses  liegenden  Uebereinstimmung. 
Gewöhnlich  ist  bei  den  belgischen  Exemplaren  das  Anwachsen  noch  viel 
rascher  als  bei  der  hier  zu  beschreibenden  Form.  Es  kommen  jedoch  bei 
Chokier  auch  etwas  schlankere  Formen  vor,  welche  sich  der  hier  zu  be- 
schreibenden mehr  nähern. 

Vorkommen:  Von  den  beiden  vorliegenden  Exemplaren  stammt  das 
eine  vollständigere  von  der  Hohenlohe -Grube,  das  andere  von  der 
Königs-Grube  her. 


11 


82 


Steinkohlengebirge. 


8.  Orthoceras  telescopiolum  Ferd.  Roemer  in:  Zeitsclir.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  574,  Taf.  XIY.  Fig.  5. 

Eine  kleine  pfriemenförinige  Art  der  Gattung,  welche  durch  eine  zier- 
liche Skulptur  der  Oberfläche  ausgezeichnet  ist.  Die  Oberfläche  ist  nämlich 
mit  sehr  feinen,  aber  doch  mit  blossem  Auge  erkennbaren,  regelmässigen 
Längslinien  (gegen  30)  bedeckt  und  diese  werden  von  etwas  schwächeren 
Querlinien  in  der  Art  gekreuzt,  dass  eine  regelmässig  gegitterte  Skulptur 
entsteht.  Dabei  ist  die  Oberfläche  des  Gehäuses  zugleich  quer  geringelt. 
Namentlich  in  dem  oberen  Theile  sind  die  Querringe  stark  erhaben  und 
scharf  begrenzt.  Gegen  das  untere  zugespitzte  Ende  des  Gehäuses  dagegen 
werden  sie  undeutlich  und  an  ihrer  Stelle  treten  in  regelmässigen  Ent- 
fernungen kleine  Absätze,  an  denen  sich  der  Durchmesser  des  Gehäuses 
jedesmal  um  etwas  verringert.  Die  in  Absätzen  erfolgende  Verjüngung 
des  Gehäuses  erinnert  an  das  Verhalten  eines  ausgezogenen  Teleskops  mit 
dem  abnehmenden  Durchmesser  der  auf  einander  folgenden  Glieder.  Der 
Sipho  ist  central,  anscheinend  verhältnissmässig  ziemlich  gross. 

Unter  den  bekannten  Arten  der  Gattung  ist  keine,  die  mit  der  hier  zu 
beschreibenden  zu  verwechseln  wäre. 

Vorkommen:  Es  liegen  zwei  Exemplare  vor.  Ein  vollständigeres 
von  der  Hohenlohe-Grube,  und  ein  fragmentarisch  erhaltenes  von  der 
Königs-Grube. 

9.  Nautilus  suhsulcatus  Phillips,  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geolog. 
Ges.  a.  a.  0.  S.  575,  Taf.  XIV.,  Fig.  6 a,  6 b. 

Das  auffallendste  Merkmal  dieser  scheibenförmigen,  aus  kaum  mehr 
als  zwei  Umgängen  bestehenden  Art  liegt  in  der  subquadratischen  Form 
des  Querschnitts  der  Umgänge.  Der  ganz  flache  und  ebene  Rücken  setzt 
nämlich  fast  genau  rechtwinkelig  gegen  die  Seitenflächen  ab,  die  oberhalb 
ganz  eben  und  ungefähr  eben  so  breit  wie  der  Rücken  sind.  Die  Bauch- 
seite der  Umgänge  ist  allerdings  etwas  schmaler,  und  besteht  auch  nicht 
aus  einer  einzigen  Fläche,  sondern  aus  drei,  von  denen  die  beiden  äusse- 
ren und  schmaleren  stumpfwinkelig  gegen  die  Seitenflächen  geneigt  sind^ 
die  mittlere  breitere  etwas  concav  ist. 

Die  vorliegenden  Exemplare  sind  sämmtlich  Steinkerne  der  Wohn- 
kammer.  Deshalb  sind  denn  auch  die  Längskiele  der  Schalenoberfläche^ 
deren  Zahl  und  Vertheilung  nach  der  Angabe  der  verschiedenen  Autoren 
mannigfache  Abänderungen  zeigt,  nicht  zu  beobachten.  Nur  an  einem 
Stücke  ist  ausser  der  Wohnkammer  auch  die  vorletzte  Kammer  erhalten. 
An  diesem  Stücke  erkennt  man,  dass  die  Suturen  der  Kammerwände  auf 
den  Seiten  einen  stark  concaven  Rogen,  auf  dem  Rücken  einen  etwas 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


83 


flacheren  Bogen  beschreiben.  Der  massig  grosse  Sipho  liegt  weit  über  der 
Mitte^  dem  Rücken  genähert. 

Trotz  der  unvollständigen  Erhaltung  der  Stücke  ist  die  Bestimmung  der 
Art  zweifellos.  Mehrere  vor  mir  liegende  Exemplare  von  Carluke  in 
Schottland  stimmen  vollständig  mit  den  oberschlesischen  Exemplaren 
überein. 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  zu  den  häufigeren  Species  der  Fauna. 
Es  liegen  15  Exemplare  vor;  die  Mehrzahl  von  Hohenlohe- Grrube, 
einige  von  der  Königs-Grube.  Obgleich  aus  dem  Kohlenkalke  angeführt, 
so  scheint  doch  auch  in  anderen  Gegenden  die  Art  vorzugsweise  den 
Schiefern  des  produktiven  Steinkohlengebirges  anzugehören.  Sowerby 
bildet  sie  in  der  Abhandlung  von  Prestwich  von  Coalbrook  Dale  ab. 
M’Coy  kennt  sie  aus  dem  Kohlenschiefer  von  Craige  in  der  Grafschaft 
Kilmarnock  in  Schottland.  Mir  selbst  liegen  ausserdem  Exemplare 
aus  den  Köhlenschiefern  von  Carluke  in  Schottland  vor. 

10.  Nautilus  concavus  Sow.  Taf.  8,  Fig.  21,  22;  Prestwich,  on  the 
geology  of  Coalbrook  Dale.  in:  Geol.  Transact.  sec.  Ser.  Vol.  V. 
p.  492,  tab.  40,  Fig.  6.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  p.  57 6, 
tab.  XIV.  Fig.  7. 

Eine  feine  erhabene  Längslinie  in  der  Mitte  der  flachen  oder  ganz  leicht 
concaven  Rückenfläche  bildet  das  auszeichnendste  Merkmal  dieser  Art. 
Sonst  ist  die  allgemeine  Gestalt  derjenigen  der  typischen  Nautilen  der  jün- 
geren Formationen  ähnlich.  Das  Gehäuse  ist  stark  involut  und  die  Um- 
gänge wachsen  sehr  rasch  in  der  Höhe.  Der  tiefe  Nabel  ist  durch  fast 
senkrechte  Wände  t)egrenzt.  Die  Bauchseite  der  Umgänge  ist  für  die  Auf- 
nahme der  vorhergehenden  tief  ausgehöhlt.  Der  mässig  grosse  Sipho  ist 
nicht  central,  sondern  etwas  mehr  der  Bauch-  als  der  Rückenseite  ge- 
nähert. Die  Suturen  der  Kammer  wände  laufen  ohne  merkliche  Inflexion 
quer  über  den  Rücken.  Die  Grösse  ist  unbedeutend  und  scheint  2 Zoll 
nicht  zu  übersteigen.  Die  meisten  der  vorliegenden  Bruchstücke  lassen 
kaum  auf  eine  bedeutendere  Grösse  als  1 Zoll  im  Durchmesser  schliessen. 

Vor  mir  liegende  Exemplare  von  Coalbrook  Dale  zeigen  sich  mit 
den  Oberschlesischen  ganz  übereinstimmend.  Nur  scheint  meistens  der 
Rücken  bestimmter  concav  als  bei  den  Oberschlesischen  zu  sein. 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  zu  den  häufigsten  Fossilien  der  Fauna. 
Es  liegen  gegen  30  Exemplare  derselben  vor;  die  meisten  von  der 
Hohenlohe-Grube,  die  übrigen  von  der  Königs-Grube.  Die  meisten 
Exemplare  sind  Steinkerne  der  Wohnkammer  und  sind  hinten  durch  die 
letzte  Kammer  begrenzt.  Sonst  ist  die  Art  nur  von  Coalbrook  Dale 

11* 


84 


Steinkohlengebirge. 


bekannt.  Sie  gehört  zu  den  Arten,  welche  die  Aehnlichkeit  der  fossilen 
Fauna  von  Coalbrook  Dale  mit  derjenigen  von  Oberschlesien  be- 
gründen. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  21.  Ansicht  eines  Exemplars 
gegen  die  Rückseite  in  natürlicher  Grösse.  Am  unteren  Ende  ist  die  Sutur 
der  letzten  Kammerwand  sichtbar.  Fig.  22.  Ansicht  einer  Kammerwandj 
die  Form  des  Querschnittes  der  Umgänge  und  die  Lage  des  Sipho  zeigend. 

11.  Nautilus  nodoso-carinatus  Ferd.  Roemer.  Taf.  8,  Fig.  19;  Zeit- 
schrift der  Deutsch,  geolog.  Ges.  a.  a.  0.  S.  577,  Taf.  XIV.  Fig.  8. 

Diese  Art  gehört  in  die  nächste  Verwandtschaft  des  Nautilus  Koninckii 
d’Orb.  (Nautilus  cariniferus  Kon.,  non  So w.)  der  im  Kohlenkalke  von 
Tournay  nicht  selten  ist.  Wie  bei  diesem  ist  der  breite  Rücken  mit  meh- 
reren Längskielen  versehen  und  in  der  Mitte  vertieft,  die  Umgänge  höher 
als  breit  und  die  Mitte  des  Nabels  von  einer  weiten  OelFnung  durchbohrt. 
Aber  die  Form  des  Querschnitts  der  Umgänge  ist  verschieden.  Während 
derselbe  bei  der  belgischen  Art  trapezförmig  ist,  so  hat  er  bei  der  Ober- 
schlesischen Art  eine  subrectanguläre  Gestalt.  Die  Höhe  der  Umgänge  ist 
fast  doppelt  so  gross  als  die  Breite.  Der  mässig  grosse  Sipho  ist  subcentral, 
doch  etwas  mehr  der  Rücken-  als  der  Bauchfläche  genähert.  Die  Suturen 
der  Kammerwände  bilden  auf  der  Mitte  des  Rückens  eine  starke  stumpf- 
winkelige Inflexion. 

Vorkommen:  Es  liegen  ein  in  Schwefelkies  versteinertes  fast  voll- 
ständiges Exemplar  und  zwei  Fragmente  von  der  Carolinen-Grube  vor. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  19.  Ansicht  des  vollständigsten 
der  vorliegenden  Exemplare  in  natürlicher  Grösse  \^n  der  Seite.  Die 
Suturen  der  Kammerwände  sind  sichtbar.  Fig.  20.  Ansicht  der  convexen 
Fläche  einer  Kammerwand  mit  dem  Sipho. 

12.  Goniatites  diadema.  Köninck.  Taf.  8,  Fig.  14;  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geolog.  Ges.  a.  a.  0.  S.  578.  Taf.  XV.  Fig.  1 a,  Ib,  Ic. 

Die  Exemplare  des  oberschlesischen  Steinkohlengebirges  sind  auf  den 
ersten  Blick  sehr  verschieden  von  dem  Goniatiten  der  schwarzen  Kalk- 
nieren von  Chokier  bei  Lüttich,  welchen  Goldfuss  und  nach  ihm  Bey- 
rich  als  Ammonites  diadema  aufgeführt  haben.  Sie  sind  namentlich  viel 
grösser  und  stärker  zusammengedrückt  als  die  Form  von  Chokier,  wie 
sie  in  der  Abbildung  und  Beschreibung  von  Beyrich  erscheint.  Einige 
der  oberschlesischen  Exemplare  haben  mehr  als  2 Zoll  im  Durchmesser, 
während  die  grösste  Dicke  wenig  über  ^j2  Zoll  beträgt.  Dabei  ist  der 
Rücken  namentlich  solcher  grösseren  Exemplare  flach  und  fast  rechtwinke- 
lig gegen  die  Seitenflächen  des  Gehäuses  abgesetzt.  Dennoch  scheint  kein 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


85 


specifischer  Unterschied  vorhanden  zu  sein,  denn  die  Loben  sind  wesent- 
lich dieselben  und  einzelne  kleinere  Exemplare  nähern  sich  auch  in  der 
allgemeinen  Gestalt  mehr  der  typischen  Form  von  Chokier. 

Vorkommen:  Dieser  Goniatit  gehört  zu  den  häutigeren  Arten  der 
Fauna.  Es  liegen  22  mehr  oder  minder  vollständige  Exemplare  derselben 
vor*  die  meisten  von  der  Carolinen-Grube,  einige  von  der  König s- 
Grube.  Nachdem  der  Aufsatz  in  der  Zeitschrift  der  Deutschen  geologi- 
schen Gesellschaft  bereits  veröffentlicht  war,  erhielt  ich  durch  Herrn  Kör- 
fer  kleine,  Zoll  grosse,  in  glänzenden  Schwefelkies  verwandelte  Exem- 
plare von  der  Carolinen-Grube,  welche  mit  den  Exemplaren  von 
Chokier  auch  die  dem  Mundrande  parallelen  Einschnürungen  gemein 
haben.  Auch  überall  sonst  gehört,  so  weit  bekannt,  der  Goniatites  diadema 
dem  produktiven  Kohlengebirge  an  und  scheint  nirgends  in  den  Kohlenkalk 
hinabzureichen.  So  namentlich  bei  Chokier  und  nach  de  Köninck  auch 
in  dem  Schiefer  von  Am p sin  bei  Huy. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  14.  Ansicht  eines  der  grössten 
der  vorliegenden  Exemplare  von  der  Carolinen-Grube  in  natürlicher 
Grösse  von  der  Seite. 

13.  Goniatites  Listen.  Phi  11.  Taf.  8,  Fig.  12,  13;  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geolog.  Ges.  a.  a.  0.  S.  580.  Taf.  XV.  Fig.  2a,  2b. 

Die  Ob  er  schlesischen  Exemplare  gleichen  viel  mehr  der  Form,  welche 
Goldfuss  nach  Exemplaren  aus  dem  Steinkohlengebirge  von  Werden 
an  der  Ruhr  Ammonites  carhonarius  genannt  hat,  als  der  typischen  Form, 
welche  Martin  und  Sowerby  aus  dem  Kohlenschiefer  von  Halifax  in 
Yorkshire  beschrieben  haben  und  welche  in  so  grosser  Häufigkeit  in  den 
schwarzen  Kalknieren  von  Chokier  bei  Lüttich  vorkommt.  Namentlich 
sind  die  Querfalten  viel  schwächer  als  gewöhnlich  bei  den  Exemplaren  von 
Chokier  und  erscheinen  nur  als  feine  undeutliche  Linien. 

Vorkommen:  Dieser  Goniatit,  obgleich  weniger  häufig  als  der  Gonia- 
tites diadema,  gehört  doch  zu  den  gewöhnlicheren  Arten  der  Fauna.  Auch 
überall  sonst  scheint  der  Goniatites  Listen  einem  höheren  Niveau  als  dem 
Kohlenkalk  anzugehören.  So  namentlich  bei  Chokier  und  an  anderen 
Punkten  in  Belgien,  auf  der  Grube  Hoffnung  bei  Werden  (Ammonites 
carhonarius  Goldf.),  bei  Halifax  in  Yorkshire,  ferner  bei  Sheffield, 
Saddle  worth,  Colne  und  Holmfirth  nach  Phillips. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  12.  Ansicht  eines  der  vollstän- 
digsten der  vorliegenden  Exemplare  von  der  Carolinen-Grube  in  natür- 
licher Grösse  von  der  Seite.  Fig.  13.  Ansicht  desselben  Exemplares  im 
Profil  gegen  die  Mündung  gesehen. 


86 


Steinkohlengebirge. 


14.  Bellerophon  TJrii  Plem.  Taf.  8,  Fig.  10,  11^  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  582,  Taf.  XV.  Fig.  Sa,  3b,  4 (male). 

Die  gewöhnliche  Erscheinungsweise,  welche  dieser  Bellerophon  in  Ober- 
schlesien zeigt,  lässt  die  für  die  Art  bezeichnenden  Merkmale  so  wenig 
hervortreten,  dass,  wenn  er  in  dieser  allein  vorläge,  nimmermehr  der 
Bellerophon  TJrii  der  Englischen  Autoren  darin  erkannt  werden  würde.  Die 
meisten  Exemplare  sind  aus  gelblichgrauem  Sphärosiderit  bestehende  Stein- 
kerne mit  glatter  Oberfläche  und  12  bis  25  Millim.  Breite  an  der  Mündung. 
In  der  allgemeinen  Gestalt  gleichen  diese  Steinkerne  etwa  dem  Bellerophon 
tenuifascia.  Selten  und  gewöhnlich  nur  dann,  wenn  die  Versteinerungs- 
masse in  Schieferthon  übergeht,  ist  auch  die  Mündung  des  Gehäuses  .erhal- 
ten. Diese  zeigt  dann  feine  bogenförmige  Anwachsstreifen  und  unregel- 
mässig wellige  Querfalten  sowie  in  der  Mitte  einen  etwa  5 Mm.  langen  und 
l‘j2Mm.  breiten  Längsspalt.  Uebrigens  ist  die  Oberfläche  der  gewöhnlichen 
Steinkerne  glatt.  Kleinere  Steinkerne  von  5 bis  8 Mm.  Breite  lassen  nun 
aber  häufig  eine  Längsreifung  der  Oberfläche  erkennen.  Am  deutlichsten  ist 
diese  Längsreifung  bei  gewissen  Exemplaren  wahrzunehmen,  bei  welchen 
der  Umgang  plötzlich  eine  Knickung  oder  knieförmige  Umbiegung  erleidet, 
’Vvobei  der  umgebogene  Theil  der  Windung  zugleich  plötzlich  in  Schiefer- 
thonmasse übergeht.  Während  dann  die  Oberfläche  des  übrigen  aus  hell- 
farbigem Sphärosiderit  bestehenden  Steinkernes  ganz  glatt  erscheint,  so 
sind  auf  dem  aus  schwarzem  Schieferthon  bestehenden  Theile  des  Um- 
gangs die  Reifen  oft  in  völliger  Deutlichkeit  erhalten.  Die  Zahl  der  Reifen 
beträgt  gegen  20.  Die  Zwischenräume  sind  zuweilen  doppelt  so  breit  als 
die  Reifen  selbst,  oft  aber  auch  kaum  breiter  als  die  letzteren.  Zuweden 
sind  Andeutungen  der  Längsreifen  auch  auf  den  aus  hellfarbigem  Sphäro- 
siderit bestehenden  Theil  der  Steinkerne  zu  verfolgen.  Da  die  in  der  an- 
gegebenen Weise  längsgereiften  kleineren  Exemplare  in  der  Form  völlig 
mit  den  grösseren  glatten  Steinkernen  übereinstimmen,  so  ist  nicht  daran 
zu  zweifeln,  dass  sie  derselben  Art  wie  diese  angehören.  De  Köninck 
giebt  nun  auch  bei  der  Beschreibung  des  Bellerophon  TJrii  ausdrücklich  an, 
dass  die  letzte  Hälfte  des  äusseren  Umgangs  glatt  ist. 

Vorkommen:  Die  Art  ist  das  häufigste  Fossil  der  ganzen  Fauna.  Es 
liegen  gegen  300  Exemplare  von  der  Carolinen- Grube  und  von  der 
Königs-Grube  vor.  Auch  in  den  Sandsteinschichten  von  Golonog  und 
von  Koslowagora  wurde  die  Art  gesammelt.  Eine  Sandstein-Platte  von 
Golonog  ist  mit  den  Abdrücken  gereifter  Exemplare  dicht  bedeckt.  Sonst 
kennt  man  die  Art  auch  aus  Schottland,  England,  Belgien  und  Nord- 
Amerika,  und  zwar  theils  aus  dem  Kohlenkalke,  theils  aus  dem  pro- 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


87 


duktiven  Steinkohlengebirge  (cool  measures).  In  der  deutlichsten  und  voll- 
kommensten Erhaltung  findet  sie  sich  in  den  Kohlenschiefern  von  Carluke 
bei  Glasgow.  Die  Hauptentwickelung  der  Art  fällt  jedenfalls  in  ein  über 
dem  Kohlenkalke  liegendes  Niveau  des  Steinkohlengebirges. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  8.  Ansicht  eines  ausgewachsenen 
Exemplars  von  der  Carolinen-Grube  in  natürlicher  Grösse,  gegen  den 
Rücken  gesehen.  Fig.  9.  Ansicht  desselben  Exemplars  von  der  Seite.  Fig.  1 0. 
Ansicht  eines  kleinen  Exemplars  mit  zum  Theil  erhaltenen  Spiralreifen,  gegen 
den  Rücken  gesehen,  Fig.  11.  Ansicht  eines  noch  kleineren  Exemplars  mit 
vollständig  erhaltenen  Spiralreifen  von  demselben  Fundorte,  von  der  Seite. 

15.  Littorina  (?)  obscura.  Sow.  Taf.  8,  Fig.  23;  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.'a.  a.  0.  S.  584,  Taf.  XV.,  Fig.  5. 

Steinkerne,  welche,  abgesehen  von  der  etwas  geringeren  Grösse,  gut 
zu  der  von  Sowerby  gegebenen  Abbildung  passen.  Die  Gattungsbe- 
stimmung betreffend,  so  beruht  sie  natürlich  lediglich  auf  der  allgemeinen 
Aehnlichkeit  des  Habitus.  Wären  nicht  marine  Fossilien  die  Begleiter, 
so  würde  man  auch  an  Paludina  denken  können. 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  zu  den  häufigeren  Species  auf  der 
Carolinen-Grube  und  auf  der  Königs -Grube.  Auch  im  Sandsteine  bei 
Golonog  wurde  ein  Exemplar  gesammelt.  Die  Art  ist  durch  Sowerby 
von  CoalbrookDale  beschrieben.  Sie  gehört  also  zu  denjenigen,  welche 
die  oberschlesische  Fauna  mit  derjenigen  der  genannten  englischen  Loka- 
lität verbinden. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  23.  Ansicht  eines  als  Steinkern 
erhaltenen  Exemplars  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite. 

16.  Änthracosia  (?)  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  584, 
Taf.  XV.,  Fig.  6. 

Die  Zugehörigkeit  zur  Gattung  Änthracosia  ist  keinesweges  zweifellos, 
sondern  wurde  lediglich  vermuthungs weise  angenommen. 

Vorkommen:  Nur  ein  einziges  Exemplar  von  der  Hohenlohe- 
Grube  liegt  vor. 

17.  Änthracosia  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  585, 
Taf.  XV.  Fig.  7. 

Die  Zugehörigkeit  zu  der  Gattung  Änthracosia  ist  ebenso  zweifelhaft 
als  bei  der  vorhergehenden  Art.  Durch  den  quer  ovalen  Umriss  und  die 
nach  vorn  gerückte  Lage  der  Wirbel  erinnert  die  Art  an  TJnio  parallelus 
Sow.  von  Coalbrook  Dale. 

Vorkommen:  Nur  ein  einziges  etwas  verdrücktes  Exemplar  von  der 
Königs-Grube  liegt  vor. 


88 


Steinkohlengebirge. 


18.  Schizodus  sulcatus  Bronn  (?),  Vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol. 

Ges.  a.  a.  0.  S.  Taf.  XV.,  Fig.  Sa,  8b. 

Der  einzige  vorliegende  Steinkern  von  der  Carolinen-Grube  hat  den 
subtriangulären  Umriss  und  den  übrigen  allgemeinen  Habitus  von  Schizodus. 
Er  passt  im  Ganzen  gut  zu  der  Abbildung  der  Donax  (?)  sulcata  Sow.  von 
Coalbrook  Dale,  doch  ist  er  kleiner  und  weniger  nach  hinten  verlängert. 

19.  Leda  attenuata  Flem.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0. 

S.  568,  Taf.  XV.,  Fig.  9 a,  9 b,  9 c,  9 d. 

Die  meisten  der  vorliegenden  Exemplare  sind  Steinkerne,  welche  un- 
zweifelhaft die  Merkmale  der  Gattung  Nucula  zeigen  und  namentlich  auch 
längs  des  Schlossrandes  die  bezeichnende,  durch  den  Abdruck  der  kamm- 
förmigen Schlosszähne  bewirkte  Zickzacklinie  erkennen  lassen. 

Vorkommen:  Auf  der  Carolinen-  und  auf  der  Königs-Grube 
nicht  selten!  In  der  vollkommensten  Erhaltung  kommt  die  Art  in  den 
Kohlenschiefern  von  Glasgow  vor.  Phillips  führt  sie  von  Northum- 
berland  aus  Schichten  über  dem  Kohlenkalk  (Yoredale  rocks),  aber  auch 
aus  dem  Kohlenkalk  von  Bo  11  and  in  Yorkshire  auf. 

20.  JSfucula  gibhosa,  Flem.;  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0. 

S.  587,  Taf.  XV.,  Fig.  10a,  10b,  10c. 

Die  meisten  der  vorliegenden  Exemplare  von  der  Carolinen-Grube 
sind  Steinkerne,  welche  die  Gattungsmerkmale  von  Nucula  zwar  unzweifel- 
haft an  sich  tragen,  eine  sichere  specifische  Bestimmung  dagegen  nicht 
erlauben.  Glücklicher  Weise  wurde  aber  auch  ein  einzelnes  mit  der  Schale 
erhaltenes  Exemplar  entdeckt.  Dieses  stimmt  vollständig  mit  vortrefflich 
erhaltenen  Exemplaren  aus  dem  Kohlenschiefer  von  Carluke  bei  Glas- 
gow überein. 

21.  Ärca  Lacordairiana.  Köninck  (?);  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 

a.  a.  0.  S.  588,  Taf.  XV.  Fig,  11. 

Das  einzige  vorliegende  Exemplar  von  der  Carolinen-Grube  passt 
ziemlich  gut  zu  der  Beschreibung  und  Abbildung  de  Köninck’ s. 

22.  Pecten  sp.?  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a,  0.  S.  589,  Taf. 

XV.,  Fig.  12. 

Die  Oberfläche  ist  mit  feinen  concentrischen  Anwachslinien  bedeckt. 
Ausserdem  ist  eine  unregelmässig  radiale  Skulptur  erkennbar.  Bei  genaue- 
rer Prüfung  sieht  man  jedoch,  dass  diese  letztere  nicht  eine  ursprüngliche 
ist,  sondern  in  unregelmässigen  kleinen  Falten  besteht,  welche  augenschein- 
lich durch  Pressung  und  Quetschung  der  Schale  während  des  Versteinerungs- 
processes  entstanden  sind,  ähnlich  wie  dergleichen  bei  Posidonomya  Becheri 
Vorkommen. 


Produktives  Steirikohlengebirge  oder  Steiiikohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


89 


23.  Pecten  interstitialis  Phill.  ? Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0. 
S.  589.  Taf.  XV.,  Fig.  13. 

Die  specifisehe  Bestimmung  dieser  Art  ist  ganz  unsicher,  da  einerseits 
Phillips’  Beschreibung  und  Abbildung  zu  unvollkommen  sind,  um  eine 
scharte  Vergleichung  zu  erlauben  und  andererseits  auch  nur  ein  nicht  ganz 
vollständig  erhaltenes  Exemplar  von  der  Carolinen-Grube  vorliegt.  Die 
starken  erhabenen  Radiallinien  vermehren  sich  gegen  den  Umfang  hin  sehr 
rasch  durch  Einsetzen  neuer.  Sie  lassen  eine  undeutliche  Reifung  oder 
Körnelung  wahrnehmen.  Auch  die  Ohren  tragen  solche  Radiallinien. 

24.  Productus  longispinus  Sow.  Taf.  8,  Fig.  2,  3;  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges. -a.  a.  0.  S.  589,  Taf.  XVL,  Fig.  1 a,  Ib. 

Die  zahlreichen  vorliegenden  Exemplare  dieser  wohl  bekannten  und 
weit  verbreiteten  Art,  deren  Merkmale  und  Synonymie  Davidson  neuer- 
lichst genau  festgestellt  hat,  stimmen  in  jeder  Beziehung  mit  denjenigen 
anderer  Lokalitäten  überein.  Namentlich  zeigen  sie  auch  die  gewöhnliche 
Grösse.  In  dieser  Beziehung  halten  sich  die  zahlreichen  Exemplare  in 
verhältnissmässig  sehr  engen  Grenzen.  Während  die  grössten  Exemplare 
15  Mm.  lang  und  19  Mm.  breit  sind,  so  messen  die  kleinsten  12  Mm.  in 
der  Breite  und  10  Mm.  in  der  Länge.  Alle  sind  mit  einem  deutlichen,  schon 
unfern  von  den  Wirbeln  beginnenden,  mittleren  Sinus  in  der  grösseren 
Klappe  versehen.  Die  35  bis  40  gerundeten  ausstrahlenden  Rippen  oder 
Linien  der  grösseren  Klappe  sind  ziemlich  ungleich.  Sie  vermehren  sich 
durch  Einsetzen  und  vereinigen  sich  andererseits  wieder  gegen  den  Stirn- 
rand hin  zum  Theil.  Von  den  für  die  Art  bezeichnenden  langen  dünnen 
Stacheln  ist  an  keinem  der  zahlreichen  vorliegenden  Exemplare  auch  nur 
eine  Spur  erhalten.  Dagegen  bemerkt  man  auf  der  grösseren  Klappe  ein- 
zelne unregelmässig  zerstreute  linearische  Grübchen  auf  der  oberen  Fläche 
der  Rippen,  welche  wohl  die  Narben  der  Stacheln  sind.  Die  ohrförmigen 
Ecken  des  Schlossrandes  treten  sehr  wenig  vor  und  sind  bei  den  meisten 
Exemplaren  gar  nicht  bemerkbar.  Die  grösste  Breite  der  Schale  ist  nicht 
am  Schlossrande,  sondern  liegt  viel  weiter  gegen  die  Stirn  hin. 

Vorkommen:  Die  Art  ist  nächst  dem  Bellerophon  ürii  das  häufigste 
Fossil  der  ganzen  Fauna.  Es  liegen  mehr  als  200  Exemplare  vor.  Die 
meisten  von  der  Carolinen-Grube,  einige  von  der  Königs-Grube. 
Kleine  Exemplare  fanden  sich  in  unvollkommener,  aber  doch  eine  sichere 
Bestimmung  zulassender  Erhaltung  auf  dem  Skalley-Schachte  der 
Königin-Louise-Grube  bei  Zabrze.  Anderwärts  gehört  diese  weit 
verbreitete  Art  theils  dem  Kohlenkalke,  theils  dem  produktiven  Steinkohlen- 
gebirge an.  ln  letzterem  kommt  sie  namentlich  auch  bei  Glasgow  vor. 


90 


Steinkohlengebirge. 


Sehr  schön  erhaltene  mir  vorliegende  Exemplare  von  dort  stimmen  bis 
auf  eine  etv^as  bedeutendere  Grösse  vollständig  mit  den  Oberschlesischen 
überein. 

Erklärung  der  Abbildungen;  Fig.  2.  Ansicht  in  natürlicher 
Grösse  gegen  die  grössere  Klappe  gesehen.  Fig.  3.  Ansicht  gegen  die 
kleinere  concave  Klappe. 

25.  Productus  semireticulatus  Flem.  var.  (?)  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  590,  Taf.  XVI.,  Fig.  2. 

Kur  ein  einziges,  nicht  einmal  vollständiges  und  namentlich  etwas  ver- 
drücktes Exemplar  liegt  vor.  Eine  sichere  specifische  Bestimmung  ist  da- 
her nicht  zulässig. 

26.  Productus  pustulosus.  Phill.  Taf.  8,  Fig.  1.  Zeitschr.  der  Deutsch, 
geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  591,  Taf.  XVI.  Fig.  3 a,  3 b. 

Vorkommen:  Viel  seltener  als  der  Productus  longispinus.  Die  meisten 
der  vorliegenden  Exemplare  sind  von  der  Carolinen-Grube.  Die  Ab- 
bildung stellt  ein  Exemplar  der  kleineren  Klappe  von  Rosdzin  gegen  die 
Innenfläche  gesehen  dar.  Sonst  ist  die  Art  bekanntlich  von  vielen  Orten 
aus  dem  Kohlenkalke  bekannt.  Das  Vorkommen  im  produktiven  Stein- 
kohlengebirge wird  sonst  nicht  erwähnt. 

27.  Ortliis  resupinata  Köninck;  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a. 
0.  S.  591,  Taf.  XVI.  Fig.  4. 

Von  dieser  wohlbekannten,  im  Kohlenkalke  weit  verbreiteten  Art  liegen 
zwei  Exemplare  vor,  welche,  obgleich  verdrückt  und  unvollständig,  doch 
mit  Sicherheit  zu  bestimmen  sind. 

In  England  ist  die  Art  ebenfalls  an  mehreren  Orten  im  Kohlenschiefer 
beobachtet  worden. 

28.  Streptorhynchus  (Ortliis)  crenistria  Davidson;  Taf.  8,  Fig.  4,  5; 
Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  592,  Taf.  XVI., 
Fig.  5. 

Sehr  häufig  bei  Golonog  in  grossen  wohl  erhaltenen  Exemplaren. 
Selten  auf  der  Carolinen-Grube.  Uebrigens  wird  die  Art  auch  in  Eng- 
land aus  Schichten  des  eigentlichen  Steinkohlengebirges  über  dem  Kohlen- 
kalke aufgeführt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  4.  Ansicht  der  grösseren  (Ven- 
tral-) Klappe  in  natürlicher  Grösse  nach  einem  Exemplare  von  Golo- 
nog. Fig.  5.  Ansicht  des  mittleren  Längsschnittes  durch  die  vereinigten 
Klappen. 

29.  Chonetes  Hardrensis  Phill.  Taf.  8,  Fig.  6,  7. 

Diese  im  Kohlenkalke  weit  verbreitete  Art,  deren  Synonymie  durch 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  SteinkohJengebirge  im  engeren  Sinne. 


91 


Davidson  (Brit.  Carb.  Brachiop.  p.  186,  tab.  47,  fig.  12 — 18)  näher  fest- 
gestellt wurde,  ist  das  häufigste  Fossil  der  Sandsteinschichten  von  Koslo- 
wagora  bei  Neu  deck.  Auch  bei  Golonog  ist  sie  häufig.  In  dem  grauen 
Schieferthone  des  Skalley-Schachtes  auf  der  Königin-Louise- 
Grube  fanden  sich  Exemplare  einer  kleinen  Form  der  Art  zusammen  mit 
Productus  longispinus  und  Lingula  mytiloides. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  6.  Ansicht  eines  Exemplars  von 
Koslowagora  bei  Neu  deck.  Fig.  7.  Ansicht  des  mittleren  Längs- 
schnitts durch  die  vereinigten  Klappen. 

30.  Lingula  mytiloides  Sow.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0. 
S.  592,  Taf.  XVI.,  Fig.  6. 

Auf  der  Carolinen-Grube  und  bei  Zabrze. 

Die  Art  ist  von  vielen  Stellen  in  England,  Schottland  und  Irland 
und  zwar  vorzugsweise  aus  produktivem  Steinkohlengebirge  (coal  measures) 
bekannt.  So  namentlich  auch  von  Carluke  in  Schottland,  wo  sie  nach 
Davidson  ausserordentlich  häufig  ist. 

31.  Discina  nitida  Phill. ; Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a,  a.  0. 
S.  592,  Taf.  XVI.,  Fig.  7. 

Nur  ein  einziges  flach  zusammengedrücktes  Exemplar  der  oberen  freien 
Klappe  von  der  Carolinen-Grube  liegt  vor.  Es  stimmt  gut  mit  engli- 
schen Exemplaren  überein,  wenn  auch  eine  scharfe  Identificirung  bei  der 
Art  der  Erhaltung  nicht  möglich  ist. 

Discina  nitida  ist  an  vielen  Stellen  in  England,  Schottland  und 
Irland  beobachtet  worden  und  zwar  meistens  in  den  „Coal measures^^  z.  B. 
auch  bei  Coalbrook  Dale,  viel  seltener  im  Kohlenkalke. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  7.  Ansicht  der  grösseren  Klappe 
in  natürlicher  Grösse. 

32.  Poteriocrinus  granulosus  Phill.;  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 
a.  a.  0.  S.  593,  Taf.  XVI.,  Fig.  12. 

Es  liegen  zwei  bis  zum  Grunde  der  Arme  erhaltene  Kelche  von  der 
Königs- Grube  vor,  welche  gut  zu  den  von  Phillips  gegebenen  Abbil- 
dungen passen  und  die  Zusammensetzung  aus  den  einzelnen  Kelchtäf eichen 
vollständig  erkennen  lassen. 

3 3 . Poteriocrinus  crassus  Miller^' Taf.  8,  Fig.  28. 

Das  abgebildete  fast  fingerdicke  Säulenstück  von  Rosdzin  mit  grossen 
Narben  von  Ranken  stimmt  gut  mit  Belgischen  und  Englischen  Exemplaren 
überein.  Kleinere  auf  der  Carolinen-Grube  und  auf  der  Königs- 
Grube  gefundene  Säulenstücke  (vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 
a.  a.  0.  Taf.  XVI.,  Fig.  8 a,  8 b)  gehören  vielleicht  zu  Pot  granulosus, 

12* 


92 


Steinkohlengebirge. 


34.  Nöggerathia  sp.  (?)  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  594, 
Taf.  XVI.,  Fig.  9. 

Fein  längs  und  parallel  gestreifte,  blattförmige  Ausbreitungen,  welche 
nur  vorläufig  und  keinesweges  mit  Sicherheit  zur  Gattung  Nöggerathia 
gestellt  werden.  Das  grösste  der  vorliegenden  Exemplare  ist  90  Mm.  lang 
und  40  Mm.  breit  und  nicht  gerade,  sondern  leicht  bogenförmig  gekrümmt. 
Die  Substanz  des  Blattes  selbst  ist  übrigens  in  der  Form  einer  *|2  Mm.  dicken 
Kohlenrinde  erhalten. 

Vorkommen:  Es  liegt  ein  grösseres  Exemplar  und  mehrere  kleinere 
von  der  Carolinen -Grube  vor. 

35.  Calamites  sp.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  a.  a.  0.  S.  595, 
Taf.  XVI.,  Fig.  10. 

Fingersdicke  walzenrunde  Stengel  mit  sehr  regelmässigen  1 Mm.  brei- 
ten Längsreifen.  Quergliederungen  werden  an  keinem  der  vorliegenden 
Stücke  bemerkt,  aber  wohl  nur,  weil  die  Stücke  nicht  in  hinreichender  Länge 
erhalten  sind. 

36.  Trigonocarpum  Nöggerathi.  Brongn. ; Zeitschr.  der  Deutsch,  geol. 

. Ges.  a.  a.  0.  S.  595,  Taf.  XVL,  Fig,  11. 

Es  liegen  mehrere  Exemplare  vor  sowohl  von  der  Carolinen-Grube 
als  auch  von  der  Königs-Grube,  welche  vollständig  mit  Exemplaren 
dieser  weit  verbreiteten  Art  von  anderen  Fundorten  übereinstimmen.  Doch 
erreicht  keines  der  vorliegenden  Exemplare  die  Dimensionen  der  Exem- 
plare des  bekannten  Fundortes  von  Jägersfreude  bei  Saarbrücken, 
üebrigens  ist  die  Art  auch  sonst  aus  dem  Oberschlesischen  Steinkohlen- 
gebirge und  namentlich  von  Ornontow.itz  bekannt. 


Im  Ganzen  ist  das  Vorkommen  mariner  Conchjlien  in  der  die  Flötze  ein- 
schliessenden  oberen  Abtheilung  des  Steinkohlengebirges  über  dem  Kohlen- 
kalke ein  sehr  sparsames  und  vereinzeltes.  Ausgedehnte  und  durch  zahl- 
reiche Gruben  aufgeschlossene  Kohlenmulden  haben  bisher  gar  keine  Reste 
dieser  Art  geliefert.  Wenn  neben  den  überall  verbreiteten  Landpflanzen  in 
dem  eigentlichen  Kohlengebirge  überhaupt  thierische  Reste  sich  finden,  so 
sind  es  am  häufigsten  undeutliche,  verdrückte  Zweischaler,  die  früher 
meistens  zu  der  Gattung  Unio  gestellt,  später  von  King  als  der  eigenthüm- 
lichen,  wenn  auch  mit  Unio  nahe  verwandten  Gattung  Änthracosia  angehö- 
rig erkannt  wurden.  Die  Art,  wie  diese  Zweischaler  gewöhnlich  mit  Aus- 
schluss aller  anderen  Species  in  grosser  Zahl  der  Individuen  gesellig  Vor- 
kommen, erinnert  so  sehr  an  das  Vorkommen  von  gewissen  Zweischalern 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne.  93 

des  süssen  oder  brackischen  Wassers  in  verschiedenen  Abtheilnngen  des 
Flötzgebirges  und  in  der  Jetztwelt,  wie  namentlich  der  Cyrenen  in  dem 
Schieferthone  der  Weald-Bildung,  dass  sie  schon  hierdurch  mit  Wahrschein- 
lichkeit als  Süsswasserbewohner  bezeichnet  werden.  Das  passt  dann 
auch  zu  der  Häufigkeit  der  Landpflanzen  und  zu  der  herrschenden  Vor- 
stellung von  der  Entstehungsart  der  Kohlenflötze  als  durch  Druck  und 
chemische  Zersetzung  veränderter  Aggregate  von  Landpflanzen,  welche  in 
feuchten  dem  Meere  benachbarten  Niederungen  nach  Art  der  Pflanzen  in 
unseren  Torfmooren  wuchsen  und  nach  dem  Absterben  sich  übereinander 
anhäuften. 

Das  Vorkommen  mariner  Thiergeschlechter  in  der  die  Steinkohlenflötze 
umschliessenden  Reihenfolge  sandiger  und  thoniger  Schichten  setzt  noth- 
wendig  die  Depression  des  Festlandes  unter  den  Meeresspiegel  und  die 
Bedeckung  der  bisherigen  Landfläche  mit  Meerwasser  voraus  und  ebenso 
bestimmt  lässt  das  Vorhandensein  eines  Kohlenflötzes  über  den  Schichten 
mit  solchen  Resten  von  Meeresthieren  auf  die  nachherige  Erhebung  des 
Bodens  in  ein  über  dem  Meeresspiegel  liegendes  Niveau  schliessen^  da  die 
Anhäufung  der  Pflanz entheile,  aus  welchen  die  Kohlenflötze  entstanden, 
nur  auf  dem  Festlande  über  dem  Meeresspiegel  erfolgt  sein  kann.  Ent- 
schieden marine  Conchylien  sind  in  etwas  grösserer  Zahl  bisher  fast  nur 
*aus  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  Englands  und  Schottlands  bekannt 
gewesen.  Schon  vor  einer  Reihe  von  Jahren  hat  Prestwich^)  in  seiner 
Beschreibung  der  vom  Severn -Flusse  durchschnittenen  Kohlenmulde  von 
Coalbrook  Dale  eine  Aufzählung  von  marinen  Fossilien  aus  den  Schich- 
ten des  dortigen  produktiven  Steinkohlengebirges  gegeben.  Es  sind  Arten 
unzweifelhaft  nnd  ausschliesslich  mariner  Geschlechter,  wie  namentlich 
der  Gattungen  Terebratula,  Spirifer,  Productus,  Leptaena,  Lingula,  Discina 
(Orbicula),  Pecten,  Avicula,  Nucula,  Orthoceras,  Nautilus,  Bellerophon  und 
Conularia. 

Die  „Cool mecLsures^^  Yon  Coalbrook  Dale  bestehen  aus  dem  gewöhn- 
lichen Wechsel  von  Schieferthonen,  Sandsteinen  und  Kohlenflötzen.  In 
dem  oberen  kohlenarmen  Theile  der  Bildung  herrschen  Mergel,  Schiefer- 
thone und  in  dicken  Bänken  abgelagerte  etwas  kalkige  Sandsteine  vor. 
Die  untere  Abtheilung  dagegen  besteht  vorzugsweise  aus  Schieferthonen 
mit  Nieren  von  thonigem  Sphärosiderit,  harten,  zuweilen  in  Conglomerat 
übergehenden  Sandsteinen  und  zahlreichen  Kohlenflötzen.  Die  Mächtig- 


1)  On  the  geology  of  Coalbrook  Dale  by  Joseph  Prestwich  jiin.  in  Transactions  of  the 
geolog.  soc.  of  London.  Vol.  V.  Sec.  Ser.  1840.  p.  413 — 493. 


94 


Steinkohlengebirge. 


keit  der  ganzen  Bildung  beträgt  1000  bis  1100  Fuss.  Das  Liegende  wird 
durch  den  Kohlenkalk  und  wo  dieser  fehlt  durch  silurische  oder  devo- 
nische ( Old  red  sandstone)  Schichten  gebildet.  Das  unterste  Glied  der 
j,Coal  measures^\  mit  welchem  dieselben  auf  ihrer  Unterlage  aufruhen,  ist 
regelmässig  ein  sehr  festes  Kiesel-Conglomerat.  Auf  dieses  Conglomerat 
folgen  Schiefer  und  dünngeschichtete  Sandsteine  mit  verschiedenen  Kohlen- 
flötzen und  zahlreichen  Pflanzenresten  der  Gattungen  Lepidodendron, 
Sigillaria,  Stigmaria,  Calamites,  Sphenopteris,  Neuropteris  u.  s.  w.  und  in 
einer  dünnen  Lage  auch  mit  Zweischalern  der  Gattung  Anthracosia  (ünio). 

Darüber  liegt  eine  Schichtenfolge,  welche  reich  ist  an  kleinen  flachen 
Meren  von  thonigem  Sphärosiderit.  Diese  Eisensteinlager  führen  die 
Lokal-Benennung  Penneystone,  welche  dann  auch  auf  die  ganze  Schichten- 
gruppe angewendet  wird.  Eben  diese  Schichtenfolge  ist  es  nun,  welche  die 
marinen  Conchylien  enthält.  Sie  sind  meistens  in  die  Sphärosideritnieren 
eingeschlossen  und  grossentheils  vortrefflich  erhalten.  An  manchen  Stellen 
schliesst  fast  jede  der  Sphärosideritnieren  in  der  Mitte  einen  organischen 
Körper^ein.  Das  häufigste  Fossil  ist  Productus  scabriculus  Sow.  Nächst- 
dem  kommt  Spirifer  bisulcatus  in  zahlreichen  Exemplaren  vor.  Ausserdem 
dann  die  verschiedenen  Arten  von  Nautilus,  Bellerophon,  Conularia,  Pecten, 
Nucula,  Orbicula,  Lingula,  Cyathocrinus  (?)  (Säulenstücke)  u.  s.  w.  Auch 
Schuppen  und  Knochen  von  Megalichthys  Hibberti  und  Gyracanthus  sind 
nicht  selten.  Als  üeberreste  von  Süsswasserthieren  sind  die  hin  und  wie- 
der vorkommenden  Zweischaler  der  Gattung  Anthracosia  (Unio)  zu  deuten. 

Das  Niveau  betreffend,  welches  die  an  marinen  Thierresten  reiche  Lage 
des  Penneystone-Eisensieins  einnimmt,  so  liegt  sie  etwa  150  Fuss  über 
der  Basis  des  produktiven  Steinkohlengebirges  (Coal  measures). 
Die  bei  weitem  grössere  Hauptmasse  des  letzteren  in  einer  Mächtigkeit 
von  850  bis  950  Fuss  folgt  über  ihr.  Im  Ganzen  ist  daher  das  Niveau 
immer  noch  der  unteren  Grenze  des  produktiven  Steinkohlengebirges  ge- 
nähert. Die  über  dem  Penneystone  liegende  Hauptmasse  des  Steinkohlen- 
gebirges enthält  fast  nur  Pflanzenreste  der  gewöhnlichen  für  das  Stein- 
kohlengebirge bezeichnenden  Gattungen.  Die  üeberreste  von  Thieren 
beschränken  sich  auf  Zweischaler  der  Gattung  Anthracosia  (JJnio),  welche 
in  einigen  dünnen  Lagen  dicht  zusammengedrängt  sind,  ferner  auf  einige  bis- 
her nur  in  dieser  Lokalität  gefundene  zu  Limulus  gerechnete  Crustaceen, 
und  wenige  zerstreute  Exemplare  von  Piscina  ( Orbicula)  reflexa  und  von 
einer  Lingula-Kvi.  Nur  in  einer  einzigen,  wiederum  Sphärosideritnieren 
führenden  und  derjenigen  des  Penneystone  überhaupt  sehr  ähnlichen  Schicht, 
dem  ^yChance  Penneystone^^  kommen  noch  einmal  marine  Thiere  in  grösse- 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


95 


rer  Häufigkeit,  wenn  auch  in  viel  geringerer  Mannigfaltigkeit  vor.  Pro- 
ductus  scabriculus  namentlich  ist  so  häufig,  dass  an  manchen  Stellen  fast 
jede  Sphärosideritniere  ein  Exemplar  desselben  als  centralen  Kern  enthält. 
Ausserdem  wurden  Conularia  quadrisulcata,  Megalichthys  Hihherti  und  Gyva- 
canthus  formosus  in  dieser  Schicht  beobachtet.  Der  „ Chance  Penneystone^^ 
liegt  200  Fuss  über  dem  ,^Penneystone^^  und  fast  eben  so  tief  unter  der  obe- 
ren Grenze  des  produktiven  Steinkohlengebirges. 

Sehr  ähnlich  mit  demjenigen  von  CoalbrookDale  ist  ein  Vorkom- 
men mariner  Conchylien  in  dem  Schottischen  Steinkohlengebirge  in  der 
Gegend  von  Glasgow.  Namentlich  bei  dem  Dorfe  Carluke  in  Lanark- 
shire  ist  ein  derartiges  Vorkommen  bekannt.  Die  Erhaltungsart  der  dort 
auftretenden  Versteinerungen  gleicht  derjenigen  von  Coalbrook  Dale 
zum  Verwechseln.  Auch  der  Art  nach  sind  die  Conchylien  beider  Lokali- 
täten grossentheils  identisch.  Das  gilt  namentlich  von  Productus  longispi- 
nuSj  Leda  attenuata,  Nucula  gibbosa  und  Nautilus  bilobatus,  V^ie  bei  Coal- 
brook Dale  ist  es  auch  bei  Carluke  eine  bestimmte,  Sphärosideritnieren 
führende  Schicht  von  geringer  Mächtigkeit,  in  welcher  diese  marinen  Reste 
in  grosser  Häufigkeit  verkommen,  und  auch  hier  ist  es  die  untere  Abthei- 
lung des  produktiven  Steinkohlengebirges  (Coal  measures),  welcher  die 
Schicht  angehört.  In  dem  höheren  Theile  der  „ Coal  measures^^  in  der  Ge- 
gend von  Glasgow  finden  sich  mehrere  mit  Zweischalern  der  Gattung 
Anthracosia  erfüllte  Lagen  und  Reste  von  Fischen  aus  den  Gattungen 
Megalichthys  und  Gyracanthus. 

Seit  langer  Zeit  sind  marine  Conchylien  aus  dem  produktiven  Stein- 
kohlengebirge von  Yorkshire  und  den  angrenzenden  Grafschaften  des 
nördlichen  Englands  bekannt.  Schon  J.  Sowerby  hat  Goniatites  Listerij 
Aviculopecten  gapyraceus  und  Orthoceras  Steinhaueri  von  Halifax  beschrie- 
ben. Eine  grössere  Zahl  von  Arten  hat  später  Phillips  in  seiner  Geolo- 
gie von  Yorkshire  kennen  gelehrt.  Zugleich  hat  derselbe  Beobachter 
auch  nähere  Angaben  über  die  Art  des  Vorkommens  dieser  Fossilien  ge- 
macht. Sie  finden  sich  in  einer  ganz  bestimmten  Schicht  von  beschränkter 
Mächtigkeit,  welche  der  unter  der  Lokal-Benennung  „Ganister-Schichten- 
reihe  (Ganister  coal  seriesy^  in  dem  Lande  bekannten  unteren  Abtheilung 
der  „Coal  measures^^  angehört.  Die  Schicht  bildet  das  Hangende  (roof) 
eines  gewöhnlich  nur  etwa  16  Zoll  mächtigen,  über  einen  ausgedehnten 
Flächenraum  zu  verfolgenden  Kohlenflötzes,  welches  an  mehreren  Punkten 
in  der  Nähe  von  Leeds,  bei  Cathärine  Slack  und  Swan  Banks  bei 
Halifax,  bei  Bull  Houses  unweit  Penistone  und  endlich  an  verschie- 
denen westlich  von  Sheffield  gelegenen  Lokalitäten  abgebaut  wird.  Zum 


96 


Steinkohlengebirge. 


Theil  sind  die  marinen  Versteinerungen  der  Schicht  in  feste  Concretionen 
eingeschlossen,  welche  den  Lokal- Namen  „bäum  führen.  Dieselbe 
Ganister-Schichtenreihe  schliesst  aber  in  Yorkshire,  Derbjshire  und 
N orthumberland  auch  noch  zwei  mit  Süsswasser-Muscheln  der  Gattung 
Anthracosia  (ünio)  erfüllte  Lagen  ein,  von  welchen  die  eine  bedeutend 
über,  die  andere  bedeutend  unter  der  Schicht  mit  marinen  Fossi- 
lien liegt. 

Um  das  geognostische  Niveau,  welches  die  fragliche  Schicht  mit  mari- 
nen Fossilien  in  dem  nordenglischen  Steinkohlengebirge  einnimmt,  noch 
bestimmter  zu  erkennen,  wird  man  sich  der  Gliederung  der  nordenglischen 
Kohlenformation  erinnern  müssen. 

Nach  den  Untersuchungen  von  Phillips*)  lässt  das  englische  Stein- 
kohlengebirge, da,  wo  es  vollständig  entwickelt  ist,  fünf  Hauptgruppen 
unterscheiden,  nämlich: 

e.  Cool  formation  (upper  group), 
d.  Millstone  grit  (supramedial  group), 
c.  Yoredale  rocks  (medial  group), 
b.  Scar  limestone  (suhmedial  group), 
a.  Shales,  etc,  (lower  group). 

Häufig  fehlt  die  eine  oder  andere  dieser  Gruppen  und  noch  öfter 
schrumpft  eine  Gruppe,  welche  in  den  Gegenden  ihrer  Hauptentwickelung 
eine  Mächtigkeit  von  mehreren  hundert  Fuss  hat,  zu  einer  wenige  Fuss 
dicken  Schicht  zusammen.  So  ist  z.  B.  der  „Millstone  grif^  in  Derbjshire 
und  Yorkshire  gegen  800  Fuss  mächtig,  in  manchen  Gegenden  des  süd- 
lichen Englands  dagegen  nur  3 bis  6 Fuss. 

Die  oberste  Abtheilung  des  englischen  Steinkohlengebirges  oder  das 
eigentliche  produktive  Steinkohlengebirge  ( Coal  measures)  besteht  wie  in 
anderen  Ländern  aus  einem  Wechsel  von  Sandsteinen  und  Schieferthonen 
mit  eingeschalteten  Kohlenflötzen.  Ein  scharfer  petrographischer  Unter- 
schied gegen  die  Gesteine  der  unteren  Gruppen  findet  nicht  statt.  Es  ist 
nach  Phillips  lediglich  die  grössere  Häufigkeit  der  Flötze  und  das  Fehlen 
aller  Kalksteinschichten,  welche  die  „Coal  measures^^  vom  „Millstone  grif^ 
und  den  noch  tieferen  Gruppen  trennt. 

In  Betreif  der  besonderen  inneren  Gliederung  verhalten  sich  die  „Coal 
measures^^  in  den  verschiedenen  Kohlenbecken  Englands  verschieden.  In 
dem  Kohlenbassin  von  Yorkshire  besteht  nach  Phillips  nachstehende 
Gliederung: 


1)  Vergl.  Manual  of  Geology  by  John  Phillips.  London  and  Glasgow  1855.  p.  157. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


97 


1.  obere  Flötzgruppe  V 

(upper  coals)  ) 

2.  rothe  eisenschüssige 
Roberts  u.  s.  w. 


Shales  and  Badsworth  coal, 

Ackworth  rockj 
Wraghy  and  Sharlston  coals» 
grobe  Sandsteine  von  Woollejj  Hooton 


mittlere  Flötzgruppe 
(middle  coals)  j 


5.  untere  Elötzgruppe 
(lower  coals) 


Furnace  coals^ 
intermediate  coals, 
ironstone  coals. 

4.  Platten  “Sandstein  von  Woodhouse5  Bradford^  Eiland,  Pe- 
niston  u.  s.  ’w. 

Shales  and  ganister^')  stone, 
coals, 

shales  and  ganister  stone, 
coals,  ■ 
shales  etc. 

Die  „lower  coals^^  ruhen  unmittelbar  auf  dem  „Millstone  grit“  auf;  die 
„upper  coals^^  werden  vom  Zechstein  (magnesian  limestone)  abweichend 
bedeckt. 

Die  untere  Flötzgruppe  (lower  or  ganister  coal  series),  deren  Gesammt- 
Mächtigkeit  350  bis  400  Fass  beträgt,  ist  verhältnissmässig  arm  an  Kohlen 
und  die  Kohlen  sind  von  geringer  Güte.  Zwei  dünne,  aber  bauwürdige 
Flötze  liegen  der  unteren  Grenze  der  ganzen  Schichtenreihe  nahe.  Ausser- 
dem sind  mehrere  unbauwürdige  Lagen  vorhanden.  Eines  von  den  erste- 
ren  beiden  Flötzen  ist  dasjenige,  welches  in  grosser  Gleichförmigkeit  über 
einen  weiten  Flächenraum  zum  unmittelbar  Hangenden  (roof)  die  schon 
erwähnte  Schieferthonschicht  mit  marinen  Fossihen  hat.  Die  letzteren 
gehören  namentlich  den  Gattungen  Pecten,  Goniatites,  Nautilus  und  Ortho- 
ceras  an^). 

Aus  dem  Vorstehenden  ergiebt  sich,  dass  in  Yorkshire  und  in  den 
angrenzenden  Grafschaften  des  nördlichen  Englands  in  geringer  Höhe  über 
der  Basis  der  „Coal  measures‘‘  eine  dünne,  mit  Resten  mariner  Thier- 
geschlechter erfüllte  Schicht  vorhanden  ist,  während  den  oberen  Abtheilun- 
gen der  dortigen  „Coal  measures^^  solche  marine  üeberreste  fremd  sind. 


1)  „Ganister“  auch  „gaillard“  oder  „seatstone“  heisst  ein  besonders  fester  kieseliger  Sandstein, 
welcher  in  mehreren  Bänken  in  dieser  Schichteoreihe  erscheint  und  namentlich  auch  zuweilen  das 
unmittelbar  Liegende  der  Kohlenflötze  bildet,  was  in  den  oberen  Abtheilungen  der  „coal  measures“ 
niemals  der  Fall  ist,  indem  die  Flötze  dort  stets  auf  einer  eigenthümlichen  Lage  von  feinem  Thon  mit 
Stigmarien  aufruhen. 

S)  So  namentlich  Goniatites  Listeri,  Goniatites  diadema^  Nautilus  tuherculatm,  Orthoceras  Stein- 
haueri  und  Äviculo^ecten  papyraceus  belHalifax. 


13 


98 


Steinkohlengebirge. 


Das  ist  in  Uebereinstimmung  mit  dem  Verhalten  bei  CoalbrookDale, 
wo  die  Haupt- Anhäufung  der  marinen  Conchylien  ebenfalls  in  einer  der 
unteren  Grenze  der  „Coal  measures^‘  nahe  gelegenen  Schicht  stattfindet, 
während  allerdings  an  der  letzteren  Lokalität  einige  wenige  marine  Arten 
auch  noch  in  einem  höheren  Niveau  wiederkehren. 

Auch  das  produktive  Steinkohlengebirge  Belgiens  hat  ziemlich  zahl- 
reiche marine  Reste  geliefert.  Seit  langer  Zeit  sind  die  wohl  erhaltenen 
kleinen  Goniatiten  in  den  schwarzen  Kalknieren  bekannt,  welche  bei  Cho- 
kier  an  der  Maas  einer  den  Kohlenkalk  unmittelbar  bedeckenden  Alaun- 
schiefer-Schicht  untergeordnet  sind.  De  Köninck  führt  in  seinem  klassi- 
schen Werke  über  die  Fossilien  des  belgischen  Kohlenkalks  überhaupt 
25  Arten  von  Thieren  aus  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  auf  und 
bemerkt,  dass  sie  sämmtlich  specifisch  von  Arten  des  Kohlenkalks  ver- 
schieden seien. 

Die  Mehrzahl  der  Arten  sind  solche,  welche  auch  in  dem  produktiven 
Steinkohlengebirge  Englands  verkommen.  Das  gilt  namentlich  von  Aviculo- 
pecten  papyraceus,  Lingula  parallela,  Orthoceras  pygmaeum,  Ortlioceras  strigil- 
latum,  Nautilus  stygialis  (=  Nautilus  subsulcatus  Phi  11.  var.  bei  J.  D.  C.  So- 
werby),  Goniatites  diadema  und  Goniatites  Listen.  Die  Fundorte  dieser 
Arten  sind  Chokier  und  Lüttich.  An  beiden  Stellen  gehören  sie,  wie  in 
England,  einem  der  unteren  Grenze  des  produktiven  Steinkohlengebirges 
ganz  nahe  liegenden  Niveau  an. 

Auch  aus  dem  Steinkohlengebirge  Westphalens  sind  einzelne  unzweifel- 
haft marine  Thierformen  bekannt.  Schon  Goldfuss  führte  in  der 
V.  Dechen’ sehen  Bearbeitung  des  Handbuches  der  Geognosie  von  de  la 
Beche(1832)  Pecten papyraceus  und  Goniatites  carbonarius  aus  den  Kohlen- 
schiefern von  W erden  an  der  Ruhr  an.  Vollständigere  Angaben  über  das 
Vorkommen  mariner  Conchylien  in  dem  produktiven  Steinkohlengebirge 
Westphalens  haben  später  H.  v.  Dechen  und  Lottner  gemacht.  Nach 
Lottner^)  hat  sich  der  Goniatites  carbonarius,  der  irrthüralich  als  Goniatites 
sphaericus  bezeichnet  wird,  auf  der  Grube  Hoffnung  bei  Werden  un- 
mittelbar im  Hangenden  kehligen  Schieferthon  des  Flötzes  und  in  Sphäro- 
sideritnieren  einer  etwa  40  Zoll  höheren  Schieferthonlage  gefunden;  des- 
gleichen im  Hangenden  des  Flötzes  Schnellenschuss  der  Grube  Pauli- 
nens  Erbstollen;  ferner  auf  der  Grube  Redlichkeit,  im  Hangenden 
des  Flötzes  Heidenreich  bei  Di  Udorf,  in  einer  Schicht  circa  12  Lach- 


1)  Geognostische  Skizze  des  westphälischen  Steinkohleiigebirges.  Erläuternder  Text  zur 
Flötzkarte  des  westphälischen  Steinkohlengebirges  von  F.  H.  Lottner.  Iserlohn  1859. 


99 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne. 

ter  über  dem  Flötz  von  St.  Peter  bei  Vollraarstein,  auf  den  Gruben 
Flachsteich  bei  Wengern  und  Ver.  Schelle  und  Haberbank  bei 
Sprockhövel,  in  der  Eisensteingrube  Eeulahn  Vlll.  und  endlich  sehr 
zahlreich  in  Sphärosideritnieren  aus  einer  Schieferthonschicht  5 Lachter 
über  dem  sogenannten Stollenflötze  der  Eisensteingrube  Hiddingshausen. 
An  der  zuletzt  genannten  Stelle  wird  der  Goniatites  carbonarius  wie  auf  der 
Grube  Hoffnung  bei  Essen  von  Amculopecten  papyraceus  begleitet. 

An  allen  den  verschiedenen  Punkten,  an  welchen  diese  marinen  Fossi- 
lien in  dem  westphälischen  Steinkohlengebirge  verkommen,  ist  es  auch 
wieder  ein  der  unteren  Grenze  des  produktiven  Steinkohlen- 
gebirges nahe  liegendes  Niveau,  welchem  sie  angehören. 
Lottner  gliedert  das  ganze  flötzführende  Steinkohlengebirge  Westpha- 
lens  in  drei  Etagen,  eine  hangende,  eine  mittlere  und  eine  liegende, 
von  denen  eine  jede  durch  gewisse  Leit-Flötze  bezeichnet  wird.  In  der 
liegenden  Etage  nimmt  das  Leit-Flötz  Mausegatt  oder  Hundsnocken 
ein  Niveau  unter  der  Mitte  der  ganzen  Schichtenreihe  ein.  Alle  vorher 
genannten  Vorkommen  von  marinen  Fossilien  gehören  nun 
Schichten  zwischen  diesem  Flötze  und  der  unteren  Grenze 
des  produktiven  Steinkohlengebirges  an.  Nur  das  Vorkommen 
von  Ver.  Schelle  fällt  über  das  Leitflötz,  aber  ebenfalls  in  die  liegende 
Etage. 

Endlich  sind  auch  aus  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  Nord- 
Amerikas  zahlreiche  marine  Fossilien  bekannt,  über  welche  namentlich 
E.  T.  Cox  und  Leo  Lesquereux’)  in  dem  paläontologischen  Bericht  der 
geologischen  Aufnahme  des  Staates  Kentucky  werthvolle  Beobachtungen 
mitgetheilt  haben.  In  der  untersten  Abtheilung  des  produktiven  Steinkohlen- 
gebirges im  westlichen  Theile  des  Staates  Kentucky  ist  überall  eine  kleine 
Lingula-Art,  Lingula  umbonata  Cox,  welche  sehr  wahrscheinlich  mit  einer 
der  von  Davidson  beschriebenen  Formen  der  in  den  englischen  Kohlen- 
schiefern so  häufigen  mytiloides  Phill.  identisch  ist,  in  grosser  Zahl 

der  Individuen  verbreitet.  Ebenfalls  ganz  in  dem  unteren  Theile  des  pro- 
duktiven Steinkohlengebirges,  kaum  100  Fuss  über  dessen  unterer  Grenze, 
finden  sich  bei  Nolin  Iron  works  verschiedene  Cephalopoden.  Unter 
diesen  ist  die  als  Nautilus  ferratus  Cox  aufgeführte  Art  dem  bei  Coal- 
brook  Dale  häufigen  A/awÄ«  bilobaius  jedenfalls  sehr  nahe  verwandt, 
wenn  nicht  mit  ihm  identisch.  Ausserdem  kommen  nun  aber  im  westlichen 

1)  The  paleontological  Report  ofS.  S.  Lyon,  E.  T.  Cox  and  Le  o Lesquereux  as  prepared 
for  the  geological  report  of  Kentucky  and  published  in  Vol.  3.  Fraiikfort,  Kentucky  1857.  pag. 
515—576. 

13* 


100 


Steinkohlengebirge, 


Kentucky  zahlreiche  andere  marine  Arten  in  einem  bedeutend  höheren 
Niveau  vor.  Freilich  ist  aber  die  ganze  bekannte  Mächtigkeit  des  dorti- 
gen Steinkohlengebirges  nicht  bedeutend  und  vielleicht  fehlt  dort  ein  so 
ansehnlicher  Theil  der  ganzen  Schichtenreihe,  dass  in  Wirklichkeit  auch 
das  Niveau  der  zuletzt  erwähnten  marinen  Fossilien  noch  unter  die  Mitte 
der  ganzen  Kohlenbildung  fällt. 

Im  Ganzen  .liefern  die  Beobachtungen  über  das  Vorkommen  mariner 
Conchylien  in  dem  produktiven  Kohlengebirge  der  verschiedenen  Länder 
folgende  allgemeine  Ergebnisse. 

1.  Die  in  dem  produktiven  Steinkohlengebirge  vorkommenden  Meeres- 
thiere  stimmen  zwar  der  Gattung  nach  und  zum  Theil  auch  der  Art  nach 
mit  Arten  des  Kohlenkalks  überein,  aber  andere  Arten,  und  gerade  die  am 
allgemeinsten  verbreiteten,  wie  Ammlo^ecten  papyraceus,  Goniatites  diadema 
und  Goniatites  Listen  sind  eigenthümliche.  Die  Gesammtheit  der  aus  dem 
produktiven  Steinkohlengebirge  bekannten  Arten  stellt  eine  Fauna  dar, 
welche  derjenigen  des  Kohlenkalks  sich  zwar  eng  anschliesst,  aber  dennoch 
als  eine  selbstständige  gelten  muss. 

2.  Die  Haupt- Anhäufung  der  marinen  Thierreste  findet  in  der  unteren 
Abtheilung  des  produktiven  Kohlengebirges  in  einem  gewöhnlich  nur  gegen 
100  Fuss  über  der  Basis  der  ganzen  Bildung  liegenden  Niveau  statt.  In 
die  höheren  Theile  steigen  nur  ausnahmsweise  einzelne  Arten,  namentlich 
der  Gattungen  Lingula  und  Discina  hinan. 

3.  Das  Vorkommen  mariner  Conchylien  auf  der  Carolinen-Grube 
und  auf  der  Königs-Grube  in  Oberschlesien  ist  sowohl  den  Arten 
nach,  als  auch  in  Betreff  des  ganzen  übrigen  Verhaltens  demjenigen  von 
Coalbrook  Dale  in  England,  bei  Chokier  an  der  Maas  und  bei 
Werden  an  der  Ruhr  so  ähnlich,  dass  man  mit  einem  hohen  Grade  von 
Wahrscheinlichkeit  auch  auf  die  Gleichheit  des  geognostischen  Niveaus  an 
der  Basis  des  produktiven  Kohlengebirges  schliessen  darf.  Wenn  daher 
mit  dem  bis  2006^3  Fuss  niedergebrachten  tiefen  Böhrloche  bei  Königs- 
hütte  auch  unter  dem  Niveau  der  versteinerungsreichen  Schicht  in  grosser 
Mächtigkeit  Schieferthone  und  Sandsteine  mit  einigen  Kohlenflötzen  ange- 
troffen  worden  sind,  so  gehören  die-se  Schichten  trotz  ihrer  petrographi- 
sehen  Aehnlichkeit  mit  solchen  des  produktiven  Steinkohlengebirges  nicht 
mehr  diesem  letzteren,  sondern  wahrscheinlich  schon  dem  flötzleeren  Sand- 
steine oder  Millstone  grit  der  Engländer  an  und  muthmaasslich  wird  man 
allgemein  eine  solche  Anhäufung  mariner  Thierreste  als  ein  festes  Niveau 
für  die  Ermittelung  der  unteren  Grenze  des  produktiven  Steinkohlengebir- 
ges ( Goal  measures)  benutzen  können. 


Produktives  Steinkohlengebirge  oder  Steinkohlengebirge  im  engeren  Sinne'.  101 

Ganz  vereinzelt  ist  bisher  die  Beobachtung  eines  Landthier  es  in  dem 
Steinkohlengebirge  Oberschlesiens,  einer  Spinne,  nämlich  in  den  Sphä- 
rosiderit-Meren  führenden  Schichten  des  Myslowitzer  Waldes  zwischen 
Kattowitz  und  Myslowitz.  Das  einzige  durch  den  königlichen  Berg- 
geschworenen Herrn  von  Schwerin  dem  Verfasser  mitgetheilte  Exemplar 
zeigt  in  deutlicher  Erhaltung  eine  auf  einem  Schieferthon-Stück  ausgebrei- 
tet liegende  ächte  Spinne,  welche  der  lebenden  Gattung  Lycosa  sich  in  den 
allgemeinen  Merkmalen  anschliesst  und  deshalb  von  dem  Verfasser  unter 
der  Benennung  Protolycosa  anthracophila  beschrieben  wurde  ^).  Es  ist  die 
erste  aus  einer  so  alten  Bildung,  wie  das  Steinkohlengebirge,  bekannt  ge- 
wordene Spinne.  Da  Insekten,  namentlich  Arten  aus  den  Familien  der  Scha- 
ben (Blattidae)  und  der  Termiten  schon  in  mehreren  Steinkohlenbecken 
aufgefunden  sind  und  da  sogar  aus  der  zu  den  Arachniden  oder  spinnen- 
artigen Thieren  im  weiteren  Sinne  gehörenden  Familie  der  Skorpione  zwei 
Arten  aus  dem  Steinkohlengebirge  Böhmens  seit  längerer  Zeit  bekannt 
sind,  so  hat  auch  die  Auffindung  einer  ächten  Spinne  in  dem  Steinkohlen- 
gebirge Oberschlesiens  an  sich  nichts  Befremdendes. 

' i.  Gliederung. 

Eine  weitere  ünterabtheilung  in  mehrere  deutlich  begrenzte  Glieder 
hat  das  Oberschlesische  Kohlengebirge  ebensowenig  zugelassen,  als 
diese  bei  den  meisten  anderen  Europäischen  Kohlenmulden  bisher  möglich 
gewesen  ist.  Doch  ist  auf  der  Karte  eine  untere  flötzarme,  marine 
Thierreste  führende  und  eine  obere,  die  Haupt -Flötze  einschliesserrde 
obere  Abtheilung  unterschieden  worden.  Die  Grenze  zwischen  bei- 
den ist  jedenfalls  über  das  Mveau  der  marinen  Thierreste  und  unter  das 
tiefste  der  in  dem  Hauptflötzzuge  gebauten  Flötze  zu  setzen.  Das  letztere 
liegt  nun  aber  auf  der  Carolinen-Grube  nur  einige  Lachter  über  der 
versteinerungsführenden  Schieferthonschicht  und  hier  ist  also  die  Grenze 
fast  genau  bezeichnet.  Die  bei  Mienkinia  unweit  Krzeszowice  auf- 
tretenden vom  Quarzporphyr  bedeckten  Schieferthone  des  Steinkohlen- 
gebirges, welche  bei  der  Nähe  des  Kohlenkalkes  jedenfalls  zu  den  tiefsten 
Schichten  des  produktiven  Kohlengebirges  gehören,  haben  ein  von  dem- 
jenigen der  gewöhnlichen  Kohlenschiefer  etwas  abweichendes  Ansehen. 
Sie  sind  hellfarbiger  und  mehr  grau  als  schwarz.  Auch  sind  Pflanzen- 
abdrücke in  denselben  viel  seltener.  Ebensolche  Schieferthone,  zum  Theil 


')  Protolycosa  anthracophila,  eine  fossile  Spinne  aus  dem  Steinkohlengebirge  Oberschlesiens. 
Neues  Jahrb.  für  Mineral.  Jahrg.  1866.  S.  136  ff.  Taf.  III.  Fig.  1. 


102 


Steinkohleiifjebirge. 


bis  in  eine  gewisse  Tiefe  braunroth  gefärbt,  kommen  auch  noch  an  anderen 
Stellen  im  Krakau’ sehen  vor.  Vielleicht  sind  die  angegebenen  Merk- 
male allgemein  für  die  Schieferthone  der  unteren  Abtheilung  des  produkti- 
ven Steinkohlengebirges  in  Oberschlesien  und  Polen  bezeichnend. 

k.  Vergleichung  des  Oberschlesisch-Polnischen  Steinkohlenbeckens  mit  anderen 
Kohlenbecken  und  im  Besonderen  mit  demjenigen  Wiederschlesiens. 

Die  Eigenthümlichkeiten  des  Oberschlesisch -Polnischen  Steinkohlen- 
gebirges und  'dessen  Beziehungen  zu  anderen  Kohlenbecken  und  im 
Besonderen  zu  demjenigen  Mederschlesiens  ergeben  sich  aus  der  vorher- 
gehenden Darstellung  desselben  und  lassen  sich  kurz  in  folgende  Sätze 
zusammenfassen. 

1 . ln  petrographischer  Beziehung  ist  das  Oberschlesische  Kohlerigebirge 
in  ganz  ähnlicher  Weise  wie  andere  Kohlenbecken  aus  einer  Aufeinander- 
folge von  in  vielfacher  Wiederholung  mit  einander  wechsellagernden  Schich- 
ten von  Schieferthon  und  Sandstein  mit  untergeordneten  Kohlenflötzen  in 
einer  mehrere  tausend  Fuss  betragenden  Mächtigkeit  zusammengesetzt. 
Das  Vorherrschen  der  Sandsteine,  die  Seltenheit  von  Quarz-Conglomeraten 
und  die  bedeutende  Mächtigkeit  einzelner  Flötze  sind  auszeichnende  Eigen- 
thümlichkeiten im  Vergleich  zu  anderen  Kohlenbecken. 

2.  In  stratographischer  Beziehung  ist  die  flache,  10®  bis  15^  in  der  Regel 
nicht  übersteigende  Neigung  der  Schichten  im  Gegensatz  zu  der  steilen 
Aufrichtung  und  vielfachen  Biegung  in  den  meisten  anderen  Mulden  be- 
merkenswerth.  Nur  in  der  südwestlichen  Ecke  des  Beckens,  in  der  Gegend 
von  Hultschin  und  Mährisch-Ostrau  sind  steile  und  vielfach  gestörte 
Schichtenstellungen  herrschend. 

3.  Die  Unterlage  des  eigentlichen  oder  produktiven  Kohlengebirges 
wird  in  den  Oberschlesisch -Polnischen  Becken  durch  Grauwacken -Sand- 
steine und  Thonschiefer  der  sogenannten  Culm-Bildung  in  der  westlichen 
Hälfte  und  namentlich  in  der  Gegend  von  Hultschin  und  Mährisch- 
Ostrau,  durch  Kohlenkalk  in  der  östlichen  Hälfte  und  ‘namentlich  in 
der  Gegend  von  Krzeszowice  gebildet.  Dieses  Verhalten  ist  im  Einklänge 
mit  dem  Verhalten  des  Köhlengebirges  in  Niederschlesien  und  in  Wes t- 
phalen,  wo  in  gleicher  Weise  zum  Theil  die  Culm- Bildung,  zum  Theil 
Kohlenkalk  die  Unterlage  des  eigentlichen  Kohlengebirges  bildet. 

4.  Eruptiv-Gesteine,  deren  Hervorbrechen  in  die  Ablagerungszeit  des 
Kohlengebirges  fällt,  fehlen  dem  Oberschlesisch -Polnischen  Becken.  In 
dieser  Beziehung  unterscheidet  eS  sich  von  dem.  Niederschlesischen  oder 
Waldenburger  Kohlengebirge,  während  dessen  Ablagerung  zahlreiche 


Produktives  Sieinkohleiigehirge  oder  Steiukohlengebirge  im  engeren  Sinne. 


103 


Durchbrüche  von  rothem  Quarzporphyr  erfolgten,  die  zum  Theil  auffallende 
Contakt-Erscheinungen  bewirkten  und  die  Bildung  eigen thümlich er  Trüm- 
^mergesteine  veranlassten.  Die  Porphyre  von  Mienkinia  bei  Krzeszo- 
wice  und  von  anderen  Punkten  im  Krakau’schen  haben  wohl  die  Schich- 
ten des  Steinkohlengebirges  durchbrochen,  aber  die  Zeit  ihres  Hervor- 
brechens ist  jünger  als  die  Ablagerungszeit  dieser  Schichten  und  fällt  in 
diejenige  des  Rothliegenden. 

5.  In  einem  unter  den  Hauptflötzen,  aber  über  verschiedenen  noch  bau- 
würdigen Flötzen  liegenden  Mveau  hat  sich  durch  einen  grossen  Theil  von 
Oberschlesien  eine  mit  Resten  von  Meeresthieren  erfüllte  Schicht  verfolgen 
lassen.  Diese  Schicht  kann  für  die  Theilung  des  Kohlengebirges  in  eine 
untere  und  eine  obere  Abtheilung  benützt  werden.  Auch  in  England,  in 
Belgien  und  in  Westphalen  ist  eine  ähnliche  Anhäufung  von  marinen 
Thierresten  in  einem  etwa  lOOFuss  über  der  Basis  des  produktiven  Kohlen- 
gebirges liegenden  Mveau  an  mehreren  Punkten  beobachtet  worden.  In 
dem  Waldenburger  oder  Medersclilesischen  Steinkohlengebirge  ist  nichts 
Aehnliches  bekannt. 


3.  Permische  oder  Zechstein -Gruppe. 

Rothliegendes. 

a.  GescMchtliches. 

Die  hier  zu  beschreibenden  Oesteine  sind  grobe  Kalk-Conglomerate, 
mürbe  Sandsteine  und  lose  Sande,  rothe  Porphyr -Tuffe,  Quarz -Porphyre 
und  Melaphyre,  welche  in  der  IJmgebung  von  Krzeszowice  im  Krakau - 
sehen  ihre  Hauptverbreitung  haben  und  in  einzelnen  Ausläufern  nordwest- 
wärts  bis  in  die  Gegend  von  Dombrowa  sich  erstrecken.  Schon  v.  0 e y n - 
hausen  und  Pusch  haben  diese  Gesteine  gekannt  und  zum  Theil  eingehend 
beschrieben.  Ich  selbst  habe  dieselben  im  Jahre  1864  zuerst  als  zusammen- 
gehörig erkannt  und  dem  Rothliegenden  zugerechnet*),  nachdem  schon 
vorher  L.  Hohenegger  in  Teschen  ein  Jahr  früher  in  einem  mündlichen 
Vorträge^)  einen  Theil  der  Gesteine  und  namentlich  die  Conglomerate  als 
Rothliegendes  angesprochen  hatte.  Seitdem  hat  C.  Fallaux  in  den 


1)  lieber  das  Vorkommen  des  Rothliegenden  in  der  Gegend  von  Krzeszowice  im  Gebiete 
von  Krakau  von  Ferd.  Roemer  in:  Zeitschrift  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft.  Jahrg. 
1864.  S.  633  ff. 

2)  In  der  Versammlung  österreichischer  Berg-  und  Hüttenleute  in  Mährisch- Os  trau  im  Jahre  1863. 


104 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


erläuternden  Berichten  zu  der  geognostischen  Karte  des  Gebietes  von 
Krakau  von  L.  Hohenegger  dieselben  Gesteine  kurz  beschrieben  und 
sie  dem  bunten  Sandsteine  zugerechnet  ^). 

h.  Kalk-Conglomerate. 

Vollkommen  abgerundete  Gerolle  von  grauem  oder  röthlichen  Kalk- 
stein sind  durch  ein  graues,  häufig  eisenschüssiges  braunrothes  kalkiges 
Bindemittel  zu  einem  ziemlich  festen  Aggregate  verbunden.  Gewöhnhch 
ist  das  Gestein  sehr  grobkörnig  und  häufig  sind  die  Gerolle  faust-  oder 
kopfgross.  Das  Gestein  der  Gerolle  ist  ein  dichter  oder  feinkörnig  krjstal- 
linischer  aschgrauer  Kalkstein.  Derselbe  gleicht  durchaus  dem  Kohlen- 
kalke, welcher  in  den  dem  Verbreitungsgebiete  der  Conglomerate  benach- 
barten Thälern,  namentlich  in  denjenigen  vonCzerna  und  vonPaczolto- 
wice  ansteht.  In  der  That  hat  man  auch  in  einzelnen  Geröll en  dieselben 
Productus- Arten,  welche  in  dem  anstehenden  Kohlenkalke  Vorkommen, 
beobachtet.  Es  ist  daher  zweifellos,  dass  das  Material  der  Conglomerate 
aus  der  Zerstörung  von  Kohlenkalk-Schichten  hervorgegangen  ist.  Ein- 
zelne sparsame  Gerölle  von  schwarzem  Kieselschiefer  stammen  wahr- 
scheinlich ebenfalls  aus  dem  Kohlenkalke. 

Sehr  allgemein  zeigen  die  einzelnen  Rollstücke  oder  Geschiebe  die  bei 
Conglomeraten  überhaupt  so  häufig  und  zuerst  bei  der  Nagelfluh  in  der 
Schweiz  beobachtete  Erscheinung,  derzufolge  das  eine  Rollstück  in  eine 
seiner  eigenen  Form  entsprechende  und  wie  durch  Eindrücken  hervorge- 
brachte Vertiefung  des  angrenzenden  Geschiebes  hineinpasst. 

Die  Verbreitung  dieses  Conglomerats  betreffend,  so  ist  es  besonders 
deutlich  in  dem  westlich  von  Krzeszowice  in  das  Rudawa-Thal  ein- 
mündenden Thale  von  Filipowice  zu  beobachten.  Während  in  dem 
unteren  Theile  des  Thaies  weisser  Jurakalk  mit  Ammonites  hijplex,  mergelige 
Schichten  des  braunen  Jura  mit  Ammonites  macrocephalus,  Muschelkalk 
und  schwarze  Schieferthone  des  Steinkohlengebirges  mit  unreinen  Kohlen- 
flötzen die  herrschenden  Gesteine  sind,  so  tritt  höher  hinauf  das  Congiome- 
rat  in  der  Sohle  des  Thaies  und  an  den  Wänden  desselben  hervor.  Fast 
in  der  Mitte  des  Dorfes  sieht  man  die  dicken  ziemlich  stark  geneigten  Bänke 
des  Conglomerats  mit  eingelagerten  Schichten  von  schieferigem  braunrothen 
Sandstein  quer  durch  den  Bach  setzen.  Noch  weiter  hinauf  in  dem  Thale 


1)  Vergl.  Geognostische  Karte  des  ehemaligen  Gebietes  von  Krakau  mit  dem  südlich  angrenzen- 
den Theile  von  Galizien  von  Ludwig  Hohenegger,  zusammengestellt  durch  Cornelius  Fal- 
laux,  mit  einer  Karte.  Wien  1866.  S.  11  ff. 


Rothliegendes. 


105 


wird  die  mauerartig  steil  abfallende  linke  Thalwand  durch  das  hier  beson- 
ders grosskörnige  Conglomerat  gebildet.  Auch  in  den  benachbarten  Thä- 
lern  tritt  das  Conglomerat  an  mehreren  Stellen  hervor.  Nordwärts  ver- 
breitet es  sich  namentlich  in  den  Umgebungen  des  Dorfes  Myslocho  wice 
unweit  der  Eisenbahnstation  Trzebinia  und  wurde  in  einem  äussersten 
nordwestlichen  Ausläufer  selbst  noch  bei  Golonog  unweit  Dombrowa 
in  Begleitung  von  Porphyren  und  Porphyr-TulFen  nachgewiesen 

c.  Rothe  und  weisse  Sandsteine. 

In  der  Mitte  des  Dorfes  Filipowice  stehen  in  dem  Bette  des  Baches, 
wie  schon  erwähnt  wurde,  dünne  Schichten  oder  Platten  von  braunrothem 
Sandstein  zwischen  den  Bänken  des  Conglomerates  an.  Dieselben  gleichen 
äusserlich  Sandsteinen  des  Rothliegenden  oder  auch  der  Bunten-Sandstein- 
Bildung.  Aehnliche  rothe  Sandsteine  sind  auch  noch  an  anderen  Punkten 
der  Gegend  von  KrzeszOAvice  in  naher  Verbindung  mit  den  Conglome- 
rat en  und  Porphyr-Tuffen  bekannt. 

Von  ganz  anderer  Beschaffenheit  sind  gewisse  Sandsteinschichten, 
welche  den  südlichen  Abhang  des  Höhenzuges,  welcher  zwischen  Chel- 
mek  und  Alwernia  mit  ganz  gleicher  Richtung  gegen  Ost-Südost  sich  fort- 
erstreckt und  die  erste  Erhebung  nördlich  von  dem  Weich s el- Th ale  in 
dieser  Gegend  bildet,  zusammensetzen.  In  verschiedenen  schmalen  Schluch- 
ten, welche  an  dem  mit  Diluvial  - Sand  bedeckten  Fusse  des  Höhenzuges 
beginnend  sich  nach  dessen  Rücken  hinaufziehen  und  zum  Theil  sehr  tief  ein- 
gerissen sind,  lassen’ sich  diese  Sandsteine  deutlich  beobachten.  Besonders 


1)  Im  Ganzen  wurde  das  Conglomerat,  abgesehen  von  dem  Vorkommen  in  dem  Thale  von 
Filipowice  an  folgenden  Stellen  naehgewiesen : 

1.  In  Schluchten  südlich  der  Porphyr-Partien  von  Mienkinia. 

2.  Unterhalb  der  Felsen  von  weissem  krystallinischen  Kalke  (Karniowicer  Kalk)  zwischen  Mien- 
kinia und  Filipowice. 

3.  In  einem  von  der  rechten  Seite  in  das  Thal  von  Filipowice  einmündenden  Nebenthale. 

4.  In  einer  Nebenschlucht  des  Karniowicer  Thaies.  Porphyr-Tuff  bildet  hier  das  Liegende 
des  Conglomerats. 

5.  Bei  Du  Iowa  südlich  von  Karn  io  wice. 

6.  In  einer  grossen  Partie  bei  Karniowice. 

7.  In  den  Umgebungen  des  Dorfes  Mloschowa.  Hier  vom  Porphyr-Tuff  überlagert. 

8.  Flache  Anhöhen  bildend  in  weiter  Verbreitung  bei  MysIachowice.  Sandsteinschichten  von 
gleicher  Beschaffenheit  wie  diejenigen  bei  Kwaczala  bilden  allgemein  hier  das  Liegende. 

9.  Bei  Gay  nordwestlich  von  MysIachowice.  Auch  hier  als  Liegendes  Sandstein. 

10.  Bei  Borbiskupi  südlich  von  Slawkow,  eine  flache  Kuppe  östlich  von  dem  Orte  bildend. 

11.  Eine  undeutlich  begrenzte  Partie  südlich  von  Slawkow. 

12.  Bei  Golonog  unweit  Dombrowa  eine  schmale  Zone  in  Verbindung  mit  Porphyr  und 
Porphyr-Tuffen  bildend. 


14 


106 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


lehrreich  ist  eine  solche  Schlucht  bei  dem  Dorfe  K w a c z al a.  Es  sind  weisse 
oder  graue,  zuweilen  auch  röthliche  Sandsteinschichten  von  sehr  geringem 
Zusammenhalt,  welche  mit  flachem  Einfallen  gegen  Norden  hier  aufgeschlos- 
sen sind.  Weit  entfernt  etwa  zu  Werkstücken  brauchbar  zu  sein,  ist  der 
Sandstein  überall  so  locker,  dass  er  leicht  zwischen  den  Fingern  zerbröckelt. 
Zuweilen  entbehren  die  Sandkörner  alles  Bindemittels  und  bilden  ein  ganz 
loses  Aggregat,  welches  man  für  eine  ganz  jugendliche  Ablagerung  zu  hal- 
ten geneigt  sein  könnte.  Bisweilen  wird  der  Sandstein  grobkörnig  und  geht 
in  ein  zum  Theil  aus  haselnussgrossen  weissen  Quarzgeröllen  bestehendes 
lockeres  Conglomerat  über.  Grössere  und  kleinere  dunkelgraue  oder 
schwärzliche  Bruchstücke  von  verkieseltem  Holz  sind  in  grosser  Häufigkeit 
in  die  sandigen  Schichten  eingeschlossen.  Auf  dem  Boden  der  Schluchten 
bei  Kwaczafa  und  namentlich  an  der  Mündung  derselben  liegen  grosse 
bis  4 Fuss  lange  und  mehrere  Fuss  dicke  Stammstücke  dieses  zur  Gattung 
Araucarites  gehörenden  Holzes  umher  ^).  Auch  sonst  finden  sich  in  dem 
Krakauer  Gebiete  Stücke  von  solchem  verkieselten  Holze  an  der  Ober- 
fläche häufig  vor.  Dieselben  rühren  ohne  Zweifel  aus  zerstörten  Sandstein- 
schichten gleichen  Alters  wie  diejenigen  von  Kwaczafa  her.  Zuoberst 
wird  die  mehr  als  100  Fuss  mächtige  Reihe  der  sandigen  Schichten  bei 
Kwaczafa  durch  die  später  zu  beschreibenden  weissen  Röth-Dolomite  mit 
Myo'phoria  fallax  gleichförmig  überlagert.  Das  Liegende  ist  nicht  bekannt 
und  wird  durch  das  aufgelagerte  Diluvium  der  Beobachtung  entzogen. 

d.  Porphyr- Tuffe. 

Die  gewöhnliche  Erscheinungsweise  dieser  Tuffe  ist  diejenige  eines 
blass  ziegelrothen  oder  bläulichrothen  Aggregats  von  geringer  Festigkeit 
und  mit  erdigem  Bruch,  ln  einer  Kaolin- artigen  erdigen  rothen  Grund- 
masse liegen  mohnkorngrosse  oder  kleinere  eckige  Körner  eines  weissen 
feldspathartigen  Minerals,  schwarze  glänzende  Glimmer -Schüppchen  von 
zum  Theil  regelmässig  sechsseitiger  Form  und  sparsame  ganz  kleine  Kör- 
ner von  dunkel  rauchgrauem  Quarz.  Diese  Bestandtheile  des  Gesteines 
sind  genau  von  der  Beschaffenheit  und  in  dem  gegenseitigen  Quantitäts- 
Verhältniss  vorhanden,  wie  sie  aus  der  Verwitterung  und  Zerstörung  des 
später  zu  beschreibenden  rothen  Porphyrs  von  Mienkinia  bei  Krzeszo- 
wice  sich  ergeben  würden.  Gewöhnlich  hat  das  Gestein  einen  hinreichen- 
den Zusammenhalt,  um  das  Schlagen  von  Handstücken  zuzulassen.  Zu- 


1)  Nach  Göppert’s  mündlicher  Mittheilung  ist  die  Zugehörigkeit  dieser  Hölzer  zur  Gattung 
Araucarites  bei  der  zum  Theil  vortrefflich  erhaltenen  mikroskopischen  Struktur  derselben  mit  Sicher- 
heit festzustellen.  Specifisch  lässt  sich  die  Art  vom  A.  Schrollianus  nicht  unterscheiden. 


Rothliegendes. 


107 


weilen  ist  es  aber  auch  eine  ganz  lose  erdige  Masse.  Selten  ist  der  Tuff 
ein  festes  Gestein  mit  ebenem  oder  selbst  muscheligem  Bruch. 

Die  Verbreitung  der  Porphyr-Tuffe  betreffend,  so  bilden  sie  mehrere 
grössere  und  kleinere  Partien  in  der  Gegend  von  Krzeszowice  und  von 
Alwernia  und  namentlich  bei  Filipowice  und  Karniowice  und  lassen 
sich  von  hier  aus  in  einer  schmalen,  durch  einzelne  Aufschlusspunkte  be- 
zeichneten  Zone  nordwärts  bis  nach  Golonog  östlich  von  Dombrowa 
verfolgen^). 

1)  Im  Gatizen  sind  die  Tuffe  an  folgenden  Stellen  bekannt: 

1.  Am  Nordabhange  des  Klosterberges  von  Alwernia.  In  mehreren  tiefen  Schluchten  und 
Wasserrissen  ist  das  hier  völlig  lockere  und  zerreibliche  Gestein  aufgeschlossen.  In  einer 
dieser  Schluchten  folgen  über  den  Tuffen  lose  rothe  Sande  und  dann  Muschelkalk. 

2.  Im  Dorfe  Zalas.  Der  Tuff  wird  hier  von  jurassischen  Sandsteinen  (Schichten  des  Ammo- 
nites  macrocephalus)  überlagert. 

8.  In  einem  südlich  von  dem  Kloster  Czerna  im  Jahre  1857  bei  Aufsuchung  von  Eisenerzen 
abgeteuften  Schachte. 

4.  In  der  Umgebung  des  Porphyrs  von  Mienkini  a.  • Der  Tuff  bildet  hier  mehrere  kleine  Par- 
tien. Der  anstehende  Porphyr  geht  hier  anscheinend  ganz  uninerklich  in  den  Tuff  über. 

5.  Am  linken  Gehänge  des  Filipowicer  Thaies  bildet  der  Porphyr-Tuff  eine  ausgedehnte 
Partie.  Er  enthält  hier  einzelne  sehr  feste  Bänke.  Die  groben  Kalk-Conglomerate  bilden 
das  Liegende.  Ueber  den  Tuffen  folgt  weisser  Röth-Dolomit. 

6.  In  einem  Wasserrisse  südlich  von  dem  der  Bergbaugesellschaft  vonNowagöra  gehören- 
den Steigerhause.  Die  Auflagerung  des  Röth-Dolomit  und  des  Muschelkalks  sind  hier  deut- 
lich zu  beobachten. 

7.  An  einem  Thalgehänge  westlich  von  Filipowice  am  Wege  nach  Psary. 

8.  In  zwei  kleinen  von  Muschelkalk  und  jurassischen  Schichten  überlagerten  Partien  bei  D u 1 o w a. 

9.  In  einer  Nebenschlucht  des  Karniowicer  Thaies.  Bänke  des  weissen  krystallinischen 
Kalksteins  mit  Pflanzenresten  (Karniowicer-Kalk)  sind  hier  in  den  Tuff  eiugelagert. 

10.  In  einer  Partie  bei  Psa  ry. 

11.  In  einer  ausgedehnten  Partie  bei  Mloszowa  auf  der  linken  Seite  des  Thaies.  Im  Wege 
vonMloszowa  nach  Dulowa  wurden  an  einer  Stelle  zwei  Zoll  dicke  Lagen  eines  ganz 
kompakten  braunen,  wie  Porphyr  aussehenden  Tuffs  von  mir  beobachtet. 

12.  Am  Wege  von  Mloszowa  nach  Myslachowice.  Der  Tuff  steht  hier  theils  in  dem  Wege 
selbst,  theils  auf  den  Feldern  zu  beiden  Seiten  des  Weges  an. 

13.  In  einer  südlich  von  Myslachowice  gelegenen  Partie,  welche  Pusch  als  Porphyr  be- 
zeichnet. 

14.  In  einer  Partie  bei  Ploky.  Der  Tuff  wird  hier  von  Röth-Dolomit  überlagert. 

15.  In  einem  durch  L.  Hohenegger  vor  einer  Reihe  von  Jahren  niedergebrachten  Bohrloche 
bei  Gory  Leszo  wsky, 

16.  Südlich  von  Starzynow,  nach  der  Beobachtung  von  Pusch. 

17.  In  einer  kleinen  Partie  am  Wege  nach  Losien  nördlich* von  Strzemieszyce  zwischen 
Bendzin  und  Slawkow.  An  dieser  Stelle  ist  auch  anzuführen,  dass  nach  einer  durch 
Pusch  (Geognost.  Beschreib,  von  Polen  Thl.  I.  S.  178)  gemachten  Beobachtung,  die  Licht- 
löcher des  alten  Starzyuower  Stollen  fl  ügelorts,  welches  von  Starzynow  in  nörd- 
licher Richtung  zur  Lösung  des  alten  BoleslawerBleibergbaues  getrieben  wurde,  durch 
den  erzführenden  Muschelkalk  bis  in  den  unter  dem  Muschelkaike  verborgenen  Porphyr  und 
Melaphyr  hinabreichten,  so  dass  die  Halden  der  Lichtlöcher  zum  Theil  aus  diesen  Gesteinen 
bestanden. 

18.  Als  eine  schmale  Zone  neben  dem  Porphyr  bei  Golonog  unweit  Dombrowa. 

14-^ 


108 


Permische  oder  Zechstein- Gruppe. 


e.  Quarzporphyr  und  Melapbyr. 

In  einem  mehr  als  1^|2  Meilen  von  Süden  nach  Norden  ausgedehnten 
Gebiete  zwischen  Alwernia  und  Nowagöra  treten  in  dem  Bereiche  der 
jurassischen  und  triassischen  Sedimentär-Gesteine  verschiedene,  meistens 
beschränkte  Partien  von  Eruptiv  - Gesteinen  hervor,  welche,  obgleich  an 
den  einzelnen  Punkten  mehr  oder  minder  eigenthümlich  ausgebildet,  sich 
auf  zwei  Hauptformen,  nämlich  Melaphyre  nebst  Melaphjr-Mandel- 
steinen  und  quarzführende  Feldspath-Porphyre  zurückführen 
lassen. 

Schon  C.  V.  Oeynhausen*)  hat  diese  Gesteine  als  Porphyre  beschrie- 
ben. Später  hat  Pusch^)  eine  ausführlichere  Darstellung  von  der  Ver- 
breitung und  der  petrographischen  Zusammensetzung  derselben  geliefert. 
Ich  selbst^)  habe  deren  petrographische  Natur  und  durch  die  Ermittelung 
ihres  Verhaltens  gegen  die  Sedimentär-Gesteine  ihr  Alter  festzustellen  ge- 
sucht. Tschermak"*)  hat  von  diesen  Gesteinen  gehandelt  und  eine  Classi- 
fication derselben  geliefert.  Endlich  hat  Fallaux  in  den  Erläuterungen 
zu  der  Hohen  egge r’ sehen  Karte  des  Krakauer  Gebietes  diese  Gesteine 
erwähnt  und  die  Ausbruchszeit  derselben  als  theils  in  die  Trias-Periode, 
theils  in  die  Jura-Periode  fallend  bezeichnet. 

aa.  Melaphyr  nebst  Mandelstein  &). 

Die  hierher  gerechneten  Gesteine  haben  durchaus  die  Beschaffenheit  der 
als  typisch  betrachteten  Melaphyre,  wie  namentlich  der  Niederschlesischen 
bei  Waldenburg,  Landeshut  u.  s.  w.,  derjenigen  von  Ilfeld  am  Harz, 
von  Ilmenau  am  Thüringer  Walde  u.  s.  w.  Es  sind  dunkelbraune  oder 


1)  a.  a.  0.  S.  338-347  und  S.  464. 

Geognost,  Beschr.  von  Polen,  Thl.  I.  178 — 186. 

3)  Ueber  das  Vorkommen  des  Rothliegenden  in  der  Gegend  von  Krzeszowice  im  Gebiete 
von  Krakau,  von  Ferd.  Roemer  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1864.  S.  633—643. 

, 4)  Ueber  Porphyre  aus  der  Gegend  von  Nowagora  bei  Krakau,  von  Dr.  Gustav  Tscher- 

mak  in:  Sitzungsber.  der  kais.  Acad.  der  Wiss.  in  Wien,  Bd.  LIl.  1865,  S.  1 — 4. 

5)  Ts  eher  mak,  a.  a.  0.  nennt  die  hier  als  Melaphyr  aufzuführenden  Gesteine  Porphyrit.  Sie 
sollen  nach  ihm  nicht  zum  Melaphyr  gehören,  weil  sie  weder  Hornblende  noch  Augit  enthalten  und 
weil  sie  zu  lichte  Färbung  haben.'  Allein  auch  die  typischen  Niederschlesiscjien  und  Harzer  Mela- 
phyre lassen  Augit  und  Hornblende  äusserst  selten  in  der  dichten  Grundmasse  erkennen.  Die  Farben 
der  Krakauer  Gesteine  sind  im  Ganzen  eben  so  dunkel,  wie  diejenigen  des  Niederschlesischen  Mela- 
phyr und  es  kommen  sogar  ganz  schwarze  basaltähnliche  Varietäten  vor,  wie  namentlich  an  einem 
Punkte  im  Thiergarten  bei  Krzeszowice,  wo  eine  kleine,  am  Wege  von  Krzeszowice  nach 
Zalas  gelegene  Kuppe  aus  einem  solchen  basaltähnlichen  Gesteine  besteht.  Die  grosse  Neigung 
zur  mandelsteinartigen  Struktur  haben  diese  Krakauer  Gesteine  ebenfalls  mit  den  ächten  Melaphyren 
gemein,  während  für  den  Porphyrit  gerade  die  Abwesenheit  dieser  Struktur  als  bezeichnend  gilt, 
(Vergl.  J.  Roth,  Die  Gesteins-Analysen,  S.  XLIV.) 


Rothliegendes. 


109 


dunkelgraue  dichte  Gesteine,  in  welchen  sich  äusserst  selten  einzelne 
Mineralien  deutlich  aussondern.  Unter  der  Loupe  erscheint  das  ganze 
.Gestein  fast  nur  als  ein  Aggregat  eines  grauen  feldspathartigen  Fossils 
(Oligodas).  Nur  Magneteisen  ist  in  sehr  kleinen  Partien  häufig  und  deut- 
lich erkennbar.  Zuweilen  ist  das  feldspathartige  Fossil  in  krystallinischen 
wasserhellen  kleinen  Partien,  welche  auf  den  Flächen  des  Hauptblätter- 
durchgangs die  Zwillingsstreifung  deutlich  erkennen  lassen,  ausgeschieden. 
In  unregelmässig  begrenzten  kleinen  Flecken  ist  das  dichte  Aggregat  des 
feldspathartigen  Fossils  durch  Eisenoxyd  braunroth  gefärbt,  wodurch  die 
Gesammtfarbe  des' Gesteins  einen  bräunlichen  Stich  erhält. 

Die  Mandelsteine  sind  durch  ganz  unmerkliche  üebergänge  mit  den 
kompakten  Melaphyren  verbunden,  indem  die  anfänglich  sparsamen  Blasen- 
räume sich  weiterhin  vermehren,  bis  das  ganze  Gestein  mit  Blasenräumen 
erfüllt  ist.  Die  Blasenräume  sind  mit  verschiedenen  Mineralien  ausgefüllt. 
Achat,  Quarz  und  Kalkspath  sind  besonders  häufig.  Nicht  selten,  wie 
namentlich  bei  dem  Mandelstein  des  Tenczyner  Schlossberges,  bildet 
auch  eine  weissliche  steinmarkähnliche  Substanz  die  Ausfüllung  der  Man- 
deln'). Erdiger  D el  e s sit  stellt  meistens  einen  dünnen  grünen  üeberzug  der 
inneren  Wandungen  der  Hohlräume  dar.  Zuweilen  sind  die  Blasenräume 
auch  ganz  hohl.  Die  Masse  der  Mandelsteine  ist  durchgehends  weniger 
krystallinisch  kompakt  und  mehr  locker  und  erdig,  als  diejenige  der  eigent- 
lichen Melaphyre. 

Aufzählung  der  einzelnen  Partien  von  Melaphyr  nebst 
Mandelstein. 

1.  DerTenczynerSchlossberg,ein  ausgezeichneter,  mit  einer  male- 
rischen mittelalterlichen  Schlossruine  gekrönter  und  die  umliegende  Gegend 
weithin  beherrschender  kegelförmiger  Berg,  der  ansehnlichste  und  höchste 
unter  den  aus  Melaphyr  bestehenden  Erhebungen.  Ausser  dem  Kegel  des 
Schlossberges  selbst  wird  eine  ganze  Gruppe  kleiner  mit  ihm  zusammen- 
hängender gegen  das  Dorf  Rudno  hin  gelegener  Erhebungen  aus  Melaphyr 
gebildet.  Auch  zwei  kleinere  südöstlich  von  dem  Schlossberge  befindliche 


1)  Nach  einer  Untersuchung  von  Websky  ist  dieses  weisse  Mineral  des  Mandelsteines  vom 
Tenczyner  Schlossberge  ein  wasserhaltiger  Halloy  sit  von  ähnlicher  Zusammensetzung  wie  der- 
jenige von  Thiviers  nach  der  Analyse  von  Dufrenoy: 

Si  39S 

M 33g 

Mg,  Ca  7§ 

g 21^ 


110 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


Kuppen  bestehen  noch  aus  Melaphyr.  Obgleich  sie  durch  Diluvial  - Sand 
von  der  Partie  des  Schlossberges  getrennt  werden,  so  ist  ihr  Zusammen- 
hang mit  dieser  in  der  Tiefe  wahrscheinlich.  Der  Schlossberg  selbst 
besteht  grössten theils  aus  einem  festen  dunkelgrauen  braunroth  gesprenkel- 
ten Melaphyr.  Die  Hügel  bei  Rudno  zeigen  zum  Theil  Mandelsteine, 
deren  Blasenräume  oft  mit  kieseligen  Fossilien  ausgefüllt  sind.  Pusch 
erwähnt,  dass  die  Bauern  von  Rudno  häufig  auf  ihren  Feldern  solche 
Mandeln  ausackern,  welche  im  Innern  aus  abwechselnden  Lagen  von 
Achat  und  schön  violblau  gefärbtem  Amethyst  zusammengesetzt  sind. 

2.  Der  Klosterberg  von  Alwernia.  Der  ganze  in  das  Weichsel- 
Thal  vorspringende  schön  bewaldete  Berg  besteht  aus  Melaphyr  und  Man- 
delstein. An  den  steilen  südlichen  und  westlichen  Gehängen  steht  das 
übrigens  von  Löss  überlagerte  Gestein  an  mehreren  Stellen  zu  Tage. 
Westlich  von  dem  Klosterberge  von  Alwernia  erscheint  der  Melaphyr  wie- 
der auf  der  anderen  Seite  des  Bachthaies.  Er  setzt  hier  einen  gerad- 
linigen-Hügelrücken  zusammen,  der  nach  Süden  mit  zehn  bis  zwanzig  Fuss 
hoher  senkrechter  Felswand  gegen  Norden  abstürzt,  während  er  gegen 
Norden  mässig  geneigt  ist.  Die  äussere  Form  dieser  Melaphyr -Partie  ist 
ganz  so,  als  ob  der  Melaphyr  eine  geneigte  Schicht  oder  Platte  bildete, 
deren  hangende  Schichten  zerstört  worden  sind.  Bekanntlich  bildet  auch 
in  Böhmen  und  bei  Ilfeld  am  Harz  der  Melaphyr  solche  Platten  im 
Rothliegenden,  Obgleich  durch  das  Alluvium  des  Bachthaies  von  dem- 
jenigen des  Klosterberges  getrennt,  hängt  übrigens  diese  letztere  unzweifel- 
haft mit  jener  zusammen  und  ist  als  eine  einzige  mit  ihr  zu  betrachten. 

3.  Die  Partie  von  Regulice.  Wenn  man  aus  dem  Bachthale  west- 
lich von  Regulice  den  bewaldeten  steilen  Bergabhang  gegen  Süden  hinan- 
steigt, so  trifft  man  in  mehreren  engen  Wasserrissen  Melaphyr  anstehend 
an.  Sobald  man  aber  auf  die  Höhe  des  Rückens  in  der  Nähe  des  Vor- 
werks Kamionka  gelangt,  verschwindet  er  und  in  den  gegen  Süden  sich 
hinabziehenden  Schluchten  findet  man  nur  die  Gesteine  des  Röth  und  die 
sündigen  Schichten  des  Rothliegenden  aufgeschlossen.  Wahrscheinlich 
bildet  auch  hier  der  Melaphyr  eine  gegen  Süden  geneigte  und  das  Stein- 
kohlengebirge zur  Unterlage  habende  Platte. 

4.  Die  Partie  vonPoremba.  Dieselbe  bildet  zunächst  eine  kleine 
stumpfe  Hügelkuppe  südwestlich  von  dem  Gute  Poremba,  welche  durch 
einen  grossen  Steinbruch  aufgeschlossen  ist,  in  welchem  ein  fester  dem- 
jenigen von  Alwernia  und  am  Tenczyner  Schlossberge  ganz  ähnlicher 
röthlich  grauer  Melaphyr  zur  Gewinnung  von  Pflastersteinen  und  Bau- 
steinen gebrochen  wird. 


Rothliegendes. 


111 


Von  diesem  Steinbruche  aus  lässt  sich  der  Melaphyr  noch  eine  Strecke 
weiter  gegen  Nord-Westen  durch  alte  im  Walde  liegende  Steinbrüche  ver- 
folgen. Unterirdisch  wurde  der  Melaphyr  auch  an  einer  weiter  südlich 
gelegenen  Stelle  in  einem  Stollen  der  neuen  Thonförderungen  von  Mirow 
angetroifen. 

4.  Die  Partie  im  Thiergarten  von  Krzeszowice.  Dieselbe  be- 
steht in  einer  kleinen  aus  dem  Diluvial-Sande  hervorragenden  Kuppe.  Der 
Melaphyr  dieser  Partie  zeichnet  sich  durch  seine  schwarze  Farbe  und  die 
frische  und  feste  Beschaffenheit  des  Gesteines  aus.  Man  könnte  dasselbe 
auf  den  ersten  Blick  für  Basalt  halten.  Allein  ein  Stich  in’s  Grünliche  und 
die  Abwesenheit  alles  mit  blossem  Auge  erkennbaren  Olivins  sind  unter- 
scheidend. Nach  der  Frische  und  Festigkeit  gleicht  das  Gestein  dem  durch 
einen  grossen  Steinbruch  aufgeschlossenen  Melaphyr  am  Kaudersberge 
unweit  Neuhaus  bei  Waldenburg  am  meisten^). 

5.  Die  ganz  kleine  Partie  am  südwestlichen  Ende  der  Por- 
phyr-Partie von  Mienkinia.  Sie  ist  nur  unvollkommen. am  Wege  von 
Mienkinia  nach  Krzeszowice  aufgeschlossen.  Das  Gestein  gleicht 
demjenigen  des  Tenczyner  Schlossberges. 

bb.  Quarzfübrender  Feldspath-Porphyr. 

Die  hierher  gerechneten  Gesteine  enthalten  in  einer  dichten  Felsit- 
Grundmasse  Krystalle  von  Orthoclas  und  kleine  Partien  von  Quarz  por- 
phyrisch  ausgesondert  und  entsprechen  also  dem  Begriffe  der  quarzführen- 
den Feldspath-Porphyre  oder  Eurit-Porphyre^). 


1)  Seitdem  das  Vorstehende  geschrieben  war,  hat  Herr  Professor  Dr.  Websky  auf  meine  Bitte 
eine  mikroskopische  Untersuchung  des  Gesteins  in  Dünnschliffen  ausgeführt.  Das  Ergebniss  der- 
selben ist,  dass  der  Hauptbestandtheil  des  Gesteins  ein  wasserheller  trikliner  Feldspath  ist.  Der- 
selbe bildet  60§  bis  70-§  der  ganzen  Masse.  Nächstdem  sind  bläulichgrüne  Körner  eines  als  Olivin 
gedeuteten  Minerals  und  brauner  Augit  als  wesentliche  Gemengtheile  vorhanden.  Websky  bezeich- 
net hiernach  das  Gestein  als  Olivin-führenden  Gabbro.  Die  näheren  Angaben  Websky ’s  über  die 
Zusammensetzung  des  Gesteins  werden  in  dem  Anhänge  gegeben  werden. 

2)  Tschermak  (a.  a.  0.  S.  2)  will  von  den  hier  aufzuführenden  Gesteinen  nur  dasjenige  von 
Mienkinia  als  Felsit- Porphyr  gelten  lassen  und  bezeichnet  die  übrigen,  namentlich  diejenigen 
von  Rybna,  Zalas,  Sanka  und  Frywald  als  T rachyt-ähnli che  Gesteine.  Das  Gestein 
vonRybna  namentlich  soll  demTrachyt  von  Kisbanya  und  von  Rodna  in  Siebenbürgen 
im  äusseren  Ansehen  und  mineralogischer  Zusammensetzung  sehr  ähnlich  sein.  Auch  soll  das  jün- 
gere Alter  dieser  Gesteine  durch  den  angeblich  von  Herrn  Fallaux  in  Teschen  beobachteten  Um- 
stand, dass  sie  Jura-Gesteine  durchbrechen,  bewiesen  sein.  Allein  die  vermeintlichen  Trachyt-ähn- 
lichen  Gesteine  stimmen  in  allen  wesentlichen  Merkmalen  mit  dem  Porphyr  von  Mienkinia  überein. 
Wo  sie  sich  hellfarbig  und  von  erdig-rauher  Grundmasse  zeigen,  sind  sie  durch  Verwitterung  ver- 
ändert, wie  namentlich  das  in  der  Orleja-Schlucht  bei  Sanka  anstehende  Gestein.  Das  angeb- 
liche Durchsetzen  von  Jura-Gesteinen  beruht  auf  einem  Jrrthum.  Nach  den  sorgfältigen  auf  sämmt- 
liche  Lokalitäten  sich  beziehenden  Beobachtungen  von  Herrn  Assessor  Degen hardt  und  mir  selbst 


112 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


Aufzählung  der  einzelnen  Partien  von  Feldspa th-Porplijr. 

1.  Die  beiden  Partien  von  Mienkinia  (Miekinia).  Etwas  unter- 
halb des  Gipfels  der  1398  Fuss  hohen  Bergkuppe,  auf  welcher  das  Dorf 
Mienkinia  gelegen  ist,  befinden  sich  bedeutende  Steinbrüche,  in  welchen 
der  Porphyr  gebrochen  wird,  um  theils  als  Wegebau-Material  verwendet, 
theils  zu  kleineren  Werkstücken  und  kubischen  Pflastersteinen  verarbeitet 
zu  werden. 

Das  Gestein  ist  von  braunrother  Farbe  mit  einem  Stich  in  das  Lavendel- 
blaue. Die  Grundmasse  ist  ausgezeichnet  frisch  und  kompakt,  wie  sie 
nur  selten  bei  quarzführenden  Porphyren  gefunden  wird.  In  dieser  Grund- 
masse sind  nun  zunächst  kleine  etwa  1 Linie  lange  Krystalle  eines  weissen 
oder  wasserhellen  feldspathartigen  Fossils  in  grosser  Häufigkeit  ausgeson- 
dert und  dieses  ist  als  gemeiner  Feldspath  oder  Orthoclas  anzusehen. 
Ausser  dem  Orthoclas  ist  nach  W ebsky’s  mikroskopischer  Untersuchung 
des  Gesteins  auch  ein  trikliner  Feldspath  vorhaden^).  Die  wasserhelle 
glasige  Beschaffenheit  der  ausgesonderten  Feldspath -Krystalle  bildet  die 
Haupteigenthümlichkeit  des  Porphyr’s  von  Mienkinia.  Viel  seltener  ist 
Quarz  in  unregelmässig  begrenzten  kleinen  Partien  von  rauchgrauer  Farbe 
ausgeschieden.  Häufiger  ist  dagegen  wieder  schwarzer  oder  -dunkel 
tombakbrauner  Glimmer  (Biotit)  in  kleinen  Schüppchen  oder  sechsseiti- 
gen Täfelchen. 

Die  zweite  kleinere  Porphyr-Partie  von  Mienkinia  liegt  der  ersteren 
gegenüber  auf  der  anderen  linken  Seite  der  Thalschlucht  in  bedeutend 
niedrigerem  Niveau.  Sie  ist  ebenfalls  durch  mehrere  Steinbrüche  auf- 
geschlossen. Das  Gestein  gleicht  in  jeder  Beziehung  demjenigen  der  ande- 
ren Partie.  Es  ist  auch  durchaus  wahrscheinlich,  dass  beide  Partien 
ursprünglich  zusammengehangen  haben  und  erst  durch  die  Auswaschung 
der  Thalschlucht  getrennt  worden  sind. 

2.  Mehrere  Partien  bei  Zalas.  Zwei  dieser  Partien  liegen  östlich, 
zwei  andere  südlich  von  dem  Dorfe.  Von  den  beiden  ersteren  erstreckt 
sich  die  bedeutendere  von  der  Kirche  des  Dorfes  Zalas  bis  gegen  Fry- 
wald  auf  dem  rechten  Thalgehänge.  Ein  Steinbruch,  in  welchem  Pflaster- 
haben die  betreffenden  Gesteine  nirgends  jüngere  Gesteine  als  das  Steinkohle n- 
geblrge  durchbrochen.  Sie  ruhen  auf  diesem  und  ihr  Hervorbrechen  fällt,  wie  dasjenige  der 
Melaphyre,  wahrscheinlich  in  die  Ablagerungszeit  des  Rothliegenden,  in  jedem  Fall  ging  es  der  Ab- 
lagerung des  Muschelkalks  und  der  Jura-Bildungen  voraus. 

q Das  genauere  Ergebniss  dieser  auf  meinen  Wunsch  durch  Herrn  Ober-Bergrath  a.  D.  Prof. 
Dr.  Websky  ausgeführten  Untersuchung  des  Gesteins  wird  hinten  in  einem  Anhänge  mitgetheilt 
werden. 


Rothliegeiides. 


113 


steine  für  Krakau  gebrochen  werden,  gewährt  einen  deutlichen  Aufschluss. 
Das  Gestein  dieses  Steinbruchs  ist  von  unvollkommen  porphjrischer 
Struktur  und  von  grünlich  grauer  Färbung.  In  der  frischen  und  kom- 
pakten Grundmasse  liegen  einzelne  kleine  Krystalle  eines  wasserhellen 
feldspathartigen  Fossils  mit  deutlicher  Spaltbarkeit.  Einzelne  grössere 
Krystalle  dieser  Art  lassen  deutlich  eine  Zwillingsstreifung  auf  dem  Haupt- 
Blätterdurchgaiige  erkennen  und  sind  demnach  wohl  als  Oligoclas  zu  deu- 
ten. Ob  auch  alle  übrigen  Krystalle  dem  Oligoclas  angehören,  würde 
noch  zu  ermitteln  sein.  Quarz  ist  nur  sparsam  in  sehr  kleinen  unregel- 
mässigen Körnern  verhanden.  Dagegen  ist  schwarzer  Magnesia-Glimmer 
(Biotit)  in  kleinen  Schüppchen  und  Täfelchen  ebenso  häufig  wie  in  dem 
Porphyr  von  Mienkinia.  An  anderen  Punkten,  wo  das  Gestein  mehr 
verwittert  ist,  erscheint  es  hellfarbiger,  meistens  röthlich  hellgrau  und  viel 
weniger  kompakt.  Zugleich  tritt  dort  die  porphyrische  Struktur  deutlicher 
hervor,  indem  die  im  frischen  Zustande  wasserhellen  Feldspath-Kry stalle 
sich  zum  Theil  zu  weissem  Kaolin  zersetzt  haben  und  sich  so  in  der  röthlich 
grauen  Grundmasse  mehr  auszeichnen.  Im  Ganzen  ist  das  Gestein  von 
Zaias  demjenigen  von  Mienkinia  ganz  nahe  verwandt  und  eigentlich  nur 
durch  die  Färbung  verschieden. 

Die  beiden  südlichen  Partien  sind  in  zwei  Wasserrissen  oder  waldigen 
Schluchten,  von  denen  die  eine  die  Orlej  a- Schlucht  heisst,  aufgeschlossen. 
In  der  Orlej a-Schlucht  ist  es  ein  mehr  oder  minder  zersetzter  röthlich 
grauer  Porphyr  mit  schwarzen  Glimmer- Schüppchen.  Ist  das  Gestein  noch 
mehr  zersetzt,  so  ist  es  weiss,  erdig  rauh  und  durch  Auswittern  der  kleinen 
Feldspath- Krystalle  porös.  Es  gleicht  dann  auf  den  ersten  Blick  einem 
Trachyt,  aber  freilich  verdankt  es  dieses  Aussehen  nur  der  Verwitterung. 

In  beiden  Schluchten  stehen  schwärzlich  graue  und  röthliche  sehr  wahr- 
scheinlich dem  Kohlengebirge  angehörende  Schieferthone  an,  welche,  wie 
die  Schieferthone  bei  Mienkinia  die  unmittelbare  Unterlage  des  Porphyrs 
zu  bilden  scheinen. 

3.  Zwei  kleine  Partien  westlich  von  Sanka.  Die  Aufschluss- 
Punkte  liegen  in  Schluchten,  die  von  der  rechten  Seite  in  den  Zaleska- 
Bach  einmünden. 

4.  Die  Partie  von  Golonog.  Dieselbe  besteht  in  einem  ganz  klei- 
nen südlich  von  dem  Försterhause  im  Walde  versteckten  Kuppe,  welche 
sich  östlich  von  dem  unweit  des  Hüttenwerks  Dombrowaim  Königreiche 
Polen  gelegenen  Dorfe  Golonog  ganz  in  der  Nähe  der  Eisenbahn,  aus 
dem  Diluvial  - Sande  erhebt.  Es  ist  ein  braunrothes  poröses  Gestein, 
welches  zahlreiche  kleine  sechsseitige  Täfelchen  von  tombakbraunem 

15 


114 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


Glimmer  eingesprengt  enthält.  Die  Porosität  des  Gesteins  wird  zum  Theil 
durch  kleine  ebenflächige  Höhlungen  bewirkt,  welche  offenbar  durch  das 
Ausfallen  kleiner  prismatischer  Feldspath  - Kry stalle  entstanden  sind. 
Ausserdem  sind  aber  auch  noch  kleinere  unregelmässige  Höhlungen  wie 
in  einer  basaltischen  Lava  vorhanden.  Offenbar  hat  das  Gestein  erst 
durch  Zersetzung  sein  gegenwärtiges  Aussehen  angenommen.  Denkt  man 
sich  die  regelmässigen  Höhlungen  mit  Feldspath-Kiystallen  ausgefüllt  und 
die  Grundmasse  frisch,  so  würde  ein  demjenigen  von  Mienkinia  ähn- 
licher Porphyr  entstehen.  Durch  die  isolirte  von  allen  anderen  Eruptiv- 
Gesteinen  weit  getrennte  Lage  ist  diese  Porphyr-Partie  von  Golonog  sehr 
ausgezeichnet.  Von  der  nächstgelegenen  Partie  der  Porphyre  des  Kra- 
kauer Gebietes, -derjenigen  von  Mienkinia,  ist  sie  durch  einen  mehr 
als  4 Meilen  langen  Zwischenraum  getrennt.  Dennoch  ist  sie  nach  der 
Beschaffenheit  des  Gesteins  lediglich  als  ein  äusserster  nordwestlicher  Aus- 
läufer der  Porphyre  des  Krakauer  Gebietes  anzusehen.  Vielleicht  wird 
durch  dazwischen  liegende  unter  dem  Diluvial -Sande  oder  anderen  Ge- 
steinen versteckte  Partien  eine  noch  unbekannte  Verbindung  bewirkt.  Die 
oben  erwähnten  Partien  von  Porphyr-Tuff  bei  Starzynow  und  bei  Mys- 
fachowice  sind  gewissermaassen  als  eine  solche  Verbindung  bildend 
anzusehen,  da  der  Porphyr-Tuff  fast  überall  in  seinem  Vorkommen  an  da& 
Auftreten  der  Porphyre  und  Melaphyre  gebunden  erscheint.  Uebrigens  ist 
auch  neben  dem  Porphyr  von  Golonog  Porphyr-Tuff  aufgeschlossen. 

f.  Karniowicer  Kalk  ^). 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  ein  weisser  oder  hellgrauer  fein- 
körnig krystallinischer  Kalkstein  verstanden,  welcher  in  der  Gegend  von 
Krzeszowice  im  Krakauer  Gebiete  und  namentlich  in  den  Umgebungen 
der  Dörfer  Karniowice  und  Filipowice  in  dicken  Bänken  abgelagert 
6 bis  20  Fuss  dicke  Einlagerungen  zwischen  den  Porphyr  - Tuffen  und  den 
Kalk-Conglomeraten  bildet. 

Besonders  deutlich  ist  dieser  Kalkstein  mit  seinen  eigenthümlichen 
Merkmalen  und  in  seinen  Beziehungen  zu  den  angrenzenden  Gesteinen  in 
einer 'Nebenschlucht  des  Karniowicer  Thaies,  welche  von  Osten  her 
in  das  letztere  einmündet,  aufgeschlossen.  Der  Kalkstein  ruht  hier  in  einer 
Mächtigkeit  von  sechs  Fuss  auf  rothen  Sandsteinschichten  auf  und  wird 
von  lockeren  rothen  Porphyr-Tuffen  überlagert,  die  ihrer  Seits  wieder  die 
Unterlage  von  weissem  mergeligen  Röth-Dolomit  mit  Myojphoria  fallax  bil- 


i)  Auf  der  Karte  mit  rk  bezeichnet. 


Rothliegendes. 


115 


den.  Grosse  Blöcke  des  Gesteins  sind  durch  das  \¥asser  losgerissen  und 
liegen  im  Grunde  der  Schlucht  zerstreut.  Das  Gestein  enthält  zahlreiche 
unregelmässige  grössere  und  kleinere  Hohlräume,  deren  Wandungen  mit 
kleinen  wasserhellen  Kalkspath  - Krystallen  bekleidet  sind.  Pflanzliche 
üeberreste,  von  denen  weiterhin  die  Rede  sein  wird,  kommen  hier  nicht 
selten  vor.  Auch  an  dem  östlichen  Gehänge  des  Haupt-Thaies  von  Kar- 
niowice  tritt  der  Kalkstein  zu  Tage.  Er  erscheint  ferner  in  einem  mit 
dem  Filipowicer  Hauptthale  fast  parallelen  Nebenthale  östlich  von  dem 
Dorfe  Filipowice  in  niedrigen  rauhen  Klippen  am  oberen  Rande  des  öst- 
lichen Thalgehänges.  Offenbar  sind  die  verschiedenen  in  der  Gegend  von 
Karniowice  und  Filipowice  bekannten  Partien  des  Gesteines  ursprüng- 
lich in  Zusammenhang  gewesen  und  nur  durch  die  Auswaschung  der  Thäler 
von  einander  getrennt  worden^). 

An  organischen  Einschlüssen  ist  der  Kalkstein  im  Ganzen  sehr 
arm.  Nur  an  zwei  Orten  haben  sich  bisher  dergleichen  nachweisen  lassen. 
Die  Schlucht  östlich  von  Karniowice  ist  die  bemerkenswertheste  dieser 
Fundstellen.  Die  zweite  ist  bei  Filipowice.  Die  Einschlüsse  sind  aus- 
schliesslich pflanzliche  Reste.  Die  Erhaltungsart  derselben  ist  sehr  eigen- 
thümlich.  Zunächst  ist  schon  das  Vorkommen  von  Landpflanzen  in  kry- 
stallinischem  Kalk  überhaupt  etwas  sehr  Ungewöhnliches.  Ausserdem 
haben  die  Pflanzen  nicht  blos  die  Abdrücke  ihrer  äusseren  Form  in  dem 
Gesteine  zurückgelassen,  sondern  die  Substanz  der  unverdrückten  Stengel 
und  Blätter  selbst  ist  in  kohlensauren  Kalk  verwandelt.  Wie  in  der  Erhal- 
tung, so  sind  auch  der  Art  nach  diese  Pflanzen  eigenthümlich  und  stellen 
eine  bisher  aus  keiner  anderen  Gegend  bekannte  besondere  kleine  fossile 
Flora  dar.  Die  sicher  erkennbaren  Arten  sind  Farne  (Farrenkräuter). 
Eine  grosse  Art  der  Gattung  Taenio^teris  und  eine  mit  Neuropteris  elegans 
Brongn.  nahe  verwandte  Neuropteris  Hessen  sich  namentlich  bestimmen. 
Ferner  wurde  eine  Art  der  Gattung  Sphenophyllum  erkannt.  Die  Coniferen 


1)  Im  Ganzen  sind  folgende  Partien  des  Gesteins  bekannt: 

1.  Die  schon  erwähnte  Partie  in  der  Nebenschlucht  von  Karniowice. 

2.  Die  ebenfalls  schon  genannte  Partie  auf  dem  linken  oder  östlichen  Thalgehänge  des  Haupt- 
thaies von  Karniowice.  Dieses  ist  die  grösste  bekannte  Partie  des  Gesteins.  'Dasselbe 
ruht  hier  auf  dem  Kalk-Conglomerate. 

3.  Die  gleichfalls  schon  genannte  Partie  östlich  von  Filipowice  in  einem  mit  dem  Hauptthale 
parallelen  Nebenthale. 

4.  Zwei  Partien  im  Filipowicer  Hauptthale.  Die  eine  in  der  Sohle  des  Thaies  im  Bette 
des  Baches,  die  andere  an  der  Thalwand;  beide  in  das  Kalk-Conglomerat  eingelagert. 

5.  Eine  kleine  Partie  in  der  Schlucht  von  Mienkinia  unterhalb  der  Stadt  Nowagora. 

6.  Eine  in  zwei  Felsen  hervortretende  westlich  von  Mienkinia  gelegene  Partie.  Der  Kalkstein 
ruht  hier  auf  dem  Conglomerat. 


15’ 


116 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


oder  Nadelhölzer  sind  durch  einen  deutlich  erhaltenen  Zapfen  vertreten. 
Im  Ganzen  wurden  folgende  Arten  gesammelt: 

Aufzählung  der  fossilen  Pflanzen  des  Karniowicer  Kalks 
von  Karniowice  und  Filipo wice^). 

Vergl.  Taf.  9. 

1.  Taeniopteris  Roemeri  Schenk  in  lit.;  Taf.  9,  Fig.  1. 

Mehrere  Wedel -Fragmente  der  Art  liegen  vor.  Dieselben  lassen  auf 
eine  mehr  als  1 Fuss  betragende  Länge  des  ganzen  Wedels  schliessen. 
Schenk  hält  in  einer  brieflichen  Mittheilung  die  Gattungsbestimmung  für 
unzweifelhaft. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  1 stellt  das  grösste  der  vorliegen- 
den Wedel-Fragmente  von  Karniowice  dar.  Der  Wedel  ist  durch  eine 
breite  mittlere  Längsfurche  in  zwei  gewölbte  Hälften  getheilt.  Zu  beiden 
Seiten  dieser  mittleren  Furche  erkennt  man  undeutliche  schief  stehende 
längliche  Anschwellungen.  An  einigen  Stellen,  in  denen  die  in  krystallini- 
schen  Kalk  verwandelte  1 Millim.  dicke  Substanz  des  Blattes  entfernt  ist 
und  dadurch  der  Abdruck  der  unteren  Fläche  des  Blattes  sichtbar  wird,  er- 
kennt man,  dass  diese  mit  dicht  gedrängten  sehr  feinen  Quer-Linien  bedeckt 
ist.  Der  Zeichner  hat  unrichtiger  Weise  diese  Querstreifung  auch  auf  der 
oberen  Fläche  des  Blattes  angegeben,  während  diese  letztere  in  Wij^^lich- 
keit  anscheinend  fast  glatt  ist. 

2.  Neuropteris  sp.;  conf.  W.  elegans  Brongn.;  Taf.  9,  Fig.  5,  6,  7. 

Die  Art  passt  gut  zu  N.  elegans,  wde  sie  durch  Brongniart  und  durch 

Schimper  und  Mougeot  aus  dem  Bunten-Sandstein  von  Sulzbad  be- 
schrieben und  abgebildet  worden  ist.  Bei  der  nicht  ganz  vollständigen 
Erhaltung  nahm  ich  jedoch  um  so  mehr  Anstand  sie  geradezu  mit  dieser 
letzteren  zu  identificiren,  als  die  übrige  Zusammensetzung  der  Flora  durch- 
aus eigenthümlich  und  von  derjenigen  des  Bunten-Sandsteins  von  Sulzbad 
verschieden  ist. 

Vorkommen:  Diese  Art  ist  das  häufigste  Fossil  der  ganzen  Flora. 
Einzelne  Stücke  des  Kalksteins  sind  mit  dicht  über  einander  geschichteten 
fingerslangen  Bruchstücken  der  Wedel  und  mit  einzelnen  Blättchen  ganz 
erfüllt.  Die  Substanz  der  'I.2  Millim.  dicken  Blättchen  ist  in  gelblich  grauen 
krjstallinischen  Kalk  umgewandelt  und  auf  den  Blattflächen  zeichnen  sich 
die  Blattnerven  als  vertiefte  Linien  von  weissem  erdigen  Kalk  sehr  deut- 
lich aus. 


1)  Herr  Prof.  Dr.  A,  Schenk,  früher  in  Würzburg,  jetzt  in  Leipzig,  hatte  im  Jahre  1866  auf 
meine  Bitte  die  Güte  einen  Theil  der  hier  aufzuzählenden  Arten  zu  bestimmen. 


Rothliegendes. 


117 


Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  5.  Ansicht  eines  Wedelstäcks 
in  natürlicher  Grösse.  Fig.  6.  Vergrösserte  Skizze  eines  Blättchens. 
Fig.  7.  Ansicht  eines  aus  drei  unvollständigen  grösseren  Blättchen  bestehen- 
den Wedelstücks. 

3.  Fecopteris  sp.;  Taf.  9,  Fig.  2,  3. 

Mehrere  Fragmente  der  doppelt  gefiederten  Wedel  liegen  vor.  Die 
am  Ende  stumpf  gerundeten  Blättchen  sind  am  Grunde  mit  ihrer  ganzen 
Breite  an  die  Spindel  festgewachsen.  Da  der  Verlauf  der  Blattnerven 
nicht  deutlich  erkennbar  ist,  so  kann  die  Gattungsbestimmung  nicht  mit 
Sicherheit  erfolgen. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  2.  Ansicht  eines  aus  drei 
Fiedern  bestehenden  Wedel -Bruchstücks  mit  in  Kalk  verwandelter  Blatt- 
Substanz.  Fig.  3.  Ansicht  eines  Fiederstücks.  Die  Spindel  ist  nicht  er- 
halten und  hat  eine  hohle  Furche  hinterlassen. 

4.  Sphenophyllum  sp.  Taf.  9,  Fig.  4. 

Die  Gattungsbestimmung  ist  nicht  zuverlässig,  da  die  Erhaltung  der 
einzigen  beiden  vorliegenden  Exemplare  nicht  hinreichend  vollständig  ist, 
doch  passt  die  kielförmige  Gestalt  der  Blätter,  so  wie  deren  anscheinend 
wirtelförmige  Stellung  zu  5 oder  6 gut  zu  den  typischen  Arten  des  Stein- 
kohlengebirges. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  4.  stellt  einen  etwas  verschobenen 
Wirtel  von  Blättern  von  Filipowice  dar. 

5.  Ännularia  sp.  Taf.  9,  Fig.  9. 

Die  wirtelförmige  Stellung  und  die  Gestalt  der  schmalen  Blätter  an 
dem  Stengel  ist  ganz  wie  bei  den  typischen  Arten  des  Steinkohlengebirges. 
Die  Wirtel  bestehen  aus  ungefähr  10  Blättern. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  9.  stellt  ein  Kalksteinstück  von 
Filipowice  mit  einem  undeutlich  erhaltenen  Wirtel  von  Blättern  dar. 
Seitdem  die  Abbildung  gefertigt  war,  erhielt  ich  ein  viel  vollständigeres 
aus  mehreren  über  einander  liegenden  Bla^ttwirteln  und  einem  Abdruck 
des  Stengels  bestehendes  Exemplar  von  Karniowice. 

6.  Genus?.  Stengel.  Taf.  9,  Fig.  8. 

Zahlreiche  zum  Theil  fingerdicke  Hohldrücke  von  nicht  näher  bestimm- 
baren Pflanzenstengeln  kommen  vor.  Einige  sind  deutlich  quer  gegliedert. 
Fig.  8.  stellt  den  Gutta -Percha -Abguss  eines  kleineren  Stengels  dieser 
letzteren  Art  dar. 

7.  Genus?  Längsgefurchter  Stengel.  Taf.  9,  Fig.  10. 

Solche  durch  eine  tiefe  mittlere  Längsfurche  getheilte  stengelförmige 
Körper  sind  bei  Karniowice  häufig. 


118 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  10.  stellt  ein  Gesteinsstück  mit 
einem  langen  Stengel -Bruchstück  dieser  Art  dar.  Am  oberen  Ende  des 
Gesteinstücks  zeigen  sich  polygonale  Figuren.  Bei  näherer  Prüfung  erkennt 
man  in  diesen  Polygonen  die  Querschnitte  prismatischer  Körper  mit  unregel- 
mässig rauher  Oberfläche,  welche  dicht  neben  einander  liegend  das  Gestein 
durchziehen  und  deren  Achse  immer  ein  solcher  stengelförmiger  glatter 
Körper  mit  mittlerer  Längsfurche  ist.  Die  Substanz  der  prismatischen 
Körper  besteht  aus  faserigem  Kalkspath  und  hat  das  Ansehen  als  wären 
sie  durch  Incru Station  um  den  gefurchten  Stengel  gebildet. 

8.  Coniferen-Zapfen, 

Obgleich  unvollständig,  ist  das  einzige  vorliegende  Exemplar  sicher  als 
Zapfen  bestimmbar.  Die  mittlere  Achse  so  wie  die  senkrecht  darauf  ste- 
henden Schuppen,  beide  in  Kalk  verwandelt,  sind  deutlich  erkennbar.  Bei 
einem  Durchmesser  von  mehr  als  1 Zoll  hat  derselbe  anscheinend  mehr 
als  2 Zoll  Länge  gehabt. 


Altersbestimmung  der  in  dem  Vorstehenden  beschriebenen 
Permischen  Gesteine. 

Die  Zugehörigkeit  der  verschiedenen  bisher  beschriebenen  Ablagerun- 
gen zu  der  Permischen  oder  Zechstein-Gruppe  ist  keineswegs  ganz  zweifel- 
los und  namentlich  in  Betreff  einiger  derselben  walten  bedeutende  Beden- 
ken ob.  Pusch  rechnete  das  Kalk  - Conglomerat  und  den  Karniowicer 
Kalk  zum  Steinkohlengebirge  und  auch  der  Durchbruch  der  Quarz -Por- 
phyre und  Melaph'yre  sollte  nach  ihm  in  der  Zeit  des  Absatzes  des  Kohlen- 
gebirges erfolgt  sein.  Später  ’)  setzte  er  das  Hervorbrechen  der  Porphyre 
und  Melaphyre  in  eine  viel  jüngere  Periode,  indem  er  beobachtet  zu  haben 
glaubte,  dass  sie  auch  triassische  und  jurassische  Gesteine  durchbrochen 
haben.  L.  Hohenegger  in  Teschen  bestimmte  anfangs  das  Kalk- 
Conglomerat  von  Filipowice  und  die  losen  Sandsteine  und  Sande  von 
K w a c z a 1 a als  Rothliegendes,  den  Karniowicer  Kalk  als  Zechstein.  Später 
änderte  er  seine  Ansicht  und  rechnete  sämmtliche  Gesteine  zum  Bunten- 
Sandstein.  Diese  Altersbestimmung  ist  auch  von  C.  Fallaux  in  den 
Erläuterungen  zu  der  geognostischen  Karte  des  Krakauer  Gebietes  bei- 
behalten worden.  Ebendaselbst  wird  auch  das  Hervorbrechen  der  Por- 
phyre und  Melaphyre  in  die  jurassische  Zeit  verlegt,  weil  sie  angeblich 
jurassische  Schichten  mit  'Ammonites  macrocephalus  durchbrechen. 

1)  üeber  die  geognostischen  Verhältnisse  von  Polen  nach  genaueren  Beobachtungen  und  Auf- 
schlüssen in:  Kar  steil ’s  Archiv  für  Berg- und  Hüttenkunde  Bd.  XII.  1839.  S.  155 — 173. 


Rothliegendes. 


119 


Ich  selbst  rechne  sämmtliche  Gesteine  zu  der  Bildung  des  Rothliegen- 
den.  Es  leiteten  dabei  die  folgenden  Betrachtungen.  Für  die  sedimentä- 
ren Ablagerungen  ist  zunächst  sicher5  dass  sie  jünger  sind,  als  das  pro- 
duktive Kohlengebirge  und  älter  als  der  Röth  oder  die  obere  Abtheilung 
des  Bunten -Sandsteins,  denn  in  der  Gegend  von  Mienkinia  ruhen  die 
Porphyr -Tuffe  offenbar  auf  den  steil  aufgerichteten  Schief erthonen  des 
produktiven  Steinkohlengebirges  auf  und  bei  Karniowice  wie  bei  Kwa- 
czala  bilden  weisse  mergelige  Röth-Doloniite  die  unmittelbare  Bedeckung 
der  ganzen  Schichtenreihe.  Die  Altersbestimmung  kann  daher  nur  zwischen 
Rothliegendem  und  Bunten  - Sandstein  schwanken.  Es  lässt  sich  nicht 
leugnen,  dass  manche  Umstände  für  die  Zugehörigkeit  zu  dem  letzteren 
sprechen.  Die  unmittelbare  Ueberlagerung  durch  Röth-Dolomite  gehört 
namentlich  dahin.  Die  Gesteinsbeschaffenheit  lässt  wenigstens  ’ bei  den 
sandigen  Schichten  eben  so  gut  die  Deutung  als  Bunter-Sandstein,  wie  als 
Rothliegendes  zu.  Namentlich  die  losen  sandigen  Schichten,  wie  sie  in 
den  Schluchten  von  Kwaczafa  und  überhaupt  in  dem  ganzen  Höhenzuge 
zwisehen  Alwernia  und  Chelmek  aufgeschlossen  sind,  könnten  nach 
ihrem  äusseren  Verhalten  für  Bunten-Sandstein  gehalten  werden.  Allein 
die  Verbindung,  in  welcher  die  sandigen  und  kalkigen  Ab- 
lagerungen mit  den  Porphyr-Tuffen  und  diese  wieder  mit  den 
Porphyren  und  Melaphyren  stehen,  spricht  entschieden  für  die 
Zugehörigkeit  zu  dem  Rothliegenden.  Die  Quarz -Porphyre  und 
Melaphyre  gleichen  in  jeder  Beziehung  denjenigen,  welche  in  anderen  Ge- 
genden wie  namentlich  in  Niederschlesien  und  in  Böhmen  dem  Roth- 
liegenden untergeordnet  sind.  Wenn  schon  diese  petrographische  Ueber- 
einstimmung  auf  die  Gleichzeitigkeit  des  Hervortretens  schliessen  lässt, 
so  wird  diese  auch  durch  die  Lagerungs  Verhältnisse  erwiesen.  Die  Por- 
phyre des  Krakauer  Gebietes  sind  hervorgebrochen,  als  das 
Steinkohlengebirge  schon  gehoben  war,  aber  bevor  die  Ablage- 
rung der  Schichten  der  Trias-Formation  begonnen  hatte.  Da- 
für ist  namentlich  das  Verhalten  des  Porphyrs  bei  Mienkinia  beweisend. 
Die  auf  der  rechten  Seite  der  Thalschlucht  liegende  Partie  des  Porphyrs 
ruht  offenbar  wie  eine  dicke  Platte  ungleichförmig  auf  den  steil  aufgerich- 
teten Schieferthonen  des  Steinkohlengebirges  auf.  Die  letzteren  sind  in 
mehreren  tiefen  Wasserrissen  von  dem  Grunde  der  Thalschlucht  bis  dicht 
unter  den  Porphyr  zu  verfolgen.  Auch  bei  der  Porphyr-Partie  auf  der  lin- 
ken Seite  der  Thalschlucht  ist  die  Auflagerung  auf  steil  aufgerichtete  Koh- 
lenschiefer nachweisbar.  Dicht  unter  dem  Porphyr  des  am  tiefsten  liegen- 
den Steinbruchs  waren  im  Jahre  1863  durch  einen  Wegeeinschnitt  rothe 


120 


Permische  oder  Zechstein-Gruppe. 


Schiefer  aufgeschlossen,  welche  man  nach  der  Farbe  für  Schiefer  des  Roth- 
liegenden  oder  Bunten-Sandsteins  hätte  halten  können,  welche  aber  durch 
Pflanzenabdrücke  und  namentlich  solche  einer  Sphenopteris-Art  mit  Sicher- 
heit als  Kohlenschiefer  bestimmt  werden,  die  ihre  rothe  Färbung  nur  dem 
aufliegenden  Porphyr  verdanken.  In  der  That  stehen  auch  auf  dem  gegen- 
überliegenden steilen  Ufer  des  Baches  ganz  ähnliche  rothe  Schiefer  an, 
welche  unmerklich  in  die  schwarzen  oder  dunkel  grauen  gewöhnlichen 
Kohlenschiefer  übergehen.  Betrachtet  man  von  den  auf  der  linken  Seite 
der  Thalschlucht  gelegenen  Steinbrüchen  aus,  die  mehrere  hundert  Fuss 
höher  neben  dem  Dorfe  Mienkinia  selbst  gelegene  Porphyr-Partie,  so 
sieht  man,  dass  die  deutlich  erkennbare  abwärts  geneigte  Auflagerungs- 
fläche des  Porphyrs  auf  das  Kohlengebirge  in  ihrer  Fortsetzung  nach  unten 
gerade  in  die  Auflagerungsfläche  der  linksseitigen  Porphyr -Partie  fallen 
würde.  Beide  Porphyr-Partien  haben  ursprünglich  eine  geneigte,  30  bis 
50  Fuss  dicke  Decke  oder  Platte  auf  den  Kohlenschiefern  gebildet,  welche 
nur  durch  das  Auswaschen  der  Thalschlucht  in  zwei  Theile  getrennt  wurde. 
Es  war  daher  nicht  nur  die  Ablagerung  der  Schichten  des  Kohlengebirges 
bereits  erfolgt,  sondern  dieselben  waren  auch  bereits  in  ihre  gegenwärtige 
Schichtenstellung  gehoben,  als  das  Hervorbrechen  der  Porphyre  erfolgte. 

Auch  die  Porphyr  - Partie  von  Zalas  ruht  augenscheinlich  auf  dem 
Kohlengebirge,  denn  das  letztere  tritt  in  der  Form  von  grauen  Schiefern 
und  glimmerreichem  lockeren  Sande  auf  dem  linken  Thalgehänge  und  im 
Bachbette  an  der  Strasse  von  Sanka  nach  Tenczynek  ganz  in  der 
Kähe  des  Porphyrs  zu  Tage. 

Die  kleine  Porphyr  - Partie  in  der  Orleja- Schlucht  westlich  von 
Sanka  ruht  auf  rothen  Schiefer thonen,  welche  ganz  denjenigen  unterhalb 
der  kleineren  Porphyr-Partie  von  Mienkinia  gleichen  und  unzweifelhaft 
gleich  diesen  Kohlenschiefer  sind. 

Der  Melaphyr  scheint  ebenfalls  überall  das  Steinkohlengebirge  zur 
Unterlage  zu  haben.  Am  deutlichsten  ist  diese  Auflagerung  des  Melaphyrs 
am  Tenczyner  Schlossberge  zu  beobachten.  Bei  einem  im  Jahre  1863 
ausgeführten  Versuchsbaue  auf  Steinkohlen,  traf  man  an  dem  östlichen 
Abhange  des  Kegels  des  Schlossberges  nur  wenige  Fuss  unter  dem  an  dem 
Abhange  des  Kegels  sich  hoch  hinaufziehenden  Diluvial-Sande  die  Schiefer 
des  Steinkohlengebirges  und  in  denselben  ein  55  Zoll  mächtiges  Kohlen- 
flötz.  Ganz  nahe  über  diesem  Versuchsbaue  steht  schon  der  Melaphyr  an. 
Auch  am  Nordabhange  der  Melaphyr -Partie  von  Tenczynek  bei  dem 
Dorfe  Rudno  sind  neuerlichst  Kohlen  erschürft  worden.  Dass  auch  die 
Me laphyr-Partien  von  Alwernia  und  von  Regulice  das  Kohlengebirge 


Rothliegendes. 


121 


zur  unmittelbaren  Unterlage  habe,  ist  durch  direkte  Beobachtung  nicht 
nachzuweisen  aber  aus  allgemeinen  Gründen  durchaus  wahrscheinlich. 
Anderer  Seits  sind,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde,  weder  bei  Mienkinia, 
noch  anderswo  im  Krakau’schen  Durchbrüche  der  Porphyre  und  Mela- 
phyre  durch  triassische  oder  jurassische  Schichten  beobachtet  worden^), 
obgleich  solche  Gesteine  in  der  Umgebung  der  Porphyre  überall  verbreitet 
sind  und  wenn  sie  bei  dem  Hervorbrechen  der  Porphyre  schon  vorhanden 
gewesen  wären,  von  diesen  hätten  durchbrochen  sein  müssen.  Solche 
Durchbrüche  sind  auch  an  sich  sehr  unwahrscheinlich,  da  nirgendwo  in 
Deutschland  und  in  Mittel  - Europa  überhaupt  nordwärts  von  den  Alpen 
Eruptiv -Gesteine  von  jüngerem  Alter  als  die  Porphyre  und  Melaphyre  des 
Rothliegenden  und  von  hölierem  Alter  als  die  Basalte,  Trachyte  und  Phono- 
lithe  der  mittleren  Tertiär-Zeit  bekannt  sind.  Hiernach  kann  das  Hervor- 
brechen der  Porphyre  und  der  enge  mit  ihnen  verbundenen  Melaphyre  nur 
während  der  Ablagerung  des  Rothliegenden  erfolgt  sein.  Das  ist  im  Ein- 
klänge mit  dem  Alter  aller  ähnlichen  Porphyre  und  Melaphyre. 

Ebenso  wie  die  Eruptiv-Gesteine  selbst  deuten  auch  die  augenschein- 
lich aus  ihrer  Zerstörung  hervorgegangenen  Porphyr-Tulfe  auf  die  Zeit  des 
Rothliegenden.  Aehnliche  Porphyr-Tuffe  und  Porphyr -Breccien  pflegen 
auch  in  anderen  Gegenden,  wo  Porphyre  und  Melaphyre  auftreten,  in  der 
Umgebung  dieser  letzteren  als  Einlagerungen  zwischen  Conglomeraten 
und  Sandsteinen  des  Rothliegenden  vorzukommen.  Nirgendwo  in  Deutsch- 
land sind  dagegen  solche  Porphyr- Tuffe  als  Einlagerungen  zwischen 
Schichten  des  Bunten-Sandsteins  gekannt.  Endlich  weisen  auch  die  aller- 
dings nur  sehr  sparsamen  organischen  Einschlüsse  der  ganzen  Reihe  von 
Gfesteinen  mehr  auf  das  Rothliegende  als  auf  den  Bunten-Sandstein  hin. 
Das  gilt  im  Besonderen  von  den  verkieselten  Hölzern  der  losen  Sandstein- 
schichten von  Kwaczafa,  da  sie  nach  Göppert  zum  Araucarites  Schrol- 
lianus,  einer  im  Rothliegenden  Böhmens  und  Schlesiens  verbreiteten 
Art  gehören.  Von  den  fossilen  Pflanzen  des  Karniowicer  Kalks  sind 
namentlich  Annularia  und  Sphenophyllum  paläozoische  in  der  Trias  nicht 
mehr  gekannte  Formen,  während  das  mit  Neuropteris  elegans  identische 
oder  doch  nahe  verwandte  Farrenkraut  allerdings  mehr  auf  den  Bunten- 
Sandstein  hinweist. 


1)  Die  Angaben  von  Hohenegger,  T scher mak  und  Fallaux  von  solchen  Durchbrüchen 
durch  triassische  Gesteine  beruhen  nach  meiner  Ueberzeugung  auf  irrthüinlicher  Beobachtung  und 
wurden  auch  nicht  durch  die  Nachweisung  specieller  Beobachtungs-Punkte  unterstützt. 


16 


122 


Trias-Formation. 


11.  Trias -Formation. 


Gesteine  der  Trias-Formation  nehmen  in  unserem  Kartengebiete  einen 
ausgedehnten  Flächenraum  ein.  Jedoch  beschränken  sie  sich  auf  die 
nordöstliche  Hälfte  des  Gebietes,  während  sie  der  südwestlichen  Hälfte 
fremd  sind.  Ihre  Hauptverbreitung  haben  sie  im  Königreiche  Polen,  in 
einem  Gebiete,  welches  durch  den  nordöstlichen  Rand  des  Steinkohlen- 
gebirges und  den  westlichen  Rand  des  von  Krakau  über  Olkusz  und 
Czenstochau  sich  erstreckenden  polnischen  Jurazuges  begrenzt  wird 
und  sich  gegen  Norden  immer  mehr  erweitert.  Andere  Partien  von. 
Trias  - Gesteinen  treten  aber  auch  in  dem  Bereiche  des  Steinkohlen- 
gebirges selbst  auf.  Mit  Ausnahme  des  kleinen  Gebietes  im  Krakau- 
schen,  wo  sich  die  vorher  beschriebenen  Gesteine  des  Rothliegenden 
dazwischen  schieben,  der  Umgebung  von  Tost,  wo  Culm-Grauwacke  da& 
Liegende  bildet,  und  endlich  der  Umgebung  von  Siewierz,  wo  devonische 
Kalke  unmittelbar  aus  den  angrenzenden  Trias  - Gesteinen  hervortreten, 
haben  die  Trias -Gesteine  überall  das  produktive  Steinkohlengebirge  zur 
unmittelbaren  Unterlage.  Die  Neigung  der  Schichten  ist  allgemein  eine 
ganz  geringe,  nur  wenig  von  der  wagerechten  Lage  abweichende,  so  das& 
nur  selten  die  Richtung  des  Einfallens  gegen  Nordosten  oder  Norden  deut- 
lich wahrzunehmen  ist.  Nur  in  einem  nördlich  von  dem  Rudawa-Thale 
im  Krakau’schen  liegenden  Gebiete  sind  steile  Schichtenstellungen  nament- 
lich bei  dem  Muschelkalke  herrschend. 

Alle  drei  Hauptabtheilungen,  in  welche  die  Formation  regelmässig  zer- 
fällt, sind  auch  in  unserem  Karten-Gebiete  entwickelt.  Der  bunte  Sand- 
stein, der  Muschelkalk  und  der  Keuper. 

1.  Der  bunte  Sandstem. 
a.  Verbreitung. 

Von  den  drei  Gliedern  der  Trias -Formation  hat  der  bunte  Sandstein 
in  unserem  Karten-Gebiete  bei  Weitem  die  geringste  Ausdehnung  an  der 
Oberfläche.  Seine  Verbreitung  beschränkt  sich  im  Ganzen  auf  einige 
schmale  Streifen  oder  Zonen  am  Rande  der  Muschelkalk -Züge,  zwischen 
dem  Muschelkalk  selbst  und  dem  Steinkohlengebirge  wie  bei  Chorzow 
unweit  Königshütte  und  bei  Biskupitz  unweit  Zabrze,  oder  zwischen 
dem  Muschelkalke  und  der  Culm-Grauwacke  wie  bei  Tost  und  bei  Zy- 
rowa  unweit  Leschnitz. 


Der  bunte  Sandstein. 


123 


b.  Petrographische  Zusammensetzung. 

Der  bunte  Sandstein  bildet  in  Oberschlesien  eine  aus  losen  weissen 
Sanden,  mürben  Sandsteinen,  und  braunrothen  Tlionen  und  mergeligen 
weissen  Dolomiten  bestehende  Ablagerung  von  einer  200  Fuss  nicht  über- 
steigenden meistens  sehr  viel  geringeren  Mächtigkeit^).  Im  Beuthener 
Kreise  haben  die  zahlreichen  in  dem  Muschelkalk  angesetzten  und  in  das 
Steinkohlengebirge  niedergebrachten  Bohrlöcher  sogar  nur  eine  zwischen 
40  bis  80  Fuss  schwankende  Mächtigkeit  der  ganzen  Bildung  ergeben. 
Die  Abwesenheit  fester  Sandsteinbänke,  das  Auftreten  loser  Sande  und  die 
geringe  Mächtigkeit  ist  im  Vergleich  mit  der  typischen  Entwickelung  der 
Bildung  im  mittleren  und  südlichen  Deutschland  für  den  bunten  Sandstein 
Oberschlesiens  bezeichnend. 

c.  Organische  Einschlüsse. 

Die  aus  thonigen  und  sandigen  Gesteinen  bestehende  Hauptmasse  der 
ganzen  Bildung  hat  bisher  keine  organischen  Einschlüsse  geliefert^).  Nur 
die  aus  dünn  geschichteten  mergeligen  weissen  Dolomiten  bestehende  kaum 
mehr  als  20  Fuss  mächtige  Schichtenfolge,  welche  die  ganze  Bildung  nach 
oben  beschliesst  und  welche  namentlich  in  einem  bei  Lendzin  und  An- 
halt nördlich  von  Berun  beginnenden  und  über  Chelm,  Libiaz,  Plaza 
und  Lipowiec  bis  Alwernia  gegen  Osten  sich  forterstreckenden  Zuge 
entwickelt  ist,  enthält  organische  Einschlüsse.  Gewisse  Schichten  dieser 
Dolomite  sind  sogar  auf  den  Schichtflächen  ganz  erfüllt  mit  den  Ab- 
drücken und  Steinkernen  von  Zweischalern  und  Gastropoden.  Das  häu- 
figste und  bezeichnendste  Fossil  ist  Myo]}hona  costata  Eck  (Donax  costata 
Zenker;  MyopJioria  fallax  C.  v.  Seebach).  Nächstdem  sind  namentlich 
Natica  Gaillar doti  L efr,  und  Ammonites  Buchii  wichtig.  Die  übrigen  Arten, 
wie  Pecten  discites,  Monotis  Älhertiij  Gervillia  costata  und  Corhula  incras- 
sata  sind  wohl  bekannte  auch  im  Muschelkalk  weit  verbreitete  Formen. 
Myojphoria  costata  ist  in  ganz  Deutschland  ein  weit  verbreitetes  Leit-Fossil 
der  als  Röth  bezeichneten  obersten  Abtheilung  des  bunten  Sandsteins  und 
man  wird  daher,  da  auch  die  übrigen  Arten  und  die  Lagerungsverhältnisse 
dazu  passen,  diese  weissen  dolomitischen  Schichten  unbedenklich  als 
Röth  ansprechen  dürfen. 


1)  Eine  im  Jahre  1853  bei  Sakrau  unweit  Gogolin  gestossenes  Bohrloch  steht  290  Fuss  in 
Schichten  des  bunten  Sandsteins.  Erst  darunter  wurde  Culm-Grauwacke  angetroffen. 

2)  Das  angebliche  V orkommen  von  solchen  bei  Koslowagora  zwischen  B e u t h e n und  N e u - 
deck  beruht  auf  einer  Verwechselung.  Die  dortigen  versteinerungsführenden  Schichten  gehören 
der  unteren  Abtheilung  des  produktiven  Steinkohlengebirges  an. 


16^ 


124 


Trias-Formation. 


d.  Gliederung. 

Da  bisher  nur  aus  der  obersten,  aus  dolomitischen  Mergeln  bestehenden 
Abtheilung  organische  Einschlüsse  bekannt  sind,  so  ist  in  paläontologischer 
Beziehung  nur  eine  Theilung  der  ganzen  Bildung  in  diese  obere  versteine- 
rungsführende und  die  untere  versteinerungslose,  thonig  sandige  Abtheilung 
begründet.  Da  nun  aber  in  anderen  Gegenden  von  Deutschland  der  Röth 
eine  viel  bedeutendere  Mächtigkeit  zu  haben  pflegt  und  vorzugsweise  aus 
bunten  Letten  und  Mergeln  besteht,  so  scheint  es  allerdings  gerechtfertigt, 
auch  noch  die  vorzugsweise  aus  braunrothen  Letten  bestehende  obere 
Schichtenfoige  der  versteirierungslosen  sandig  thonigen  Abtheilung,  wie 
H.  Eck  gethan  hat,  dem  Röth  zuzurechnen,  obgleich  die  genauere  Grenz- 
bestimmung hier  mehr  oder  minder  willkürlich  sein  wird. 

Die  beiden  Glieder  des  bunten  Sandsteins  in  Oberschlesien  sind  hiernach: 

a.  Unterer  bunter  Sandstein,  aus  braunrothen  Letten,  mürben 
Sandsteinen  und  losen  Sanden  in  einer  Mächtigkeit  von  etwa  150  Fuss 
bestehend. 

b.  Oberer  bunter  Sandstein  oder  Röth,  aus  braunrothen  Letten 
und  weissen  dolomitischen  Mergeln  mit  MyopJioria  costata  Eck  (M.  fallax 
V.. Seebach),  Natica  Gaillar doti  u.  s.  w.  in  einer  Mächtigkeit  von  etwa 
50  Fuss  bestehend. 

a.  Unterer  bunter  Sandstein. 

Da  organische  Einschlüsse  der  unteren  Abtheilung  des  bunten  Sand- 
steins ganz  fehlen  und  da  die  petrographische  Zusammensetzung  aus  zähen 
braunrothen  Letten  und  losen  Sanden  eine  sehr  einförmige  ist,  so  giebt 
derselbe  zu  wenigen  weiteren  Bemerkungen  Veranlassung.  Nach  Eck 
beginnt  die  Schichtenfolge  desselben  in  Oberschlesien  regelmässig  zu 
unterst  mit  einem  Lager  von  rothem  Letten  und  erst  über  diesem  folgt  die 
Hauptmasse  der  Sandschichten,  die  durch  schwache  Zwischenlagen  von 
braunrothem  oder  blutrothem  Letten  von  einander  getrennt  werden.  Die 
Sandsteine  sind  von  rother,  gelblicher  oder  weisser  Färbung  und  meistens 
feinkörnig.  Das  thonige  oder  kalkige  Bindemittel  ist  meistens  nur  sparsam 
vorhanden;  zuweilen  fehlt  es  ganz  und  die  Ablagerung  erscheint  dann  in 
der  Form  ganz  mürber  zerreiblicher  Sandsteine.  Den  besten  Aufschluss 
der  Sandsteinschichten  gewährt  das  rechte  Oder-Ufer  bei  Krapp itz.  Auch 
westlich  von  Jeschiuna  bei  dem  Vorwerke  Podolschine,  ferner  bei 
Zyrowa  am  Fahrwege  nach  Oleschka,  an  den  südlichen  Gehängen  der 
Anhöhen  von  Gross-Pluschnitz,  Kottlischo witz  und  Schierot  und 
bei  Neudeck  treten  sie  zu  Tage.  Der  untere  rothe  Letten  ist  nach 


Der  bunte  Sandstein. 


125 


Eck  in  mehreren  kleinen  Aufschlüssen  bei  den  Dörfern  Zyrowa  und 
Jeschiuna,  ferner  bei  der  Zura-Mühle  unweit  Oberwitz  und  in  einer 
östlich  von* Koslowagora  gelegenen  Thongrube  zu  beobachten. 

In  den  an  das  preussische  Oberschlesien  angrenzenden  Gebieten  des 
Königreichs  Polen,  wie  namentlich  in  der  Gegend  von  Slawkow  und  im 
Krakau’schen,  sind  von  der  ganzen  Bunten-Sandstein-Bildung  fast  nur  die 
dolomitischen  Mergel  und  rothen  Letten  entwickelt  und  die  Gesammtheit 
aller  übrigen  Schichten  ist  so  zusammengeschrumpft,  dass  ihre  Auftragung 
auf  die  Karte  kaum  thunlich  ist.  ln  einem  anderen  Theile  von  Polen, 
nördlich  von  den  devonischen  Höhenzügen  bei  Kielce  oder  dem  so- 
genannten polnischen  Mittelgebirge  nämlich,  ist  dagegen  gerade  die  untere 
sandige  Abtheilung  in  der  Form  fester  braunrother  Sandsteine  in  bedeu- 
tender Mächtigkeit  entwickelt. 

b.  Eöth. 

aa.  Petrographische  Zusammensetzung’. 

Die  obere  Abtheilung  des  bunten  Sandsteins  in  Oberschlesien  und 
in  den  angrenzenden  Theilen  von  Polen  besteht  aus  einer  gegen  30  Fuss 
mächtigen  Schichtenfolge  von  braunrothen  Thonen  und  dünn  geschichteten 
gelblich  weissen  mergeligen  Dolomiten.  Sandige  Schichten  sind  fast  ganz 
ausgeschlossen  und  nur  in  sehr  geringer  Mächtigkeit  hier  und  da  den  Tho- 
nen untergeordnet.  Die  mergeligen  Dolomite  bilden  gewöhnlich  in  einer 
Mächtigkeit  von  15  bis  20  Fuss  den  Schluss  der  ganzen  Bildung  nach  oben 
und  werden  regelmässig  von  den  untersten  Schichten  des  Muschelkalks 
unmittelbar  und  gleichförmig  überlagert. 

bb.  Verbreitung*. 

Die  Verbreitung  betreffend,  so  wird  wahrscheinlich  überall,  wo  der 
bunte  Sandstein  vom  Muschelkalk  überlagert  wird,  auch  der  Röth  ent- 
wickelt sein.  Wenn  jedoch,  wie  es  in  den  westlichen  Partien  des  bunten 
Sandsteins  zum  Theil  der  Fall  zu  sein  scheint,  die  mergeligen  Dolomite 
fehlen,  so  wird  man  kaum  ein  sicheres  Anhalten  haben,  um  den  Röth  von 
der  unteren  Abtheilung  des  bunten  Sandsteins  zu  trennen. 

Am  deutlichsten  ist  die  Entwickelung  der  Bildung  in  einer  Zone  zu 
beobachten,  welche  sich  von  Len  dz  in  nördlich  von  Berun  über  Chelm, 
Chelmek,  Libi§z,  Plaza,  Lipowiec  bis  Kwaczala  unweit  Alwer- 
nia  verfolgen  lässt.  Namentlich  die  Dolomite  sind  hier  überall  deutlich 
entwickelt  und  durch  organische  Einschlüsse  bezeichnet.  Bei  Lendzin 
sind  die  Dolomite  sowohl  nördlich  von  dem  Dorfe,  als  auch  in  dem  die 


126 


Trias-Formation. 


Clemens-Kirclie  tragenden  Hügel  aufgeschlossen.  Bei  Plaza  ist  an  den 
Gehängen  des  Bachthaies  unterhalb  des  Dorfes  ein  deutlicher  Aufschluss. 
Auch  bei  Jaworzno  hat  sich  die  Ablagerung  in  einem  schmalen  Streifen 
unter  dem  Muschelkalk  nachweisen  lassen.  Am  südlichen  Rande  des 
grossen  Muschelkalk-Zuges  zwischen  Tarnowitz  und  Krappitz  an  der 
Oder  sind  die  Röth-Schichten  ebenfalls  entwickelt.  Eck  hat  die  einzelnen 
Aufschlusspunkte  näher  verzeichnet.  Die  Dolomit-Schichten  mit  Myo^horia 
costata  sind  am  deutlichsten  in  einem  Steinbruche  bei  der  Bobrecker 
Mühle  aufgeschlossen.  Auch  westlich  von  Chropatschow  ist  er  gekannt. 
Bei  Strzebniow  unweit  Gogolin  wurde  er  mit  Versuchsscliächten  an- 
getrolfen.  Endlich  steht  er  auch  an  der  Einmündung  des  Oberwitzer 
Wassers  in  die  Oder  zu  Tage.  Die  thonigen  Schichten  des  Röth  kennt 
man  namentlich  am  Wege  von  Zjrowa  nach  Oleschka,  bei  Strze- 
bnioWj  Gross-PluschnitZj  Sarnow,  Kottlischo witz  und  Schierot. 
Ferner  in  ansehnlicher  Verbreitung  zwischen  Neu  deck  und  Deutsch- 
Piekar.  Auch  bei  Chorzow  und  Chropatschow  sind  die  Thone  be- 
kannt. Im  Krakauer  Gebiete  ist  der  Röth -Dolomit  an  den  Gehängen 
der  Thäler  von  Filipowice  und  Karniowice  an  vielen  Punkten  zu 
beobachten.  So  namentlich  auf  Porphyr-Tuff  aufruhend  am  linken  Thal- 
gehänge bei  Filipowice.  In  gleicher  Weise  auf  Porphyr-Tuff  aufruhend 
ist  er  weiter  nördlich  am  Eingänge  in  das  Dorf  Ploki  aufgeschlossen. 
Der  Röth  ist  ferner  überall  an  dem  West-Rande  des  zwischen  Siewierz 
und  Olkusz  sich  erstreckenden  Muschelkalkzuges  nachweisbar.  So 
namentlich  in  der  Umgebung  des  Dorfes  Strzemieszyce  und  bei  Zabko- 
wice  in  dem  Eisenbahneinschnitte  nördlich  von  dem  Bahnhofe.  Die  thoni- 
gen und  sandigen  Schichten  des  Röth  sind  auch  bei  Siemonia  und  Ro- 
goznik  am  östlichen  Rande  der  Muschelkalk-Muldcj  deren  westlicher  Rand 
zwischen  Deutsch-Piekar  und  Neudeck  liegt^  deutlich  entwickelt. 

cc.  Organiselie  Emschlttsse. 

Versteinerungen  sind  nur  aus  den  dolomitischerij  nicht  aus  den  thoni- 
gen Schichten  des  Röth  bekannt.  Die  Dolomite  sind  fast  überall  reich  an 
organischen  Einschlüssenj  die  freilich  nur  in  der  Form  von  Steinkernen 
und  Abdrücken  erhalten  sind.  Das  häufigste  Fossil  ist  überallj  wie  schon 
oben  bemerkt  wurde 5 Myophoria  costata  Eck.  Durch  das  Vorkommen 
dieses  auch  in  anderen  Gegenden  von  Deutschland  für  den  Röth  bezeich- 
nenden Fossils  wird  die  Altersstellung  der  Schichten  zweifellos  bestimmt. 
Die  übrigen  Arten  sind  gleichfalls  solchOj  welche  im  Röth  und  zum  Theil 
im  unteren  Muschelkalk  anderer  Gegenden  Vorkommen. 


Der  bunte  Sandstein. 


127 


Aufzählung  der  im  Röth  Oberschlesiens  und  der*angrenzenden 

Theile  von  Polen  beobachteten  organischen  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.  10. 

1 . Reste  von  Sauriern.  Nach  H.  E c k b ei  der  0 1 1 in  u t h e r M üh  1 e. 

2.  Ammonites  Buchii  Alberti;  Taf.  10.  Fig.  14,  15.  (Goniatites  Buchii 
W i s s m a n n ; Ceratites Buchii  v.  Seebach).  V ergl.  für  die  Synonymie 
F.  V.  Alberti:  üeberblick  über  die  Trias.  Stuttgart,  1864.  S.  182. 

Die  Allgemeine  Form  der  Loben  ist  diejenige  der  Ceratiten,  aber  es 
fehlen  die  Zähne  der  rückwärts  gewendeten  Biegungen.  Berger  will  zwar 
solche  beobachtet  haben.  Die  vorliegenden  Exemplare  lassen  nichts  davon 
erkennen : 

Vorkommen:  Degenhardt  fand  die  Art  bei  Lendzin  an  einer  nörd- 
lich von  (iem  Dorfe  gelegenen  Anhöhe.  Ich  selbst  am  St.  Clemens-Berge 
bei  Lendzin.  Die  Hohenegger’sche  Sammlung  enthält  mehrere  voll- 
ständige Exemplare  von  Plaza.  Sonst  ist  die  Art  bekanntlich  auch  im 
Röth  und  im  unteren  Muschelkalk  (Wellenkalk)  Süd-  und  Mittel-Deutsch- 
lands an  mehreren  Orten  nachgewiesen. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  14.  Ansicht  des  Steinkerns  eines 
vollständigen  Exemplars  mit  erhaltener  Wohnkammer  von  Lendzin  von 
der  Seite.  Fig.  Ib.  Ansicht  desselben  Exemplars  im  Profil,  gegen  die  Mün- 
dung gesehen. 

3 . Pleurotomaria  Älhertiana  Wissmann(?). 

Bei  der  Erhaltung  des  Steinkernes  nicht  sicher  bestimmbar. 

V orkommen:  Bei  Lendzin  (nach  H.  Eck). 

4.  Turhonilla  scalata  Bronn  (?).  Taf.  10,  Fig.  12. 

Vorkommen:  Bei  Lendzin. 

ErklärungderAbbildung:  Ansicht  des  Steinkerns  einer  kleinen  Form. 

5.  Natica  Gaillardoti  Lefroy  (?)  Taf.  10,  Fig.  13. 

Nicht  mit  Sicherheit  werden  kleine  bei  Lendzin  vorkommende  Stein- 
kerne zu  dieser  Art  gestellt. 

Vorkomm  en:  Ausser  bei  Lendzin  nach  H.  Eck  auch  bei  Bobreck. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  13.  Ansicht  des  Steinkerns  eines 
ganz  jungen  Exemplars. 

6.  Myacites  mactroides  Schloth.  Taf.  10,  Fig.  8. 

Vorkommen:  Auf  den  Schichtflächen  des  Dolomits  bei  Kwaczala 

liegen  Abdrücke  dieser  Art  häufig  zwischen  den  Abdrücken  von  Myojphoria 
castata.  Eck  führt  sie  von  Lendzin  auf. 

Erklärung  der  Abbildung:  Ansicht  von  der  Seite  nach  dem  Gutta- 
percha-Abgusse  eines  Abdruckes  von  Kwaczala. 


]28 


Trias-F  ormation. 


7.  Myadtes  sp.  Taf.  10,  Fig.  9. 

Grösser  und  breiter  als  die  vorige  Art  mit  weniger  nach  vorn  aus- 
gedehnter Schale. 

Vorkommen:  In  der  Form  von  Abdrücken  mit  der  vorigen  Art  zu- 
sammen bei  KwaczaJa. 

Erklärung  der  Abbildung:  Ansicht  der  rechten  Klappe  der  Schale 
nach  einem  Gutta-percha- Abgusse  eines  Abdrucks. 

8 . Corhula  incrassata  Münster. 

Vorkonimen:  Nach  Eck  bei  Piaza. 

9.  Myophoria  costata  Eck.  Taf.  10,  Fig.  1,  2.  (Donax  costata  Zenker; 

Myophoria  fallax  v.  Seebach.) 

Früher  meistens  mit  Myophoria  Goldfussii  verwechselt,  wurde  diese  Art 
durch  C.  V.  See  b ach  zuerst  specifisch  schärfer  begrenzt  und  M,  fallax  ge- 
nannt. H.  Eck  hält  die  Identität  der  von  Zencker  aus  den  obersten 
Schichten  des  bunten  Sandsteins  bei  Jena  unter  der  Benennung  Donax 
costata  beschriebenen  Muschel  für  zweifellos  und  nennt  sie  deshalb  Myo- 
phoria costata,  Professor  Schmidt  in  Jena  bestätigte  mir  mündlich,  auf 
Grund  der  Kenntniss  des  Original -Exemplars,  dass  die  von  Zenker  be- 
schriebene Muschel  wirklich  die  durch  C.  v.  Seebach  benannte  Art  des 
Röth  ist, 

Vorkommen:  Von  den  Arten  des  Röth  in  Oberschlesien  und  in 
den  angrenzenden  Theilen  von  Polen  die  häufigste  und  bezeichnendste! 
Die  Schichtflächen  gewisser  Schichten  des  Dolomit  sind  mit  den  Steinkernen 
aus  Abdrücken  derselben  dicht  bedeckt.  Besonders  häufig  ist  sie  in  dem 
von  Lendzin  unweit  Berun  bis  gegen  Alwernia  im  Krakau’schen  sich 
erstreckenden  Zuge  des  Röth,  namentlich  bei  Lendzin,  PJaza  und 
KwaczaJa.  H.  Eck  nennt  ausserdem  als  Fundorte  derselben  Bobreck, 
Strzebniow,Kottlischowitz,  die  Ottmuther  Mühle  und  den  Guido- 
Schacht  der  Ludwigsglück-Grube  bei  Zabrze.  Im  übrigen  Deutsch- 
land ist  die  Art  ebenfalls  eine  Leitmuschel  des  Röth. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1.  Ansicht  eines  als  Steinkern 
erhaltenen  Exemplars  von  Lendzin  bei  Berun.  Fig.  2.  Ansicht  eines  auf 
der  Oberfläche  mit  zahlreichen  in  der  Form  von  Abdrücken*  erhaltener 
Exemplare  bedeckten  Gesteinsstücks  von  Lendzin. 

10.  Myoconcha  gastrochaena  (?),  Taf.  10,  Fig.  5.  (Modiola  gastrochaena 
Dunker;  Myoconcha  gastrochaena  y.  Se eh 

Der  einzige  vorliegende  Steinkern  der  rechten  Klappe  von  Lendzin 
lässt  keine  ganz  sichere  Bestimmung  zu,  jedoch  ist  die  den  vorderen  Mus- 
keleindruck begrenzende  Leiste  im  Abdruck  deutlich  erkennbar. 


Muschelkalk. 


129 


Erklärung  der  Abbildung:  Ansicht  eines  Steinkerns  der  rechten 
Klappe  von  Lendzin. 

11.  Modiola  sp.  Taf.  10,  Fig.  6. 

Eine  durch  die  schmale  Form  der  Schale  und  das  steile  Abfallen  der- 
selben jenseits  eines  dieselbe  durchziehenden  Kiels  ausgezeichnete  Art. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  6.  Ansicht  der  rechten  Klappe 
nach  einem  Exemplar  von  Lendzin. 

1 2 . Lithodomus  priscus  Gr  i e b e 1. 

Vorkommen:  Nach  Eck’s  Angabe  bei  Plaza  und  Bobreck. 

13.  Gervillia  socialis  Wissmann.  Taf.  10,  Fig.  4. 

Vorkommen:  Selten  bei  Lendzin.  Die  Grösse  ist  geringer,  als  die- 
jenige der  gewöhnlichen  Exemplare  des  Muschelkalks. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  4.  Ansicht  der  linken  Klappe. 

1 4.  Gervillia  costäta  Quenstedt.  Taf.  1 0,  Fig.  3 . 

Vorkommen:  In  der  Form  von  Steinkernen  bei  Plaza  und  bei 

Lendzin. 

Erklärung  der  Abbildung:  Ansicht  eines  Steinkerns  der  linken 
Klappe  von  Plaza. 

15.  Gervillia  sp.  Taf.  10,  Fig.  7. 

Die  Steinkerne  dieser  Art  haben  eine  schmalere  Form  als  diejenigen 
der  vorhergehenden  Art.  Sie  sind  bei  Kwaczala  nicht  selten. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  7.  Ansicht  des  Steinkerns  der  rech- 
ten Klappe  von  Kwaczala. 

16.  Monotis  Alberti  Goldf.  Taf.  10,  Fig.  10,  11. 

Vorkommen:  In  jungen  kleinen  Exemplaren  ist  diese  Art  bei  Lend- 
zin häufig.  Von  Plaza  liegt  ein  grosses  ausgewachsenes  Exemplar  vor, 
Eck  führt  die  Art  von  Bob  reck  auf. 

Erklärung  der.  Abbildungen:  Fig.  10.  Ansicht  eines  kleinen  Exem- 
plars von  Lendzin  in  natürlicher  Grösse.  Fig.  11.  Dasselbe  vergrössert. 

1 7 . Pecten  discites  S c h 1 o t h. 

Nach  Eck  zwischen  Plaza  und  Lipowiec  vorkommend. 

18.  Lingula  tenuissima  Bronn. 

Nach  Eck  bei  Chropatscho w. 

2.  Muschelkalk. 

a.  Verbreitung. 

Der  Muschelkalk  bildet  in  Oberschlesien  und  in  den  benachbarten 
Theilen  von  Polen  zunächst  einen  grossen  über  10  Meilen  langen  und  1 bis 
3 Meilen  breiten  flachen  Rücken,  welcher  gegen  Norden  und  Nordosten  die 

17 


130 


Trias-Formation. 


Verbreitung  des  Steinkohlengebirges  an  der  Oberfläche  begrenzt  und  von 
Krappitz  an  der  Oder  bis  Olkusz  in  Polen  sich  erstreckt.  Derselbe 
beginnt  in  ganz  niedrigem  Niveau  im  Oder-Thale  bei  Krappitz,  erhebt 
sich  dann  aber  auf  dem  rechten  Ufer  der  Oder  bald  zu  ansehnlicher  Höhe 
und  steigt  in  der  Umgebung  des  Annaberges  bei  Leschnitz  sogar  über 
1200  Fuss  hoch  an.  Weiterhin  vrieder  abfallend,  zieht  sich  die  Erhebung  als 
breites  flaches  Plateau  über  Gross-Strehlitz  bis  Langendorf  nordöst- 
lich von  Tost  zusammenhängend  fort.  Oestlich  von  dem  letzteren  Punkte 
folgt  eine  mehr  als  1 Meile  breite  Unterbrechung  des  Zuges,  indem  die 
Schichten  des  Muschelkalks  durch  mächtige  Ablagerungen  des  Diluviums 
bedeckt  werden.  Erst  westlich  von  Tarnowitz  hebt  sich  der  Höhenzug 
wieder  hervor.  In  der  Gegend  östlich  von  Georgenberg  ändert  er  seine 
bis  dahin  west-östliche  Richtung  in  eine  gegen  Süd- Ost  gerichtete  um  und 
erstreckt  sich  mit  dieser  über  Siewierz  und  Slawkow  bis  Olkusz  fort. 
In  diesem  ganzen  ausgedehnten  Zuge  haben  die  Schichten  des  Muschel- 
kalks, abgesehen  von  einzelnen  ganz  lokalen  Störungen,  ein  kaum  merk- 
bares flaches  Einfallen  gegen  Norden  oder  Nord-Osten. 

Von  diesem  bisher  betrachteten  Hauptzuge  zweigt  sich  nun  in  der 
Gegend  von  Tarnowitz  ein  breiter  und  langgestreckter  Ausläufer  ab, 
welcher  mit  südöstlicher  Richtung  keilförmig  in  das  Gebiet  des  Steinkohlen- 
gebirges hineingreift.  Derselbe  erstreckt  sich  von  Tarnowitz  über 
Beuthen,  Czeladz  und  Bendzin  bis  nach  Klimontöw  im  Königreiche 
Polen  nordöstlich  von  Myslowitz.  Im  Gegensätze  zu  der  einfachen 
Neigung  der  Schichten  des  Hauptzuges  gegen  Norden  zeigt  dieser  Aus- 
läufer eine  muldenförmige  Lagerung,  so  dass  die  jüngsten  Schichten  die 
mittlere  Achse  des  Ausläufers  bilden,  während  die  älteren  auf  beiden  Sei- 
ten hervortreten ').  Geht  man  über  Klimontöw  hinaus  in  südöstlicher 
Richtung  weiter  fort,  so  trilft  man  nach  kurzer  Unterbrechung  durch  eine 
Lücke,  in  welcher  das  Steinkohlengebirge  überhaupt  nicht  von  jüngeren 
Ablagerungen  bedeckt  wird,  in  der  Nähe  von  Dlugoszjn  bei  Sczakowa 
wieder  Muschelkalk  an,  welcher  sich  bald  zu  einer  ähnlichen,  aber  gegen 
Süd-Ost  geöffneten  Mulde  wie  diejenige  von  Beuthen  und  Bendzin,  mit 
der  sie  ursprünglich  augenscheinlich  in  Verbindung  gestanden  hat,  erwei- 
tert. Die  Flügel  dieser  Mulde  verbreiten  sich  über  Chrzano  w und  Trze- 
binia  hinaus  auf  beiden  Seiten  des  Rudawa-Thales  bis  in  die  Gegend 


1)  Durch  einen  sehr  flachen  Sattel,  der  sich  in  der  Richtung  des  V'orwerkes  St  rosseck  den 
Silberberg  entlang  gegen  Broslawitz  hinzieht,  wird  übrigens  auch  der  Muschelkalk  der  Gegend 
von  Tarnowitz  und  Beuthen  in  zwei  seichte  Mulden  getheilt,  welche  man  als  die  Tarnowitzer 
Mulde  und  die  Beuthen-Czeladzer  Mulde  bezeichnen  könnte. 


Muschelkalk. 


131 


von  Krzeszowice  und  Alwernia.  Durch  einen  Sattel  zwischen  By- 
czyna  und  Chrzanow  wird  diese  Mulde  des  Rudawa-Thäles  in  zwei 
Nebenmulden  getheilt.  In  auffallendem  Contrast  gegen  die  flache  Lage- 
rung des  Muschelkalks  in  den  übrigen  bisher  betrachteten  Gebieten  sind 
die  Schichten  dieser  Mulde  auf  der  Nordseite  des  Rudawa-Thales  steil 
aufgerichtet  Diese  Aufrichtung  der  Muschelkalk -Schichten  ist  erst  nach 
der  Ablagerung  der  Schichten  des  weissen  Jura  erfolgt,  denn  diese  letzte- 
ren sind  in  der  betreffenden  Gegend,  wie  namentlich  bei  Mloszo  wa,  süd- 
östlich vonTrzebinia,  in  gleicher  Weise  aufgerichtet  Durch  denselben 
Hebungsakt,  welcher  diese  steile  Schichtenstellung  bewirkte,  wurden  auch 
die  nördlich  und  nordöstlich  von  Krzeszowice  verbreiteten  älteren 
Schichten  in  ein  höheres  Niveau  gehoben  und  so  hier  die  Unterbrechung 
des  südlich  von  Krakau  entspringenden  Jura-Zuges  bewirkt. 

Ausser  diesen  bisher  aufgeführten  zusammenhängenden  grösseren 
Muschelkalk-Gebieten  sind  endlich  in  dem  Bereiche  der  Karte  auch  noch 
verschiedene  kleine  Partien  zerstreut.  Dahin  gehören  zunächst  einige 
solche  Partien  in  der  Nähe  von  Berun  und  Chelni.  Demnächst  mehrere 
an  den  nördlichen  Abfall  des  Kohlengebirgsrückens  von  Nikolai  angela- 
gerte Partien,  von  denen  die  grösste  diejenige  bei  Mo  kr  au  ist  Ferner 
ein  Paar  kleine  Partien  bei  Petersdorf  und  bei  Laband  nördlich  von 
Gleiwitz.  Endlich  mehrere  kleine  Partien  im  Königreiche  Polen.  Zu- 
nächst eine  den  früher  beschriebenen  Hügelrücken  von  devonischem  Kalk 
nördlich  von  Siewierz  umgebende  Partie,  die  namentlich  zwischen  Brud- 
ziewice  und  Nowa- Wioska  an  der  Oberfläche  entwickelt  ist  Dem- 
nächst zwei  ganz  kleine  aus  dem  Keuper-Mergel  bei  Mrzygfod  hervor- 
tretende Partien.  Endlich  ein  ganz  vereinzelt  bei  der  1 Meile  nordöstlich 
vor  Olkusz  gelegenen  Ortschaft  Gliny  zwischen  den  jurassischen  Gestei- 
nen hervortretender  Punkt.  Bei  der  Uebereinstimmung  der  inneren  Zu- 
sammensetzung dieser  kleinen  Partien  mit  derjenigen  der  grösseren  Muschel- 
kalk-Gebiete kann  es  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  sie  ursprünglich  mit 
diesen  zusammengehangen  haben  und  nur  in  Folge  ausgedehnter  Denuda- 
tionen, welche  die  verbindenden  Theile  zerstörten  und  fortführten,  isolirt 
wurden. 

b,  Gliederung. 

Seit  langer  Zeit  hat  der  Bergmann  auf  der  Friedrichs-Grube  bei 
Tarnowitz  in  dem  dortigen  Muschelkalke  ein  Sohlengestein,  welches 
die  Unterlage  der  bleierzführenden  Schichtenfolge  bildet  und  ein  Dach- 
gestein, welches  die  letztere  gleichförmig  überlagert,  unterschieden,  und 


132 


Trias-Formation. 


man  hat  geglaubt,  dass  diese  Unterscheidung  auf  den  oberschlesischen 
Muschelkalk  überhaupt  anwendbar  sei,  der  hiernach  in  drei  Glieder  zer- 
fallen würde,  den  Sohlenstein,  den  erzführenden  Dolomit  und  den 
Dach  kalk  st  ein.  Allein  sobald  man  diese  lediglich  auf  petrographi- 
schen  Merkmalen  beruhende,  vermeintlich  allgemein  gültige  Gliederung  auf 
andere  Gebiete  als  die  unmittelbare  Umgebung  von  Tarnowitz  und  Beu- 
then  übertragen  wollte,  so  gerieth  man  in  Schwierigkeiten  oder  verfiel  in 
entschiedene  Irrthümer.  Eine  durchgreifende  Gliederung  war  nur  auf  eine 
gleichzeitig  die  paläontologischen  und  petrographischen  Merkmale,  so  wie 
das  stratographische  Verhalten  berücksichtigende  Untersuchung  zu  grün- 
den. Eine  solche  hat  Herr  Dr.  H.  Eck  zugleich  mit  der  Aufnahme  des 
Muschelkalk-Gebietes  zwischen  Krappitz  und  Tost  für  die  geologische 
Karte  von  Oberschlesien  ausgeführt  und  in  einer  werthvollen  besonderen 
Schrift  veröffentlicht^).  Wichtige  Vorarbeiten  für  diese  Schrift  waren  in 
den  durch  H.  v.  Mejer^)  und  W.  Dunker^)  schon  früher  gelieferten  Be- 
schreibungen der  organischen  Einschlüsse  des  oberschlesischen  Muschel- 
kalks, für  welche  die  Sammlung  des  Ober-Hütten-Inspektors  Mentzel  das 
Material  geliefert  hatte,  enthalten. 

Eck  erkennt  in  dem  Muschelkalke  Oberschlesiens  zunächst  die  drei 
Hauptabtheilungen,  welche  in  anderen  Gegenden  von  Deutschland  für  die 
ganze  Bildung  angenommen  worden  sind,  nämlich  unteren,  mittleren 
und  oberen  Muschelkalk.  Diese  drei  Glieder  sind  freilich  in  Oberschle- 
sien in  sehr  ungleicher  Mächtigkeit  entwickelt,  denn  während  der  unteren 
Abtheilung  die  grosse  über  500  Fuss  mächtige  Hauptmasse  des  Muschel- 
kalks in  Oberschlesien  angehört,  so  ist  der  mittlere  Muschelkalk  auf  eine 
gewöhnlich  nur  40  bis  50  Fuss  mächtige  Schichtenfölge  von  einförmiger 
petrographischer  Zusammensetzung  beschränkt  und  der  obere  Muschel- 
kalk hat  in  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beuthen  sogar  nur  eine 
Mächtigkeit  von  12  bis  15  Fuss,  während  sie  weiter  westlich  allerdings 
bis  etwa  40  Fuss  ansteigt. 

Der  untere  Muschelkalk  zerfällt  nun  nach  Eck  wieder  in  mehrere 
Unter- Abtheilungen.  Zunächst  lässt  er  zwei  Haupt- Abtheilungen  unter- 
scheiden, nämlich  eine  dem  unteren  Wellenkalke  Norddeutschlands  ent- 


1)  üeber  die  Formationen  des  bunten  Sandsteins  und  des  Muschelkalks  in  Oberschlesien  und 
ihre  Versteinerungen.  Berlin  1865. 

2)  Fische,  Crustaceen,  Echinodermen  und  andere  Versteinerungen  aus  dem  Muschelkalk  Ober- 
schlesiens. H.  V.  Meyer  und  Dunk  er  Palaeontogr.  Bd.  I.  p.  216  ff. 

3)  Ueber  die  im  Muschelkalke  Oberschlesiens  bis  jetzt  gefundenen  Mollusken.  Ebendaselbst 
p.  206  ff. 


Muschelkalk. 


133 


sprechende,  welche  ausschliesslich  aus  kalkigen  Schichten  besteht  und 
welche,  abgesehen  von  dem  Encrinus  gmcilis,  keine  alpinen  Formen 
fossiler  Organismen  einschliesst,  und  eine  dem  Schaumkalke  von  Rü- 
dersdorf im  Alter  gleichstehende,  theils  aus  kalkigen,  theils  aus  dolomiti- 
schen Schichten  zusammengesetzte,  welche  neben  den  bezeichnenden  Fos- 
silien des  Schaumkalks  eine  Anzahl  alpiner  Arten  enthält.  Jede  dieser 
beiden  Hauptabtheilungen  des  unteren  Muschelkalks  zerfällt  dann  wieder 
in  mehrere  Unter- Abtheilungen.  Der  mittlere  und  der  obere  Muschel- 
kalk dagegen  lassen  eine  weitere  Gliederung  nicht  zu. 

In  dem  Nachstehenden  wird  eine  kurze  Beschreibung  der  verschiede- 
nen Glieder  des  oberschlesisch-polnischen  Muschelkalk’s  gegeben  werden. 
Dieselbe  wird  im  Wesentlichen  nur  ein  Auszug  aus  der  durch  Eck  gegebe- 
nen Darstellung  sein.  Nur  für  die  Muschelkalk-Gebiete  im  Königreiche 
Polen  und  im  Krakau’ sehen  Gebiete,  auf  welche  sich  die  Untersuchun- 
gen Eck’s  nicht  erstreckten,  werden  erhebliche  Ergänzungen  hinzukom- 
men, welche  vorzugsweise  durch  die  Beobachtungen  0.  Degenhardt’s 
bei  der  Aufnahme  der  betreffenden  Muschelkalk  - Gebiete  gewonnen 
wurden. 

Beschreibung  der  einzelnen  Glieder  des  Muschelkalks. 

I.  Unterer  Muschelkalk. 

A.  Aequivalente  des  unteren  Wellenkalks, 
a.  Cavernöser  Kalk. 

Mit  dieser  Benennung  bezeichnet  Eck  eine  gewöhnlich  nur  wenige  Fuss 
mächtige  Schichtenfolge,  von  braunem,  grauen  oder  röthlichen  krystalli- 
nisch  späthigen,  mit  grösseren  und  kleineren  Höhlungen  erfülltem  Kalkstein, 
welche  unmittelbar  und  gleichförmig  auf  den  Schichten  des  oberen  bunten 
Sandsteins  oder  Röth  aufruht.  Obgleich  Versteinerungen  dieser  Abthei- 
lung fast  ganz  fehlen,  so  ist  sie  doch  an  dem  eigenthümlichen  petrographi- 
schen  Verhalten  und  an  der  unmittelbaren  Auflagerung  auf  die  Röth-Schich- 
ten  stets  leicht  zu  erkennen.  Die  Verbreitung  der  Schichtenfolge  scheint 
eine  ganz  allgemeine  zu  sein.  Besonders  kennt  man  sie  in  der  Umgebung 
von  Beuthen.  Sie  ist  hier  durch  die  früheren  Autoren  meistens  dem 
Dachgestein  zugezählt.  Man  hat  sie  namentlich  bei  der  Goi- Mühle 
südlich  von  Beuthen,  bei  Sakrau  und  Strzebniow  beobachtet.  Be- 
sonders deutlich  ist  sie  in  der  Umgebung  des  Anna-Berges  entwickelt; 
so  namentlich  in  der  Thalsohle  von  Poremba  von  der  Leschnitzer 
Quelle  an  weiter  hinauf.  Auch  im  Königreiche  Polen  und  im  Krakau- 
schen  ist  die  Schichtenfolge  an  vielen  Punkten  nachgewiesen.  Ganz  all- 


134 


Trias-Formation. 


gemein  darf  man  annehmen,  dass  da,  wo  Röth  und  die  Kalkschichten  von 
Chorzow  entwickelt  sind,  auch  der  cavernöse  Kalk  nicht  fehlt.  Schon 
Pusch,  der  ihn  als  „zelliges  Dachgestein“  beschreibt,  hat  ihn  an  vielen 
Punkten  gekannt,  so  namentlich  bei  Strzysowice,  Göra,  Siemonia, 
Sonczöw,  Alwernia,  Czerna  u.  s.  w. 

b.  Scbicbten  von  Chorzow. 

Unter  dieser  Benennung  wird  durch  Eck  eine  gegen  280  Fuss  mäch- 
tige Schichtenfolge  von  meistens  festen  dichten  grauen  Kalksteinbänken 
mit  zahlreichen  organischen  Einschlüssen  begrilfen,  welche  namentlich  bei 
Chorzow  unweit  Königshütte  durch  Steinbrüche  deutlich  aufgeschlos- 
sen ist. 

Dünn  geschichtete  Lagen  von  Mergelkalk  mit  wulstigen  Anschwellun- 
gen auf  den  Schichtflächen  wechseln  mit  Bänken  von  dichtem  oder  krystal- 
linischem  röthlichen  oder  grauen  Kalk  in  der  Schichtenfolge  ab.  Der 
Kalkstein  der  festen  Bänke  ist  im  Innern  oft  blau  gefärbt  und  die  einzelnen 
Bänke  sind  durch  eine  dünne  Lettenlage  geschieden.  Selten  kommen  Ein- 
lagerungen von  Hornstein  vor.  Klüfte  und  Drusenräume  sind  häutig  mit 
Kalkspath-Krystallen  ausgekleidet,  ln  gewissen  oolithischen  und  schaum- 
kalkartig porösen  Schichten  sind  Stylolithen  eine  häufige  Erscheinung. 

Die  Verbreitung  der  Schichten  von  Chorzow  ist  eine  ganz  allgemeine, 
durch  das  ganze  Muschelkalk-Gebiet  reichende.  Als  typische  Aufschluss- 
punkte sind  zunächst  die  Steinbrüche  von  Chorzow,  Michalkowitz  und 
Lagiewnik  aufzuführen.  Die  Schichten  zeigen  hier  allgemein  ein  flaches 
Einfallen  gegen  Norden  und  steilere  Neigungen  bis  zu  45®,  wie  sie  bei 
Chorzow  Vorkommen,  sind  nur  als  ganz  lokale  Ausnahmen  anzusehen. 
In  der  gleichen  Höhe  der  Schichtenfolge  liegen  die  Steinbrüche  bei  B o b r e ck 
und  diejenigen  zwischen  Biskupitz  und  Miechowitz,  so  wie  diejenigen 
von  Peters dorf.  In  den  ersteren  werden  die  Muschelkalk- Schichten 
durch  kalkige  und  thonige  Tertiär -Schichten  überlagert.  Auch  in  zahl- 
reichen Steinbrüchen  bei  Piekar  sind  die  Schichten  deutlich  aufgeschlos- 
sen. Hier  fallen  sie  gegen  Südwesten  ein.  Nicht  minder  deutliche  Auf- 
schlüsse gewähren  Steinbrüche  zwischen  Naklo  und  Tarnowitz.  Weiter 
nördlich  treten  sie  dann  wieder  in  der  Umgebung  von  Georgenberg 
aus  dem  bedeckenden  Diluvium  hervor.  An  vielen  Punkten  sind  sie  fer- 
ner in  dem  grossen  Muschelkalk-Plateau,  welches  sich  von  Schierot  nord- 
östlich von  Tost  bis  Krappitz  an  der  Oder  erstreckt,  aufgeschlossen;  so 
namentlich  bei  Langende  rf  und  Ra  dun  nordöstlich  von  Tost,  bei 
Blottnitz  und  Warmuntowitz  nordwestlich  von  Tost,  ferner  bei 


Muschelkalk. 


135 


Mokrolona,  Sucholona,  Rosniontau,  Kallinowa,  Olschowa, 
Dollna  u.  s.  w.  Besonders  zahlreiche  Aufschlüsse  derselben  Kalkschich- 
ten bieten  die  Umgebungen  von  Gogolin  und  von  Krappitz.  Der  Kalk- 
stein wird  hier  in  sehr  umfangreicher  Weise  zum  Kalkbrennen  und  als 
Baustein  gewonnen.  Auch  in  Polen  sind  die  Schichten  von  Chorzow 
überall  verbreitet.  Sie  setzen  hier  namentlich  das  Kosfowagora  und 
Neu  deck  gegenüberliegende  Plateau  zusammen,  welches  von  Nie  z dar  a 
über  Myszkowice,  Zawada,  Mierzecice  bis  Przeczyce,  Brzen- 
kowice,  Göra,  Siewierska  und  Siemonia  sich  erstreckt.  In  einer 
kleinen  isolirten  Partie  sind  dieselben  Schichten  ausserdem  bei  Zelisla- 
wice  nördlich  von  Siewierz  in  der  Nähe  des  devonischen  Kalkrückens 
entwickelt. 

Die  Schichten  von  Chorzow  sind  überall,  wo  sie  auftreten,  reich  an 
organischen  Einschlüssen.  Die  Mehrzahl  der  überhaupt  aus  dem  ober- 
schlesisch-polnischen Muschelkalke  bekannt  gewordenen  Arten  gehört  die- 
sen Schichten  an.  H.  Eck  hat  eine  kritische  Aufzählung  der  Arten  mit 
näherer  Angabe  der  Fundorte  geliefert^).  Er  führt  folgende  Arten  auf: 
Bhizocorallium  Jenense  Zenk,  Encrinus  gracilis  L.  v.  Buch,  Entrochus  conf. 
Encrinus  liliiformis  Lam.,  Entrochus  duhius  Beyr.,  Aspidura  scutellata 
Blumenb.,  Aspidura  similis  Eck,  Acroura  sp,,  Radiolus  suhnodosus  ( Cida- 
ris  suhnodosa  H.  v.  Meyer),  Lingula  tenuissima,  Discina  discoides,  Retzia 
trigonella,  Terebratula  vulgaris,  Ostrea  ostracina,  Ostrea  complicata,  Ostrea 
difformis,  Ostrea  spondyloides , Pecten  discites,  Pecten  laevigatus,  Hinnites 
comtus,  Lima  Beyrichi  Eck,  Lima  striata,  Monotis  Alhertii,  Gervillia  socialis, 
Gervillia  costata,  Gervillia  subglobosa,  Gervillia  mytiloides,  Mytilus  vetustus, 
Lithodomus priscus,  Lithodomus  conf.  L.  rhomboidalis  v.  Seebach,  Cucullaea 
Beyrichii  v.  Strombeck,  Nucula  Goldfussii,  Myophoria  vulgaris,  M,  elegans, 
M.  laevigata,  M.  cardissoides,  Cypricardia  Escheri  G \ eh  e\ , Myoconcha  gastro- 
chaena,  Myoconcha  sp,  ind.,  Myacites  musculoides,  Myacites  grandis,  Myacites 
mactroides,  Tellinites  anceps,  Chemnitzia  scalata,  Ch.  lownematoides  Giebel, 
Ch.  obsoleta,  Ch.  dubia,  Ch.  parvula,  Ch.  Strombecki,  Ch.  sp.  ind.,  Ch.  sp.  conf. 
Turritella  similis,  Natica  Gaillar doti,  Natica  oolithica,  Litorina,  Göpperti,  Turbo 
gregarius,  Pleurotomaria  Albertiana,  Dentalium  torquatum,  Nautilus  bidorsa- 
tus,  Ceratites  Strombecki,  Conchorhynchus  avirostris,  Serpula  valvata,  Ceratodus 
serratus,  Acrodus  lateralis,  A.  immarginatus , A.  substriatus,  Strophodus  an- 
gustissimus,  Hybodus  plicatilis,  Hybodus  major,  H.  tenuis,  Colobodus  Chorzo- 
wensis,  Colobodus  varius,  Hemilopas  Mentzeli,  Saurichthys  apicalis,  Saurichthys? 


1)  a.  a.  0.  S.  48  ff. 


136 


Trias-Formation. 


sp.  n.,  Charitodon  procerus,  Pleurolepsis  Silesiacus,  Gyrolepis  tenuistriatus, 
G.  Älbertii,  G,  maximus^  Cladyodon  conf.  CI.  crenatus  Plien.,  Placodus  sp., 
Pistosaurus  sp.,  Lamprosaurus  Göpperti,  Notliosaurus  sp. 

B.  Die  Aequivalente  des  Schau nikalks. 

Die  hierher  gerechneten  Schichten  sind  von  sehr  verschiedenem  petro- 
graphischen  Verhalten  und  ’werden  lediglich  aus  palaeontologischen  Grün- 
den von  Eck  zu  einer  Haupt- Abtheilung  vereinigt.  Der  ihnen  gemeinsame 
palaeontologische  Charakter  besteht  einer  Seits  in  dem  Vorkommen  von 
gewissen  vorzugsweise  alpinen  Arten,  wie  namentlich  Terebratula  angusta, 
Spirifer  Mentzeli  und  Rhynchonella  decurtata,  und  anderer  Seits  in  dem 
gleichzeitigen  Auftreten  von  bezeichnenden  Arten  des  Schaumkalks,  wie  er 
im  nördlichen  Deutschland  und  namentlich  bei  Rüdersdorf  entwickelt 
ist.  Nach  der  Benennung  der  älteren  Autoren  sind  es  die  obersten,  das 
unmittelbare  Liegende  der  Dolomit-Mulden  bildenden  Schichten  des  Sohlen- 
kalks in  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beuthen,  der  sogenannte 
blaue  Sohlenstein,  ferner  der  Dolomit  derselben  Gegend  mit  Aus- 
schluss der  obersten  Schichten,  des  Dolomit-Mergels,  und  endlich  gewisse 
früher  dem  Opatowitzer  Kalkstein  zugerechnete  Schichten,  namentlich 
die  Kalke  von  Mikultschütz,  diejenigen  des  Böhm’schen  Steinbruches 
bei  Tarnowitz  und  der  Steinbrüche  östlich  von  Lubie  und  bei  dem  Vor- 
werke Josephsberg  nördlich  von  Nierada.  Die  Mächtigkeit  der  gan- 
zen Abtheilung  wird  durch  Eck  auf  240  Fuss  geschätzt.  Nach  petrogra- 
phischen  und  palaeontologischen  Merkmalen  werden  nun  in  dieser  Haupt- 
Abtheilung  mehrere  Unter -Abtheilungen  oder  Stockw^erke  unterschieden, 
nämlich : 

a.  Blauer  Sohlenstein, 

d.  i.  Schichten  von  grauem  oder  gelblichen  zum  Theil  knollig  abgesonder- 
ten Kalkstein,  von  grauem  oder  röthlichen  krystallinischen  Kalk  und  von 
weissem  oder  röthlichem  porösen  Kalk.  Auf  der  Friedrichs-Bleierz- 
grube bei  Tarnowitz  sind  diese  Schichten  blaugrau  gefärbt  und  haben 
dadurch  zu  der  Benennung  Veranlassung  gegeben. 

Die  Mächtigkeit  der  Schichtenfolge  beträgt  kaum  mehr  als  15  Fuss. 
Die  Verbreitung  betreffend,  so  sind  sie  ausser  dem  Vorkommen  auf  der 
Friedrichs  - Grub  e bei  Tarnowitz  namentlich  auch  bei  Ptakowitz 
auf  Paul-Richard-Grube,  bei  der  Buchatz-Mühle  östlich  vonDom- 
browa,  auf  der  Scharlei-,  Theresia-,  Elisabeth-  und  Vorsehung- 
Grube  gekannt.  Auch  an  den  Gehängen  des  von  Gurnicki  nach  Bros- 
lawitz  herabziehenden  Thaies,  1 Meile  südwestlich  von  Tarnowitz, 


Muschelkalk, 


137 


ferner  bei  Broslawitz  und  Eierada  in  dem  Thale  des  Drama-Flusses 
sind  sie  aufgeschlossen.  Auch  in  dem  grossen  zwischen  Tost  und  Krap- 
pitz  ausgedehnten  westlichen  Muschelkalk  - Gebiete  sind  sie  durch  Eck 
an  vielen  Punkten  erkannt  worden,  so  namentlich  auf  dem  Ruinen-Hügel 
bei  Rosniontau,  bei  Posnowitz,  Schedlitz,  Malnie  und  im  Oder- 
Thale  nördlich  von  Rogau. 

Der  palaeontologische  Charakter  der  Schichten  erhält  durch  das 
erste  Auftreten  alpiner  Trias-Formen  seine  Eigenthümlichkeit.  Terehratula 
angusia,  Spirifer  Mentzeli,  Cidaris  transversa  und  Cidaris  Waechteri  sind  diese 
Formen.  Terehratula  angusta  findet  sich  in  Gesellschaft  von  Betzia  trigo- 
nella  und  Terehratula  vulgaris  an  mehreren  Punkten  in  grosser  Häufigkeit; 
so  namentlich  auf  Vorsehung-Grube  und  bei  Ptakowitz.  Wegen  des 
häufigen  Vorkommens  der  Terehratula  angusta  hatte  Eck  diese  Schichten 
anfangs  als  „Angusta-Kalk“  bezeichnet,  zog  aber  diese  Benennung  zurück, 
als  sich  diese  Art  auch  in  den  zunächst  jüngeren  Schichten,  wenn  auch  in 
geringerer  Häufigkeit,  fand. 

b.  Scbicbten  von  Ctorasdze. 

Nach  dem  Vorkommen  bei  Gorasdze,  einem  an  der  Eisenbahn  zwi- 
schen Oppeln  und  Gogolin  gelegenen  Dorfe,  durch  Eck  benannt,  bilden 
dieselben  eine  gegen  80  Fuss  mächtige  Schichtenfolge  von  ^[2  Fuss  bis 
8 Fuss  dicken  Bänken  eines  nach  Art  des  Schaumkalks  porösen  weissen 
oder  röthlichen  Kalksteins,*  welche  mit  Bänken  von  dichtem  grauen  Kalk- 
stein wechseln.  Stylolithen  sind  in  den  Kalksteinen  dieser  Schichtenfolge 
eine  häufige  Erscheinung.  Dagegen  kommen  Einschlüsse  von  Hornstein 
nur  selten  vor. 

Die  Verbreitung  dieser  Schichten  ist  vorzugsweise  in  dem  westlichen 
Abschnitte  des  Haupt- Muschelkalk-Zuges  eine  bedeutende.  Sie  setzen  die 
obere  Fläche  des  vom  Annaberge  gegen  Nordwesten  sich  erstreckenden 
Höhenzuges  zusammen  und  geben,  indem  sie  an  dem  westlichen  Abfalle 
dieses  Höhenzuges  plötzlich  abschneiden,  zu  der  Bildung  nackter  Kalkstein- 
klippen Veranlassung,  einer  Erscheinung,  die  sich  in  der  ganzen  Ausdeh- 
nung des  oberschlesischen  Muschelkalk’s  nicht  wiederholt.  In  dem  Kuh- 
thale,  welches  sich  westlich  vom  Annabejrge  tief  einschneidend  hinab- 
zieht, sind  die  Kalksteinbänke  dieser  Schichtenfolge  mit  flachem  östlichen 
Einfallen  in  mehreren  Steinbrüchen  -deutlich  aufgeschlossen.  Ebenso  mit 
nordöstlichem  Einfallen  bei  Nieder-Ellguth.  Am  Annaberge  selbst 
lagern  sich  dieser  Schichtenfolge  auch  die  Kalksteine  der  weiterhin  zu 
beschreibenden  jüngeren  Abtheilungen  noch  auf  und  beweisen  in  ihrer 

18 


138 


Trias-Formation. 


gleichförmigen,  ungestörten  Lagerung,  wie  Eck  mit  Recht  ausdrücklich  her- 
vorhebt, dass  das  Vorkommen  des  Muschelkalks  am  Annab  er  ge  in  einer 
gegen  1120  Fuss  betragenden  Meereshöhe  keinesweges,  wie  frühere  Be- 
obachter irrthümlich  annahmen,  die  Folge  eines  durch  das  Hervortreten  des 
Basaltes  am  Anna  berge  bewirkten  Emportreibens  des  Muschelkalks  sei, 
sondern  vielmehr  darin  seine  natürliche  Erklärung  finde,  dass  sich  hier  am 
Annab erge  jüngere  Schichten  des  Muschelkalks  in  einem  beschränkten 
Plateau  inselartig  erhalten  haben,  welche  ringsumher  durch  spätere  Denu- 
dationen zerstört  und  fortgeführt  sind,  während  ursprünglich  unzweifelhaft 
ein  Zusammenhang  mit  denselben  weiter  östlich  entwickelten  Schichten 
bestand.  Auch  am  Sakrauer  Berge  zwischen  Nieder-Ellguth  und 
Kl  ein -St  ein  ist  diese  Schichtenfolge  den  Schichten  von  Chorzow  in  ganz 
ähnlicher  Weise  aufgelagert  und  tritt  am  südlichen  Abhange  in  einer  kah- 
len Wand  zu  Tage.  Vortreffliche  Aufschlüsse  der  Schichtenfolge  gewäh- 
ren die  Steinbrüche  zwischen  Malnie  und  Chorulla  und  diejenigen  bei 
dem  an  der  Oberschlesischen  Eisenbahn  gelegenen  Dorfe  Gorasdze. 
Von  hier  aus  lassen  sich  dieselben  Schichten  gegen  Osten  über  Klein- 
Stein,  Siedlitz,  Posnowitz,  Schimischow,  Adamowitz  bei 
Gross  - Strehlitz,  Dziewkowitz  und  Centawa  verfolgen  und  treten 
dann  nach  längerer  Unterbrechung  durch  aufgelagerte  Diluvial- Massen 
noch  einmal  nördlich  von  Tost  bei  dem  Vorwerke  Kaplatki  unweit 
Ra  dun  hervor.  In  der  Tarnowitz-Beuthener  Muschelkalk-Partie  sind 
sie  mit  denselben  petrographischen  Merkmalen  nur  in  den  Steinbrüchen 
bei  Bonjowitz,  Kamienietz,  südlich  von  Kemptzowitz  und  nördlich 
von  Broslawitz  zu  beobachten.  Ostwärts  einer  von  Biskupitz  über 
Ptakowitz  nach  Sowitz  gezogenen  Linie  sucht  man  sie  vergebens.  Sie 
sind  hier  in  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beuthen  durch  dolomi- 
tische, in  petrographischer  Beziehung  durchaus  abweichende  Schichten 
vertreten.  Eck  gelangte  durch  sorgfältige  Vergleichung  der  Lagerungs- 
verhältnisse und  der  organischen  Einschlüsse  zu  der  Ueberzeugung,  dass 
die  untersten  Dolomit  - Schichten  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beu- 
then als  ein  Aequivalent  der  Schichten  von  Gorasdze  anzusehen  sind. 
Auch  der  graue  und  braune  Sohlenstein,  welche  auf  der  Friedrichs- 
Grube  in  einer  bis  10  Fuss  betragenden  Mächtigkeit  zwischen  der  blauen 
Sohlenkalk-  und  der  Erzlage  entwickelt  sind,  so  wie  der  sogenannte  Vitriol- 
letten zwischen  Sohlenkalk  und  Dolomit  oder  zwischen  den  untersten 
Dolo  mit- Bänken,  und  endlich  die  Dolomit-Schichten,  welche  sich  auf  der 
Bleischarlei-  und  Samuelsglück-Grube  durch  zahlreiche  mit  Kalk- 
spath  und  G^^ps  ausgefüllte  Drüsenräume  auszeichnen,  sind  nach  Eck  in 


Muschelkalk. 


139 


dasselbe  Niveau  zu  stellen.  Ein  Theil  der  letzteren  Scliichten  entspricht 
freilich  vielleicht  zugleich  auch  den  Dolomiten  der  beiden  folgenden  Ab- 
theilungen. Die  petrographische  Beschaffenheit  dieser  untersten  Dolomit- 
Schichten  betreffend,  so  ist  der  Dolomit  vorherrschend  von  feinkörnig 
krystallinischer  Struktur  und  von  brauner,  seltener  von  blaugrauer  Farbe. 
Er  ist  gewöhnlich  in  starke,  bis  6 Fuss  dicke  Bänke  abgesondert  und  zugleich 
durch  sehr  zahlreiche  Klüfte  getheilt.  Organische  Einschlüsse  fehlen 
dem  Dolomit,  wie  irrthümlicher  Weise  häufig  angenommen  wurde,  durch- 
aus nicht,  son  dem  sind  vielmehr  eben  so  häufig,  als  in  den  kalkigen 
Schichten,  welche  der  Dolomit  vertritt.  Nur  den  zunächst  über  der  Bleierz- 
Lage  liegenden  Bänken  des  Dolomit  sind  Versteinerungen  fremd. 

c.  Die  Bneriniten  und  Terebratel  - SeMcliten. 

Unter  dieser  Benennung  wird  eine  gegen  15  Fuss  mächtige  Schichten- 
folge von  dichtem  grauen  Kalkstein  zusammengefasst,  dessen  Bänke  theils 
knollig  abgesondert  sind,  theils  durch  die  Zusammenhäufung  von  Säulen- 
gliedern des  Encrinus  liliiformis  krystallinisch  körnig  erscheinen,  theils 
endlich  durch  die  ausserordentliche  Häufigkeit  von  Terehratula  vulgaris 
sich  auszeichnen.  Die  Beständigkeit  der  petrographischen  Merkmale  und 
das  massenhafte  Vorkommen  der  genannten  Versteinerungen  machen  diese 
Schichtenfolge  zu  dem  am  leichtesten  wieder  zu  erkennenden,  und  für  die 
Orientirung  in  der  ganzen  Bildung  am  besten  zu  benutzenden  Horizonte. 
In  den  Steinbrüchen  im  Kuhthale  am  Annab  erg  e ist  diese  Schichten- 
folge in  unmittelbarer  Auflagerung  auf  die  Schichten  der  vorhergehenden 
Abtheilung  zu  beobachten.  Als  weitere  Aufschlusspunkte  nennt  Eck  die 
Windmühle  westlich  von  Ober-Wyssoka,  mehrere  kleine  Schächte 
(sogenannte  Duckein)  im  Walde  westlich  von  Gross-Stein,  den  letzteren 
Ort  selbst,  das  Vorwerk  Kamienietz  nördlich  von  Siedlitz  und  die 
höchsten  Erhebungen  des  von  Colonie  Slawa  nach  Schimischow  hin- 
ziehenden Höhenzuges.  Nordwestlich  von  Schimis  cho  w liegen  zahlreiche 
Bruchstücke  des  Gesteins  auf  den  Feldern  umher.  An  der  Landstrasse 
zwischen  Gross “Strehlitz  und  Stephanshain,  ferner  zwischen  Dz iew- 
kowitz  und  Himmelwitz  und  nördlich  von  dem  Vorwerke  Frisch- 
feuer unweit  Centawa  sind  die  Schichten  durch  kleine  Steinbrüche  auf- 
geschlossen. In  der  Tarnowitzer  Muschelkalk-Partie  treten  sie  nur  an 
den  Gehängen  des  Drama- Thal  es  östlich  von  Peiskretscham  unmittel- 
bar zu  Tage.  In  den  Steinbrüchen  bei  Bonjowitz  und  Kamienietz, 
bei  Lubek  und  in  den  Umgebungen  des  Vorwerkes  Josephsberg  unweit 
Ni  er  a da  werden  sie  in  unmittelbarer  Auflagerung  auf  die  vorhergehen- 


140 


Trias-Formation. 


den  Schichten  beobachtet.  Weiter  östlich,  wo  man  die  Schichtenfolge  in 
ihrer  typischen  Erscheinungsweise  nicht  mehr  kennt,  muss  ihr  ebenfalls  ein 
Theil  des  Dolomits  entsprechen. 

d.  Die  ScMchten  von  Miknltscliütz. 

Nach  dem  typischen  Vorkommen  in  den  Steinbrüchen  bei  dem  nörd- 
lich von  Zabrze  gelegenen  Dorfe  Mikultschütz  wird  unter  dieser  Be- 
nennung eine  70  bis  90  Fuss  mächtige  Schichtenfolge  von  gelblichen  oder 
röthlichen,  theils  dichten,  theils  Schaumkalk-artig  porösen  Kalksteinen  mit 
häufigen  Knollen  und  Lagen  von  Hornstein  zusammengefasst,  welche  in 
palaeontologischer  Beziehung  durch  die  besondere  Häufigkeit  alpiner  Trias- 
Formen,  wie  Spirifer  Mentzeli,  RhyncJionella  decurtata  u.  s.  w.  ausgezeichnet 
sind.  Während  die  vorhergehenden  Gilieder  aus  einem  Wechsel  von  ungleich- 
artigen Schichtengruppen  von  Kalkstein  bestehen,  so  ist  nach  Eck  diese 
Abtheilung  gerade  durch  die  Gleichartigkeit  des  petrographischen  Verhal- 
tens in  ihrer  ganzen  Mächtigkeit  ausgezeichnet.  Ausser  bei  Mikultschütz 
selbst  sind  die  hierher  gehörenden  Schichten  namentlich  in  den  Steinbrüchen 
nordwestlich  von  Tarnowitz  aufgeschlossen^).  Das  häutige  Vorkommen 
von  Terehratula  vulgaris  in  den  untersten  Lagen  deutet  hier  auf  die  enge 
Verbindung  mit  der  zunächst  vorhergehenden  Schichtenfolge  hin.  Auch 
graue  und  bräunliche  dichte  dolomitische  Kalke,  wie  sie  bei  Lab  and  auf- 
geschlossen sind,  ferner  gewisse  östlich  wie  westlich  von  Colonie  Glinitz 
bei  Broslawitz,  ferner  zwischen  dem  Vorwerke  Josephsberg  und  Colo- 
nie Georgenberg  und  bei  Lubek  aufgeschlossene  Kalksteinschichten 
gehören  nach  ihren  Versteinerungen  gleichfalls  hierher.  Oestlich  einer  von 
Biskupitz  über  Ptako  witz  nach  Sowitz  gezogenen  Linie  sind  die  Kalk- 
steine auch  dieser  Schichtenfolge,  wie  diejenigen  der  vorhergehenden  Ab- 
theilungen durch  Dolomite  vertreten.  Zahlreiche  in  dem  Hoffnungs- 
Schachte  der  Bleischarlei-Grube  aufgefundene  Versteinerungen  der 
Mikultschützer  F'auna  führten  Eck  zuerst  zu  dieser  Ueberzeugung. 
Nachher  wurden  eben  solche  Versteinerungen  von  ihm  auch  auf  der  be- 
nachbarten östlich  von  Beuthen  gelegenen  Samuelsglück- Grube  be- 
obachtet. Die  früher  von  der  jetzt  versiegten  Hyacinth - Quelle  bei 
Beuthen  ausgeworfenen  Säulenglieder  von  Encriniten  und  Stacheln  und 
Täfelchen  von  Cidaris  transversa  stammen  ebenfalls  aus  Schichten  dieser 
Abtheilung.  Sämmtliche  bezeichnende  Versteinerungen  des  Mikultschützer 
Kalks  wurden  endlich  durch  Eck  auch  in  den  Dolomiten  von  Wilhelmine- 


1)  Bö  hm ’s  Steinbriich  ist  unter  diesen  vorzugsweise  als  Fundort  von  Versteinerungen  bekannt. 


Muschelkalk. 


141 


und  Rudolph-Grube,  ferner  am  Waldrande  nördlich  von  Miechowitz, 
am  südlichen  Abhange  am  Jägerhause  im  Segeth- Walde  südlich  von 
Tarnowitz  und  in  einem  Versuchsschachte  am  östlichen  Ende  des  Dorfes 
Rep  teil  aufgefunden,  ln  dem  w^estlichen  Muschelkalk  - Zuge  zwischen 
Tost  und  Krappitz  sind  die  Schichten  dieser  Abtheilung  namentlich  in 
Steinbrüchen  bei  Gross-Stein,  bei  Tarnau,  südlich  von  Nackel,  bei 
Ottmütz,  nördlich  von  Schimischow  und  Neudorf,  bei  Stephans- 
hain und  südlich  von  Himmel witz' aufgeschlossen.  Auch  eine  durch 
steile  Schichtenstellung  ausgezeichnete  isohrte  kleine  Kalk-Partie  zwischen 
Dollna  und  Rosniontau  wird  nach  den  organischen  Einschlüssen  von 
Eck  hierher  gerechnet. 

Von  organischen  Einschlüssen  führt  H.  Eck  ausser  den  vorher 
genannten  folgende  Arten  aus  den  Mikultschützer  Schichten  auf:  Sphaero- 
coccites  Blandowskianus  Göpp.,  Scyphia  Caminensis  Beyr.,  Scyphia  Roemeri 
Montlivaltia  iriasina  Dunk  er  (vergl.  Taf.  11,  Fig.  5,  6),  Thamnastrea 
Silesiaca  Beyrich  (vergk  Taf.  11,  Fig.  7,  8),  Encrinus  aculeatus,  Encrinus 
gracilis,  Entroclvas  duhius  Beyr.,  Entrochus  Silesiacus  Beyr.  (vergl.  Taf.  11, 
Fig.  9,  10),  Cidaris  grandaeva  Goldf.,  Cidaris  subnodosa^  Cidaris  transversa 
(vergl.  Taf.  11,  Fig.  15 — 20),  Cidaris  conf.  (7.  suhnohilis  Münster,  Discina 
discoides,  Retzia  trigonella  (vergl.  Taf.  11,  Fig.  23),  Spirifer  fragilis,  Spirifer 
Mentzeli  (vergl.  Taf.  11,  Fig.  21,  22),  Rhynchonella  decurtata  (vergl.  Taf.  11, 
Fig.  28,  29),  Rhynchonella  Mentzeli,  Terehratula  angusta  (vergl.  Taf.  11, 
Fig.  24,  25),  Terehratula  vulgaris,  Ostrea  ostracina,  Ostrea  difformis,  Ostrea 
complicata,  Ostrea  spondyloides,  Pecten  discites,  Pecten  laevigatus,  Pecten  reticu- 
latus,  Hinnites  comtus,  Lima  Beyrichii  Eck,  Lima  striata  var.  radiata,  Lima 
striata  var.  genuina,  Lima  costata  Münster,  Gervillia  socialis,  Gervillia  costata, 
Gervillia  subglobosa,  Mytilus  vetustus,  Cucullaea  triasina,  Cucullaea  Beyrichii, 
Myophoria  curvirostris,  Myophoria  elegans,  Myophoria  cardissoides.  Astarte  (?) 
Antoni  Giebel,  Cypricardia  Escheri  Giebel,  Myoconcha  Thielaui  S t r o m b . , 
MyoconchagastrochaenaJ)vii\keT,  Tellinites  anceps,  Chemnitzia  obsoleta,  Turri- 
tella  nodoso-plicata  Münster,  Trochus  Silesiacus  Eck,  Delyhinula  infra- 
striata  S t r o m b . , Euomphalus  arietinus,  Euomphalus  Lottneri  Eck,  Pleuroto- 
maria  Albertiana,  Dentalium  torquatum,  Pemphix  Sueurii,  Lissocardia  Silesiaca 
H.  V.  Meyer,  Lissocardia  ornata  H.  v.  Meyer,  Acrodus  lateralis,  Acrodus 
Gaillardoti,  Acrodus  Braunii  und  Gyrolepis  Älberti  Ag,  ^). 


1)  Die  grosse  Mehrzahl  der  vorstehend  aufgeführten  Versteinerungen  wurde  in  Böhm’s  Stein- 
bruche bei  Tarnowitz  und  in  den  Steinbrüchen  bei  Mikultschütz  beobachtet. 


142 


Trias-Formation. 


e.  Der  Himmelwitzer  Dolomit. 

So  wird  nach  dem  typischen  Vorkommen  bei  dem  nordöstlich  von 
Gross-Strehlitz  gelegenen  Dorfe  Himmelwitz  eine  gegen  40  Fuss 
mächtige  Schichtenfolge  von  grauem  oder  gelblichem  Dolomit  benannt, 
welche  durch  das  massenhafte  Vorkommen  eines  kleinen  cy lindrischen 
Fossils  von  unsicherer  systematischer  Stellung  (Nullipora  annulata  Schaaf- 
häutl;  Cylindrum  annulatum  Eck'),  palaeontologisch  vorzugsweise  be- 
zeichnet wird.  Die  oberen  mergeligen  Lagen  der  Schichtenfolge  von  theils 
dichter,  theils  deutlich  oolithischer  Struktur  enthalten  in  grosser  Häufigkeit 
Myophoria  laevigata^  M,  vulgaris j Myacites  suhundatuSj  Natica  ooUthica  u.  s.  w. 
Die  letzteren  Schichten  schliessen  am  Windraühlenberge  und  auch  sonst 
eine  aus  abgerundeten  Bruchstücken  von  bräunlichem  dichten  Dolomit  mit 
einem  Bindemittel  von  gelblichem  Dolomit  bestehende  Conglomerat- 
Lage  ein. 

Die  Verbreitung  dieses  Gliedes  des  Muschelkalks  ist  eine  sehr  aus- 
gedehnte. Zunächst  ist  es  in  der  Gegend  von  Gross-Strehlitz  ent- 
wickelt. Eine  ansehnliche  Partie  bilden  die  Schichten  bei  dem  Vorwerke 
Lariska  südwestlich  von  Danietz.  Sie  sind  ferner  östlich  und  westlich 
von  Ottmütz  entwickelt.  Zahlreiche  Blöcke  des  Gesteins  finden  sich  auf 
den  Feldern  am  Waldrande  südöstlich  von  dem  Dorfe  Kossorowitz  zer- 
streut. Auch  bei  dem  nordwestlich  von  Gross-Strehlitz  gelegenen  Vor- 


Vergl  Taf.  11  Fig.  1—4.  Dieses  bemerkenswerthe  kleine  Fossil  wnrde  zuerst  durch  Schaf- 
häutl  (vergl.  N.  Jahrb.  Jahrg.  1853.  p.  300—304)  aus  weissem  Kalke  von  der  Zugspitze  in  den  bayeri- 
schen Alpen  unter  der  Benennung  Nullipora  annulata  beschrieben.  Später  hat  es  Schauroth  als 
Ohaetetes  triasinus,  Stoppani  als  Gastrochaena  obtusa  aufgeführt.  Eck  (a.  a.  O.  S.  86),  die 
augenscheinliche  Unrichtigkeit  aller  dieser  bisherigen  generischen  Deutungen  betonend,  aber  zugleich 
die  augenblickliche  Unthunlichkeit  sicherer  Bestimmung  der  systematischen  Stellung  anerkennend,  hat 
dann  die  die  zoologische  Stellung  ganz  unentschieden  lassende  vorläufige  Benennung  annula- 

tum vorgeschlagen.  Seitdem  hat  Güm  bei  (vergl.  N.  Jahrb.  1866.  p.  565)  unser  Fossil  in  die  Verwandt- 
schaft von  Dac^|/?opom,  welche  nach  Carpenter  zu  den gehört,  gestellt.  Reuss  (vergl. 
Sitzungsber.  der  geol.  Reichsanstalt  1866.  S.  201)  sprach,  ohne  von  Gümbel’s  Aufsatze  Kenntniss 
zu  haben,  sich  für  dieselbe  Gattungsbestimmung  aus.  Unzweifelhaft  ist  diese  Gattungsbestimmung 
nun  richtiger  als  die  bisher  versuchten.  Wie  Dactylopora  bildet  der  fragliche  Körper  eine  cylindrische, 
an  dem  einen  Ende  offene,  an  dem  anderen  Ende  mit  ^stumpfer  Spitze  geschlossene  Röhre,  welche 
in  niedrige  horizontale  Ringe  getheilt,  durch  paarweise  gestellte,  auf  der  Aussenfläche  des  Cylinders 
ausmündende  Kanäle  durchbohrt  wird.  Im  Allgemeinen  wird  nur  in  Dolomiten  bei  der  Erhaltung  als 
Steinkern  das  Fossil  in  dem  Gesteine  erkennbar  sein.  Im  Kalkstein  werden  dagegen  bei  der  innigen 
Verschmelzung  des  Gehäuses  mit  der  Gesteinsmasse  die  kleinen  Körper  in  der  Regel  kaum  er- 
kennbar sein.  Das  Fehlen  dieses  Fossils  an  vielen  Orten,  wo  nur  kalkige  Schichten  Vorkommen, 
darf  daher  nicht  befremden.  Fig.  1 stellt  ein  mit  Steinkernen  des  Fossils  erfülltes  Dolomit-Stück 
aus  dem  Segether  Walde  bei  Tarnowitz  dar;  Fig.  2 einen  vergrösserten  mittleren  Längs- 
schnitt; Fig.  3 ein  Stück  des  Cylinders  mit  den  vorragenden  Ausfüllungen  der  Kanäle;  Fig.  4 einen 
einzelnen  von  den  die  cylindrische  Röhre  zusammensetzenden  Ringen. 


Musehelkalk. 


143 


werke  Goschütz  kennt  man  die  Schichten.  Bei  Himmel witz  bilden  sie 
eine  ansehnliche  zwischen  dem  Dorfe  selbst  und  dem  Frischfeuer  am  so- 
genannten Laniok-T eiche  ausgedehnte  Partie.  Auch  in  den  Muschel- 
kalk-Partien von  Tarnowitz  und  Beuthen  sind  die  Schichten  an  vielen 
Punkten  nachgewiesen  worden,  so  namentlich  bei  Alt-Tarnowitz  und 
bei  Repten.  Zahlreiche  Blöcke  des  Gesteines  liegen  bei  dem  Jägerhause 
im  Segeth- Walde  südlich  von  Tarnowitz  und  auf  der  Höhe  des  Silber- 
berges  umher.  Westlich  von  Friedensschacht  steht  das  Gestein  am 
Wege  an  und  lässt  sich  von  hier  aus  bis  zur  Colonie  Bergfreiheit  ver- 
folgen. Auch  in  dem  Stollen-Revier  der  Friedrichsgrube  ist  es  nach- 
weisbar. Es  gehören  ferner  die  feinkörnig  oolithischen  Dolomit-Schichten 
hierher,  welche  in  einem  Brunnen  auf  dem  östlich  von  Zielona  gelege- 
nen Hofe  Du  da  und  in  einem  Steinbruche  bei  der  benachbarten  ünter- 
försterei  Dombrowa  anstehen.  Auch  in  der  Gegend  von  Beuthen  ist 
die  Schichtenfolge  an  vielen  Punkten  gekannt.  Durch  mehrere  Stein- 
brüche ist  sie  südlich  von  Wieschowa,  durch  einen  Versuchsschacht  bei 
Miechowitz  aufgeschlossen.  Andere  Aufschlusspunkte  sind  bei  dem 
nordwestlich  von  Beuthen  gelegenen  Vorwerke  ^^euhof,  bei  Scharlei- 
Grube,  Brzosowitz,  Kamin,  Brzesinka  u.  s.  w.  In  den  angrenzen- 
den Theilen  des  Königreichs  Polen  besitzt  der  Himmelwitzer  Dolomit 
eine  ganz  allgemeine  Verbreitung.  Er  ist  hier  von  den  verschiedenen 
Gliedern  des  Muschelkalks  dasjenige,  welches  in  der  grössten  Ausdehnung 
an  der  Oberfläche  erscheint.  Nach  den  Aufnahmen  von  0.  Degenhardt 
liegen  die  dolomitischen  Schichten  mit  Nullvpora  annulata  überall  auf  der 
Höhe  des  zwischen  Siewierz  und  Olkusz  sich  erstreckenden  Muschelkalk- 
Zuges.  Auch  in  der  Gegend  von  Czeladz  und  Ben  dz  in  sind  sie  weit  ver- 
breitet. Die  vorher  genannten  ganz  kleinen  Muschelkalk-Partien  bei  Mrzy- 
glod  und  diejenige  von  Gliny  nördlich  von  Olkusz  werden  ebenfalls  aus 
diesen  Schichten  zusammengesetzt.  In  petrographischer  wie  in  palaeonto- 
logischer  Beziehung  stimmen  sie  durchaus  mit  denjenigen  in  Oberschlesien 
überein.  Das  bezeichnende  Fossil  JSFuUipora  annulata  wurde  an  vielen 
Punkten  beobachtet.  In  besonders  deutlicher  Erhaltung  fand  es  sich 
namentlich  bei  dem  Vorwerke  Studzieniec  bei  Grodietz,  nordöstlich 
von  Czeladz.  Von  ganz  allgemeiner  Verbreitung  ist  dieselbe  Schichten- 
folge endlich  auch  im  Krakau’schen  Gebiete  in  den  Umgebungen  von 
Chrzanow  undTrzebinia  entwickelt;  so  namentlich,  bei  Balin,  Gory- 
Luszowskie  und  Gieszkowice  nördlich  von  Chrzanow  und  bei  Bo- 
l§cin5  Koscielec  und  Libi^z  südlich  von  Chrzanow. 

Für  die  Zugehörigkeit  der  Schichten  von  Mikultschütz  zu  der  unteren 


144 


Trias-Formation. 


Abtheilung  des  Muschelkalks  ist  besonders  das  Vorkommen  von  Myo][)horia 
orbicularis,  Cucullaea  (Macrodon)  triasina,  Cucullaea  Beyrichii,  Turritella 
nodosoplicatay  Euomphalus  arietinus  und  Natica  costata  beweisend. 

II.  Mittlerer  Muschelkalk. 

Als  solchen  betrachtet  Eck  eine  40  bis  50  Fuss  mächtige  versteine- 
rungslose Schichtenfolge  von  weissen  oder  gelblichen  mergeligen  Dolomit. 
Die  petrographische  Aehnlichkeit  mit  den  dolomitischen  Mergeln  des  mitt- 
leren Muschelkalks  bei  Rüdersdorf  unweit  Berlin  und  in  Thüringen, 
so  wie  die  Verhältnisse  der  Lagerung  bestimmten  auch  ihn,  ohne  palaeonto- 
logische  Beweismittel  in  dieser  Schichtenfolge  einen  allerdings  sehr  schwach 
entwickelten  Vertreter  des  mittleren  Muschelkalks  in  Nord -Deutschland 
und  der  sogenannten  Anhydrit-G-ruppe  in  Süd-Deutschland  zu  sehen. 

Die  Verbreitung  dieser  Schichtenfolge  scheint  eine  ganz  allgemeine 
zu  sein.  Zunächst  wurde  sie  in  der  Tarnowitzer  Mulde  an  vielen  Punk- 
ten nachgewiesen.  So  namentlich  in  mehreren  Steinbrüchen  am  Westende 
der  Colonie  Bergfreiheit  und  an  den  Gehängen  bei  Alt-Tarno witz. 
In  der  Beuthener  Mulde  sind  die  Schichten  ebenfalls  an  vielen  Punkten 
gekannt  und  namentlich  durch  Steinbrüche  bei  dem  Vorwerke  Neuhof, 
bei  Kamien,  im  Felde  der  Bleischarlei-Grube  u.  s.  w.  aufgeschlossen. 
In  dem  westlichen  Muschelkalk-Zuge  zwischen  Tost  und  Krappitz  sind 
diese  Schichten  bisher  nicht  in  grösserer  Ausdehnung  nachgewiesen.  Dass 
sie  aber  auch  hier  nicht  ganz  fehlen,  beweisen  die  östlich  und  nördlich  von 
Himmelwitz,  so  wie  südlich  von  Danietz  und  bei  der  Colonie  Hein- 
richsdorf auf  den  Feldern  umherliegenden  Stücken  des  Gesteins. 

In  den  Muschelkalk -Gebieten  der  angrenzenden  Theile  von  Polen  ist 
die  Schichtenfolge  nicht  im  Zusammenhänge  nachweisbar,  aber  doch  an 
vielen  einzelnen  Punkten  durch  0.  Degenhardt  beobachtet.  Die  deut- 
lichsten Aufschlusspunkte  liegen  am  Ostabhange  des  zwischen  Siewierz 
und  Olkusz  sich  ausdehnenden  Muschelkalk  - Zuges,  so  namentlich  bei 
Sulikow  südöstlich  von  Siewierz,  ferner  bei  Goluchowice  an  dem 
Rande  der  dortigen  kleinen  Keuper -Mulde,  in  einer  ansehnlicheren  Partie 
bei  Chruszczebrod  und  endlich  bei  Bolesfaw  südlich  von  den  Galmei- 
Gruben.  Auch  im  Krakau’ sehen  Gebiete  fehlen  die  Schichten  nicht.  Zu- 
nächst sind  sie  hier  in  der  Mulde  von  Chrzanow  nachweisbar.  0.  D e g e n - 
hardt  beobachtete  sie  namentlich  bei  Jaworzno,  bei  Ci§szkowice, 
Gory-Luszowskie,  die  deutlichsten  Aufschlusspunkte  der  Schichten- 
folge sind  Eisenbahneinschnitte  bei  der  Eisenhütte  südlich  von  Chrzanow, 
bei  dem  Vorwerke  Krozimiech  und  nördlich  von  Gr oss-Libiaz. 


Muschelkalk. 


145 


ni.  Der  obere  Muschelkalk  oder  Eybnaer  Kalk. 

Derselbe  bildet  eine  wenig  mäclitigej  nur  12  bis  40  Fuss  dicke,  aus  Kalk- 
steinen und  Dolomiten  zusammengesetzte  Schichtenfolge,  welche  palaeonto- 
logisch  vorzugsweise  durch  das  häufige  Vorkommen  von  Fisch-  und  Saurier- 
Resten  und  durch  dasjenige  von  Ammonites  nodosus  bezeichnet  wird.  Es 
sind  dieselben  Schichten,  auf  welche  ursprünglich  die  Benennung  „Opato- 
witzer  Kalkstein“  angewendet  wurde.  Der  Umstand,  dass  unter  der 
letzteren  Benennung  später  auch  Schichten  von  ganz  anderer  Stellung  und 
namentlich  die  Kalke  von  Mikultschütz,  diejenigen  von  Chorzow  u.  s.  w. 
vereinigt  wurden,  liess  die  Wahl  eines  anderen  Namens  wünschenswerth  er- 
scheinen und  bestimmte  Eck  die  Schichtenfolge  als  Rybnaer  Kalk  nach 
dem  nordwestlich  von  Tarnowitz  gelegenen  Dorfe  Rjbna  zu  bezeich- 
nen. In  der  Tarnowitzer  Mulde  ist  dieselbe  in  den  Steinbrüchen  von 
Rjbna,  Opatowitz,  Alt-Tarnowitz,  Vorwerk  Oschina,  Larischhof 
und  an  anderen  Stellen  mit  den  typischen  Merkmalen  aufgeschlossen.  Die 
Hauptmasse  der  Schichtenfolge  besteht  hier  aus  grauen  braun  gefleckten 
oder  gebänderten  Kalksteinen  mit  splittrigem  Bruch.  Gewisse  Lagen  des 
Kalksteins  sind  namentlich  bei  Opatowitz  mit  Pecten  discites  und  mit 
Gervillia  socialis  ganz  erfüllt,  während  andere  auf  den  Schichtflächen  mit 
Corhula  incrassata  in  dichter  Zusammenhäufung  bedeckt  sind.  Am  West- 
ende der  Colonie  Bergfreiheit  ist  nach  Eck  in  einem  Steinbruche  als 
unterstes  Glied  der  Schichtenfolge  eine”  9 Zoll  dicke  Lage  eines  dolomiti- 
schen Conglomerats  5 welches  aus  gerundeten  Stücken  von  bräunlichem 
dichten  Dolomit  und  einem  Bindemittel  von  gelblichem  zum  Theil  oolithi- 
schen  Dolomit  besteht  und  die  ersten  Fisch-  und  Saurier -Reste  enthält, 
aufgeschlossen.  Ueber  diesem  Conglomerat  folgt  in  einer  Mächtigkeit  von 
5 Fuss  gelber  mergeliger  Dolomit  und  über  diesem  erst  die  Hauptmasse 
der  kalkigen  Schichten.  In  der  westlichen  Muschelkalk-Partie  zwischen 
Tost  und  Krappitz  kennt  man  den  Rybnaer  Kalk  ebenfalls  an  vielen 
Orten,  namentlich  bei  Kossorowitz,  Tarnau,  Nakel,  Stubendorf, 
Danietz,  Suchau,  Gross-  und  Klein-Rosmierka  (Rosimirscz)  und 
Gonschor  owitz.  Die  Schichtenfolge  beginnt  hier  mit  grauem  oder  brau- 
nem späthigen,  oder  mit  grauem  oder  röthlichen  dichten  Kalkstein  mit 
ebenem  oder  feinsplitterigem  Bruch.  Der  letztere  Kalkstein  bricht  meistens 
in  dünnen  Platten  oder  wird  sogar  schieferig  und  ist  bis  auf  einzelne  spar- 
same Saurier-Reste  versteinerungslos. 

In  den  angrenzenden  Theilen  von  Polen  ist  der  Rybnaer  Kalk  eben- 
falls verbreitet,  aber  nur  in  einer  ganz  geringen,  5 bis  6 Fuss  betragenden 
Mächtigkeit  entwickelt.  Bei  Goluchowice  wurden  braune  dazu  gehö- 

19 


146 


Trias-Formation. 


rende  Dolomite  unter  der  Lettenkohle  beobachtet.  Bei  Boleslaw  wur- 
den bei  dem  Abteufen  von  Schächten  weissliche  Dolomite  mit  Saurier- 
Knochen  angetroffen,  welche  nach  der  Lagerung  in  dieses  Niveau  gehören. 
Endlich  kennt  man  die  Schichtenfolge  auch  im  Krakau’schen  Gebiete.  So 
namentlich  bei  Cieszkowice  und  in  den  Umgebungen  von  Chrzanow. 
ln  einer  ziemlich  ansehnlichen  Ausdehnung  ist  sie  dicht  neben  der  Chrzanower 
Eisenhütte  und  westlich  davon  aufgeschlossen,  ln  einem  kleinen  hart  an 
der  Eisenbahn  gelegenen  Steinbruche  ist  dort  die  Auflagerung  auf  die  dolo- 
mitischen Mergel  des  mittleren  Muschelkalks  deutlich  zu  beobachten.  Auch 
in  mehreren  Eisenbahneinschnitten  nördlich  von  Libiaz  sind  die  Schichten 
über  den  dolomitischen  Mergeln  des  mittleren  Muschelkalks  deutlich  ent- 
blösst.  In  dem  nördlich  von  Chrzanow  gelegenen  Dorfe  Balin  stehen 
sie  in  einem  Hohlwege  in  einer  kaum  2 Fuss  betragenden  Mächtigkeit  an. 
Nördlich  von  dem  Dorfe  sind  sie  in  einem  Eisenbahneinschnitte  zu  beob- 
achten. 

Die  organischen  Einschlüsse  des  Rjbnaer  Kalks  bestehen,  wie 
schon  oben  bemerkt  wmrde,  vorzugsweise  aus  Fisch-  und  Saurier-Resten. 
Die  Mehrzahl  derselben  ist  durch  H.  v.  Meyer  aus  den  Steinbrüchen  von 
Opatowitz,  Rybna  und  Alt-Tarnowitz,  wo  sie  durch  Mentzel  gesam- 
melt waren,  beschrieben  worden.  Der  für  den  oberen  Muschelkalk  vor- 
zugsweise bezeichnende  Ammonites  ( Ceratites)  nodosus,  welcher  im  west- 
lichen Deutschland  in  ausserordentlicher  Häufigkeit  der  Individuen  die 
Schichten  desselben  zu  erfüllen  pflegt,  ist  in  Ob  er  Schlesien  nur  selten 
und  in  schlechter  Erhaltung  beobachtet  worden,  Eck  kennt  ihn  nur  von 
Rybna,  Larischhof,  Alt-Tarno witz,  Boruschowitz  und  Klein- 
Rosmierka.  Das  Fehlen  der  im  oberen  Muschelkalke  des  westlichen 
Deutschlands  nicht  seltenen  Arten:  Myophoria ijes-anseris,  Ammonites  enodis 
und  Ammonites  semipartitus  in  Oberschlesien  verdient  bemerkt  zu  werden. 

Im  Ganzen  führt  Eck  folgende  Arten  aus  dem  oberen  Muschelkalke 
Oberschlesiensauf:.  Spirifer  fragilis,  Terehratula  vulgaris,  Ostrea  ostracina, 
Ostrea  complicata,  Ostrea  spondyloides,  Ostrea  difformis,  Pecten  discites,  Pecten 
laevigatus,  Pecten  reiiculatus,  Lima  striata  var.  genuina,  Gervillia  socialis, 
Gervillia  costata,  Monotis  Albertii,  -Myoplioria  vulgaris,  Myophoria  simpler j 
Corhula  incrassata,  Turbo  gregarius,  Nautilus  bidorsatus,  Ammonites  ( Gera- 
tites)  nodosus,  Phyncholitlius  hirundo,  Acrodus  lateralis,  Acrodus  Gaillar doti, 
Acrodus  immarginatus , Acrodus  pulvinatus,  Acrodus  minimus,  Acrodus 
Braunii,  Strophodus  angustissimus , Hybodus  plicatilis,  Hybodus  Mougeoti, 
Hybodus  polycyphus,  Hybodus  simpler,  Hybodus  longiconus,  Hybodus  an- 
gustus  Ag.  (pars),  Hybodus  major,  Hybodus  tenuis,  Leiacanthus  Opatowitza- 


Muschelkalk. 


147 


nus,  Leiacanthus  Tarnowitzanus,  Colohodus  variuSj  Saurichthys  apicalis,  Sau- 
richthys  Mouyeoti,  Saurichthys  tenuirostris,  Saurichthys  costatus,  Gyrolepis  tenui- 
striatus,  Gyrolepis  Alhertii,  Placodus  sp.,  Tanystropheus  conspicuus,  Nothosau- 
rus  mirabilisj  Pistosaurus  sp. 

Vergleichung  des  Oberschlesisch-Polnischen 
Muschelkalkes  mit  dem  typischen  Muschelkalke  im  west- 
licheren Deutschland. 

Bei  einer  Vergleichung  der  Oberschlesisch -Polnischen  Muschelkalk- 
Bildung  mit  derjenigen  im  westlicheren  Deutschland  zeigt  sich  im  Ganzen 
eine  wesentliche  Uebereinstimmung.  In  palaeontologischer  Beziehung 
sind  nicht  nur  die  meisten  Versteinerungen  gemeinsam,  sondern  auch  die 
verticale  Verbreitung  der  Arten  durch  die  einzelnen  Stockwerke  ist,  einige 
unwesentliche  Ausnahmen  abgerechnet,  in  Oberschlesien  dieselbe  wie  im 
übrigen  Deutschland.  Auch  das  Vorkommen  alpiner  Trias-Formen  in  der 
unteren  Abtheilung  des  Oberschlesischen  Muschelkalks  erscheint  nicht 
mehr  als  eine  so  grosse  Eigenthürnlichkeit,  seitdem  mehrere  dieser  alpinen 
Formen,  wie  namentlich  Bhynchonella  decurtata,  Terehratula  angusta,  Retzia 
trigonella  und  Encrinus  gracilis  sich  auch  an  anderen  Orten  in  Deutschland 
gefunden  haben.  Die  Mächtigkeit  der  drei  Hauptabtheilimgen  betreffend, 
so  ist  das  ausserordentliche  Anschwellen  des  unteren  Muschelkalks  und 
das  Zusammenschrumpfen  der  mittleren  und  oberen  Abtheilung  bei  einem 
Vergleiche  mit  der  typischen  Entwickelung  im  westlichen  Deutschland  be- 
merkenswerth.  Aber  ein  ganz  ähnliches  gegenseitiges  Verhalten  der  drei 
Hauptglieder  zeigt  sich  auch  schon,  wie  Eck  hervorhebt,  bei  Rüdersdorf 
unweit  Berlin.  In  petrographischer  Beziehung  zeigt  sich  besonders 
der  untere  Muschelkalk  von  der  typischen  Entwickelung  im  westlichen 
Deutschland  abweichend.  Die  Ablagerung  in  dicken  Bänken  und  die  rein 
kalkige,  nicht  mergelige  Beschaffenheit  in  den  unteren  Gliedern,  so  wie  das 
Auftreten  mächtiger  Dolomit-Ablagerungen  in  den  oberen  Gliedern  ist  be- 
sonders bemerkenswerth.  Das  Vorkommen  der  bedeutenden  Lagerstätten 
von  Zink-,  Blei-  und  Eisenerzen  in  den  dolomitischen  Schichten,  deren 
Ausbeutung  in  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beuthen  Gegenstand 
eines  so  umfangreichen  und  wichtigen  Bergbaues  ist,  kann  kaum  als  eine 
Eigenthürnlichkeit  der  Muschelkalk-Bildung  als  solcher  aufgeführt  werden, 
da  die  Bildung  dieser  Erzlagerstätten  mit  der  Ablagerung  des  sie  ein- 
schliessenden  Dolomits  keinesweges  gleichzeitig  ist,  sondern  einer  ver- 
hältnissmässig  sehr  jugendlichen  Zeit  angehört. 


19^ 


148 


Trias-Formation. 


S.  Keuper, 
a.  Literatur. 

1822.  C.  V.  Oeynhausen:  Versuch  einer  geognostischen  Beschreibung 
von  Oberschlesien.  S.  320  ff.  (Jüngste  Sandstein-  und  Steinkohlen- 
Formation.) 

1836.  G.  G.  Pusch:  Geognostische  Beschreibung  von  Polen  u.  s.  w. 
Zv^eiter  Theil.  Cap.  IX.  Die  Formation  des  Moorkohlen-  und 
Lettengebirges  (W er n er’ s Eisenthongebirge)  S.  276 — 322. 

1846.  R.  V.  Garn  all:  Der  Kalkstein  des  Lublinitzer  Kreises  in  Oberschle- 
sien. Bergmännisches  Taschenbuch.  Dritter  Jahrg.  1846.  S.  1 — 51. 

1862.  Ferd.  Roemer:  Die  Nachweisung  des  Keupers  in  Ob  er  Schlesien 
und  Polen.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geoi.  Ges.  Bd.  XIV.  S.  638  ff. 

1863.  H.  Eck:  Vorläufige  Notiz  über  die  Auffindung  der  Lettenkohlen- 
Formation  in  Oberschlesien  und  über  die  Stellung  des  Mikultschützer 
Kalks  (Virgloria  - Kalks)  im  Muschelkalk  ebendaselbst.  Bd.  XV. 
S.  403  ff. 

1863.  Ferd.  Roemer:  Weitere  Beobachtungen  über  die  Verbreitung 
und  die  Gliederung  des  Keupers  in  Oberschlesien;,  ebendaselbst 
Bd.  XV.  S.  694  ff 

1866.  L.  Zeuschner:  lieber  die  rothen  und  bunten  Thone  und  die  ihnen 
untergeordneten  Glieder  im  südwestlichen  Polen;  ebendaselbst 
Bd.  XVIII.  S.  232  ff 

1867.  Ferd.  Roemer:  Neuere  Beobachtungen  über  die  Gliederung  des 
Keupers  und  der  ihn  zunächst  überlagernden  Abtheilung  der  Jura- 
Formation  in  Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden  Theilen  von 
Polen;  ebendaselbst  Bd.  XIX.  S.  255  ff 

h.  Geschichte. 

Die  hierher  gehörenden  Ablagerungen  Oberschlesiens  waren  zum  Theil 
schon  seit  längerer  Zeit  beschrieben,  aber  erst  in  neuester  Zeit  ist  ihre 
Zusammengehörigkeit  bestimmt  erkannt  und  ihr  Alter  sicher  festgestellt. 
C.  V.  Oeynhausen  hat  einen  Theil  der  hier  zu  behandelnden  Schichten 
und  namentlich  die  die  Kohlenlager  (Pusch’s  Moorkohlen)  einschliessen- 
den  Schichten  kurz  beschrieben.  In  ihrer  Altersbestimmung  griff  er  freilich 
sehr  fehl,  indem  er  ihnen  ein  ganz  jugendliches  Alter  über  der  Kreide- 
Formation  anwies.  Pusch  behandelte  in  seiner  geognostischen  Beschrei- 
bung von  Polen  mehrere  der  hierhergehörenden  Ablagerungen  schon  viel 
ausführlicher,  aber  die  richtige  Deutung  ihrer  Lagerungsverhältnisse  und 
die  Bestimmung  ihres  Alters  gelang  auch  ihm  nicht.  Die  Täuschung,  den 


Keuper. 


149 


weissen  Kalk  von  Woischnik  wegen  äusserer  Gesteinsähnlichkeit  für 
Jurakalk  zu  halten  und  ihn  dem  Jurakalke  des  grossen  polnischen  Jura- 
kalkzuges zwischen  Krakau  und  Czenstochau  zunächst  zu  verbinden5 
ist  für  ihn  die  Quelle  weiterer  Irrthümer  in  Betreff  der  übrigen  Gesteine 
geworden^).  R»  v.  Garn  all  hat  im  Jahre  1846  eine  sorgfältige  Beschrei- 
bung von  den  hierher  gehörenden  Gesteinen  im  Lublinitzer  Kreise  gelie- 
fert und  namentlich  auch  durch  die  Mittheilung  von  einer  Anzahl  von  Bohr- 
registern über  Bohrungen  in  den  rothen  und  bunten  Thonen  des  Lubli- 
nitzer Kreises  die  Kenntniss  dieser  Ablagerungen  wesentlich  gefördert. 
Aber  da  auch  er  den  Kalk  von  W oischnik  für  Jurakalk  hieltj  konnte  ihm 
die  richtige  Altersstellung  der  ganzen  Bildung  nicht  gelingen.  Noch  auf 
der  im  Jahre  1857  erschienenen  zweiten  Auflage  seiner  Karte  von  Ober- 
schlesien  sind  sämmtliche  Ablagerungen  des  Keupers  als  zur  Jura-Porma- 
tion  gehörend  bezeichnet.  Im  Jahre  1862  habe  ich  zuerst  einen  Theil  der 
Keuper -Gesteine  Oberschlesiens  als  solche  erkannt  und  namentlich  die 
bunten  Thone  des  Woischnik-Lublinitzer  Höhenzuges  dem  Keuper 
zugerechnetj  gleichzeitig  die  Einlagerung  des  Woischniker  Kalkes  in  diese 
Thone  nachweisend.  In  dem  folgenden  Jahre  habe  ich  auch  die  durch 
ihren  Reich thum  an  Thoneisensteinen  bekannte  Bildung,  welche  in  den 
Kreisen  Lublinitz  und  Kreutz  bürg  eine  mehrere  Meilen  breite  Zone 
zusammengesetzt  und  welche  durch  v.  Carnall  als  „mitteljurassisches 
Thoneisensteingebirge“  bezeichnet  wurde,  ebenfalls  dem  Keuper  zugewie- 
sen, Ihre  Zugehörigkeit  zur  Jura-Formation  war  bisher  wegen  ihrer  ver- 
meintlich engen  Verbindung  mit  den  unzweifelhaft  mitteljurassischen  Thon- 
eisensteinen von  Bodzanowitz  und  wegen  der  angeblich  jurassischen 
Natur  einiger  in  den  Thoneisensteinen  der  Gegend  von  Kreutzburg 
vorkommenden  Pflanzenreste  angenommen  worden.  Inzwischen  hatte  auch 
H.  Eck  eine  gewisse  in  der  Gegend  von  Gross-Strehlitz  entwickelte 
Reihenfolge  von  thonigen  und  dolomitischen  Gesteinen  aus  stratographi- 
schen und  palaeontologischen  Gründen  als  die  Lettenkohlen-Gruppe  ver- 
tretend erkannt.  Im  Jahre  1 867  habe  ich  die  Gliederung  der  Oberschlesisch- 
Polnischen  Keuper-Bildung  genauer  dargelegt  und  namentlich  die  Glieder 
näher  bezeichnet,  durch  welche  sie  mit  der  aufgelagerten  Jura -Formation 
verbunden  ist.  L.  Zeuschner  hatte  inzwischen  auch  die  „Moorkohlen“ 
von  Pusch  für  Einlagerungen  in  den  Keuper  erklärt,  was  ganz  im  Ein- 


1)  In  einem  nach  Abschluss  seines  Hauptwerkes  erschienenen  späteren  Aufsatze  (vergleiche 
Karsten’s  Archiv,  Bd.  XIL,  1839,  S.  155 — ^178)  hat  Pusch  dann  wolil  die  Vermuthung,  dass  die 
braunrothen  Letten  Keuper  seien,  ausgesprochen,  aber  ohne  alle  nähere  Begründung  dieser  Ver- 
muthung und  ohne  die  Thoneisenstein-führenden  Schichten  der  Kreutzburger  Gegend  hinzuzuziehen. 


150 


Trias-Formation. 


klang  mit  den  bei  den  Aufnahmen  für  die  Karte  gemachten  Beobachtungen 
von  0.  Degenhardt  steht.  Im  Ganzen  ist  durch  die  Nachweisiing  des 
Keupers  in  Oberschlesien  die  bedeutendste  Abweichung  der  neuen  geo- 
gnostischen  Karte  gegen  die  früheren  Karten  herbeigeführt  worden. 

c.  Allgemeines  petrographisches  und  stratographisches  Verhalten. 

Im  Allgemeinen  stellt  der  Keuper  Oberschlesiens  eine  500  bis  600  Fuss 
mächtige  Schichtenreihe  von  rothen,  bunten  und  grauen  kalkhaltigen  Tho- 
nen  dar,  welche  untergeordnete  Einlagerungen  von  Dolomiten,  Kalkstei- 
nen, Sandsteinen,  unreinen  Kohlenflötzen  und  thonigen  Sphärosideriten 
einschliesst.  Den  obersten  Muschelkalk  - Schichten  aufgelagert,  wird  sie 
nach  oben  von  jurassischen  Schichten  bedeckt. 

d.  Verbreitung. 

Der  Keuper,  bis  in  die  neueste  Zeit  in  Oberschlesien  und  Polen  als 
ganz  fehlend  erachtet,  nimmt  in  Wirklichkeit  in  diesen  Ländern  grosse 
Flächenräume  ein.  Wenn  schon  der  Raum,  in  welchem  er  unmittelbar  an 
der  Oberfläche  erscheint,  ansehnlich  gross  ist,  so  ist  noch  viel  ausgedehn- 
ter das  Gebiet,  in  welchem  er  durch  aufgelagerte  Diluvial  - Massen  der 
unmittelbaren  Beobachtung  an  der  Oberfläche  entzogen,  doch  unter  dieser 
sicher  nachweisbar  ist.  Nimmt  man  auch  dieses  Gebiet  hinzu,  so  verbrei- 
tet sich  der  Keuper  im  Allgemeinen  in  Oberschlesien  und  in  den  an- 
grenzenden Theilen  von  Polen  über  einen  gegen  100  Quadratmeilen  gros- 
sen Flächenraum,  welcher  gegen  Osten  durch  den  polnischen  Jura-Zug  von 
Krakau,  Pilica  und  Czenstochau,  gegen  Westen^)  und  Süden  aber 
durch  den  grossen  oberschlesisch-polnischen  Muschelkalk-Rücken,  welcher 
bei  Olkusz  in  Polen  beginnend  sich  über  Siewierz,  Tarnowitz, 
Tost  u.  s.  w.  bis  Krappitz  an  der  Oder  erstreckt,  begrenzt  wird  und 
gegen  Nordwesten  sich  immer  mehr  erweiternd,  die  vereinigten  Fluss- 
Gebiete  der  Malapane  und  des  Stober-Flusses  bis  zur  Oder  hin 
begreift^.  Die  nähere  Verbreitung  des  Keupers  wird  sich  aus  der  Dar- 
stellung der  einzelnen  Glieder  ergeben. 


1)  Natürlich  bilden  die  Gesteine  des  Jura-Zuges  als  jüngere  nicht  auch  die  Begrenzung  für  die 
Verbreitung  des  Keupers  in  der  Tiefe.  Vielmehr  ist  der  Keuper  auch  noch  viel  w^eiter  östlich  mit 
im  Ganzen  durchaus  ähnlichem  Verhalten,  nämlich  am  Nordabhange  des  polnischen  Mittelgebirges 
oder  des  Gebirges  von  Kielce  naehgewiesen.  Vergl.  Ferd.  Roemer  in:  Zeitschr.  Deutsch,  geol. 
Ges.  Bd.  XVIIL,  1866.  S.  685  ff. 

2)  Der  grössere  Theil  dieses  Gebietes  fällt  auf  die  Sektionen  Königshütte,  Woischnik, 
Guttentag,  Kreutzburg  und  Brieg.  Unmittelbar  zu  Tage  tretend,  erscheint  der  Keuper  be- 
sonders auf  den  Sektionen  Königshütte  und  Woischnik. 


Keuper. 


151 


Eine  von  Oppeln  über  Kreutzburg  nach  Pitschen  gezogene  Linie 
bezeichnet  die  grösste  gegen  6 Meilen  betragende  Breite  des  Keuper- 
Gebietes,  während  die  grösste  Längenerstreckung  desselben  zwischen 
Olkusz  und  Kreutzburg  gegen  15  deutsche  Meilen  beträgt.  Nördlich 
von  Pitschen  beobachtet  man  einen  auffallenden  Abfall  des  Terrains. 
Wahrscheinlich  sinken  hier  die  Keuper-Schichten  in  grössere  Tiefe. 

e.  OrograpMsches  Verhalten. 

Da  die  Ablagerungen  des  oberschlesisch-polnischen  Keupers  im  Allge- 
meinen eine  geringe  Festigkeit  besitzen,  so  zeigt  der  Keuper  auch  nirgends 
ausgezeichnete  orographische  Formen,  sondern  erscheint  in  flachen  Nie- 
derungen oder  setzt  niedrige  Höhenzüge  zusammen.  Zu  der  Bildung  der 
Höhenzüge  haben  augenscheinlich  meistens  die  Schichten  von  hellem,  den 
rothen  und  bunten  Thonen  eingelagerten  Kalksteine  (Woischniker  Kalk), 
Veranlassung  gegeben,  indem  sie  durch  ihre  grössere,  häufig  durch  Horn- 
stein-Lager noch  vermehrte  Festigkeit  der  Erosion  stärkeren  Widerstand 
leisteten.  Deshalb  gehen  diese  Kalkstein-Schichten  auch  meistens  auf  der 
Firste  der  Höhenzüge  zu  Tage  aus.  Das  gilt  namentlich  von  dem  Haupt- 
Höhenzuge  dieser  Art,  welcher  sich  von  Mrzyglod  über  Woischnik, 
Lubschau,  Koschentin  bis  über  Lublinitz  hinaus  erstreckt  und  wel- 
cher namentlich  bei  der  Annäherung  von  Süden  her  durch  sein  verhältniss- 
mässig  steiles  Aufsteigen  aus  der  bis  an  seinen  Fuss  reichenden  flachen 
Diluvial-Ebene  trotz  nicht  bedeutender  Höhe  als  eine  sehr  auffallende  Er- 
hebung sich  auszeichnet.  Auch  die  ganz  durch  Keuper-Thone  gebildete, 
mit  dem  schönsten  Laubholzwalde  bekleidete  flache  Erhebung  in  der  Um- 
gebung des  westlich  von  Niegowoniec  gelegenen  Trzebicka  verdankt 
augenscheinlich  nur  solchen  Kalkschichten,  von  welchen  sich  freilich  nur 
einzelne  ganz  kleine  Partien  erhalten  haben,  ihren  Ursprung.  In  flachen 
Niederungen  erscheint  dagegen  der  Keuper  überall,  wo  die  vorherrschenden 
braunrothen  oder  grünlich  grauen  Thone  Einlagerungen  fester  Gesteine 
nicht  einschliessen.  So  wird  namentlich  der  Untergrund  der  trostlosen,  zum 
Theil  völlig  jedes  Pflanzenwuchses  entbehrenden  Sandflächen,  welche  sich 
zwischen  Olkusz  und  Czenstochau  auf  der  Westseite  des  Jura-Zuges 
zum  Theil  Meilen  weit  ausdehnen,  durch  solche  Keuper-Thone  gebildet*). 
Wo  dagegen  die  rothen  und  bunten  Thone  ohne  Bedeckung  mit  Diluvium 
unmittelbar  zu  Tage  gehen,  da  bilden  sie  flache  Niederungen  mit  feuchtem 


1)  Eine  der  sterilsten  dieser  Sandflächen  durchschneidet  man  auf  dem  Wege  von  Laski,  nord- 
östlich vonSlawkow,  nach  B 1 e n d o w.  Hier  ist  buchstäblich  weit  und  breit  kein  Grashalm  zu  sehen. 


152 


Trias-F  ormation. 


kalten  Boden.  In  dem  Flussgebiete  der  Malapane  und  des  Stober- 
Flusses  erscheint  der  Keuper  durchgängig  nur  an  den  niedrigsten  Punkten 
des  Landes,  wie  namentlich  in  den  Flussbetten  der  genannten  Flüsse. 

f.  Grliederung. 

Der  oberschlesisch -polnische  Keuper  hat  die  nachstehenden  Glieder 
unterscheiden  lassen: 

1.  Die  Lettenkohlen-Gruppe  oder  unterer  Keuper  d.  i.  eine 
aus  grauen  und  rothen  Thonen  mit  braunem  Dolomit  und  grünlichgrauen 
Sandsteinen  zusammengesetzte,  auf  der  obersten  Abtheilung  des  Muschel- 
kalks (Rybnaer  Kalk)  unmittelbar  aufruhende  Schichtenfolge. 

2.  Eigentlicher  oder  mittlerer  Keuper  d.  i.  eine  200  bis  300 
Fuss  mächtige  Schichtenfolge  von  braunrothen  und  bunten  Thonen  mit  Ein- 
lagerungen von  hornsteinführendem,  versteinerungsarmen,  dichten,  weissen 
Kalkstein  (Kalklager  von  Woischnik,  Lublinitz,  Kozieglow'ju.  s.  w., 
von  grauen  oder  röthlichen  Kalk-Breccien  oder  Conglomeraten  mit  Fisch- 
und  Saurier-Resten  ( Ceratodus  sp.,  Colohodus  sp.,  Mastodonsaurus  sp.)  und 
ünio  sp.,  von  mürben,  grünlichgrauen  Sandsteinen  und  von  meistens  wenig 
mächtigen  und  unreinen  Kohlenflötzen  (Pusch’s  Moorkohlen). 

3.  Oberer  Keuper  oder  Rhätische  Gruppe.  Diese  Abtheilung 
lässt  wieder  zwei  Stockwerke  unterscheiden,  nämlich: 

a.  Wilmsdorfer  Schichten  mit  pflanzenführenden  Sphaero- 
sideriten  d.  i.  eine  Schichtenfolge  von  röthlichen  und  grünlich- 
grauen Thonen  oder  Mergeln  mit  Knollen  von  thonigem  Sphärosi- 
derit,  welche  Landpflanzen  (Aspidites  Ottonis,  Pteropliyllum  Oeyn- 
hausiij  Calamites  arenaceus  (?)  u.  s.  w.)  einschliessen.  (Eisenstein- 
förderungen von  Wilm  sdorf,  Goslau,  Lofkowitz,  Matzdorf, 
Ludwigsdorf,  Paulsdorf  u.  s.  w.,  zwischen  Kreutzburg, 
Landsberg  und  Pitschen  und  von  Sumpen,Zimnowodau. s.w. 
östlich  von  Lublinitz.) 

b.  Hellewald  er  Estherien-Schichten  d.  i.  eine  Schichtenfolge  von 
dünngeschichteten  oder  schieferigen,  glimmerreichen,  weissen  Sand- 
steinen und  weissen  Thonen,  zusammen  60 — 80  Fuss  mächtig,  mit 
Lagen  von  Thoneisensteinen.  Gewisse  Lagen  des  Sandsteins  auf 
den  Schichtflächen  mit  den  zusammengedrückten  Schalen  von  Esthe- 
ria  minuta  bedeckt.  (Eisensteinförderungen  bei  Colonie  Helle  wald 
unweit  Landsberg,  bei  Colonie  Backhausen  an  der  Strasse  von 
Landsberg  nach  Pitschen,  bei ‘Stany,  Bodzanowitz  gegen- 
über, ira  Königreiche  Polen  u.  s.  w.) 


Keiiper. 


153 


Diese  verschiedenen  Glieder  werden  in  dem  Nachstehenden  einzeln 
näher  betrachtet  werden. 

1.  Die  Lettenkohlen-Gruppe. 

a.  GescMchtliches. 

H.  Eck  erkannte  zuerst  in  einer  bei  den  Dörfern  Gross-  und  Klein- 
Rosmierka  unweit  Gr oss-Strehlitz  entwickelten^  dem  Muschelkalke 
aufgelagerten  Schichtenfolge  von  grauen  Letten,  glimmerreichen  Sand- 
steinen und  braunem  Dolomit  ein  Aequivalent  der  Lettenkohlen-Gruppe, 
welche  bis  dahin  in  Oberschlesien  nicht  unterschieden  worden  war. 
Später  fand  H.  Eck  dieselbe  Schiehtenreihe  auch  noch  an  mehreren  ande- 
ren Punkten,  namentlich  in  der  Nähe  von  Tarnowitz,  auf.  Durch  die 
Aufnahmen  von  0.  Degenhardt  sind  dieselben  Schichten  in  weiter  Er- 
streckung gegen  Südosten  bis  in  das  Krakauer  Gebiet  als  Begleiter  des 
Muschelkalks  bekannt  geworden. 

b.  Petrograpbisches  Verhalten. 

Bei  Gr^ss-  und  Klein-Rosmierka  besteht  die  Schichtenfolge  aus 
einem  Wechsel  von  grauen  Letten,  Glimmer-führenden  grünlich-grauen 
Sandsteinen  und  braunen  erdigen  Dolomiten.  Die  grauen  Letten  herrschen 
vor.  Die  Sandsteine  bilden  nur  dünne  Lagen.  Ganz  ähnlich  ist  das  Ver- 
halten der  Schichtenfolge  an  anderen  Punkten.  In  Polen  schliesst  sie  an 
einigen  Stellen  auch  dünne,  fast  ausschliesslich  aus  einer  Anhäufung  von 
verdrückten  Ünionen-Schalen  bestehende  hellfarbige  Kalkschichten  ein. 

c.  Lagrerung-sverbältniss. 

Das  regelmässige  und  herrschende  Verhältniss  der  Lagerung  ist,  dass  die 
Schichtenfolge  der  obersten  Abtheilung  des  Muschelkalks,  dem  Rjbnaer 
Kalke,  gleichförmig  aufruht  und  ebenso  gleichförmig  von  rothen  und 
und  bunten  Letten  des  mittleren  Keupers  überlagert  wird.  Diese  Lagerung 
zwischen  oberstem  Muschelkalk  und  bunten  Keuper-Thonen  ist  neben  den 
organischen  Einschlüssen  vorzugsweise  dafür  beweisend,  dass  die  Schich- 
tenfolge wirklich  der  Lettenkohlen-Gruppe  in  anderen  Theilen  von  Deutsch- 
land gleich  steht.  In  Polen  ruht  sie  übrigens  an  manchen  Stellen 
anscheinend  unmittelbar  auf  unterem  Muschelkalk  und  namentlich  auf 
Himmel witzer  Dolomit  auf. 

d.  Organische  Einschlüsse. 

Im  Allgemeinen  sind  deutliche  Versteinerungen  in  der  ganzen  Schichten- 
folge selten.  Die  meisten  derselben  haben  die  dolomitischen  Schichten 

/ 20 


154 


T rias-  Formation, 


bei  Gross-  und  Klein-Rosmierka  geliefert:  H.  Eck  führt  aus  densel- 
ben namentlich  auf:  Zähne  von  Hybodus  plicatilis  Äg.,  Saurichthys  Mougeoti 
Ag.,  Schuppen  von  Gyrolepis  sp.,  Myophoria  vulgaris^  Myophoria  intermedia 
V.  Schauroth  und  Myacites  hrevis  v.  Schauroth  auf.  Diese  Arten  sind 
auch  in  den  Gegenden  der  typischen  Entwickelung  im  mittleren  und  süd- 
lichen Deutschland  der  Lettenkohlen -Gruppe  eigenthümlich  oder  doch 
mit  anderen  Trias-Schichten  gemeinsam.  Bei  Boleslaw  in  Polen  sind 
gewisse  gelblich  graue  feste  Kalkstein-Schichten  mit  zusammengedrückten, 
anscheinend  zur  Gattung  Unio  gehörenden  Zweischalern  von  'I2  bis  ^14  Zoll 
Länge  erfüllt.  Deutliche  Pflanzenreste,  wie  sie  in  der  Lettenkohlen-Gruppe 
des  mittleren  und  südlichen  Deutschlands  in  so  grosser  Mannichfaltig- 
keit  Vorkommen,  sind  aus  der  oberschlesisch  - polnischen  Lettenkohlen- 
Gruppe  bisher  nicht  bekannt  geworden,  obgleich  unvollkommen  kohlige 
Pflanzen-Theile  an  vielen  Stellen  beobachtet  wurden. 

e.  Verbreitung*. 

Die  Verbreitung  der  Lettenkohlen-Gruppe  lässt  sich  z\^r  auf  dem 
Kartengebiete  über  eine  grosse  Erstreckung  verfolgen  und  reicht  von 
Oppeln  bis  in  die  Gegend  von  Chrzano  w im  Krakauer  Gebiete,  aber  der 
Raum,  welchen  sie  an  der  Oberfläche  einnimmt,  ist  im  Vergleich  zu  den 
durch  die  njittleren  Glieder  der  Keuper -Bildung  eingenommenen  Flächen- 
räumen nur  beschränkt.  Im  Allgemeinen  bilden  die  Gesteine  der  Letten- 
kohlen-Gruppe einzelne  an  der  Oberfläche  nicht  zusammenhängende  kleine 
Partien  am  Nordrande  des  grossen  bis  tief  nach  Polen  hinein  zu  verfolgen- 
den Muschelkalk-Rückens.  Zunächst  liegen  mehrere  solche  Partien  in  der 
Gegend  nördlich  und  nordwestlich  von  Gross-Strehlitz  zwischen  den 
Ortschaften  Dembio,  Grabow,  Gross-  und  Klein-Rosmierka.  An 
den  zuletzt  genannten  Orten  hat  H.  Eck  zuerst  die  Lettenkohlen-Gruppe 
als  solche  in  Oberschlesien  erkannt.  Eine  ziemlich  ansehnliche  Partie 
ist  dann  ferner  nordöstlich  von  Gonziorowitz  unweit  Himmelwitz  ent- 
wickelt. Ganz  klein  ist  eine  Partie  bei  Wierchleschie.  Nun  folgt  gegen 
Osten  eine  weite  Lücke,  in  welcher  man  die  Bildung  nicht  kennt.  Erst 
bei  Tworog  und  von  da  südwärts  bis  Hanusek  sind  wieder  hierher  ge- 
hörende graue  Letten  und  braune  Dolomite  entwickelt,  welche  namentlich 
an  den  Ufern  des  Stollenwassers  zu  beobachten  sind.  Auch  bei  Truschitz 
im  Malapane-Thale  sind  ähnliche  Schichten  bekannt.  Durch  H.  Eck 
sind  dergleichen  ferner  bei  Mi e dar  und  bei  Rybna  so  wie  am  Wege  von 
Larischhof  nach  Opatowitz  unweit  Tarnowitz  beobachtet  worden. 
Graue  Thone  und  Sandsteine,  welche  hierher  gehören,  kommen  ferner  bei 


Keuper. 


155 


Zielona  bis  gegen  Mokrus  hin  vor.  -Auch  südlich  von  Zielona  im 
Forstreviere  Glinionki  haben  graue  Thone,  Sandsteine  und  Dolomite 
mit  Fischzähnen  und  Fischschuppen  eine  ansehnliche  Verbreitung.  Die 
Schichten  sind  hier  bleierzführend  und  haben  zur  Einlegung  verschiedener 
Muthurigen  Veranlassung  gegeben.  Die  fraglichen  Schichten  bilden  übrigens 
an  dieser  Stelle  eine  kleine  Mulde,  da  nordwärts  wieder  oberster  Muschel- 
kalk (Rybnaer  Kalk)  hervortritt.  Dieselben  Dolomite  und  Thone  sind 
auch  noch  weiterhin  in  südöstlicher  Richtung  in  Bohrlöchern,  welche  für 
Rechnung  des  Grafen  Henckel-Siemiano witz  am  Wege  von  Bibiella 
nach  der  ünterförsterei  Dombrowa  gestossen  wurden,  angetroffen  worden. 
Weiter  östlich  müsste  man  die  Lettenkohlen-Gruppe  bei  Brudziewice 
erwarten,  aber  hier  kennt  man  nichts  Bestimmtes  davon.  Anderer  Seits 
gehören  gewisse  bei  Goluchowice  südlich  von  Siewierz  auf  Rybnaer 
Kalk  aufgelagerte  dunkelgraue  Schieferthone  mit  hellen,  aus  einer  An- 
häufung von  Unionen -Schalen  bestehende  Kalklagen  wahrscheinlich  zur 
Lettenkohle.  Bei  Trzebieslawice  hat  man  unweit  der  Schäferei  graue 
Schieferthone  mit  Estheria  minuta  in  einem  Versuchsschachte  auf  Kohlen 
durchsunken.  Diese  Schichten  bilden  hier  eine  kleine  ganz  isolirte  Mulde 
im  Muschelkalke.  Schichten  von  derselben  Beschaffenheit  wie  diejenigen 
bei  Goluchowice  kommen  bei  Chruszcziebrod  und  weiter  südlich  im 
Westen  von  Trzebycka  vor.  Auch  am  Wege  von  Trzebycka  nach 
Lenka  hat  man  Schieferthone  und  graue  mit  kohligen  Pflanzenresten  er- 
füllte Sandsteine  mit  Schächten  durchteuft.  Es  liegen  hier  diese  Schichten 
unmittelbar  auf  Nulliporen- Dolomit  auf  und  der  Rybnaer  Kalk  sowie  der 
mittlere  Muschelkalk  fehlen  also.  Im  Dorf  Lenka  sind  ganz  ähnliche  Schich- 
ten unter  rothem  Thon  durch  Brunnen  aufgeschlossen.  Am  Wege  von  Lenka 
nach  Lazy  und  weiter  südlich  am  Wege  nach  Okradzionow  kennt  man 
Schieferthone  mit  Pflanzenresten  und  Unionen-führende  Kalke,  welche  auch 
hier  unmittelbar  auf  Nulliporen-Dolomit  aufruhen.  Man  kennt  die  gleichen 
Schichten  ferner  nördlich  von  Boleslaw  in  der  Richtung  auf  Hutki  und 
Laski  zu.  Ganz  in  der  Nähe  von  Boleslaw  bilden  sie  eine  kleine  dem 
Muschelkalke  eingelagerte  Mulde,  welche  durch  Stollenlichtlöcher  aufge- 
schlossen ist.  Bei  Pomorzany  werden  graue  Letten  von  den  Schichten 
mit  Ämmonites  macrocephalus  unmittelbar  überlagert.  Ebensolche  Thone  mit 
grauen  von  kohligen  Pflanzenresten  erfüllten  Sandsteinen  stehen  bei  C z arna 
göra  und  bei  dem  Vorwerke  Mazaniec  unweit  Olkusz  an.  Im  Krakau- 
schen  füllen  Gesteine  dieser  Art  die  ganze  Hauptmulde  des  Muschelkalks 
zwischen  Trzebinia  und  Jaworzno  aus.  Namentlich  zwischen  Luszo- 
wice  und  Gory-Luszo wskie  treten  graue  Thone  zu  Tage.  Auch  bei 

20^ 


156 


Trias-Formation. 


Bai  in  unweit  Chrzanow  kennt  man  solclie  Thone  an  mehreren  Punkten 
auf  Rybnaer  Kalk  aufruhend  und  von  rothen  Mergeln  überlagert.  Auch  süd- 
lich von  Cieszkowice  und  am  Wege  von  dort  nach  Jaworzno  treten 
sie  zu  Tage.  Die  ganze  sumpfige  Niederung  zwischen  Balin  und  Cieszko- 
wice wird  wahrscheinlich  von  ihnen  erfüllt.  Bei  Chrzanow  waren  sie 
früher  südlich  von  der  Mathilde-Grube  durch  Thongruben  aufgeschlossen. 
Am  Wege  nach  der  Chrzanow  er  Eisenhütte  kennt  man  sie  auf  oberem 
Muschelkalk  aufrnhend  und  von  jurassischen  Schichten  mit  Ammonites  macro- 
ceplialus  überlagert.  Ebenso  treten  sie  an  dem  gegenüberliegenden  Thal- 
gehänge bei  Koszielec  hervor. 

2.  Eigentlicher  oder  mittlerer  Keuper. 

Diese  aus  braunrothen  und  bunten  Thonen  mit  Einlagerungen  von 
dichtem  gelblich  weissen  Kalksteine  (Woischniker  Kalk),  grauen  oder 
röthlichen  Kalk-Breccien  (Lissauer  Breccien),  mürben  grauen  Sandsteinen 
(Kamienietzer  Sandstein)  und  dünnen  Flötzen  unreiner  Kohle  (Blano wicer 
Kohlen)  zusammengesetzte  mittlere  Abtheilung  des  oberschlesisch -polni- 
schen Keupers  ist  sowohl  nach  Mächtigkeit,  als  nach  der  Verbreitung  an 
der  Oberfläche  weitaus  die  wichtigste  von  den  drei  Abtheilungen.  Die 
Mächtigkeit  der  ganzen  Abtheilung  beträgt  mindestens  200  bis  300  Fuss, 
und  mag  in  einigen  Gegenden  bis  zu  300 — 500  Fuss  anschwellen.  Es 
wird  passend  sein  zunächst  die  Thone  selbst  und  demnächst  die  verschie- 
denen Einlagerungen  in  denselben  nach  einander  näher  zu  betrachten. 

1.  Braunrothe  und  bunte  Thone. 
a.  Petrographisches  Verhalten. 

Das  gewöhnliche  Verhalten  ist  dasjenige  von  zähen,  fetten,  mit  Wasser 
vollkommen  plastisch  werdenden,  unvollkommen  schieferig  abgesonderten 
Thonen  von  braunrother  oder  blutrother  Färbung.  Der  Kalkgehalt  der 
Thone  ist  gewöhnlich  nur  gering  und  häufig  zeigen  die  Thone  nur  ein  sehr 
schwaches  oder  fast  gar  kein  Brausen  mit  Säuren.  Der  durch  diese  Thone 
gebildete  Ackerboden  ist  schwer  und  kalt,  liefert  aber  doch  bei  gehöriger 
Auflockerung  und  Düngung  reichliche  Ernten  von  Cerealien,  wie  man  z.  B. 
in  der  Umgebung  von  Woischnik  beobachten  kann.  Selten  nimmt  der 
Kalkgehalt  bis. zu  dem  Grade  zu,  dass  ein  gleich  den  typischen  Keuper- 
mergeln des  mittleren  und  südlichen  Deutschlands  an  der  Luft  in  eckige 
Stücken  zerfallender  Mergel  entsteht.  An  dem  südlichsten  Punkte  der 
Verbreitung  des  Keupers,  bei  Balin  unweit  Chrzanow  im  Krakau’ sehen, 
hat  er  am  meisten  diese  dem  typischen  deutschen  Keuper-Mergel  gleichende 


Keuper. 


157 


Beschaffenheit.  Die  gewöhnliche  Färbung  der  Thone  ist  braunroth  oder 
blutroth  und  fast  immer  sehr  viel  dunkeier  als  die  typischen  Keuper-Mer- 
gel des  mittleren  Deutschlands.  Die  Farbe  gleicht  derjenigen  des  Röth 
oder  der  oberen  Abtheilung  des  bunten  Sandsteins.  Meistens  umschliesst 
der  braunrothe  Thon  unregelmässige,  aber  stets  scharf  begrenzte  Partien 
oder  flammige  Streifen  von  hellem  berggrünen  Thon  und  wird  so  buntfarbig. 

b.  Verbreitung*. 

Von  den  drei  Abtheilungen,  welche  der  oberschlesisch-polnische  Keuper 
unterscheiden  lässt,  hat  diese  mittlere  vorherrschend  aus  braunrothen  und 
bunten  Thonen  bestehende  bei  Weitem  die  grösste  Verbreitung.  Während 
die  Gesteine  der  Lettenkohlen-Gruppe  nur  eine  schmale  und  durch  aufgela- 
gertes Diluvium  vielläch  unterbrochene  Zone  am  Rande  des  Muschelkalk- 
Rückens  bilden  und  die  Ablagerungen  der  oberen  oder  Rhätischen  Gruppe 
auf  einen  von  den  jurassischen  Gesteinen  begrenzten  Streifen  zwischen 
Woischnik  und  Pitschen  beschränkt  sind,  so  erstreckt  sich  die  Ver- 
breitung der  mittleren  Thone  mit  ihren  kalkigen,  sandigen  und  kohligen 
Einlagerungen  auf  den  ganzen  weiten  zwischen  jenen  beiden  Zonen  aus- 
gedehnten Raum.  Freilich  sind  sie  meistens  durch  aufliegende  Diluvial- 
Massen  der  unmittelbaren  Beobachtung  entzogen,  aber  immerhin  sind  die 
Flächenräume,  in  welchen  sie  unmittelbar  an  der  Oberfläche  erscheinen, 
ausgedehnt  genug.  Die  einzelnen  Partien,  in  welchen  sie  zu  Tage  treten, 
sind  näher  zu  betrachten. 

Die  südlichsten  Punkte,  an  welchen  der  Keuper  nachgewiesen  wurde, 
liegen  in  der  Umgebung  von  Chrzanow  im  Krakau’schen.  In  einem 
Eisenbahneinschnitte  bei  Balin  unweit  Chrzanow  liegen  die  durch  den 
Reichthum  an  wohl  erhaltenen  Versteinerungen  berühmt  gewordenen  mit- 
teljurassischen Schichten  auf  hellfarbigen  röthlich  weissen  und  bläulich 
grauen,  an  der  Luft  in  eckige  Stücke  zerfallenden  Mergeln  auf,  welche 
ihrerseits  auf  Muschelkalk  aufruhen.  Die  Mächtigkeit  der  Mergel  kann 
nur  gegen  10  bis  15  Fuss  betragen.  Nach  petrographischem  Verhalten 
und  Lagerung  können  diese  Mergel  nur  Keuper  sein.  Die  geringe  Mäch- 
tigkeit deutet  darauf  hin,  dass  die  Bildung  hier  der  Grenze  ihrer  ursprüng- 
lichen Ablagerung  nahe  ist.  Dieselben  Mergel  sind  auf  der  Halde  eines 
nahe  gelegenen  alten  Versuchsschachtes  zu  beobachten.  Näch  Fallaux^) 
stehen  dieselben  Schichten  in  Balin  selbst  am  westlichen  Ende  des  Dorfes 


i)  Hohen  egger’s  Geognostische  Karte  des  ehemaligen  Gebietes  von  Krakau.  Wien  1866. 
(Erläuterungen.)  Seite  18. 


158 


Trias-Formation. 


an.  Dann  kennt  man  sie  erst  wieder  bei  Boleslaw,  2 Meilen  nordöstlich 
von  Chrzanow.  Bei  Hutki  und  Laski,  nördlich  von  Boleslaw,  stehen 
braunrothe  Thone  auf  grössere  Erstreckung  zu  Tage.  Eine  ansehnliche 
Partie  bilden  aber  solche  braunrothe  Thone  bei  Lazy,  1 Meile  nördlich 
von  Slawkow.  Hier  treten  auch  zuerst  die  Breccien  als  Einlagerungen 
in  den  Thonen  auf.  Auch  bei  Gorki,  nordöstlich  von  Lazy,  und  bei 
Bledow,  östlich  von  Lazy,  treten  die  Thone  mit  Einlagerungen  von 
Breccien  hervor.  Bei  Bl§dow  sieht  man  deutlich  die  mittel-jurassischen 
kalkigen  Schichten  mit  Ammonites  macrocephalus  auf  die  Keuper-Thone  sich 
auflagern.  Eine  sehr  grosse  Partie  bilden  die  Thone  in  der  Umgebung  von 
Trzebycka  westlich  von  Niegowoniec.  Die  Thone  setzen  hier  eine  mit 
üppiger  Laubholzwaldung  bestandene  flache  Erhebung  zusammen,  zu  deren 
Entstehung  augenscheinlich  der  noch  in  kleinen  anstehenden  Partien  erhal- 
tene Kalkstein  (WoischnikerKalk)  mit  Hornstein-Concretionen  Veranlassung 
gegeben  hat.  In  einer  ganz  kleinen  Partie  treten  die  Thone  bei  dem  Kruge 
Slotwina  hervor.  Hier  waren  alte  Kohlenförderungen  in  den  Thonen, 
die  südlichsten  überhaupt  bekannten.  Nördlich  vonChruszcziebrod  und 
zwischen  Chrusziebrod  und  Wysoka  treten  die  Thone  deutlich  an  die 
Oberfläche.  An  einem  Bachufer  sind  die  Thone  bei  dem  Hofe  Mierzcio- 
wice  nördlich  von  Chruszcziebrod  aufgeschlossen.  In  der  Umgebung 
des  Dorfes  Goluchowice  sind  sie  dem  Muschelkalke  muldenförmig  auf- 
gelagert. Ebenso  erscheinen  sie  bei  Trzebieslawice.  Gute  Aufschlüsse 
der  rothen  Thone  sind  ferner  längs  der  schwarzen  Przemsza  zwischen  Sie - 
wierz  und  Piwonia.  Sie  ruhen  hier  auf  grauen  Sandsteinen  und  dunkelen 
Schieferthonen  mit  Kohlenflötzen.  Auch  bei  Brudziewice  nördlich  von 
Siewierz  treten  sie  deutlich  zu  Tage  und  schliessen  ein  mächtiges  Kalkstein- 
lager ein,  welches  in  einem  südlich  von  dem  Dorfe  gelegenen  Steinbruche 
entblösst  ist.  Ein  schwächeres  Kalklager  einschliessend  erscheinen  sie  bei 
dem  nahe  gelegenen  Dziewki.  Bei  Zawierzie  erheben  sich  die  Keuper- 
Thone  zu  einem  niedrigen  Höhenzuge,  welcher  gegen  Nordwesten  über 
Poremba- Mrzyglo dzka,  Niwky,  Mrzyglod,  Pinczyce,  Lgota, 
Kozieglowka,  Kozieglo  wy,  W oischnik,  Helenen thaljLubsc hau, 
Kamienietz  bis  zum  Vorwerke  Lasen  westlich  von  Babinitz  zusam- 
menhängend sich  forter streckt.  Der  höchste  Rücken  des  Höhenzuges  wird 
meistens  durch  Kalksteinlager  gebildet  und  an  vielen  Stellen  schliessen  die 
Thone  mehr  oder  minder  mächtige  Einlagerungen  von  Sandsteinen  und 
Breccien  ein. 

Noch  weiter  gegen  Nordwesten,  nach  Lublinitz  zu,  ist  der  Zug  der 
Keuper-Thone  weniger  zusammenhängend  an  der  Oberfläche.  Grössere 


Keuper. 


159 


Partien  treten  jedoch  noch  bei  Koschentin,  zwischen  Wiersbie  und 
.Nieder-Sodow,  zwischen  Kochanowitz  und  Lissau,  bei  Lubetzko 
unweit  Lublinitz,  bei  Kochtzitz,  Pawonkau,  Gross-Lagiewnik 
und  in  den  Koczurren  nördlich  von  Guttentag  hervor.  Als  ein  noch 
viel  weiter  gegen  Nordwesten  gerückter  Ausläufer  des  Woischnik- 
Lublinitzer  Zuges  ist  die  Partie  bei  Kreutzburg  zu  betrachten.  Die 
rothen  Thone  treten  hier  an  mehreren  Stellen  an  den  flachen  Thalgehängen 
des  breiten  Wiesenthaies  des  Stober-Flusses  zu  Tage  und  sind  nament- 
lich durch  mehrere  Thongruben  aufgeschlossen,  aus  denen  die  Ziegeleien 
in  dem  nordwestlich  von  der  Stadt  gelegenen  Dorfe  Kraskau  ihr  Mate- 
rial entnehmen.  Ohne  Bedeckung  durch  Diluvium  sind  in  diesen  Thon- 
gruben die  typischen  braunrothen  Letten  mit  einzelnen  Streifen  von  lichte- 
rem Thon  und  mit  dünnen  Lagen  von  losem  grünlichgrauem  Sandstein  auf- 
geschlossen. 

Endlich  sind  nun  auch  südlich  der  die  Orte  Woischnik,  Lubli- 
nitz,  Guttentag  und  Kreutzburg  verbindenden  Linie  die  Thone  an 
einer  hinreichend  grossen  Zahl  von  Punkten  nachgewiesen  worden,  um 
es  als  sicher  erscheinen  zu  lassen,  dass  sie  unter  dem  Diluvium  sich  über 
den  ganzen  weiten  Flächenraum  verbreiten,  welcher  im  Norden  durch  die 
genannte  Linie,  im  Süden  durch  die  an  den  Nordrand  des  Muschelkalk- 
Rückens  zwischen  Tost  und  Krappitz  sich  anlehnende  Zone  der  Letten- 
kohlen-Gruppe  und  im  Westen  durch  die  Oder  begrenzt  wird.  Zu  diesen 
Punkten  gehören  namentlich  mehrere  Partien  im  Malapane-Thale. 
Ganz  nahe  bei  dem  Hüttenwerke  Malapane  treten  in  dem  Flussbette  der 
Malapane  graue  und  röthliche  Thone  hervor.  Weiter  unterhalb  im  Mala- 
pane-Thale zeigen  sie  sich  noch  einmal  bei  Trzenczin,  1^|2  Meilen 
nordöstlich  von  Oppeln  und  enthalten  hier  auch  eine  Einlagerung  der 
grauen  Breccien.  Eine  grössere  Partie  bilden  sie  bei  Dembio  östlich  von 
Oppeln.  Sie  setzen  hier  ein  flachhügeliges  Gebiet  in  der  Umgebung  des 
Dorfes  zusammen.  In  dem  Dorfe  selbst  sind  die  rothen  und  hellen 
grünlichgrauen  Thone  mit  dünnen  Lagen  von  röthlichweissem  mergeligen 
Kalkstein  an  mehreren  Stellen  aufgeschlossen.  In  dem  westlich  von  Dem- 
bio auf  dem  linken  westlichen  Ufer  des  Himmelwitzer  Wassers  im 
Walde  gelegenen,  jetzt  verlassenen  Basaltbruche,  sind  in  Berührung  mit 
dem  Basalte  horizontale  Schichten  eines  harten  thonigen  Gesteins  zu 
beobachten,  welche  augenscheinlich  durch  den  Basalt  veränderte  und  hart 
gebrannte  Keuper-Thone  sind.  Auch  ein  bei  der  Haltestelle  Chronstau 
gelegener  Basalt-Bruch  zeigt  Keuper-Thone  und  mergelige  Kalksteinknollen, 
welche  durch  Einwirkung  des  Basaltes  verändert  sind.  Endlich  sind  die 


160 


Trias-Formation. 


Keuper-Thone  auch  noch  bei  Kreutzburger  Hütte  und  bei  Damratsch 
unweit  Carls  ruhe  nachgewiesen.  Bei  Kreutzburger  Hütte  hat  man  in 
einem  vor  einer  Reihe  von  Jahren  gestossenen  Bohrloche  die  braunrothen 
Thone  mit  schmalen  Streifen  von  hellen  grünlichgrauen  Letten  wechselnd  bis 
zu  einer  Tiefe  von  20  Lachter  angetroffen,  xluch  in  den  umliegenden  Forsten 
Szubinik  und  Wolfsspurhaus  kennt  man  die  braunrothen  Thone  unter 
der  Diluvial -Bedeckung.  Bei  dem  nördlich  von  Carls  ruhe  gelegenen 
Dorfe  Damratsch,  bilden,  wie  durch  Schächte  bekannt  ist,  braunrothe 
Thone  bis  zu  unbekannter  Tiefe  das  Liegende  der  nur  4 bis  5 Lachter 
mächtigen  thonigen  Tertiär -Bildung,  deren  Thoneisensteine  hier  und  an 
anderen  Punkten  in  der  Umgebung  von  Carlsruhe  zu  einem  nicht  unbe- 
deutenden Bergbau  Veranlassung  geben*). 

c.  Einlagerungen  von  Kalksteinen,  Breccien,  Sandsteinen,  Koklen  und  Brauneisensteinen 
in  den  Keuper -Thonen. 

Diese  Einlagerungen,  obgleich  den  Keuper-Thonen  untergeordnet,  er- 
scheinen doch  zum  Theil  so  selbstständig  und  zeigen  eine  so  eigenthüm- 
liche,  für  den  oberschlesisch  - polnischen  Keuper  bezeichnende  Entwicke- 
lung, dass  sie  eine  gesonderte  Behandlung  fordern.  Wir  bezeichnen  diese 
Einlagerungen  als  Woischniker  Kalk,  nach  dem  typischen  Vorkommen 
bei  Woischnik  benannt,  Lissauer  Breccien  nach  dem  typischen  Vor- 
kommen bei  dem  Dorfe  Lissau  nördlich  von  Lublinitz,  Kamienietzer 
Sandstein,  nach  dem  Vorkommen  bei  Kamienietz  unweit  Lubschau, 
Bl  an  owic  er  Kohlen,  nach  dem  Vorkommen  bei  Blanowice,  und  Braun- 
eisensteine von  Poremba,  nach  dem  Vorkommen  bei  Poremba- 
Mrzyglodzka. 

aa.  Woischniker  Kalk. 

1.  Petrographisches  Verhalten. 

Der  Woischniker  Kalk  ist  in  seiner  ausgebildetsten  Form  ein  kom- 
pakter dichter  Kalkstein  von  ebenem  oder  splitterigem  Bruch  und  gelblich 
weisser  oder  graulich  weisser  Farbe,  welcher  in  Handstücken  den  dichten 
weissen  Jurakalken  Schwabens  und  Frankens  auffallend  gleicht.  Während 

1)  In  der  Nähe  von  Kreutzburg  ist  als  oberstes  Glied  der  mittleren  Keuper-Thone  eine  aus 
etwas  kalkhaltigen  ziegelrothen  Thonen  mit  Streifen  von  fettem  weissen  Thon  bestehende  Schichten- 
folge entwickelt,  welche  anscheinend  von  den  pflanzenführenden  Wilmsdorfer  Schichten  unmittelbar 
bedeckt  wird.  Das  äussere  Ansehen  dieser  thonigen  Schichten  erinnert  an  dasjenige  von  tertiären 
Thonen.  Namentlich  bei  Wüttend  orf,  Bankau  und  Kunzendorf  nordöstlich  von  Kreutz- 
burg sind  diese  Schichten  zu  beobachten.  Unreine  rothe  Thoneisensteine  sind  an  mehreren  Stellen 
dieser  Schichtenfolge  untergeordnet. 


Keuper. 


161 


jedoch  bei  diesen  gewöhnlich  nur  der  Schichtung  parallele  Absonderungen 
^ orkoinmen,  so  ist  der  hier  zu  betrachtende  Kalkstein  gewöhnlich  durch 
ganz  unregelmässige  krummflächige  Absonderungen,  die  meistens  eine 
thonige  Ausfüllung  haben,  mehr  oder  minder  deutlich  in  knollenförmige 
Massen  getheilt.  Auf  diesen  Klüften  erkennt  man  auch  nicht  selten  undeut- 
liche senkrecht  gestreifte  niederige  Absonderungen  von  der  Art  der  Stylo- 
lithen.  Durch  Aufnahme  von  Thon  geht  der  Kalkstein  sehr  häufig  in  Kalk- 
mergel über  und  nimmt  dann  häufig  eine  blassrothe  statt  der  weissen  Farbe 
an.  Kieselige  Ausscheidungen  kommen  häufig  in  dem  Kalksteine  vor. 
Gewöhnlich  sind  es  unregelmässige  Knollen  von  gelblich  weissem  undurch- 
sichtigen Hornstein.  Zuweilen  findet  sich  aber  auch  schön  gefärbter, 
licht  himmelblauer  durchscheinender  Chalcedon.  Am  Zogel-Berge  bei 
VVoischnik  trifft  man  faustgrosse  solche  blaue  Chalcedon-Knollen,  deren 
innere  Höhlungen  mit  kleintraubigem  Chalcedon  oder  auch  mit  Quarz- 
krystallen  ausgekleidet  sind,  und  zuweilen  auch  fleischrothen  krystallinisch- 
blätterigen  Schwerspath  einschliessen,  nicht  selten  an  der  Oberfläche  umher- 
liegend an.  Am  Grojec-Berge  bei  Lubschau  gewinnt  der  Hornstein  eine 
solche  Entwickelung,  dass  er  den  Kalkstein  ganz  verdrängt.  Durch  einen 
grossen  Steinbruch  ist  hier  ein  gelblich  grauer  Hornstein  in  einer  Mächtig- 
keit von  mehr  als  zwanzig  Fuss  aufgeschlossen.  Das  Gestein  ist  von  zahF 
reichen  grösseren  und  kleineren  Höhlungen  erfüllt,  die  mit  sehr  kleintraubi- 
gem Chalcedon  ausgekleidet  sind.  Das  Gestein  hat  durch  diese  Porosität 
oder  Cavernosität  und  durch  die  Farbe  eine  gewisse  Aehnlichkeit  mit  dem- 
jenigen der  bekannten,  zur  Fabrikation  von  Mühlsteinen  verwendeten, 
tertiären  Süsswasser- Quarzen  (mmlieres)  der  Champagne  und  dieser  Um- 
stand hat  den  Versuch  veranlasst,  dieses  Gestein  des  Grojec-Berges 
ebenfalls  zu  Mühlsteinen  zu  verarbeiten.  Allein  die  Unregelmässigkeit  in 
der  Vertheilung  und  in  der  Grösse  der  Poren  und  Höhlungen  wird  kaum  eine 
erfolgreiche  Verwendung  des  Gesteins  zu  dem  genannten  Zwecke  zulassen. 

2.  Lagerungs  Verhältnisse. 

Der  Kalkstein  ist  unzweifelhaft  den  rothen  und  bunten  Keuper-Thonen 
eingelagert.  Wenn  man  meistens  nur  die  Auflagerung  auf  die  Thone  und 
nicht  die  üeberlagerung  durch  dieselben  wahrnimmt,  so  ist  daran  augen- 
scheinlich nur  der  Umstand  Schuld,  dass  die  leicht  zerstörbaren  Thone 
über  den  festen  Kalken  fortgeführt  sind.  Als  Einlagerungen  in  die  Thone 
theilt  der  Kalkstein  auch  deren  ganz  flache,  anscheinend  horizontale  Lage- 
rung. Uebrigens  ist  der  Kalkstein  kaum  jemals  in  deutlich  begrenzten 
Schichten  oder  Bänken  abgesetzt,  sondern  fast  immer  durch  Klüfte  und  mit 

21 


162 


Trias-Formation. 


Thon  ausgefüllte  Absonderungen  in  einzelne  Blöcke  oder  sphäroidische 
Knollen  aufgelöst.  Die  Gewinnung  der  Kalksteine  zum  Kalkbrennen  macht 
daher  auch  kaum  irgendwo  die  Anwendung  eigentlicher  Steinbruchsarbeit 
nöthig,  sondern  man  braucht  nur  die  einzelnen  lose  zusammengefügten 
Blöcke  oder  Knollen  des  Kalksteins  von  einander  zu  trennen. 

Ob  es  nur  eine  oder  mehrere  Einlagerungen  des  Kalksteins  in  verschie- 
denen Niveaus  der  Keuper-Thone  giebt,  ist  nicht  ganz  sicher.  Das  Haupt- 
lager ist  jedenfalls  dasjenige,  welches  bei  Woischnik  und  Lubschau 
den  Rücken  des  Höhenzuges  bildet. 

3.  Organische  Einschlüsse. 

Die  äusserste  Armuth  an  Versteinerungen  gehört  zu  den  auffallendsten 
Eigenthümlichkeiten  des  Kalksteins.  Wenn  man  denselben  zuerst  an- 
stehend antrifft,  so  glaubt  man  bei  der  Aehnlichkeit  des  Gesteins  mit 
anderen  versteinerungsreichen  Kalksteinen  der  Jura-  und  Kreideforma- 
tion mit  Bestimmtheit  sehr  bald  Versteinerungen  davon  auffmden  zu  kön- 
nen. Allein  das  erweist  sich  als  Täuschung.  Man  kann  Tage  lang  an  den 
besten  Aufschlusspunkten  des  Kalksteins  eifrig  nach  solchen  forschen,  ohne 
auch  nur  eine  Spur  davon  zu  entdecken,  ln  der  That  sind  bisher  über- 
haupt nur  ein  Paar  ganz  undeutliche  Reste  aus  dem  Kalksteine  bekannt 
geworden.  Das  eine  ist  ein  kleines  (Taf.  15,  Fig.  12  abgebildetes)  viel- 
leicht zu  der  Gattung  Paludina  gehörendes  Gasteropodj  welches  bei 
Woischnik  durch  0.  Degenhardt  gefunden  wurde.  Das  andere  ist 
das  Zweigende  einer  wahrscheinlich  zu  den  Coniferen  gehörenden  Pflanze 
im  Kalksteine  von  Poremba-Mrzyglodska  in  der  eigen thümli dien  Er- 
haltung, dass  die  Theile  der  in  gelblich  weissen  dichten  Kalkstein  einge- 
schlossenen Pflanze  in  durchsichtigen  Kalkspath  verwandelt  sind.  Auch  in 
der  Kalkpartie  bei  Nowa  Wies  finden  sich  undeutliche  Pflanzenreste. 

4.  Verbreitung. 

Die  Hauptentwickelung  hat  die  Kalkbildung  in  der  Gegend  von 
Woischnik,  Lubschau  und  Kozieglowy,  in  welcher  sie  mehrere 
grössere  Partien  bildet.  Das  Vorkommen  des  Kalksteines  am  Zogel- 
Berge  bei  Woischnik  kann  als  typisch  gelten.  Aber  auch  weiter  gegen 
Südosten  ist  der  Kalkstein  an  mehreren  Punkten  in  Polen  gekannt.  Eine 
grössere  Partie  bildet  der  Kalkstein  bei  dem  1^|2 Meilen  südlich  von  Kozie- 
glowy gelegenen  Dorfe  Pinczyce,  wo  er  die  Höhe  des  Plateau’s  zu- 
sammensetzt, auf  welchem  das  Dorf  gelegen  ist.  Kleiner  ist  die  Partie 
bei  Koclin  und  eine  andere  bei  Zabiiak.  Noch  beschränkter  sind  meh- 


Keuper. 


1G3 


rere  Partien  zwischen  Koclin  und  Huta  Stara.  Sehr  deutlich  ist  eine  bei 
Nowawies  nördlich  von  Myszkow  gelegene  kleine  Parlie  durch  einen 
Steinbruch,  der  den  Kalk  für  einen  unmittelbar  an  der  Eisenbahn  erbauten 
Kalkofen  liefert,  aufgeschlossen.  Mcht  minder  gut  ist  der  Aufschluss  der 
kleinen  Partie  bei  ßrudziewice  im  Süden  der  devonischen  Erhebung. 
Ein  südlich  von  dem  Dorfe  gelegener  Steinbruch  zeigt  den  Kalkstein  in 
ansehnlicher  Mächtigkeit  und  grosser  Reinheit.  Mehr  als  zwei  Meilen 
weiter  gegen  Südosten  linden  sich  dann  wieder  mehrere  kleine  Partien  in 
der  mit  üppigem  Laubholzwalde  bestandenen  flachen  Erhebung  derKeuper- 
Thone  bei  Trzebycka  westlich  von  Niegowoniec.  Hornsteinstücke, 
aus  dem  Kalksteine  herrührend,  liegen  lose  in  dem  Walde  umher.  Sehr 
wahrscheinlich  sind  die  Kalkpartien  der  Grund,  dass  sich  hier  eine  flache 
Erhebung  befindet,  indem  sie  durch  ihre  Festigkeit  die  Keuper-Thone  vor 
der  Fortführung  schützten. 

Andererseits  reichen  die  Kalkpartien  westlich  von  Lub  schau  über 
Koschentin  bis  über  Lublinitz  hinaus,  überall  die  Höhen  des  aus  den 
Keuper-Thonen  bestehenden  Rückens  einnehmend.  In  freilich  ganz  unbe- 
deutender Entwickelung  und  von  mehr  mergeliger  Beschaffenheit  tritt  der 
Kalk  dann  auch  noch  einmal  an  der  westlichsten  Grenze  des  ganzen 
Keuper-Gebietes,  nämlich  bei  Dembio  unweit  Oppeln  hervor. 

bb.  Lissauer  Breccien. 

Hach  dem  Vorkommen  südlich  von  Lissau  unweit  Lublinitz,  wo 
mehrere  Steinbrüche  deutliche  Aufschlüsse  gewähren  und  wo  die  Mehrzahl 
der  organischen  Einschlüsse  sich  gefunden  haben,  werden  diese  kalkigen 
Einlagerungen  in  die  Keuper-Thone,  um  eine  kurze  Bezeichnung  für  die- 
selben zu  haben,  hier  als  Lissauer  Breccien  bezeichnet.  Pusch*)  hat 
sie,  ihr  Altersverhältniss  übrigens  durchaus  verkennend  und  Fremdartiges 
mit  ihnen  verbindend,  unter  der  Benennung  „bunte  oolithische  Breccien'*^ 
ausführlich  beschrieben.  Auch  v.  Garn  all  hat  sie  mehrfach  erwähnt. 
Erst  durch  die  für  die  Herstellung  der  geologischen  Karte  von  Oberschle- 
sien ausgeführten. Untersuchungen  sind  die  Lagerungsverhältnisse  und  die 
Verbreitung  dieser  Bildung  genauer  bekannt  geworden. 

1.  P etrograp hisches  Verhalten. 

Die  gewöhnliche  Erscheinungsweise  ist  diejenige  eines  hellgrauen  kalki- 
gen Gesteines,  welches  aus  hirsekorngrossen  bis  erbsengrossen  rundlich 

•)  Geognost.  Beschreibung  von  Polen.  Thl.  II,  S.  217  ff. 

21* 


164 


Trias-Formation. 


eckigen  Stücken  von  grauem  Kalkstein  und  einem  Bindemittel  von  wasser- 
hellem Kalkspath  besteht.  Die  die  Hauptmasse  des  Gesteins  bildenden 
Kalkstückclien  sind  gewöhnlich  mehr  gerundet  als  eckig  und  es  wäre  die 
Benennung  Conglomerat  oder,  wo  die  Stücke  klein  sind,  Oolith,  scheinbar 
mehr  gerechtfertigt,  als  Breccie,  wenn  nicht  auch  einzelne  entschieden 
eckige  Stücke  vorkämen  und  namentlich  da,  wo  häufige  eckige  Stücken 
von  kohligem  fossilem  Holz  Vorkommen,  die  breccienartige  Natur  ent- 
schiedener hervorträte.  Das  Gestein  der  die  Hauptmasse  der  Breccie  bil- 
denden Kalksteinstückchen  ist  anscheinend  ein  homogener  dichter  grauer 
Kalkstein.  Bei  genauerer  Betrachtung  jedoch  und  namentlich  an  grösseren 
Stückchen,  auf  welche  die  Verwitterung  eingewirkt  hat,  erkennt  man  eine 
concentrische  Streifung  und  überzeugt  sich,  dass  alle  oder  doch  die  meisten, 
der  kleinen  Stücke  concentrisch  schaalige  Concretionen  sind,  welche  sich 
augenscheinlich  durch  successiven  Absatz  der  Schichten  aus  dem  Wasser 
wie  die  Körner  von  Oolithen  gebildet  haben.  Sind  die  Stücke  grösser,  so 
nimmt  man  diese  concentrische  Struktur  sehr  viel  deutlicher  und  vollkom- 
mener wahr.  Im  Graben  der  Landstrasse  bei  Poremba  fand  ich  faust- 
grosse ellipsoidische  Stücke  in  der  Breccie,  welche  beim  Durchschlagen 
oder  auf  angewitterten  Flächen  die  aus  ganz  feinen  Lamellen  bestehende 
concentrische  Struktur  in  grosser  Zierlichkeit  zeigen.  Die  abwechselnd 
heller  und  dunkler  gefärbten  concentrischen  Linien  beschreiben  zugleich 
wellenförmige  kleine  Biegungen.  Diese  concentrische  Struktur  erinnert 
an  das  Verhalten  der  Nulliporen-Knollen  und  namentlich  derjenigen  von 
Nullipom  ramosissima  des  tertiären  Leitha -Kalks  im  Wiener  Tertiär- 
Becken.  In  der  That  zeigen  die  Concretionen  zuweilen  auch  die  nieren- 
förmige oder  traubige  Oberfläche  solcher  Nulliporen-Knollen.  Auch  bei 
Koschentin  kommen  in  der  Breccie  solche  grössere  Knollen  von  mehr 
als  Hühnerei  - Grösse  vor.  Zuweilen  sind  Quarzkörner  zwischen  den 
rundlich  - eckigen  Kalkstückchen  eingestreut.  Namentlich  in  der  Breccie 
der  Steinbrüche  bei  Lissau  selbst  sind  erbsengrosse  oder  haselnuss- 
grosse  Gerölle  von  weissem  oder  röthlichem  Quarz  nicht  selten.  Nicht 
inmier  sind  die  kleinen  Kalkstückchen  von  grauer  Farbe,  sondern  ein- 
zelne auch  gelb  oder  roth.  Dadurch  erhält  das  Gestein  ein  buntgefleck- 
tes Ansehen,  welches  Pusch  zu  der  Benennung  „bunte  oolithische 
Breccien‘‘  veranlasste,  obgleich  die  graue  Farbe  des  Gesteins  durchaus 
die  gewöhnliche  ist.  Solche  roth -gefleckte  Breccien  kommen  nament- 
lich sehr  ausgezeichnet  bei  Mrzyglod  vor.  Die  in  solcher  Weise 
anders  gefärbten  Kalkstückchen  zeigen  sich  dann  meistens  auch  in  ihrer 
Masse  aufgelockert  oder  zerreiblich  und  man  erkennt,  dass  dieser  ver- 


Keuper. 


165 


änderte  Aggregatzustand  die  Folge  einer  von  aussen  nach  innen  fort- 
schreitenden Zersetzung  der  Kalkstückchen  ist.  Das  aus  späthigem  Kalk 
bestehende  Bindemittel  der  Breccien  ist  gewöhnlich  ganz  ungefärbt  und 
wasserhell.  In  Quantität  steht  es  gewöhnlich  den  rundlich -eckigen  Kalk- 
stückchen nach.  Leicht  wird  jedoch  die  Quantität  auch  für  geringer 
gehalten,  als  sie  in  Wirklichkeit  ist.  Auf  angewitterten  Gfesteinsflächen 
erkennt  man  am  besten  das  richtige  Quantitäts-Verhältniss.  Auf  solchen 
steht  der  Kalkspath  leistenförmig  zwischen  den  vertieft  liegenden  Kalk- 
stückchen vor  und  widersteht  also  der  Verwitterung  mehr,  als  die  ver- 
kitteten Kalkstückchen. 

2.  Lagerungs  Verhältnisse. 

Die  Breccien  sind  den  braunrothen  Keuper -Thonen  gleichförmig  ein- 
gelagert und  theilen  mit  denselben  die  sehr  flache  fast  horizontale  Neigung 
der  Schichten.  Die  Schichtung  ist  stets  deutlich  und  häufig  wird  eine 
Absonderung  in  ganz  dünne  Lagen  beobachtet.  Die  Mächtigkeit  der 
Breccien  beträgt  meistens  nur  einige  Fuss;  10  bis  12  Fuss  mag  sie  selten 
überschreiten,  üebrigens  sind  augenscheinlich  mehrere  Lagen  der  Breccien 
in  verschiedenen  Niveaus  der  rothen  Thone  vorhanden.  Bei  Woischnik 
lässt  sich  auch  beobachten,  dass  die  Breccien  - Einlagerungen  nicht  nur 
nnter,  sondern  auch  über  dem  Woischniker  Kalke  Vorkommen.  Ob  die 
ßreccien-Lager  freilich  in  demselben  Niveau  über  grössere  Entfernungen 
aushalten  ist  zweifelhaft.  Vielleicht  treten  sie  ziemlich  unregelmässig  in 
verschiedenen  Niveaus  der  braunrothen  und  bunten  Thone  auf. 

3.  Organische  Einschlüsse. 

Im  Ganzen  sind  die  Breccien  sehr  arm  an  organischen  Einschlüssen. 
Immerhin  haben  sie  freilich  die  Mehrzahl  der  überhaupt  aus  der  oberschle- 
sisch-polnischen Keuper- Bildung  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Versteine- 
rungen geliefert.  Am  häufigsten  sind  Reste  von  Fischen  und  Sauriern. 
Von  Conchjlien  ist  nur  eine  Ünio-Art  beobachtet.  Reste  von  Meeres- 
thieren  sind  ganz  unbekannt.  Häufig  sind  schwarze  kohlige  Holzreste  von 
nicht  näher  bestimmbarer  Gattung.  Eine  genauere  Aufzählung  der  orga- 
nischen Einschlüsse  der  Breccien  wird  bei  der  Betrachtung  der  Versteine- 
rung der  ganzen  Keuper-Bildung  gegeben  werden. 

4.  Verbreitung. 

Im  Ganzen  reicht  die  Verbreitung  der  Breccien  über  das  ganze  Gebiet 
der  braunrothen  und  bunten  Thone.  Ihre  Hauptentwickelung  haben  sie 


166 


Trias-Formation. 


aber  in  der  Gegend  von  Sievvierz,  Mrzyglod  und  Kozieglowy.  Hier 
bilden  sie  namentlich  nördlich  von  Poremba  eine  grössere  Partie,  welche 
sowohl  durch  die  Gräben  der  Landstrasse,  als  auch  durch  mehrere  am 
Wege  nach  Mrzyglod  gelegene  Steinbrüche  aufgeschlossen  ist.  Auch  in 
den  Umgebungen  von  Niwki  sind  die  Breccien  an  zahlreichen  Punkten 
nachgewiesen.  Bei  Mrzyglod  kennt  man  sie  namentlich  westlich  von 
dem  Orte.  Ostwärts  sind  sie  in  einem  Eisenbahneinschnitte  bei  Nierada 
entblösst.  In  sehr  dicken  festen  Bänken  steht  die  Breccie  nördlich  von 
Mrzyglod  bei  der  Papiernia  (Papiermühle)  an  dem  rechten  Ufer  des 
Wartha-Flusses  an.  Die  Einlagerung  in  die  hier  vortrefflich  aufge- 
schlossenen rothen  Thone  ist  deutlich  zu  beobachten.  Grosse  Blöcke  der 
Breccien  liegen  in  dem  Flussbette.  Auch  bei  Myszkow  und  Nowa-Wies 
kennt  man  die  Breccien.  Mehrere  Aufschlusspunkte  der  Breccien  liegen 
ferner  östlich  von  Pinczyce.  Unweit  der  Pustkowie  Pila  befindet  sich 
ein  Steinbruch,  in  welchem  die  ziemlich  feste  Breccie  gebrochen  und  zu 
Werkstücken  verarbeitet  wird.  Die  Schichtflächen  der  Breccien  sind  hier 
zum  Theil  mit  zwei  Zoll  langen  Unionen  - Schalen  dicht  bedeckt.  Auch 
kohlige  Pflanzenreste  und  schwarze  Holzstücke  von  zum  Theil  1 Fuss  Länge 
sind  hier  in  der  Breccie  sehr  häufig.  An  keiner  anderen  Stelle  tritt  die 
Natur  der  Breccie  als  einer  Süsswasserbildung  so  deutlich  wie  hier  hervor. 
Südlich  von  Pinczyce  sind  die  Breccien  namentlich  am  Wege  nach 
Dziewki  bekannt.  Nordwärts  von  Pinczyce,  namentlich  im  Süden  von 
Osiek.  Eine  Partie  von  bedeutendem  Umfange  bilden  die  Breccien  bei 
LgotaKoziegiowska  östlich  von  Kozieglowy.  Nördlich  von  Ko zie- 
glowy  durchschneidet  die  nach  Siedlez  führende  Landstrasse  eine  andere 
kleinere  Partie,  ln  dem  südöstlich  von  Siewierz  bis  gegen  Olkusz  hin 
sich  ausdehnenden  Gebiete  der  rothen  Keuper-Thone  sind  die  Breccien 
nur  an  wenigen  Punkten  gekannt.  Zu  diesen  gehören  ein  Punkt  bei  Nie- 
gowoniec  und  ein  anderer  bei  Lazy.  Wendet  man  sich  anderer  Seits 
von  Kozieglowy  gegen  Westen,  so  vermisst  man  die  Breccien  auf  einer 
ansehnlichen  Strecke  ganz  und  trifft  sie  erst  wieder  bei  Woischnik  und 
Lub schau.  Am  Zogel-Berge  bei  Woischnik  kennt  man  sie  am  Süd- 
und  Ostabhange  des  Berges.  Sie  haben  hier  Fisch-  und  Saurier -Reste 
geliefert.  Bei  Lubschau  sind  die  Breccien  am  Wege  nach  Ludwigsthal 
und  am  westlichen  Fusse  des  Vogels-Berges  aufgeschlossen.  Nördlich 
von  Babinitz  bilden  sie  eine  kleine  Kuppe.  Nordöstlich  von  Lubschau 
sind  sie  auf  dem  Gute  Helenenthal  aufgeschlossen.  Von  hier  aus 
1 Meile  nordwärts  liegt  vereinzelt  eine  kleine  Partie  bei  Bandori.  Gut 
aufgeschlossen  sind  die  Breccien  südlich  und  westlich  von  Koschentin, 


Keuper. 


167 


namentlich  in  den  Gräben  der  neu  erbauten  Landstrasse.  Nördlich  von 
Koschentin  ist  bei  Boronow^  ein  Vorkommen  der  Breccien  bekannt. 
Vortreffliche  Aufschlüsse  der  Breccien  gewähren  die  bei  Bissau  und 
Chwostek  *|.2  Meile  nordöstlich  von  Lublinitz  im  offenen  Felde  gelege- 
nen SteinbrüchCj  welche  zum  Theil  Material  zu  der  neu  erbauten  Land- 
strasse geliefert  haben.  Aus  diesen  Steinbrüchen  rührt  auch  die  Mehrzahl 
der  aus  den  Breccien  überhaupt  bekannt  gewordenen  später  genauer 
aufzuführenden  thierischen  Reste  her.  Schon  vor  Bissau  trifft  man, 
von  Lublinitz  kommend,  die  Breccien  im  Strassengraben  an.  Auch  bei 
Glitten  tag  kommen  die  Breccien  noch  einmal  zum  Vorschein,  nämlich 
beiKoczurry  nördlich  der  Stadt.  Die  Aufschlusspunkte  sind  hier  alte 
im  Walde  versteckte  Steinbrüche.  Endlich  treten  die  Breccien  mehr  als 
3 Meilen  westlich  von  diesem  Punkte  bei  Trzenczin  im  Malapane- 
Thale,  P|.2  Meilen  nördlich  von  Oppeln,  aus  den  rothen  Thonen  hervor. 

cc.  Blanowicer  Kohlen. 

(Pusch’s  Moorkohleii.) 

1.  G e s c h i e li  1 1 i c h e s. 

Schon  im  Jahre  1805  hat  L.  v.  Buch  in  einem  erst  neuerlichst  gedruck- 
ten Berichte  über  die  geognostischen  Verhältnisse  von  Neu-Schlesien 
d.  i.  dem  das  Pürstenthum  Siewierz  begreifenden  Theile  von  Polen, 
welcher  in  dem  Zeiträume  1795 — 1807  zu  Preussen  gehörte,  von  dem 
Vorkommen  dieser  eigenthümlichen  Kohlenbildung,  unter  der  Benennung 
„Neueres  Steinkohlengebirge^^,  Nachricht  gegeben*).  Er  beschrieb  unter 
Mittheilung  von  Bohrregistern  die  Lagerung  der  Kohlen  in  mehreren  dünnen 
Flötzen  zwischen  grauen  und  rothen  Letten  und  erklärte  auf  das  bestimm- 
teste die  Verschiedenheit  von  den  Kohlen  des  älteren  Steinkohlengebirges, 
wie  sie  bei  Dabrowa  und  an  anderen  Punkten  in  Polen  verkommen. 
Freilich  irrte  er  in  der  näheren  Altersbestimmung  dieser  kohlenführenden 
Schichten,  indem  er  sie  für  jünger  als  den  benachbarten  Jura -Kalk 
hielt  und  sie  dem  Quadersandsteine  der  Heuschejuer  in  der  Grafschaft 
Gl  atz  im  Alter  gleich  stellte.  C.  v.  Oeynhausen^),  die  Beobachtungen 
L.  V.  Buch ’s  benützend,  hat  eine  wesentlich  übereinstimmende  Darstellung 
der  Bildung  geliefert.  Er  fasst  die  hierher  gehörenden  Schichten,  freilich 
auch  einiges  Fremdartige  damit  vereinigend,  unter  der  Benennung  „Jüngste 


1)  Vergl.  Leopold  V.  Buch’ s gesammelte  Schriften,  herausgegeben  von  J.  Ewald,  J.  Roth 
und  H,  Eck.  I.  Band.  Berlin  1867,  8.  729—739. 

2)  Vergl.  Geognost.  Beschreibung  von  Oberschlesien.  S.  220 — 230. 


168 


Trias-Formatian. 


Sandstein-  und  Steinkohlen  - Formation^^  zusammen.  Später  hat  Pusch*) 
eine  ausführliche  Beschreibung  dieser  Kohlen,  welche  er  mit  dem  wenig 
bezeichnenden  Namen  „Moorkohlen^^  aufführt,  und  der  sie  begleitenden 
Schichten  geliefert.  In  Betreff  ihrer  Altersbestimmung  griff  auch  er  fehl, 
indem  er  ihnen  über  den  jurassischen  Schichten  ihre  Stelle  anwies  find  ihre 
Zugehörigkeit  zur  unteren  Abtheilung  der  Kreide -Formation  für  wahr- 
scheinlich hielt.  Nachdem  ich  selbst  1862  die  ganze  Reihenfolge  der  in 
Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden  Theilen  von  Polen  weit  verbreite- 
ten rothen  und  bunten  Thonen  über  dem  Muschelkalke  für  Keuper  erklärt 
hatte,  wies  dann  Zeuschner  die  Einlagerung  der  Kohlen  in  diese  Keu- 
per-Bildung nach.  Die  für  die  Herstellung  der  Karte  gemachten  Beob- 
achtungen von  0.  Degenhardt  hatten  uns  selbst  schon  zu  der  gleichen 
üeberzeugung  geführt.  Da  die  von  Pusch  gewählte  Benennung  „Moor- 
kohlen“ sehr  wenig  bezeichnend  ist,  so  wird  hier  die  von  einer  Lokalität 
des  typischen  Vorkommens  hergenommene  Bezeichnung  „Blanowicer  Koh- 
len“ vorgezogen. 

2 Petrographisches  Verhalten. 

Die  Blano wicer  Kohlen  sind  schwarze  bituminöse  Kohlen,  welche 
äusserlich  meistens  den  echten  Steinkohlen,  und  zwar  Pechkohlen,  gleichen, 
chemisch  aber  sich  wie  Braunkohlen  verhalten  und  namentlich  auch  Kali- 
Lauge  braun  färben.  Meistens  sind  sie  sehr  aschenreich  und  gewöhnlich 
Schwefelkies-haltig.  Zuweilen  ist  der  Schwefelkies  in  dicken  Knollen  in  der 
Kohle  ausgesondert.  Die  Kohlen  sind,  wie  man  bei  diesen  Eigenschaften 
erwarten  kann,  wohl  für  industrielle  Zwecke,  z.  B.  für  Ziegeleien  nicht  aber 
für  metallurgische  Processe  brauchbar.  Die  Mächtigkeit  der  Flötze  beträgt 
gew'öhnlich  nur  30  bis  40  Zoll,  sehr  selten  bis  1 Lachter.  Dabei  halten  die 
Flötze  auch  nicht  einmal  auf  längere  Strecken  aus.  Wahrscheinlich  sind 
dfei  bis  vier  Flötze  übereinander  vorhanden.  Zwei  Flötze  hat  man  an  meh- 
reren Stellen  übereinander  angetrotfen.  Die  Natur  der  Pflanzen,  welche  das 
Material  zur  Bildung  der  Kohlen  geliefert  haben,  ist  nicht  näher  bekannt. 
Wahrscheinlich  sind  die  Kohlen  vorzugsweise  aus  angehäuften  Stämmen 
von  Nadelhölzern  gebildet,  denn  einzelne  Stücke  von  schwarzem  fossilen 
Coniferen -Holze  kommen  nicht  selten  in  den  die  Flötze  zunächst  ein- 
schliessenden  Thonen  und  sandigen  Schichten  vor. 


*)  Vergl.  Geognost,  Beschreibung  von  Polen.  Thl.  II.  S.  276  ft. 


169 


Keuper. 

3.  Verbreitung. 

Das  Hauptgebiet  der  Blano wicer  Kohlen  ist  die  Gegend  zwischen  Sie- 
wierz  und  Kromolow.  Sie  sind  hier  namentlich  bei  Poremba-Mrzy- 
glodzka,  Blanowice,  Kromolow,  Kuznica -Maslonska  und 
Wysoka  durch  Bergbau  bekannt.  Bei  Poremba-Mrzyglo dzka  findet 
noch  heute  eine  ziemlich  bedeutende  Gewinnung  Statt.  Man  baut  dort 
in  einer  Tiefe  von  4 bis  5 Lachter  unter  Tage  ein  35  bis  40  Zoll  starkes 
Flötz.  Es  ist  dies  gegenwärtig  der  bedeutendste  Abbau  in  dem  ganzen 
Moorkohlen-Gebiete.  Die  Kohlen  werden  hier  von  grauen  Schieferthonen 
begleitet  und  schliessen  grosse  Knollen  oder  plattenförmige  Concretionen 
von  Binar-Kies  ein.  Bei  Blanowice  ist  ein  am  Wege  nach  Zawiercie 
gelegene  Grube  im  Betriebe  auf  welcher  zwei  Plötze  abgebaut  werden, 
dieselben  Flötze  wurden  früher  bei  Kuznica-Maslonska,  südlich  von 
Zawiercie,  gebaut.  Nordwestlich  von  Wjsoka  befindet  sich  im  Walde 
eine  Kohlengrube.  Dicht  bei  Sie  wierz  selbst,  an  der  oberen  Przemsa- 
Brücke  nämlich,  geht  ein  Kohlenflötz  im  Flussbette  zu  Tage  aus,  welches 
nach  Pusch  1 Lachter  mächtig  ist.  Bei  Goluchowice  südöstlich  von 
Sie  wierz  kennt  man  ein  Kohlenflötz  am  oberen  Ende  des  Dorfes.  Auch 
südlich  von  der  Warschau- Wiener  Eisenbahn  bis  in  die  Gegend  von  Sla  w- 


1)  Zeuschner  hat  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XVIII.  1866,  S.  236  die  Bohr- 
register von  zwei  im  Jahre  1863  bei  Blanowice  gestossenen  Bohrlöchern  mitgetheilt.  Mit  dem 
ersten  140  Fuss  tiefen  Bohrloche  wurden  nachstehende  Schichten  durchstossen: 


1.  Grauer  Thon 10  Fuss  — Zoll. 

2.  Braunschwarzer  Thon  . . 2 » 6 * 

3.  Kohlenschiefer — * 6 = 

4.  Bläuliehgrauer  Thon  ...  3 = — * 

5.  Braunkohle — * 8 =■ 

6.  Kohlenschiefer — = 6 * 

7.  Gelblicher  Thon  mit  Sand  . 12  = 6 * 

8.  Kohlenschiefer 1 * 6 * 

9.  Gelber  Thon 27  * — » 

10.  Feinkörniger  grauer  Sandstein  4 * — * 

11.  Bläulichgrauer  Thon  ...  6 * — * 

12.  RotherThon 2 ' — = 

13.  Bläulichgrauer  Thon  ...  3 = — = 

14.  Rother  Thon 15  * — = 

15.  Feinkörniger  grauer  Sandstein  1 = 6 * 

16.  Braunkohle 3 * 4 * 

17.  Feinkörniger  grauer  Sandstein  1 - 4 = 

18.  Kohlenschiefer  .....  1 * 4 - 

19.  Rother  Thon 44  ^ — * 


Es  wurden  also  mit  diesem  Bohrloche  zwei  Kohlenflötze,  eines  von  8 Zoll  und  eines  von  3 Fuss 
4 Zoll , durchstossen.  Die  Kohle  ist  in  dem  Bohrregister  als  Braunkohle  bezeichnet,  obgleich  sie 
wenigstens  äusserlich  der  Steinkohle  gleicht.  Das  zweite  Bohrloch  ergiebt  eine  ähnliche  Aufeinander- 
folge (fer  Schichten. 


22 


170 


Trias-Formation. 


kow  und  Olkusz  sind  die  Moorkohlen  nachgewiesen.  Nach  Pusch  gin- 
gen früher  namentlich  westlich  von  Niegowoniec  und  in  der  Nähe  von 
Trzebjcka  Versuche  auf  Kohle  um.  Im  Eisenbahneinschnitte  westlich 
von  Trzebycka  geht  ein  Flötz  zu  Tage  aus.  Nur  schwache  Flötze  sind 
bei  Laski  und  Hutki  nordöstlich  von  Slawkow  bekannt  geworden. 
Endlich  sind  Tn  den  Thongruben  einer  Ziegelei  bei  Kosziel  ec  unweit 
Chrzanow  Kohlenspuren  beobachtet.  Das  würde  der  südlichste  Punkt 
sein,  bis  zu  welchem  sich  die  Kohlen  nachweisen  lassen. 

Wendet  man  sich  anderer  Seits  westlich  und  nördlich  von  Siewierz, 
so  kennt  man  die  Kohlen  bei  Kadlup  westlich  von  Siewierz  am  Wege 
nach  der  preussischen  Grenze.  Die  Lagerungsverhältnisse  sind  hier  nicht 
ganz  klar.  Wahrscheinlich  bildet  der  Keuper  mit  den  Kohlen  hier  eine 
kleine  Mulde  in  dem  Gebiete  des  Muschelkalks.  Nördlich  von  Siewierz 
sind  die  Moorkohlen  bei  Brudziewice  bekannt.  Schon  Pusch  hat  sie 
hier  erwähnt.  Sie  treten  hier  am  Rande  der  devonischen  Erhebung  nörd- 
lich von  dem  Dorfe  zu  Tage.  Noch  weiter  nördlich  werden  die  Moorkohlen 
bei  Bedusz  gebaut.  Gegen  das  gewöhnliche  Verhalten  scheint  hier,  wie 
schon  vorher  erwähnt  wurde,  das  gebaute  Flötz  über  den  Kalken  zu  liegen. 
Von  Bedusz  noch  weiter  gegen  Nordwesten  folgt  ein  weiter  Raum,  in 
welchem  die  Kohlen  bisher  nicht  nachgewiesen  wurden  und  namentlich 
kenntman  sie  nicht  in  d'en  Umgebungen  von  Wois  chnik  und  KoziegTo  wj. 
Erst  bei  Kamienietz  nordwestlich  von  Woischnik  sind  sie  bei  den 
„Mühlhäusern^^  in  einem  Versuchsschachte  angetroffen  worden^).  Endlich 
gehören  wahrscheinlich  auch  gewisse  schwache  Kohlenflötze,  die  man  bei 
Danietz  südlich  von  Malapane  erschürft  hat,  zu  dieser  Kohlenbildung. 

dd,  Porembaer  Brauneisensteine, 

Gewöhnlich  erscheinen  diese  Eisensteine  als  dichter  Brauneisenstein  in 
unregelmässigen  Knollen.  Aber  auch  faseriger  Brauneisenstein  kommt 
vor.  Die  Einlagerung  in  die  Thone  betreffend,  so  scheint  der  Brauneisen- 
stein überall  nur  unregelmässige  Nester  in  den  braunrothen  Thonen  zu 
bilden.  Besonders  früher  haben  die  Eisensteine  zu  einem  ansehnlichen 
Bergbau  Veranlassung  gegeben.  Die  Verbreitung  betreffend,  so  kennt 
man  diese  Eisensteine  namentlich  in  dem  südöstlich,  östlich  und  nordöst- 
lich von  Siewierz  ausgedehnten  Gebiete  der  Keuper-Thone.  Besonders 
in  den  Wäldern  der  Herrschaft  Poremba,  sowohl  nördlich  als  südlich 
von  Poremba,  sind  sie  bekannt,  so  dass  man  die  Eisensteine  überhaupt 


1)  Vergl.  V.  Carnall:  Bergmännisches  Taschenbuch,  Dritter  Jahrgang  1846.  S.  25. 


Keuper. 


171 


nach  dieser  Localität  bezeichnen  kann.  An  zahlreichen  Punkten  sind  sie 
ferner  auf  der  Herrschaft  Miaczow,  im  Walde  zwischen  B§dusz  und 
Stara  Hutta  nachgewiesen.  Man  kennt  sie  ferner  auch  nördlich  von 
Pinczyce.  Besonders  am  Wege  von  Pinczyce  nach  Kozieglowy  be- 
finden sich  im  Walde  alte  Eisensteinförderungen.  Endlich  sind  die  Lager 
des  Eisensteins  auch  in  den  Waldungen  um  Trzebycka  verbreitet. 

3.  Oberer  Keuper  oder  Ehätische  Schichten, 
a.  Wilmsdorfer  Schichten  mit  Pflanzenführenden  Sphaerosideriten. 

aa.  Geschichtliches. 

Die  hierher  gehörenden  Schichten  sind  durch  den  Bergbau,  zu  welchem 
die  in  ihnen  vorkommenden  Sphaerosiderite  namentlich  in  der  Gegend 
zwischen  Kreutzburg,  Landsberg  und  Pitschen  Veranlassung  geben, 
seit  langer  Zeit  gekannt,  obgleich  sie  sich  durch  eine  Diluvial-Bedeckung 
der  unmittelbaren  Beobachtung  an  der  Oberfläche  fast  überall  entziehen. 
Der  Umstand,  dass  sie  gleich  den  benachbarten  mitteljurassischen  Ablage- 
rungen von  Bodzanowitz,  Wichrow  und  Sternalitz  bei  Landsberg 
thonige  Sphaerosiderite  einschliessen,  ist  der  Unähnlichkeit  des  übrigen  Ver- 
haltens ungeachtet  der  Grund  geworden,  dass  man  sie  mit  diesen  letzteren 
Schichten  bisher  immer  als  gleichalterig  verbunden  hat.  R.  v.  Garn  all, 
Göppert  und  Beyrich  haben  ihnen  übereinstimmend  diese  Stellung  ange- 
wiesen. Die  durch  Göppert  1843  und  1846  beschriebenen  Pflanzen  aus  den 
Sphaerosideriten  dieser  Schichten,  in  welchen  man  jurassische  Formen  zu 
erkennen  glaubte,  bestärkten  in  der  Annahme  von-  der  jurassischen  Natur 
der  Schichten.  Im  Jahre  1863  habeich  selbst  diese  Schichten  zuerst  dem 
Keuper  zugewiesen,  indem  ich  die  Verschiedenheit  ihres  petrographischen 
Verhaltens  von  denjenigen  von  Bodzanowitz  hervorhob  und  die  Mög- 
lichkeit betonte,  .die  angeblich  jurassischen  Pflanzenformen  als  Arten  des 
Keupers  zu  deuten.  Die  letztere  Ansicht  hat  neuerlichst  durch  die  Unter- 
suchung der  betreffenden  Pflanzen  durch  A.  Schenk,  welcher  die  meisten 
derselben  als  bekannte  Arten  der  im  mittleren  und  südlichen  Deutschland 
verbreiteten  Grenzschichten  zwischen  Keuper  und  Lias  bestimmte,  ihre 
Bestätigung  erhalten. 

bü.  PetrogTapMsclies  Verhalten. 

Im  Ganzen  stellt  die  hier  zu  beschreibende  Bildung  eine  60  bis  80  Fuss 
mächtige  Schichtenfolge  von  rothen  und  grünlichgrauen,  zum  Theil  in  Mer- 
gel übergehenden  Thonen  mit  Einlagerungen  von  thonigen  Sphaerosideriten 
dar.  Die  Thone,  obgleich  im  Allgemeinen  denjenigen  der  die  Unterlage  bil- 

22* 


172 


Trias-Formation. 


(lenden  vorhergehenden  Schichtenfolge  ähnlich,  sind  doch  im  Ganzen  hell- 
farbiger und  kalkreicher.  Statt  der  herrschenden  dunkel  blutrothen  Fär- 
bung sind  hier  blassrothe  und  hellgraue  Farben  die  gewöhnlichsten  und 
statt  der  rein  thonigen  Natur  ist  das  Verhalten  durch  grösseren  Kalkgehalt 
mehr  mergelig  und  demjenigen  der  typischen  Keuper -Mergel  im  mittleren 
Deutschland  ähnlich.  Zuweilen  zerfallen  sie  wie  diese  letzteren  an  der 
Luft  in  eckige  Stücke.  Noch  mehr  als  diese  Verschiedenheit  der  thonigen 
Hauptmasse  unterscheidet  aber  das  Vorkommen  der  Sphaerosiderite  diese 
Schichtenfolge  von  der  vorhergehenden,  welcher  solche  Eisensteine  durch- 
aus fremd  sind.  Diese  thonigen  Sphaerosiderite  bilden  mehrere  Lagen 
von  aneinander  gereihten  faustgrossen  bis  kopfgrossen  Knollen  in  den 
Thonen  oder  Mergeln.  Sie  sind  im  Innern  von  dichter  Beschaffenheit  und 
dunkelgrauer  oder  durch  Oxydation  graubrauner  Färbung.  Die  Kluft- 
flächen sind  häufig  mit  glänzenden  kleinen  Krystallen  von  Spatheisenstein 
bekleidet.  Dem  Eisengehalte  nach  gehören  diese  Sphaerosiderite  zu  den 
reichsten  und  besten.  Bei  Wilmsdorf  nehmen  die  Sphaerosiderite  so 
viele  kleine  Quarzkörner  auf,  dass  sie  zu  einem  eisenhaltigen  thonigen 
Sandsteine  werden.  Gerade  diese  sandigen  weissgesprenkelten  Sphaero- 
siderite sind  reich  an  fossilen  Pflanzen. 

cc.  Grliederung*. 

Meistens  erscheint  die  ganze  Bildung  als  eine  gleichartige  nicht  weiter 
theilbare  Reihenfolge  von  Schichten.  Nur  an  einigen  Punkten  beobachtet 
man  als  das  unmittelbare  Liegende  intensiv  ziegelrothe  weiss  gefleckte 
Thone  mit  Rotheisensteinen.  Namentlich  im  Dorfe  Ober-Kunzendorf 
bei  Kreutz  bürg  und  an  einer  nördlich  davon  in  einem  Nebenthale  gele- 
genen Stelle  treten  diese  Thone  zu  Tage.  Bei  Wüttendorf  östlich  von 
Kreutzburg  bilden  sie  sogar  eine  ansehnlichere  Partie.  Man  kennt  sie 
ferner  an  der  Win  dmühle  bei  BankauQ.  Auch  zwischen  Wysoka  und 
Neu-Wachow  südlich  von  Rosenberg.  Hier  stehen  die  rothen  Thone 
im  Thalgehänge  des  Baches  an  und  in  der  Nähe  sind  Eisensteinförderungen. 
Endlich  hat  man  auch  bei  Sumpen  anscheinend  dieselben  Schichten  an- 
getroffen.  Nach  dieser  ansehnlichen  Verbreitung  scheint  es  fast,  als  ob 
diese  Rotheisenstein-führenden  ziegelrothen  Thone  ein  regelmässiges  tiefstes 
Glied  der  Wilmsdorfer  Schichten  bildeten. 


1)  Schon  vorher  wurden  diese  thonigen  Schichten  als  oberstes  Glied  des  mittleren  Keupers  er- 
wähnt, aber  wahrscheinlich  haben  sie  hier  den  passenden  Platz.  Auf  der  Karte  sind  diese  Schichten 
noch  der  vorhergehenden  Abtheilung  zugerechnet. 


173 


Keuper. 

dd.  Lagerungsverhältniss. 

Obgleich  die  gleichförmige  Auflagerung  der  Wilmsdorf  er  Schichten  auf 
die  die  mittlere  Abtheilung  des  oberschlesischen  Keupers  bildenden  braun- 
rothen  und  bunten  Thone  mit  Breccien  u.  s.  w.  durch  direkte  Beobachtung 
nicht  bestimmt  vermittelt  wurde,  so  ist  doch  an  dieser  Auflagerung  nach 
der  Verbreitung  beider  Bildungen  an  der  Oberfläche  nicht  zu  zweifeln. 
Durch  unmittelbare  Beobachtung  ist  dagegen  die  gleichförmige  üeberlage- 
rung  durch  die  Hellewald  er  Estherien- Schichten  festgestellt.  Die  durch 
alte  Eisensteinförderungen  bei  Colonie  Barkhausen  unweit  Nassadel 
an  der  Strasse  von  Landsberg  nach  Pitschen  gewährten  Aufschlüsse 
zeigen  deutlich  die  unmittelbare  Aufeinanderfolge  dieser  Schichten. 

ee,  Verbreitung. 

Die  hierher  gehörenden  Schichten  bilden  eine  10  Meilen  lange  Zone 
längs  der  preussisch-polnischen  Grenze  zwischen  Zimnowoda  nördlich 
von  W oischnik  und  Goslau  unweit  Pitschen,  welche  bei  einer  Längs- 
richtung von  Süd-Ost  gegen  Nord- West  allmählich  an  Breite  zunimmt,  so 
dass,  während  die  Breite  bei  Zimnowoda  nur  'I4  Meile  beträgt,  dieselbe 
zwischen  Landsberg  und  Kreutzburg  bis  auf  1 Meile  gewachsen  ist. 
In  das  zwischen  den  Städten  Kreutzburg,  Pitschen  und  Landsberg 
ausgedehnte  Gebiet  fällt  daher  die  Hauptverbreitung  der  Bildung.  Hier 
bauen  zahlreiche  Eisensteingruben  auf  den  Sphaerosideriten  dieser  Bildung. 
Die  nördlichsten  dieser  Gruben  sind  diejenigen  von  Goslau  und  von 
Wilmsdorf  südlich  von  Pitschen.  Bei  Wilmsdorf  sind  die  Sphaero- 
siderite  zum  Theil  so  reichlich  mit  Quarzkörnern  gemengt,  dass  sie  zu 
einem  thonreichen  Sandstein  werden.  Gerade  diese  sandigen  Schichten 
enthalten  vorzugsweise  die  Pflanzenreste,  welche  hier  häufiger  sind  als 
anderswo.  Andere  Eisensteinförderungen  befinden  sich  östlich  von  Lof- 
kowitz,  bei  Matzdorf,  bei  Colonie  Donnersmark  und  bei  Ludwigs- 
dorf. Südöstlich  von  Ludwigs dorf  folgt  dann  ein  Zwischenraum  von 
mehreren  Meilen,  in  welchem  man  die  Schichten  nicht  kennt,  obgleich  sie 
ohne  Zweifel  in  der  Tiefe  vorhanden  sind.  Erst  bei  Ponnoschau  und 
zwischen  Ponnoschau  und  Zb  oro  wsky  ist  ihr  Vorkommen  wieder  durch 
Eisensteinförderungen  bezeichnet.  Noch  ausgedehnter  sind  die  Eisenstein- 
förderungen bei  Liebsdorf,  ^[2  Meile  nordöstlich  von  Lublinitz  und  bei 
Sumpen  östlich  von  Lublinitz.  Die  äussersten  südöstlichen  Punkte, 
wo  die  Bildung  bisher  nachgewiesen  wurde,  sind  die  Eisensteinförde- 
rungen bei  Zimnowoda  und  bei  Nie  wen  nordwestlich  von  W oischnik. 
Die  Bildung  reicht  also  bei  weitem  nicht  so  weit  gegen  Süden  wie  die  Kalk- 


174 


Trias-Formation. 


und  Breccien- führenden  Keuper- Thone.  Sie  gehört  wie  die  Hellewalder 
Estherien- Schichten  nur  dem  nordwestlichen  Theile  des  Keuper -Gebietes 
an,  wo  sie  sich  zwischen  die  Keuper-Thone  und  die  untersten  mittel-jurassi- 
schen Ablagerungen  einschiebt. 

» 

ff.  Organisclie  Einschlüsse. 

Nur  aus  den  der  Bildung  untergeordneten  Sphaerosideriten  sind  Ver- 
steinerungen bekannt  und  aus  auch  diesen  nur  pflanzliche  Reste  aus  den 
Ordnungen  der  Cyeadeen,  der  Farne  und  der  Equisetaceen,  Die  Sphaeroside- 
rite  von  mehreren  der  zwischen  Kreutzburg,  Landsberg  und  Ritschen 
liegenden  Eisensteinförderungen  haben  solche  Pflanzenreste  geliefert.  Als 
die  reichste  Lokalität  hat  sich  bisher  Wilmsdorf  bei  Ritschen  erwiesen. 
Diese  Pflanzenreste  werden  weiterhin  bei  der  üeb ersieht  über  die  organi- 
schen Einschlüsse  der  Keuper-Bildung  überhaupt  näher  betrachtet  werden. 

b.  Hellewalder  Estherien-Scliichten ^). 

Diese,  nach  der  Colonie  Hellewald  bei  Landsberg  und  nach  dem 
Vorkommen  der  Estheria  minuta  benannte,  60  bis  80  Fuss  mächtige 
Schichtenfolge  besteht  aus  einem  Wechsel  von  glimmerreichen  weissen 
Sandsteinen  und  weissen  Thonen  mit  Lagen  von  Thoneisenstein.  Die  letz- 
teren sind  an  mehreren  Punkten  in  der  Gegend  von  Landsberg  Gegen- 
stand bergmännischer  Gewinnung  und  diese  Eisensteinförderungen  geben 
vorzugsweise  Gelegenheit  zur  Beobachtung  der  Schichtenfolge.  Die  ge- 
wöhnlich mehr  oder  minder  zusammengedrückten,  4 bis  5 Millini.  langen, 
concentrisch  gestreiften  Schalen  der  Estheria  minuta‘^')  bedecken  dicht 
gedrängt  die  Schichtflächen  von  gewissen  Lagen  des  Sandsteins  oder  des 
thonigeii  Sphaerosiderits.  Der  Sandstein  ist  gewöhnlich  in  dünnen  Lagen 
oder  Platten  abgesondert  und  niemals  so  fest,  dass  er  etwa  zu  AVerk- 
stücken  verarbeitet  werden  könnte.  Die  Schichtflächen  des  Sandsteins 
glänzen  meistens  von  dicht  gedrängten  Blättchen  von  weissem  Glimmer. 
Zuweilen  sind  gewisse  Lagen  des  Sandsteins  und  der  Sphaerosiderite  nicht 
weiss,  sondern  intensiv  braunroth.  Die  Sphaerosiderite  bilden  übrigens 
nicht  sowohl  gleich  den  pflanzenführenden  Sphaerosideriten  der  vorher- 
gehenden Schichtenreihe  feste  Knollen  oder  Nieren,  sondern  dünne  Lagen 
oder  Schichten  von  geringer  Festigkeit.  Die  Schichtenfolge  besitzt  in  der 
Gegend  von  Landsberg  eine  ansehnliche  Verbreitung.  Der  nördlichste 


1)  Auf  der  Karte  mit  k bezeichnet. 
2j  Vergl.  Taf.  15,  Fig.  10  und  11. 


Kenper. 


175 


Punkt,  an  welchem  man  sie  kennt,  ist  Colonie  Barkhausen  bei  Nassa- 
del  an  der  Strasse  von  Landsberg  nach  Pitschen.  Sie  ist  hier  durch 
alte  Eisensteinbaue  aufgeschlossen.  Diese  Aufschlüsse  haben  noch  eine 
besondere  Wichtigkeit  durch  den  Umstand,  dass  man  hier  die  unmittelbare 
Auflagerung  ’ der  Schichtenfolge  auf  die  Thone  mit  pflanzenführenden 
Sphaerosideriten  beobachtet  Demnächst  kennt  man  sie  bei  Hellewald 
nordwestlich  von  Landsberg.  Es  geht  hier  ein  ansehnlicher  Eisensteiii- 
bergbau  auf  den  Schichten  um.  Einen  anderen  Aufschluss  gewähren  die 
Eisensteinförderungen  im  Walde  zwischen  Gohle  und  Neudorf  bei 
Landsberg.  Die  Estherien  sind  hier  wie  bei  Hellewald  besonders 
häufig.  Auch  an  den  Thalgehängen  des  Baches,  der  bei  dem  Vorwerke 
Przitozne  vorüberfliesst,  stehen  die  Schichten  zu  Tage.  Sie  wurden 
ferner  mit  mehreren  Schächten  bei  Butzow  angetroffen.  Ebenso  in  den 
Eisensteingruben  des  südwestlich  von  Landsberg  zwischen  Carls- 
berg, Sophienberg  und  Vorwerk  Schottkau  gelegenen  Gebietes.  Bei 
Sophienberg  gehen  sie  ausserdem  in  einem  Wasserrisse  zu  Tage.  Die 
zuletzt  genannten  Punkte  gehören  übrigens  insofern  zusammen,  als  sie 
sämmtlich  an  dem  Gehänge  eines  flachen  Plateaus  liegen,  dessen  oberste 
Fläche  durch  die  weiterhin  näher  zu  betrachtenden  sandigen  und  eisen- 
schüssigen untersten  Schichten  der  Juraformation  gebildet  wird. 

Auf  der  Colonie  Dupine  hat  man  die  Schichtenfolge  in  einem  Schachte 
ganz  in  der  Nähe  der  in  den  sandigen  Jura-Schichten  eröffneten  Steinbrüche 
angetroffen.  Bei  Winskowitz  bauen  mehrere  Eisensteingruben  auf  der- 
selben^ bei  Paulsdorf  geht  sie  am  nordwestlichen  Abhange  einer  mit  san- 
digen Jura-Schichten  bedeckten  Anhöhe  zu  Tage^).  Bei  Jastrzigowitz 
gehen  die  Schichten  an  mehreren  Stellen  zu  Tage  aus.  Auch  westlich  von 
Skronskau  an  der  Strasse  von  Landsberg  nach  Rosenberg  kennt 
man  sie.  Wahrscheinlich- stehen  auch  die  alten  Versuchsbaue  von  Alt - 
Karmunkau  in  denselben.  Deutlich  sind  sie  endlich  auch  noch  bei 
Stany  im  Königreiche  Polen,  Bodzanowitz  gegenüber,  durch  Bergbau 
aufgeschlossen. 

Ausser  Estheria,  minuta  wurden  keine  organischen  Einschlüsse  in  der 
Schichtenfolge  beobachtet.  Aber  auch  für  sich  allein  ist  diese  kleine 
Crustacee  von  grosser  Wichtigkeit  für  die  Altersbestimmung  der  Bildung. 
Estheria  minuta  ist  ein  im  Keuper  weit  verbreitetes  Fossil.  Rup.  Jones 


1)  Von  Paiilsdorf  habe  ich  schon  früher  (vergl,  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd,  XV. 
1863.  S.  701)  das  Vorkommen  von  Estheria  minuta  angeführt,  aber  mit  der  irrigen  Angabe,  dass  sie 
der  Schichtenfolge  mit  den  pflansenführenden  Sphaerosideriten  angehöre. 


176 


Trias-Formation. 


hat  in  seiner  Monographie  der  Gattung^)  die  Verbreitung  der  Art  ausführ- 
lich angegeben.  Dieselbe  reicht  durch  alle  Abtheilungen  des  Keupers. 
Eine  Varietät,  Estheria  minuta  var.  Brodieana,  welche  durch  geringere 
Grösse  und  feinere  Maschen  der  netzförmigen  Schalenskulptur  ausgezeich- 
net sein  soll,  ist  nach  R.  Jones  für  die  Grenzschichten  zwischen  Keuper 
und  Lias  oder  die  sogenannte  rhätische  Formation  bezeichnend.  Die  ober- 
schlesische Form  passt  gut  zu  den  Abbildungen  dieser  Varietät.  Erwägt 
man,  dass  nach  dem  Vorhergehenden  die  Flora  der  Sphaerosiderit-führen- 
den  Thone  der  Eisensteinförderungen  zwischen  Kreutzburg  und  Lands- 
berg eine  durch  mehrere  gemeinsame  Arten  bestimmt  begründete  üeber- 
einstimmung  mit  der  Flora  der  Grenzschichten  zwischen  Keuper  und  Lias 
in  Franken  zeigt,  so  bleibt  es  kaum  zweifelhaft,  dass  wir  in  diesen  Tho- 
nen  mit  pflanzenführenden  Sphaerosideriten  und  in  der  durch  Estheria 
minuta  bezeichneten  Schichtenfolge  ein  Aequivalent  der  sogenannten  rhäti- 
schen  Schichtengruppe  oder  der  Zone  der  Avicula  contorta  vor  uns  haben. 
Freilich  fehlt  noch  die  so  bezeichnende  und  weit  verbreitete  Conchylien- 
Fauna  mit  der  Avicula  contorta  selbst.  Vielleicht  gelingt  es,  dieselbe  in 
der  sandigen  Schichtenfolge  mit  Estheria  minuta  oder  über  derselben  noch 
aufzufinden.  Die  petrographische  Beschaffenheit  der  Schichten  ist  zum 
Theil  derjenigen  der  sandigen  Gesteine  ähnlich,  welche  im  mittleren  und 
südlichen  Deutschland  die  Fauna  der  Avicula  contorta  einschliessen. 

Mit  diesen  Estheria  führenden  Schichten  schliesst  der  Keuper 

von  Oberschlesien  und  Polen  nach  oben  ab.  Denn  die  ihnen  in  der  Gegend 
von  Landsberg  überall  gleichförmig  aufruhenden  weissen  und  braunen 
Sande  und  eisenschüssigen  Sandsteine  und  Conglomerate  gehören,  wie 
weiterhin  gezeigt  werden  wird,  schon  dem  mittleren  oder  braunen  Jura  an. 
Diejenigen  Autoren,  welche  die  rhätischen  Schichten  dem  Lias  zurechnen, 
würden  auch  die  Hellewalder  Estherien-Schichten  so  wie  die  bunten  Thone 
mit  pflanzenführenden  Sphaerosideriten  dem  untersten  Gliede  der  Jura- 
Formation  zuweisen  müssen. 

Organische  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.13,14,15. 

Im  Ganzen  ist  der  Keuper  Oberschlesiens  und  der  angrenzenden  Theile 
von  Polen  sehr  arm  an  Versteinerungen.  Namentlich  sind  sie  in  der  die  Haupt- 
masse nach  aus  braunrothen  und  bunten  Thonen  bestehenden  mittleren  Ab- 


1)  A monograph  of  the  fossil  Estheriae  by  T.  Rup.  Jones.  London.  1862.  (Publicatloii  der 
Palaeontogr.  Soc.)  S.  42 — 78. 


Keuper. 


177 


theilung  so  sparsam,  wie  in  den  gleichstehenden  bunten  Keuper-Mergeln  im 
übrigen  Deutschland.  Erst  nach  fortgesetzten  Bemühungen  ist  es  gelungen, 
in  den  diesen  Thonen  untergeordneten  kalkigen  und  sandigen  Einlagerun- 
gen eine  Anzahl  von  Fossil-Resten  zu  entdecken,  und  die  Auffindung  dieser 
Reste  gehört  zu  den  erwünschtesten  Ergebnissen  der  zunächst  für  die  Her- 
stellung der  geognostischen  Karte  von  Oberschlesien  ausgeführten  Unter- 
suchungen. Im  Ganzen  rühren  die  überhaupt  bekannt  gewordenen  Arten 
aus  der  Lettenkohlen -Gruppe,  den  kalkigen  und  sandigen  Einlagerungen 
der  mittleren  Abtheilung,  aus  den  Sphaerosideriten  der  Wilmsdorfer 
Schichten  und  aus  den  Hellewalder  Estherien-Schichten  her. 

A.  Pflanzen. 

Abgesehen  von  nicht  näher  bestimmbaren  Pflanzenresten  in  den  die 
Blanowicer  Kohlen  begleitenden  thonigen  und  sandigen  Schichten  sind 
bisher  Pflanzen  nur  aus  den  Thoneisensteinen  der  Wilmsdorfer  Schichten 
und  aus  gewissen  eigenthümlichen,  bisher  nur  beiEllguth  unweit  Wois  ch- 
nik  nachgewiesenen  kalkigen  Schichten  bekannt. 

a.  Pflanzen  der  Thoneisensteine  der  Wilmsdorfer  Schichten, 
aa.  Oeschichtliclies. 

Die  erste  Kenntniss  dieser  Pflanzen  verdankt  man  Göppert.  ln  einer 
die  fossilen  Cycadeen  überhaupt  betreffenden  Arbeit*)  beschrieb  derselbe 
zunächst  drei  Arten  der  Gattung  Pterojpliyllum  aus  den  Thoneisensteinen 
von  Ludwigs dorf.  Einige  Jahre  später  hat  er  dann  eine  Aufzählung 
und  Beschreibung  von  sämmtlichen  ihm  bekannten  Arten  der  kleinen  Flora 
geliefert.  Dieselbe  wurde  von  ihm  für  mitteljurassisch  erklärt  und  zunächst 
mit  derjenigen  der  mitteljurassischen  Schichten  von  Yorkshire  verglichen^). 
Augenscheinlich  war  für  diese  Altersbestimmung  der  Flora  die  damals 
allgemein  geltende  irrige  Annahme  von  Einfluss,  dass  die  pflanzenführenden 
Sphaerosiderite  von  Ludwigsdorf,  Matzdorf  und  Wilmsdorf  mit  den 
Thoneisensteinen  der  Eisensteingruben  von  Bodzanowitz,  Wichrow 
und  Sternalitz,  welche  Ämmonites  Parkinsoni,  Belemnites  giganteus  und 
Pholodomya  MurcMsoni  enthalten  und  unzweifelhaft  mitteljurassisch  sind, 
zu  derselben  Schichtenfolge  gehören.  Nachdem  ich  selbst  später  nach- 


1)  Ueber  die  fossilen  Cycadeen  überhaupt  mit  Rücksicht  auf  die  in  Schlesien  vorkommenden 
Arten  in:  Arb,  der  Schles.  Ges.  für  vaterl.  Cultur  im  Jahre  1843.  Breslau  1844.  S.  114 — 144. 

2)  Ueber  die  fossile  Flora  der  mittleren  Jura-Schichten  in  Oberschlesien;  ebendas.  Jahrg.  1845. 
Breslau  1846.  S.  139—149. 


23 


178 


Trias-Formation. 


gewiesen  hatte  ^)5  dass  die  fraglichen  Pflanzen  eben  so  wohl  als  Keuper- 
Pflanzen  zu  deuten  seien,  wurden  durch  A.  Schenk,  dem  ich  das  von  mir 
gesammelte  Material  mitgetheilt  hatte,  die  Identität  einer  Anzahl  von  ober- 
schlesischen Arten  mit  solchen  der  Grenzschichten  zwischen  Keuper  und 
Lias  in  Franken  erkannt  und  die  durchgängige  Verschiedenheit  von  den 
Arten  des  eigentlichen  Keupers  und  namentlich  des  grünen  Keuper-Sand- 
steins von  Stuttgart,  festgestellt ^).  Seitdem  hat  derselbe  Autor  in  sei- 
ner Monographie  der  fossilen  Flora  der  fränkischen  Grenzschichten^)  eine 
üebersicht  der  oberschlesischen  Flora  geliefert. 

bb.  Aufzählung  der  Arten. 

Pflanzen  aus  den  Sphaerosideriten  von  Wilmsdorf,  Goslau  und 
Ludwigsdorf. 

1.  Asplenites  Ottonis  — Taf.  13,  Fig.  1.; 

Pecojpteris  Ottonis  Göppert,  Jahresbericht  der  Schles.  Ges.  1844 
S.  144,  Taf.  I.,  Fig.  4 — 10;  Schloenbach  in:  Jahrb.  für  Mineral. 
1860  S.  525,  Taf.  4,  Fig.  A.:  Asj)lenites  Ottonis  Schenk,  a.a.O.  S.  53, 
Taf.  XL,  Fig.  1—3,  Taf.  XlV.,  Fig.  3—5. 

Handgrosse  schwarzgefärbte  Wedel -Fragmente  liegen  auf  den  Spal- 
tungsflächen des  graubraunen  sandigen  Sphaerosiderits  von  Wilmsdorf. 
Die  Form  der  Blättchen  ist  sehr  veränderlich.  Zuweilen  sind  sie  ganz- 
randig  und  an  den  Enden  zugespitzt,  während  sie  bei  der  typischen  ge- 
wöhnlichen Form  an  den  Rändern  gekerbt  und  an  den  Enden  zugerundet 
sind.  Zuweilen  ist  die  Substanz  der  Blättchen  selbst  als  schwarzes  oder 
dunkelbraunes  biegsames  lederartiges  Häutchen  erhalten.  Die  schon  von 
Göppert  hervorgehobene  Haupt  - Eigenthümlichkeit  dieses  E'arn’s,  die 
dichte  Besetzung  des  Blattstiels  und  der  Spindeln  der  sekundären  Segmente 
mit  Spreuschuppen  5 ist  meistens  deutlich  wahrzunehmen. 

Vorkommen:  Die  häufigste  Art  der  ganzen  Flora!  Ich  selbst  kenne 
die  Art  nur  von  Goslau  und  Wilmsdorf.  Göppert  führt  sie  auch  von 
Ludwigsdorf  und  Matzdorf  auf.  Schenk  bildet  die  Art  von  Sein- 
stedt im  Braunschweig’schen  ab,  wo  sie  durch  Schloenbach  in 
einem  grauen  Sandsteine  beobachtet  wurde,  welcher  durch  seine  Lagerung 
mit  Bestimmtheit  als  zu  der  rhätischen  Schichtenfolge  gehörend  erkannt 


1)  Vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1863.  S.  701. 

Vergl.  ebendaselbst  Jahrg.  1867.  S.  259, 

3)  Die  fossile  Flora  der  Grenzschichten  des  Keupers  und  Lias  Franken’s  von  Dr.  August 
Schenk,  mit  XLV.  Tafeln  Abbildungen  in  Folio.  Wiesbaden  1867.  S.  215. 


Keuper. 


179 


wurde.  Endlich  findet  sich  die  Art  auch  im  grauen  Sandsteine  am  Ein- 
berg e bei  Coburg.  Ein  durch  C.  v.  Seebach  erhaltenes  Exemplar 
von  der  letzteren  Fundstelle  stimmt  vollständig  mit  oberschlesischen 
Exemplaren  überein.  Die  Art  ist  als  ein  Leitfossil  der  rhätischen  Schich- 
ten anzusehen. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  1 stellt  ein  Stück  eines  Wedels 
von  Wilmsdorf  dar. 

2.  As^lenites  Bösserti  Schenk  a.  a.  0.  S.  49,  Taf.  VIL,  Fig.  6 — 7,  7 a; 
Taf.  X.,  Fig.  1 — 4;  ÄletJiopteris  Presl  in:  Sternberg,  Flora  der 
Vorw.  IL,  p.  145. 

Diese  in  den  rhätischen  Schichten  Frankens  in  der  Gegend  von  Bam- 
berg und  Baireuth  häufige  Art  kommt  mit  der  vorigen  Art  zusammen, 
aber  viel  seltener,  bei  Wilmsdorf  vor.  Ein  Exemplar  von  dort  wurde 
durch  Schenk  mit  Sicherheit  als  zu  der  Art  gehörend  erkannt.  Schenk 
vermuthet,  dass  das  unter  der  Benennung  ÄletJiopteris  insignis  durch  Göp- 
pert  von  Wilmsdorf  aufgeführte  Farnkraut  mit  dieser  Art  identisch  sei. 

3.  Taeniopteris  gigantea  — Taf.  14,  Fig.  1. 

Taeniopteris  gigantea  Schenk  a.  a. 0.  p.  146,  tab.XXYIIL,  Fig.  12. 

Schenk  vergleicht  die  Art  zunächst  mit  zwei  durch  Oldham  aus  Indien 
beschriebenen  Arten.  Die  Seitennerven  der  Blätter  sind  einfach  und  stehen 
senkrecht  auf  der  Mittelrippe.  Zwischen  je  zwei  stärkeren  Seitennerven 
liegen  immer  drei  bis  vier  feinere. 

Vorkommen:  Nur  ein  einziges  handgrosses  Fragment  eines  Blattes 
aus  den  Sphaerosideriten  von  Wilmsdorf  liegt  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  1 stellt  ein  Stück  des  einzigen  vor- 
liegenden Blatt-Fragmentes  dar. 

4.  Dicranopteris  Roemeriana  Schenk  a.  a.  0.  p.  144,  145,  Taf.  XXL 
Fig.  9. 

Ein  unvollständiges  Blatt  aus  den  sandigen,  weiss  punktirten  Sphaero- 
sideriten von  Wilmsdorf,  ist  für  Schenk,  dem  ich  dasselbe  zur  Bestim- 
mung mitgetheilt  hatte,  die  Veranlassung  zur  Aufstellung  dieser  Gattung 
und  Art  geworden.  Schenk  bemerkt,  dass  in  dem  allgemeinen  Habitus 
das  Blatt  demjenigen  von  Chiropteris  digitata  Kurs  und  den  jugendlichen 
Blättern  von  Clatliropteris  Münsteriana  bis  zum  Verwechseln  gleiche  und 
erst  bei  näherer  Untersuchung  sich  wesentliche  Unterschiede  ergeben.  Das 
Blatt  ist  gestielt,  an  der  Basis  herzförmig,  dm  Umfange  fünflappig.  Von 
Chiropteris  unterscheidet  sich  der  oberschlesische  Farm  durch  die  nicht 
zu  einem  Maschennetz  verbundenen  Nerven.  Der  Verlauf  der  Nerven  ist 
mit  demjenigen  von  Cyclopteris  am  nächsten  verwandt.  Abweichend  ist 

23* 


180 


Trias-Formation. 


jedoch  das  sehr  baldige  Verschwinden  des  Mittel -Nerven.  Schliesslich 
giebt  Schenk  folgende  Diagnose  der  Art:  Dicranopteris  Roemeri,  folia 
petiolata,  digitata-pinnatifida  hasi  cor  data  j laciniae  ohtusae  crenatae  nervi 
e hasi  foliorum  radiatim  egredientes  dichotomi,  ramuli  iterum  iterumque 
dichotomi. 

5 . Clathropteris  Mmisteriana  Schenk. 

Nach  Schenk  gehören  die  unter  der  Benennung  Camptopteris  jurassica 
durch  Göppert  aus  den  Sphaerosideriten  von  Matzdorf  beschriebenen 
Blatt-Fragmente  sicher  zu  dieser  Art,  welche  in  den  rhätischen  Schichten 
eine  weite  Verbreitung  besitzt. 

6.  Pterophyllum  Braunianum  — Taf.  13,  Fig.  5* 

Pterophyllurri  Braunianum  Göppert  in:  Jahresber.  der  Schles. 
Ges.  für  lks  p.  134;  Schenk  a.  a.  0.  p.  164,  216,  Taf.  XXXVIII. 
Fig.  1 — 10.  Pterophyllum  Oeynhausianum  Göppert,  Jahresber,  der 
Schles.  Ges.  für  1843,  Taf.  1,  Fig.  1 — 3;  ebendas.  1845.  p.  146. 

Nach  Schenk  ist  Pt.  Oeynhausianum  mit  Pt.  Braunianum  zu  ver- 
einigen. 

Vorkommen:  Bei  Goslau  nicht  sehr  selten.  Göppert  giebt  Lud- 
wigsdorf als  Fundort  der  Art  an.  In  den  Grenzschichten  Franken’s 
ist  sie  an  mehreren  Stellen  bekannt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  5.  Ansicht  eines  Wedel-Fragments 
von  Goslau. 

7.  Pterophyllum  Münsteri  Göppert  in:  Jahresber.  der  Schles.  Ges.  für 
1843,  p.  135;  Schenk  a.  a.  0.  p.  167,  Taf.  39,  Fig.  1—3. 

Ein  deutlicher  Wedel  von  Wilms  dorf,  der  durch  Schenk  als  dieser 
Art  angehörend  bestimmt  wurde,  liegt  vor.  In  den  rhätischen  Schichten 
Franken’s  ist  diese  Art  nach  Schenk  allgemein  verbreitet. 

8.  Pterophyllum  Carnallianum  — Taf.  13,  Fig.  4. 

Pterophyllum  Carnallianum  Göppert  in:  Jahresber.  der  Schles. 
Ges.  für  1843,  p.  132;  Schenk  a.  a.  0.  p.  163,  215,  Taf.  XXXIX., 
Fig,  4.  Pterophyllum propinquum  G ö p p e r t in : Jahresber.  der  Schles. 
Ges.  für  1843;  Schenk  p.  215. 

Schenk  vereinigt  Pt. propinquum  mit  Pt  Carnallianum.  Die  Breite  der 
Blätter,  welche  beide  Arten  angeblich  unterscheiden  soll,  ist  nicht  beständig. 

Vorkommen:  Göppert  beschreibt  die  Art  von  Ludwigsdorf.  Ich 
selbst  habe  sie  in  mehreren  Exemplaren  bei  Wilmsdorf  und  Goslau 
gesammelt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  4.  Ansicht  eines  Wedel-Fragments 
von  Goslau. 


Keuper. 


181 


9.  Calamites  Lehmannianus  — Taf.  13,  Fig.  2,  3. 

Calamites  Lehmannianus  Göppert  in:  Jahresber.  derSchles.  Ges. 
für  1845,  p.  140,  Taf.  1,  Fig.  2;  Schenk  a.  a.  0.  p.  11,  133,  215, 
Equisetites  arenaceus  F.  Roemer  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges. 
Jahrg.  1867,  p.  261. 

Göppert  hat  unter  der  Benennung  Calamites  Lehmannianus  undeutliche 
Stengelstücke  aus  den  Thoneisensteinen  von  Wilmsdorf  beschrieben. 
Seitdem  habe  ich  selbst  viel  vollständigere  und  grössere  Stengel-Fragmente 
der  Art  bei  Wilmsdorf  gefunden.  Ich  glaubte  sie  von  dem  Calamites 
arenaceus  des  eigentlichen  Keuper-Sandsteins  nicht  trennen  zai  dürfen,  allein 
da  Schenk,  obgleich  die  grosse  Aehnlichkeit  mit  Calamites  arenaceus  des 
eigentlichen  Keuper- Sandsteins  anerkennend,  doch  auf  Grund  der  Ver- 
gleichung eines  grösseren  Materials  die  specifische  Verschiedenheit  behaup- 
tet, so  wird  die  Art  hier  unter  Göppert’s  Benennung  aufgeführt.  Bei  der 
von  Schenk  nachgewiesenen  Verschiedenheit  der  ganzen  rhätischen  Flora 
von  derjenigen  des  eigentlichen  Keuper- Sandsteins,  wie  namentlich  des- 
jenigen von  Stuttgart,  ist  allerdings  an  sich  auch  die  specifische  Ver- 
schiedenheit von  dem  Calamites  arenaceus  wahrscheinlich. 

Vorkommen:  Grössere  und  kleinere  Stengelbruchstücke  sind  nicht 
selten  in  dem  Thoneisensteine  von  Wilmsdorf.  In  den  rhätischen  Schich- 
ten Franken’s  und  Süddeutschlands  ist  die  Art,  da  Schenk  auch  seinen 
Calamites  Gümbeli  mit  ihr  vereinigt,  weit  verbreitet. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  2.  Ansicht  des  gestreiften  Stein- 
kerns eines  mittelgrossen  etwas  zusammengedrückten  Stengel-Fragments. 
Es  liegen  viel  grössere,  zum  Theil  handbreite  zusammengedrückte  Stengel- 
stücke vor,  welche  weniger  scharf  und  regelmässig  gestreift  sind  und  zum 
Theil  grosse  Zweignarben  an  den  Gelenken  zeigen.  Fig.  3.  Ansicht  eines 
jungen  Stengel-Fragments. 

10.  Finites  sp. 

Bei  Lofkowitz,  bei  Suinpen  und  an  anderen  Punkten  kommen  in 
den  Sphaerosiderit-führenden  rothen  und  bunten  Thonen  Stücke  von  kohl- 
schwarzem fossilen  Holze  mit  deutlich  erhaltener  Holzstruktur  vor.  Göp- 
pert hat  dieses  Holz  unter  der  Benennung  Finites  jurassicus  von  Sumpen 
aufgeführt.  Die  specifische  Benennung  wird  nach  der  gegenwärtigen  Alters- 
bestimmung der  Schichten  als  unzulässig  durch  eine  andere  zu  ersetzen  sein. 

11.  Xylomites  irregularis. 

Unter  dieser  Benennung  wird  von  Göppert  ein  kleiner  Blattpilz  auf- 
geführt, der  von  ihm  auf  den  Blatt- Segmenten  des  Fterophyllum  Carnallia- 
num  von  Wilmsdorf  aufsitzend  beobachtet  wurde. 


182 


Trias-B'  ormation. 


Pflanzen  aus  den  Kalkschichten  bei  Ellguth  unweit  Woischnik. 

Ausser  den  vorstehend  aufgezählten  Pflanzenresten  in  den  Sphaerosi- 
deriten  der  Thoneisensteinförderungen  in  der  Gegend  von  Landsberg 
und  Kreutzburg  wurden  nur  noch  an  einem  einzigen  anderen  Punkte  in 
der  oberschlesisch-polnischen  Keuper-Bildung  fossile  Pflanzen  beobachtet. 
Bei  dem  ^[4  Meile  nordwestlich  von  Woischnik  gelegenen  Dorfe  Ellguth, 
und  zwar  südöstlich  von  dem  Dorfe  selbst  liegt  mitten  im  Felde  ein  leicht 
zu  übersehender,  flacher,  kleiner  Steinbruch,  in  welchem  ein  unregelmässig 
dünngeschichteter  Kalkstein  von  gelblich  weisser  Farbe  in  einer  Mächtig- 
keit von  6^ — 8 Fuss  aufgeschlossen  ist.  Der  Kalkstein  hat  bei  mehr  oder 
minder  krjstallinisch  körnigem  Gefüge  zugleich  die  Struktur  einer  Sinter- 
bildung und  erinnert  lebhaft  an  manche  Travertine  oder  Kalksinter  der 
Gegenwart  und  der  Diluvialzeit.  Einzelne  angewitterte  Stücke  zeigen  sich 
ganz  aus  concentrischen  Schalen  von  krystallinisch  faserigem  Kalk  zu- 
sammengesetzt und  man  erkennt  deutlich,  dass  sich  das  Gestein  durch 
successive  üeberrindung  gekrümmter  Flächen  gebildet  hat.  In  einzelnen 
Partien  ist  das  Gestein  auch  dicht  und  gleicht  dann  ganz  dem  Kalke  von 
Woischnik.  Gewisse  Lagen  des  Gesteins  sind  mit  deutlich  erhaltenen 
Blättern  erfüllt.  Bei  Weitem  am  häufigsten  sind  die  Blätter  von  Clathropteris 
Münsteriana  Schenk  (Clathropteris  ^latypliylla  Brongn. ^ Camptopteris 
Münsteriana  Presl)^).  Gewöhnlich  sind  dieselben  gekrümmt  und  zu- 
sammengebogen, etwa  wie  die  Blätter  von  Credneria  im  senonen  Kreide- 
sandsteine bei  Blankenburg.  Wenn  schon  an  sich  das  Vorkommen  von 
Landpflanzen  in  kalkigen  Gesteinen,  von  den  ganz  jugendlichen  Kalktuffen 
abgesehen,  sehr  auffallend  und  uugewöhnlich  ist,  so  erscheint  es  hier  noch 
mehr  so  durch  den  Umstand,  dass  die  Substanz  der  Blätter  selbst  zum 
Theil  durch  krystallinischen  Kalk  ersetzt  ist.  Nur  bei  den  früher  beschrie- 
benen Pflanzenresten  von  Karniowice  und  Filipo  wice  ist  die  Erhaltung 
eine  ähnliche.  Clathropteris  Münsteriana  ist  eine  in  den  rhätischen  Schich- 
ten Frankens  und  Norddeutschlands  weit  verbreitete  Art  und  darf  als  eine 
Leit-Pflanze  derselben  gelten^). 

Ausser  dieser  Clathropteris  wurde  in  dem  Kalksteine  nur  noch  ein 
unvollständiger  Wedel  einer  Neuropteris-Ari  (s.  Taf.  14,  Fig.  4,  5)  beobach- 

1)  Vergl.  unsere  Taf.  14,  Fig.  2 (Ansicht  eines  unvollständigen  Blattes  von  der  Oberseite)  und 
B ig.  3 (Ansicht  eines  unvollständigen  Blattes  mit  dem  grob-gezähnten  Rande  von  der  Unterseite). 
Schenk  (B'oss.  B'lora  der  Grenzschichten  p.  81 — 86)  sieht  Camptopteris  Münsteriana  P r e s 1 nur  als  die 
jugendliche  Blattform,  von  Clathropteris platyphylla  Brongn.  an  und  nennt,  die  Priorität  des  Species- 
Namens  achtend,  die  durch  die  Vereinigung  beider  gebildete  Art  Clathropteris  Münsteriana. 

2)  Exemplare  der  Art  in  grauem  Sandstein  von  Coburg,  welche  ich  der  gefälligen  Mittheilung 
Prof.  V.  Seebach’s  verdanke,  stimmen  vollständig  mit  den  Oberschlesischen  überein. 


Keuper. 


183 


tet,  welcher  mit  N,remota  Presl  des  fränkischen  Keupers  verwandt  scheint, 
aber  nicht  die  an  der  Spindel  herablaufenden  Blättchen  dieser  Art  zeigt. 

Die  Lagerung  dieses  pflanzenführenden  Kalksteins  von  Ellguth  be- 
treffend, so  ist  zwar  nach  der  allgemeinen  Lage  des  Ortes  durchaus  ein 
höheres  Alter  als  dasjenige  der  pflanzenführenden  Sphaerosiderite  der 
Gegend  zwischen  Kreutzburg  und  Landsberg  für  ihn  anzunehmen, 
aber  weniger  klar  ist  sein  Verhalten  zu  dem  Woischniker  Kalk.  Vielleicht 
ist  er  nur  als  ein  eigenthümlich  ausgebildetes  Lager  desselben  anzusehen, 
üebrigens  sind  bisher  an  keinem  anderen  Punkte  ähnliche  Kalkstein- 
Schichten  bekannt. 

Entsteht  die  Frage  nach  dem  geognostischen  Niveau  dieser  pflanzen- 
führenden Kalkschichten  von  Ellguth  im  Vergleich  zu  demjenigen  der 
pflanzenführenden  Sphaerosiderite  der  Landsberg- Kreutzburger  Gegend, 
so  wird  denselben  nach  den  allgemeinen  Lagerungsverhältnissen  ihr  Platz 
unter  den  Sphaerosiderit-führenden  Schichten  anzuweisen  sein.  Anderer- 
seits liegen  sie  sehr  wahrscheinlich  über  dem  Kalke  von  Woischnik  und 
Lublinitz. 

B.  Thiere 

(Vergl.  Tafel  15.) 
der  Lis  sauer  Br  ec  eien. 

1.  Mastodonsaurus  (?)  sp.  Taf.  15,  Fig.  1,  2. 

In  der  Breccie  bei  Bissau  wurden  mehrere  unvollständige  Schilder 
eines  Lahyrinthodonten  beobachtet,  deren  aus  unregelmässigen  dicken  ge- 
rundeten Runzeln  bestehende  Oberflächen-Sculptur  an  diejenige  des  Masto- 
donsaurus Jaegeri  aus  dem  Keuper  erinnert.  Aus  den  der  Breccie  ent- 
sprechenden Schichten  Schwabens  wird  nichts  Aehnliches  aufgeführt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 stellt  das  vollständigste  dieser 
Schilder  von  oben  gesehen  dar.  In  der  Mitte  ist  dasselbe  mehr  als  ^[2  Zoll 
dick.  Nach  den  Seitenrändern  nimmt  die  Dicke  ab.  Fig.  2 stellt  ein  viel 
kleineres  sub rektangulär  begrenztes  Schild  mit  ähnlicher  Sculptur  der 
Oberfläche  von  demselben  Fundorte  dar. 

2.  Plesiosaurus  sp. 

Zollgrosse  flach  biconcave  Wirbel  und  fingerlange  stark  gebogene 
Rippen-Fragmente,  welche  nach  der  allgemeinen  Form  wohl  zu  Plesiosau- 
rus gehören  können,  wurden  in  der  Breccie  bei  Bissau  beobachtet. 

3.  Megalosaurus  doacinus  Quenst.  Taf.  15,  Fig.  4,  5, 

Unter  dieser  Benennung  beschreibt  Quenstedt  (Juya  S.  33)  aus  dem 
Bonebed  oder  der  schwäbischen  Kloake  sichelförmig  gekrümmte,  am 


184 


Trias-Formation. 


Rande  fein  gekerbte  Saurierzähne.  In  dem  Stettgarter  Maseum  habe  ich 
Zähne  aus  der  Knochen- Breccie  von  Bebenhausen  bei  Tübingen  ge- 
sehen, welche  dieselbe  feine  Zähnelung  der  Seitenkanten,  wie  die  von 
Quenstedt  beschriebenen  Zähne  zeigen,  aber  nicht  sichelförmig  gekrümmt, 
sondern  gerade  sind.  Sehr  wahrscheinlich  gehören  diese  letzteren  Zähne 
demselben  Saurier  wie  die  gekrümmten  Zähne  an.  Mit  diesen  geraden 
Zähnen  von  Bebenhausen  stimmt  nun  der  Fig.  4 und  5 abgebildete  Zahn 
aus  der  Lissauer  Breccie  von  Lubschau  bei  Woischnik  vollständig 
überein.  Der  zweischneidige  und  an  den  Kanten  sehr  zierlich  und  regel- 
mässig gekerbte  Zahn  zeigt  eine  stärker  gewölbte  (äussere)  und  eine 
schwächer  gewölbte  (innere)  Fläche,  welche  beide  bis  auf  eine  sehr  feine 
unregelmässige  Runzelung  glatt  sind.  Auch  noch  ein  sehr  viel  kleinerer 
Zahn  derselben  Art  von  dem  gleichen  Fundorte  liegt  vor. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  4.  Ansicht  des  Zahnes  gegen  die 
gewölbtere  Fläche  (Aussenfläche).  Fig.  5.  Ansicht  des  Zahnes  im  Profil. 

4.  Termatosaurus  Älhertii  — Taf.  15,  Fig.  3. 

Termatosaurus  Älhertii  Plieninger  Palaeont.  W ürtemb . Taf.  XII. 
Fig.  25,  37,  93,  94*  Quenstedt  Jura  p.  33,  Taf.  2,  Fig.  4,  5 — 7. 

Ausser  dem  abgebildeten  Zahne  aus  der  Breccie  von  Helenenthal 
bei  Woischnik  liegt  ein  zweiter  aus  der  Breccie  von  Koczurry  vor, 
welchen  ich  gleichfalls  zu  dieser  Art  rechne.  Der  abgebildete  Zahn  zeigt 
die  feinen  erhabenen  Längslinien,  welche  nach  Quenstedt  den  schlanke- 
-ren  Zähnen  dieser  Art  zukommen,  und  ganz  flache  gerundete  Längsrippen. 
Die  Art  kommt  nach  Plieninger  und  Quenstedt  in  der  Knochen-Breccie 
(Bone  bed)  Schwabens  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  3.  Ansicht  des  Zahnes  aus  der 
Breccie  von  Helenen thal  von  der  Seite.  Der  Zeichner  hat  die  seitliche 
Längskante  zu  scharf  angegeben.  Der  Querschnitt  des  Zahnes  ist  fast 
drehrund. 

5.  Ceratodus  Silesiacus  n.  sp.  Taf,  15,  Fig.  6,  7. 

So  nenne  ich  Zähne,  welche  sich  von  anderen  Arten  des  Geschlechtes 
durch  die  scharf  leistenförmige  Gestalt  der  Falten  und  durch  deren  Verlauf 
bis  in  den  Scheitelpunkt  des  durch  die  beiden  geraden  Seitenränder  gebil- 
deten Winkels  so  sehr  auszeichnen,  dass  ein  Zusammenhang  durch  Ueber- 
gangsformen  kaum  möglich  scheint.  Die  einzige  Art  von  Ceratodus,  welche 
aus  der  Knochen-Breccie  (Bone  bed)  Schwabens  aufgeführt  wird,  Cerato- 
dus cloacinus  Quenst.,  soll  durch  die  Kürze  der  Falten  von  den  übrigen 
Arten  sich  unterscheiden  und  unterscheidet  sich  also  noch  mehr  von  der 
unsrigen. 


Keuper. 


185 


Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  6 stellt  einen  Zahn  der  Breccie 
südlich  von  Bissau  dar.  Die  ganze  Form  des  Zahnes  ist  sehr  schmal 
und  die  4 Falten  vorzugsweise  scharfkantig.  Die  Poren  der  Oberfläche 
sind  gross  und  mit  blossem  Auge  deutlich  erkennbar.  Fig.  7 ist  die  An- 
sicht eines  in  braunem  lockerem  Sandstein  von  einer  südlich  von  Bissau 
gelegenen  Stelle  eingeschlossenen  Zahnes.  Derselbe  ist  breiter  als  der 
andere  und  die  Falten  divergiren  mit  grösseren  Winkeln.  Die  Poren  der 
Oberfläche  sind  ebenfalls  gross.  Der  braune  Sandstein,  welcher  den  Zahn 
einschliesst,  muss  nach  dem  allgemeinen  Verhalten  der  Bagerung  ungefähr 
in  dasselbe  Niveau  wie  die  Breccie  gehören. 

6.  Colohodus  (Gyrolepis)  sp.  Taf.  15,  Fig.  8,  9. 

In  der  Breccie  am  Fusse  des  Zogelberges  bei  Woischnik  kommen 
glänzend  schwarze  mit  einer  dicken  Schmelzlage  bedeckte  rhomboidale 
Schuppen  vor,  welche  nach  der  allgemeinen  Form  zu  dieser  in  der  Trias - 
Formation  in  mehreren  Arten  verbreiteten  Gattung  gehören  müssen,  aber 
durch  die  grobe,  aus  dichotomisch  getheilten  Falten  bestehende  Sculptur 
und  durch  die  Stärke  der  zur  Verbindung  mit  den  angrenzenden  Schuppen 
dienenden  seitlichen  Fortsätze  ausgezeichnet  sind.  Quenstedt  (Jura 
Taf.  2,  Fig.  59)  bildet  aus  der  schwäbischen  Knochen-Breccie  eine  grob- 
runzelige Gjrolepis-Schuppe  ab,  welche  vielleicht  mit  der  oberschlesischen 
specifisch  identisch  ist. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  8.  Ansicht  einer  Schuppe  in 
natürlicher  Grösse.  Fig.  9.  vergrösserte  Ansicht  derselben  Schuppe. 

7 . Saurichthys  acuminatus,  Quenstedt,  J ara  S.  3 5,  Taf.  2,  Fig.  42 — 5 1 . 

Mit  den  unter  dieser  Benennung  aus  der  Knochen-Breccie  beschriebe- 
nen an  der  Spitze  glänzend  glatten  und  an  der  Basis  gereiften  sehr  kleinen 
Zähnen  stimmen  ein  Paar  Zähne  aus  der  Kalkbreccie  von  Woischnik  so 
vollständig  überein,  dass  die  specitische  Identität  nicht  zweifelhaft  bleibt. 
Insbesondere  zeigen  sie  sich  mit  den  Fig.  50  und  51  bei  Quenstedt  abge- 
bildeten Formen  übereinstimmend, 

8.  ünio  Keuperinus.  (?)  — Taf.  15,  Fig.  13. 

Der  Umriss  der  Schale  passt  gut  zu  der  von  Berger  (N.  Jahrb.  Jahrg. 
1854,  Fig.  10)  gegebenen  Abbildung  des  Unio  Keuperinus.  Die  Identität 
soll  jedoch  keineswegs  mit  Sicherheit  behauptet  werden.  Der  Umstand, 
dass  die  von  Berger  beschriebene  Muschel  einem  tieferen  Niveau  des 
Keupers  angehört  und  angeblich  mit  marinen  Arten  zusammen  vorkommt, 
scheint  sogar  der  Identität  zu  widersprechen. 

Vorkommen:  In  der  Breccie,  welche  bei  Niwki  nordöstlich  von 
Siewierz  durch  Steinbrüche  aufgeschlossen  ist,  bedeckt  diese  Art  in  dich- 

24 


186 


Trias-Formation. 


ter  Zusammenhäufung  der  Individuen  die  Schichtflächen  gewisser  Bänke. 
Auch  in  der  Breccie  südlich  von  Bissau  wurden  mehrere  Exemplare  von 
mir  gesammelt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  13.  Ansicht  eines  Exemplars  der 
rechten  Klappe  von  Niwki.  Eine  Bruchstelle  lässt  die  Dicke  der  in  durch- 
scheinenden Kalkspath  verwandelten  Schale  erkennen. 

9.  Unio  sp.  — Taf.  15,  Fig.  14. 

In  der  Breccie  bei  Kiwki  findet  sich  auch  noch  eine  sehr  flache  klei- 
nere aber  meistens  schlecht  erhaltene  Unio- Art.  Dieselbe  scheint  identisch 
mit  einer  in  weissem  Keuper-Sandstein  nördlich  von  Kielce  vorkommen- 
den Art  (vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jalirg.  1866  p.  688). 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  14.  Ansicht  der  rechten  Klappe 
nach  einem  Exemplare  von  Mokra  nördlich  von  Kielce. 


Ausser  den  in  dem  Vorstehenden  aufgezählten  wenigen  Arten  von  thie- 
rischen  Resten  in  den  Lissauer  Breccien  ist  aus  der  ganzen  oberschlesisch- 
polnischen Keuper- Bildung  nur  noch  das  schon  vorher  (S.  162)  erwähnte, 
in  einem  einzigen  Exemplare  in  dem  Woischniker  Kalke  beobachtete,  viel- 
leicht zur  Gattung  Paludina  gehörende  kleine  Gastropod,  die  ebenfalls 
schon  vorher  genannte  Estheria  minuta  der  Helleivalder  Estherien-Schichten 
und  ein  grosser  Fisch  ^)  aus  der  Abtheilung  der  Ganoiden,  welcher  in  den 
pflanzenführenden  Sphaerosideriten  von  Wilmsdorf  vor  einer  Reihe  von 
Jahren  gefunden  wurde,  bisher  bekannt  geworden. 

g.  Vergleichung  des  oberschlesisch -polnischen  Keupers  mit  dem  typischen 
Keuper  im  mittleren  Deutschland. 

Lagerungsverhältnisse,  petrographische  Merkmale  und  organische  Ein- 
schlüsse weisen  gleichmässig  darauf  hin,  dass  die  in  dem  Vorstehenden 
beschriebenen  Ablagerungen  in  Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden 
Theilen  von  Polen  wirklich  dem  Keuper  zugehören.  Dem  oberen  Muschel- 
kalk gleichförmig  aufruhend,  werden  sie  nach  oben  von  jurassischen  Schich- 
ten bedeckt.  Gleich  dem  typischen  Keuper  im  mittleren  Deutschland  stellen 
sie  ferner  der  Heiuptmasse  nach  eine  aus  versteinerungsleeren  rothen  und 
bunten  Thonen  und  Mergeln  bestehende  Bildung  dar.  Wenn  die  organi- 
schen Einschlüsse  erweisen,  dass  das  unterste  Glied  der  ganzen  Schichten- 


1)  Dieser  von  Göppert  (vergl.  Jahresber.  der  Schles.  Ges.  für  1845,  S.  142)  erwähnte  und  mit 
der  Sammlung  des  Geh.  Med. -Rath  Otto  in  Breslau  in  das  Berliner  Museum  gelangte  Fiseh  ist  nur 
als  Abdruck  des  aus  grossen  rhombischen  Schuppen  bestehenden  Schuppen-Panzers  erhalten. 


Keuper. 


187 


reihe  als  Lettenkohiengruppe  zu  deuten  ist  und  wenn  anderer  Seits  die 
obersten  Glieder  bezeichnende  Fossilien  der  sogenannten  Rhätischen 
Schichten  d.  i.  der  Grenzschichten  zwischen  Keuper  und  Jura -Formation 
einschliessen.  so  folgt  daraus  naturgemäss,  dass  in  derThat  der  dazwischen 
liegende  Haupttheil  der  Bildung  als  mittlerer  oder  eigentlicher  Keuper  zu 
deuten  ist.  Die  fossilen  Pflanzen  der  Wilmsdorfer  Schichten  sind  zum 
Theil  bezeichnende  Arten  der  Rhätischen  Schichtenfolge , so  namentlich 
Asplenites  Ottonis,  Asplenites  Bösserti,  Clathropteris  Münsteriana,  Pteropliyllum 
Braunianum,  Pteropliyllum  Münsteri  und  Calamites  Lehmannianus.  Die  aus 
den  Lissauer  Breccien  bekannt  gewordenen  Fisch-  und  Saurier-Reste  sind 
zunächst  entschieden  Formen  des  Keupers.  Ein  Theil  der  Arten  stimmt 
mit  solchen  der  gewöhnlich  als  Grenze  zwischen  Keuper  und  Jura  ange- 
nommenen Knochen- Breccie  (Bone  bed)  in  Württemberg  überein.  Das 
gilt  namentlich  von  Alegalosaurus  cloacinus,  Termatosaurus  Älbertii  und 
Sauri'chthys  acupiinatus.  Vielleicht  sind  desshalb  diese  Breccien  auch  schon 
der  Rhätischen  Schichtenfolge  zuzureclmen.  Sonst  bleibt  nur  die  Annahme, 
dass  die  Verbreitung  der  genannten  Arten  der  Knochen-Breccie  (Bone  bed) 
auch  noch  in  ein  tieferes  Niveau  hinabreicht,  in  welcher  sie  freilich  in 
Schwaben  nicht  gekannt  sjnd. 

Wenn  nun  auch  die  allgemeine  üebereinstimmung  des  oberschlesisch- 
polnischen Keupers  mit  der  typischen  Form  des  Keupers  im  mittleren 
Deutschland  erwiesen  ist,  so  sind  doch  anderer  Seits  mancherlei  Eigen- 
thümlichkeiten  in  der  besonderen  Entwickelung  vorhanden.  Dahin  gehört 
namentlich  die  thonige  fast  kalkfreie  Natur  der  die  Hauptmasse  der  Bik 
düng  zusammensetzenden  braunrothen  und  bunten  Letten,  so  wie  anderer 
Seits  das  Vorkommen  von  Einlagerungen  eines  reinen  weissen  Kalksteins 
(Woischniker  Kalk).  Denn  in  den  Gegenden  der  typischen  Entwickelung 
des  Keupers  im  mittleren  und  südlichen  Deutschland  besteht  die  Haupt- 
masse der  Bildung  aus  bunten  kalkhaltigen  Mergeln  mit  völligem  Aus- 
schluss rein  kalkiger  Schichten.  Dieses  Verhalten  ist  gewissermassen  so 
zu  deuten,  dass  der  Kalkgehalt,  welcher  in  dem  Keuper  des  übrigen 
Deutschlands  durch  die  ganze  Reihenfolge  der  Mergelschichten  verbreitet 
ist,  in  Oberschlesien  concentrirt  und  in  der  Form  von  dichtem  weissen 
Kalkstein  ausgeschieden  wurde.  Auch  das  Vorkommen  der  eigenthüm- 
lichen  Kalk-Breccien  (Lissauer  Breccien)  ist  für  den  oberschlesisch -polni- 
schen Keuper  eigenthümlich.  Endlich  ist  auch  die  petrographische  Ent- 
wickelung und  die  Gliederung  der  oberen  Abtheilung  oder  der  Rhätischen 
Schichten  von  der  typischen  im  mittleren  Deutschland  abweichend,  denn 
weder  die  bunten  Mergel  mit  den  pflanzenführenden  Sphaerosideriten 

24* 


188 


Jiira-Forrnation. 


(Wilmsdorfer  Schichten),  noch  die  palaeontologisch  durch  das  massenhafte 
Vorkommen  von  Estheria  minuta  bezeichneten  dünn  geschichteten  Sand- 
steine mit  Sphaerosideriten  (Hellewalder  Estherien-Schichten)  sind  in  Fran- 
ken oder  Schw^aben  in  der  gleichen  Form  gekannt,  obgleich  die  Pflanzen 
der  Wilmsdorfer  Schichten  in  der  Mehrzahl  mit  solchen  der  Rhätischen 
Schichten  in  Franken  der  Art  nach  identisch  sind,  üebrigens  ist,  wie  ich 
an  einer  anderen  Stelle  näher  nachgewiesen  habe’),  diese  Entwickelung 
des  Keupers  nicht  auf  Oberschlesien  und  die  zunächst  angrenzenden  Theile 
von  Polen  beschränkt,  sondern  tindet  sich  auch  noch  20  Meilen  weiter 
gegen  Osten,  am  Kordabhange  des  sogenannten  polnischen  Mittelgebirges 
oder  der  Gebirgserhebung  von  Kielce  in  ansehnlicher  Verbreitung  wieder. 
Namentlich  sind  hier  auch  die  kalkigen  Breccien  (Lissauer  Breccien)  mit 
den  ganz  gleichen  Merkmalen  den  bunten  Thonen  untergeordnet.  Die 
Entwickelung  der  Lettenkohlengruppe  ist  hier  durch  das  Vorkommen  von 
Mastodonsaurus  Jaegeri  H.  v.  Meyer^)  angedeutet. 


1)  Vergl.  Geognostische  Beobachtungen  im  polnischen  Mittelgebirge  von  Ferd.  Roemer  in: 
Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1866  p.  685  ff. 

2)  Vergl.  Ueber  das  Vorkommen  von  Mastodonsaurus  Jaegeri  H.  v.  Meyer  bei  Odrowanz 
am  Nordabhange  des  polnischen  Mittelgebirges  in:  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XX.,  1868, 

s.  m If. 


III.  Jura- Formation. 


1.  Literatur. 

1805.  L.  V.  Buch:  Geognostische  Uebersicht  von  Neu-Schlesien.  (L.  von 
Buch’s  gesammelte  Schriften,  Berlin  18G7  S.  719 — 739.) 

1822.  C.  V.  Oeynhausen:  Versuch  einer  geognostischen  Beschreibung 
von  Oberschlesien,  S.  253—288. 

1836.  Pusch:  Geognostische  Beschreibung  von  Polen.  Thl.II.  S.  203 — 274. 

1844.  Beyrich:  lieber  die  Entwickelung  des  Flötzgebirges  in  Schlesien. 
(Abdruck  aus  Karsten’s  Archiv  für  Bergbau  und  Hüttenkunde.) 
S.  57  — 77. 

1845.  L.  Zeus  ebner:  Die  Glieder  des  Jura  an  der  Weichsel  (Karsten’s 
Archiv  für  Bergbau  und  Hüttenkunde,  1845,  S.  605 — 626). 

1864.  L.  Zeus  ebner:  Die  Entwickelung  der  Jura -Formation  inl  west- 
lichen Polen.  (Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XVI.,  1864, 
S.  573  — 583.) 

1866.  L.  Zeuschner:  lieber  die  verschiedenen  Formationen  auf  die  sich 
der  Jura  in  Polen  abgesetzt  hat.  (Neues  Jahrb.  für  Mineral.  Jahrg. 
1866.  S.  788 — 800;  Verh.  der  Kaiserl.  Mineral.  Ges.  St.  Petersb. 
1868,  2te  Serie,  Bd.  III.) 

1867.  Ferd.  Roemer:  Neuere  Beobachtungen  über  die  Gliederung  des 
Keupers  und  der  ihn  zunächst  überlagernden  Abtheilung  der  Jura- 
Formation  in  Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden  Theilen  von 
Polen. 

1867.  Ferd.  Roemer:  Erläuterungen  zu  den  Sektionen  Gleiwitz,  Königs- 
bütte, Loslau  und  Pless  der  geognostischen  Karte  von  Oberschle- 
sien. S.  30. 

1869.  L.  Zeuschner:  Die  Gruppen  und  Abtheilungen  des  polnischen 
Jura  nach  neueren  Beobachtungen  zusammengestellt  (Zeitschr.  der 
Deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XXL,  1869,  S.  771—794). 


190 


Jura-Formation, 


2,  Geschichtliches. 

L.  V.  Buch  bezeichnet  bereits  1805  in  seiner  geognostischen  Ueber- 
sicht  von  Neu -Schlesien  den  Kalkstein  zwischen  Olku.sz  und  C zen- 
stoch au  als  Jurakalk  und  erkennt  dessen  Verschiedenheit  von  dem 
erzführenden  Muschelkalke  sowohl  an  der  petrographischen  Beschaffen- 
heit als  an  dem  palaeontologischen  Verhalten  und  im  Besonderen  an  dem 
Vorkommen  ,, grosser  Ammonshörner  bei  dem  Schlosse  von  Podzamcze 
und  am  P\isse  aller  Felsen  bei  Olsztyn“.  C.  v.  Oeynhausen,  der  die 
kalkigen  Jura -Schichten  unter  der  Benennung  ,,Weisser  Flötzkalkstein‘‘ 
beschreibt,  ging  über  L.  v.  Buch  nicht  hinaus,  sondern  machte  selbst  einen 
Rückschritt,  indem  er  ausser  dem  Keuper-Kalke  von  Woischnik  und 
Labschau  auch  den  devonischen  Kalk  der  Marmorbrüche  von  Dembnik 
damit  verband. 

Pusch  gab  in  seinem  grossen  und  werthvollen  Werke  über  die  geo- 
gnostischen Verhältnisse  von  Polen  schon  eine  eingehende  Darstellung  des 
polnischen  Jura.  Er  weist  namentlich  schon  die  Verbreitung  desselben 
im  Einzelnen  nach,  freilich  in  Betreff  derselben  in  sofern  irrend,  als  er 
auch  noch  den  Keuper-Kalk  von  Kozieglowy,  Woischnik  und  Lubli- 
nitz,  so  wie  die  Keuper -Breccien  (Lissauer  Breccien)  dem  Jura-Kalke 
zurechnete.  Auf  den  Karten  des  seinem  Werke  beigegebenen  geognosti- 
schen Atlasses  hat  Pusch  zum  ersten  Male  die  Verbreitung  des  oberschle- 
sisch-polnischen Jura  in  den  allgemeinen  Zügen  richtig  graphisch  dargestellt. 
Er  gab  ferner  scho<n  ein  reichhaltiges  Verzeichniss  der  in  den  jurassischen 
Schichten  vorkommenden  Versteinerungen,  welches,  wenn  auch  im  Einzel- 
nen vielfach  irrig,  doch  die  jurassische  Natur  der  ganzen  Bildung  zweifel- 
los feststellte.  In  seiner  1837  erschienenen  Schrift  „Polen's  Palaeontologie^^ 
hat  er  diese  Versteinerungen  zum  Theil  näher  beschrieben  und  abgebildet. 
Eine  speciellere  Gliederung  des  polnischen  Jura  hat  Pusch  nicht  versucht. 
In  Betreff  der  Lagerung  irrte  er  in  sofern  als  er  annahm,  dass  seine,  dem 
Keuper  zugehörige  „Moorkohlenbildung“  den  Jura-Kalk  bedecke,  während 
sie  in  Wirklichkeit  von  dem  letzteren  überlagert  wird. 

Einen  wesentlichen  Fortschritt  in  der  Kenntniss  des  oberschlesisch-pol- 
nischen Jura  enthalten  die  von  Beyrich  in  seinem  Aufsatze  über  das  ober- 
schlesische Flötzgebirge  gemachten  kurzen  Bemerkungen.  Es  wird* hier  zu- 
nächst die  völlige  Abwesenheit  des  Lias  bestimmt  ausgesprochen  und  nach- 
gewiesen, dass  die  jurassischen  Ablagerungen  theiis  dem  mittleren  oder 
braunen  Jura,  theiis  dem  oberen  oder  weissen  Jura  angehören.  Dem  brau- 
nen Jura  wird  das  oberschlesisch-polnische  Thoneisenstein-Gebirge  und  im 
Besonderen  die  Thoneisenstein-führende  Schichtenfolge  von  B o d z am  o w i t z , 


Jura-Formation. 


191 


Wichrow  und  Sternalitz  bei  Landsb  erg  aus  palaeontologischen  Grün- 
den zugewiesen.  Irriger  Weise  wurden  freilich  auch  die  in  Wirklichkeit 
tertiären  Eisenstein-führenden  Schichten  zwischen  Gleiwitz  und  Ratibor, 
so  wie  die  der  unteren  Kreide  angehörenden  kalkigen  und  mergeligen 
Schichten  der  Gegend  von  T eschen  dazu  gerechnet.  In  Betreff  des 
weissen  Jura  wird  die  schon  von  Pusch  erkannte  auffallende  Aehnlich- 
keit  mit  dem  weissen  Jura  in  Schwaben  und  Franken  scharf  hervor- 
gehoben und  auch  aus  der  palaeontologischen  Uebereinstimmung  näher 
begründet. 

Seitdem  hat  L.  Zeuschner  nach  einer  vieljährigen  Beschäftigung  mit 
dem  polnischen  Jura  in  verschiedenen  Aufsätzen  versucht,  denselben  mit 
Hülfe  der  organischen  Einschlüsse  mit  dem  süddeutschen  und  franzö- 
sischen Jura  im  Einzelnen  näher  zu  vergleichen.  Am  vollständigsten 
hat  er  seine  Ansichten  über  die  Gliederung  der  ganzen  Bildung  in  den 
beiden  letzten  der  obengenannten  Aufsätze  raitgetheilt.  Ein  besonderes 
Verdienst  um  die  Kenntniss  der  Formation  hat  sich  Zeuschner  durch 
die  Nachweisung  der  Kimmeridge- Bildung  in  Polen  erworben.  Das  Vor- 
kommen von  Exogyra  virgula  bei  Korytnice  und  Malagoszcz  unweit 
Kielce  ist  für  das  Vorhandensein  dieses  obersten  Stockwerks  des  weissen 
Jura  beweisend. 

Endlich  ist  auch  durch  die  in  den  letzten  acht  Jahren  ausgeführten 
Arbeiten,  welche  die  Herstellung  der  geognostischen  Karte  von  Oberschle- 
sien zum  Zweck  hatten,  für  die  Kenntniss  des  polnischen  Jura  ein  weiterer 
Fortschritt  gewönnen  worden.  Zunächst  ist  die  Gliederung  der  ganzen  For- 
mation und  namentlich  der  unteren  Abtheilung  derselben  genauer  bestimmt 
und  die  Verbreitung  der  einzelnen  Glieder  auf  der  Karte  sorgfältig  ver- 
zeichnet worden.  x4uch  wurden  die  von  allen  früheren  Beobachtern  als 
Ausläufer  des  jurassischen  Hauptzuges  betrachteten  Keuper -Kalke  von 
Kozieglo wy,  Woischnik  und  Lubschau  ausgesondert  und  dadurch 
erst  Klarheit  in  den  Lagerungsverhältnissen  der  jurassischen  Ablagerungen 
gegen  den  die  Unterläge  bildenden  Keuper  erreicht. 

3.  Verbreitung  und  orographisches  Verhalten. 

Die  Verbreitung  der  oberschlesisch -polnischen  Jura -Bildung  ist  eine 
sehr  bedeutende.  Pusch  schätzt  den  Flächenraum,  wo  sie  unmittelbar 
zu  Tage  steht,  auf  88,  denjenigen  in  welchem  sie,  zum  Theil  bedeckt 
von  Diluvial-  oder  Alluvial- Ablagerungen,  mit  Sicherheit  überhaupt  zu 
vermuthen  ist,  auf  350  geographische  Quadrat-Meilen.  Zunächst  wird 
durch  dieselbe  ein  gegen  15  Meilen  langer  und  1 bis  4 Meilen  breiter  fei- 


192 


Jiira-Fonnation, 


siger  Höhenzug  gebildet,  welcher  von  Krakau  bis  Czenstochau  zu- 
sammenhängend sich  forterstreckt  und  von  da  mit  Unterbrechungen  bis 
nach  Wielun  gegen  Nord -Westen  sich  verfolgen  lässt.  Einzelne  Aus- 
läufer treten  sogar  noch  viel  weiter  gegen  Nord-Westen  und  namentlich 
4n  der  Umgebung  von  Kalis ch  aus  der  Diluvialbedeckung  hervor  und 
der  mit  Bohrlöchern  bei  Ciechocinek  unweit  Thorn  angetrotfene  Jura- 
Kalk  ist  ebenfalls  nur  als  eine  Fortsetzung  desselben  Zuges  anzusehen. 

Das  orographische  Verhalten  dieses  jurassischen  Höhenzuges  ist 
zum  Theil  sehr  ausgezeichnet.  Gleich  bei  Krakau  tritt  der  Jura-Kalkstein 
in  felsigen  Anhöhen  aus  der  Thalebene  der  Weichsel  hervor.  Der  das 
Schloss  von  Krakau  tragende  Fels  und  die  Anhöhen  bei  Podgorze,  so 
wie  die  schon  viel  bedeutendere  Erhebung,  auf  der  das  Kloster  Bielany 
erbaut  ist,  gehören  dazu.  Weiter  nördlich  auf  der  Strecke  zwischen 
Krakau  und  Olkusz  tritt  der  felsige  Charakter  namentlich  der  dolomiti- 
schen Schichten  der  Formation  noch  ausgezeichneter  in  verschiedenen 
eng  eingeschnittenen  Thälern  hervor.  Besonders  sind  unter  diesen  die 
Thäler  von  Oycow  und  Fiasko wa  Skaia  durch  ihre  malerische  Schön- 
heit bekannt.  Die  Gehänge  dieser  Thäler  werden  durch  mauerartige, 
senkrecht  abfallende  Wände  gebildet  und  einzelne  prismatische  Felsen 
erheben  sich  freistehend  aus  der  Thalsohle.  Der  allgemeine  Charakter 
dieser  Thalbildung  gleicht  autfallend  demjenigen,  den  die  felsigen  Thäler 
des  fränkischen  Jura  zeigen.  Noch  weiter  gegen  Norden  zwischen  Olkusz 
und  Czenstochau  gewinnt  der  jurassische  Höhenzug  bestimmter  das 
Ansehen  einer  zusammenhängenden  Erhebung.  Namentlich  wenn  man 
von  Westen  her  von  dem  flachen  Plateau  Oberschlesiens  über  Siewierz 
sich  demselben  nähert,  erscheint  er  als  eine  solche  und  stellt  durch  die 
scharf  geschnittenen  Formen  seiner  felsigen  Gipfel,  welche  in  aufFallen- 
dem  Contraste  zu  den  flachwelligen  Anhöhen  des  Hügellandes,  in  wel- 
chem man  sich  befindet,  stehen,  eine  bemerkenswerthe  orographische 
Erscheinung  dar.  In  dem  felsigen  Berggipfel,  welcher  die  Ruinen  des 
alten  Schlosses  von  Podzamcze  bei  Ogrodziniec  trägt,  steigt  der 
Höhenzug  zu  mehr  als  1470  Fuss  über  den  Meeresspiegel  an.  Felsbildun- 
gen sind  auch  sonst  in  diesem  Abschnitte  häufig.  Bekannt  ist  namentlich 
der  Fels  mit  der  alten  Schlossruine  von  Olsztyn  südöstlich  von  Czen- 
stochau. Auch  noch  in  dem  Warta-Thale  treten  bei  Mstöw  aus- 
gezeichnete Felsbildungen  auf.  Uebrigens  ist  der  jurassische  Höhenzug  - 
auch  zwischen  Olkusz  und  Czenstochau  keineswegs  ein  so  üngetheiltes 
Ganzes,  als  er,  von  Westen  gesehen,  zu  sein  scheint.  Er  ist  vielmehr 
durch  unzählige  kleine  Thäler  in  einzelne  Erhebungen  zerschnitten.  Die 


Jura-Formation. 


193 


zum  Theil  breiten  Sohlen  dieser  Thäler  sind  mit  losem  weissen  Diluvial- 
Sande  erfüllt,  aus  welchem  in  sonderbarem  Contrast  die  jurassischen 
Kalkfelsen  unmittelbar  aufsteigen.  In  dem  letzten  Abschnitte  des  Höhen« 
Zuges  zwischen  Czenstochau  und  Wielun  hat  er  den  Charakter  einer 
ganz  flachen  Erhebung  und  grössere  Felsmassen,  wie  in  dem  vorher- 
gehenden Abschnitte  fehlen  hier. 

Westlich  von  dem  bisher  betrachteten  kalkigen  Jura-Zuge  sind  nun  auch 
ältere  jurassische  Ablagerungen  von  sehr  verschiedener  petrographischer 
Zusammensetzung  und  von  durchaus  abweichendem,  von  der  Gesteins- 
beschaffenheit abhängigen  orographischem  Verhalten  in  kaum  geringerer 
Ausdehnung  verbreitet.  Es  sind  lose  thonige  und  sandige  mitteljurassische 
Schichten,  welche  fast  überall  von  dem  Diluvium  bedeckt  weite  Sand- 
flächen mit  einzelnen  niedrigen  Erhebungen  bilden.  Diese  Ablagerungen 
setzen  eine  im  Kordosten  durch  den  kalkigen  oberjurassischen  Höhenzug, 
im  Süd  westen  durch  die  Keuper-Bildung  begrenzte  Zone  zusammen,  welche 
in  der  Gegend  von  Wlodowice  nordöstlich  von  Siewierz  beginnend, 
sich  gegen  Kord  westen  immer  mehr  verbreitert  und  so  bis  Hitschen  und 
Wielun  sich  erstreckt.  Verbindet  man  die  beiden  Städte  Hitschen  und 
Wielun  durch  eine  gerade  Linie  und  zieht  zugleich  von  beiden  Hunkten 
gerade  Linien  nach  Wlodowice,  so  entspricht  der  so  begrenzte  drei- 
eckige Flächenraum  fast  genau  dem  Verbreitungsgebiete  dieser  mittel- 
jurassischen Ablagerungen.  Geht  man  von  Lublinitz  nach  Czen- 
stochau, oder  von  Woischnik  nach  Zarki,  so  durchschneidet  man 
diese  mitteljurassische  Zone  in  der  Quere.  Südlich  von  Wlodowice 
erscheinen  diese  Ablagerungen  nicht  mehr  an  der  Oberfläche.  Von  Wlo- 
dowice bis  Olkusz  treten  überall  die  rothen  und  grauen  Keuper-Thone 
bis  nahe  an  den  Fuss  des  kalkigen  Höhenzuges.  Das  ist  schon  bei  Blano- 
wice,  Kromolow  und  Ogrodziniec  der  FalH). 

Ausser  dem  in  dem  Vorstehenden  bezeichneten  Hauptgebiete  der  Jura- 
Formation  ist  dieselbe  auch  in  weiter  östlich  gelegenen  Gebieten  des  pol- 
nischen Landes  in  der  Form  von  kalkigen  Gesteinen  nach  Husch  verbrei- 
tet. Kamentlich  tritt  sie  an  den  Ufern  der  Hilica  an  mehreren  Hunkten 
hervor  und  bildet  ferner  einen  schmalen  Höhenzug,  der  sich  südwestlich 
von  Kielce  von  Malagoszcz  überSobkow  bis  Korjtnica  fortzieht. 
Als  weit  ausserhalb  unseres  Kartengebietes  gelegen  kommen  diese  Ab- 
lagerungen hier  nicht  weiter  in  Betracht. 


1)  In  das  Gebiet  der  Karte  fallt  die  mitteljurassische  Zone  vollständig,  der  kalkige  Höhenziig 
bis  auf  das  südöstliche  Ende  bei  Krakau  fast  ganz. 


25 


194 


Jura-Formation. 


4.  Stratographisches  Verhalten. 

Die  Lage  der  jurassischen  Schichten  ist  im  Ganzen  eine  sehr  flach  ge- 
neigte und  regelmässige.  Nur  in  der  Gegend  von  Krzeszo^vice  und 
Chrzanow  kommen  steilere  Neigungen  der  Schichten  vor.  Namentlich 
bei  Mloszowa,  Dulovva  und  Czatkowice  sind  die  jurassischen  Schich- 
ten mit  20®  bis  30®  eben  so  steil,  wie  der  Muschelkalk,  dem  sie  aufruhen, 
aufgerichtet.  In  dem  südlichen  Abschnitte  des  jurassischen  Höhenzuges 
zwischen  Krakau  und  Olkusz,  wo  die  Richtung  desselben  von  Süden 
nach  Norden  geht,  fallen  die  Schichten  gegen  Osten  ein,  in  dem  nördlicheren 
Abschnitte  zwischen  Olkusz  und  Wielun,  wo  die  Richtung  des  Höhen- 
zuges eine  nordwestliche  ist,  ist  das  Einfallen  ein  flach  nordöstliches. 
Durchschneidet  man  deshalb  den  Höhenzug  an  irgend  einer  Stelle  in  der 
Richtung  von  Westen  gegen  Osten,  so  gelangt  man  im  Allgemeinen  bei 
dem  Fortschreiten  in  immer  jüngere  Schichten.  Die  ältesten  Schichten  tre- 
ten an  dem  westlichen  Fusse  des  Höhenzuges  hervor,  die  jüngsten  sind  dem 
östlichen  oder  nordöstlichen  Abhange  des  Höhenzuges  angelagert. 

Die  Begrenzung  der  jurassischen  Ablagerungen  nach  unten  und  oben 
betreffend,  so  liegen  die  tiefsten  Ablagerungen  dem  obersten  Gliede  des 
Keupers  auf,  während  die  obersten  von  Kreide-Bildungen  ungleichförmig 
überlagert  werden,  die  Auflagerung  auf  den  Keuper  ist  von  Balin  im 
Krakau’schen  Gebiete  bis  in  die  Gegend  von  Landsberg  und  Pits  dien 
an  zahlreichen  Stellen  nachzuweisen.  Ob  sie  eine  gleichförmige  odör 
ungleichförmige  ist,  muss  bei  der  ganz  flachen  Lagerung  des  Keupers  wie 
der  unteren  jurassischen  Schichten  weniger  evident  sein.  Diese  Frage 
wird  besonders  da  zu  untersuchen  sein,  wo  sowohl  die  obersten  Glieder 
des  Keupers  wie  die  tiefsten  der  Jura-Formation  entwickelt  sind.  Das  ist 
besonders  in  der  Gegend  von  Land  sb  erg  und  Pit  sehen  der  Fall.  Der 
Umstand,  dass  hier  die  Bildung  der  eisenschüssigen  braunen  Sandsteine 
und  losen  Sande  (Kostczelitzer  Sandstein)  an  einigen  Stellen,  wie  nament- 
lich südlich  von  Goslau,  dem  als  Wilmsdorfer  Schichten  bezeichneten 
oberen  Gliede  des  Keupers,  an  anderen  wenig  entfernten  wie  z.  B.  bei 
dem  Vorwerke  Przitozne  dem  noch  jüngeren  als  Hellewalder  Estherien- 
Schichten  bezeichneten  Gliede  unmittelbar  aufruht,  scheint  zu  beweisen, 
dass  die  Lagerung  der  jurassischen  Schichten  gegen  den  Keuper  eine  über- 
greifende also  ungleichförmige  ist. 

5.  Gliederung. 

Die  ganze  jedenfalls  über  500  Fuss  mächtige  Reihenfolge  der  jurassi- 
schen Schichten  in  Oberschlesien  und  Polen  lässt,  wenn  man  nur  die  oro- 
graphischen  und  petrographischen  Verhältnisse  in  Betracht  zieht,  zwei 


Jura-Formation. 


195 


Hauptabtheilungen  erkennen,  nämlich  eine  untere  dunkel  farbige  sandig 
thonige,  welche  Ebenen  oder  ganz  flache  Erhebungen  bildet,  und  eine 
obere  aus  weissen  Kalksteinen  und  Dolomiten  bestehende,  welche  scharf 
begrenzte  und  zum  Theil  felsige  Höhenzüge  zusammensetzt.  Die  erstere 
Abtheilung  gehört  dem  mittleren  oder  braunen  Jura  nach  der  Eintheilung 
L.  V.  Buch’s  und  Quenstedt’s  an,  die  zweite  dem  oberen  oder  w'eissen 
Jura.  Der  Lias  oder  schwarze  Jura  fehlt.  Das  ist  im  Einklänge  mit  dem 
Verhalten  der  Jura-Formation  in  dem  ganzen  östlichen  Europa  überhaupt. 
Jede  der  genannten  beiden  Haupt -Abtheilungen  lässt  nun  wieder  eine 
Anzahl  von  im  Ganzen  palaeontologisch  wohl  bezeichneten  Stockwerken 
oder  Zonen  erkennen^).  Zu  diesen  in  dem  jurassischen  Haupt/aige  zwi- 
schen Krakau  und  Wielun  unterscheidbaren  Stockwerken  treten  dann 
noch  einige  weiter  östlich  in  Polen  entwickelte  jüngere  Glieder  des  weissen 
Jura  hinzu  und  endlich  ist  auch  noch  am  Nordrande  der  Karpathen  eine 
in  das  Kartengebiet  fallende  oberjurassische  Kalkbildung,  der  Nerineen- 
Kalk  von  Inwald  bei  Andrychau,  entwickelt.  Auf  diese  Weise  ergiebt 
sich  die  nachstehende  Aufeinanderfolge  von  einzelnen  Gliedern: 

1)  Schichten  des  Inoceramus  polyplocus  und  anderer  Ablagerungen 
von  wesentlich  gleichem  Alter,  vorherrschend  aus  losen  gelben  Sanden 
und  eisenschüssigen  Sandsteinen  bestehend. 

2)  Schichten  des  Ammonites  Parhinsoni,  d.  i,  zähe  graue  Thone  mit 
Lagen  von  Thoneisenstein;  die  letzteren  beiBodzanowitz5Wichrow  und 
Stern alitz  in  Oberschlesien  und  an  zahlreichen  Punkten  in  Polen,  Ämmo- 
nites  ParJcinsoni,  Belemnites  giganteus  und  Pholaclomya  Murchisoni  enthaltend. 

3)  Schichten  des  Ammonites  macrocephalus ^ d.  i.  graue  Kalksteine 
und  Kalkmergel  mit  braunen  Eisen -Oolithen  (Balin,  Mirow,  Pomor- 
zany  u.  s.  w.)  oder  graue  kalkige  Sandsteine  (Klobucko5Wielunu.  s.w.), 
palaeontologisch  vorzugsweise  durch  Ammonites  macrocephalus^  Ä,  Iiecticus, 
A.  Jason  u.  s.  w.  bezeichnet. 

4)  Schichten  des  cordatus,  d.  i.  weisse  Kalkmergel  mit 

Ammonites  cordatus  (kleine  dicke  Form!),  Ammonites  transoersarius  Oppel, 
(A.  Arduennensis  d’Orb.),  A,  dentatus,  A,  fiexuosuSj  zahlreichen  Brachiopo- 
den  und  massenhaft  gehäuften  Spongien  (Abhang  des  Clarenberges  bei 
Czenstochau5Wrzosowa5  Wielun  u.  s.w.  Darüber  geschichtete  weisse 
Kalksteine  mit  Ammonites  cordatus  flache  Form  mit  schneidigem 

Kamm!)  Ammonites perarmatus  und  grossen  Planulaten. 


1)  Mehrere  derselben  m'erden  bei  genauerer  Untersuchung  noch  weitere  Unterabtheilungen  unter- 
scheiden lassen.  Hier  wird  jedoch  eine  erschöpfende  Darstellung  des  polnischen  Jura,  für  welche 
vieljährige  Studien  erforderlich  wären,  nicht  beabsichtigt,  sondern  nur  eine  Schilderung  des  allge- 
meinen Verhaltens. 


25* 


196 


Jura-Formation. 


5)  Schichten  der  Ehynclionella  lacunosa,  d.  i.  massige  graue  Kalke 
und  Dolomite  mit  Rhynchonella  lacunosa,  Spongien  und  Ammoniten  aus  der 
Familie  der  Planulaten. 

6)  Schichten  der  Bhynclwnella  trilohata,  d.  i.  massige  weisse  Kalke 
mit  Feuersteinknollen  und  mit  Einlagerungen  von  geschichteten  dichten  und 
mergeligen  Kalksteinen. 

7)  Schichten  der  Bhynchonella  Astieriana  (Bh.  inconstans),  d.  i.  ge- 
schichtete vreisse  Kalksteine  mit  Einlagerungen  von  kieseligen  zum  Theil 
in  Hornstein  übergehenden  Kalksteinen  mit  Bhynchonella  inconstans,  Tere- 
hratella  pectunculoides,  Terebratula  trigonella  u.  s.  vr. 

8)  Ke  rin  een -Kalk  von  Inwald,  d.  i.  massiger  kompakter  weisser 
Kalk  mit  Kerineen  und  Diceras-Arten. 

9)  Schichten  der  Exogyra  virgula  (Kimmeridge-Bildung) , d.  i. 
gelblich  weisse  oolithische  oder  dichte  Kalksteine  mit  Exogyra  virgula, 
Ceromya  excentrica,  Holectypus  speciosus  u.  s.  w.  (nach  L,  Zeuschner  einen 
schmalen  Höhenzug  bei  Malagoszcz,  Korjtnice  und  Brzegi  südwest- 
lich von  Kielce  zusammensetzend). 

6.  Beschreibung  der  einzelnen  Glieder. 

a.  Schichten  des  Inoceramus  polyplocus  und  andere  Ablagerungen 
von  wesentlich  gleichem  Alter*). 

Zwischen  dem  obersten  Gliede  des  Keupers,  den  Hellewalder  Esthe- 
rien-Schichten,  und  den  durch  Ammonites  Parkinsoni,  Belemnites  giganteus, 
Pholadomya  Murchisoni  und  andere  Versteinerungen  schon  längst  in  ihrer 
Altersstellung  zweifellos  bestimmten  Eisensteinen  von  Bodzanowitz 
unweit  Landsberg  sind  in  Oberschlesien  und  in  den  angrenzenden  Thei- 
len  von  Polen  einige  Ablagerungen  entwickelt,  deren  gegenseitiges  Alters- 
verhältniss  nicht  sicher  ermittelt  ist  und  welche  auch  mit  Ausnahme  einer 
einzigen  durch  organische  Einschlüsse  nicht  genügend  in  ihrer  näheren 
Altersstellung  bezeichnet  sind.  Diese  sind  hier  bis  zur  genaueren  Ermitte- 
lung ihres  gegenseitigen  Verhaltens  vorläufig  in  eine  einzige  Abtheilung 
zusammengefasst. 

aa.  Eisenschüssiger  brauner  Sandstein  mit  Inoceramus  polyplocus  und  Pecten  pumilus 
bei  Helenenthal  unweit  Woischnik. 

Auf  dem  Gute  Helenenthal  nördlich  von  Woischnik  finden  sich 
lose  umherliegend  faust-  bis  kopfgrosse  Stücke  eines  dunkelbraunen  eisen- 


i)  Auf  der  Karte  mit  j ^ bezeichnet. 


Jura-Formation. 


197 


schüssigen  Sandsteins^).  Beim  Zerschlagen  zeigen  sich  diese  Stücke  mit 
den  Steinkernen  und  Abdrücken  von  marinen  Conchylien  erfüllt.  Sehr 
wahrscheinlich  sind  diese  versteinerungsreichen  Stücke  concretionäre 
Knollen  aus  einer  sandigen  Ablagerung.  In  keinem  Falle  sind  sie  weit 
von  ihrer  ursprünglichen  Lagerstätte  entfernt.  Folgende  Arten  von  Ver- 
steinerungen Hessen  sich  aus  denselben  bestimmen: 

1)  Fecten  pumilus,  Lam,  ( P,  personatus,  Zieten)*  Taf.  16,  Fig.  1. 

Die  als  Steinkerne  erhaltenen  Exemplare  stimmen  vollständig  mit 

solchen  aus  Schwaben  und  im  Besondern  aus  dem  Eisensteine  von 
Wasseralfingen  bei  Aalen  überein.  Die  Art  gehört  zu  den  häufigsten 
Fossilien  des  Brauneisensteins.  Fig.  1 stellt  eines  der  grössten  der  vor- 
liegenden Exemplare  in  natürlicher  Grösse  dar. 

2)  Gervillia  conf.  Gerv.  tortuosa  Quenst. ; Taf.  16,  Fig.  2. 

Die  allgemeine  Form  passt  gut  zu  derjenigen  von  jungen  Exemplaren 
der  Gerv,  tortuosa,  wie  sie  Quenstedt  (Jura  Taf.  48,  Fig.  19)  aus  den 
Eisensteinen  von  Aalen  abbildet.  Es  liegt  eine  Anzahl  von  Exemplaren 
vor.  Das  abgebildete  Exemplar  eines  Steinkerns  der  linken  Klappe  ist 
das  grösste  unter  den  vorliegenden. 

3)  Isocardia  minima,  Sow.?  Taf.  16,  Fig.  3. 

Die  beiden  vorliegenden  Steinkerne  passen  gut  zu  Sowerby’s  Abbil- 
dung und  ebenso  zu  derjenigen  von  Quenstedt,  der  die  Art  aus  dem 
braunen  Jura  6.  in  Schwaben  aufführt.  Fig.  3 stellt  den  Guttapercha-Ab- 
druck eines  Hohldrucks  der  linken  Klappe  dar. 

4)  Trigonia  sp,  Taf.  16,  Fig.  4.  . 

Aus  der  Gruppe  der  Trigonia  davellata  Park.,  von  der  typischen  Form 
dieser  Art  aber  durch  die  ungeordnete  Stellung  der  Knoten  in  den  bogigen 
Knotenreihen  und  durch  die  fast  glatte  und  nur  scharfe  Anwachsstreifen 
zeigende  Area  ausgezeichnet.  Die  Abbildung  stellt  den  Guttapercha- 
Abguss  des  Hohldruckes  eines  unvollständigen  Exemplars  der  linken 
Klappe  dar. 

5)  Trigonia  sp.;  Taf.  16,  Fig.  5. 

Ebenfalls  aus  der  Gruppe  der  Trigonia  davellata,  aber  durch  winkelig 
in  der  Mitte  zusammenlaufende  Knotenreihen  ausgezeichnet.  Vielleicht 
nur  eine  Jugendform  der  vorhergehenden  Art,  mit  welcher  sie  die  fast 


1)  Ausser  den  von  mir  selbst  gesammelten  Stücken  des  Gesteins  erhielt  ich  auch  noch  eine 
Anzahl  anderer  Stücke  durch  die  Güte  des  Herrn  Ludwig,  des  Besitzers  des  Gutes  Helenenthal 
welchem  ich  auch  für  die  Mittheilung  verschiedener  anderer  geognostischer  Beobachtungen  ver- 
pflichtet bin. 

2)  Vergl.  Taf.  XVI. 


198 


Jura-Formation. 


glatte  Area  gemein  hat.  Es  liegen  mehrere  Exemplare  vor.  Fig.  5 stellt 
ein  solches  der  rechten  Klappe  nach  einem  Guttapercha-Abgusse  dar. 

6)  Inoceramus polyplocus  F e r d.  R o em  e r * Taf.  1 6,  Fig.  6.  (Inoceramus 
duhiuSj  SoAverby  bei  Goldfuss  p.  108,  Taf.  109,  Fig.  1 ^ A.  Roe- 
mer,  Yerst.  Nordd.  Oolithen-Geb.  p.  83;  v.  Strom.be ck  in  Zeitschr. 
D.  geol.  Ges.  ßd.  Y.,  1853,  p.  160.) 

Diese  früher  mit  1.  duhius  Sow.  vereinigte  Art  wurde  von  mir  (vergl. 
Zeitschr.  D.  geol.  Ges.  Bd.  IX.,  1857,  S.  624)  als  besondere  Art  unter- 
schieden. C.  V.  Seebach  (der  Hannoversche  Jura  S.  33,  108)  benannte 
nach  derselben  eine  gewisse,  zwischen  der  Zone  des  Ammonites  opalinus 
und  den  Coronaten-Schichten  liegende  Schichtenfolge  des  mittleren  Jura, 
welche  im  nordwestlichen  Deutschland  von  allgemeiner  Yerbreitung  ist. 
In  den  sandigen  Brauneisenstein-Stücken  von  Helenenthal  ist  die  Art 
neben  Pecten  personatus  am  häufigsten.  Fig.  6 stellt  ein  als  Steinkern  er- 
haltenes Exemplar  der  rechten  Klappe  dar. 

7)  Cucullaea  conf.  C.  cancellata^  Ph i 1 1.  bei  Q u e n s t e d t ; Taf.  1 6,  Fig.  7,8. 

Diese  in  den  Blöcken  nicht  seltene  zierlich  gegitterte  Art  ist  vielleicht 

mit  der  von  Quenstedt  (Jura  p.  342,  tab.  46,  Fig.  25)  als  (7.  cancellata 
Phill.  aus  der  Schichtenfolge  des  Ammonites  Murchisonae  in  Schwaben  auf- 
geführten Art  identisch.  Fig.  7 stellt  die  linke  Klappe  nach  einem  Gutta- 
percha-Abgusse dar.  Fig.  8 einen  Steinkern  der  rechten  Klappe. 

8)  Tancredia  ohlita  Lycett?  Taf.  16,  Fig.  9. 

Nur  ein  Abdruck  der  rechten  Klappe  dieses  I>6>naj?-ähnlichen  Zwei- 
schalers  liegt  vor.  Derselbe  passt  gut  zu  der  von  Quenstedt  (Jura, 
p.  341,  Taf.  46,  Fig.  3d)  als  Pullastra  ohlita  aufgeführten  Art,  welche  mit 
Tancredia  ohlita  Lycett  identisch  sein  soll.  Nach  Quenstedt  gehört  die 
Art  in  Schwaben  in  die  Schichtenfolge  des  Ammonites  Mur chisonae,  Fig.  9 ist 
die  Ansicht  eines  Guttapercha-Abgusses  des  Hohldrucks  der  rechten  Klappe. 

9)  Astarie  minimaj  Phill.?  Taf.  16,  Fig.  10,  11. 

Eine  kleine  mit  vergrösserten  Ringwülsten  gezierte  Art,  welche  viel- 
leicht mit  der  von  Quenstedt  (Jura,  S.  342,  Taf.  46,  Fig.  29)  aus  dem 
Niveau  des  Ammonites  Murcliisonae  als  A.  minima  aufgeführten  Art  iden- 
tisch ist.  Abdrücke  und  Steinkerne  der  Art  sind  in  den  Brauneisenstücken 
häufig.  Fig.  10  ist  Ansicht  eines  kleinen  Exemplars  der  linken  Klappe 
nach  einem  Guttapercha-Abgusse.  Fig.  1 1 Ansicht  des  Steinkernes  eines 
grösseren  Exemplares  der  linken  Klappe. 

10)  Lima  prohoscidea,  Sow.;  Taf.  16,  Fig.  12. 

Nur  ein  unvollständiger  Abdruck  der  rechten  Klappe  liegt  vor.  Nach 
einem  Guttapercha-Abgusse  desselben  ist  die  Abbildung  Fig.  12  gefertigt. 


Jura-Formation. 


199 


11)  Mytilus  sp.;  Taf.  16,  Fig.  13. 

Nur  ein  Steinkern  der  linken  Klappe  liegt  vor.  Dieser  ist  Fig.  13  dar- 
gestellt. 

12)  Natica  (?)  sp.;  Taf.  16,  Fig.  14. 

Nur  ein  einzelner  nicht  näher  bestimmbarer  unvollständiger  Steinkern 
der  Art  liegt  vor. 

13)  Quenstedt;  Taf.  16,  Fig.  15. 

Nur  unvollständige  oder  junge  Exemplare  liegen  im  Abdruck  vor.  Die- 
selben lassen  sich  aber  mit  ziemlicher  Sicherheit  als  zu  der  genannten  Art 
von  Quenstedt  (Jura,  Taf.  44,  Fig.  15)  gehörig  bestimmen.  Quenstedt 
führt  die  Art  aus  den  Schichten  des  Ammonites  opalinus  auf.  Fig.  15  ist  die 
Ansicht  eines  Guttapercha-Abgusses  von  einem  der  vorliegenden  Abdrücke. 

14)  Pentacrinus pentagonalis,  Goldf. ; Taf.  16,  Fig.  16,  17. 

Die  vorliegenden  Exemplare  passen  nach  der  Grösse  zu  der  kleinen 
Form,  welche  Quenstedt  (Jura,  p.  321,  Taf.  44,  Fig.  11)  als  P.  pentago- 
nalis  opalinus  aus  dem  Opalinus-Thon  aufführt.  Fig.  1 6 ist  die  Ansicht  eines 
Stückes  der  Säule  von  der  Seite  nach  einem  Guttapercha -xlbgusse  des 
Hohldrucks.  Fig.  17  die  Ansicht  einer  Gelenkfläche. 


Die  in  dem  Vorstehenden  aufgezählten  Versteinerungen  genügen  um  das 
geognostische  Niveau,  welchem  die  Brauneisensteinstücke  angehören,  mit 
Sicherheit  festzustellen.  Namentlich  sind  Pecten  pumilus  und  Inoceramus 
polyplocus  für  die  Bestimmung  desselben  von  Wichtigkeit.  Pecten  persona- 
tus  gehört  in  Schwaben  und  Franken  in  dasjenige  untere  Stockwerk  des 
braunen  Jura,  welches  ausserdem  besonders  durch  Ammonites  MurcMsonae 
bezeichnet  wird . (Quenstedt’s  brauner  J ura  p.)  Inoceramus  polyplocus  j 
eine  im  nordwestlichen  Deutschland  weit  verbreitete  Art,  ist  daselbst  über- 
all für  dasselbe  in  Süddeutschland  durch  den  Am.  MurcMsonae  bezeichnete 
Niveau  zwischen  der  Zone  des  Ammonites  opalinus  und  derjenigen  des  Ammo- 
nites Humphriesianus  das  Haupt-LeitfossiF).  Pecten  pumilus  ist  auch  dort  sein 
gewöhnlichster  Begleiter.  Da  die  übrigen  in  den  Blöcken  von  Helenenthal 
beobachteten  Arten,  wenn  auch  weniger  bezeichnend,  doch  zu  der  durch 
jene  beiden  Arten  festgestellten  Altersbestimmung  wohl  passen,  so  darf 
die  letztere  als  durchaus  sicher  gelten.  Damit  ist  also  als  das  unterste 
palaeontologisch  genügend  bezeichnete  Glied  des  oberschlesisch-polnischen 
Jura  diejenige  Schichtenfolge  ermittelt,  mit  welcher,  abgesehen  von  den 
noch  tieferen  Schichten  des  Ammonites  opalinus,  auch  im  nordwestlichen 
und  südlichen  Deutschland,  der  mittlere  oder  braune  Jura  beginnt. 


ij  Vergl.  Brauns:  Der  mittlere  Jura  S,  31  ff. 


200 


Jura-E’ormation. 


Früher  wurden  diese  versteinerungsreichen  Brauneisensteine  von  Hele- 
nenthal wegen  der  Gesteinsähnlichkeit  in  dasselbe  Niveau  mit  dem  so- 
gleich näher  zu  betrachtenden  Kostczelitzer  Sandsteine  von  mir  gestellt, 
und  in  der  That  ist  es  sehr  möglich,  dass  sie  wesentlich  in  dasselbe  gehö- 
ren, allein  da  die  wenigen  aus  dem  Kostczelitzer  Sandsteine  bekannt  ge- 
wordenen Zweischaler,  obgleich  sehr  undeutlich  erhalten,  doch  sicher  nicht 
mit  solchen  von  Helenenthal  identisch  sind,  so  erschien  es  vorsichtiger 
beide  Gesteine  vorläufig  getrennt  zu  halten. 

bb.  Kostczelitzer  Sandstein,  d.  i.  eisenschüssiger  brauner  Sandstein  mit 
undeutlichen  Zweischalern,  Einlagerungen  in  losem  gelbem  Sande  bildend. 

1.  Geschichtliches. 

Wenn  man  die  flache  und  vorherrschend  sandige  Gegend  zwischen 
Landsberg,  Kreutzburg  und  Pitschen  durchwandert,  so  trifft  man 
in  dem  losen  Diluvial  - Sande  vielfach  grössere  und  kleinere  Stücke 
von  eisenschüssigem  braunen  Sandstein  und  von  eisenschüssigen,  der 
Hauptmasse  nach  aus  weissen  Quarzgeröllen  bestehenden  Conglomera- 
ten  an.  Zuweilen  sind  diese  Bruchstücke  von  eisenschüssigem  Sand- 
stein so  häufig,  dass  sie  in  den  Dörfern  das  Material  zum  Bau  von 
Häusern  und  von  niedrigen  Mauern  um  die  Felder  und  Gärten  geliefert 
haben.  In  Pitschen  sind  die  Kirche  und  die  Stadtmauern  aus  diesem 
Material  erbaut.  Der  Sandstein  gleicht  durchaus  dem  sogenannten  Ort- 
steine,  welcher  in  vielen  Gegenden  des  nördlichen  Deutschlands  sich 
als  eine  ganz  jugendliche  Diluvial-  und  Alluvial  - Bildung  in  dem 
Diluvial  - Sande  wie  der  Raseneisenstein  nahe  unter  der  Oberfläche 
bildet.  Für  gleich  jugendlichen  Alters  habe  ich  denn  auch  anfangs  diese 
eisenschüssigen  Sandsteine  der  Gegend  von  Landsberg  unbedenklich 
gehalten.  Selbst  die  Beobachtung,  dass  der  Sandstein  an  einigen  Stellen 
wie  z.  B.  in  den  südlich  von  dem  Dorfe  Bodzanowitz  gelegenen  Stein- 
brüchen in  mächtigen,  regelmässig  geschichteten  Bänken  von  zum  Theil 
grosser  Festigkeit  auftritt,  konnte  jene  Ansicht  von  dem  jugendlichen  Alter 
des  Sandsteins  nicht  erschüttern,  da  der  Sand,  dem  die  Sandsteinbänke 
untergeordnet  sind,  durchaus  lose  wie  Diluvial -Sand  sich  verhält  und 
ebenso  wie  der  Sandstein  durchaus  versteinerungsleer  schien.  Erst  die 
unerwartete  Auffindung  von  organischen  Einschlüssen  in  dem  Sandsteine, 
welche  den  Herren  Janik  und  Degenhardt  an  mehreren  Punkten  im 
Jahre  1866  gelang,  änderte  mit  einem  Schlage  die  bisherige  Vorstellung 
von  dem  Alter  des  Sandsteins.  Denn  wenn  auch  die  mir  eingesendeten, 
namentlich  bei  Bodzanowitz  und  bei  Kostczelitz  südlich  von  L an  ds- 


Jura-Formation. 


201 


berg  gesammelten  organischen  Einschlüsse  nur  aus  wenigen  sehr  undeut- 
lich erhaltenen  Zweischalern  bestanden,  so  schlossen  sie  doch  sofort  jeden 
Gedanken  an  eine  Diluvial-Bildung  aus  und  wiesen  vielmehr  durch  die 
allgemeine  Form  auf  das  mittlere  Flötzgebirge  hin.  Nun  trat  auch  die 
Aehnlichkeit  gewisser,  schon  früher  von  mir  auf  dem  Gute  Helenenthal 
beiWoischnik  beobachteten  mit  Versteinerungen  erfüllten  Stücke  eines 
schwarzbraunen  eisenschüssigen  Sandsteins  mit  diesen  Sandsteinen  der 
Gegend  von  Landsberg  hervor  und  da  die  Versteinerungen  der  Sandstein- 
stücke von  Helenen thal  mit  Sicherheit  auf  ein  bestimmtes  unteres  Niveau 
des  mittleren  oder  braunen  Jura  hinweisen,  so  wurde  auch  für  die  ganze, 
den  Ortstein-ähnlichen  Sandstein  einschliessende  sandige  Ablagerung  der 
Gegend  von  Lands b erg  die  gleiche  Altersstellung  wahrscheinlich.  Zu- 
gleich ermittelte  sich  nun  auch  die  unmittelbare  üeberlagerung  der  Schich- 
tenfolge durch  die  eisensteinführenden  grauen  Thone  mit  Ammonites  Par- 
kinsoni,  deren  Thoneisensteine  beiBodzanowitz,Wichrow  und  Stern  a- 
litz  bergmännisch  gewonnen  werden.  Um  eine  kurze  Bezeichnung  für  die 
ganze  Bildung  zu  haben,  wird  sie  hier,  nach  dem  südöstlich  von  Lands- 
berg gelegenen  Dorfe  Kostczelitz,  wo  der  Sandstein  mit  seinen  eigen- 
thümlichen  Merkmalen  deutlich  aufgeschlossen  ist,  als  Kostczelitzer 
Sandstein  aufgeführt. 

2.  Petrographisches  Verhalten. 

Die  ganze  gegen  40  bis  50  Fuss  mächtige  Bildung  besteht,  wie  schon 
vorher  bemerkt  wurde,  aus  losen  gelben  Sanden  und  eisenschüssigen 
braunen  Sandsteinen.  Der  Sand  hat  ganz  das  Ansehen  von  Diluvial-Sand. 
Meistens  ist  er  gelb  oder  bräunlich  gefärbt.  Die  Sandsteine  sind  eisen- 
schüssige braune  oder  gelbe  Sandsteine,  je  nachdem  das  Bindemittel  brau- 
nes oder  gelbes  Eisenoxydhydrat  ist.  Zum  Theil  sind  diese  Sandsteine  sehr 
fest,  zum  Theil  locker  und  zerreiblich.  Oft  wechseln  an  demselben  Hand- 
stücke sehr  feste  und  lockere  Partien  mit  einander  ab,  je  nachdem  das 
eisenschüssige  Bindemittel  mehr  oder  minder  reichlich  zwischen  die  Quarz- 
körner gedrungen  ist.  Die  reichlicher  mit  Eisenoxydhydrat  durchdrunge- 
nen festeren  Partien  sind  meistens  dunkelbraun,  die  eisenärmeren  loseren 
Partien  gelbbraun  oder  gelb.  Zuweilen  wird  der  Sandstein  sehr  grob- 
körnig und  geht  in  ein  wahres  Conglomerat  über,  indem  die  meisten  Quarz- 
körner erbsengross  oder  selbst  haselnussgross  werden.  Die  Bänke  des 
Sandsteins  sind  oft  mehrere  Fuss  dick,  wie  z.  B.  in  den  Steinbrüchen  bei 
Bodzanowitz.  Die  Schichten-Absonderung  der  Bänke  ist  aber  niemals 
so  regelmässig  wie  bei  ächten  Sandsteinen,  bei  welchen  Quarzkörner  und 

26 


202 


Jura-Formation. 


Bindemittel  sich  gleichzeitig  niedergeschlagen  haben,  sondern  sie  zeigen 
auch  hierin  ihre  concretionäre,  durch  späteres  Eindringen  des  Eisenoxyd- 
hydrats bewirkte  Bildung. 

Bemerkenswerth  sind  Einlagerungen  von  Thoneisenstein.  Dieselben 
werden  an  mehreren  Punkten  als  Eisenerze  gewonnen  und  sind  in  der 
Gegend  als  „milde  Eisenerze^^  bekannt.  Namentlich  bei  Oblonken  oder 
Warlow  südlich  von  Bodzanowitz  werden  sie  in  mehreren  Gruben 
bergmännisch  gewonnen.  Es  sind  dünn  geschichtete  braune  Thoneisen- 
steine, welche  durch  eingestreuete  feine  Schüppchen  von  silberweissern 
Glimmer,  die  namentlich  auf  den  Schichtflächen  schimmernd  hervortreten, 
ausgezeichnet  sind. 

3.  Lageruiigsverliältnisso. 

Die  ganze  Schichtenfolge  ist  überall  tlach  gelagert.  Freilich  ist  die 
Lage  der  Schichten  selten  deutlich  zu  beobachten.  Nur  wo  Sandsteine  auf- 
treten  ist  sie  etwas  deutlicher  zu  erkennen. 

Die  Unterlage  der  Schichtenfolge  wird  durch  die  obersten  Glieder  des 
Keupers  gebildet.  Bei  Colonie  Hellewald  nordwestlich  von  Lands- 
berg ruht  sie  auf  Hellewalder  Estherien-Schichten.  Bei  Goslau  dagegen 
bilden  anscheinend  die  Wilmsdorfer  Schichten  ihre  unmittelbare  Unterlage. 
Nach  oben  wird  die  Schichtenfolge  von  den  thonigen  Schichten  mit  Ammo- 
nites  Parkinsoni  gleichförmig  überlagert.  Das  ist  namentlich  bei  Bodza- 
nowitz nachweisbar. 

4.  Ve  rb  re  i tu  ng. 

9 

Die  Hauptverbreitung  hat  die  Bildung,  wie  schon  bemerkt  wurde,  in 
dem  zwischen  Landsberg,  Pirschen  und  Kreutzburg  sich  ausdehnen- 
den Gebiete.  Aber  auch  südöstlich  von  Lands berg  ist  sie  in  der  Nähe 
von  Bodzanowitz  in  grösseren  und  kleineren  Partien  zu  beiden  Seiten 
der  Lisswartha  verbreitet  und  einzelne  Ausläufer  sind  noch  viel  weiter 
südlich  nachgewiesen. 

Eine  nähere  Betrachtung  der  Verbreitung  der  ganzen  Bildung  ergiebt 
Folgendes:  Der  nördlichste  überhaupt  bekannte  Punkt  ist  eine  kleine 
Partie  bei  dem  U|4Meile  N.  N.  W.  von  Landsberg  gelegenen  Dorfe  Uschütz, 
in  welcher  sich  bei  der  Ziegelei  ein  deutlicher  Aufschluss  befindet.  Oestiich 
davon  liegt  ganz  isolirt  eine  kleine  Partie  im  Süden  von  Ober-Seichwitz 
und  von  dieser  wieder  durch  einen  geringen  Zwischenraum  getrennt  eine 
grössere  bis  zum  Vorwerk  Przitozne  reichende  Partie,  bei  welcher  man 
die  Schichten  mit  Estheria  minuta  die  Unterlage  bilden  sieht.  Südwestlich 


Jura-Formation. 


203 


von  ü s c h ü t z folgen  mehrere  kleine  Kuppen  bei  Nassadel,  auf  deren 
einer  eine  Windmühle  steht.  Die  Sandsteine  sind  hier  anstehend.  Nicht 
weit  entfernt  sind  zwei  grössere  Partien  südlich  von  Goslau.  Die  Bildung 
ist  hier  in  unmittelbarer  Auflagerung  auf  die  bunten  Thone  mit  pflanzen- 
führenden Sphaerosideriten  und  Sandsteinen  zu  beobachten.  Die  grösste 
Partie  ist  eine  flache  Erhebung  zwischen  den  Ortschaften  Matzdorf, 
Jedly,  Ousenau,  Hellewald,  Gohle,  Sophienberg  und  ßudzow. 
An  zahlreichen  Punkten  werden  in  den  diese  Erhebung  bedeckenden  Wal- 
dungen, die  eigentliümlichen  Eisensteine,  die  typisch  bei  Warlow  unweit 
Bodzanowitz  entwickelt  sind,  gewonnen  und  untermischt  mit  Stücken 
des  braunen  Sandsteins  liegen  Stücke  dieser  als  milde  Erze  bezeichneten 
Eisensteine  in  grosser  Häufigkeit  an  der  Oberfläche  umher.  Die  braunen 
Sandsteine  finden  sich  anstehend  besonders  westlich  von  Budzow.  In 
mehreren  Steinbrüchen  sind  sie  hier,  in  3 — 4 Fuss  dicke  Bänke  abgeson- 
dert, in  einer  Mächtigkeit  von  12 — 15  Fuss  aufgeschlossen.  Auch  in  einer 
Partie  bei  Colonie  Wesend orf  sind  die  Sandsteine  aufgeschlossen  und 
zwischen  den  Bänken  derselben  finden  sich  hier  1 — 2 Fuss  mächtige  Lagen 
von  feuerfestem  weissen  Thon.-  Eine  weitere  Partie  bei  der  Colonie  Du- 
pine  wird  von  der  von  Landsberg  nach  Kreutzburg  führenden  Land- 
strasse durchschnitten.  Als  eine  ausgezeichnete  kleine  Kuppe  erscheint  die 
Bildung  in  dem  Paulsdorfer  Berge  bei  Pauls d orf.  Auch  auf  dem  rech- 
ten östlichen  Ufer  der  Prosna  in  Polen  ist  die  Bildung  in  der  Nähe  von 
Lands b erg  entwickelt  und  setzt  namentlich  eine  grössere  Partie  an  den 
Thalgehängen  nordöstlich  von  Landsberg  zusammen.  An  der  von 
Landsberg  nach  Rosenberg  führenden  Strasse  trifft  man  hierher  ge- 
hörige sandige  Ablagerungen  in  einer  Partie  bei  Ober -Skronskau, 
welche  namentlich  auch  durch  einen  Steinbruch  aufgeschlossen  ist.  Die 
durch  mehrere  Steinbrüche  aufgeschlossenen  Sandsteine  der  östlich  von 
dieser  letzteren  am  Nordrande  des  Dorfes  Kostczelitz  gelegenen  Partie 
haben  einzelne  Versteinerungen  geliefert.  Weiter  südlich  folgte  eine  kleine 
Partie  bei  dem  Dorfe  Wollentschin  und  eine  ähnliche  bei  Alt-Kar- 
m unk  au.  Ansehnlicher  sind  die  Partien  in  den  Umgebungen  von  Bodza- 
nowitz. Die  hierher  gehörenden  Ablagerungen  stehen  in  dem  Dorfe  selbst 
an  und  sind  namentlich  auch  am  Wege  nach  Wichrow  aufgeschlossen. 
In  ausgedehnterer  Verbreitung  stehen  sie  südlich  von  dem  Dorfe  am  Wege 
nach  Kutzoben  an.  Mehrere  Steinbrüche  schliessen  hier  den  in  mächtigen 
Bänken  abgelagerten  eisenschüssigen  braunen  Sandstein  auf,  in  welchem 
hier  verschiedene  undeutliche  Zweischaler  aufgefünden  wurden.  Auf 
dem  rechten  oder  östlichen  Thalgehänge  der  Lisswartha  verbreitet  sich 

26* 


204 


Jura-Formation. 


die  Bildung  Bodzanowitz  gegenüber  in  einer  bedeutenden  Erstreckung. 
Endlich  sind  noch  einige  viel  weiter  südlich  gelegene  isolirte  kleine 
Partien,  nämlich  eine  bei  Pono schau  und  zwei  andere  bei  Glumben 
aufzuführen.  Die  eine  der  letzteren  ist  namentlich  durch  einen  Sandstein- 
bruch aufgeschlossen.  Zuletzt  ist  hier  auch  eine  Partie  von  weissem  feuer- 
festen Thon  bei  Zborowsky  aufzuführen,  welche  durch  eine  mitten  im 
Walde  gelegene  grosse  Thongrube  aufgeschlossen  ist.  Die  Aehnlichkeit 
des  Thones  mit  demjenigen,  welcher  an  mehreren  Punkten  der  Gegend 
von  Lands berg  in  den  braunen  Sandstein  eingelagert  vorkommt,  be- 
stimmte ihn  hierher  zu  rechnen.  Die  Lagerungsverhältnisse  desselben  sind 
freilich  bei  Zborowsky  durchaus  unklar  und  in  so  bedeutender  Mächtig- 
keit wie  hier  ist  der  feuerfeste  Thon  auch  sonst  nirgends  in  der  sandigen 
Bildung  gekannt. 


5.  Organische  Einschlüsse,  ■ * 

Im  Ganzen  sind  dieselben  von  grosser  Seltenheit.  Sie  beschränken 
sich  bisher  auf  einige  undeutlich  erhaltene,  an  wenigen  Orten  beobachtete 
Steinkerne  von  Zweischalern  in  den  Sandsteinen  und  einige  wenige  in  den 
Thoneisensteinen  von  Warlow  vorkommende  Pflanzenreste.  Die  Zwei- 
schaler haben  sich  in  den  Steinbrüchen  südlich  von  Bodzanowitz,  in 
denjenigen  von  Kostczelitz  und  von  Nova  wies  westlich  von  Zarki 
gefunden,  üeberall  ist  die  Erhaltung  derselben  so  unvollkommen,  dass 
nicht  die  generische  und  noch  weniger  die  specifische  Bestimmung  mit 
Sicherheit  erfolgen  kann.  Die  zollgrossen  Steinkerne  eines  Zweischalers 
von  Kostczelitz  erinnern  durch  die  allgemeine  Form  an  Tancredia  ohlita 
Lycett.  Ein  anderer  viel  kleinerer  Zweischaler  von  rundlichem  Umriss 
und  mit  concentrischen  Rippen  an  Astarte  indla  A.  Roerner. 

Die  Pflanzenreste  bestehen  in  einem  kleinen,  in  dem  allgemeinen  Habi- 
tus an  Laccopteris  Göpperti  Schenk  erinnernden,  aber  nicht  sicher  bestimm- 
baren Farrnkraute  und  einem  Fragmente  eines  Calamiten  oder  Equisetiten, 
welche  im  Jahre  1865  auf  den  Halden  der  Eisensteinförderungen  von 
Oblonken  oder  Warlow  von  mir  gefunden  wurden. 

6.  Altersbestimmung. 

Da  die  Bildung  den  obersten  Gliedern  des  Keupers  aufruht  und  von 
Schichten  mit  Ammonites  Parkinsoni  bedeckt  wird,  so  kann  sie  nur  einer 
noch  älteren  Abtheilung  der  Jura-Formation  angehören.  Da  nun  der  Lias, 
weil  im  ganzen  östlichen  Europa  fehlend,  auch  hier  nicht  erwartet  werden 
kann,  so  bleibt  nur  das  Niveau  des  Ammonites  Murchisonae,  welches  wesent- 


Jura-Formation. 


205 


lieh  mit  demjenigen  des  Inoceramm  polyplocus  zusammenfällt,  in  welches 
die  Schichtenfolge  gehören  kann.  In  der  That  ist  auch  das  petrographische 
Ansehen  der  Sandsteine  demjenigen  der  vorher  beschriebenen  versteine- 
rungsreichen Geschiebe  von  Helenenthal  so  ähnlich,  dass  daraus  auf  eine 
Gleichheit  des  geognostischen  Alters  zu  schliessen  nahe  liegt.  Nur  der 
Umstand,  dass  die  Zweischaler  des  Kostczelitzer  Sandsteins  mit  Arten  der 
Helenenthaler  Geschiebe  nicht  zu  vereinigen  sind,  bestimmte  hier  beide 
Bildungen  vorläufig  nicht  geradezu  zu  verbinden.  Sonst  könnte  man  auch 
daran  denken  in  dem  Kostczelitzer  Sandsteine  ein  Aequivalent  der  in 
Oberschlesien  und  Polen  bis  jetzt  noch  nicht  nachgewiesenen  Schichten  mit 
Ävicula  contorta  zu  suchen,  aber  in  den  bisher  aus  der  Bildung  bekannt 
gewordenen  Versteinerungen  ist  freilich  eine  bestimmte  Stütze  für  diese  An- 
nahme nicht  zu  entnehmen.  Uebrigens  ist  noch  besonders  hervorzuheben, 
dass  nirgendwo  sonst  in  Deutschland  eine  ähnliche,  ihrer  Hauptmasse  nach 
so  lockere  Bildung  unter  gleichen  Lagerungsverhältnissen  bekannt  ist. 

cc.  Grauer  Sandmergel  und  lockere  Schiefer  von  Lysiec  und  Siedlec. 

In  einem  nördlich  von  Woischnik  und  Kozieglowy  liegenden  Ge- 
biete, welches  von  Rekszowice  über  Lysiec  und  Siedlec  bis  Gezyn 
und  Osada  Dzierszno  unweit  Zarki  sich  erstreckt,  ist  eine  Schichten- 
folge von  grauen  Sandmergeln  und  losen  grauen  Sandsteinschiefern  in 
ausgedehnter  Verbreitung  entwickelt.  Auch  sandig  mergelige  Schichten 
am  Carlsberge  bei  Helenenthal  unweit  Woischnik  gehören  wahr- 
scheinlich hierher.  Diese  Ablagerungen  sind  im  Ganzen  von  so  lockerer 
Beschaffenheit,  dass  man  sie  auf  den  ersten  Blick  für  Diluvial-Bildungen 
zu  halten  geneigt  sein  könnte.  Doch  steht  die  deutliche  und  regelmässige 
Schichtung  dieser  Deutung  bestimmt  entgegen.  Man  kann  die  Schich- 
tung namentlich  an  den  Abhängen  kleiner  10  bis  30  Fuss  hoher  Hügel 
beobachten,  welche  scharf  begrenzt  auf  der  im  Ganzen  ebenen  Fläche  sich 
erheben  und  wie  deren  namentlich  bei  Hutki  und  Lysiec  vorhanden  sind. 
Auch  die  enge  Verbindung,  in  welcher  die  Schichtenfolge  mit  eisenschüssi- 
gen Sandsteinen  steht,  spricht  dagegen.  Bei  Osada  Dzierszno  am  Wege 
von  Zarki  nach  Kozieglowy  sieht  man  eine  solche  eisenschüssige  Sand- 
steinbildung der  Schichtenfolge  aufgelagert. 

Die  Unterlage  der  Schichtenfolge  wird  überall,  wo  sie  überhaupt  zu 
beobachten  ist,  durch  Keuper -Thone  gebildet.  So  namentlich  bei  den 
Wylongi  genannten  Häusern  nordwestlich  von  Kozieglowy.  Ebenso 
bei  Badory,  wo  Keuper-Breccie  ansteht,  und  die  daneben  befindlichen 
Höhen  durch  die  grauen  Sandmergel  gebildet  werden. 


206 


Jnra-Formation. 


Wenn  nun  auch  bei  dieser  Lagerung  feststeht,  dass  die  ganze  Schichten- 
folge jünger  ist,  als  der  Keuper-Thon  und  älter,  als  das  Diluvium,  so  ist 
im  Uebrigen  die  Altersbestimmung  bei  dem  Mangel  aller  organischen  Ein- 
schlüsse sehr  unsicher.  Man  könnte  namentlich  zweifelhaft  sein,  ob  die- 
selbe als  ein  oberstes  Glied  noch  zum  Keuper  gehört  oder  schon  zu  den 
Jura-Bildungen  zuzurechnen  ist.  Das  petrographische  Verhalten  mancher 
Schichten,  welches  demjenigen  der  Hellewalder  Estherien- Schichten  ähn- 
lich ist  und  die  Versteinerungslosigkeit  sprechen  für  die  Zugehörigkeit  zum 
Keuper.  Die  enge  Verbindung  mit  den  eisenschüssigen  Sandsteinen  scheint 
dagegen  noch  bestimmter  die  Zurechnung  zu  der  Jura-Formation  zu  for- 
dern. Eine  genauere  Bestimmung  des  geognostischen  Niveau’s  ist  freilich 
bei  dem  gänzlichen  Mangel  organischer  Einschlüsse  unthunlich. 

dd.  Schichtenfolge  des  feuerfesten  Thons  von  Mirow. 

Seit  längerer  Zeit  wird  in  den  Zinkhütten  Oberschlesiens  zur  Herstellung 
der  Muffeln  ein  feuerfester  Thon  verwendet,  welcher  aus  dem  Krakau- 
schen  kommt  und  gewöhnlich  als  Thon  von  Mirow,  dem  bekanntesten 
Gewinnungsorte,  bezeichnet  wird.  Durch  die  Schächte,  welche  man  für 
den  Abbau  der  Thone  abteuft,  sind  die  Schichten,  in  welchen  der  Thon 
vorkommt,  näher  bekannt  geworden.  Es  ist  eine  aus  einem  Wechsel  von 
weissen  Sanden,  Sandsteinen  und  Lagen  von  weissem  feuerfestem  Thon 
bestehende  Schichtenfolge  von  schwankender,  aber  100  Fuss  nicht  über- 
steigender Mächtigkeit. 

Die  Verbreitung  dieser  Schichten  erstreckt  sich  über  ein  Gebiet 
zwischen  den  Ortschaften  Regulice,  Alwernia,  Poremba,  Mirow 
und  Kamien.  Ausser  bei  Mirow  findet  namentlich  auch  in  der  Umgebung 
von  Alwernia  in  jüngster  Zeit  eine  Gewinnung  des  feuerfesten  Thones 
Statt.  Man  baut  an  den  verschiedenen  Orten  auf  zwei  oder  drei  Lagen 
des  Thons,  deren  Mächtigkeit  zwischen  20  Zoll  und  1 Lachter  schwankt. 
Ausser  dem  bezeichneten  Hauptgebiete  ist  dieselbe  Schichtenfolge  auch  bei 
Rudno  am  südwestlichen  Fusse  des  Tenczineker  Schlossberges  und 
bei  Czatkowice  unweit  Krzeszowice  bekannt.  Vielleicht  gehören 
auch  die  schon  früher  erwähnten  Thone  bei  Zborowski  nördlich  von 
Lublinitz,  so  wie  die  zwischen  losen  Sanden  und  eisenschüssigen  brau- 
nen Sandsteinen  liegenden  Thone  der  Thongruben  bei  den  Colonien  Don- 
nersmark und  Bud denbrock  zwischen  Landsberg  und  Kreuzburg 
in  dasselbe  geognostische  Niveau. 

Die  Lagerungsverhältnisse  betreffend,  so  ruht  die  Schichtenfolge 
bei  durchgängig  sehr  geringer  Neigung  und  oft  fast  wagerechter  Lage  in 


Jura-Formation. 


207 


dem  Haiiptgebiete  ihrer  Verbreitung  auf  Muschelkalk  auf  und  wird  von 
jüngeren  mitteljurassischen  Schichten  (Schichten  der  Ammonites  macro- 
cephalus)  bedeckt.  In  den  Thongruben  bei  Poremba  bildet  theils 
Wellenkalk  theils  unterster  Schaumkalk  die  Unterlage.  Bei  Rudno 
dagegen  wieder  Wellenkalk.  Bei  Mirow  hat  man  in  einem  alten  Stollen 
die  Schichtenfolge  auf  Porphyr  und  Porphyrtuffen  aufruhend  beobachtet. 
Die  Auflagerung  auf  den  Muschelkalk  ist  eine  ungleichförmige,  wie  schon 
durch  den  Umstand  angedeutet  wird,  dass  die  Schichtenfolge  nach  den 
vorstehenden  Angaben  verschiedenen  Stockwerken  des  Muschelkalks  auf- 
ruht. Dagegen  ist  die  Ueberlagerung  durch  die  jüngeren  mittel-jurassischen 
Schichten  anscheinend  eine  ganz  gleichförmige. 

Organische  Einschlüsse  sind  aus  der  ganzen  Schichtenfolge  mit 
Ausnahme  einiger  weniger  Pflanzenreste  nicht  bekannt.  Diese  wurden  im 
Jahre  1863  in  den  Thonförderungen  von  Orojec  bei  Alwernia  beobach- 
tet^). Sie  liegen  mit  einem  dünnen  gelbbraunen  Ueberzuge  von  Eisenoxyd- 
hydrat bedeckt  auf  den  Schieferungsflächen  des  weissen  Thones  selbst. 

Es  ist  ein  Farrenkraut  und  ein 
Calamit.  Das  Farrenkraut,  von 
welchem  die  nebenstehenden  Fi- 
guren ein  Stück  des  Wedels  und 
ein  vergrössertes  Blättchen  dar- 
stellen, wurde  durch  Schenk, 
dem  ich  Exemplare  mittheilte, 
als  Asplenites  Rösserti  Schenk'“^) 
(Alethopteris  Rösserti  Presl)  be- 
stimmt: der  Calamit,  obgleich 
nur  ganz  undeutlich  erhalten, 
erinnert  an  Calam.  Lehmannia- 
nus  Göpp. 


1)  Ich  verdanke  dieselben  der  gefälligen  Mittheilung  des  Herrn  G.  Mauve,  der  in  den  Jahren 
1862 — 1866  durch  schlesische  Industrielle  mit  der  Leitung  von  Versuchsarbeiten  zur  Auffindung 
neuer  Lager  von  feuerfestem  Thon  in  der  Gegend  von  Alwernia  beauftragt  war.  Die  Pflanzen- 
reste wurden  bei  der  Abteufung  eines  Schachtes  der  Tiele-Winkler’schen  Thonförderung  bei  Grojec 
unweit  Alwernia  g^efunden.  Mit  dem  fraglichen  Schachte  wurden  zuerst  Bänke  von  weissem  Jura 
mit  Ammonites  hiplex  in  einer  Mächtigkeit  von  70  Fuss,  dann  Kalkmergel  des  braunen  Jura  mit  Ammo- 
nites macro cephalus  in  einer  Mächtigkeit  von  18  Fuss,  dann  Sandschichten  mit  kalkigen  Zwischen- 
lagen, die  wahrscheinlich  auch  noch  zum  braunen  Jura  gehören,  in  einer  Mächtigkeit  von  12  Fuss, 
und  endlich  weisser  Sand  mit  einer  80  bis  100  Zoll  mächtigen  Lage  von  weissem  feuerfestem  Thon 
diirehteuft. 

2)  Vergl.  Foss.  Flora  der  Grenzschichten  p.  49,  Taf.  VII.  Fig.  6,  7,  Taf.  X.  Fig.  1 — 4. 


208 


Jura-Formation. 


Die  Altersbestimmung  der  Schichtenfolge  mit  feuerfestem  Thone  ist 
unsicher  und  in  verschiedener  Weise  versucht  worden.  Im  Jahre  1865 
habe  ich  die  Zugehörigkeit  derselben  zur  obersten  Abtheilung  des  Keupers 
für  wahrscheinlich  erklärt^).  L.  Hohen egger^)  betrachtete  sie  als  den 
Macrocephalus- Schichten  des  braunen  Jura  untergeordnet.  L.  Zeusch- 
11  er  endlich  hat  neuerlichst  die  Zugehörigkeit  zu  den  bunten^)  Keuper- 
Thonen  wahrscheinlich  zu  machen  gesucht.  Zunächst  ist  jedenfalls  sicher, 
dass  die  Schichtenfolge  jünger,  als  der  Muschelkalk  und  älter  als  die  mittel- 
jurassischen Schichten  mit  Ammonites  macrocephalus  ist,  denn  den  ersteren 
ruhen  sie  auf  und  von  den  letzteren  werden  sie  gleichförmig  bedeckt.  Sie 
kann  deshalb  nur  zum  Keuper  oder,  da  Lias  in  der  ganzen  ostdeutsch- 
polnischen Entwickelung  des  Flötzgebirges  fehlt,  zu  einer  unteren,  den 
Macrocephalus-Schichten  im  Alter  vorangehenden  Abtheilung  des  mittleren 
oder  braunen  Jura  gehören.  Für  Keuper  scheinen  die  beobachteten 
Pflanzenreste  zu  sprechen.  Namentlich  ist  Asplenites  Bösserti  ein  in  den 
Grenzschichten  zwischen  Keuper  und  Lias  weit  verbreitetes  und  nament- 
lich auch  in  den  Rhätischen  Schichten  der  Kreuzburger  Gegend  (Wilms- 
dorfer  Schichten)  vorkommendes  Farrnkraut,  welches  allerdings  von 
gewissen  Arten  des  mittleren  Jura  und  besonders  A,  Whithyensis  schwer 
specifisch  zu  unterscheiden  ist.  Dagegen  steht  der  Umstand,  dass  nach 
den  Beobachtungen  von  0.  Degenhardt  die  Schichtenfolge  dem  Muschel- 
kalke ungleichförmig  aufruht,  der  Vereinigung  mit  dem  Keuper  ent- 
gegen. Da  nun  bei  den  Colonien  Donnersmark  und  Buddenbrok 
ganz  ähnliche  feuerfeste  Thone  der  Bildung  von  losen  Sanden  und  eisen- 
schüssigen braunen  Sandsteinen  (Kostczelitzer  Sandstein)  untergeordnet 
sind,  so  wurde  derselben  mitteljurassischen  Ablagerung  vorläufig  auch  die 
Schichtenfolge  von  Mirow  angereiht.  Die  Unsicherheit  dieser  Alters- 
bestimmung wird  jedoch  hier  ausdrücklich  anerkannt. 

b.  Schichten  des  Ammonites  Parkinsoni^). 
aa.  Petrographische  Zusammensetzung. 

Die  ganze  vielleicht  100  Fuss  mächtige  Schichtenneihe  besteht  wesent- 
lich aus  dunkelen  Thonen  mit  Einlagerungen  von  thonigern  Sphaerosiderit 
und  losen  Sanden  mit  sandigen  Brauneisensteinen.  Die  Thone  sind  theils 


1)  Vergl.  43ster  Jahresbericht  der  Schles.  Ges.  Breslau  1866,  S.  34. 

2)  Vergl.  Erläuterungen  zu  der  geognost.  Karte  des  ehemal.  Gebietes  von  Krakau  S.  19. 

3)  Vergl.  Neues  Jahrbuch  1869  S.  731,  732. 

4)  Auf  der  Karte  mit  j f.  bezeichnet. 


Jura-Formation. 


209 


fett  und  zähe,  theils  sandig  und  mager.  In  den  sandigen  Thonen  ent- 
wickeln sich  zuweilen  Lagen  von  thonigem  Sandstein.  Namentlich  kom- 
men in  der  untersten  Abtheilung  der  ganzen  Bildung  solche  Sandsteine  vor. 
Die  thonigen  Sphaerosiderite  bilden  entweder  einzelne  aneinander  gereihte 
Knollen  oder  dünne  Bänke.  Statt  der  Sphaerosiderite  kommen  zuweilen 
auch  erdige  oder  dichte  Brauneisensteine  vor. 

bb.  Lagerungsverhältnisse. 

Die  Schichtenfolge  ruht  bei  ganz  flacher  Lagerung  dem  Kostczelitzer 
Sandstein  oder  wo  dieser  fehlt  dem  Keuper  unmittelbar  auf  und  wird  von 
den  zunächst  jüngeren  Schichten  der  Jura-Formation  (Schichten  mit  Ammo- 
nites  macroceplialus)  gleichförmig  bedeckt.  Bei  Bodzanowitz  bildet 
anscheinend  der  Kostczelitzer  Sandstein  die  unmittelbare  Unterlage.  Bei 
Blanowice  unweit  Kromolow  dagegen  sind  die  Keuper -Letten  mit 
Kohlenflötzen  augenscheinlich  das  Liegende  der  hier  durch  Eisenstein- 
förderungen aufgeschlossenen  Schichtenlblge. 

cc.  Verbreitung. 

Die  Schichten  mit  Ammonites  Parkinsoni  bilden  eine  gegen  Nordwesten 
sich  allmählich  verbreiternde  Zone,  welche  sich  aus  der  Gegend  von  Kro- 
molow bis  über  Landsberg  und  Wielun  hinaus  verfolgen  lässt.  Frei- 
lich tritt  diese  Zone  nicht  überall  zu  Tage,  sondern  ist  nur  an  vereinzelten 
Punkten  unter  der  Diluvial-Bedeckung  nachweisbar.  Die  Eisensteinförde- 
rungen, auf  welchen  die  der  Bildung  eigenthümlichen  Sphaerosiderite  an 
zahlreichen  Orten  gewonnen  werden,  sind  die  gewöhnlichen  Aufschluss- 
punkte der  Schichten. 

dd.  Gliederung. 

Unter  der  Benennung  „Schichten  des  Ammonites  Parkinsoni'^''  wird  hier 
die  ganze  Schichtenreihe  verstanden,  in  welcher  der  Ammonites  Parkinsoni 
vorkommt.  Es  werden  sämmliche  Ablagerungen  dahin  gerechnet,  welche 
zwischen  das  geognostische  Niveau  des  Ammonites  Murehisonae  und  das- 
jenige des  Ammonites  macroceplialus  fallen.  Die  Benennung  ist  also  nicht 
gleichbedeutend  mit  „Zone  des  Ammonites  Parkinsoni^^  wie  sie  Oppel  und 
andere  Autoren  verstehen,  sondern  hat  einen  weiteren  Sinn. 

Nach  dem  äusseren  Verhalten  unterscheidet  man  leicht  zwei  Unter- 
abtheilungen der  ganzen  Schichtenreihe,  nämlich  eine  untere,  aus  zähen 
grauen  Thonen  mit  Lagen  von  thonigem  Sphärosiderit  zusammengesetzte 
und  palaeontologisch  vorzugsweise  durch  die  grosse  typische  Form  des 

27 


210 


Jiii‘a-Foraiation. 


Ammonites  Parhinsoni  bezeichnete  und  eine  obere  aus  dunkelen  sandigen 
Thonen,  losem  Sand,  eisenschüssigen  Sandsteinen  und  sandigen  Braun- 
eisensteinen bestehende,  palaeontologisch  besonders  durch  die  kleinere 
Form  des  Ammonites  Parhinsoni  bezeichnete*). 

Diese  beiden  Abtheilungen  sollen  in  dem  Nachstehenden  gesondert 
näher  betrachtet  werden. 

V-  Untere  Abtheilung  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  Parhinsoni. 

a.  Verbreitung. 

Der  nördlichste  Punkt,  an  welchem  diese  aus  zähen  grauen  Thonen 
mit  Einlagerungen  von  thonigen  Sphaerosideriten  bestehende  Bildung  nach- 
gewiesen wurde,  ist  D§browa  nordwestlich  von  Wielun.  Sie  ist  hier 
bei  dem  Graben  eines  Brunnens  im  Gutshofe  angetroffen  worden.  Der 
nächste  Aufschlusspunkt  ist  bei  Krzjworzeka  südwestlich  von  Wielun. 
Auf  den  östlich  von  dem  Dorfe  gelegenen  Anhöhen  ist  sowohl  die  untere, 
wie  die  obere  Abtheilung  der  Schichtenreihe  vorhanden.  Es  stehen  hier 
plattenförmige  graue  Sandsteine  an.  Früher  fand  hier  ein  Eisenstein- 
Bergbau  statt.  Weiter  südlich  folgen  die  Eisenstein -Förderungen  von 
Kowale  und  Strojec  bei  Praszka  unweit  Landsberg.  Es  wird  hier 
die  untere  sandfreie  Lage  von  Sphaerosideriten  („Feinstein^^  bei  Bodza- 
nowitz  genannt)  gebaut.  Südöstlich  von  Kowale  sind  auf  polnischer 
Seite  wegen  der  starken  Diluvial -Bedeckung  dieselben  Schichten  nicht 
weiter  entblöst.  Doch  erwähnt  Pusch,  dass  sie  früher  mit  Versuchs- 
schächten bei  Rudniki,  Zytniow  und  Jaworzno  zwischen  Praszka 
und  Krzepice  angetroffen  wurden.  Auf  preussischen  Gebiete  folgen 
dann  die  Eisenstein -Förderungen  von  Bodzanowitz,  Wichrow  und 
Sternalitz,  1* '.2  Meilen  südöstlich  von  Landsberg.  Das  sind  die  be- 
kanntesten Aufschlüsse  der  ganzen  Bildung.  Die  hier  gegrabenen  Eisen- 

1)  Wahrscheinlich  wird  bei  einem  nach  eingehenderem  Studium  der  ganzen  Schichtenreihe  sich 
eine  speciellere  Gliederung  ergeben.  In  der  That  nimmt  Zeuse h ne r (Zeitschr.  der  Deutsch,  geol. 
Ges.  Bd.  XXL,  1869,  S.  779)  drei  Glieder  an,  nämlich : 1.  Etage  des  Ammonites  aspidoides 
mit  Belemnites  hastatus,  Nucula  variabilis  und  Ammonites  Parhinsoni  (selten).  Bei  Blanowice  und 
Rudniki.  2.  Etage  des  Ammonites  Parhinsoni.  Grauer  Thon  mit  Sphaerosideriten,  durch 
die  Häufigkeit  von  A.  Parhinsoni  vorzugsweise  bezeichnet,  sonst  auch  Ammonites  Garantianus  d’Orb., 
A.  linguiferus  d’Orb.,  A.  oolithicus  d’Orb.,  A.  subradiatus  Sow.,  Nautilus  lineatus  Sow.,  Belem- 
nites hastatus  Blainv.,  Pleuromya  tenuistria  Agass.,  Goniomya  literata  Sow.,  Thracia  Eimensis 
Brauns.,  Nucula  variabilis  Sow.,  N.  Münsteri  Goldf.,  Inoceramus  fuscus  Q,\ien  st.  und  Estheria 
BwcÄw  enthaltend.  Von  Kamienica  Polska  bis  Praszka  nachweisbar.  3.  Etag e des  J5e/em- 
nites  hastatus,  canaliculatus , b essinus , Beyrichii.  Grauer  Thon  mit  Sphaerosideriten, 
palaeontologisch  besonders  durch  die  beiden  zuerst  genannten  Belemniten  bezeichnet.  Ammonites 
Parhinsoni  ist  selten.  Nur  an  wenigen  Punkten  ist  diese  Etage  bisher  nachgewiesen.  Zu  diesen 
gehören  namentlich  Zarki,  Czenstochau  und  Hutka  bei  Panki. 


Jura-Formation. 


211 


steine  wurden  seit  Jahren  in  Malapane  verhüttet  und  dadurch  auch  die 
Versteinerungen  allgemeiner  bekannt,  welche  die  Eisensteine  in  grosser 
Häufigkeit  einschliessen  und  besonders  nach  der  Röstung  deutlich  erken- 
nen lassen.  Es  werden  an  den  genannten  Orten  zwei  Lager  von  Sphae- 
rosideriten  nämlich  eine  obere  sandhaltige  und  mächtigere  (Grobstein) 
und  eine  untere  reinere  und  sandfreie  (Feinstein)  gebaut.  Abgesehen  von 
den  nicht  anstehend  gekannten  eisenschüssigen  braunen  Sandsteinen  von 
Helenenthal  bei  Woischnik  sind  diese  Eisenstein-Förderungen  die  ein- 
zigen Punkte,  wo  unzweifelhaft  jurassische  Ablagerungen  in  dem  preussi- 
schen  Oberschlesien  gekannt  sind. 

Sehr  umfangreiche  Eisenstein-Förderungen  gehen  den  zuletzt  genann- 
ten Orten  gegenüber  auf  der  anderen  Seite  der  Liswarta  bei  Kostrzyn 
und  Przystayn  in  Polen  um  und  liefern  seit  alter  Zeit  das  Material  für 
die  Hohöfen  von  Panki.  Auch  bei  Stara  Kuznica  sind  Eisenstein- 
Förderungen.  Von  hier  an  gegen  Süd-Osten  fehlen  Aufschlüsse  in  diesen 
Schichten  auf  eine  grössere  Erstreckung,  und  erst  bei  Konopiska, 
Meilen  südwestlich  von  Czen  st  och  au  sind  sie  wieder  durch  Eisen- 
stein-Förderungen bekannt.  Wiederum  Fjo  Meilen  südöstlich  von  Kono- 
piska sind  sie  bei  Kamienica  Polska  aufgeschlossen.  Hier  ist  der 
Aufschlusspunkt  eine  südlich  von  dem  Dorfe  versteckt  am  Waldrande 
gelegene  Thongrube,  welche  das  Material  für  eine  kleine  daneben  stehende 
Ziegelei  liefert.  Graue  zähe  Thone  mit  faust-  bis  kopfgrossen  Sphaero- 
siderit-Knollen  stehen  hier,  ganz  denjenigen  von  Bodzanowitz  gleichend, 
unter  einer  wenige  Fuss  mächtigen  Bedeckung  von  losem  Diluvial-Sand 
an.  Bei  einer  in  Begleitung  von  0.  Degenhardt  ausgeführten  Besuche 
der  Lokalität  fanden  wir  hier  in  den  Sphaerosideriten  grosse  Bruchstücke 
Yon  Ammonites  Parhinsoni.  Endlich  scheint  auch  bei  Blano  wice  unweit 
Kromolow  dieselbe  Schichtenfolge  vorhanden.  Wenigstens  sammelte 
ich  hier  auf  den  Halden  der  Eisensteingrubeu  am  westlichen  Fusse  des 
jurassischen  Höhenzuges  Bruchstücke  der  grossen  Form  des  Ammonites 
Parhinsoni  und  des  Belemnites  giganteus. 

b.  Organische  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.  18  und  Taf.  19  0- 

Die  fossile  Fauna  dieser  Schichten  ist  nicht  sehr  umfangreich.  Der 
graue  Thon  selbst  enthält  gewöhnlich  gar  keine  organischen  Einschlüsse. 

1)  Auf  diesen  beiden  Tafeln  sind  alle  Arten,  welche  mir  in  einigermassen  genügender  Erhaltung 
aus  den  Sphaerosideriten  der  Eisenstein-Förderungen  von  Bodzanowitz, Wich  row  und  Stern  a- 
litz  bekannt  geworden  sind,  abgebildet  worden. 


n- 


212 


Jura-Formation. 


Nur  in  den  thonigen  Sphaerosideriten  sind  dergleichen  enthalten.  An  den 
meisten  Aufschlussstellen  kommt  nur  Ammonites  Parkinsoni,  allein  vor. 
Nur  aus  den  Eisensteinförderungen  von  Bodzanowitz,  Wichrow  und 
Sternalitz  ist  eine  grössere  Zahl  von  Arten  bekannt.  Ammonites  Parkin- 
soni,  ■ Belemnites  giganteus  und  Pholadomya  Murchisoni  sind  die  häufigsten 
und  bezeichnendsten  Arten.  Im  Ganzen  sind  mir  folgende  Arten  von  dort 
bekannt  geworden: 

Versteinerungen  der  thonigen  Sphaerosiderite  von  Bodzano- 
witz,  Wichrow  und  Sternalitz  bei  Landsberg. 

1)  Ammonites  Parkinsoni  Sow.  Taf.  18,  Ehg.  1,  2,  3. 

Die  typische  Form  der  Art  mit  deutlicher  glatter  Rinne  auf  der  Mitte 
des  Rückens!  Am  häufigsten  sind  6 bis  8 Zoll  grosse  Exemplare,  die  häufig 
die  Mitte  rundlicher  Knollen  von  Sphaerosideriten  einnehmen.  Bei  solchen 
Exemplaren  ist  der  äussere  Umgang  mit  scharfen  knotenlosen  Rippen  ver- 
sehen. Sie  gleichen  durchaus  Exemplaren  aus  Hannover  und  Braun- 
schweig,  namentlich  solchen  von  Hildesheim  und  Eime.  Die  Rippen 
sind  viel  stärker  nach  vorn  gebogen,  als  bei  der  Form  aus  den  Eisen- 
oolithen  von  Bayeux.  Bei  1 bis  l‘|2  Zoll  grossen  Exemplaren  sind  die 
Umgänge  viel  weniger  von  den  Seiten  zusammengedrückt,  als  bei  den 
grösseren  Exemplaren  und  die  Rippen  endigen  an  der  Rückenfurche  mit 
einem  spitzen  Höcker.  Seltener  finden  sich  fussgrosse  Exemplare.  Bei 
diesen  ist  der  letzte  Umgang  bis  auf  undeutliche  Rippen  in  der  Nähe  des 
Rückens  glatt,  ganz  so  wie  es  Quenstedt  (Cephalop.  143,  tab.  11,  Fig.  1) 
als  Merkmal  seines  A.  Parkinsoni gigas  angiebt.  Zuweilen  kommen  Exem- 
plare der  mittelgrossen  Form  vor,  denen  die  mittlere  Rückenfurche  fehlt 
und  die  scharfen  Rippen  sich  auf  der  Mitte  des  Rückens  in  nach  vorn 
gewendeten  Bogen  von  beiden  Seiten  vereinigen.  D.  Brauns  (der  mitt- 
lere Jura  S.  139)  beschreibt  die  gleiche  Form  von  Horn  in  Westphalen. 

Vorkommen:  Wie  schon  bemerkt  gehört  die  Art  zu  den  häufigsten 
der  Fauna.  Auch  bei  Kostrzyn  unweit  Krzepice,  bei  Kowale,  bei 
Konopisko  und  bei  Kamienica  Polska  wurde  die  ganz  gleiche  Form 
der  Art  von  uns  beobachtet. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 ist  die  Ansicht  eines  jungen 
Exemplars  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite.  Fig.  2 diejenige  eines 
Stückes  des  Umganges  eines  mittelgrossen  Exemplares  gegen  den  Rücken 
gesehen.  Fig.  3 ebendasselbe  von  der  Seite. ' 


Jura-Formation. 


213 


2)  Ammonites  Eudesianus  d’Orbigny.  Pal.  Franc.  Terr.  Jurass. 
Cephalop.  p.  386,  PL  128.  . (Am.  lineatus fuscus  Quenstedt  Jura 
p.  395.)  Nach  d’Orbigny  kommt  dieser  zur  G-ruppe  Ammonites 
fimbriatus  gehörende  Ammonit  im  Ünter-Oolith  von  M o u t i e r s , nach 
Quenstedt  im  braunen  Jura  8.  in  Schw^aben  vor. 

Vorkommen:  Selten  und  nur  in  schlecht  erhaltenen  Bruchstücken, 
welche  auf  Exemplaren  von  mehr  als  1 Fuss  im  Durchmesser  »chliessen 
lassen.  Ein  solches  Bruchstück  fand  ich  selbst  bei  Bodzanowitz.  Meh- 
rere dergleichen  befinden  sich  in  dem  Berliner  Museum. 

3)  Belemnites  giganteus  Schloth;  Taf.  18,  Fig.  4. 

Die  Steinkerne  der  grossen  zum.Theil  mehr  als  drei  Zoll  langen  Alveo- 
len sind  häutig.  Die  Scheide  selbst  ist  niemals  erhalten,  sondern  hat  nur 
einen  entsprechenden  Hohlraum  in  dem  Gesteine  zurückgelassen.  Bei  die- 
ser unvollständigen  Erhaltung  ist  die  Art  trotz  ihrer  Häuligkeit  bei  Bod- 
zanowitz von  früheren  Autoren  übersehen  worden.  Auf  den  Halden  der 
Eisensteingruben  am  Fusse  des  jurassischen  Höhenzuges  bei  Blanowice 
fand  ich  Bruchstücke  der  Art,  die  aus  faserigem  Kalk  bestehen. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  4 Ansicht  der  Alveole  von  der 
Seite  in  natürlicher  Grösse. 

4)  Turbo  conf.  Turbo  praetor  Goldf.;  Taf.  18,  Fig.  5,  6. 

Die  Art  ist  unter  den  beschriebenen  dem  Turbo  praetor  Goldf.  aus 
mitteljurassischen  Schichten  am  ähnlichsten.  Die  Skulptur  der  Oberfläche 
der  gewölbten  Umgänge  besteht  aus  mehreren  Reihen  von  Knoten,  von 
denen  je  zwei  in  benachbarten  Spiral-Reihen  durch  einfache  faden- 
förmige Leisten  unter  sich  verbunden  werden,  während  je  zwei  benach- 
barte Knoten  derselben  Reihe  durch  weniger  vollständige  Leisten  verbun- 
den sind.  Die  zwei  stärksten  Knoten-Reihen  oder  knoten-tragenden  Spiral- 
Leisten  nehmen  die  höchste  Wölbung  der  Umgänge  ein.  Ueber  denselben 
liegen  zwei  viel  schwächere  und  unter  ihnen  fünf  ebenfalls  an  Stärke  weit 
nachstehende. 

Ganz  ähnliche  Knoten  und  Leisten  hat  nach  der  Abbildung  und  Be- 
schreibung von  Goldfuss  der  Turbo  praetor.  Allein  die  beiden  stärksten 
Knoten-Reihen  werden  bei  dieser  Art  durch  eine  feine  Knoten-Reihe  ge- 
trennt. Das  ist  bei  der  oberschlesischen  Art  nicht  der  Fall.  Vielleicht  ist 
diese  daher  eine  selbstständige  Art. 

Vorkommen:  Eine  der  häufigsten  Arten  der  Fauna,  freilich  meistens 
nur  in  der  Erhaltung  als  Steinkern. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  5 Ansicht  eines  vollständigen 


214 


Jura-Formation. 


Exemplars  von  der  Seite  nach  dem  Guttapercha-Abgusse  eines  Hbhldrucks. 
Fig.  6 Ansicht  eines  Steinkerns. 

5)  Pleurotomaria  granulata  S o w.  ( PL  ornata  D e f r.)  • Taf.  1 9 , Fig.  13,14.’ 

Gewöhnlich  sieht  man  nur  die  aus  drei  Umgängen  bestehenden  Steinkerne. 

Die  specifischen  Merkmale  der  Oberflächen-Skulptur  sind  nur  an  Abgüssen 
der  Hohldrücke  der  Schale  zu  erkennen.  Sie  stimmen  völlig  mit  Exem- 
plaren aus  dem  mittleren  Jura  Schwabens  und  Norddeutschlands  überein. 

Quenstedt  (Jura  S.  413,  tab.  56,  Fig.  13,  14)  beschreibt  die  Art 
aus  dem  Braunen  Jura  6.,  in  welchem  sie  wie  in  Oberschlesien  mit  Beiern- 
nites  giganteus  zusammen  liegen  soll. 

Vorkommen:  Nicht  häufig! 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  13  Ansicht  des  Steinkerns  von 
oben.  Fig.  14  Ansicht  der  Schale  selbst  von  oben.  Nach  dem  von 
einem  in  dem  Museum  der  Berg-Akademie  in  Berlin  befindlichen  Hohl- 
drucke genommenen  Guttapercha  Gegendrücke. 

6)  Teredo?  Taf.  19,  Fig.  12. 

Keulenförmige  Ausfüllung  des  Bohrlochs,  wie  dergleichen  in  Gesteinen 
der  Jura-  und  Kreide-Formation  mehrfach  Vorkommen. 

Vorkommen:  Selten!  Nur  das  abgebildete  Exemplar  liegt  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Darstellung  des  Steinkerns  in  natür- 
licher Grösse  von  der  Seite. 

7)  Pholadomya  Murchisoni  Sow.;  Taf.  18,  Fig.  7. 

Diese  Art  wird  hier  unter  dem  Namen  aufgeführt,  mit  welchem  sie  von 
den  meisten  Autoren  benannt  ist,  ohne  dass  damit  bestimmt  gesagt  sein 
soll,  dass  Sowerby’s  ursprüngliche  Benennung  sich  wirklich  auf  sie  be- 
ziehe. Sowerby  hat  Pholadomya  Murchisoni  aus  den  mitteljurassischen 
Schichten  von  Brora  in  Schottland  beschrieben.  Seine  Beschreibung  und 
Abbildung  genügen  aber  nicht,  um  sie  scharf  von  verschiedenen  anderen 
ähnlichen  Arten  zu  trennen.  So  ist  es  geschehen,  dass  die  Benennung 
von  verschiedenen  Autoren  auf  verschiedene  dieser  Arten  bezogen  wor- 
den ist. 

Agassiz  (Monogr.  des  Myes  p.  79)  nennt  die  Art,  welche  Goldfuss 
und  andere  Autoren  Pholadomya  Murchisoni  genannt  haben  Ph,  exaltata 
und  versteht  unter  PA.  Murchisoni  eine  mehr  zusammengedrückte  und  nach 
hinten  verlängerte  Art  aus  dem  mittleren  Jura  von  Solothurn.  Morris 
und  Lycett  (Supplem.  to  Great  Oolite  Mollusca  p.  86)  nennen  PA.  deltoidea 
(Cardita  deltoidea  Sow.)  die  im  Great  oolite,  der  Füllers  earth  und  dem 
Cornbrash  des  südlichen  Englands  vorzugsweise  häufige  Art  und  erklären 
die  kürzere  Form  vQn  PA.  Murchisoni  Sow,  für  identisch  damit. 


Jura-Formation. 


215 


Die  oberschlesische  Art  variirt  übrigens  auch  bedeutend  in  Betreff  der 
Ausdehnung  der  Schale  nach  hinten.  Auch  die  Zahl  und  der  Abstand  der 
knotigen  Rippen  sind  veränderlich. 

Vorkommen:  Sehr  häufig!  Nächst  Ammon.  ParMnsoni  das  häufigste 
und  bezeichnendste  Fossil  der  Fauna. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  7 stellt  ein  Exemplar  der  gewöhn- 
lichen Grösse  von  der  Seite  dar. 

8)  Pholadomya  sp.;  Taf.  19,  Fig.  1. 

Stimmt  mit  keiner  der  beschriebenen  Arten  ganz  überein.  Da  jedoch 
nur  ein  Exemplar  vorliegt,  so  wird  von  der  Errichtung  einer  neuen  Art  ab- 
gesehen. Die  auffallendsten  Merkmale  sind  der  fast  vollständige  Paralle- 
lismus des  oberen  und  unteren  Schalenrandes  und  die  ganz  an  das  vor- 
dere Ende  gerückte  Lage  der  sehr  wenig  vorragenden  Wirbel.  Die 
schwach  knotigen  9 bis  1 1 Rippen  verlaufen  in  einer  stark  nach  rückwärts 
gewendeten  schiefen  Richtung.  Die  mittleren  sind  die  stärksten.  Hinter 
den  Wirbeln  wird  durch  scharfe  Kanten  eine  vertiefte  glatte  Area  begrenzt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  1 stellt  das  einzige  vorliegende, 
dem  Berliner  Museum  gehörende  Exemplar  in  natürlicher  Grösse  von  der 
Seite  dar. 

9)  Goniomya  angulifera  Sow.  ^ Taf.  18,  Fig.  9. 

Die  unvollständige  Erhaltung  des  einzigen  vorliegenden  Stückes  von 
Bodzanowitz  gestattet  kaum  eine  sichere  specifische  Bestimmung  der 
Art.  Jedoch  wird  Goniomya  angulifera  auch  von  anderen  Autoren  aus 
den  Schichten  mit  Ammonites  ParMnsoni  aufgeführt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  9 stellt  das  einzige  vorliegende 
Exemplar  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar. 

10)  Gresslya  abducta  v.  Seebach'  Taf.  18,  Fig.  8. 

Vergl.  für  die  Synonymie:  Brauns:  Der  mittlere  Jura  im  Nordwestl. 
Deutschi.  p.  202.  Gehört  zu  den  Formen,  welche  Quenstedt  Myacites 
gregarius  nennt.  Der  meistens  verdrückte  Erhaltungszustand  der  Exem- 
plare erschwert  übrigens  eine  scharfe  Vergleichung. 

Vorkommen:  Nicht  ganz  selten. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  8 stellt  ein  Exemplar  in  natür- 
licher Grösse  von  der  Seite  dar. 

11)  Myopsis  jurassi;  Taf.  19,  Fig.  2. 

Myopsis  jurassi  Agassiz  Monogr.  des  Myes  p.  255,  tab.  30,  Fig.  3 — 10. 

(Myacites  jurassi  Quenstedt  Jura  p.  449,  tab.  61,  Fig.  13.) 

Die  Exemplare  sind  etwas  mehr  aufgebläht  und  hinten  mehr  geflügelt, 
als  die  von  Agassiz  abgebildete  Form,  daher  die  Bestimmung  nicht  ganz 


216 


Jura-Formation. 


zweifellos.  Die  Depression  am  vorderen  Ende  der  Schale,  welche  nach 
Quenstedt  zuweilen  ganz  fehlen  soll,  ist  bei  den  oberschlesischen  Exem- 
plaren stets  sehr  deutlich  ausgeprägt, 

Vorkommen:  Mcht  häufig! 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  2 stellt  das  grösste  der  vorliegen- 
den Exemplare  von  der  Seite  dar. 

1 2)  Tliracia  Eimensis  Brauns;  Taf.  1 9 , Fig.  3 . 

Die  Art  gehört  zu  der  durch  die  ganze  Jura-  und  Kreide-Formation 
verbreiteten  Gruppe  von  specinsch  schwer  zu  begrenzenden  Zweischalern, 
für  welche  Agassiz  unnöthiger  Weise  die  Gattung  Corimya  errichtet  hat, 
da  der  ganze  Habitus  mit  demjenigen  von  Thracia  übereinstimmt  und  kein 
Grund  vorliegt  eine  von  derjenigen  von  Thracia  verschiedene  Schloss- 
bildung vorauszusetzen. 

Andere  verwandte  mitteljurassische  Arten  sind  Thracia  lata  (Sanguino- 
laria  lata  G o 1 d f.),  Thracia  Boemeri  d’Orbigny  ( Tellina  Boemeri  D u n k e r 
und  Koch)  und  Thracia  depressa  (Mya  depressa  Sow.  bei  Quenstedt  Jura 
p.  382,  tab.  52,  Fig,  9). 

Das  specifische  Verhalten  dieser  Arten  unter  sich  und  zu  Th.  Eimensis 
bedarf  wohl  noch  näherer  Untersuchung.  Die  von  Brauns  angegebene 
Lagerstätte  der  Th.  Eimensis  in  dem  oberen  und  mittleren  Theile  der  Par- 
kinsonier-Zone  passt  zu  dem  Vorkommen  der  oberschlesischen  Art. 

Vorkommen:  Selten!  Es  liegen  drei  wohl  erhaltene  Steinkerne  vor, 
von  welchen  zwei  dem  Berliner  Museum  gehören. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  3 Ansicht  in  natürlicher  Grösse 
von  der  Seite.  Das  andere  der  beiden  vorliegenden  Exemplare  ist  grösser 
und  stärker  nach  hinten  und  vorn  verlängert. 

13)  Unicardium  gibbosum;  Taf.  19,  Fig.  4. 

ünicardium  gibbosum  Morris  und  Ly cett  Mollusca  from  the  Great 
oolite  p.  132,  tab.  14,  Fig.  11  (?). 

Die  vorliegenden  Exemplare  passen  gut  zu  der  Beschreibung  von  Mor- 
ris und  Lycett  und  namentlich  ist  die  fast  genau  mediane  Lage  der  Wir- 
bel übereinstimmend.  Kur  die  durch  das  hintere  Ende  des  Schlossrandes 
und  durch  den  Hinterrand  der  Schale  gebildete  Ecke  ist  weniger  vor- 
stehend und  mehr  abgerundet,  als  in  der  Abbildung  der  Englischen  Art. 

Vorkommen:  Nicht  häufig!  Es  liegen  nur  drei  Exemplare  vor.  In 
England  kommt  die  Art  im  Great  oolite  von  Scarborough  und  in  den 
mittleren  Lagen  des  Inferior  oolite  von  Gloucestershire  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  4 stellt  ein  Exemplar  des  Berliner 
Museums  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar. 


Jura-Formation. 


217 


14)  Isocardia  sj),;  Taf.  19,  Fig.  Sa,  8b. 

Die  Abbildung  einer  von  Quenstedt  Jura  p.  442,  tab.  60,  Fig.  18. 
ohne  specifische  Benennung  aus  dein  braunen  Jura  von  Spaichingen 
aufgeführten  Art  passt  gut  zu  den  vorliegenden  Exemplaren.  Da  die  vor- 
liegenden Exemplare  nur  als  Steinkerne  erhalten  sind,  so  ist  eine  nähere 
specifische  Bestimmung  kaum  zulässig. 

Vorkommen:  Nicht  häufig!  Es  liegen  vier  der  Sammlung  der  könig- 
lichen Bergakademie  in  Berlin  gehörende  Exemplare  und  zwei  Exemplare 
des  Breslauer  Museum  vor. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  8a  das  grösste  der  vorliegen- 
den Exemplare  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite.  Fig.  8 b von  vorn. 

15)  Astarte  conf.  Ä,  robusta  Lyc.  ^ Taf.  19,  Fig.  7. 

Eine  kleine  durch  starke  Wölbung  der  Klappen  und  Regelmässigkeit 
der  starken  concentrischen  Rippen  ausgezeichnete  Art  von  der  ungefähren 
Grösse  der  Ä.  puUa.  Sie  ist  der  von  Morris  und  Lycett  (Foss.  of  the 
Great  oolite  p.  74,  tab.  35,  Fig.  6,  6 a.  beschriebenen  Ä.  robusta  zunächst 
zu  vergleichen. 

Vorkommen:  Nicht  häufig.  Es  liegen  nur  zehn  als  Abdrücke  oder 
Steinkerne  erhaltene  Exemplare  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  7 stellt  einen  Guttapercha-Abdruck 
der  linken  Klappe  nach  einem  Hohldrucke  in  natürlicher  Grösse  von  der 
Seite  dar. 

16)  Trigonia  sjp.f  Taf.  18,  Fig.  10. 

Aus  der  Gruppe  der  Trigonia  costata!  Bei  der  unvollkommenen  Erhal- 
tung des  Steinkerns  specifisch  nicht  näher  bestimmbar. 

Vorkommen:  Nur  ein  einziges  Exemplar  liegt  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  10  die  rechte  Klappe  in  natürlicher 
Grösse  von  der  Seite. 

17)  Nucula  variabilis  Sow.;  Taf.  1 8,  Fig.  1 1 . 

Nur  in  der  Form  von  Steinkernen  vorliegend,  aber  doch  sicher  be- 
stimmbar. Die  allgemeine  Form  gleicht  durchaus  derjenigen  der  mit  der 
Schale  erhaltenen  Exemplare  aus  den  Schichten  mit  der  kleineren  Form 
des  Ammonites  ParkinsonL 

Vorkommen:  Gehört  zu  den  häufigeren  Arten  der  Fauna. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  11  ein  Steinkern  der  linken  Klappe 
in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite. 

18)  Myoconcha  sp.f  Taf.  19,  Fig.  6. 

Die  Zugehörigkeit  zu  der  Gattung  Myoconcha  ist  nicht  zweifelhaft,  wohl 

28 


218 


Jura-Formation. 


aber  die  specifische  Bestimmung,  da  nur  Steinkerne  vorliegen.  Vielleicht 
ist  es  die  typische  Art  M,  crassa  S o w. 

Vorkommen:  Selten.  Es  liegen  nur  zwei  Exemplare  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  6 stellt  das  grösste  der  beiden 
vorliegenden  Exemplare  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar.  Die  Aus- 
füllung des  vorderen  Muskeleindrucks  ist  von  dem  Zeichner  nicht  genügend 
hervorgehoben. 

19)  Inoceramus  sp.  Taf.  19,  Fig.  9. 

Nur  ein  einziger,  aber  gut  erhaltener,  dem  Berliner  Museum  gehören- 
der Steinkern  liegt  vor.  Derselbe  zeigt  längs  des  Schlossrandes  die  Aus- 
füllungen der  für  die  Gattung  bezeichnenden  Ligament-Gruben,  deren  8 bis 
10  vorhanden  sind.  In  dem  allgemeinen  Umriss  der  Schale  steht  er  dem 
Inoceramus  cluhius  Sow.  des  obern  Lias  nahe. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  9 stellt  das  einzige  vorliegende 
Exemplar  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar. 

20)  Pinna  sp,  Taf.  19,  Fig.  17. 

Nur  ein  einziger  Steinkern  liegt  vor.  Die  obere  Hälfte  jeder  Klappe 
zeigt  undeutliche  Längslinien,  die  untere  Hälfte  schief  verlaufende  Falten. 
Die  Erhaltung  genügt  nicht  für  eine  nähere  specifische  Bestimmung. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  17  stellt  die  linke  Klappe  in  natür- 
licher Grösse  von  der  Seite  dar. 

21)  Lima  duplicata;  Taf.  19,  Fig.  5. 

Plagiostoma  duplicatum  Sowerby  Min.  Conch.  tab.  559,  Fig.  4,  5,  6. 

Nur  ein  einziger,  aber  sehr  wohl  erhaltener  Steinkern  der  linken  Klappe 
liegt  vor.  Obgleich  derselbe  die  feinere  Skulptur  der  Schalen-Oberfläche 
natürlich  nicht  erkennen  lässt,  so  ist  doch  die  specifische  Bestimmung  nicht 
zweifelhaft.  Wie  Sowerby  die  Art  ursprünglich  aus  mitteljurassischen 
Schichten  beschrieben  hat,  so  führen  auch  Morris  und  Lycett  sie  aus 
dem  Great  oolite,  aus  dem  Bradford  clay.  Forest  marble  und  Cornbrash 
auf.  Nach  Quenstedt  (Jura  p.  435,  tab.  59,  Fig.  15)  gehört  sie  in  Schwa- 
ben dem  braunen  Jura  6.  an. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  5 stellt  das  einzige  dem  Berliner 
Museum  gehörende,  als  Steinkern  erhaltene  Exemplar  in  natürlicher  Grösse 
von  der  Seite  dar. 

22)  Pecten  textorius  Taf,  19,  Fig.  10. 

Nur  ein  Steinkern  und  ein  Abdruck  der  rechten  Klappe  liegen  vor.  Die 
ausstrahlenden  Rippen  der  rechten  Klappe  sind  zum  Theil  dichotomisch 
getheilt.  Quenstedt  führt  die  Art  aus  dem  braunen  Jura  s.  auf,  erwähnt 


Jura-Formation. 


219 


aber  zugleich,  dass  sie  auch  in  den  „Parkinson-Oolithen^^  von  Bopfingen 
vorkommt. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  10  stellt  den  Steinkern  der  rech- 
ten Klappe  in  natürlicher  Grösse  dar.  Die  Ohren  sind  ergänzt. 

23)  Pecien  lens  Sow.*  Taf.  19,  Fig.  11. 

Nur  ein  einziger  Steinkern  der  rechten  Klappe  liegt  vor.  Obgleich  die 
bezeichnende  Skulptur  der  Schale  bei  der  Erhaltung  als  Steinkern  nicht  zu 
erkennen  ist,  so  lässt  doch  die  Form  der  Schale  an  der  Richtigkeit  der 
specifischen  Bestimmung  kaum  zweifeln. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  11  stellt  das  einzige  vorliegende 
Exemplar  in  natürlicher  Grösse  dar. 

24)  Terehratula  eonf.  T,  hiplicata  Sow.*  Taf.  18,  Fig.  13. 

Eine  jedenfalls  in  die  Verwandtschaft  der  T.  hiplicata  gehörende  Art 
mit  zwei  Falten  an  der  Stirn.  Rücksichtlich  der  Breite  und  der  Wölbung 
der  Schale  variirt  sie  bedeutend.  Quenstedt  (Jura  p.  428  tab.  58  Fig.  3) 
führt  eine  Art  aus  dem  braunen  Jura  von  Wehin  gen  auf,  welche  viel- 
leicht zu  der  Oberschlesischen  Art  gehört. 

Vorkommen:  Sehr  häufig! 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  13  Ansicht  des  Steinkerns  eines 
grossen  Exemplars. 

25)  Terehratula  emarginata  Sow.;  Taf.  18,  Fig.  14,  15. 

Diese  entschieden  zu  den  Cincten  gehörende  Art  variirt  bedeutend  rück- 
sichtlich der  Breite  der  Schale  und  rücksichtlich  des  Vortretens  der  Ecken 
an  der  Stirn. 

Quenstedt  (Jura  p.  493,  tab.  66,  Fig.  18)  bildet  eine  augenscheinlich 
hierher  gehörende  Form  aus  dem  „Parkinson-Oolith‘^  vom  Nipf  ab  und 
bemerkt,  dass  dergleichen  Formen  des  braunen  Jura  von  Davidson  (Brit. 
ool.  and  Liass.  Brachiop.  p.  35,  tab.  IV.,  Fig.  18 — 21)  zu  T.  emarginata 
Sow.  gestellt  werden. 

Vorkommen:  Nicht  selteji,  wenn  auch  bei  Weitem  nicht  so  häufig, 
wie  die  vorhergehende  Art! 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  14  Ansicht  eines  grossen  und 
breiten,  als  Steinkern  erhaltenen  Exemplares  gegen  die  kleinere  Klappe 
gesehen.  Fig.  15  Stirn- Ansicht  desselben  Exemplares. 

26)  Rhynchonella  quadriplicata;  Taf.  18,  Fig.  12. 

Terehratula  quadriplicata  Zielen  Verst.  Würtemb.  tab.  41,  Fig.  3; 

„ „ Quenstedt  Jura  p.  423,  tab.  58,  Fig.  5 — 8. 

Die  Abbildungen  der  Phynchonella  quadriplicata  bei  Quenstedt,  wel- 

28* 


220 


Jjjra-Formation. 


eher  sie  aus  dem  braunen  Jura  o.  aufführt,  passen  gut  zu  der  oberschlesi- 
schen Form.  Wäre  die  letztere  weniger  gross,  so  würde  man  geneigt  sein, 
sie  als  i?/i.  varians  zu  bestimmen. 

Die  Höhe  der  Wulst  und  die  ganze  Wölbung  der  Schale  ist  sehr  ver- 
änderlich. Ebenso  schwankt  auch  die  Zahl  der  Falten  im  Sinus  zwischen 
H bis  6. 

Vorkommen:  Die  Art  ist  das  häufigste  Fossil  der  ganzen  Fauna. 
Die  Exemplare  sind  immer  nur  in  der  Form  von  Steinkernen  erhalten. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  12  stellt  eines  der  grössten  von 
den  zahlreichen  vorliegenden  Exemplaren  in  natürlicher  Grösse  dar. 

27)  Rhynchonella  spJ  Taf.  19,  Fig.  16. 

Scheint  in  die  Gruppe  der  Rh.  furcillata  zu  gehören.  Namentlich  der 
Umstand,  dass  die  starken  Falten  des  Schalen-Umfangs  gegen  die  Mitte 
der  Klappen  hin  verschwinden,  begründet  die  Verwandtschaft.  Die  feine- 
ren Falten  der  Rh.  furcillata  sind  freilich  bei  der  Erhaltung  als  Steinkern 
nicht  sichtbar. 

Vorkommen:  Nicht  häufig. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  16  stellt  das  grösste  der  vorliegen- 
den, sämmtlich  in  der  Form  von  Steinkernen  erhaltenen  Exemplare  in  natür- 
licher Grösse  gegen  die  nicht  durchbohrte  Klappe  gesehen  dar. 

28)  Rhynchonella  spinosa;  Taf.  19,  Fig.  15. 

Terehratula  spinosa  Lam. 

Rhynchonella  spinosa  Davidson. 

Obgleich  nur  Steinkerne  vorliegen,  so  kann  die  specifische  Bestimmung 
doch  nicht  zweifelhaft  sein,  denn  die  ganze  Gestalt  der  Schale  und  die  Art 
wie  sich  die  ausstrahlenden  Falten  gegen  den  Umfang  hin  durch  das  Ein- 
setzen einzelner  neuer  vermehren,  ist  übereinstimmend.  Auch  erkennt 
man  auf  den  Rippen  der  Steinkerne  namentlich  am  Umfänge  kleine  spitze 
Höcker  d.  i.  die  Ausfüllungen  der  unteren  Höhlungen  der  Stacheln. 

Vorkommen:  Selten.  Es  liegen  nur  drei  Exemplare  aus  der  Samm- 
lung der  Berliner  Bergakademie  vor.  Von  einem  nicht  näher  zu  ermitteln- 
den Fundorte  der  Gegend  von  Kreuzburg  erhielt  ich  auch  ein  in  kalkiger 
Versteinerungsmasse  wohl  erhaltenes  Exemplar  der  nahe  verwandten 
Rhynchonella  senticosa. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  15  stellt  das  grösste  der  vorliegen- 
den Exemplare  gegen  die  nicht  durchbohrte  Klappe  gesehen  in  natürlicher 
Grösse  dar. 


Jura-Formation. 


221 


r^-  Schichten  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni. 

a.  V e rl)  re  i t ii  n g. 

Die  hierher  gehörenden  wesentlich  aus  dunkelen  sandigen  Thonen  mit 
Einlagerungen  von  Thoneisenstein  bestehenden  Schichten  bilden  eine  aus 
der  Gegend  vonOgrodziniec  bis  Panki  reichende  Zone5  welche  freilich 
unter  der  allgemein  verbreiteten  Diluvial-Bedeckung  nur  durch  einzelnen 
Aufschlusspunkte  zu  verfolgen  ist.  Der  Umstand,  dass  diese  Zone  östlich 
von  der  vorhergehenden  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni 
liegt,  deutet  schon  auf  das  jüngere  Alter  der  sie  bildenden  Schichten.  Süd- 
lich und  westlich  von  Ogrodziniec  sind  die  hierher  gehörenden  Schich- 
ten namentlich  bei  Hutki,  Rodaki,  Niegowoniec,  Wysoka,  Ciego- 
wice  und  Rokitno  aufgeschlossen.  Ungefähr  ^|.)  Meile  nördlich  von  Cie- 
gowice  ist  eine  ganz  kleine  ringsum  von  Keuper  umgebene  und  diesem 
unmittelbar  aufgelagerte  Partie  bei  Poremba-Mrz  jglodzka  vorhanden. 
Unfern  der  von  Siewierz  nach  Krornolow  führenden  Landstrasse  befin- 
den sich  hier  nördlich  von  den  Kohlengruben  auf  der  rechten  Seite  des 
Baches  die  Halden  alter  Eisensteinförderungen.  Diese  sind  gegenwärtig 
die  einzigen  Aufschlüsse  in  der  kleinen  Partie.  Das  Gestein  sind  dunkele 
Thone  mit  Einlagerungen  von  kleinen  Sphaerosiderit-Knollen.  Die  Sphae- 
rosiderite  erscheinen  auf  der  Oberfläche  fein  weiss  gesprenkelt  durch  kleine 
oolithische  Körner  von  weissem  Kalkspath,  mit  welchen  sie  erfüllt  sind. 
Bei  einem  in  Gemeinschaft  mit  0.  Degenhardt  ausgeführten  Besuche 
dieser  Lokalität  im  Jahre  1865  sammelten  wir  auf  den  Halden  eine  Anzahl 
kleiner  und  meist  unvollkommen  erhaltener  Versteinerungen,  welche  auf 
Taf.  17  abgebildet  sind. 

Während  die  zuletzt  genannten  Aufschlusspunkte  von  dem  westlichen 
Fusse  des  jurassischen  Hauptzuges  weiter  entfernt  liegen,  so  folgen  nun 
nördlich  von  Ogrodziniec  bis  über  Zarki  hinaus  zahlreiche  am  Fusse 
des  Höhenzuges  selbst  gelegene  Aufschlusspunkte.  An  allen  diesen  Punk- 
ten werden  die  hierher  gehörenden  Ablagerungen  von  den  Schichten  mit 
Ammonites  macrocephalus  unmittelbar  überlagert.  Namentlich  bei  Bzow, 
Losnice  westlich  von  Krornolow,  bei  Blanowice,  Rudniki,  Wlo- 
dowice,  Gora,  Zarki,  Wysoka,  Przybynow  und  Chorön.  Noch 
weiter  gegen  Nordwesten  folgt  nun  auf  dem  linken  Ufer  der  Warta  und 
südlich  von  Czenstochau  ein  ausgedehntes  Gebiet,  in  welchem  die  Thone 
an  vielen  Punkten  zu  Tage  stehen  und  namentlich  durch  Eisensteingruben 
aufgeschlossen  sind.  Die  grauen  Thone  der  Bildung  stehen  namentlich  bei 
Nowa  Huta,  Stara  Huta,  Wrsozowa  und  Bleszno  an.  Ebenso  bei 


222 


Jura-Formation. 


Kamienica-Polska.  Bei  Osiny  treten  sie  auch  auf  dem  rechten  Ufer  der 
Warta  wieder  hervor.  Zwischen  Kamienica-Polska  und  Jastrz§bie 
sind  sie  an  den  Ufern  des  Czerka-Baches  aufgeschlossen.  Die  alten  Eisen- 
steingruben vonDasiec,  Szynckowizna  und  Bargli  bilden  weitere  Auf- 
schlüsse. Bei  Konopiska  überlagern  hierher  gehörende  Thonschichten 
diejenigen  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni.  Bei  Gnaszyn 
westlich  von  Czenstochau  sind  die  Thone  durch  Eisensteingruben  auf- 
geschlossen. Noch  näher  bei  Czenstochau  bei  dem  Vorwerke  Zacisze 
sind  es  die  Thongruben  einer  Ziegelei,  welche  einen  Aufschluss  gewähren. 

Endlich  sind  nun  dieselben  Schichten  auch  noch  zwischen  Czen- 
stochau und  Wielun  an  zahlreichen  Punkten  bekannt.  Bei  Pierzchno 
U|.2  Meilen  nordwestlich  von  Czenstochau  befinden  sich  Eisensteinförde- 
rungen in  dieser  Bildung,  deren  Erze  in  Blachownia  verhüttet  werden. 
Weiter  hin  folgen  Aufschlüsse  bei  Grodzisko  südlich  von  Klobucko. 
Die  dunkelen  Thone  enthalten  hier  Cerithium  echinatum  und  andere  kleine 
Fossilien.  In  grosser  Häufigkeit  wurden  solche  Fossilien  auf  den  Halden 
von  Versuchsschächten  bei  Hutka  östlich  von  Panki  gefunden.  Im  Thier- 
garten bei  Panki  wurden  früher  Eisensteine  dieser  Bildung  in  mehreren 
Schächten  gebaut,  welche  mit  schön  erhaltenen  Perlmutter -glänzenden 
kleinen  Fossilien  erfüllt  sind,  die  durch  Pusch  in  verschiedene  deutsche 
Sammlungen  gelangten.  Bei  Zaj^cki  nördlich  von  Krzepice  werden 
die  Brauneisensteine  der  sandigen  Schichten  der  Bildung  gewonnen,  welche 
grosse  Pholadomyen  in  Menge  enthalten.  Eben  solche  Erze  wurden  früher 
südlich  von  Krzepice  unweit  Zwierzyniec  gebaut.  Auch  bei  Danko- 
wice  und  bei  Truskolasi. 

b.  Organische  Einschlüsse. 

Die  Versteinerungen  der  hier  zusammengefassten  Schichtenreihe  sind 
mir  nicht  so  vollständig  bekannt  geworden,  um  für  jede  einzelne  Schicht 
das  zusammen  Vorkommende  scharf  von  dem  Uebrigen  sondern  zu 
können.  Jede  der  versteinerungsführenden  Lokalitäten  hat  einzelnes 
Eigenthümliche  geliefert.  Unter  diesen  Umständen  schien  es  am  geeignet- 
sten, nur  die  Verzeichnisse  der  an  einzelnen  Fundpunkten  beobachteten 
Arten  zu  geben. 


Jura-Formation. 


223 


1.  Versteinerungen  der  Eisensteinförderungen  östlich 
von  Blanowice  unweit  Kromolow^). 

VergL  Taf.  20. 

1)  Ammonites  suhradiatus  Sow.?*,  Taf.  20,  Fl|;.  1 — 4. 

Exemplare  von  2 Zoll  Durchmesser  wie  das  Fig.  1 und  2 abgebildete 
haben  bogenförmig  gerundete  Rippen  auf  der  äusseren  Hälfte  des  letzten 
Umgangs,  während  die  innere  Hälfte  glatt  ist,  und  einen  ziemlich  scharfen 
Rückenkiel.  Bei  kleineren  1 Zoll  grossen  Exemplaren  ist  der  Rücken  sehr 
schwach  gekielt  oder  gerundet  und  die  Seitenflächen  der  Umgänge  sind  bis 
auf  kurze  und  schwache,  schief  nach  rückwärts  gewendete,  nicht  gebogene 
Falten  in  der  Nähe  des  Rückens  glatt.  Handgrosse  1 Linie  dicke  glatte 
Bruchstücke  der  Wohnkammer  eines  Ammoniten,  welche  in  demselben 
Gestein  Vorkommen,  gehören  vielleicht  als  Fragmente  ausgewachsener 
Exemplare  ebenfalls  hierher.  Die  Zugehörigkeit  zum  A.  suhradiatus  ist 
keineswegs  zweifellos,  denn  die  Rippen  sind  bei  den  polnischen  Exempla- 
ren viel  stärker  als  bei  der  typischen  Form  vou  Bayeux.  Auch  ist  das 
Gehäuse  weniger  involut.  Am.  canaliculatus  fuscus  Quenst.  würde  als 
wahrscheinlich  verwandt  ebenfalls  näher  zu  vergleichen  sein. 

Vorkommen:  Sehr  häutig,  nafnentlich  in  1 bis  Uj2  Zoll  grossen  Exem- 
plaren. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 Ansicht  von  der  Seite.  Fig.  2 
Ansicht  desselben  Exemplars  im  Profil  gegen  die  Mündung  gesehen.  Fig.  3 
Ansicht  eines  kleinen  Exemplars  von  der  Seite.  Fig.  4 Ansicht  desselben 
Exemplars  im  Profil  gegen  die  Mündung  gesehen. 

2)  Ammonites  funatus  Oppel  (A.  triplicatus  Quenstedt  [non  Sow.])^ 
Taf.  20,  Fig.  5,  6,  7,  8. 

Süddeutsche  Exemplare  sind  etwas  mehr  von  den  Seiten  zusammen- 
gedrückt, sonst  stimmen  sie  vollständig  mit  den  polnischen  überein. 

Vorkommen:  Nächst  der  vorhergehenden  Art  ist  es  der  häufigste 
Ammonit  bei  Blanowice.  Von  anderen  Stellen  in  Polen  ist  er  mir  nicht 
bekannt.  Obgleich  A.  funatus  im  südlichen  und  nordwestlichen  Deutsch- 
land gewöhnlich  in  einem  höheren  Niveau,  nämlich  in  demjenigen  des 

')  In  einer  kleinen  Thalschlucht  östlich  von  dem  Orte  befinden  sich  Eisensteinförderiingen,  in 
welchen  grau-braune  Thoneisensteine  mit  sparsamen  sehr  feinen  oolithischen  Körnern  von  hellerer 
Farbe  in  einem  dunkelen  sandigen  Thone  gegraben  werden.  Diese  Thoneisensteine  sind  mit  den 
wohl  erhaltenen  Versteinerungen  erfüllt,  deren  Arten  hier  aufgezählt  werden.  Andere  Eisenstein- 
förderungen liegen  westlich  von  Blanowice  am  Fusse  des  jurassischen  Höhenzuges.  Hier  enthal- 
ten die  Eisensteine,  wie  S.  211  erwähnt  wurde,  die  grosse  Form  des  Ammonites  Parkinsoni  und  Be- 
lemnites  giganteus. 


224 


Jura-B'ormation. 


Ammonites  macrocephalus  vorkoramt,  so  wird  er  doch  auch  aus  tieferen 
Schichten  aufgeftihrt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  5 Ansicht  eines  Stücks  des 
äusseren  Umgangs  des  grössten  der  vorliegenden  Exemplare.  Fig.  6 An- 
sicht des  Querschnitts  de^letzten  Umgangs.  Fig.  7 Ansicht  eines  jüngeren 
Exemplars  der  gewöhnlichen  Grösse  von  der  Seite.  Fig.  8 dasselbe  iin 
Profil  gegen  die  Mündung  gesehen. 

3)  Ammonites  Parhinsoni  Sow, 

Nur  ein  Bruchstück  eines  kleinen  Exemplars  von  kaum  3 Zoll  Durch- 
messer liegt  vor. 

4)  Ammonites  aspidoides  0 p p e 1.  (A.  canaliculatus  fuscus  Qu  e n s t.) 

Dieser  früher  mit  dem  Am.  discus  Sow.  verwechselte  Ammonit  soll 

nach  Oppel  einem  bestimmten  geognostischen  Niveau  zwischen  den  Schich- 
ten des  Ammonites  Parhinsoni  und  denjenigen  des  Am.  macroceplialus  ange- 
hören. Nach  Brauns,  der  ihn  mit  dem  Am.  subradiatus  Sow.  vereinigt, 
soll  er  auch  tiefer  hinabreichen.  Ich  erhielt  bei  Blanowice  nur  ein 
unvollständiges  Exemplar  von  4 Zoll  Durchmesser.  Ob  es  aus  einem 
Niveau  über  den  die  übrigen  Versteinerungen  enthaltenden  Schichten  her- 
rührt, liess  sich  nicht  bestimmen.  Ein  zweites  Exemplar  fand  Degen- 
hardt  bei  Zajacki  unweit  Krzepice. 

5)  Belemniies  canaliculatus  S c h 1 o t h e i m • Taf.  20,  Fig.  9. 

Fragmente  wie  das  abgebildete  sind  häufig. 

6j  Pleurotomaria  granulata  S o w . (PI.  ornata  J)  e fr.) 

In  schön  erhaltenen,  mehr  als  1 Zoll  grossen  Exemplaren,  welche 
völlig  mit  solchen  aus  Schwaben  und  dem  nordwestlichen  Deutschland 
übereinstimmen,  häufig! 

7)  Goniomya  angulifera  Agass.;  Taf.  20,  Fig.  11. 

Diese  Muschel  gehört  zu  den  häufigeren  Arten  der  Fauna. 

8)  Pholadomya  sp. 

Der  Ph.  Murchisoni  ähnlich,  aber  viel  stärker  nach  hinten  verlängert. 
Nur  ein  einziges  unvollständiges  Exemplar  liegt  vor. 

9)  Thracia  Eimensis  Brauns;  Taf.  20,  Fig.  10. 

Ausser  dem  abgebildeten  ganz  vollständigen  Exemplare  liegt  noch  ein 
zweites  etwas  weniger  zusammengedrücktes  vor. 

10)  Astarte  Blanowicensis  n.  sp.  Taf.  20,  Fig.  14,  15. 

Diese  Art  ist  durch  die  ganz  flache  Zusammendrückung  der  Schale 
und  durch  das  geringe  Vorragen  der  sehr  kleinen  Wirbel  ausgezeichnet. 
Die  Zusammendrückung  der  Schale  ist  noch  stärker  als  bei  A.  depressa 
Goldf.,  die  zugleich  durch  einen  subtrigonalen  Umriss  von  unserer  Art 


Jura- Formation. 


225 


verschieden  ist.  In  der  Flachheit  der  Schale  und  auch  in  der  Skulptur  der 
Oberfläche  kommt  ihr  Astarte  nmnmulina  Ferd.  Ro einer  der  jurassischen 
Geschiebe  bei  Berlin  am  nächsten.  Aber  auch  diese  Art  ist  weniger  in 
die  Quere  ausgedehnt  und  von  geringerer  Grösse.  So  wie  die  Wirbel 
sehr  klein  sind,  so  sind  auch  die  Schlosszähne  unter  denselben  klein  und 
wenig  vorragend.  Ausser  dem  abgebildeten  Exemplar  liegen  noch  einige 
kleinere  vor. 

11)  Astarte  cordata  Trautscholdt;  Taf.  20,  Fig.  16. 

Stimmt  vollständig  mit  Exemplaren  der  A,  cordata  aus  den  unteren 
Schichten  des  Moskauer  Jura  von  Galiowa,  die  ich  durch  Trautscholdt 
selbst  erhielt.  Nur  etwas  grösser  sind  die  polnischen  Exemplare.  Von 
anderen  Arten  ähnlicher  Grösse  und  ähnlicher  Skulptur  wie  z.  B.  A.  jpulla 
A.  Roemer  ist  die  Art  durch  das  starke  Vorragen  der  kaum  seitlich  ge- 
wendeten Wirbel  unterschieden.  Sie  gehört  zu  den  häufigsten  Arten  der 
Fauna. 

1 2)  Trigoyiia  costata  S o w. 

Nur  Bruchstücke  der  Art,  aber  sicher  als  solche  bestimmbar,  liegen  vor. 

13)  Nucula  variabilis  So  w. 

Nicht  selten  in  vollständigen  mit  der  Schale  erhaltenen  Exemplaren. 
Fig.  12  und  13  sind  Ansichten  eines  solchen  vollständigen  Exemplares. 

1 4)  Posidonomya  Buchii  A . Roemer  (P.  Parkinsoni  Q u e n s t.) 

Gewisse  dunkelgraue  Schief'erthonschichten  sind  ganz  erfüllt  mit  den 

zusammengedrückten  Schalen  dieser  Art. 

15)  Pecten  lens  Sow.;  Taf.  20,  Fig.  17. 

Nicht  selten  in  vollständigen  mit  der  Schale  selbst  erhaltenen  Exempla- 
ren, wie  Fig.  17  eines  dergleichen  darstellt. 

16)  Pecten  demissus  Phillips  (P,  spathulatus  A.  Roemer)^  Taf.  20, 
Fig.  18. 

Dieser  sehr  dünnschalige  glatte  Pecten  gehört  zu  den  häufigeren  Arten. 

17)  Rhynchonella  varians  Schloth. ; Taf.  20,  Fig.  18. 

Eine  Form,  weiche  durch  bedeutendere  Grösse  und  durch  zahlreichere 
Falten  im  Sinus  und  auf  den  Seiten  von  der  typischen  Form  der  Art  unter- 
schieden ist.  Gehört  zu  den  häufigeren  Arten  der  Fauna.  Fig.  18  stellt 
eines  der  grössten  der  vorliegenden  Exemplare  von  der  Seite  dar. 


29 


226 


Jura-Formation. 


2.  Versteinerungen  von  Poremba - Mrzyglodzka  zwischen 
Siewierz  und  Kroraolow*). 

Vergl.  Taf.  172). 

1)  Asterias  crassitesta  n.  sp.;  Taf.  17,  Fig.  1 — 4. 

Die  Art  wird  hier  als  neue  Art  aufgeführt,  da  die  Merkmale  derselben 
zu  keiner  der  bisher  beschriebenen  Arten  genau  passen.  Am  meisten 
gleichen  die  Täfelchen  denjenigen,  welche  Goldfuss  Taf.  63,  Fig.  6.  f.  g.  h. 
als  Täfelchen  der  Bauchseite  von  Asterias  jurensis  abbildet.  Allein  wäh- 
rend dort  die  obere  mit  kleinen  Grübchen  ^'erzierte  Fläche  convex  sein 
soll,  ist  sie  hier  flach  concav.  Die  sieben  vorspringenden  Ecken  des 
Umfangs  haben  Gelenkflächen,  durch  welche  sie  anscheinend  mit  ande- 
ren ähnlichen  Täfelchen  verbunden  gewesen  sind.  Dann  wären  freilich 
Lücken  zwischen  den  Täfelchen  geblieben.  Die  kleinen  Grübchen  der 
Oberfläche  werden  gegen  die  vertiefte  Mitte  hin  kleiner  und  undeut- 
licher. Die  Täfelchen  haben  wahrscheinlich  die  Rückenfläche  des  Asteri- 
den  eingenommen.  Natürlich  gehört  die  Gattung  nicht  zu  den  typischen 
Asterias-Arten,  sondern  die  Artikulation  der  Täfelchen  ist  schon  ein  eigen- 
thümliches  Merkmal,  welches  auf  einen  besonderen  generischen  Typus 
deutet.  Nach  einer  mündlichen  Mittheilung  von  0.  Fr  aas  kommen  ähn- 
liche Täfelchen  in  den  Coronaten-Schichten  des  Schwäbischen  Jura  vor. 

Vorkommen:  Es  liegen  4 Täfelchen  vor. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 stellt  das  grösste  der  vor- 
liegenden Täfelchen  von  oben  dar;  Fig.  2 von  der  Seite;  Fig.  3 ein  klei- 
neres Täfelchen  von  oben;  Fig.  4 dasselbe  von  der  Seite. 

2)  Pentacrinus  nodosus  Quenst.;  Taf.  17,  Fig.  5,  6. 

Quenstedt  beschreibt  die  Art  aus  dem  braunen  Jura  6.  Das  passt  zu 
dem  Vorkommen  der  vorliegenden  Exemplare.  Nur  zwei  Säulenstücke 
liegen  vor.  Fig.  5 stellt  das  grössere  derselben  von  der  Seite,  Fig.  6 eine 
Gelenkfläche  desselben  dar. 

3)  Pentacrinus  suhteres  Goldf. ; Taf.  17,  Fig.  7,  8. 

Gehört  zu  den  häufigsten  Arten  der  Fundstelle. 

4)  Mespilocrinus  macrocephalus  Quenst.;  Taf.  1 7,  Fig.  9,  10,  1 1. 

Die  Art  soll  nach  Quenstedt  in  den  Schichten  des  Ämmonites  macro- 


1)  Von  den  Halden  der  Eisensteingruben,  durch  welciie,  wie  vorher  erwähnt  wurde,  die  dortige 
kleine  rings  vom  Keuper  umgebene  Partie  allein  aufgeschlossen  ist. 

2)  Auf  dieser  Tafel  sind  alle  in  einigermassen  deutlicher  Erhaltung  mir  bekannt  gewordenen  Arten 
dieser  allerdings  nur  unvollkommen  aufgeschlossenen  Lokalität  abgebildet.  Durch  ein  Versehen  in 
der  Numerirung  der  Tafeln  ist  diese  Tafel  vor  Taf.  18  und  Taf.  19  gestellt. 


Jura-Formation.  227 

cephalus  und  dicht  darunter  Vorkommen.  Das  ist  ein  höheres  Niveau,  als 
sie  in  Polen  einnimmt. 

Vorkommen:  Einzelne  Säulenstücke  sehr  häufig!  Bei  den  meisten 
aber  die  eigenthümliche  Skulptur  der  Gelenkflächen  abgerieben. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  9 ein  Säulen  stück  von  der  Seite. 
Fig.  10  Ansicht  der  Gelenkfläche  desselben  Säulenstücks.  Fig.  11  Ansicht 
eines  unregelmässigen  Säulenstücks  mit  convexer  Gelenkfläche. 

5)  Ehahdocidaris  maximal)  Taf.  17,  Fig.  12,  14,  15,  16. 

Die  Fig.  12  abgebildete  Assel  passt  ganz  zu  der  Art;  die  Fig.  14,  15 
und  16  abgebildeten  Stacheln,  welche  sehr  häufig  verkommen,  gehören 
sehr  wahrscheinlich  dazu. 

6)  Cidaris  sp.;  17,  Fig.  13. 

Nur  das  abgebildete  Fragment  eines  Stachels  liegt  vor. 

7)  Cidaris  sp.;  Taf.  17,  Fig.  17. 

Nicht  näher  bestimmbarer  Stachel. 

8)  Bryozoorum  genus? ; Taf.  17,  Fig.  18,  19,  20. 

In  unregelmässig  walzenförmigen  oder  auch  etwas  zusammengedrück- 
ten Bruchstücken  ist  diese  Art  sehr  häufig. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  18  ein  kleines  cjlindroidisches 
Stämmchen  von  der  Seite.  Fig.  19  ein  Querschnitt.  Fig.  20  ein  Stück  der 
Oberfläche  vergrössert. 

9)  Terehratula  subbucculenta  D e w a 1 q u e et  C h a p u i s ; Taf.  1 7 , Fig.  21,22. 
Nur  ein  einziges  Exemplar  liegt  vor.  Die  Bestimmung  ist  daher  nicht 

zweifellos. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  21  Ansicht  gegen  die  kleinere 
Klappe.  Fig.  22  Ansicht  von  der  Seite. 

1 0 j Rhynchonella  triplicosa  Deslongch.  ( Terebratula  triplicosa  Q u e n - 
stedt  Jura  496,  tab.  66,  Fig.  30 — -32);  Taf.  17,  Fig.  2H. 

Da  nur  das  einzige  abgebildete  Exemplar  vorliegt,  ist  auch  bei  dieser 
Art  die  Beschreibung  nicht  sicher. 

11)  Rhynchonella  varians  Davidson;  Taf.  17,  Fig.  24. 

Das  abgebildete  Exemplar,  welches  zugleich  das  einzige  vorliegende 
ist,  wird  als  eine  vielfältige  Varietät  mit  wenig  vortretender  breiter  Wulst 
anzusehen  sein. 

12)  Ostrea  sp,;  Taf.  17,  Fig.  25,  26,  28. 

Nur  unvollständige  Exemplare  liegen  vor,  wesshalb  eine  nähere  Art- 
bestimmung nicht  versucht  wird. 

13)  Ostrea  Mar shi  So Taf.  17,  Fig.  27. 

Wahrscheinlich  gehören  die  zahlreichen  vorliegenden  Fragmente  einer 

29* 


228 


Jnra-Fprmation. 


Auster  mit  langen  spitzen  Zähnen  am  Umfange,  wie  deren  Fig.  27  ein 
solches  darstellt,  zu  dieser  Art.  Freilich  ist  es  dann  eine  weniger  dick- 
schalige Form  als  die  typische  Schwäbische,  denn  diese  würde  sich  mit 
ihrer  dicken  festen  Schale  auch  vollständig  erhalten  haben. 

14)  Avicula  sp,;  Taf.  17,  Fig.  29,  30. 

Nur  das  Fig.  29  abgebildete  als  Steinkern  erhaltene  Exemplar  und 
einige  Fragmente  der  Schale  selbst,  von  denen  Fig.  30  eines  darstellt,  lie- 
gen vor.  Die  Schalen-Fragmente  zeigen  eine  sehr  zierliche  Skulptur,  in- 
dem sehr  feine  scharfe  Anwachsringe,  wie  zarte  Fäden,  die  Zwischenräume 
der  Radial-Rippen  und  der  zwischen  denselben  liegenden  radialen  Linien 
kreuzen. 

15)  Belemnites  Beyrichii  Oppel^  Taf.  17,  Fig.  31,  32. 

Dem  B.  canaliculatus  nahe  stehend  und  wohl  häufig  damit  verwechselt, 
ist  diese  Art  an  der  sehr  schlanken  Scheide  und  an  der  Kürze  der  Bauch- 
furche, welche  kaum  bis  zu  dem  dicksten  Theile  der  Scheide  zu  verfolgen 
ist,  niemals  aber  wie  bei  B.  canaliculatus  bis  an  deren  Spitze  zu  verfolgen 
ist,  kenntlich.  Auch  ist  die  Scheide  niemals  so  wie  bei  den  genannten 
Arten,  sondern  eher  etwas  seitlich  zusammengedrückt. 

Vorkommen:  Nur  Fragmente,  wie  die  Fig.  31  und  32  abgebildeten, 
liegen  vor.  Dieselben  stimmen  durchaus  mit  vollständigeren  Exemplaren 
überein,  welch  in  grosser  Häufigkeit  in  den  Thongruben  neben  der  Ziegelei 
am  westlichen  Fusse  des  Clarenberges  bei  C zenstoch  au  Vorkommen. 
Nach  Brauns  (Mittl.  Jura  Nordw.  Deutsehl.  p.  96)  ist  B,  Beyrichii  im  nord- 
westlichen Deutschland  in  den  beiden  oberen  Abtheilungen  der  Parkinso- 
nier-Zone  verbreitet.  Das  passt  zu  dem  Vorkommen  in  Polen.  Uebrigens 
wurden  auch  ein  Paar  kleine  Exemplare  einer  anderen  Art  mit  längerer 
Bauchfurche  beobachtet,  welche  zu  B.  canaliculatus  zu  gehören  scheinen. 

16)  Ammonites  subradiatus  Sow.  (Am.  canaliculatus  fuscus  Quenst.)* 
Taf.  17,  Fig.  33,  34. 

Nur  kleine  Exemplare,  wie  das  abgebildete,  liegen  vor.  Die  Oberfläche 
der  flach  zusammengedrückten  und  am  Rücken  schneidigen  Schale  zeigt 
sehr  schwache  Falten,  die  nur  in  der  Nähe  des  Rückens  etwas  deutlicher 
sind,  ln  der  Zeichnung  ist  die  knieförmige  Biegung,  welche  diese  Falten 
in  der  Mitte  haben,  nicht  richtig  angegeben. 

17)  Ammonites  sp.;  Taf.  17,  Fig.  35,  36. 

Nur  das  einzige  offenbar  jugendliche  und  eine  sichere  Bestimmung  nicht 
zulassende  Exemplar,  welches  Fig.  35  und  36  abgebildet  ist,  liegt  vor.  Die. 
rundlichen  Umgänge  zeigen  nur  am  Nabel  Andeutungen  von  Falten.  Viel- 
leicht gehört  das  p]xemplar  zu  A.funatus  0 p p e 1 . (A.  triplicatus  Q u e n s t e d t. ) 


Jura-Formation. 


229 


3.  Versteinerungen  von  Grodzisko  südlich  von  Klobucko. 

1)  Cerithium  echinatum  L.  v.  Buch.  Sehr  häufig! 

2)  Trochus  monilitextus  (Trochus  hiarmatus  Goldf.).  Sehr  häufig! 

3)  Pleurotomaria  granulata  Sow.  (PL  ornata  Defr.)  Ziemlich  häufig! 

4)  Muricida  conf.  M.  fragilissima  Quenstedt.  Nicht  selten! 

Die  vorliegenden  Exemplare  zeigen  deutlich  die  nach  Quenstedt  für 
die  Gattung  bezeichnenden  gegenüberstehenden  Reihen  von  Stacheln.  Die 
Stacheln  stehen  auf  dem  stärksten  der  die  Schale  bedeckenden  Spiral-Reifen. 

5)  Dentalium  Parkinsoni  Quenst.  Nicht  selten! 

6)  Astarte  jpulla  A.  Roemer.  Ziemlich  häufig! 

7)  Pentacrinus  nodosus  Quenst.  Säulenstücke  nicht  selten! 

8)  Mespilocrinus,  Säulenstücke  häufig! 

9)  Asterias  sp.  Vergl.  Quenst.  Jura  tab.  62,  Fig.  30,  31.  Einzelne 
Randtäfelchen  häufig! 

4.  Versteinerungen  von  Gnaszyn  w^estlich  von  Czenstochau. 

1)  Belemnites  canaliculatus  Schloth. 

2)  Trochus monilitectus  P h i 1 1 i p s Trochus  hiarmatus  Goldf.)  Sehr  häufig ! 

3)  Ästarte pulla  A.  Roemer. 

4)  Trigonia  costata  V Nur  Bruchstücke;  diese  aber  sehr  häufig! 

5)  Trigonia  clavellata  Park.  Nur  in  jungen,  ^'2  grossen  und  des- 
halb auch  specifisch  nur  unsicher  zu  bestimmenden  Exemplaren. 

6)  Nucuia  variabilis  Sow.  In  grossen  vollständig  erhaltenen  Exem- 
plaren nicht  selten. 

5.  Versteinerungen  von  Hutka  bei  Panki. 

1)  Belemnites  canaliculatus  Schloth. 

2)  Cerithium  echinatum  L.  v.  Buch.  Sehr  häufig! 

3)  Trochus  monilitectus  (Trochus  hiarmatus 

4)  Trigonia  costata  Park.  Nur  Bruchstücken;  diese  aber  sehr  häufig. 

5)  Astarte  depressa  Münster.  Nur  in  Fragmenten  vorliegend,  aber 
doch  sicher  bestimmbar. 

6)  Astarta  pulla  A.  Roemer.  Sehr  häufig! 

Aus  den  im  Vorstehenden  mitgetheilten  Listen  von  Versteinerungen 
ergiebt  sich  zunächst  eine  wesentliche  Uebereinstimmung  der  verschiede- 
nen Lokalitäten  unter  sich,  wenn  auch,  wie  es  bei  der  unvollständigen 
Ausbeutung  kaum  anders  zu  erwarten  ist,  manche  Arten  nicht  von  allen. 


230 


Jura-Formation. 


sondern  nur  von  der  einen  oder  anderen  der  Lokalitäten  bekannt  gewor- 
den sind. 

Demnächst  tritt  auch  die  enge  Verbindung  zwischen  dieser  Fauna  mit 
der  kleinen  Form  des  Ammonites  Parkinsoni  und  derjenigen  mit  der  grossen 
Form  derselben  Ämmoniten-Arb  wie  sie  namentlich  in  den  Sphaerosideri- 
ten  von  Bo dzano witz , Wichro  w und  Sternalitz  enthalten  ist,  deutlich 
hervor.  Abgesehen  von  dem  Ammonites  Parkinsoni  sind  namentlich  Pleuro- 
tomaria  granulata^  Goniomya  angulifera,  Thracia  Eimensis,  Trigonia  costata 
und  Nucula  variabilis  beiden  gemeinsam. 

c.  Schichten  des  Ammonites  macrocephalus. 

a.  Petrographisches  Verhalten. 

Im  Ganzen  ist  die  Schichtenfolge  von  kalkig  sandiger  Natur  mit  sehr 
wechselndem  Verhalten  an  den  einzelnen  Fundorten,  jedoch  so,  dass  nach 
unten  mehr  die  sandige,  nach  oben  mehr  die  kalkige  Natur  die  Oberhand 
gewinnt.  Die  gewöhnliche  Erscheinungsweise  ist  diejenige  von  mehr  oder 
minder  festen  gelben  oder  grauen  Kalkmergeln  mit  braunen  Eisenoolithen. 
Zuweilen  treten  die  Eisenoolithe  ganz  zurück  und  das  Gestein  ist  dann  ein 
grauer  Kalkstein  von  ziemlicher  Festigkeit,  wie  z.  B.  bei  Mirow  und 
Kamien.  Zuweilen  nimmt  das  Gestein  einzelne  kleine  weisse  Quarz- 
gerölle  bis  zur  Erbsengrösse  auf.  Werden  diese  Gerölle  vorherrschend, 
so  wird  das  ganze  Gestein  ein  weisses  Quarz-Conglomerat  mit  kalkigem 
Bindemittel  Wenigstens  kommen  im  Krakau’schen  Gebiete  solche  Con- 
glomerate  vor,  welche  nach  den  Lagerungs  Verhältnissen  nicht  wohl  in  ein 
anderes  geognostisches  Niveau  gehören  können.  Namentlich  auf  dem 
Plateau  von  Dembnik  bei  Krzeszowice  ist  wenige  hundert  Schritte  von 
den  Marmorbrüchen  ein  solches  weisses  Quarz-Conglomerat  durch  einen 
kleinen  Steinbruch  aufgeschlossen.  In  der  Verbreitung  gegen  Nord  westen  hin 
geht  die  conglomeratische  Natur  des  Gesteins  fast  ganz  verloren  und  es 
«erscheint  als  ein  gelblich  grauer  sandig  rauh  anzufühlender  Kalkstein.  So 
namentlich  bei  Wielun,  wo  durch  das  häufige  Vorkommen  von  Ammonites 
maßrocephahis  das  Alter  der  Schichten  sicher  bezeichnet  ist. 

Die  Mächtigkeit  der  ganzen  Schichtenfolge  ist  unbedeutend  und  schwankt 
zwischen  12  bis  30  Fuss.  Im  Ganzen  nimmt  dieselbe  in  der  Ausbreitung 
der  Schichtenfolge  gegen  Nordwesten  zu. 

b.  V erbreitung. 

Die  Schichten  mit  Ammonites  macrocephalus  bilden  eine  schmale  Zone 
am  westlichen  Abhänge  des  jurassischen  Höhenzuges,  welche  in  dessen 


Jura-Formation. 


231 


ganzer  Erstreckung  aus  dem  Krakau’schen  bis  Wielun  zu  verfolgen  ist. 
Zunächst  ist  sie  im  Krakau’schen  in  den  Umgebungen  von  Alwernia^ 
Krzeszowice  und  Chrzanow  an  zahlreichen  Punkten  aufgeschlossen. 
Namentlich  erscheinen  sie  an  vielen  Stellen  in  der  Nähe  der  Thongruben 
von  Mirow  und  Kamien  als  graue  mit  Versteinerungen  erfüllte  Kalk- 
steine. Ganz  ähnlich  ist  das  Verhalten  bei  Brodla  südlich  von  Alwernia 
an  einem  an  der  Landstrasse  gelegenen  Aufschlusspunkte.  Noch  näher 
bei  Alwernia  ist  das  Gestein  in  der  Regulicer  Hauptschlucht  auf- 
geschlossen. Das  Gestein  ist  hier  von  mehr  lockerer  und  mergeliger 
Beschaffenheit  und  ebenfalls  mit  Versteinerungen  erfüllt,  unter  denen 
namentlich  Belemniten  häufig  sind.  Aehnliche  versteinerungsreiche  Auf- 
schlussstellen sind  mehrere  in  den  Umgebungen  von  Zalas  und  Sanka 
vorhanden.  Vielfache  Gelegenheit  zur  Beobachtung  der  Schiehtenfolge  ist 
ferner  an  den  Abhängen  der  kleinen  bei  Krzeszowice  in  das  Rudawa- 
Thal  einmündenden  Thäler  gegeben.  So  namentlich  in  dem  Thale  von 
Paczoltowice.  Bei  dem  Dorfe  Zary  auf  dem  linken  Thalgehänge  besteht 
die  Schichtenfolge  aus  grobkörnigen  Sandsteinen  zu  unterst  und  versteine- 
rungreichen Kalkmergeln  nach  oben.  Zwischen  Siedle c und  Czatko- 
wice  ist  sie  am  Südgehänge  des  aus  Kohlenkalk  bestehenden  Plateäu’s 
durch  Steinbrüche  und  Wasserrisse  aufgeschlossen.  Auch  am  linken  Ge- 
hänge des  Thaies  von  Czerna  sind  die  Schichten  deutlich  zu  beobachten. 
Ebenso  nördlich  von  Krzeszowice  am  Wege  nach  Nowa  Gora,  hier 
überlagert  von  weissen  Kalkmergeln  der  folgenden  Schichtengruppe.  Im 
Thale  von  Filipowice  sieht  man  sie  am  Östlichen  Thalgehänge  am  unteren 
Ende  des  Dorfes  dem  Muschelkalke  unmittelbar  aufruhen.  Im  Thiergarten 
von  Tenczynek  bei  Krzeszowice  liegen  so  zahlreiche  Stücke  des  Kalk- 
mergels umher,  dass  auf  ein  Anstehen  desselben  in  unmittelbarer  Nähe 
mit  Wahrscheinlichkeit  zu  schliessen  ist.  An  mehreren  Punkten  ist  die 
Schichtenfolge  ferner  in  der  Gegend  südlich  von  Chrzanow  bekannt.  So 
namentlich  bei  Bolgcin,  Pila  und  Koscielec.  Sie  ist  hier  überall  dem 
Muschelkalk  unmittelbar  aufgelagert.  Auch  bei  der  Eisenhütte  von  Chrza- 
now sind  die  Schichten  dem  Muschelkalke  unmittelbar  aufruhend  im  Fahr- 
wege zu  beobachten.  Die  durch  ihren  Reichthum  von  organischen  Ein- 
schlüssen weitaus  bemerkenswertheste  Aufschlussstelle  der  Schichtenfolge 
im  ganzen  Krakauer  Gebiete  ist  aber  unstreitig  diejenige  bei  dem  nördlich 
von  Chrzanow  gelegenen  Dorfe  Balin.  Bei  der  Anlage  der  Kaiser 
Ferdinands  Nordbahn  wurde  hier  in  den  vierziger  Jahren  ein  etwa  20  Fuss 
tiefer  und  einige  hundert  Schritte  langer  Bodeneinschnitt  ausgeführt,  in 
welchem  graue  Kalkmergel  mit  braunen  Eisenoolithen  in  einer  Mächtigkeit 


232 


Jura-Formation. 


von  etwa  15  Fuss  aufgeschlossen  wurden,  welche  gleich  Anfangs  durch 
den  ausserordentlichen  Reichthum  von  wohl  erhaltenen  Versteinerungen 
die  Aufmerksamkeit  auf  sich  zogen.  In  Wien,  wohin  umfangreiche  Samm- 
lungen dieser  Versteinerungen  gelangten,  haben  Suess,  Laube  und  Reuss 
dieselben  einer  eingehenden  Bearbeitung  unterzogen.  Als  ein  allgemeines 
Ergebniss  dieser  Untersuchungen  hat  sich  die  Vereinigung  von  Arten 
mehrerer  tieferer  Niveau’s  des  mittleren  Jura,  namentlid.h  der  von  d’Or- 
bigny  als  „Etage  Bajocien"^  und  „Etage  Bathonien^‘  bezeichneten 
Abtheilungen,  mit  solchen  der  Macrocephalus- Schichten  (d’Orbigny’s 
Etage  Callovien)  ergeben.  Dieses  Ergebniss  ist  bei  der  geringen  nur 
wenige  Fuss  betragenden  Mächtigkeit  der  Schichtenfolge  um  so  auffallen- 
der. Die  unmittelbare  Unterlage  der  versteinerungsführenden  Schichten 
wird  in  dem  Eisenbahneinschnitte  durch  hellfarbige  röthlich  und  bläulich 
graue  Thonmergel  gebildet,  welche  ich  schon  im  Jahre  18G2  als  Keuper- 
Mergel  bestimmt  habe.  Uebrigens  ist  gegenwärtig  der  ganze  durch  den 
fraglichen  Eisenbahneinschnitt  früher  gewährte  bemerkenswerthe  Auf- 
schluss der  Beobachtung  fast  völlig  wieder  entzogen,  da  die  Böschungen 
des  Einschnitts  allmählich  mit  Rasen  bewachsen  sind.  Kaum  dass  man 
auf  dem  Bahndamme  noch  einzelne  kleinere  Arten  von  Versteinerungen 
findet. 

Erst  mehrere  Meilen  nördlich  von  Bai  in  folgt  nun  die  ebenfalls  sehr 
bemerkenswerthe  Aufschlussstelle  von  Poinorzany  bei  Olkusz.  In  einem 
Hohlwege  östlich  von  dem  Dorfe  stehen  in  einer  nur  6 bis  8 Fuss  betragen- 
den Mächtigkeit  braune  mit  wohl  erhaltenen  Versteinerungen  erfüllte  Kalk- 
Mergel  an,  welche  nach  unten  unmittelbar  auf  Keuper  und  zwar  auf  rothen 
Thonen  der  Lettenkohlengruppe  aufruhen,  nach  oben  aber  von  weissen 
mergeligen  Kalkschichten  mit  Ämmonites  cordatus  überlagert  werden.  Die 
Grundmasse  des  Gesteins  ist  ein  dichter  grauer  Kalk.  Die  gelbbraune 
Farbe  wird  durch  die  zahlreich  eingestreuten  Mohn-  oder  Hirsekorn-grossen 
oolithischen  Körner  von  Brauneisenstein  bewirkt.  Ausser  diesen  feinen 
Körnern  kommen  aber  auch  Haselnuss-  bis  Wallnuss-grosse  rundlich  eckige 
Stücke  von  Brauneisenstein  vor  und  indem  diese  an  Häufigkeit  zunehmen, 
wird  das  ganze  Gestein  zu  einem  Conglomerate.  Neben  den  Brauneisen- 
stein-Knollen sind  in  diesem  Conglomerate  auch  kleinere  und  grössere 
Quarzgerölle  häufig.  Die  Fauna  dieser  Schichten  von  Poinorzany  stellt, 
wie  diejenige  von  Balin,  anscheinend  eine  Vereinigung  von  Formen  des 
„Etage  Callovierfi*^  mit  solchen  der  „Etage  Bajocien"^  dar.  Mit  ganz 
gleichem  Habitus  ist  die  Schichtenfolge  bei  dem  Vorwerke  Mazaniec 
südlich  von  Olkusz  aufgeschlossen.  Fast  l*',  Meile  nordwestlich  von 


Jura -Formation. 


233 


Olkusz  tritt  die  Schich'tenfolge  wieder  bei  Bl§dow  hervor.  In  einem 
nördlich  von  dem  Dorfe  gelegenen  Hohlwege  erscheint  sie  hier  in  unmittel- 
barer Auflagerung  auf  rothe  Keuper-Thone  in  einer  Mächtigkeit  von  3 bis 
4 Fuss.  Das  kalkige  Gestein  ist  hier  mit  faust-  bis  kopfgrossen  Exempla- 
ren von  Ammonites  macrocephalus  erfüllt.  Wiederum  Meile  weiter  gegen 
Nordwesten  sind  die  Schichten  bei  Rokitno,  Wysoka  und  Ci§gowice 
bekannt.  Bruchstücke  des  mit  braunen  Eisenoolithen  erfüllten  Kalksteins 
liegen  hier  überall  auf  den  Feldern  umher.  Bei  Ci§gowice  kommen 
nach  Zeuschner’)  Ammonites  macroceplialus  und  A.  Jason  zusammen  mit 
Ammonites  linguiferus  und  anderen  für  die  untere  Abtheilung  des  braunen 
Jura  bezeichnenden  Fossilien  in  einer  2 bis  3 Fuss  dicken  Schicht  von  brau- 
nem Mergel  mit  Lagen  von  Eisenoolith  vor,  welche  auf  grauen  Thonen  der 
Parkinsoni-Schichten  aufruht.  Durch  seine  Lage  bemerkenswerth  ist  dann 
ferner  ein  kleiner  Aufschlusspunkt  nördlich  A^on  dem  am  Wege  von  Kro- 
molow  nach  Pilica  gelegenen  Dorfe  Karl  in.  Ganz  in  dem  Bereiche 
des  weissen  Jurakalks  gelegen,  treten  hier  die  mit  Eisenoolithen  erfüllten 
Kalkmergel,  durch  Belemnites  liastatus  und  andere  Fossilien  in  ihrem  Alter 
bezeichnet,  in  einer  kleinen  Schlucht  unter  weissen  Kalkschichten  hervor. 

In  ganz  ähnlicher  Weise  ringsum  von  weissem  Jura  umgeben  wurden 
übrigens  die  gleichen  Schichten  auch  bei  KarnioAvice  und  Nielepice 
östlich  von  Kr zeszo  wie e an  Punkten,  die  allerdings  schon  ausser  dem 
Bereiche  der  Karte  liegen,  beobachtet. 

Ein  deutlicher  Aufschluss  der  Schichten  findet  sich  bei  Blano Avice 
nordwestlich  von  Kromolow.  Sie  treten  hier  östlich  von  dem  Dorfe,  an 
dem  Fusse  des  hier  ziemlich  steilen  Abhanges  des  jurassischen  Höhen- 
zuges, dicht  neben  dem  an  der  Landsstrasse  gelegenen  Kalkofen  hervor. 
Es  sind  4 bis  5 Fuss  mächtige  Schichten  von  gelben  Kalkmergeln  mit  Eisen- 
oolithen, deren  Auflagerung  auf  die  Schichten  mit  Ammonites  ParMnsoni 
hier  eben  so  deutlich  ist  wie  die  unmittelbare  Bedeckung  durch  die  weissen 
Kalkmergel  mit  Ammonites  cordatus.  Neben  dem  Ammonites  macroce'phalus 
sind  hier  Am,  Jason  und  Am,  liecticus  häufig.  Ganz  ähnliche  Aufschlüsse 
der  Schichten  sind  bei  Losnice  und  Bzoav  vorhanden.  Auch  zwischen 
Wlodowice  und  Choron  gehen  die  Schichten  an  zahlreichen  Punkten  am 
Avestlichen  Fusse  des  Jura-Zuges  zu  Tage  aus.  Man  kennt  sie  ferner  am 
Avestlichen  Fusse  der  isolirten  aus  Aveissen  Kalkmergeln  mit  Ammonites 
cordatus  zusammengesetzten  kleinen  Kuppe  bei  Bleszno  südlich  von  Czen- 
stochau.  Zahlreiche  Stücke  des  rauh  anzufühlenden  sandigen  Kalk- 


1)  Vergl.  Zeltschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Bd,  XXI.,  1869,  S.  782. 


30 


234 


Jura-Formation. 


Steins  liegen  dort  am  Fusse  des  Hügels  umher.  Bei  Czenstochau  selbst 
sind  die  Schichten  am  Westabhange  des  Clarenberges  vorhanden,  wenn 
auch  nicht  deutlich  aufgeschlossen  Nordwestlich  von  Czenstochau  fol- 
gen die  Aufschlüsse  bei  Klobucko.  Es  befinden  sich  hier  Steinbrüche  in 
dem  sandigen  Kalkstein,  der  auch  hier  von  den  weissen  Kalkmergeln  mit 
Ammonites  cordatus  überlagert  wird.  Den  letzten  bekannten  Punkt  in  der 
Verbreitung  der  Schichtenfolge  gegen  Nord  westen  bildet  endlich  Wielun. 
Unmittelbar  südlich  von  der  Stadt  befinden  sich  Steinbrüche,  iü  welchen 
ganz  flach  gelagerte  Bänke  eines  rauh  anzufühlenden  sandigen  Kalksteins 
von  strohgelber  oder  im  frischen  Zustande  hellgrauer  Farbe  gebrochen 
werden.  Die  Mächtigkeit  der  Schichtenfolge  kann  gegen  30  Fuss  betragen. 
Das  Gestein  enthält  in  grosser  Häufigkeit  Ammonites  macroceplialus , der 
hier  zum  Theil  fussgross  wird.  Von  anderen  Fossilien  wurde  nur  Pecten 
lens  von  uns  beobachtet. 

c.  Organische  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.  21. 

Die  hier  in  Rede  stehenden  Schichten  sind  durchgängig  sehr  reich  an 
wohl  erhaltenen  Versteinerungen  und  namentlich  sind  die  oberen  mergeli- 
gen Schichten  mit  solchen  erfüllt.  Es-  ist  hier  aber  nicht  die  Absicht  eine 
vollständige  Aufzählung  der  sämmtlichen  sehr  zahlreichen  von  Balin  bis 
Wielun  in  diesen  Schichten  beobachteten  Arten  zu  geben,  denn  einmal  ist 
für  eine  solche  Aufzählung  das  vorliegende  Material  nicht  genügend  und 
andererseits  würden,  wenn  man  alle  bei  Balin  und  Pomorzany  vor- 
kommende Arten  in  eine  solche  Aufzählung  aufnähme,  obgleich  viele  der- 
selben in  anderen  Gegenden  Europas  tieferen  Abtheilungen  des  mittleren 
oder  braunen  Jura  als  der  durch  Ammonites  macrocephalus  bezeichneten 
angehören,  leicht  ein  ganz  falsches  Bild  von  der  Fauna  der  eigentlichen 
Schichtenfolge  mit  Ammonites  macroceplialus  erhalten.  Es  wird  daher  nur 
eine  Anzahl  der  wichtigsten  und  durch  eigene  Beobachtung  mir  bekannt 
gwordenen  Arten  nachstehend  aufgeführt  werden.  In  Betreff  der  übri- 
gen namentlich  bei  Balin  und  Pomorzany  aufgefundenen  Arten  wird 
die  Frage  offen  gelassen  werden,  ob  hier  wirklich  eine  Vereinigung  von 
Arten  aus  mehreren  sonst  geschiedenen  Stockwerken  des  braunen  Jura  in 
denselben  Schichten  Statt  findet,  oder  ob  diese  anscheinende  Vereinigung 
auf  Täuschung  beruht  und  auch  an  den  genannten  Lo calitäten  die 
anderswo  in  ihrem  Vorkommen  geschiedenen  Arten  in  getrennten  Schich- 
ten liegen. 


Jura-Formation. 


235 


Verzeichniss  der  in  den  Schichten  mit 
Ammonites  macrocephalus  zwischen  Balin  und  Wielun  beobachteten 
Arten  von  Versteinerungen. 

1)  Ammonites  macrocephalus  Schloth. ; Taf.  21,  Fig.  1. 

Dieses  Leitfossil  der  ganzen  Schichtenfolge  hat  sich  auch  an  den  ver- 
schiedensten Stellen  in  derselben  gefunden.  Bei  Balin  ist  er  nicht  häufig 
und  kommt  gewöhnlich  auch  nur  in  kleinen  Exemplaren,  wie  Fig.  1 ein 
solches  darstellt,  vor.  Sehr  häufig  ist  er  bei  Bl§dow,  südlich  von  Nie- 
gowoniec,  wo  er  zusammen  mit  Am,  macrocephalus  in  faustgrossen  Exem- 
plaren vorkommt.  In  deutlicher  Erhaltung  haben  wir  ihn  ferner  bei 
Blanowice  neben  dem  Kalkofen  beobachtet.  Sehr  häufig  und  zum  Theil 
in  fussgrossen  Exemplaren  findet  er  sich  in  den  sandig-rauhen  Kalksteinen 
bei  Wielun.  Einzelne  Exemplare  wurden  auch  bei  Mirow  und  Paczol- 
towice  im  Krakau’schen  erhalten. 

2)  Ammonites  hullatus  d ’ 0 r b.  ( Am,  platystomus  Q u e n s t.) 

Kur  ein  einziges,  aber  sehr  wohl  erhaltenes  und  mit  völliger  Sicherheit 
bestimmbares  faustgrosses  Exemplar  von  Kamien  südlich  von  Alwernia 
liegt  vor.  Die  Art  kommt  in  Schwaben  und  in  Frankreich  in  denselben 
Schichten  mit  Ammonites  macrocephalus  vor. 

3)  Ammonites  hecticus  Rein.;  Taf.  21,  Fig.  3. 

An  vielen  Punkten  häufig.  So  namentlich  bei  Alwernia,  Kamien, 
Regulice  und  Blanowice.  In  Süddeutschland  und  in  Frankreich  ist 
die  Art  ebenfalls  ein  gewöhnlicher  Begleiter  des  Am,  macrocephalus,  Fig.  3 
stellt  ein  mittelgrosses  Exemplar  von  Alwernia  dar. 

4)  Ammonites  funatus  Oppel  (Ammonites  triplicatus  Quenstedt  [non 
Sowerby]);  Taf.  21,  Fig.  2. 

Quenstedt  beschreibt  als  A,  triplicatus  Sow.  einen  Ammoniten  aus 
der  Familie  der  Planulaten,  welcher  überall  in  Schwaben  der  gewöhnliche 
Begleiter  des  Am,  macrocephalus  ist.  Oppel  nennt  diese  Art  Am,  funatus, 
indem  er  bemerkt,  dass  die  schwäbische  Art  in  England  gar  nicht  vor- 
komme. Mit  diesem  schwäbischen  A,  funatus,  von  welchem  mir  Exem- 
plare namentlich  von  Lochenbach  vorliegen,  stimmt  nun  ein  in  den  ent- 
sprechenden Schichten  Polens  vorkommender  Planulat  vollständig  überein. 
Bei  einem  Durchmesser  von  etwa  zwei  Zoll,  wie  Fig.  2 ein  solches  von 
Balin  darstellt,  zeigt  der  letzte  Umgang  tiefe  hohlkehlenartige  Ein- 
schnürungen in  Abständen  von  oder  ‘I4  des  Umgangs  und  in  der  Mitte 
des  Rückens  vereinigen  sich,  wenigstens  auf  den  Steinkernen,  die  Rippen 
nicht  vollständig,  sondern  bleiben  durch  eine  flache  Mittellinie  getrennt. 

30’" 


236 


Jura-Formation. 


Bei  grösseren  Exemplaren  von  etwa  vier  Zoll  Durchmesser  fehlen  dem 
letzten  Umgänge  die  hohlkehlenförmigen  Einschnürungen  fast  ganz  und 
die  Rippen  beginnen  in  der  Nähe  ihres  Ursprungs  am  Nabel  als  längliche 
Knoten. 

Vorkommen:  Dieser  Ammonit  ist  die  häufigste  Art  der  Gattung  in 
den  fraglichen  Schichten.  Exemplare  desselben  liegen  namentlich  vor 
von  Balin,  Filipowice,  Kamien,  Alwernia  und  Bl§dow.  Von  der 
letzteren  Localität  sind  Exemplare  vorhanden,  welche  in  demselben  Hand- 
stücke mit  Am.  macrocephalus  verwachsen  sind. 

5)  Ammonites  Jason  Rein. 

Während  diese  Art  in  anderen  Gegenden  für  den  Ornaten-Thon  bezeich- 
nend ist,  liegt  sie  in  Polen  mit  dem  Am.  macrocephahis  zusammen.  Nament- 
lich bei  Blanowice  ist  dieses  Zusammenvorkommen  sicher.  Ausserdem 
wurde  es  von  uns  auch  bei  Alwernia  und  bei  Filipowice  beobachtet. 
Zollgrosse  Exemplare  zeigen  auch  eine  Knotenreihe  auf  der  Mitte  der 
Seitenflächen,  grössere  haben  nur  eine  Knotenreihe  am  Nabel  und  eine 
andere  auf  der  Rückenkante. 

6)  Belemnites  subJiastatus  Zieten-  Taf.  21,  Fig.  4,  5. 

In  Schwaben  bezeichnet  diese  Art  überall  die  Schichten  des  Ammonites 
macrocephalus.  Die  vorliegenden  polnischen  Exemplare  pa’ssen  gut  zu  den 
schwäbischen.  Grosse  Exemplare,  wie  das  Fig.  4 abgebildete,  fand  ich 
namentlich  bei  Alwernia.  Kleinere  Exemplare,  wie  das  Fig.  5 abgebil- 
dete, fandensich  an  mehreren  Localitäten  namentlich  bei  Filipowice  und 
Alwernia. 

7)  Chemnitzia  lineata  d’Orb.-  Taf.  21,  Fig.  6. 

Exemplare  von  Balin,  wie  Fig.  6 ein  solches  darstellt,  gleichen  durch- 
aus denjenigen  aus  dem  „Etage  BajocieiV^  von  Bayeux  und  Dun  dry.  Ist 
wie  mehrere  Autoren  und  auch  Laube*)  anzunehmen  geneigt  sind,  diese 
Art  von  Chemnitzia  Heddingtonensis  nicht  specifisch  verschieden,  so  passt 
sie  yu  dem  Niveau  des  Ammonites  macrocephalus. 

8)  Trochus  duplicatus  Sow.  * Taf.  21,  Fig.  7.  ' 

Diese  durch  zwei  genäherte  Knotenreihen  ausgezeichnete  kleine  Art, 
welche  eine  der  häufigsten  Gastropoden  der  Baliner  Fauna  ist,  gehört  vor- 


1)  Vergl.  Die  Gastropoden  des  braunen  Jura  von  Balin  mit  3 Tafeln  von  Dr.  Gustav 
C.  Laube.  Denkschrift  der  Wiener  Akademie  Bd.  XXVIL,  1867,  Von  demselben  Autor  sind  die 
Lainellibranchiaten  bearbeitet  unter  dem  Titel:  Die  Bivalven  des  braunen  Jura  von  Balin, 
mit  5 Tafeln.  Wien  1867,  ebendaselbst.  Unter  dem  Titel:  Die  Bryozoen,  Anthozoen  und 
Spongiarien  des  braunen  Jura  von  Balin,  mit  4 Tafeln.  Wien  1867  hat  endlich  A.  E.  Reuss 
die  niederen  Thierformen  derselben  Localität  bearbeitet. 


Jura-Formation. 


237 


zugsweise  den  tieferen  Schichten  des  braunen  Jura  an,  kommt  jedoch  nach 
Laube  bei  Montreuil-Bellay  auch  im  „Etage  Callovien^^  vor. 

9)  Natica  Cryihea  d’Orb.;  Taf.  21,  Fig.  8. 

Laube  a.  a.  0.  S.  4,  Taf.  L,  Fig.  6. 

Diese  bei  Balin  häufige  Art,  deren  hohes  Gewinde  nicht  recht  zu  der 
generischen  Bestimmung  als  passt,  wird  von  d’Orbigny  aus  der 

unteren  Abtheilung  seines  „Etage  Oxfordien^^  aufgeführt  und  Quenstedt 
rechnet  gewisse  in  den  schwäbischen  Macrocephalus- Schichten  vorkom- 
mende Steinkerne  zu  derselben. 

10)  Pecten  lens  Sow.  • Taf.  21,  Fig.  10. 

Da  diese  Art  durch  den  ganzen  mittleren  Jura  hindurchgeht,  so  ist  sie 
für  die  speciellere  Altersbestimmung  der  Schichten  allerdings  kaum  zu 
verwerthen.  Es  liegen  wohl  erhaltene  Exemplare  von  Balin  und  Kamien 
vor.  Ein  kleineres  Exemplar  fand  ich  in  Wielun  in  demselben  Hand- 
stücke mit  Ämmonites  macrocephalus,  Laube  führt  die  Art  auch  von 
Brodla,  Sanka  und  Koscielec  auf.  Fig.  10  stellt  ein  Exemplar  der 
linken  Klappe  von  Balin  dar. 

11)  Pecten fihrosus  Sow. 

Diese  Art  ist  bei  Sanka,  Mirow  und  Kamien  sehr  häufig.  Sie  wird 
auch  von  d’Orbignj  als  den  Schichten  des  Ämmonites  macrocephalus  an- 
gehörig aufgeführt. 

1 2)  Lima  proboscidea  Sow.;  Taf.  21,  Fig.  1 1 . 

Diese  durch  grosse  horizontale  und  verticale  Verbreitung  ausgezeichnete 
Art  ist  bei  Balin,  Kamien,  Alwernia  und  Pomorzanj  sehr  häufig. 
Besonders  häufig  finden  sich  Bruchstücke  von  einzelnen  Röhrenstacheln, 
wie  Fig.  11  eines  dergleichen  von  Mirow  darstellt. 

13)  Lima  duplicata  Sow.  (Limea  duplicata  Laube).  - 

Laube  führt  die  Art  von  Balin  und  andern  Orten  im  Krakau’schen  auf. 
Ich  selbst  sammelte  Exemplare  bei  Alwernia.  Kach  d’Orbigny  ist  die 
Art  für  das.Callovien  und  das  Oxfordien  bezeichnend. 

14)  Opis  Leckenhyi  W right Taf.  21,  Fig.  9. 

Laube  a.  a.  0.  p.  34,  Taf.  IV.,  Fig.  3. 

Kach  Lycett  gehört  diese  schöne  Art  in  England  dem  Cornbrash  an. 
Bei  Balin  ist  sie  nicht  ganz  selten. 

15)  Terehratula  intermedia  Sow.;  Taf.  21,  Fig.  12. 

In  England  ist  diese  Art  nach  Davidson  im  Cornbrash  verbreitet.  Bei 
Balin  und  Pomorzany  gehört  sie  zu  den  häufigeren  Arten.  In  dem 
Umriss  der  ganzen  Schale  und  in  der  Stärke  der  Falten  zeigt  sie  sich  sehr 
veränderlich.  Fig.  12  stellt  eines  der  grösseren  Exemplare  dar. 


238 


Jura-Formation. 


16)  Terehratula  dorsoplicata  var.  Perrieri  Desion gchamps  (Bullet, 
soc.  Linn.  Norm.  Vol.  IV.,  1859,  Extrait  pag.  26)-  Taf.  21, 
Fig.  13. 

Bei  Pomorzanj  ist  sie  nicht  selten.  Fig.  13  stellt  das  grösste  der 
von  dort  vorliegenden  Exemplare  dar.  Ein  durch  Saemann  in  Paris  er- 
haltenes Exemplar  von  Marners  (Sarthe)  stimmt  vollständig  mit  dem  abge- 
bildeten von  Pomorzany  überein. 

17)  Terehratula  Saemanni  Oppel;  Taf.  21,  Fig.  14. 

Diese  in  die  Gruppe  der  Cincten  gehörende  Art,  welche  bei  Balin  und 
Pomorzany  häufig  ist,  zeigt  grosse  Veränderlichkeit  in  Betreff  der  grösse- 
ren oder  geringeren  Aufblähung  der  Schale  und  in  Betreff  der  mehr  oder 
minder  verlängerten  Gestalt  der  Schale.  Nach  D eslongchamps  (Notes 
sur  le  terrain  Callovien.  Bullet,  soc.  Linn.  Norm.  Vol.  IV.,  1859)  ist  diese 
Art  im  mittleren  Callovien  Nord-Frankreics  sehr  häufig.  Fig.  14  stellt  eines 
der  grösseren  Exemplare  von  Pomorzany  dar. 

18)  Waldheimia  Mandelslohi  Oppel*  Taf.  21,  Fig.  15. 

Diese  mit  Terehratula  impressa  verwandte  Art  ist  nach  Oppel  (Jura- 
Formation  p.  495)  für  den  Cornbrash  in  Schwaben  und  der  Schweiz  be- 
zeichnend. Sie  gehört  bei  Pomorzany  zu  den  häufigeren  Arten.  Fig.  15 
stellt  ein  Exemplar  von  dort  dar. 

19)  Rhynchonella  Ferryi  Desion  gchamps;  Taf.  2 1 , Fig.  16. 

So  hat  mir  Suess,  auf  die  Kenntniss  französischer  Original-Exemplare 
sich  stützend,  eine  von  mehreren  ähnlichen,  wie  namentlich  Bhyn.  pinyuis, 
jedenfalls  schwer  zu  unterscheidende  Art  bestimmt,  welche  bei  Pomor- 
zany, Balin,  Mirow,  Alwernia  und  anderen  Orten  im  Krakau’schen 
sehr  häufig  ist.  Fig.  16  stellt  ein  grosses  Exemplar  von  Pomorzany  dar. 

20)  Rhynchonella  varians  d’Orb.;  Taf.  21,  Fig.  17,  18. 

Diese  wohl  bekannte  Art  ist  bei  Balin  ausserordentlich  häufig.  Die 
verticale  Verbreitung  der  Art  betreffend,  so  hat  sie  zwar  ihre  Hauptent- 
wickelung in  tieferen  Abtheilungen  des  braunen  Jura,  steigt  aber  nach 
Deslongchamps  (Notes  sur  le  terrain  Callovien.  Bullet.  Soc.  Lin.  Norm. 
Vol.  IV.,  1859,  [Extrait]  p.  42)  in  Frankreich  bis  in  die  unteren  und  mitt- 
leren Schichten  des  „Etage  Callovien“  hinan.  Fig.  17  und  18  stellen  ein 
Exemplar  von  Balin  dar. 

21)  Holectypus  depressus  Desor. ; Taf.  21,  Fig.  19. 

Diese  weit  verbreitete  Art  ist  auch  bei  Balin  häufig.  Die  Abbildung 
zeigt  ein  schon  zu  den  grösseren  gehörendes  Exemplar  von  oben. 

22)  Collyrites  analis  D e s m o u 1.  var.  minor.  (Dysaster  avellana  A g a s s.) ; 
Taf.  21,  Fig.  20. 


Jura-Formation. 


239 


Sehr  häufig  bei  Balin.  Sonst  auch  bei  Zalae  und  Mirow.  Wird  sel- 
ten grösser,  als  das  Fig.  19  abgebildete  Exemplar. 

.2 3)  Echinohrissus  clunicularis  D e s o r.  ( Nucleolites  dunicularis  B 1 a i n v.) ; 

Taf.  21,  Fig.  21. 

Diese  weit  verbreitete  Art  steigt  nach  Hebert  aus  den  tieferen  Abthei- 
lungen des  braunen  Jura  bis  in  das  Callovien.  Bei  Balin  nicht  selten,  aber 
weniger  häufig  als  die  beiden  anderen  Arten. 

Aus  der  vorstehenden  Aufzählung  von  Versteinerungen  ergiebt  sich 
jedenfalls  so  viel,  dass  von  den  organischen  Einschlüssen,  welche  in  ande- 
ren Gegenden  die  gewöhnlichen  Begleiter  des  Ammonites  macroceplialus 
sind,  auch  in  Polen  die  bezeichnendsten  Arten  mit  den  genannten  Ammo- 
niten sich  zusammenfmden.  Im  Krakau’schen  und  namentlich  bei  Balin 
sind  allerdings  mit  denselben  andere  Formen  vereinigt,  welche  sonst  nur 
in  tieferen  Abtheilungen  des  braunen  Jura  und  namentlich  in  den  von  A. 
d’Orbigny  als  „Etage  Bajocien“  und  „Etage  Bathonien^^  bezeichneten 
Abtheilungen  Vorkommen  ^).  Allein  hier  ist,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde, 
die  Frage  noch  nicht  ganz  ausgeschlossen,  ob  wirklich  diese  sonst  geschie- 
denen Formen  hier  in  derselben  Schicht  verkommen  oder  ob  diese  Vereini- 
gung bei  der  Dünnheit  der  Schichten  und  der  Gleichartigkeit  des  Materials 
nur  eine  scheinbare  ist.  Uebrigens  ist  diese  anscheinende  Vermischung  von 
Formen  des  Bajocien  und  Bathonien  mit  solchen  des  Callovien  auch  nur 
auf  den  südlichen  Abschnitt  der  Zone  beschränkt.  In  dem  nordwestlichen 
Abschnitte  derselben  zwischen  Czenstochau  und  Wielun  und  nament- 
lich bei  Wielun  selbst  ist  der  Ammonites  macrocephalus  nur  mit  solchen 
Arten  vergesellschaftet,  welche  ihn  auch  sonst  zu  begleiten  pflegen,  wie 
namentlich  Am.funatus  Oppel.  Nach  oben  hin  scheinen  die  Schichten  des 
Ammonites  macrocephalus  in  Polen  von  der  Zone  des  Ammonites  anceps  nicht 
scharf  geschieden  zu  sein.  Wenigstens  fand  sich  bei  Blanowice  Am, 
Jason  mit  Ammonites  macrocephalus  zusammen. 


1)  Nachdem  das  Vorstehende  bereits  gedruekt  war,  geht  mir  soeben  Nr.  17  von  Jahrg.  1860  der 
Verh,  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  zu,  in  welchem  S.  392  Dr.  M.  Neumayr  die  Ergebnisse  seiner 
Untersuchungen  über  die  Cephalopoden  von  Balin  mittheilt.  Derselbe  führt  sechszig  Cephalopoden- 
Arten  aus  den  Baliner  Schichten  auf  und  bemerkt  dann:  „Aus  dieser  Aufzählung  geht  hervor,  dass 
die  Macrocephalus-  und  Aspidoides-Schichten  am  stärksten,  nächst  diesen  die  Anceps-  und  Athleta- 
Schichten  vertreten  sind  und  dass  die  Cephalopoden-Fauna  von  Balin  vollständig  der  des  Gross- 
Ooliths  über  der  Füllers  earth  und  des  Callovien  P'rankreichs  und  Englands  oder  dem  oberen  Theile 
der  Dentalien-Thone,  der  Macrocephalus -Oolithen  und  Ornaten-Thonen  Württembergs  entsprechen. 
Der  stets  ein  wenig  über  den  Ornaten-Thonen  liegende  Amaltheus  Lamberii  hat  sich  noch  gefunden. 
Von  jüngeren  Arten  ist  keine  Spur  vorhanden.“  Von  Arten,  welche  auf  noch  tiefere  Niveaus  als  die 
genannten  deuteten,  sind  nur  unbestimmte  Andeutungen  vorhanden. 


240 


Jura-Formation. 


d.  Schichten  des  Ammonites  cordatus^'). 

1,  Petrographisches  Verhalten  und  Begrenzung. 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  die  ganze  Reihenfolge  kalkiger 
Schichten  begriffen,  in  welchen  der  Ammonites  cotdatus  vorkommt.  Mit 
derselben  beginnt  in  Polen  in  scharfem  Contraste  gegen  die  tiefer  liegenden 
Ablagerungen  der  weisse  Jura,  wenn  man  denselben  nach  dem  petro- 
graphischen  Verhalten  begrenzt.  Weisse  oder  hellgraue  Kalkmergel  und 
Kalksteine  sind  die  herrschenden  Gesteine.  Die  zum  Theil  sandige  Natur 
der  tieferen  Schichten  ist  vollständig  verschwunden  und  ebenso  fehlen  die 
Eisenoolithe,  mit  welchen  die  Schichten  des  Ammonites  macrocephalus 
meistens  erfüllt  sind.  Nach  oben  hin  ist  dagegen  die  Grenze  in  petro- 
graphischer  Beziehung  viel  unbestimmter,  indem  die  folgende  Schichten - 
folge  aus  ganz  ähnlichen  weissen  Kalksteinen  besteht,  wie  hier  nach  oben 
hin  vorherrschen. 

2.  Verbreitung. 

Die  Schichtenfolge  des  Ammonites  cordatus  bildet  eine  schmale  Zone 
am  westlichen  Abhange  des  jurassischen  Höhenzuges,  welche  sich  aus  dem 
Krakau’schen  Gebiete  bis  Czenstochau  verfolgen  lässt  und  auch  bei 
Wielun  noch  einmal  nachweisbar  ist.  Gewöhnlich  reicht  die  Schichten- 
folge etwa  von  der  Mitte  des  westlichen  Abhanges  bis  auf  die  Höhe  des 
ersten  Rückens.  Im  Krakau’schen  Gebiete  sind  die  bezeichnenden  orga- 
nischen Formen  der  Schichtenfolge  durch  Hohen  egg  er  und  Oppel  an 
vielen  Punkten  beobachtet  worden,  so  namentlich  bei  Zalas,  Paczolto- 
wice  und  Trzebinia.  Bei  Pomorzany  unweit  Olkusz  beobachtet  man 
die  weissen  Kalk-Schichten  m\i  Ammonites  cordatus  in  unmittelbarer  Auflage- 
rung auf  den  versteinerungsreichen  mit  braunen  Eisenoolithen  erfüllten  Kalk- 
mergeln mit  Am.  Bei  Bledow  nordwestlich  von  Olkusz 

wird  eine  kleine  von  Keuper  umgebene  Kuppe  durch  hierher  gehörende 
Kalkschichten  gebildet.  Ebenso  bestehen  weiter  nördlich  die  ähnlich  isolir- 
ten  Kuppen  von  Wysoka  und  Rokitno  aus  kalkigen  Schichten  dieser 
Gruppe.  In  ausgedehnterer  Entwickelung  treten  die  Schichten  in  der  Ge- 
gendvon  Ogrodziniec,  Kromolow,  Wfodowice,  Zarki  und  Choron 
am  Westabhange  des  Höhenzuges  auf.  Bei  Blano  wice  sind  die  Schichten 
in  ihrer  Auflagerung  auf  die  Macrocephalus-Schichten  deutlich  zu  i)eobach- 
ten.  Bei  Bleszno  südlich  von  Czenstochau  sind  auf  der  Höhe  einer  klei- 
nen Kuppe  die  unteren  mergeligen  Schichten  der  Schichtenfolge  deutlich  auf- 


1)  Auf  der  Karte  mit  j 3.  bezcichner. 


Jura-Formation. 


241 


geschlossen.  Bei  Czenstochau  selbst  sind  am  Clarenberge  sowohl  die 
unteren  wie  die  oberen  Schichten  der  Schichtenfolge  in  deutlichen  Auf- 
schlüssen zu  beobachten,  lieber  Czenstochau  hinaus  gegen  Nord- 
westen kennt  man  die  Schichten  nur  an  vereinzelten  aus  dem  Diluvium 
hervortretenden  Punkten,  wie  bei  Libidza  und  Klobucko.  Endlich 
kommen  dieselben  Schichten  auch  bei  Wielun  vor^). 

3.  Gliederung. 

Die  ganze  Schichtenfolge  lässt  leicht  zwei  Glieder  unterscheiden,  näm- 
lich ein  unteres  aus  gelblich  weissen  Kalkmergeln  und  graulich  weissen 
erdigen  Kalksteinen  bestehendes,  in  welchem  nur  eine  kleine  dicke  Form 
des  Ammonites  cordatus  vorkommt,  und  ein  oberes,  aus  weissen  regel- 
mässig geschichteten  Kalksteinen  zusammengesetztes,  welches  die  grosse 
typische  Form  des  Ammon,  cordatus  mit  schneidig  zusammengedrückten 
Rückenkamm  und  grosse  Planulaten  enthält.  Die  untere  Abtheilung 
schliesst  an  vielen  Punkten  zugleich  den  Ammonites  Arduennensis  d’Orb. 
ein  und  könnte  nach  dieser  Art  als  Zone  des  Ammonites  Arduennensis 
bezeichnet  werden.  Beide  Glieder  sind  in  dem  Nachstehenden  getrennt 
zu  betrachten. 

1.  Schichten  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  cordatus 
(Zone  des  Ammonites  Arduennensis). 

Am  deutlichsten  haben  wir  die  hierher  gehörenden  Schichten  am  west- 
lichen Abhange  des  durch  die  berühmte  Wallfahrtskirche  gekrönten  Claren- 
berges  bei  Czenstochau  aufgeschlossen  gefunden,  ln  kleinen  Mergel- 
gruben sind  hier  weissliche  lockere  Kalkmergel  dicht  unter  der  Oberfläche 
des  Bodens  in  einer  Mächtigkeit  von  6 bis  8 Fuss  aufgeschlossen,  welche 
sich  mit  wohl  erhaltenen  Fossilien,  und  namentlich  Arten  von  Ammoniten^ 
Brachiopoden  und  Spongien  ganz  erfüllt  zeigen.  Wenige  Schritte  oberhalb 
dieses  Aufschlusspunktes  befinden  sich  Steinbrüche  in  deutlich  geschichteten 
weissen  Kalksteinen  mit  der  grossen  Form  des  Am.  cordatus^  mit  Am.  per- 
armatus  und  fussgrossen 


1)  E.  Beyric  h (Entwickelung  des  Flötzgeb.  in  Schlesien,  p.  59)  fand  hier  die  Sils  Ammonites 
alternans  bezeichnete  Form  des  Ammonites  cordatus. 


31 


242 


Jura-Formation. 


Um  das  geognostisclie  Niveau  der  Kalkmergel  genauer  bestimmen  zu 
können  sind  zunächst  die  in  denselben  beobachteten  organischen  Ein- 
schlüsse näher  zu  betrachten^). 

Verzeichniss  der  in  den  weissen  Kalkmergeln  am  westlichen 
Abhänge  des  Clarenber'ges  beobachteten  Versteinerungen. 

Vergl.  Taf.  22  und  23. 

1)  Ammonites  cordatus  Sow, ; Taf.  22,  Fig.  3,  4. 

Die  meisten  Exemplare  sind,  wie  Fig.  3 ein  solches  darstellt,  weniger 
als  1 Zoll  gross.  Die  Zahl  und  Stärke  der  Rippen  ist  sehr  veränderlich. 
Bei  manchen  Exemplaren  ist  die  Zahl  der  Rippen  am  Rücken  doppelt  so 
gross  als  bei  der  abgebildeten  Form  und  viel  feiner.  Vom  Ammon,  alter- 
nans  bleibt  er  immer  gut  unterscheidbar,  da  die  Kerben  des  Rückenkiels 
immer  der  Zahl  der  auf  dem  Kiel  sich  vereinigenden  Falten  entspricht, 
während  bei  dem  A,  alternans  die  Zahl  der  Rückenkerben  unabhängig  ist 
von  derjenigen  der  Rippen  und  gewöhnlich  viel  grösser.  Ausser  dieser 
kleineren  Form  kommen  nun  auch  grössere  und  dickere  Exemplare  von 
FI2  Zoll  Durchmesser  mit  subquadratischem  Querschnitt  der  Umgänge  vor. 
Fig.  4 stellt  ein  Bruchstück  eines  Umgangs  dieser  Form  dar.  Dagegen 
fehlt  noch  die  grosse  flach  scheibenförmige  Gestalt  mit  söhneidigem 
Rückenkiel  und  an  den  am  Ende  stark  nach  vorwärts  gewendeten  Rippen, 
wie  dieselbe  Taf.  24  Fig.  2 aus  den  höheren  deutlich  geschichteten  weissen 
Kalken  dargestellt  ist. 

2)  Ammonites  Goliaihus  d’Orb. 

Die  vorliegenden  nur  etwa  zollgrossen  Exemplare  passen  vollständig 
zu  der  Abbildung  der  Art  bei  d’Orbigny  Pal.  Franc.  Terr.  Juras.  Cephalop. 
PI.  196,  Fig.  3.  Diese  grosse  Form  der  Art,  wie  sie  die  Fig.  1 und  2 von 
d’Orbigny  a.  a.  0.  darstellen,  kommen  erst  in  der  oberen  Abtheilung 
der  Schichten  mit  Ammonites  cordatus  vor.  (Vergl.  unsere  Taf.  24,  Fig.  3.) 
Die  Frage  nach  der  Selbstständigkeit  der  Art  und  namentlich  dem  Ammo- 
nites Lamberti  gegenüber  soll  hier  nicht  entschieden  werden. 

3)  Ammonites  convolutus  S c h 1 o t h . 

Unter  der  Benennung  A.  convolutus  ornati  führt  Quenstedt  (Jura  p.  541, 
Taf.  71,  Fig.  9)  die  kleinen,  selten  mehr  als  zwei  Zoll  grossen,  gewöhnlich 


1)  Das  für  diese  Aufzählung  benutzte  Material  wurde  theils  durch  0.  Degenhardt  und  mich 
selbst  bei  einem  gemeinschaftlichen  Besuche  der  Localität  im  Jahre  1866,  theils  durch  Herrn  Berg- 
Referendar  Dondorff,  als  er  mit  den  Special-Aufnahmen  der  dortigen  Gegend  beschäftigt  war, 
gesammelt. 


Jura-Formiition. 


243 


verkiesten  Plaimlaten  des  Ornaten-Thons  in  Schwaben  auf,  welche  nament- 
lich durch  häufige  Einschnürungen  der  Umgänge  ausgezeichnet  sind.  Die- 
selbe Art  ist  in  den  Kalkmergeln  am  Abhange  des  Clarenberges  die 
häufigste  Ammoniten -Art.  Es  liegen  gegen  36  Exemplare  vor,  welche 
vollständig  mit  solchen  aus  Schwaben  und  namentlich  von  Lautlingen 
in  Württemberg  übereinstimmen.  Sie  zeigen  auch  dieselbe  Veränderlich- 
keit in  Betreff  der  Zahl  und  Stärke  der  Rippen  und  in  Betreff  der  Zusammen- 
drückung der  Umgänge  von  den  Seiten.  Zuweilen  sind  die  Rippen  auf  der 
Mitte  des  Rückens  durch  einen  glatten  Streifen  unterbrochen.  A.  d’Or- 
bigny  und  nach  ihm  Oppel  stellen  die  Art  zu  Ämm.  plicatilis  Sow. 

Auch  bei  Bleszno  und  Blano  wie  e ist  die  Art  in  denselben  Schich- 
ten häufig. 

Ein  einzelnes  1*|2  Zoll  grosses  Exemplar  liegt  vor,  welches  auf  den 
gerundeten  Kanten  zwischen  den  Seitenflächen  und  dem  Rücken  mit  läng- 
lichen Knoten  in  fast  regelmässigen  grösseren  Abständen  geziert  ist.  Trotz 
der  Deutlichkeit  dieser  Knoten  sehe  ich  bei  der  Uebereinstimmung  der 
übrigen  Merkmale  dieses  Exemplar  nur  als  eine  Varietät  der  Hauptform  an. 

4)  Ammonites  Arduenneiisis  d’Orb.;  Taf.  22,  Fig.  1,  2. 

Die  Exemplare  von  Czenstochau  stimmen  vollständig  mit  der  Be- 
schreibung und  Abbildung  d’Orbigny’s  (Pal.  Franc.  Terr.  Juras.  Cephalop. 
p.  500,  PI.  185  Fig.  4 — 7)  und  mit  vorliegenden  französischen  Exemplaren 
von  Ecomoy  (Sarthe)  und  Vieil-St.-Remi  (Ardennes)  überein.  Auch  die 
von  d’Orbigny  angegebenen  Verschiedenheiten  der  Form  nach  dem  Alter 
finden  sich  bei  den  polnischen  Exemplaren  wieder.  Bei  den  grössten  der 
vorliegenden  Exemplare  von  3^j2  Zoll  Durchmesser  ist  der  letzte  Umgang 
stark  von  den  Seiten  zusammengedrückt  und  fast  doppelt  so  hoch  als 
breit.  Die  Rippen  schwellen  am  Rücken  etwas  an  und  verlaufen  dann 
ganz  gerade  quer  über  denselben.  Bei  kleineren  1 bis  1^|2  Zoll  grossen 
Exemplaren  sind  die  Umgänge  nicht  von  den  Seiten  zusammengedrückt 
und  im  Querschnitte  fast  rundlich.  Auch  zeigen  die  Rippen  keine  An- 
schwellung gegen  den  Rücken  hin.  Einige  mittelgrosse  Exemplare  haben 
nicht  gegabelte,  sondern  ganz  einfache  Rippen,  welche  sich  am  Rücken 
zu  zwei  spitzen  Knoten  erheben  und  in  der  Mitte  des  Rückens  sich  nicht 
vereinigen  sondern  hier  durch  eine  Furche  getrennt  bleiben.  Es  sind  dies 
die  Merkmale,  durch  welche  der  Raspail  sich  nach  d’Or- 

bigny von  dem  Am,  Arduennensis  unterscheiden  soll.  Es  sind  jedoch 
Zwischenformen  zwischen  dieser  Form  und  der  Hauptform  vorhanden, 
welche  die  Selbstständigkeit  der  genannten  Art  sehr  zweifelhaft  erschei- 
nen lassen. 


31 


244 


Jiira-Formatlon. 


Am  Clären  berge  ist  die  Art  ziemlich  häufig.  Nicht  minder  häufig 
finden  wir  sie  bei  Bleszno  und  Blanowice.  In  Frankreich  ist  die  Art 
in  dem  j^Etage  Oxfordien^^  weit  verbreitet.  Fig.  1 und  2 stellen  ein  mittel- 
grosses Exemplar  mit  dem  Querschnitte  des  letzten  Umgangs  dar. 

5)  Ammonites flexuosus  Münster  (Am.  oculatus  d’Orb.)^  Taf.  22,  Fig.  5. 

Die  vorliegenden  Exemplare  stimmen  vollständig  mit  solchen  aus  dem 
weissen  Jura  [5.  in  Schwaben,  und  namentlich  vom  Hunds  rück  bei 
Streichen  überein.  Zwischen  je  zwei  längere  schon  am  Nabel  entsprin- 
gende sichelförmige  Falten  schieben  sich  auf  der  Mitte  der  Seitenflächen 
2 bis  3 kürzere  Falten  ein.  Auf  den  Rückenkanten  stehen  in  etwa  gleichem 
Abstande  wie  die  längeren  Kanten  längliche  Knoten  und  auf  der  Mitte  des 
Rückens  andere  mit  den  ersteren  alternirende  Knoten.  Das  Fig.  5 abge- 
bildete Exemplar  ist  das  grösste  der  von  Czenstochau  vorliegenden 
Exemplare.  Einige  derselben  sind  mit  Ammonites  Arduennensis  verwach- 
sen, zum  Beweise,  dass  sie  genau  in  dasselbe  geognostische  Niveau  gehö- 
ren. Auch  von  Bleszno  und  Blanowice  liegen  Exemplare  vor. 

Ausser  dieser  grösseren  Form  liegen  Exemplare  einer  kleineren  und 
dickeren  nur  zollgrossen  Form  vor,  bei  welcher  die  Höcker  der  mittleren 
Rückenlinie  viel  kleiner  sind,  als  die  Knoten  auf  den  Seitenkanten  des 
Rückens  und  so  gedrängt  stehen,  dass  sie  einer  Perlenschnur  gleichen  und 
dass  drei  derselben  auf  den  Zwischenraum  zwischen  je  zwei  Knoten  auf 
den  Seitenkanten  kommen.  Ich  rechne  diese  kleinen  Exemplare  als 
Jugendform  zu  der  Hauptform. 

Ammonites  Czenstochaviensis  n.  Taf.  22,  Fig.  6. 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  eine  aufgeblähte  stark  involute  eng 
genabelte  Art  aufgeführt,  welche  sich  durch  einen  eigenthümlichen  Nautilus^ 
ähnlichen  Habitus  von  allen  bekannten  auffallend  unterscheidet.  Der  letzte 
Umgang  ist  etwas  breiter  als  hoch.  Die  grösste  Breite  der  Umgänge  ist  am 
Grunde,  wo  derselbe  mit  senkrechter  glatter  P'läche  gegen  den  tiefen  Nabel 
hin  einfällt.  In  dem  letzteren  sind  die  beiden  vorhergehenden  Umgänge  zu 
etwa  einem  Drittheile  ihrer  Breite  sichtbar.  Das  Anwachsen  der  Umgänge 
in  der  Breite  ist  so  rasch,  dass  der  letzte  Umgang  U|2mal  so  breit  als  der 
vorletzte  ist.  Das  auffallendste  Merkmal  der  Art  bilden  die  wellenförmi- 
gen Falten  oder  Rippen,  welche  den  breiten  Rücken  und  den  grössten 
Theil  der  Seitenflächen  der  Umgänge  bedecken.  Dieselben  sind  nämlich 
auf  der  Mitte  des  Rückens  in  flachem  Bogen  nach  rückwärts  gewendet 
und  erinnern  dadurch  lebhaft  an  die  Oberflächen-Sculptur  gewisser  Nauti- 
len  der  Kreide-Formation,  wie  namentlich  des  N.  Neocomiensis  d’Orb.  und 
des  N,  elegans  Sow.  In  der  That  habe  ich  die  Art  auch  anfänglich  für 


Juia>Forniation. 


245 


einen  Nautilus  gehalten  und  bin  erst  durch  die  Erkennung  der  Loben  oder 
Kammerwand-Suturen  zu  der  richtigen  Gattungsbestimmung  geführt.  Diese 
Suturen  sind  an  dem  einzigen  vorliegenden  Exemplare  nicht  deutlich  genug 
erhalten,  um  sie  in  ihrem  ganzen  Verlaufe  verfolgen  zu  können,  aber  sie 
lassen  unzweifelhaft  den  blattförmig  zerschnittenen  Verlauf  der  Ammoniten- 
Loben  erkennen.  Die  vom  Kücken  über  die  Seitenflächen  hinablaufenden 
Rippen  erreichen  die  Nabelkante  nicht,  sondern  verschwinden  schon  lange 
vorher,  so  dass  eine  etwa  dem  dritten  Theile  der  Seitenflächen  in  der 
Breite  gleichkommende  ebene  und  glatte  Zone  dem  Nabel  zunächst  von 
denselben  frei  bleibt.  Auch  dieses  Verhalten  der  Rippen  ist  ein  bei 
Ammoniten  sehr  ungewöhnliches.  Uebrigens  scheint  dasselbe  nur  dem 
letzten  Umgänge  eigenthümlich  zu  sein,  denn  auf  den  im  Nabel  theil- 
weise  sichtbaren  früheren  Umgängen  gehen  die  Rippen  bis  an  die  Nabel- 
kante heran. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  6 stellt  das  einzige  vorliegende 
Exemplar  von  Czenstochau  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar. 
Die  Kammerwandnähte  sind  von  dem  Zeichner  ungenau  wiedergegeben 
worden.  Die  Zeichnung  sollte  nur  die  Ammoniten-Natur  derselben  erkenn- 
bar machen. 

7)  Ammonites  Eucharis  d’Orbigny  (Pal.  Franc.  Terr.  Jurass.  Cephalop. 
p.  527,  PI.  188,  Fig.  3,  4);  Unsere  Taf.  22,  Fig.  9. 

Diese  flach  scheibenförmige  Art  mit  dreifachem  Kiel  auf  dem  Rücken 
gehört  zu  den  häufigsten  Arten  der  Fauna  bei  Czenstochau.  Die  Exem- 
plare sind  selten  mehr  als  Zoll  gross.  Auch  bei  Bleszno  und  Blano - 
wice  ist  die  Art  in  denselben  Schichten  häufig.  Nach  d’Orbigny  ist  die 
Art  im  Etage  Oxfordien  verbreitet.  Unsere  Fig.  9 stellt  ein  kleines  Exem- 
plar von  Czenstochau  mit  einer  Andeutung  von  sichelförmigen  Falten 
dar,  welche  von  dem  Zeichner  viel  zu  stark  angegeben  sind.  Bei  den 
meisten  Exemplaren  sind  die  Seitenflächen  ganz  glatt.  Vielleicht  gehört 
das  abgebildete  Exemplar  zu  dem  ähnlichen  Am.  Henrici  d’Orb. 

8)  Ammonites  perarmatus  Sow.;  Taf.  22,  Fig.  8. 

Nur  eine  kleine  1^|2  Zoll  grosse  Form  kommt  vor.  Dieselbe  ist  durch 
das  fast  völlige  Fehlen  der  Knoten  an  der  Nabelkante  und  der  Rippen  auf 
den  Seitenflächen  der  Umgänge  von  der  typischen  grossen  Form,  welche 
erst  in  der  oberen  Abtheilung  der  Cbrc/ate-Schichten  erscheint  ausgezeich- 
net. Die  Exemplare  von  Czenstochau  passen  vollständig  zu  den  Abbil- 
dungen bei  d’Orbigny  1.  c.  PI.  185,  Fig.  1,  2,  3.  Auch  von  Blanowice 
liegen  Exemplare  vor.  Die  Abbildung  Fig.  8 stellt  ein  Exemplar  von 
Czenstochau  dar. 


246 


Jura-Formation. 


9)  Ämmonites  crenatus  Brong.  (Am,  dentatus  Rein.);  Taf.  22,  Fig.-7. 

Die  vorliegenden  Exemplare  stimmen  vollständig  mit  solchen  aus 

Schwaben  überein.  Fig.  7. 

10)  Belemnites  hastatus  Blainv. 

Nur  kleine  Exemplare  liegen  vor.  Grössere  Exemplare  erscheinen 
erst  in  der  oberen  Abtheilung  der  Schichtenfolge. 

11)  Hinnites  velatus  d ’ 0 r b . ( Spondylus  velatus  G o 1 d f.) 

Ein  sicher  bestimmbares  Exemplar  liegt  vor. 

12)  Inoceramus  sp. 

Eine  F|2  Zoll  grosse  breite,  stark  gewölbte  und  anscheinend  fast  gleich- 
klappige  Art. 

16)  Terehratula  (Waldheimia)  Delmontana  Oppel  Juraform.  S.  607; 

Unsere  Taf.  22,  Fig.  17. 

Das  Hineingreifen  der  grösseren  Klappe  in  die  kleinere  an  der  Stirn, 
die  gerade  Abstutzung  der  Stirn  und  das  Fehlen  deutlicher  Falten  und 
Inflexionen  zeichnen  die  Art  vor  der  sonst  ähnlichen  T.  lagenalis  aus. 
Oppel,  der  freilich  keine  Abbildung  gegeben  hat,  nennt  sie  eine  der 
bezeichnendsten  Arten  des  „Terrain- ä-chailles^^  der  Umgebungen  von 
Delemont.  Von  dort  liegen  mir  keine  Exemplare  vor,  dagegen  stimmen 
Exemplare  aus  dem  „Terrain- ä-chailles“  bei  Besancon  und  solche  aus 
gleichstehenden  Schichten  von  Heersum  bei  Hildesheim  mit  den  polnischen 
Exemplaren  vollständig  überein.  Mein  Bruder  A.  Roemer  (Oolithengeb. 
S.  54)  hat  sie  als  T,  glohata  Sow.  von  Heersum  beschrieben. 

Diese  Terebratel  ist  das  häufigste  Brachiopod  der  fossilen  Fauna  der 
Schichten  am  Clarenberge.  Auch  bei  Bleszno  und  bei  Blanowice 
ist  sie  in  denselben  Schichten  häufig.  Fig.  17  stellt  eines  der  grösseren 
Exemplare  dar. 

1 4)  Terehratula  nucleata  Schloth.;  Taf.  22,  Fig.  1 6 . 

Die  Exemplare  von  Czenstochau  stimmen  vollständig  mit  Exempla- 
ren aus  Süddeutschland  überein.  Nächst  der  vorhergehenden  Art  ist  die- 
ses die  häufigste  Terebratel  der  Fauna,  Auch  von  Blanowice  liegen 
Exemplare  vor.  Durch  Hohenegger  erhielt  ich  Exemplare  von  Kobi- 
lany  bei  Krakau,  welche  wahrscheinlich  aus  Schichten  desselben  Alters 
herrühren.  Fig.  16  stellt  ein  mittelgrosses  Exemplar  von  Czenstochau  dar. 

15)  Terehratula  reticulata  Schloth.  (T.Kurri  Oppel);  Taf.  22,  Fig.  15. 

Sinus  und  V^ulst  sind  deutlicher  begrenzt  als  bei  der  gewöhnlichen  süd- 
deutschen Form.  Auch  die  Falten  gröber  und  die  gegitterte  Sculptur  weniger 
deutlich  als  dort.  Aber  auch  in  Süddeutschland  zeigt  sich  die  Art  in  diesen 
Beziehungen  veränderlich.  Die  Art  ist  bei  Czenstochau  nicht  selten. 


Jura-Formation. 


247 


16)  Rhynclionella  lacunosa  Schloth. ; Taf.  22,  Fig.  10. 

Die  Exemplare  passen  gut  7a\  der  süddeutschen  Form.  Nur  sind  die 
Falten  vielleicht  etwas  weniger  zahlreich,  als  bei  dieser.  Oppel  (lieber 
die  Zone  des  Ammon,  transversarius  pag.  294)  hat  unter  der  Benennung 
Bhynch.  Arolica  eine  Form  der  Bh.  lacunosa  beschrieben,  welche  durch 
geringere  Zahl  und  die  grössere  Stärke  der  Falten  von  der  Hauptform 
unterschieden  sein  soll.  Eine  grössere  Form  dieser  letzteren,  welche  im 
Krakauer  Jura  in  der  Zone  des  Ammonites  transversarius  an  vielen  Locali- 
täten  häufig  sein  soll,  nennt  er  Bhynchonella  Visulica.  Vielleicht  ist  sie  mit 
dieser  Art  identisch.  Neben  Terebratula  Beimontana  ist  sie  das  häufigste 
Brachiopod  der  Schichtenfolge.  Ausser  zahlreichen  Exemplaren  von 
Czenstochau  liegen  auch  von  Bleszno  und  Blanowice  solche  vor. 
Fig.  10  stellt  ein  Exemplar  mittlerer  Grösse  von  Czenstochau  dar. 

17)  Bhynchonella  Sanctae  Clarae  n.  sp.;  Taf.  22,  Fig.  11. 

Eine  durch  den  Sinus  in  der  Mitte  der  nicht  durchbohrten  Klappe  und 
die  Kleinheit  des  Schnabels  der  anderen  Klappe  ausgezeichnete  Art.  Auf 
der  nicht  durchbohrten  Klappe,  welche  viel  stärker  gewölbt  ist,  als  die 
andere,  befindet  sich  eine  breite  mittlere  Einsenkung  und  in  der  Mitte  der- 
selben zwei  gerundete  bis  zum  Wirbel  verlaufende  Falten.  Die  Seiten- 
theile  der  Klappe  sind  glatt  und  ungefaltet,  die  andere  Klappe  hat  drei 
mittlere  Falten,  welche  sich  über  die  glatten  Seitentheile  der  Klappe  erhe- 
ben. An  der  Stirn  greifen  die  Falten  beider  Klappen  mit  grosszähniger 
Zickzack -Linie  in  einander.  In  auffallendem  Gegensätze  zu  anderen 
Rhynchonellen  greift  aber  in  der  Stirnansicht  der  Sinus  in  die  durchbohrte 
Klappe  hinein.  Der  Schnabel  der  durchbohrten  Klappe  ist  so  klein  und 
stumpf,  dass  er  die  andere  Klappe  kaum  überragt.  Die  Form  der  Oeff- 
nung  und  des  Deltidium  ist  aber  diejenige  der  echten  Rhynchonellen. 
Ohne  diese  üebereinstimmung  könnte  man  bei  der  ungewöhnlichen  Lage 
des  Sinus  und  der  gerundeten  kaum  dachförmigen  Gestalt  der  Falten 
zweifelhaft  sein,  ob  die  Art  zu  der  Geiilung  Bhynchonella  gehörte.  Die 
Art  ist  am  Clarenberge  bei  Czenstochau  nicht  selten.  Es  liegen 
acht  Exemplare  von  dort  vor,  welche  in  allen  wesentlichen  Merkmalen 
unter  sich  übereinstimmen.  Fig.  1 1 stellt  ein  Exemplare  mittlerer 
Grösse  dar. 

18)  Bhynchonella  Czenstochaviensis  n.  sp. ; Taf.  22,  Fig.  12,  13,  14. 

Diese  mit  keiner  anderen,  und  namentlich  mit  keiner  jurassischen  zu 

verwechselnde  Art  der  Gattung  Bhynchonella  ist  namentlich  durch  die  dicht 
gedrängten,  mit  blossem  Auge  kaum  erkennbaren  feinen  ausstrahlenden 
Linien,  durch  eine  gewisse  ünsymmetrie  der  ganzen  Schale  und  durch  die 


248 


Jura-Formation. 


geringe  Grösse  ausgezeichnet.  Die  durchbohrte  Klappe  ist  die  gewölbtere. 
Ein  flacher,  breiter  Sinus  verläuft  gegen  die  Stirn.  Indem  er  nicht  genau 
in  der  Mitte  liegt,  giebt  er  der  Schale  ein  etwas  unsymmetrisches  Ansehen. 
Die  Schnabelöffnung  des  wenig  und  ziemlich  stumpf  vorragenden  Schna- 
bels ist  gross.  Die  für  die  Gattung  bezeichnende  Form  des  Deltidiums 
ist  deutlich  zu  erkennen.  Die  feinen  ansstrahlenden  Linien,  deren  Zahl 
auf  der  Oberfläche  jeder  Klappe  wenigstens  .100  beträgt,  verlaufen  ganz 
straff  und  gerade  vom  Schna.bel  bis  zur  Stirn  ohne  sich  zu  theilen.  Ein- 
zelne in  grösseren  Abständen  stehende  Wachslhumsringe  kreuzen  diesel- 
ben. Ausserdem  nimmt  man  unter  der  Lupe  sehr  feine  fadenförmige 
Linien  wahr,  welche  die  ausstrahlenden  Linien  kreuzen. 

Vorkommen:  Mcht  häutig!  Es  liegen  drei  Exemplare  vor.  Inder 
Sculptur  stimmen  sie  vollständig  überein.  In  der  Wölbung  und  in  dem 
Verhältniss  der  Breite  zur  Länge  weichen  sie  bedeutend  von  einander  ab. 
Während  das  abgebildete  Exemplar  breiter  als  lang  ist,  ist  dagegen  das 
kleinste  der  drei  vorliegenden  Exemplare  viel  länger  als  breit. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  12  stellt  das  grösste  der  vor- 
liegenden Exemplare  gegen  die  kleinere  Klappe  gesehen  in  natürlicher 
Grösse  dar.  Fig.  18  dasselbe  von  der  Seite  gesehen.  Fig.  14  ist  die  ver- 
grösserte  Ansicht  von  Fig.  12. 

19)  Dysaster  Moeschii  Desor  Synops.  Ech.  foss.  p.  202. 

Die  von  Desor  gegebene  Beschreibung  passt  auf  die  vorliegenden 
Exemplare.  Aber  da  keine  Exemplare  von  den  Fundorten  der  Des  er- 
sehen Art  zu  Gebote  stehen,  so  ist  die  Bestimmung  dennoch  unsicher. 
Von  dem  Dys,  granulosus  durch  die  weniger  verlängerte  Gestalt  und  durch 
das  Vorhandensein  einer  deutlichen  unpaaren  vorderen  Ambulakral-Furche, 
welche  eine  Ausrandung  des  Vorderrandes  der  Bauchfläche  bewirkt, 
unterschieden.  Bemerkenswerth  ist  die  Undeutlichkeit  aller  Fühlergänge, 
welche  selbst  an  einem  vortrefflich  mit  der  Schale  erhaltenen  Exemplare 
nicht  wahrzunehmen  sind. 

Ausser  von  Czenstochau  liegen  auch  mehrere  Exemplare  von  Bla- 
nowice  vor. 

20)  Cnemidium  rimulosum  Goldf.;  Taf.  23,  Fig.  1. 

Die  vorliegenden  Exemplare  stimmen  vollständig  mit  Schwäbischen 
überein.  In  der  Grösse  der  Individuen  bleiben  allgemein  die  Spongien  der 
Kalkmergel  am  Clarenberge  hinter  denjenigen  von  südlicher  gelegenen 
Fundorten,  wie  namentlich  Kiegowoniec  und  Zalas  im  Krakau’schen 
zurück.  Das  Fig.  1 abgebildete  Exemplar  rührt  von  dem  zuletzt  genann- 
ten Fundorte  her. 


Jura-Formation. 


249 


21)  Cnemidium  Goldfussii  Q u e n s t e d t ; Taf.  2 3 , Fig.  2 . 

Mehrere  kleinere  Exemplare  liegen  vor.  Die  Abbildung  Fig.  2 stellt 
ein  stark  angewittertes  Exemplar  von  Zalas  von  der  Seite  gesehen  dar. 

22)  Scyphia  tescturata  Gold  fass;  Taf.  23,  Fig.  3. 

Die  Exemplare  von  Czenstochau  sind  unansehnlich  und  klein.  Fig.  3 
stellt  ein  wohl  erhaltenes  Exemplar  von  Blano  wie e dar. 

23)  Scyphia polyommata  Goldfuss;  Taf.  23,  Fig.  4. 

Von  Czenstochau  liegen  nur  undeutlich  erhaltene  Exemplare  vor. 
Die  Abbildung  Fig.  4 stellt  ein  unvollständiges  trichterförmiges  Exemplar 
von  Zalas  von  der  Seite  dar. 

24)  Trag  OS  acetahulum  Goldfuss;  Taf.  23,  Fig.  5. 

Völlig  mit  schwäbischen  Exemplaren  übereinstimmend!  Das  abgebil- 
dete Exemplar  rührt  von  Gliny  nördlich  von  Olkusz  her. 

25)  Scyphia  milleporata  Goldfuss. 

In  fingerlangen  cylindrischen  Exemplaren,  eiche  zuweilen  auch  die 
fast  regelmässigen  Oetfnungen  der  Oberfläche  deutlich  erkennen  lassen; 
häufig  bei  Czenstochau. 

In  jeder  Beziehung  mit  dem  Verhalten  am  Clarenberge  überein- 
stimmend sind  dieselben  Schichten  bei  Bleszno  südlich  von  Czenstochau 
auf  der  Höhe  eines  nördlich  von  Wrzosowa  sich  erhebenden  Hügels  auf- 
geschlossen. Die  Kalkmergel  sind  hier  mit  denselben  Arten  von  Ver-' 
Steinerungen  in  ganz  gleicher  Erhaltung  wie  dort  erfüllt.  Auch  bei  Bla- 
nowice  und  Losnice  unweit  Kromolow  und  auf  dem  Bahnhofe  von 
Lazy  sammelten  wir  die  gleichen  Versteinerungen  in  Schichten  von  ganz 
ähnlichem  petrographischen  Verhalten.  In  der  Schlucht  bei  Karlin,  wo, 
wie  früher  erwähnt  wurde,  die  Schichten  mit  Ammonites  macrocephalus  ganz 
in  dem  Bereiche  des  weissen  Jura  erscheinen,  werden  diese  Schichten 
ebenfalls  von  weissen  Kalkmergeln  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites 
corrfate  unmittelbar  bedeckt.  Weiter  südlich  und  namentlich  im  Krakau- 
schen  scheinen  im  Allgemeinen  diese  Schichten  aus  festeren  Kalkstein- 
bänken zu  bestehen,  in  welchen  die  innig  mit  dem  Gestein  verwachsenen 
Versteinerungen  weniger  deutlich  erkennbar  sind.  Nur  durch  die  massen- 
haft auftretenden  Spongien  machen  sie  sich  in  der  Regel  bemerklich. 
Diese  liegen  ganz  so  wie  auf  der  Rauhen  Alb  lose  auf  den  Feldern  umher. 
Auch  der  Art  nach  stimmen  sie  mit  den  Schwäbischen  überein.  So  sam- 
melten wir  sie  namentlich  bei  Rodaki,  Lazy,  Mirow  und  Zalas  im 
Krakau’schen.  Es  kommen  zwar  fossile  Schwämme  auch  noch  in  anderen 
höheren  Niveaus  des  weissen  Jura  in  Polen  vor  und  namentlich  in  den 

32 


250 


Jura-Formation. 


beiden  von  uns  unter  den  Benennungen:  Schichten  der  Rhynchonella 
lacunosa  und  Schichten  der  Rhynchonella  trilohata  zusammengefassten 
Schichtenfolgen.  Aber  in  der  bisher  betrachteten  Schichtenfolge  findet  die 
Hauptanhäufung  derselben  Statt  und  zugleich  ist  hier  das  tiefste  Niveau, 
in  welchem  sie  erscheinen. 

bb.  Schichten  mit  der  grossen  Form  Aes  Ammonites  cordatus. 

Diese  bestehen,  wie  schon  oben  angeführt  wurde,  aus  einer  gegen  50 
bis  100  Fass  mächtigen  Aufeinanderfolge  von  deutlich  geschichteten  weissen 
Kalksteinen.  Am  Clarenberge  bei  Czenstochau  folgen  diese  Schichten 
unmittelbar  auf  die  bisher  betrachteten  vorherrschend  mergeligen  Schich- 
ten mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  cordatus  und  sind  auf  der  Höhe  des 
Berges  durch  mehrere  Steinbrüche  aufgeschlossen.  Sie  schliessen  hier  die 
grosse  scheibenförmige  typische  Form  des  Ammonites  cordatus  mit  scharfem 
Rückenkiel  (vergl.  Taf.  24,  Fig.  2)  und  ausserdem  Ammonites  jperarmatus, 
Ammonites  Goliathus  d’Orbigny,  Ammonites  hiylex,  Nautilus  aga7iiticus  und 
Belemnites  hastatus  ein.  Dieselben  Schichten  sind  auf  der  Höhe  des  Czen- 
stochau gegenüber  auf  dem  rechten  Ufer  des  Warta-Flusses  bei  Zawodzie 
sich  erhebenden  Hügels  in  mehreren  Steinbrüchen  aufgeschlossen.  Grosse, 
zum  Theil  UI2FUSS  im  Durchmesser  haltende  Exemplare  des  Ammon,  hijplex 
sind  hier  häufig.  Südlich  von  Czenstochau  lässt  sich  dieselbe  Schichten- 
folge längs  des  ganzen  südwestlichen  Randes  des  jurassischen  Höhenzuges 
über  Choron,  Zarki,  Wfodowice,  Kromolow,  Ogrodziniec  bis  in 
das  Krakau’sche  verfolgen.  Ueberall  nehmen  sie  die  Höhe  des  ersten 
Rückens,  zu  welchem  sich  der  Höhenzug  von  dem  südwestlichen  Fusse  aus 
erhebt,  ein  und  überall  werden  sie  durch  das  massenhafte  Auftreten  von 
handgrossen  oder  tellergrossen  Planulaten  und  im  Besonderen  des  Ammo- 
nites hiplex  palaeontologisch  vorzugsweise  bezeichnet.  So  verhalten  sie  sich 
am  Schlossberge  von  Tenczyn  unweit  Krzeszowice  wesentlich  gleich 
wie  bei  Czen-stochau  und  bei  Wielun. 

Das  genauere  palaeontologischc  Verhalten  betreffend  so  wurden  im 
Ganzen  folgende  Arten  von  uns  beobachtet: 

Verzeichniss  der  in  den  weissen  Kalkschichten  mit  der  grossen 
Form  des  Ammonites  cordatus  vorkommenden  Versteinerungen. 

Vergl.  Taf.  24. 

1)  Ammonites  hiplex  Sow. 

Bis  zu  der  Grösse  von  8 Zoll  Durchmesser  zeigen  die  Rippen  das 
gewöhnliche  Verhalten,  indem  sie  sich  am  Rücken  gabeln  oder  durch  Ein- 
setzen von  neuen  Rippen  verdoppeln.  Bei  noch  grösseren  Exemplaren 


Jura-Forrnatlon. 


251 


zeigt  der  letzte  Umgang  stärkere  gerade  Rippen,  die  sich  am  Rücken  nicht 
gabeln,  sondern  einfach  bleibend,  am  Rücken  mit  einem  stumpfen  Knoten 
endigen.  Erreichen  die  Exemplare  endlich  einen  Durchmesser  von  1 Fuss 
und  mehr,  so  zeigt  der  letzte  Umgang  wieder  eine  ganz  andere  Form  der 
Rippen.  Dieselben  sind  durch  weite  Abstände  getrennt  und  erweitern 
sich  gegen  den  Rücken  hin  so  sehr,  dass  sie  oft  eine  fast  dreieckige 
Gestalt  haben.  Zugleich  sind  die  Rippen  dann  meistens  auf  der  Ober- 
fläche abgeplattet.  Diese  zweimalige  Veränderung  in  dem  Charakter  der 
Rippen  tritt  gewöhnlich  ganz  plötzlich  ein.  Die  Aenderung  der  Rippen  ist 
ganz  so  wie  d’Orbigny,  welcher  den  Am,  hiplex  als  ein  Synonym  des 
Am,  plicatilis  Sow.  betrachtet,  sie  beschreibt. 

Vorkommen:  Diese  Art  ist  nicht  nur  der  häufigste  Ammonit,  sondern 
das  häufigste  Fossil  der  Schichtenfolge  überhaupt.  Er  findet  sich  an  allen 
Stellen,  wo  die  Schichtenfolge  überhaupt  aufgeschlossen  ist,  von  Krakau 
bis  Wielun.  Die  mehr  als  fussgrossen  Exemplare  sind  namentlich  in  den 
Steinbrüchen  bei  Czenstochau  auf  dem  rechten  Ufer  der  Warta  häufig. 

2)  Ammonites  virgulatus  Quenstedt  Jura  p.  593,  tab.  74^  Fig.  4;  unsere 
Taf.  24,  Fig.  5. 

Durch  die  sehr  viel  grössere  Zahl,  die  grössere  Feinheit  und  die 
unregelmässige  Gabelung  der  Rippen  vor  dem  A,  biplex  ausgezeichnet. 
Meistens  sind  auch  die  Rippen  stärker  nach  vorn  gebogen  und  das  An- 
wachsen der  Umgänge  in  der  Höhe  ist  rascher  als  bei  der  genannten  Art. 
Am  auffallendsten  ist  immer  die  gleiche  Stärke  der  Rippen  auf  den  Seiten- 
flächen der  Umgänge  und  auf  dem  Rücken,  während  bei  dem  A,  biplex 
die  Rückenfalten,  welche  aus  der  Theilung  der  Rippen  auf  den  Seiten- 
flächen hervorgehen,  feiner  sind  und  viel  gedrängter  stehen,  als  die  Rip- 
pen auf  den  Seiten.  Uebrigens  verhalten  sich  nicht  alle  Exemplare  ganz 
gleich  und  namentlich  kommen  solche  vor  bei  welchen  die  Gabelung  der 
Rippen  am  Rücken  deutlicher  ist. 

Vorkommen:  Viel  weniger  häufig  als  der  A.  biplex  gehört  die  Art 
doch  keineswegs  zu  den  seltenen.  Sie  wurde  an  verschiedenen  Orten  und 
namentlich  bei  Czenstochau  und  bei  Bzow  von  uns  beobachtet. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  5 stellt  ein  kleines  Exemplar  aus 
dem  Thiergarten  bei  Tenczynek  dar.  Die  an  diesem  Exemplare  vorkom- 
menden Einschnürungen  wurden  bei  anderen  Exemplaren  nicht  beobachtet. 

3)  Ammonites  perarmatus  Sow.*  Taf.  24,  Fig.  1. 

Die  Art  gehört  zu  der  häufigeren  der  Fauna.  Exemplare,  zum  Theil  mehr 
als  6 Zoll  im  Durchmesser  von  Czenstochau,  Blanowice  und  anderen 
Fundstellen  stimmen  vollständig  mit  der  typischen  Form  aus  Frankreich 
und  England  überein.  Das  Fig.  1 abgebildete  Exemplar  von  Brodla 

32^ 


252 


Jura-Formation. 


unweit  Alwernia  im  Krakau’schen  weicht  durch  den  Mangel  der  inneren 
Knotenreihe  und  den  Abfall  der  Seitenflächen  der  Umgänge  gegen  den 
Nabel  hin  von  der  typischen  Form  ab.  Uebrigens  darf  nicht  unbemerkt 
bleiben,  dass  bei  diesem  Exemplare  die  Herkunft  aus  genau  demselben 
geognostischen  Niveau  nicht  ganz  sicher  und  vielleicht  in  einem  etwas  tie- 
feren Niveau  zu  suchen  ist. 

4)  Ämmonites  cordatus  Sow. ; Taf.  24,  Fig.  2. 

Die  typische  grosse  Form  mit  schneidig  zusammengedrücktem  Rücken- 
kiel, völlig  übereinstimmend  mit  englischen  und  französischen  Exemplaren. 
Am  Clarenberge  bei  Czenstochau  und  bei  Blanowice  nicht  selten. 
Das  Fig.  2 abgebildete  Exemplar  rührt  von  dem  letzteren  Fundorte  her. 
Von  Blanowice  liegt  ein  sehr  grosses,  5 Zoll  im  Durchmesser  und  2 Zoll 
in  der  Dicke  des  letzten  Umgangs  messendes  linsenförmig  gewölbtes 
Exemplar  ohne  alle  Rippen  auf  den  Seiten  vor.  Dasselbe  gleicht  der  von 
d’Orbigny  1.  c.  Taf.  193  gegebenen  Abbildung. 

5)  Ämmonites  Goliathus  d’Orb.;  Taf.  24,  Fig.  3. 

Während  in  den  Kalkmergeln  mit  der  kleinen  Form  des  Ämmonites 
cordatus  nur  kleine,  zollgrosse  Exemplare  Vorkommen,  so  erreicht  in  die- 
sen Schichten  die  Art  eine  Grösse  von  mehr  als  drei  Zoll  und  entspricht 
durchaus  der  Abbildung  und  Beschreibung  von  d'Orbigny.  Die  Selbst- 
ständigkeit der  Art  und  namentlich  dem  Äm.  Lamberti  gegenüber  soll  hier 
übrigens,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde,  nicht  untersucht  werden.  Es 
wurden  Exemplare  bei  Blanowice  und  bei  Czenstochau  gesammelt. 
Das  Fig.  3 abgebildete  Exemplar  rührt  von  dem  ersteren  Fundorte  her. 

6)  Ämmonites  canalicidatus  Münster;  Taf.  24,  Fig.  4. 

Die  Exemplare  stimmen  vollständig  mit  den  Beschreibungen  von 
d’Orbigny  und  von  Quenstedt  und  mit  schwäbischen  Exemplaren 
überein.  Die  Art  ist  bei  Czenstochau  nicht  ganz  selten.  Das  Fig.  3 
abgebildete  Exemplar  rührt  von  Kromolow  her. 

7)  Nautilus  aganaticus  Schlotheim;  Taf.  24,  Fig.  6. 

Exemplare  von  Czenstochau  und  Blanowice  liegen  vor.  Das 
Fig.  6 abgebildete  Exemplar  rührt  von  letzterem  Fundorte  her. 

8)  BelemniUs  liastatus  Bla  in  v.;  Taf.  24,  Fig.  7.  Nicht  selten! 

9)  Hinnites  velatus  di'" Orh.  (Spondylus  velatus 

Exemplare  von  Censtochau  und  von  Kromolow  liegen  vor. 

10)  Rhynclionella  lacunosa  d’Orb. 

An  allen  Fundorten,  aber  nicht  gerade  häufig ‘). 


1)  Zeuschner  (Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  1869,  p.  786)  führt  aus  denselben  Schichten 
auch  noch  Ämmonites  himammatus  Quenst.,  JBlenrotomaria  clathrata  Goldf.,  Isoarca  transversa 
Goldf.,  Terehratula  hisvffarcinata  Zieten,  Cidaris  coronata  Goldf.  und  verschiedene  Spongien  auf. 


Jura-Formation. 


253 


Vergleicht  man  nun  die  Faunen  beider  Abtheilungen  der  Schichten- 
reihe mit  cordatus  unter  einander,  so  ergiebt  sich  wohl  eine  enge 

Verbindung  beider,  da  sie  ausser  dem  Am.  cordatus,  der  sich  weder  nach 
unten,  noch  nach  oben  über  die  Grenzen  der  Schichtenfolge  verbreitet, 
auch  den  Ammonites  Goliathus,  Am,  perarmaius,  Belemnites  hastatus,  Hinnites 
velatus,  Rhynchonella  lacunosa  und  wahrscheinlich  noch  verschiedene  andere 
Arten  gemein  haben.  Allein  anderer  Seits  zeigen  sie  doch  auch  eine 
gewisse  Selbstständigkeit.  Denn  einmal  haben  die  gemeinschaftlichen 
Arten  zum  Theil  einen  verschiedenen  Habitus  oder  verschiedene  Grösse 
in  den  beiden  Abtheilungen,  wie  der  Ammonites  cordatus,  Am,  perarmatus, 
Belemnites  hastatus  u.  s.  w.,  andererseits  sind  auch  viele  Arten  der  unteren 
Abtheilung  durchaus  eigenthümlich.  Die  bemerkenswertheste  ist  unter 
diesen  der  Ammonites  Arduennensis,  welcher  durchaus  auf  diese  Schichten- 
folge beschränkt  zu  sein  scheint.  Man  könnte  die  untere  Abtheilung  dar- 
nach als  die  Schichtenfolge  des  Ammonites  Arduennensis  bezeichnen^). 

Sucht  man  nach  den  Versteinerungen  und  nach  den  Lagerungsverhält- 
nissen die  Stelle  zu  ermitteln,  welche  der  ganzen  Schichtenfolge  in  der 
nach  dem  Verhalten  der  jurassischen  Ablagerungen  in  den  verschiedenen 
Ländern  als  allgemeingiltig  angenommenen  Gliederung  der  Jura-Formation 
zukommt,  so  wird  dieselbe  schon  durch  das  Vorkommen  Ammonites 
cordatus  fest  bestimmt.  Dieser  Ammonit  gehört  in  allen  Ländern  dem 
weissen  Jura  und  zwar  dem  unteren  Theile  der  sogenannten  Oxford- 
Bildung  an.  Er  liegt  regelmässig  unmittelbar  über  den  durch  kleine 
Ammoniten-Formen,  und  namentlich  Am,  ornatus  und  Am,  athleta  bezeich- 
neten  Thonen  (Ornaten-Thonen).  Es  ist  nach  Oppel  die  untere  und  mitt- 
lere Abtheilung  der  Oxford-Bildung,  durch  welche  seine  vertikale  Verbrei- 
tung reicht,  üeberall  sind  Ammonites  perarmatus  und  Belemnites  hastatus 
seine  gewöhnlichsten  Begleiter.  Hiernach  ist  es  zweifellos,  dass  die  von 
uns  unter  der  Benennung  der  „Schichten  des  Ammonites  cordatus^^  zusammen- 
gefassten kalkigen  Jura-Schichten  in  Polen  der  Oxford-Bildung  angehören. 
Oppel  bezeichnet  die  Schichten,  in  welchen  Am,  cordatus  und  Am,  per- 
armatus  zuerst  erscheinen  nach  einer  anderen  darin  vorkommenden  Ammo- 
niten-Art  als  Bett  des  Am,  hiarmatus.  Diesem  würden  daher  die  Schich- 
ten mit  der  kleinen  Form  des  Am,  cordatus  entsprechen.  Die  Schichten 
mit  der  grossen  Form  des  Am,  cordatus  würden  dagegen  dem  unteren 
Theile  der  „mittleren  Oxford-Schichten“,  wie  sie  von  OppeP)  begrenzt 
werden,  gleich  zu  stellen  sein. 

1)  Auf  der  Karte  beide  Abtheilungen  zu  trennen  war  wegen  der  geringen  Mächtigkeit  der  unte- 
ren nicht  thunlich. 

2)  Die  Juraformation  p.  615. 


254 


Jura-Formation. 


In  einer  erst  nach  seinem  Tode  erschienenen  Schrift  über  die  Zone 
des  Ämmonites  transversarius  hat  Oppel‘)  eine  Darstellung  von  jurassischen 
Schichten  im  Krakau’schen  Gebiete  gegeben,  ^velclie  an  dieser  Stelle  niehj:. 
unerwähnt  bleiben  darf.  Nachdem  in  der  Einleitung  die  Zone  des  Ammo- 
nites  transversarius  in  der  Art  begrenzt  worden  ist,  dass  sie  zur  Unterlage 
die  Schichten  mit  Ämmonites  Lamberti  und  Am,  cordatus,  als  unmittelbare 
Bedeckung  die  Schichten  mit  Terehratula  impressa  haben  soll,  wird  später^) 
die  Art  der  Entwickelung  dieser  Schichten  im  Krakau’schen  Gebiete  auf 
Grund  einer  kurzen  zweitägigen  Beobachtungsreise  und  der  Vergleichung  der 
von  Hohenegger  zusammengebrachten  Sammlung  von  Versteinerungen 
beschrieben.  Oppel  sieht  versteinerungsleeren  gelben  losen  Sand  als  das 
unterste  Glied  der  Jura -Formation  im  Krakau’schen  an.  Eine  darüber 
folgende  wenig  mächtige  versteinerungsreiche  Bank  von  braunem  Eisen- 
oolith  wird  durch  Ämmonites  aspidoides,  A.  macroceplialus  und  A,  Lamberti 
als  ein  Aequivalent  der  vereinigten  Zonen  des  Am,  macroceplialus  und  der 
des  Am,  Lamberti  bezeichnet.  Ueber  dieser  Bank  beginnen  hellgraue 
Mergel,  in  denen  Versteinerungen  nicht  sehr  häufig*  Belemnites  hastatus, 
Amm,  cordatus  und  Am,  perarmatus  finden  sich  hier  vor.  Die  letzte  an- 
stehende Schicht  endlich  ist  ein  weicher  weisser  Kalk  mit  vielen  Spongiten 
und  Belemnites  hastatus,  Ämmonites  Ärolicus,  A,  subclausus^  A,  canaliculatus, 
A,  Erato,  A,  Bachianus,  A,  Anar,  A,  plicatilis,  Isoarca  cordiformis  und  Ehyn- 
chonella  Yisulica,  Diese  Mergel  sollen  in  die  Zone  des  Ämmonites  trans- 
versarius und  die  aufgeführten  Arten  zu  den  bezeichnendsten  organischen 
Formen  dieser  Schichtenfolge  gehören.  So  ist  das  Verhalten  nach  Oppel 
namentlich  in  einem  Aufschlüsse  bei  Paczaltowice  zu  beobachten.  Die 
zuletzt  genannten  mergeligen  Schichten  sollen  auch  noch  an  vielen  anderen 
Orten  im  Krakau’schen  Vorkommen.  Ueberall  sind  zahlreiche  Spongien 
neben  den  anderen  Fossilien  vorhanden.  So  namentlich  beiZalas,  Gro- 
j e c und  Baczyn.  VonZalas  wird  auch  Ämmonites  transversarius  selbst  auf- 
geführt. Als  der  versteinerungsreichste  Fundort  wird  die  Eisenbahnstation 
Trzebinia  bezeichnet.  Hier  fanden  sich  Belemnites  hastatus,  B,  Argovianus, 
Ämmonites  Ärolicus,  A,  subclausus,  A,  canaliculatus,  A,  Erato,  A,  callicerus,  A, 
Bachianus,  A,  Anar,  A,  alternans,  A,  Manfredi,  A,  crenatus,  A,  Oegir,  A,  ScJiilli, 
A,  Martelli,  A,  plicatilis,  Isoarca  cordiformis,  Mytilus  Studeri,  Terebratula  Bir- 
mensdorfensis,  T,  conf,,  T,  bisuffarcinata,  T,  nucleata,  Megerlea  runcinata. 


1)  Ueber  die  Zone  des  Ämmonites  transversarius  von  Dr.  A.  Oppel.  Beendet  und  herausgege- 
ben von  Dr.  W.  Waagen.  München  1866.  in:  Geognost.  palaeontol.  Beiträge,  herausgegeben  von 
Dr.  E.  W.  Ben  ecke.  Erster  Band.  p.  207 — 316. 

2)  pag.  230-233. 


Jura-Formation. 


255 


Rhynchonella  Visulica,  Pseudodiadema  cf.  LangL  Die  Nachweisung  der  be- 
zeichnenden Fossilien  der  über  der  Zone  des  Ammonites  transversarius  regel- 
mässig folgenden  Zone  des  Ammonites  bimammatus  in  den  „meistens  durch 
wohlgeschichtete  Kalke  mit  Kieselausscheidungen  gebildeten  höheren  Ab- 
lagerungen“ im  Krakau’schen  nachzuweisen  gelang  Oppel  nicht. 

Diese  Darstellung  des  Verhaltens  der  unteren  Glieder  des  weissen  Jura^ 
wie  sie  von  Oppel  gegeben  wird,  ist  mit  unserer  Auffassung  derselben 
Glieder  in  der  Gegend  von  Czenstochau  nicht  ganz  im  Einklänge.  Nach 
Oppel  sollen  unmittelbar  über  den  Ammonites  macrocephalus  führenden 
Kalkschichten  mit  Eisenoolithen  hellgraue  Mergel  mit  Belemnites  JiastatuSj 
Ammonites  cordatus  und  Ammonites  perarmatus  und  über  diesen  ein  weisser 
w^eicher  Kalk  folgen,  welcher  mit  den  bezeichnenden  Cephalopoden  der 
Zone  des  Ammonites  transversarius  erfüllt  ist.  Ganz  allgemein  wird  auch 
von  Oppel  die  Zone  mit  Ammonites  Lamberti  und  Ammonites  cordatus 
als  Unterlage  der  Zone  des  Ammonites  transversarius  bezeichnet.  Bei 
Czenstochau  und  Blanowice  dagegen  folgen  über  den  Schichten  mit 
Ammonites  macrocepTialus  sogleich  die  versteinerungsreichen  weissen  Kalk- 
mergel mit  der  kleinen  Form  des  Am.  cordatus  und  dann  die  deutlich 
geschichteten  weissen  Kalke  mit  der  grossen  Form  des  Ammonites  cordatus, 
üeber  den  letzteren  ist  aber  die  Zone  des  Ammonites  transversarius  in  kei- 
nem Falle  mehr  zu  suchen,  denn  hier  folgen  Schichten  von  entschieden 
jüngerer  Stellung.  Hiernach  würden  in  der  Gegend  von  Czenstochau 
und  Blanowice  die  Schichten,  welche  Oppel  als  Zone  des  Ammonites 
transversarius  bezeichnet,  ganz  fehlen.  Das  wäre  freilich  auffallend,  da 
in  so  geringer  Entfernung  im  Krakau’schen  die  genannte  Zone  mit  einer 
artenreichen  Fauna  nach  Oppel  entwickelt  ist.  Wenn  daher  einzelne 
Ammoniten- Arten  wie  namentlich  Ammonites  crenatus  Brug.  (A.  dentatus 
Rein.)  und  A.  plicatilis,  ferner  T,  nucleata  und  die  zahlreichen  Spongien 
den  Kalkmergeln  am  Clarenberge  mit  den  zur  Zone  des  Ammonites  trans- 
versarius gerechneten  kalkigen  Schichten  im  Krakau’schen  gemeinsam  sind, 
so  entsteht  der  Verdacht,  dass  die  Aequivalente  der  betreffenden  Ammo- 
niten-reichen  Schichten  im  Krakau’schen  dennoch  in  den  weissen  Kalk- 
Mergeln  am  Abhauge  des  Clarenberges  stecken.  Dann  läge  freilich 
das  Niveau  der  zur  Zone  des  Ammonites  transversarius  gerechneten 
Schichten  des  Krakauer  Gebietes  nicht  über  der  Schichten- 
folge mit  Ammonites  cordatus,  sondern  innerhalb  derselben. 

Auch  Zeuschner^)  giebt  eine  von  der  unserigen  etwas  abweichende 


1)  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  Jahrg.  1869,  p.  784  ff. 


256 


Jura-Formation. 


Darstellung  der  von  uns  unter  der  Benennung  „Schichten  des  Ammonites 
cordatus^^  zusammengefassten  Schichtenreihe.  Nach  ihm  lässt  die  Oxford- 
Gruppe  des  weissen  Jura  in  Polen  vier  den  von  Quenstedt  im  weissen 
Jura  Schwaben’s  unterschiedenen  Abtheilungen  ß,  y,  6 entsprechende 
Glieder  erkennen.  Der  weisse  Jura  a,  welcher  vorherrschend  aus  weissem 
Kalkmergel  mit  untergeordneten  Schichten  von  weissem  Kalkstein  besteht, 
zerfällt  wieder  in  eine  untere  oder  Belemniten-Etage  und  eine  obere, 
welche  durch  den  Reichthum  an  organischen  Einschlüssen  ausgezeichnet 
ist.  Die  untere  soll  von  sehr  geringer,  oft  nicht  mehr  als  1 Fuss  betragen- 
der Mächtigkeit  sein  und  aus  weissem  Kalkmergel  mit  beigemegten  klei- 
nen Körnern  von  erdigem  Chlorit  bestehen.  Von  Versteinerungen  soll  sie 
namentlich  eine  Fülle  von  Belemniten  enthalten,  welche  der  Art  nach  mit 
solchen  des  braunen  Jura  identisch  sind,  wie  Bel.  semihastatus,  B.  canalicu- 
latus  und  B.  hessinus.  Bei  Bzow,  wo  die  Auflagerung  der  Schicht  auf 
braunen  Mergel  mit  Eisenoolithen  deutlich  zu  beobachten  sein  soll,  kommt 
auch  noch  eine  andere  von  Zeus  ebner  neu  benannte  Art,  B,  Bzowiensis 
vor.  Auch  die  in  der  Schicht  vorkommenden  Ammoniten  sollen  solche 
des  mittleren  oder  braunen  Jura  sein,  wie  namentlich  Am.  macrocephalus 
compressus  und  rotundus.  Nach  dem  angegebenen  palaeontologischen  In- 
halte würde  ich  diese  Schicht  nicht,  wie  Zeuschner  thut,  dem  weissen 
Jura  zurechnen,  sondern  unbedingt  den  Schichten  des  Ammonites  macro- 
cephalus und  damit  dem  braunen  Jura  anschliessen.  Das  petrographische 
Verhalten  kann  in  keinem  Falle  so  viel  Gewicht  haben,  um  bei  dem  Wider- 
spruche der  organischen  Einschlüsse  die  Verbindung  mit  dem  weissen  Jura 
zu  rechtfertigen. 

Aus  der  oberen  versteinerungsreichen  Etage,  welche  von  Sanka  im 
Krakau’schen  bis  Czenstochau  nachweisbar  sein  soll,  wird  die  Mehr- 
zahl der  Versteinerungen  aufgeführt,  welche  vorher  als  bezeichnend  für 
die  Schichten  mit  der  kleinen  Form  des  Ammonites  cordatus  von  uns  genannt 
wurden^)  und  offenbar  sind  dieselben  Schichten  gemeint“). 

Der  dann  folgende  weisse  Jura  ß.  (Zone  des  Ammonites  himammatus 

Ammonites  Arduennensis  d’Orb.  wird  als  A.  Eugenii  Rasp.  aufgeffihrt.  Dagegen  ist  zu 
bemerken,  dass  jedenfalls  die  gewöhnlichen  Exemplare  des  A.  Arduennensis  vom  Clarenberge  bei 
Czenstochau  vollständig  mit  d’Orbigny’s  Beschreibung  und  mit  französischen  Exemplaren  von 
den  durch  d’Orbigny  genannten  Fundstellen  übereinstimmen.  Ist,  was  sehr  möglich,  A.  Eugenii 
von  A.  Arduennensis  specifisch  nicht  verschieden,  so  ist  doch  nach  dem  Verhalten  der  Exemplare 
bei  Czenstochau  der  Am.  Arduennensis  als  die  typische  oder  Hauptform,  der  Am.  Eugenii  als 
Nebenform  oder  Varietät  anzusehen. 

2)  Wenn  Zeuschner  ausdrücklich  hervorhebt,  dass  Terehratida  impressa  in  den  betreffenden 
Schichten  niemals  Vorkommen,  so  habe  ich  zu  bemerken,  dass  mir  zwei  sicher  bestimmbare  Exem- 
plare dieser  Art  aus  denselben  Mergeln  von  Blanowice  vorliegen. 


Jura-Format  Ion. 


257 


Oppel)  soll  aus  deutlich  geschichteten  weissen  Kalksteinen  bestehen  und 
Ammonites  hiplex^  A,  jpolygyratus,  A,  virgulatus,  A,  himammatas,  A.  canalicu- 
latus,  A,  cordatus,  Hinnites  velatus,  Rliynchonella  lacunosa  u.  s.  w.  enthalten. 
Er  entspricht  also  der  von  uns  als  Schichten  mit  der  grossen  Form 
des  Ammonites  cordatus  bezeichneten  Schichtenfolge.  Wenn  von  uns  diese 
und  die  vorhergehende  Schichtenfolge  in  eine  Gruppe  vereinigt  wurden, 
so  war  dafür  vorzugsweise,  die  Gemeinsamkeit  des  Ammonites  cordatus 
bestimmend.  Diese  Art  scheint  in  Polen  allerdings  in  höhere  Schichten 
des  weissen  Jura  hinan  zu  steigen,  als  in  Schwaben,  wo  sie  überhaupt  sel- 
ten ist. 

5.  Schichten  der  RJiyncJionella  lacunosa  (unterer  Felsenkalk) ‘). 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  eine  gegen  150  Fuss  mächtige 
Reihenfolge  kalkiger  Schichten  zusammengefasst,  welche  in  ihrer  Haupt- 
masse aus  unvollkommen  geschichtetem,  dickbänkigem,  vielfach  zerklüfte- 
tem und  löcherig  porösem  hellgrauem  Kalkstein  besteht,  der  sich  durch 
eine  grosse  Neigung  zur  Felsbildung  auszeichnet.  Man  kann  nach  der 
letzteren  Eigenthümlichkeit  des  Kalksteins  die  ganze  Bildung  als  Felsen- 
kalke  bezeichnen  und  zwar  mit  Rücksicht  auf  gewisse  jüngere  nachher 
zu  beschreibende  gleichfalls  zur  Felsbildung  geneigte  Kalksteine  als 
unteren  Felsenkalk ^).  Nach  unten  gehen  diese  Kalke  in  dünn  geschich- 
tete plattenförmige  Kalksteine  mit  undeutlich  oolithischem  Gefüge,  nach 
oben  in  compacten  nicht  löcherigen  Kalkstein  über. 

Der  Contrast  des  orographischen  Verhaltens  der  Schichtenfolge 
gegen  die  vorhergehende  mit  Ammonites  cordatus  ist  sehr  auffallend.  Wäh- 
rend diese  letztere  lang  gezogene,  auf  der  Höhe  tafelförmig  abgeplattete 
und  mit  fruchtbaren  Ackerfeldern  bedeckte  Rücken  bildet,  so  setzt  die 
jetzt  zu  betrachtende  Schichtenfolge  einzelne  unregelmässig  begrenzte  Berg- 
Erhebungen  zusammen,  welche  mit  unzähligen  kleinen,  steil  abfallenden 
Felsklippen  und  Steinhaufen  in  solcher  Weise  bedeckt  sind,  dass  für  einen 
kümmerlichen  Ackerbau  nur  ganz  kleine  Flecken  an  den  Abhängen  frei 
bleiben.  Ueberall  wo  man  zwischen  Olkusz  und  Czenstochau  von 
Süd-Westen  nach  Nord-Osten  fortschreitend  den  jurassischen  Höhenziig 
quer  durchschneidet,  wie  namentlich  in  der  Richtung  von  WJodowice 


1)  Auf  der  Karte  mit  j2.  bezeichnet. 

2)  So  ist  es  vom  Herrn  Berg-Referendar  Dondorff  in  einem  als  Erläuterung  zu  den  von  ihm 
für  die  Karte  ausgeführten  Aufnahmen  dienenden,  im  Jahre  1866  an  das  königliche  Oberbergamt  in 
Breslau  erstatteten  w^erthrollen  Berichte  über  das  polnische  Jura -Gebirge,  welcher  für  die  fol- 
gende Darstellung  mehrfach  benutzt  worden  ist,  geschehen. 


33 


258 


Jura-Formation. 


nach  Lelow  und  von  Zarki  nach  Jano^v,  wird  man  von  diesem  Gegen- 
sätze betroffen.  Meistens  trennt  ein  sandiges  Längsthal  die  langgezoge- 
nen Rücken  der  vorhergehenden  Schichtenfolge  von  den  felsigen  Berg- 
partien des  unteren  Felsenkalks'. 

Die  Verbreitung  der  Bildung  reicht  durch  die  ganze  Länge  des 
jurassischen  Höhenzuges  aus  dem  Krakau’schen  bis  Wielun.  Im  Kra- 
kau’schen  sind  es  nur  vereinzelte  Partien,  welche  daraus  bestehen. 
Zwischen  Olkusz  und  Czenstochau  dagegen  erscheint  sie  als  eine 
zusammenhängende  schmale  Zone,  welche  einer  Seits  gegen  Westen, 
durch  die  Schichtenfolge  mit  Ämmonites  cordatus  nnd  anderer  Seits  gegen 
Osten  durch  die  Schichtenfolge  mit  Bhynchonella  trilohata  oder  den  oberen 
Felsenkalk  begrenzt  wird.  Zwischen  Czenstochau  und  Wielun  sind 
es  wieder  nur  vereinzelte  aus  dem  Diluvium  hervorragende  Partien, 
welche  aus  den  Schichten  dieser  Abtheilung  bestehen. 

Die  organischen  Einschlüsse  betreffend,  so  ist  das  Gestein  wohl 
sehr  reich  daran  und  gewisse  Schichten  des  Kalksteins  sind  bei  nähe- 
rer Betrachtung  sogar  nichts  Anderes  als  ein  dicht  zusammengehäuf- 
tes Aggregat  von  Muscheln,  Ammoniten  und  Spongien,  aber  dennoch  ist 
es  viel  schwieriger  eine  befriedigende  Kenntniss  der  fossilen  Fauna  zu 
erlangen,  als  bei  der  vorhergehenden  Schichtenfolge,  denn  in  den  eigent- 
lichen Felsenkalken  sind  die  Versteinerungen  so  innig  mit  der  Gesteins- 
masse verwachsen,  dass  sie  auf  dem  frischen  Bruche  des  Gesteins  gar 
nicht  erkennbar  sind  und  nur  auf  den  angewitterten  Flächen  der  Fels- 
wände unbestimmte  Umrisse  derselben  hervortreten.  Der  Umstand,  dass 
deutliche  Aufschlüsse  des  Gesteins  durch  Steinbrüche,  Strasseneinschnitte 
u.  s.  w.  fast  ganz  fehlen,  ist  ein  weiteres  Hinderiiiss,  welches  sich  der  Fest- 
stellung des  vollständigen  palaeontologischen  Charakters  der  Bildung  ent- 
gegenstellt. Die  Arten  sind  grossen  Theils  solche,  welche  nicht  der 
Schichtenfolge  eigenthümlich,  sondern  mit  den  nächst  älteren  und  nächst 
jüngeren  Abtheilungen  gemeinsam  sind.  Das  gilt  namentlich  auch  von 
Bhynchonella  lacunosaj  nach  welcher  von  uns  in  Ermangelung  einer  mehr 
bezeichnenden  Art  die  ganze  Schichtenfolge  benannt  wurde.  Die  Art 
kommt  schon  in  den  Schichten  mit  Ämmonites  cordatus  vor,  wie  oben 
erwähnt  wurde  und  steigt  ebenso  auch  in  die  nächst  folgende  jüngere 
Schichtenfolge  mit  Bhynchonella  trilohata  hinan.  Allein  hier  hat  sie  das 
Maximum  ihrer  Entwickelung,  sowohl  nach  Häufigkeit  der  Individuen,  wie 
nach  den  Dimensionen  der  Schale.  Gewisse  Bänke  des  Kalksteins  sind 
ganz  mit  ihnen  erfüllt.  Die  Grösse  der  Schale  beträgt  oft  1^'4  Zoll  in  der 
Breite  und  1*|2  Zoll  in  der  Länge.  Unter  den  Arten  der  Gattung  Terebra- 


Jura-F'ormation. 


259 


tula  T,  hisuffarcinata  hm  häufigsten.  Die  Exemplare  sind 

gewöhnlich  etwa  1 Zoll  lang  und  in  beiden  Klappen  stark  aufgebläht.  So 
liegen  sie  namentlich  von  einer  ^|4  Meile  östlich  von  Wbodowice  gelege- 
nen Fundstelle  und  von  Podlesie,  *|2  Meile  östlich  von  Wlodowice, 
wo  sie  durch  Dondorff  gesammelt  wurden,  vor.  Kächstdem  ist  eine  viel 
grössere  und  mehr  verlängerte,  D|2  Zoll  lange  Terebratel  am  häufigsten, 
welche  in  der  allgemeinen  Form  mit  der  T,  insignis  von  Kattheim  über- 
einkommt, aber  an  der  Stirn  deutlich  zweifach  gefaltet  ist,  was  bei  der 
echten  T.  insignis  nicht  in  gleicher  Weise  der  Fall  ist.  Wahrscheinlich  ist 
sie  trotz  der  bedeutenden  Grösse  und  der  flachen  Wölbung  der  nicht  durch- 
bohrten Klappe  doch  nur  als  eine  Nebenform  der  T.  bisuffarcinata  anzu- 
sehen. Auch  kleinere  Nebenformen  dieser  letzten  Art,  wie  sie  Quen- 
stedt  (Jura  Taf.  79,  Fig.  18 — 20)  abbildet,  sind  häufig.  Gewisse  Kalk- 
spath-reiche,  und  unvollkommen  oolithische  Bänke  aus  der  unteren  Abthei- 
lung der  Schichtenfolge,  welche  namentlich  ‘I4  Meile  östlich  von  WJodo- 
wice  deutlich  anstehen,  sind  mit  den  verschiedenen  Formen  der  T.  bisuf- 
farcinata und  der  grossen  Form  der  Bhynclionella  lacunosa  ganz  erfüllt. 
Unter  den  Ammoniten  sind  auch  in  dieser  Schichtenfolge  Formen  von 
Planulaten  noch  am  häufigsten.  Meistens  halten  sie  sich  aber  in  mässigen 
Dimensionen  und  die  in  der  vorhergehenden  Schichtenfolge  so  häufigen, 
mehr  als  1 Fuss  grossen  Formen  Ammonites  biplex  finden  sich  nicht  mehr. 
Am  gewöhnlichsten  ist  eine  kleine,  1 bis  3 Zoll  grosse,  ziemlich  involute 
vielfältige  Art,  welche  an  den  Ainmonites  convolutus  Schloth.  erinnert. 
Auch  die  Planulaten-Form  mit  hohen  scharf  vorstehenden  und  am  Rücken 
sich  sehr  regelmässig  gabelnden  Rippen,  welche  Quenstedt  Ammonites 
biplex  bifurcatus  genannt  hat,  kommt  in  fast  fussgrossen  Exemplaren  nicht 
selten  vor.  Spongien  sind  in  grösster  Häufigkeit  vorhanden.  Gewisse 
Bänke  des  Kalksteins  sind  ganz  mit  ihnen  erfüllt.  Es  sind  dieselben 
cylindrischen,  trichter-  und  scheibenförmigen  Gestalten,  welche  in  dem 
weissen  Jura-Kalke  der  Schwäbischen  Alp  Vorkommen. 

6.  Schichten  der  Rhynchonella  trilobata  (oberer  Felsen  kalk)'). 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  eine  mächtige  Schichtenfolge  von 
massigen  weissen  Kalksteinen  zusammengefasst,  welche,  wie  die  vorher- 
gehenden, eine  grosse  Neigung  zur  Felsbildung  besitzt  und  deshalb  mit 
Beziehung  auf  die  letztere  als  oberer  Felsenkalk  bezeichnet  werden  kann, 
sonst  aber  im  Einzelnen  sich  sehr  verschieden  verhält.  Es  ist  eine  meh- 


1)  Vergl.  Quenstedt:  Jura  p.  638,  Taf.  79,  Fig.  17.  Auf  der  Karte  mit  jf  bezeichnet. 

33* 


260 


Jura-Formation. 


rere  hundert  Fuss  mächtige  Schichtenfolge  von  mächtigen  Bänken  eines 
compacten  weissen  Kalksteins  mit  splitterigem  oder  flachmuscheligem  Bruch 
und  zum  Theil  mit  knollenförmigen  Ausscheidungen  von  schwarzem  Feuer- 
stein oder  Hornstein,  und  von  dünngeschichteten  weissen  Plattenkalken. 

Koch  bestimmter  als  durch  die  Gesteinsbeschaffenheit  unterscheidet  sich 
die  Schichtenfolge  durch  das  orographische  Verhalten  von  der  vorher- 
gehenden. Während  nämlich  die  Gesteine  der  letzteren  gewöhnlich  vielfach 
zerschnittene  kleine  Felsgruppen  bilden,  so  setzt  der  obere  Felsenkalk 
ausgedehnte  Fels-Plateaus  zusammen,  welche  sich  mit  senkrechten  Wän- 
den über  den  durch  den  unteren  Felsenkalk  gebildeten  felsigen  Anhöhen 
erheben.  So  ist  das  Verhalten  z.  B.  bei  Po  die  sie  östlich  von  Wfodo- 
wice.  Auf  dem  nördlich  vor  dem  Orte  sich  erhebenden  Berge  steigt  über 
einer  kleinen  durch  den  unteren  Felsenkalk  gebildeten  Hochfläche  plötz- 
lich mit  80  Fuss  hohen  senkrechten  Wänden  eine  mächtige,  zusammen- 
hängende Felsmasse  auf,  welche  oben  ein  mit  Laubholz  bewachsenes 
Plateau  bildet,  das  zu  den  höchsten  Punkten  des  ganzen  jurassischen 
Höhenzuges  gehört  und  einen  Ueberblick  über  einen  grossen  Theil  des- 
selben gewährt.  Der  in  dicken  Bänken  abgelagerte  sehr  gleichartige 
compacte  weisse  Kalkstein,  welcher  diese  Felsmasse  zusammensetzt,  ist 
oberer  Felsenkalk. 

Die  zahlreichen,  zum  Theil  ausgedehnten  Höhlen  des  polnischen  Jura 
gehören  ausschliesslich  diesem  oberen  Felsenkalke  an.  Besonders  in  der 
Gegend  von  Olstjn  und  von  Oycow  sind  solche  Höhlen  bekannt. 

Die  Verbreitung  betreffend  so  ist  die  Schichtenfolge  in  der  ganzen 
Erstreckung  des  jurassischen  Höhenzuges  von  Krakau  bis  in  die  Gegend 
von  Wielun  nachweisbar.  In  den  Steinbrüchen  von  Podgorze  bei 
Krakau  wird  der  mit  schwarzen  Feuerstein-  oder  Hornsteinknollen 
erfüllte  weisse  Kalkstein  durch  die  häufig  vorkommende  Rhynchonella 
trilobata  als  zu  derselben  gehörig  bezeichnet.  Eine  zusammenhängende 
Zone  bildet  der  obere  Felsenkalk  nur  zwischen  Olkusz  und  Czen- 
stochau.  Dieselbe  wird  einer  Seits  gegen  Süd-Westen  durch  die  Zone 
der  Schichten  mit  Rhynchonella  lacunosa  oder  den  untern  Felsenkalk  und 
anderer  Seits  gegen  Nord-Osten  durch  diejenige  der  Schichten  mit  Rhyncho- 
nella inconstans  begrenzt.  Langgezogene  felsige  Plateau’s  mit  jäh  abstürzen- 
den dem  Streichen  des  Höhenzuges  gegen  Nord-Westen  parallelen  Ab- 
stürzen, welche  im  Ganzen  die  höchste  mittlere  Erhebung  des  Höhenzuges 
bilden,  setzen  die  Zone  zusammen.  Zwischen  Zarki  und  Janow  hat 
dieselbe  die  grösste  über  eine  Meile  betragende  Breite. 

Die  organischen  Einschlüsse  sind  im  Ganzen  in  der  Schichten- 


Jura-Formation. 


261 


folge  seltenj  oder  richtiger^  smd5  weil  mit  der  compacten  Gesteinsmasse 
innig  verwachsen 5 nur  selten  ,in  deutlich  bestimmbaren  Exemplaren  zu 
erhalten.  Die  meisten  Arten  sind  solche^  welche  der  Schichtenfolge  nicht 
ausschliesslich  eigenthümlich  sondern  mit  den  benachbarten  gemeinsam 
sind.  Dahin  gehören  namentlich  Hinnites  velatus,  Pecten  textorius  und  Pro- 
sopon  rostratum.  Unter  den  eigenthümlichen  Arten  ist  die  durch  die  tiefe 
Einsenkung  und  Verlängerung  des  Mittellappens  der  Schale  ausgezeich- 
nete Rhynclionella  trilohata  so  häufig  und  zugleich  so  leicht  kenntlich^  dass 
man  nach  ihr  die  ganze  Schichtenreihe  als  Schichten  der  Phynchonella 
trilohata  bezeichnen  kann.  Phynchonella  lacunosa  ist  zwar  ebenfalls  noch 
vorhanden  5 aber  das  Maximum  ihrer  Entwickelung  nach  Grösse  und 
Häufigkeit  der  Individuen  ist  schon  vorüber  und  fällt  in  die  vorhergehende 
Schichtenfolge.  Ebenso  ist  das  gegenseitige  Verhalten  der  beiden  Arten 
auch  in  Schwaben.  Auch  dort  liegt  Rh  trilohata  überall  über  der  Haupt- 
Region  der  Rh.  lacunosa.  Unter  den  Ammoniten  kommt  eine  grosse  Form 
des  Ammonites  polyplocus  vor^  bei  welcher  die  Anordnung  und  Form  der 
Rippen  auf  den  Umgängen  im  Gegensatz  zum  Am.  hiplex  dieselbe  bleibtj 
selbst  wenn  der  Durchmesser  des  Gehäuses  einen  Fuss  und  darüber 
beträgt.  Spongien  fehlen  auch  in  dieser  Schichtenfolge  wie  in  den  frühe- 
ren nichtj  doch  sind  sie  in  dem  nicht  compacten  Gestein  wenig  bemerkbar. 

7.  Schichten  der  Phynchonella  Asiieriana^'). 

Unter  dieser  Benennung  wird  hier  die  aus  weissen  dichten  Kalksteinen 
mit  Einlagerungen  von  kieseligen,  zum  Theil  auch  in  Hornstein  übergehen- 
den Kalken  zusammengesetzte  Schichtenfolge  begriffen^  mit  welcher  die 
ganze  den  jurassischen  Höhenzug  zusammensetzende  Aufeinanderfolge 
kalkiger  Jura-Schichten  nach  oben  hin  schliesst5  obgleich  weiter  westlich 
in  Polen  auch  noch  jüngere  der  Kimmeridge-Bildung  angehörende  Ablage- 
rungen nachgewiesen  sind.  Die  Kalksteine  dieser  Schichtenfolge  sind  theils 
compact  mit  splitterigem  Bruch,  theils  erdig  zerreiblich  und  kreide-ähnlich. 
Am  deutlichsten  wird  die  Schichtenfolge  in  petrographischer  Beziehung 
durch  die  kieseligen  Ausscheidungen,  welche  sie  enthält,  gekennzeichnet. 
Diese  erscheinen  entweder  in  der  Form  eines  porösen  hellgrauen  kieseligen 
Kalksteins,  welcher  mit  Abdrücken  und  Steinkernen  von  Schalthieren 
erfüllt  ist,  theils  in  der  Form  von  faust-  bis  kopfgrossen  Concretionen 
von  gelblichem  oder  schwärzlichem  durchscheinenden  in  Feuerstein  über- 
gehenden Hornstein.  Zuweilen  kann  man  an  einem  und  demselben  Hand- 
stücke den  Uebergang  aus  compactem  Kalkstein  in  den  mit  Steinkernen 


i)  Auf  der  Karte  mit  j { bezeichnet. 


262 


Jura-Formation. 


und  Abdrücken  erfüllten  porösen  kieseligen  Kalk  und  von  diesem  in  den 
durchscheinenden  Hornstein  oder  Feuerstein  verfolgen.  Wo  der  kieselige 
Kalkstein  ansteht,  da  pflegen  die  plattenförmigen  Stücke  desselben  als  des 
härtesten,  der  Verwitterung  am  meisten  widerstehenden  Gesteins  auf  den 
Feldern  umherzuliegen  oder  wo  sie  von  den  letzteren  abgelesen  sind  in 
niedrigen  Mauern  oder  Haufen  auf  den  Feldrainen  aufgeschichtet  zu  sein. 
So  habe  ich  sie  namentlich  bei  Piasek  unweit  Janow  angetrotfen.  Aber 
auch  als  Geschiebe  sind  Stücke  dieses  kieseligen  Kalksteins  weithin  ver- 
breitet. Namentlich  finden  sie  sich  überall  in  dem  Bereiche  des  jurassi- 
schen Höhenzuges  und  zum  Theil  in  solcher  Häufigkeit,  dass  man  sie 
anfangs  in  unmittelbarer  Nähe  anstehend  vermuthet,  obgleich  in  Wirklichkeit 
ihre  ursprüngliche  Lagerstätte  oft  mehrere  Meilen  weit  entfernt  ist.  Noch 
weiter  sind  Stücke  des  dunkelen  durchscheinenden  Hornsteins  und  Feuer- 
steins als  Diluvial-Geschiebe  fortgeführt  worden.  Man  findet  sie  über  das 
ganze  westlich  von  dem  jurassischen  Höhenzuge  liegende  Flachland  in 
dem  Sande  zerstreut  und  namentlich  habe  ich  sie  auch  in  der  Umgebung 
von  Woischnik  angetroffen.  Der  mit  dem  Gesteine  an  seinem  Ursprungs- 
orte nicht  näher  bekannte  Beobachter  wird  leicht  getäuscht  werden,  indem 
er  diese  jurassischen  Feuersteingeschiebe  mit  den  über  das  ganze  nord- 
deutsche Tiefland  in  so  grosser  Häufigkeit  verbreiteten  Feuersteingeschie- 
ben aus  nordischer  Kreide  verwechselt.  Das  Vorkommen  eines  Abdrucks 
von  Rhynchonella  Astieriana  oder  eines  Stachels  von  Cidaris  florigemma 
wird  ihn  dann  erst  über  die  jurassische  Natur  des  Gesteins  belehren. 

Die  Verbreitung  der  Schichtenfolge  ist  bedeutend.  Sie  bildet  den 
nordöstlichsten  Theil  des  jurassischen  Höhenzuges  zwischen  Pili  ca  und 
Mstöw  im  Wartha-Thale  östlich  von  Czenstochau.  Zwischen  Janow 
und  Mstöw  ist  die  Breite  der  Zone  am  Bedeutendsten.  Auf  der  Strecke 
zwischen  Janow  und  Pilica  und  namentlich  in  der  Umgebung  von  Lelow 
ist  sie  durch  den  hier  dem  Nordostabhange  des  Jurazuges  sich  anlagern- 
den und  bis  zu  bedeutender  Höhe  an  denselben  hinansteigenden  Löss, 
zum  Theil  auch  durch  aufgelagerte  Kreidemergel  im  Allgemeinen  der 
Beobachtung  entzogen  und  tritt  nur  in  einzelnen  kleineren  Partien  an  die 
Oberfläche.  Unter  diesen  ist  eine  ganz  kleine  Partie  bei  Potok  ZJoty 
durch  deutlichen  Aufschluss  bemerkenswerth.  Auch  südwärts  von  Pilica 
und  im  Krakau’schen  scheint  die  Schichtenfolge  nicht  ganz  zu  fehlen. 
Meistens  ist  sie  hier  freilich  durch  jüngere  Ablagerungen  der  Beobachtung 
völlig  entzogen.  Das  gilt  namentlich  von  dem  zunächst  nordwärts  von 
Krakau  sich  ausdehnenden  Gebiete.  Hier  bestehen  die  durch  ihre  grotes- 
ken prismatischen  Formen  bekannten  Felsen  von  Oycow  und  Piaskowa 


Jura-Formation. 


263 


Skala  aus  oberen  Felsenkalk  oder  Schichten  der  Ehynchonella  trilohata.  Es 
würde  also  unsere  Schichtenfolge  östlich  von  den  genannten  Felspartien  zu 
suchen  sein ; hier  treten  aber  anstehende  Schichten  überhaupt  nicht  mehr  unter 
der  mächtigen  Löss-Bedeckung  hervor.  Nordwärts  von  Czenstochau  ist 
die  Schichtenfolge  auch  noch  in  mehreren  kleineren  Partien  bekannt. 

In  palaeontologischer  Beziehung  ist  die  Schichtenfolge  von  grös- 
serem Interesse  als  die  beiden  vorhergehenden,  weil  gewisse  Schichten 
mit  zahlreichen  sicher  bestimmbaren  Arten  von  Yersteinerungen  erfüllt 
sind.  Diese  Schichten  sind  die  schon  erwähnten  in  Hornstein  übergehen- 
den kieseligen  Kalke.  Freilich  sind  die  fossilen  Körper  in  diesen  Kiesel- 
kalken stets  nur  in  der  Form  von  Steinkernen  und  Abdrücken  erhalten. 
Aber  die  Abdrücke  sind  so  scharf,  dass  man  durch  Abgüsse  derselben 
das  vollkommenste  Bild  von  der  ursprünglichen  Aussenseite  der  Muschel- 
schalen u.  s.  w.  erhält. 

Aufzählung  der  in  den  Schichten  mit  RJiynchonella  Astieriana 
beobachteten  Versteinerungen. 

1 ) Ehy^ichonella  Astieriana  d’Orbigny  Pal. Franc.  Terr.  cret.  Brachiop. 
p.  14,  Taf.  492,  Fig.  1 — 4;  idem  Prodrome  de  Paleontol.  Yol.  IL, 
p.  24;  Terehratula  inconstans  L.  v.  Buch,  Quenstedt  u.  s.  w.  (non 
Sowerby);  Unsere  Taf.  25,  Fig.  7,  8. 

Diese  in  dem  oberen  weissen  Jura  (s)  Schwabens  häufige  Art  wird  von 
Quenstedt  und  anderen  Autoren  unter  der  Benennung  Eh.  inconstans  Sow. 
aufgeführt.  Nach  Davidson  (Brit.  oolit.  and  lias.  Brachiop.  pag.  87, 
Taf.  XVIIL,  Fig.  1 — 4)  ist  Terehratula  inconstans  Sow.  ursprünglich  aus 
der  Kimmeridge-Bildung  beschrieben.  Aber  auch  abgesehen  von  der  ver- 
schiedenen Lagerstätte  ist  die  englische  Art  durch  Schärfe  der  dachförmi- 
gen Falten,  scharfkantige  Begrenzung  der  Schlossfläche  und  andere  Merk- 
male von  der  durch  L.  v.  Buch,  Quenstedt  und  andere  Autoren  als 
T.  inconstans  bezeichneten  Art  des  schwäbischen  und  fränkischen  Jura 
specifisch  bestimmt  unterschieden.  Die  beiden  Arten  gemeinsame  Neigung 
zur  Unsymmetrie  der  Schale  kommt  auch  noch  mehreren  anderen  Ehyn- 
chonella-wie  namentlich  auch  der  von  Lamarck  als  Terehratula 
difformis  beschriebenen  Art  der  belgischen  Tourtia^  zu  und  kann  nicht  als 
entscheidendes  specifisches  Kennzeichen  gelten.  A.  d’Orbigny  bildet  nun 
in  dem  Atlas-Bande  der  französischen  Kreide-Brachiopoden  unter  der  Be- 
nennung Ehynch.  Astieriana  eine  Art  ab,  für  welche  er  als  Synonym  Terehra- 
tula inconstans-speciosa  Münster  anfährt.  In  dem  zugehörigen  Text-Bande 
erwähnt  er,  dass  die  Art  irrthümlich  unter  den  Kreide-Brachiopoden  ab- 


264 


Jura-Formation. 


gebildet  sei  und  in  Wirklichkeit  dem  „Etage  Corallien‘‘  angehöre.  Zwar 
ist  demnach  die  Benennung  Bhynch.  Astieriana  zunächst  nur  auf  die  grosse 
Münster’sche  Form  von  Kehlheim  an  der  Donau  anwendbar.  Da  aber 
nach  Quenstedt  (Jura  p.  741)  diese  grosse  Form  nur  als  eine  Varietät 
seiner  gewöhnlichen  Terehratula  inconstans  aus  dem  weissen  Jura  s.  in 
Schwaben  anzusehen  ist,  so  ist  auch  die  Benennung  Rh,  Astieriana  auf  die 
schwäbische  T,  inconstans  überhaupt  anzuwenden. 

Völlig  mit  der  gewöhnlichen  schwäbischen  Form  übereinstimmend  findet 
sich  nun  diese  Art  auch  in  Polen.  Sie  ist  die  häufigste  Brachiopoden-Art 
der  Schichtenfolge.  Ausser  der  gewöhnlichen  Form  von  ungefähr  gleicher 
Länge  und  Breite  der  Schale  wie  Fig.  7 darstellt,  ist  auch  eine  schmalere 
und  kleinere  Form  häufig,  bei  welcher  die  Schnabelkanten  in  spitzem 
Winkel  zusammeiilaufen  und  die  Breite  der  Schale  sehr  viel  geringer  ist, 
als  die  Breite,  wie  Fig.  8 ein  solches  in  der  Erhaltung  als  Steinkern  dar- 
stellt. Fast  überall,  wo  die  Schichtenfolge  deutlich  aufgeschlossen  ist,  hat 
sich  die  Art  gefunden.  So  namentlich  an  vielen  Stellen  zwischen  .Janow 
und  Mstöw  an  der  Wartha,  wie  Bukowno,  Luslawice,  Pia  sek, 
Zurow  u.  s.  w.  Ebenso  zwischen  Janow  und  Pilica,  namentlich  bei 
Potok  ZJoty,  Huta,  Zdow,  Niegowa  u.s.  w.  Von  allen  diesen  Punkten 
liegen  durch  Dondorff,  Degenhardt  oder  mich  selbst  gesammelte 
Exemplare  vor. 

2)  Terehratula  hucculenta  Sow.  bei  Zieten-  Taf.  25,  Fig.  1. 

Ohne  die  sehr  zweifelhafte  Identität  der  schwäbischen  von  Zieten  so 
benannten  Art  mit  Sowerbj’s  englischer  Art  hier  untersuchen  zu  wollen, 
soll  hier  lediglich  die  Uebereinstimmimg  mit  der  schwäbischen  unter  jener 
Benennung  gewöhnlich  aufgeführten  Art  behauptet  werden.  Die  Art  gehört 
zu  den  häufigsten  der  Fauna  und  findet  sich  fast  überall  mit  Rhynchon. 
Astieriana  zusammen.  So  namentlich  bei  Potok  ZJotj  und  Lipnik 
unweit  Janow.  Das  Fig.  1 abgebildete  Exemplar  rührt  von  dem  ersteren 
Fundorte  her. 

3)  Terehratula  insignis  Zieten. 

Es  liegen  mehrere  zwei  Zoll  lange  Exemplare  von  Potok  ZJoty  vor, 
welche  durchaus  mit  den  bekannten  grossen  verkieselten  Exemplaren  von 
Nattheim  übereinstimmen.  Ob  gewisse  einen  halben  Zoll  lange  und  noch 
kleinere  glatte  Terebrateln,  die  mit  ihr  zusammen  verkommen,  zu  ihr  oder 
zu  der  vorhergehenden  Art  gehören,  ist  nicht  sicher  zu  ermitteln. 

4)  Terehratula  pectunculoides  d’Orbignj  (Terehratula  pectunculoides 
Schlotheim)'  Taf.  25,  Fig.  2. 

Von  Potok  Zloty  liegen  Exemplare  vor,  welche  durchaus  mit  solchen 


Jura-Formation. 


2G5 


aus  dem  schwäbischen  Jura  und  namentlich  von  Nattheim  überein- 
stimmen. Auch  von  Huta  südöstlich  von  Janow  liegen  Exemplare 
vor.  Die  Abbildung  Fig.  2 stellt  ein  grosses  Exemplar  von  Potok 
Zloty  dar. 

5)  Terehratella  loricata  d’Orb.  ( Terebratulites  loricaius  Schlot  heim); 
Taf.  25,  Fig.  3,  4. 

Fig.  3 stellt  ein  Exemplar  aus  weissem  Kalkstein,  der  der  untersten 
Abtheilung  der  Schichtenfolge  angehört,  von  dem  neuen  Vorwerke  bei 
Niegowa,  zwei  Meilen  östlich  von  Zarki,  Fig.  4 ein  kleines  im  Abdruck 
erhaltenes  Exemplar  von  Piasek  bei  Janow  nach  einem  Guttapercha- 
Abgusse  dar.  Unvollständige  Exemplare  liegen  auch  noch  von  anderen 
Fundorten  vor. 

6)  Terehratula  trigonella  Schloth.;  Taf.  25,  Fig.  5. 

Das  abgebildete  Exemplar  ist  in  einem  als  Geschiebe  bei  Bzöw  unweit 
Ogrodziniec  gefundenen  Stücke  des  kieseligen  Kalksteins  enthalten. 
Es  stimmt  vollständig  mit  schwäbischen  Exemplaren  überein.  Weniger 
vollständig  erhaltene  Exemplare  fanden  sich  auch  bei  Piasek  unweit 
Janow.  Uebrigens  ist  die  Art  nicht  auf  die  Schichten  der  Rhynchonella 
Astieriana  beschränkt,  sondern  kommt  auch  schon  in  der  vorhergehenden 
Schichtenfolge  der  Rh,  trilohata  vor. 

7 ) Terehratulina  substriata  d’Orb.  ( Terebratulites  substriatus  S c h 1 o t h.) ; 
Taf.  25,  Fig.  6. 

Völlig  mit  der  typischen  schwäbischen  Form  übereinstimmende  Exem- 
plare aus  weissem  Kalke  von  Huta,  südöstlich  von  Janow  liegen  vor. 
Eben  solche  von  Potok  Zloty  und  dem  Vorwerke  Dziadki  bei  Janow 
aus  kieseligem  Kalkstein. 

8)  Pecten  subtextorius  Goldfuss;  Quenstedt  Jura  p.  754,  tab.  92, 
Fig.  4;  Unsere  Taf.  25,  Fig.  9. 

Exemplare,  welche  vollständig  mit  Exemplaren  der  typischen  Form  von 
Natt  he  im  übereinstimmen,  wurden  namentlich  im  weissen  Kieselkalke 
von  Pradla,  zwei  Meilen  nördlich  von  Pilica,  bei  Luslawice  und 
Siedliszowice  beobachtet.  Das  Fig.  9 abgebildete  Exemplar  rührt  von 
Pradla  her. 

9)  Pecten  subspinosus  Schloth. ; Quenstedt  Jura  p.  754,  tab.  92, 
Fig.  5,  G.  Unsere  Taf.  25,  Fig.  10. 

Diese  wohlbekannte  kleine  Art  findet  sich  durchaus  übereinstimmend 
auch  in  Polen.  Das  abgebildete  Exemplar  rührt  von  Siemierzyce, 
1^|4  Meile  östlich  von  Wlodowice  her.  Auch  von  mehreren  Punkten  bei 
Janow  und  namentlich  von  Potok  Zloty  liegen  Exemplare  vor. 

34 


266 


Jiira-Formation. 


10)  Pecten  suharmatus  Goldf. ; Taf.  25,  Fig.  11. 

Das  abgebildete  Exemplar  ist  in  einem  Hornsteingeschiebe  von  Bzöw 
bei  Ogrodzieniec  eingeschlossen.  Die  Zwischenräume  zwischen  je 
zwei  der  ausstrahlenden  Rippen  zeigen  zwei  feine  erhabene  Linien,  w^elche 
Goldfüss  an  seinen  Exemplaren  von  Streitberg  und  Müggendorf 
nicht  erwähnt. 

11)  Pecten  sp.;  Taf.  25,  Fig.  12,  13. 

Von  dieser  nicht  näher  bestimmbaren  kleinen  glatten  Art  liegen  Exem- 
plare in  weissem  Hornstein  von  Goluchowice  bei  Pradla  vor.  Die 
Abbildungen  beziehen  sich  auf  diese.  Etwas  grössere  Exemplare  sam- 
melte ich  in  dem  Kieselkalke  von  Piasek  bei  Jan ow. 

12)  Lima  sp,;  Taf.  25,  Fig.  14. 

Das  abgebildete  Exemplar  ist  ein  in  gelblich  weissem  Hornstein  von 
Kiegowa,  1 Meile  östlich  von  Zarki,  eingeschlossener  Steinkern  der 
linken  Klappe.  Ein  am  unteren  Rande  erhaltenes  Stück  der  Schale  zeigt 
feine  Radialstreifen.  Unvollständige  Exemplare  liegen  von  mehreren 
anderen  Fundorten  vor. 

13)  Lima  notata  Goldf.*  Taf.  25,  Fig.  15. 

Das  einzige  deutlich  erhaltene  Exemplar,  welches  vorliegt,  rührt  aus 
weissem  Kalkstein  von  Pradla,  nördlich  von  Pilica,  her.  Es  passt  gut 
zu  der  Beschreibung  und  Abbildung  von  Goldfüss. 

14)  Lima  conf.  Lima  turnida  A.  Roemer. 

Nur  ein  einziges  Exemplar  der  rechten  Klappe  in  porösem,  dem  Kalk- 
tuff von  Mastricht  ähnlichen  weissen  Kalkstein  eingeschlossen,  welches 
durch  Dondorff  bei  Sjgontko,  1 Meile  nordöstlich  von  Janow,  gefun- 
den wurde,  liegt  vor.  Der  allgemeine  Habitus  stimmt  durchaus  mit  dem- 
jenigen L.  turnida  aus  dem  weissen  Jura  von  Hildesheim  überein, 
jedoch  sind  die  ausstrahlenden  Falten  etwas  schwächer. 

15)  Lima  prob oscidea  Sow. 

Es  liegt  ein  Exemplar  aus  weissem  Kalkstein  von  Szyce,  nördlich 
von  Pilica,  vor.  Ein  zweites  als  Abdruck  erhaltenes  kleineres  Exemplar 
ist  in  einem  als  Geschiebe  bei  Bzöw  gefundenen  Stücke  des  Kieselkalks 
eingeschlossen. 

16)  Ostrea  rastellaris  Goldf.;  Taf.  25,  Fig.  16. 

Die  Exemplare  dieser  in  dem  kieseligen  Kalksteine  der  Gegend  von 
Janow  und  Pilica  häufigen  Art  stimmen  vollständig  mit  solchen  von 
Nattheim  überein.  Das  abgebildete  unvollständige  Exemplar  rührt  aus 
Kieselkalk  von  Solce  her. 

17)  Ostrea  sp,;  Taf.  25,  Fig.  17. 


Jura-Formation. 


267 


Eine  kleine  kreisrunde  Art,  welche  in  dem  Kieselkalke  der  Gegend 
von  Janow  und  Pili  ca  nicht  seiten.  Das  Fig.  17  abgebildete  Exemplar 
wurde  durch  Dondorff  in  dem  Kieselkalke  bei  dem  Vorwerke  Ciecier- 
zyn,  ^|2  Meile  östlich  von  Olstyn  gesammelt.  Die  schief  über  die  Ober- 
fläche verlaufenden  Streifen  sind  offenbar  nicht  eine  der  Art  eigenthüm- 
liche  Skulptur,  sondern  der  Reflex  von  Radialfalten  einer  Muschel  (wahr- 
scheinlich Goldf.),  auf  welche  die  untere  Klappe  der 

Muschel  aufgewachsen  war.  Dagegen  gehören  sehr  feine  erhabene  Radial- 
Linien,  welche  man  namentlich  am  Umfange  der  Schale  erkennt,  augen- 
scheinlich zu  der  regelmässigen  Skulptur  der  Schalenoberfläche. 

18)  Cidaris  coronata  Goldf.;  Taf.  25,  Fig.  18,  19. 

Diese  Art  ist  im  Kieselkalke  der  Umgegend  von  Janow  und  Pili  ca 
nicht  selten.  Es  liegen  namentlich  Exemplare  von  Pradla,  nördlich  von 
Pili  ca  und  von  Potok  Zloty  bei  Janow  vor,  welche  durchaus  mit 
Exemplaren  aus  Schwaben  und  Franken  übereinstiramen.  Auch  von 
Rudniki,  1^|2  Meile  nordöstlich  von  Czenstochau  liegt  ein  vollständi- 
ges Exemplar  aus  weissem  nicht  kieseligem  Kalkstein  vor.  Fig.  18  stellt 
ein  einzelnes  Interambulacral-Feld  von  einem  vollständigen  Exemplare 
von  Pradla  dar,  Fig.  19  einen  Stachel  ebendaher.  Die  Zugehörigkeit 
des  Stachels  wurde  aus  dem  Zusammenvorkommen  in  demselben  Gesteins- 
stücke und  der  Uebereinstimmung  mit  den  Abbildungen  von  Desor 
(Synops.  Echin.  foss.  tab.  IlL,  Fig.  28 — 32)  gefolgert.  Auch  an  anderen 
Stellen  sind  solche  Stacheln  in  dem  Kieselkalke  häufig. 

19)  Cidaris  BlumenhacMi  Goldf.;  Taf.  25,  Fig.  20. 

Nur  die  grossen  fast  fingerslangen  Stacheln  liegen  vor.  Dieselben 
stimmen  vollständig  mit  solchen  aus  süddeutschem  und  Schweizer  Jura 
und  namentlich  vom  Mont  Terrible  überein.  Von  Oppel  und  anderen 
Autoren  werden  diese  Stacheln  zu  Cidaris  florigemma  Phillips  gerech- 
net. Desor  (Synops.  Echin.  foss.  p.  5)  giebt  aber  an,  dass  die  Schale, 
welche  von  Goldfuss  als  zu  den  Stacheln  gehörig  abgebildet  sei,  in 
W^irklichkeit  einer  anderen  Art,  nämlich  dem  Cidaris  Parandieri  Agass. 
angehöre.  Er  behält  die  Benennung  C.  Blumenhachii  für  die  Art  bei,  zu 
welcher  die  seit  langer  Zeit  unter  diesem  Namen  bekannten  weit  ver- 
breiteten Stacheln  in  Wirklichkeit  gehören.  Das  Fig.  20  abgebildete 
Exemplar  rührt  aus  dem  Kieselkalke  von  Potok  Zfoty  bei  Janow. 
Auch  von  mehreren  anderen  Punkten  liegen  Exemplare  aus  demselben 
Gesteine  vor.  So  namentlich  von  Lelow.  Auch  im  weissen  nicht 
kieseligen  Kalke  kommen  solche  Stacheln  bei  Potok  Zloty  und 
Huta  vor. 


34^ 


268 


Jiira-Fürni«'ition. 


20)  Bhabdöcidaris  caprimontana  Desor  (conf.  Moesch:  Aargauer 
Jura  p.  Slöj  tab.  VIL,  Fig.  3a.  k.);  unsere  Taf.  25,  Fig.  21. 

Der  in  ein  Geschiebe  von  Kieselkalk  eingesclilossene  Stachel  von 
BZÖW5  welchen  unsere  Abbildung  darstellt,  passt  bis  auf  die  gerin- 
gere Grösse  gut  zu  den  Figuren  3c.  und  3d.  von  Moesch.  Ein  anderer 
Stachel  aus  anstehendem  Kieselkalke  von  Skowronow  nordwestlich  von 
Janow  gleicht  durch  die  schneidige  Kante  mehr  denjenigen  der  Rhabdo- 
cidaris  irispinata  (Desor  Sjnops.  Taf.  VIIL,  Fig.  12)  von  Natt  he  im. 

21)  Glypticus  hieroglyphicus  Agass.;  Taf.  25,  Fig.  22,  23,  24. 

Die  Abbildungen  stellen  ein  als  Abdruck  in  einem  Kieselkalkgeschiebe 
von  Bzöw  erhaltenes  Exemplar  nach  einem  Guttapercha- Abgusse  dar. 
Fig.  24  ist  eine  vergrösserte  Ansicht  dieses  Exemplars  von  der  Seite.  Das- 
selbe stimmt  vollständig  mit  Exemplaren  aus  der  Schweiz  und  Frankreich 
überein.  Ein  weniger  gut  erhaltenes  Exemplar  von  Potok  Zloty  bei 
Janow  liegt  vor, 

22)  Stomechinus  sp.;  Taf,  25,  Fig.  25. 

Nur  Steinkerne,  welche  eine  sichere  specifische  Bestimmung  nicht 
zulassen,  liegen  vor.  Das  grosse  tief  gekerbte  Peristoma  bestimmte  vor- 
zugsweise diese  Steinkerne  zur  Gattung  Stomechinus  zu  rechnen.  Das 
abgebildete  Exemplar  wurde  durch  Dondorff  bei  Mstöw  östlich  von 
Czenstochau  gesammelt. 

23)  Sphaerites  scutatus  Q u e n s t.  ( Asterias  scutata  G 0 1 d f u s s)  *,  Taf.  25, 
Fig.  26. 

Es  liegen  einzelne  Täfelchen  von  Rudniki  l'jo  Meilen  nordöstlich  von 
Czenstochau  vor,  welche  in  jeder  Beziehung  mit  solchen  aus  Schwaben 
und  namentlich  von  Nattheim  übereinstimmen.  Fig.  26  stellt  eines  der 
grösseren  Täfelchen  von  Mstöw  dar. 

24)  Apiocrinus  rosaceus  Schlot  heim;  Taf.  25,  Fig,  27,  28. 

Das  abgebildete  Säulenstück  von  Potok  Zloty  bei  Janow  passt  gut 
zu  den  Abbildungen  der  Säulenstücke,  welche  Goldfuss,  (Taf.  56,  Fig.  3 Q.) 
freilich  ohne  alle  sichere  Gewähr  als  zu  den  Kelchen  von  Apiocrinus  rosa- 
ceus gehörig  ansieht.  Mit  solchen  Säulenstücken,  wie  das  abgebildete, 
finden  sich  bei  Potok  Zloty,  andere  Säulenstücke,  welche  durch  Grösse, 
Höhe  der  einzelnen  Säulenglieder,  geringere  Zahl  der  Radien  auf  den 
Gelenkflächen,  bedeutendere  Grösse  des  Nahrungskanals  und  andere 
Merkmale  sich  unterscheiden.  Eben  solche  verschiedene  Formen  finden 
sich  in  Schwaben.  Quenstedt  erklärt  es  für  jetzt  für  unthunlich  sie 
specifisch  zu  bestimmen. 

25)  Maeandrina  sp. 


Jura-Formation. 


269 


Eine  Art  mit  sehr  langen,  schmalen  Thälern  der  in  einander  fliessenden 
Zellenmündimgen  in  ziickerartigen  porösen  blendend  weissen  Kalk  ver- 
steinert von  der  Höhe  der  ^|4  Meile  nordöstlich  von  Zdöw  (l’|2  Meilen  süd- 
östlich von  Zarki)  sich  erhebenden  Bergkuppe.  Bedeckt  mit  losen  Horn- 
steingeröllen  stehen  dort  in  geringer  Mächtigkeit  weisse  Kalksteinbänke  an, 
welche  mit  Korallen  (Anfhozoen)  erfüllt  sind  und  wirkliche  fossile  Korallen- 
bänke sind.  Die  Erhaltung  der  meistens  nur  in  der  Form  von  Steinkernen 
erhaltenen  Korallenstöcke  ist  übrigens  so  unvollkommen,  dass  sie  selten 
eine  specifische  Bestimmung  zulassen.  Dieselben  korallenreichen  Kalk- 
steinbänke beobachtete  Dondorff  auch  noch  an  zwei  anderen  Stellen, 
nämlich  in  den  Pingen  der  alten  seit  langer  Zeit  verlassenen  Steinbrüche 
^|2  Meile  südlich  von  Lelow  und  endlich  in  einem  kleinen  Steinbruche 
bei  Huta  am  Wege  zwischen  Janow  und  Lelow. 

26)  Scypliia  striata  Goldf. 

Faustgrosse  trichterförmig  verkieselte  Exemplare,  welche  vollständig 
mit  schwäbischen  Exemplaren  übereinstimmen,  von  mehreren  Orten  und 
namentlich  von  Rudniki  nordöstlich  von  Czen  stoch  au  und  von  Cze- 
purka  nordwestlich  von  Janow,  liegen  vor. 

27)  Scypliia  cylindrica  Goldf. 

Die  Exemplare  erreichen  nicht  die  von  Goldfuss  angegebene  Grösse 
sondern  sind  meistens  nur  fingerlang.  Es  liegen  namentlich  Exemplare 
von  Pradla  und  von  Zurow  bei  Janow  vor. 

28)  Spongites  texturatus  Quenstedt  Jura  p.  683. 

Verkalkte  und  verkieselte  Exemplare  von  verschiedenen  Punkten  der 
Umgebungen  von  Janow  und  Pili  ca  liegen  vor. 

Ausser  den  genannten  Arten  kommen  verschiedene  andere  wegen 
unvollständiger  Erhaltung  nicht  näher  bestimmbare  Spongien  vor  und 
nach  der  Frequenz  des  Vorkommens  gehören  die  Spongien  überhaupt  zu 
den  häufigsten  Organismen  der  Schichtenfolge.  Auf  diese  Weise  reicht 
die  verticale  Verbreitung  der  Spongien  durch  die  ganze  Mächtigkeit  der 
in  dem  polnischen  Jura -Zuge  entwickelten  Schichten  des  weissen  Jura, 
da  sie,  wie  früher  erwähnt  wurde,  gleich  in  den  mergeligen  Schichten  mit 
der  kleinen  Form  des  Ammonites  cordatus  mit  grosser  Mannichfaltigkeit  der 
Formen  und  Häufigkeit  der  Individuen  auftreten.  Während  die  Spongien 
in  den  tieferen  Abtheilungen  des  weissen  Jura  meistens  verkalkt  sind,  so 
erscheinen  sie  hier  in  der  obersten  Abtheilung  meistens  verkieselt  und 
werden  dadurch  noch  mehr  erkennbar. 

29)  Ammonites  hiplex  Sow. 

Handgrosse  Exemplare  mit  sehr  regelmässig  am  Rücken  sich  gabeln- 


270 


Jura-Formation. 


den  Rippen  liegen  von  mehreren  Punkten  vor.  Namentlich  finden  sie  sich 
auch  in  einem  kreideähnlichen  weissen  Kalkstein  bei  dem  Vorwerke 
Pilica.  In  mehr  compactem  Kalk  kommen  sie  bei  Gulzöw,  Czepurka, 
Potok  Zloty  und  an  anderen  Orten  vor. 

30)  Ämmonites polyplocus  L.  v.  Buch. 

Exemplare  vom  Vorwerke  Pilica  stimmen  ganz  mit  solchen  aus  dem 
unteren  Felsenkalke  überein. 

31)  Ämmonites  virgulatus  Quenstedt. 

Ein  Exemplar  von  Pradla  stimmt  vollständig  mit  Exemplaren  aus  den 
Schichten  mit  der  grossen  Form  des  Ämmonites  cordatus  überein.  Auf  diese 
Weise  haben  die  Ammoniten  unserer  Schichtenfolge  nichts  Eigenthüm- 
liches.  Es  sind  die  bekannten  Formen  der  Planulaten,  welche  durch  die 
ganze  Reihe  der  oberen  Glieder  des  weissen  Jura  hindurchgehen. 

3 2)  Prosopon  rostratum  H.  v.  Meyer*  Taf.  25,  Fig.  2 9 . 

Exemplare  des  Cephalothorax  sind  sehr  häufig  und  liegen  von  vielen 
Punkten  vor.  So  namentlich  von  Rudniki,  nordwestlich  von  Czen- 
stochau,  von  Zuröw,  Czepurka  und  Luslawice  bei  Janow.  So 
sicher  die  Zugehörigkeit  zu  der  Gattung,  so  schwierig  ist  zum  Theil  die 
Artbestimmung,  indem  im  Einzelnen  die  Exemplare  sehr  abweichen, 
besonders  in  Betreff  des  Verlaufs  der  Querfurchen.  Am  häufigsten  ist 
eine  Form  mit  zwei  Querfurchen,  von  denen  die  vordere  in  der  Mitte  eine 
nach  rückwärts  gewendete  Biegung  zeigt.  Quenstedt  (Jura  p.  777)  findet 
dieselbe  Schwierigkeit  der  specifischen  Bestimmung  der  Formen  des  weissen 
Jura  in  Schwaben.  Uebrigens  kommen  Exemplare  der  Gattung  in  Polen 
auch  schon  in  den  tieferen  Schichten  des  weissen  Jura  vor. 


Aus  der  vorstehenden  Aufzählung  der  organischen  Einschlüsse  ergiebt 
sich  die  Stellung,  welche  der  zuletzt  betrachteten  Schichtenfolge  in  der 
Reihe  der  jurassischen  Bildungen  anzuweisen  ist,  ohne  weiteres  mit  der 
grössten  Bestimmtheit.  Die  meisten  Arten  sind  nämlich  wohl  bekannte 
Formen  der  den  obersten  Theil  der  Rauhen  Alb  in  Schwaben  bildenden  Reihe 
von  kalkigen  Schichten,  welche  Quenstedt  unter  der  Benennung  Weisser 
Jura  £.  zusammenfasst.  Das  gilt  im  Besonderen  von  Terehratella  pectun- 
culoides^  Terehratella  loricata,  Terehratula  trigonella,  Terehratulina  substriata, 
Phynchonella  Astieriana  (Terehratula  inconstans  L.  v.  Buch  [non  Sow.]), 
Pecten  suhspinosus,  Ostrea  rostellaris,  Cidaris  coronata,  Cidaris  Blumenhacliii^ 
Glypticus  hieroglypliicus  und  SpJiaerites  scutatus.  Die  meisten  derselben 
finden  sich  namentlich  an  der  bekannten  Fundstelle  von  Nattheim. 
Auch  die  Ausscheidungen  von  Hornstein  und  Feuerstein  sind  dieser  Abthei- 


Jura-Formation. 


271 


lung  des  weissen  Jura  in  Schwaben  mit  den  Schichten  in  Polen  gemeinsam. 
In  palaeontologischer  wie  in  petrographischer  Beziehung  ist  die  üeberein- 
stimmung  dieses  obersten  Gliedes  des  polnischen  Jurazuges  mit  dem  ent- 
sprechenden in  Süddeutschland  grösser  als  diejenige  irgend  eines  der  tie- 
feren Glieder  mit  dem  gleichstehenden  in  Schwaben. 

In  dem  von  OppeP)  aufgestellten  Schema  der  Gliederung  der  Jura- 
Formation  ist  es  die  die  oberste  Abtheilung  der  Oxford-Gruppe  bildende 
Zone  des  Cidaris  florigemma,  welcher  unsere  Schichtenfolge  entspricht. 
In  der  That  ist  ja  auch  Cidaris  Blumenhachii,  mit  welcher  C.  florigemma 
Phill.  synonym  ist,  in  unserer  Schichtenfolge  weit  verbreitet.  Zwischen 
der  Zone  des  Cidaris  florigemma  und  der  Zone  des  Ammonites  hiarmatus, 
in  welcher  der  Ammonites  cordatus  mit  dem  Ammonites  biarmatus  als  vor- 
zugsweise bezeichnende  Arten  Vorkommen  sollen  und  welche  daher  der 
von  uns  als  Schichten  des  Ammonites  cordatus  bezeichneten  Schichtenfolge 
entspricht,  stellt  Oppel  den  Lower  calcareous  grit  aus  England  und  die 
Scyphia-Kalke  Schwabens.  Diesen  letzteren  müssen  also  die  von  uns  als 
Schichten  der  Bhynchonella  lacu7iosa  (Unterer  Felsenkalk)  und  Schichten 
der  Rhynchonella  trilohata  (Oberer  Felsenkalk)  bezeichneten  Schichtenfolgen 
vereinigt  im  Alter  gleichstehen.  In  der  That  besteht  ja  auch  eine  auf- 
fallende Ueb  er  ein  Stimmung  in  dem  petrographischen  wie  in  dem  palaeonto- 
logischen  Verhalten.  Helle  Kalke  mit  thonigen  Zwischenlagen  und  mäch- 
tige mit  Spongien  erfüllte  zur  Felsbildung  geneigte  massige  Kalke  (Scyphien- 
Kalke),  wie  sie  bei  Geisslingen  und  Lochen  in  Württemberg  in 
einer  über  400  Fuss  betragenden  Mächtigkeit  anstehen,  sind  die  typische 
Erscheinungsweise  der  Schichtenfolge  in  Schwaben.  Der  palaeontolo- 
gische  Charakter  der  Schichten  ist  in  so  fern  ein  nicht  fest  bestimmter  als 
wenige  eigenthümliche  Arten  vorhanden  sind,  und  die  Mehrzahl  der  Arten 
auch  mit  den  angrenzenden  Gliedern  der  Formation  gemeinsam  ist. 
Alle  diese  Merkmale  passen  auf  die  von  uns  als  unterer  und  oberer  Felsen- 
kalk bezeichneten  Schichten  in  Polen. 

8.  Nerineenkalk  von  Inwald^). 

Ganz  vereinzelt  treten  bei  Inwald  und  eine  Meile  weiter  westlich 
bei  Roczyny  unweit  Andrychau  in  Galizien  am  Nordrande  der 
Beskiden  aus  dunkelen  schieferigen  Gesteinen,  welche  theils  der  eocänen 
Abtheilung  der  Tertiär -Formation,  theils  der  Kreide -Formation  angehö- 


1)  Die  Jura-Formation.  Tabellarische  Uebersicht  zu  § 120. 

2)  Auf  der  Karte  als  j i bezeichnet. 


272 


Jura-B'ormatlon. 


ren,  zwei  beschränkte  Partien  von  massigem  compacten  weissem  Kalk- 
stein mit  splitterigem  Bruche  hervor.  Die  Lagerungsverhältnisse  des  Kalk- 
steins zu  den  umgebenden  Schichten  der  Tertiär-  und  Kreide-Formation 
sind  bei  der  sehr  gestörten  Schichtenstellung  der  letzteren  nicht  bestimmt 
zu  erkennen.  Da  mit  dem  Kalkstein  Tesclienit,  ein  dem  Nordrande  der 
Karpathen  eigenthümliches  dunkeles  Eruptiv -Gestein  erscheint,  so  wird 
man  geneigt  das  Hervortreten  des  Kalksteins  mit  dem  Ausbruche  dieses 
Eruptiv-Gesteins  in  Verbindung  zu  bringen.  Der  Kalkstein,  der  bei  In  wal  d 
durch  grosse  Steinbrüche  aufgeschlossen  ist,  erregt  besonders  durch  einen 
Reichthum  von  deutlich  erhaltenen  organischen  Einschlüssen  Interesse. 
Dieselben  sind  namentlich  durch  Zeuschner  näher  bekannt  geworden \). 
Besonders  die  Bracliiojpoden,  Lamellihmnchiaten  und  Gastropoden  bilden  den 
Hauptbestandtheil  der  Fauna.  Die  Cephalopoden  fehlen  fast  ganz  und  von 
Corallen  oder  Anthozoen  sind  nur  wenige  Arten  vorhanden.  Unter  den 
Gastropoden  ist  namentlich  die  GattungiVmnm,  unter  Lamellibrancliiaten 
oder  Muscheln  die  Gattung  durch  starke  Vertretung  bemerkenswerth. 

Der  ganze  Charakter  der  Fauna  ist  durchaus  abweichend  von  demjenigen 
irgend  eines  Gliedes  der  Jura-Formation  in  Schwaben  oder  Franken.  Die 
Mehrzahl  der  sicher  bestimmbaren  Arten  ist  der  Localität  eigenthümlich. 
Zwar  erkennt  Zeuschner^)  eine  Anzahl  von  Arten,  die  auch  in  süddeut- 
schen oder  französischen  Jura-Bildungen  verkommen,  wie  Nerinea  Brun- 
trutana,  N,  Mandelslolii,  Cardium  corallinum^  Diceras  arietina,  D.  Lucii  u.  s.  w., 
aber  zum  Theil  wird  die  Bestimmung  dieser  Arten  noch  der  Bestätigung 
bedürfen  und  die  Gleichstellung  des  Inwalder  Kalks  mit  einem  bestimmten 
Gliede  des  süddeutschen  Jura  würde  auch  durch  die  wirkliche  specifische 
Identität  jener  Arten  nicht  zu  begründen  sein,  da  sie  sich  in  keinem  Falle 
wie  bei  Inwald  genau  in  denselben  Schichten  vereinigt  finden.  Wenn  die 
Häufigkeit  der  Nerineen  und  das  Vorkommen  von  Diceras  bei  Inwald 
auch  im  Allgemeinen  auf  eine  Stellung  des  Kalks  in  dem  oberen  Theile  der 
Jura-Formation  unter  den  Schichten  mit  Exogyra  virgula  hinweisen,  so  ist 
er  deshalb  doch  keinesweges  als  ein  Glied  der  typischen  Entwickelung 
des  deutschen  und  polnischen  Jura  anzusehen,  sondern  er  ist  eben  so  wie 
der  unter  ganz  ähnlichen  Verhältnissen  am  Nordrande  der  Beskiden  als 
eine  grossartige  Felsmasse  hervortretende  Kalk  von  Stramberg,  der  von 
Oppel  zu  seiner  zwischen  Jura-  und  Kreide -Formation  einzureihenden 


1)  Palaeontologische  Beiträge  zur  Keuntniss  des  weissen  Jura-Kalkes  von  ln  wal  d bei  Wado- 
wice.  Abhandl.  der  Böhm.  Gesellsch.  der  Wissensch.  Prag.  1857. 

2)  Geognostische  Beschreibung  des  Nerineen -Kalks  von  Inwald  und  Roczyny,  Naturwissen- 
schaftliche Abhandl.,  herausgegeben  von  H aiding er,  1850,  Bd.  III.,  Abth.  I.,  S.  133  ff. 


Jiira-Fonnation. 


273 


Tithonischen  Etage  gerechnet  wird,  eine  dem  Hebungsgebiete  der  Kar- 
pathen angehörende  Bildung  von  alpinem  Charakter,  welche  sich  von 
dem  nordwärts  der  Karpathen  in  Deutschland  und  Polen  entwickelten 
aequivalenten  Ablagerungen  palaeontologisch  und  petrographisch  ebenso 
unterscheidet,  wie  sich  die  Neocom-  und  Gault-Bildungen  der  Gegend  von 
T eschen  von  den  Neocom-  und  Gault -Bildungen  im  nordwestlichen 
Deutschland  unterscheiden.  Kalksteine  gleicher  Art  wie  derjenige  von 
Inwald  sind  daher  auch  nur  in  den  Karpathen  und  deren  Fortsetzung, 
den  Alpen,  zu  suchen.  In  der  That  hat  ja  auch  Peters^)  auf  die  grosse 
Aehnlichkeit  des  Inwalder  Kalks  mit  gewissen  im  Salzkammergute  auf- 
tretenden Kalk-Bildungen,  und  namentlich  mit  dem  Kalke  am  P lassen 
bei  Hallstadt  hingewiesen. 

9.  Schichten  der  Exogyra  virgula  (Kimmeridge-Bilduiig). 

Gesteine  dieser  Abtheilung  sind  nicht  im  Zusammenhänge  mit  den 
übrigen  den  grossen  polnischen  Jura -Zug  zwischen  Krakau  und  Czen- 
stochau  zusammensetzenden  jurassischen  Ablagerungen  bekannt.  Sie 
treten  vielmehr  erst  mehrere  Meilen  weiter  östlich  von  dieser  jurassischen 
Hauptzone  an  den  Ufern  der  Pilica  und  südwestlich  von  Kiele e in  einzel- 
nen Partien  und  schmalen  Zügen  auf.  Solche  Partien  sind  namentlich  bei 
Sulejow  und  bei  Przedborz  bekannt.  Die  ansehnlichste  Entwickelung 
erlangen  sie  in  dem  schmalen  Höhenzuge,  welcher  sich  südwestlich  von 
Kielce  aus  der  Gegend  von  Malagoszcz  über  Sobkow  und  Korytnice 
fortzieht.  Oolithische  und  dichte  Kalksteine,  welche  zum  Theil  dem  litho- 
graphischen Kalksteine  von  Solenhofen  sehr  ähnlich  sind,  herrschen  vor. 
Pusch  hat  die  petrographische  Beschaffenheit  dieser  Ablagerungen  schon 
deutlich  beschrieben  und  ihre  Verbreitung  auf  seiner  Uebersichtskarte  im 
Allgemeinen  richtig  verzeichnet.  Erst  Zeus  ebner  hat  jedoch  durch  Auf- 
findung entscheidender  Versteinerungen  die  Altersstellung  dieser  Schichten 
sicher  festgestellt.  Besonders  war  die  Entdeckung  der  Exogyra  virgula, 
des  bekannten  Leitfossils  der  Kimmeridge-Bildiing  von  Wichtigkeit.  Er 
führt  dieselbe  namentlich  von  Korytnice,  Bolmin  und  Sulejow^)  an. 


1)  Die  Nerineen  des  oberen  Jura  in  Oesterreich.  Sitzungsber.  der  Wiener  Acaderaie  Bd.  XVI., 
Heft  2,  1855,  p.  389. 

2)  Bei  Sulejow  haben  Degenhardt  und  ich  selbst  sie  auf  dem  Wege  von  Petrikau 
(Piotrkow)  nach  Kielce  im  Jahre  1866  ebenfalls  beobachtet.  Vor  dem  Uebergange  über  die 
Pilica  fanden  wir  hier  in  dem  Chaussee-Graben  von  Diluvial-Sand  bedeckt  dünne  Schichten  eines 
undeutlich  oolithischen  und  mit  den  Schalen  von  Exogyra  virgula  ganz  erfüllten  Kalksteins  anstehen. 

35 


274 


Jura-Formation. 


Ausserdem  nennt  er  noch  folgende  Arten  als  diesen  Schichten  eigenthüm- 
lich : Pholadomya  parcicosta  A g. , Ceromya  Lennieri  D o 1 1 f u s s , Venus  par- 
vula  A.  R o e m e r 5 Trigonia  supra  jurensis  A g. , Trigonia  clavellata  S o w. , 
Pinna  Barrensis  1 Buvignier,  Mytilus plicatus  G o 1 d f. , Mytilus  Sowerhya- 
nus  VOvh.^  Mytilus  suhlaevis  Mytilus  pectinoides  Goldf. , Mytilus 

scalprum  G o 1 d f. , Myoconclia pernoides  G o 1 d f, , Perna Flambarti PDollfuss, 
Ostrea  gregarea  Sow.,  Rhynchonella  inconstans^'). 

Wenn  nun  diese  Kalkschichten  an  der  Pili  ca  und  südwestlich  von 
Kielce  der  Kimmeridge-Bildung  zuzurechnen  und  also  entschieden  jünger 
sind,  als  die  jüngsten  an  der  Zusammensetzung  des  grossen  jurassischen 
Höhenzuges  zwischen  Krakau  und  Czenstochau  theilnehmenden  Glie- 
der, so  fragt  sich  ob  sie  unmittelbar  auf  diese  letzteren  folgen  oder  ob 
in  dem  mehrere  Meilen  breiten  Zwischenräume  zwischen  dem  östlichen 
Rande  dieses  jurassischen  Höhenzuges  und  den  Partien  der  Kimmeridge- 
Bildung  unter  dem  Diluvium  und  der  Kreide  noch  jurassische  Schichten 
von  intermediärer  Stellung  vorhanden  sind.  Als  solche  könnten  nur 
Diceras- Kalke,  Nerineen- Kalke  und  Platten  - Kalke  von  Solenhofen 
erwartet  werden.  Nach  Zeuschner  kommen  in  der  That  in  der  Gegend 
von  Chencinj  südwestlich  von  Kielce  Kalkschichten  mit  Diceras  arietina 
vor.  Da  dort  nach  Zeuschner  eine  vollständige  Aufeinanderfolge  der 
jurassischen  Schichten  vom  mittleren  Jura  bis  in  die  Kimmeridge-Bildung 
nachzuweisen  ist,  so  sind  die  Diceras-Kalke  wohl  überhaupt  in  der  zunächst 
östlich  von  deih  jurassischen  Hauptzuge  liegenden  Gegend  in  der  Tiefe  zu 
vermuthen. 

7.  Vergleichung  des  polnisch -oberschlesischen  Jura  mit  der  Entwickelung 
der  Jura -Formation  in  anderen  Gegenden. 

Im  Ganzen  zeigen  die  Ablagerungen  der  Jura-Formation  in  Polen  und 
Oberschlesien,  wie  bei  der  Beschreibung  der  einzelnen  Glieder  schon  mehr- 
fach angedeutet  wurde,  mit  denjenigen  in  Süddeutschland  und  namentlich 
in  Württemberg,  eine  so  grosse  Uebereinstimmung  in  petrographischer  und 
palaeontologischer  Beziehung,  dass  daraus  auf  eine  wesentliche  Gleichheit 
der  physikalischen  Bedingungen  und  auf  einen  direkten  Zusammenhang  der 


Zwar  lassen  die  auf  der  Oberfläche  etwas  verwitterten  Schalen  die  bezeichnenden  feinen  Radial-Fal- 
ten  nicht  erkennen,  aber  die  allgemeine  Form  ist  ganz  diejenige  der  echten  Exogyra  virgula.  Von 
anderen  Versteinerungen  wurden  nur  kleine  Säulenglieder  eines  Pentacrinus  und  Stacheln  einer 
Cidarü -\ri  beobachtet. 

Vergl.  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  1869,  p.  791. 


Jura-Forraatlon. 


275 


Meerestlieile,  in  welchen  die  Ablagerungen  beider  Gegenden  sich  bildeten, 
mit  Sicherheit  geschlossen  werden  kann.  Der  Zusammenhang  kann  nur 
durch  die  Lücke  zwischen  den  Karpathen  und  dem  südlichen  Ende  der 
Karpathen  und  durch  Mähren  in  der  Richtung  auf  Wien  und  von  hier  auf 
Regensburg  bestanden  haben.  In  der  That  sind  in  Mähren  einzelne  Partien 
jurassischer  Gesteine  von  gleichem  Typus  wie  die  Polnischen  und  Süd- 
deutschen vorhanden. 

Die  Uebereinstimraung  ist  namentlich  in  den  oberen  Gliedern  des  weis- 
sen  Jura  (Quenstedt’s  Weisser  Jura  s.)  schlagend.  Hier  ist  die  Mehr- 
zahl der  Arten  beiden  Gebieten  gemeinsam  und  namentlich  findet  sich 
darin  auch  dieselbe  Anhäufung  fossiler  Spongien  oder  Schwämme  in  Polen 
wie  in  Schwaben.  Weniger  befinden  sich  die  tieferen  Glieder  des  polni- 
schen Jura  mit  denjenigen  in  Schwaben  in  üebereinstiramung.  Zunächst 
ist  schon  das  Fehlen  des  Lias  eine  Eigenthümlichkeit  des  oberschlesisch- 
polnischen Jura,  welche  ihn  auffallend  von  der  süddeutschen  Entwickelung 
unterscheidet.  Dieses  Fehlen  des  Lias  ist  übrigens  nicht  auf  Polen  und 
Oberschlesien  beschränkt,  sondern  gilt  bekanntlich  für  das  ganze  nordöst- 
liche Europa  und  namentlich  Russland.  In  Oberschlesien  und  Polen 
ist  die  Erscheinung  aber  dadurch  viel  bemerkens werther,  dass 
hier  die  untersten  Glieder  des  mittleren  oder  braunen  Jura  in 
unmittelbarer  und  anscheinend  durchaus  gleichförmiger  Auf- 
lagerung auf  den  obersten  Schichten  des  Keupers  aufruhen 
und  also  eine  Unterbrechung  der  Niederschläge  zwischen  dem 
Ende  der  Trias-Periode  und  der  Jura-Periode  hier  nicht  Statt 
gefunden  hat.  Wo  die  Schichten  des  mittleren  Jura  älteren  Bildungen 
ungleichförmig  aufgelagert  sind,  wie  z.  B.  in  der  Gegend  von  Moskau 
auf  Kohlenkalk,  da  könnte  das  Fehlen  des  Lias  durch  die  einfache  An-” 
nähme  erklärt  werden,  dass  die  betreffende  Gegend  zu  der  Zeit  als  in 
anderen  Theilen  Europas  der  Absatz  des  Lias  erfolgte,  über  dem  Meeres- 
spiegel sich  befand.  Diese  Erklärung  ist  für  Obersehlesien  und  Polen  aus- 
geschlossen. 

Auch  die  petrographische  Beschaffenheit  des  grossentheils  aus  losem 
gelben  Sand  bestehenden  tiefsten  Gliedes  des  mittleren  oder  braunen  Jura 
von  Oberschlesien  und  Polen,  welches  von  uns  als  Kostczelitzer  Sandstein 
bezeichnet  wurde,  bildet  eine  Eigenthümlichkeit  im  Vergleich  zu  dem  süd- 
deutschen Jura. 

Von  der  Entwickelung  des  nordwest-deutschen  Jura  zeigt  sich  der- 
jenige in  Polen  und  Oberschlesien  sehr  abweichend.  Namentlich  der 
weisse  Jura  verhält  sich  ganz  verschieden.  Die  kieseligen  Ausscheidun- 

35* 


276 


Jura-Formation. 


geil  von  Hornstein  und  Feuerstein  fehlen  in  Hannover  und  in  den  Weser- 
Gegenden  ebenso  entschieden  wie  alle  Spongien  oder  Schwämme,  welche 
in  dem  weissen  Jura  Polens  eben  so  häufig  sind  wie  auf  der  Rauhen  Alb 
in  Schwaben  und  auch  die  gewöhnlichsten  Arten  der  Brachiopoden,  wie 
Rhynchonella  lacunosa  und  Rhyndionella  irilohata  sind  dem  weissen  Jura 
des  nordwestlichen  Deutschlands  durchaus  fremd.  So  gewiss  als  zwischen 
den  Meerestheilen,  in  welchen  sich  der  polnische  und  der  schwäbische 
Jura  ablagerten,  ein  directe.r  Zusammenhang  Statt  gefunden  hat,  eben  so 
gewiss  fehlte  eine  solche  Verbindung  zwischen  den  Meerestheilen,  in 
welchen  sich  einer  Seits  der  polnische  und  anderer  Seits  der  nordwest- 
deutsche Jura  absetzten. 

Dagegen  zeigt  alles,  was  in  den  Umgebungen  der  Ostsee,  namentlich 
in  Pommern  und  West-Preussen,  von  jurassischen  Ablagerungen  bekannt 
ist,  mit  dem  polnischen  Jura  so  viel  Verwandtschaft,  dass  ein  Zusammen- 
hang beider  in  der  Tiefe  unter  den  diluvialen  und  tertiären  Schichten 
durchaus  wahrscheinlich  ist. 


/ 


IV.  Kreide -Formation. 


Ablagerungen  der  Kreideformation  sind  in  dem  Kartengebiete  in  drei 
verschiedenen  Gegenden  entwickelt,  nämlich  einmal  in  dem  die  Umgebun- 
gen von  Teschen,  Skotschau,  Bielitz,  Kenty  und  Wadowice  be- 
greifenden Theile  der  Nordkarpathen  oder  Beskiden,  dann  in  der  Gegend 
von  Oppeln  und  Leöbschütz  und  endlich  auf  dem  Ostabfalle  des 
jurassischen  Höhenzuges  zwischen  Krakau  und  Czenstochau.  Die 
Kreidegesteine  dieser  drei  Gebiete  stimmen  unter  sich  keineswegs  über- 
ein, sondern  zeigen  eine  durchaus  verschiedene  Entwickelung.  Sie  sind 
deshalb  in  dem  Folgenden  auch  getrennt  zu  betrachten. 

Ä.  Kreide -Bildungen  der  Nord -Karpathen  oder  Beskiden. 

Nur  ein  schmaler  Streifen  der  Nord-Karpathen  zwischen  Fried  eck  in 
Mähren  und  Wadowice  in  Galizien  fällt  in  den  Bereich  unserer  Karte. 
Gesteine  der  Kreide -Formation  setzen  dieselben  vorzugsweise  zusammen. 
Dieselben  gleichen  aber  nicht  anderen  deutschen  Kreide-Bildungen,  son- 
,dern  so  wie  die  Karpathen  überhaupt  sich  in  ihrem  ganzen  orographischen 
und  geognostischen  Verhalten  durchaus  als  eine  Fortsetzung  der  Alpen 
darstellen,  so  haben  auch  diese  Kreide-Schichten  den  für  die  Kreide-For- 
mation der  Alpen  und  des  südlichen  Europa  in  petrographischer  und 
palaeontologischer  Beziehung  bezeichnenden  eigenthümlichen  Habitus,  der 
im  auffallenden  Contraste  zu  dem  gewöhnlichen  Verhalten  der  typischen 
Kreide-Bildungen  im  nördlichen  Europa  steht.  Bedeutende  Mächtigkeit, 
grosse  Armuth  an  organischen  Einschlüssen,  steile  und  gestörte  Schichten- 
stellung ist  den  einzelnen  Gliedern  der  Formation,  welche  in  den  Nord- 
Karpathen  auftreten,  gemeinsam. 

Durch  frühere  Beobachter,  welche  sich  an  der  Geognosie  der  Nord- 
Karpathen  versuchten,  hatten  diese  der  Kreide -Formation  angehören- 


278 


Kreide-Formation. 


den  Ablagerungen  die  verschiedenartigste  Deutung  erfahren.  Die  Spar- 
samkeit der  organischen  Einschlüsse  und  die  verwirrte  Schichtenstellung 
erwiesen  sich  für  alle  jene  Forscher  als  unüberwindliche  Hindernisse  für 
die  richtige  Erkenntniss.  Es  ist  das  grosse  Verdienst  von  L.  Hohen- 
egger*)  zuerst  diese  Schichten  in  ihrem  Alter  sicher  bestimmt  zu  haben, 
indem  er  die  Aufschlüsse  benutzte,  welche  durch  den  unter  seiner  Leitung 
stehenden  Bergbau  auf  Eisenerze  gewährt  wurden.  Hohenegger  erkannte 
in  der  von  ihm  zum  Kreide-Gebirge  gerechneten  mächtigen  Reihenfolge  von 
Schichten  zunächst  die  drei  grossen  Hauptabtheilungen  der  Formation,  d.  i. 
Neocom,  Gault  und  die  obere  Kreide  d.  i.  die  Kreide  über  dem  Gault. 

In  jeder  dieser  Hauptabtheilungen  unterschied  er  dann  wieder  meh- 
rere Glieder.  Ohne  diese  Gliederung  als  durchaus  naturgemäss  und  richtig 
bestätigen  zu  wollen,  werden  wir  derselben  doch  in  der  folgenden  kurzen 
Darstellung  folgen.  Eine  eingehende  kritische  Prüfung  der  Hohenegger- 
schen  Auffassung  wird  nur  mit  Hülfe  des  von  ihm  gesammelten  palaeonto- 
logischen  Materials  auszuführen  sein. 

1.  Ncocom. 

Hierher  gehört  ein  mächtiges  Schichten -System  von  grauen  oder 
schwarzen  Mergelschiefern  mit  untergeordneten  dünngeschichteten  unrei- 
nen blau  grauen  Kalksteinen,  welches  in  vielfach  gestörter  und  oft  ganz 
verwirrter  Schichtenstellung  und  an  vielen  Punkten  von  dem  durch 
Hohenegger  als  Teschenit  bezeichneten  eigenthümlichen  Eruptiv-Gestein 
durchbrochen  das  nordwärts  von  den  hohen  Sandsteinbergen  der  Beskiden 


1)  Erzherzog  Albrecht’scher  Gruben-  und  Hütten-Director  in  Teschen,  geboren  1S07  zu  Mem- 
mingen in  Baiern,  gestorben  den  25.  August  1864  in  Teschen.  Die  Ergebnisse  einer  zwanzigjähri- 
gen mit  rastloseto  Eifer  und  der  grössten  Aufopferung  durchgeführten  geognostischen  Erforschung 
der  Nord-Karpathen  legte  der  treffliche  Mann,  nachdem  er  einige  vorläufige  Mittheilungen  schon 
vorher  in  dem  Jahrbuche  der  geologischen  Reichsanstalt  veröffentlicht  hatte,  nieder  in  seiner: 
Geognostischen  Karte  der  Nord-Karpathen  in  Schlesien  und  den  angrenzenden 
Theilen  von  Mähren  und  Galizien,  nebst  Erläuterung  mit  dem  Titel:  Die  geognosti- 
schen Verhältnisse  der  Nord  - Karpathen  in  Schlesien  und  den  angrenzenden 
Theilen  von  Mähren  und  Galizien,  als  Erläuterung  zu  der  geognostischen  Karte 
der  Nord-Karpathen.  Gotha  1861.  Die  Altersbestimmungen  von  Hohenegger  stützten  sich 
vor  allem  auf  die  organischen  Einschlüsse,  welche  es  ihm  gelang  in  den  verschiedenen  bis  dahin  als 
versteinerungsleer  geltenden  Ablagerungen  der  Nord-Karpathen  zu  entdecken.  Seine  umfangreiche 
und  höchst  werthvolle  Sammlung  von  Versteinerungen,  deren  natürlicher  Aufbewahrungsort  eine 
der  öffentlichen  Sammlungen  von  Wien  gewesen  wäre,  ist  nach  seinem  Tode  für  das  palaeontolo- 
gische  Museum  in  München  erworben  worden.  Sie  enthält  ein  reiches  für  die  Kenntniss  der  Nord- 
Karpathen  noch  weiter  zu  verwerthendes  Material,  dessen  Verarbeitung  Prof.  Zittel  auch  bereits 
erfolgreich  begonnen  hat. 


Neocom. 


279 


liegende  Hügelland,  namentlich  in  den  Umgebungen  der  Stadt  Teschen 
zusammensetzt.  Hohenegger  unterscheidet  in  dem  ganzen  hier  zunächst 
in  Rede  stehenden  Schichten-Systeme  drei  Abtheilungen,  nämlich : 

1.  Untere  Teschener  Schiefer. 

Graue  Mergelschiefer  ohne  Eisensteinflötze,  bis  1200  Fuss 
mächtig.  Von  Versteinerungen  namentlich  Belemnites  jpolygonalis^  Aptychus 
applanatus  und  Ammonites  bidichotomus  enthaltend’).  Von  dem  letzteren 
Ammoniten  enthält  die  Hohenegger’sche  Sammlung  namentlich  ein 
deutlich  erhaltenes,  bei  dem  Ausgraben  der  Bierkeller  des  Schlossberges 
in  Teschen  gefundenes  Exemplar. 

3.  Teschener  Kalkstein. 

Vef steinerungsarme,  deutlich  geschichtete,  unreine,  dunkel  graue  Kalk- 
steine von  einer  Gesammt-Mächtigkeit  von  etv^a  300  Fuss.  Nach  Hohen- 
egger lässt  dieser  Kalkstein  wieder  zwei  Abtheilungen  unterscheiden, 
nämlich : 

a.  eine  untere  Abtheilung,  welche  aus  dünnen,  hand-dicken  bis 
höchstens  1 Fuss  dicken  Kalksteinschichten  besteht.  Die  einzelnen  Schich- 
ten, werden  durch  dünne  helle  Schieferthon-Lagen  mit  undeutlichen  Fucoi- 
den  getrennt.  Gewisse  Lagen  des  Kalksteins  haben  die  Eigenschaften, 
welche  sie  für  die  Darstellung  von  hydraulischem  Kalk  geeignet  machen. 

Die  höchst  selten  vorkommenden  Versteinerungen  beschränken  sich 
auf  Belemnites  pistilliformiB,  Aptychus  striato-sulcatus,  Aptychus  BlainvilleP) 
und  einige  andere  nicht  näher  bestimmbare  Arten  von  Aptychus, 

b.  eine  obere  Abtheilung,  aus  mächtigen,  6 — 12  Fuss  dicken 
Bänken  von  sehr  sandigem  dunkel  grauem  Kalkstein  bestehend,  welche 
durch  die  Verwitterung  in  Folge  eines  Gehaltes  von  kohlensaurem  Eisen- 
oxydul sich  an  der  Luft  braun  färben.  Von  Versteinerungen  hat  diese 
obere  Abtheilung  bisher  ebenfalls  nur  sehr  Weniges  geliefert.  Es  be- 
schränkt sich  auf  eine  kleine  Exogyra  (vielleicht  mit  Exogyra  Tomheckiana 


1)  Die  Bestimmung  der  übrigen  von  Hohenegger  a.  a.  O.  S.  23  aus  diesen  Schichten  auf- 
geführten Arten  ist  mir  nach  Ansicht  der  Original-Exemplare  in  Hohenegger’s  Sammlung  unsicher, 
oder  geradezu  unrichtig  erschienen.  Ueberhaupt  werden  die  von  Hohenegger  aufgestellten  Ver- 
zeichnisse von  Leit-Fossilien  für  die  verschiedenen  von  ihm  unterschiedenen  Glieder  der  Kreide- 
Formation  mehrfach  der  Revision  bedürfen,  für  welche  die  von  ihm  hioterlassene  Sammlung  die 
nothige  Grundlage  gewähren  wird.  Die  Haupt-Ergebnisse  der  Hohenegger’schen  Forschungen  wer- 
den übrigens  durch  diese  etwaigen  Aenderungen  der  Bestimmungen  nicht  angegriffen  werden. 

2)  Lediglich  nach  den  Bestimmungen  von  Hohenegger,  deren  Richtigkeit  nicht  näher  von  mir 
geprüft  werden  konnte. 


280 


Kreide-F  ormation. 


d’Orb.  identisch),  Pentacrinus  sp.  (vielleicht  mit  Pentacr.  annulatus  A.  Roe- 
mer  identisch!)  und  kleine  Czdam - Stacheln.  Beide  Abtheilungen  des 
Teschener  Kalksteins  sind  übrigens  selten  in  unmittelbarer  üeberlagerung 
anzutreffen.  Am  besten  sind  sie  bei  Grolle  schau  unweit  üstron  zu 
beobachten. 

8.  Obere  Teschener  Schiefer  und  Grodischter  Sandstein. 

Dieses  Schichten-Sjstem  besteht  aus  schwarzen,  glänzenden,  bituminösen 
Mergelschiefern  mit  zwei  Zügen  von  Sphärosiderit-Flötzen.  Obgleich  auch 
noch  vier  andere  Flötzzüge  von  thonigem  Sphärosiderit  in  jüngeren  Glie- 
dern des  Flötz- Gebirges  in  den  Beskiden  Vorkommen,  so  liefern  doch 
diese  Sphärosiderite  der  oberen  Teschener  Schiefer  bei  weitem  die  Haupt- 
masse des  Erzes  für  den  am  Nordabfalle  der  Karpathen  vorhandenen 
Hüttenbetrieb.  Im  Besonderen  beruht  der  Betrieb  der  Erherzoglich 
Albrecht’schen  Eisenhüttenwerke  von  Baschka,  Karlshütte,  Trzy- 
nietz  und  üstron  im  Fürstenthum  Te sehen,  so  wie  derjenige  von 
W§gerska  Gorka  und  Obschar  in  Galizien  auf  diesen  Sphäroside- 
riten.  Auch  die  Hüttenwerke  von  Witkowitz  und  Friedland  in  Mäh- 
ren verhütten  zum  Theil  dieselben  Erze. 

Nach  oben  wechseln  die  Schiefer  mit  bituminösen  braunen  Sandstein- 
Schiefern  („Strzolka^^  der  Bergleute!).  Eigenthümliche  Relief- Figuren^) 
auf  den  Schichtflächen  zeichnen  diese  Sandsteinschiefer  aus.  An  einigen 
Punkten  gehen  die  Sandsteinschiefer  in  einen  festen  massigen  Sandstein 
von  weisser  Farbe  über,  welcher  nach  dem  Vorkommen  an  dem  eine 
Meile  westlich  von  Teschen  gelegenen  Grodischter  Berge  Grodischter 
Sandstein  von  Hohenegger  genannt  wird.  Früher  ist  dieser  Sandstein 
häufig  mit  jüngeren  Karpathen  - Sandsteinen  verwechselt.  Sehr  weisse 
Farbe  und  ein  glänzendes  Korn  zeichnen  ihn  aus. 

Die  oberen  Teschener  Schiefer,  ebenso  wie  der  Grodischter  Sandstein 
zeigen  übrigens  eine  äusserst  gestörte  und  verwirrte  Schichtenstellung.  An 
zahlreichen  Punkten  sind  sie  vom  Teschenit  durchbrochen. 

Organische  Einschlüsse  sind  auch  in  den  oberen  Teschener  Schiefern 
selten.  Nur  Cephalopoden  sind  bisher  aus  denselben  bekannt  geworden. 
Belemnites  dilatatus  Blainv.,  Ammonites  radiatus  Bong.  (Am,  asper  Merian) 
und  Am.  Ästierianus  gehören  zu  den  bezeichnendsten. 

Etwas  häufiger  sind  Versteinerungen  in  dem  Grodischter  Sandstein. 

1)  Hohenegger  führt  als  besonders  bezeichnend  Comatula  Teschenensis  auf.  Diese  ver- 
meintliche Comatula  ist  aber,  wie  ich  mich  durch  Ansicht  der  Original-Exemplare  bestimmt  überzeugt 
habe,  gar  kein  Radiat  und  überhaupt  kein  Körper  von  nachweisbar  organischem  Ursprung. 


Neocom. 


281 


Am  bezeichnendsten  m\ä  Aptychus  Didayi  Coqiiand,  Bhyncliolithes  acutus 
Blain V. 3 Belemnites  dilatatus  ^ldiixiY.^  Bel.  hicanaliculatusV^l'dinv Nautilus 
Neocomiensis  d’Orb.  und  Ammonites  Neocomiensis  d’Orb.  Ausserdem 
kommen  Arten  der  Gattungen  JSfatica,  NerineUj  Trigonia,  Nucula,  Beeten, 
Avicula,  Rhynchonella  u.  s.  w.  vor’). 

4.  Wernsdorfer  Schichten. 

Eine  400  bis  500  Fuss  mächtige  Schichtenfolge  von  glänzenden  schwar- 
zen Mergelschiefern  mit  einem  Flötzzuge  von  thonigem  Sphärosiderit, 
welcher  namentlich  bei  dem  eine  Meile  südlich  von  Stramberg  und 
1^|2  Meilen  südöstlich  von  Neu-Titschein  in  Mähren  gelegenen  Dorfe 
Wernsdorf  in  zahlreichen  Gruben  gewonnen  ward.  Längs  des  ganzen 
Nordrandes  der  Karpathen  bildet  diese  Schichtenfolge  eine  schmale  Zone 
am  Fusse  der  hohen,  mehrere  Tausend  Fuss  hoch  aufragenden  Sandstein- 
Berge.  Unmittelbar  über  diesen  Schichten  steigen  plötzlich  die  jähen 
Abhänge  jener  Sandstein-Berge  in  die  Höhe.  Getrennt  von  den  Sandstein- 
Bergen  ist  diese  Schichtenfolge  durch  tlohenegger  nur  am  Grodischter 
Berge  westlich  von  Teschen  nachgewiesen  worden. 

Die  Zahl  der  organischen  Einschlüsse,  welche  diese  Schichtenfolge 
geliefert  hat,  ist  verhältnissmässig  gross.  Sie  kommen  theils  in  den  Schie- 
fern, theils  in  den  thonigen  Sphärosideriten  vor.  Die  Eisenstein-Gruben 
von  Wernsdorf  und  diejenigen  von  Lippo  wetz  südlich  von  Skotschau 
haben  die  meisten  derselben  geliefert. 

Die  bezeichnendsten  Arten  sind  nach  Hohenegger:  Scaphites  Yvanii 
P u z 0 s , Crioceras  Puzosianus  d’Orb.,  Ancyloceras  Puzosianus  d’Orb.  und 
Ammonites  lepidus  d’Orb.  Die. übrigen  Arten  sind  ebenfalls  Cephalopoden 
und  gehören  namentlich  den  Gattungen  Ammonites,  Ancylocems,  Toxoceras 
und  Belemnites  an.  Auch  eine  Anzahl  von  Landpflanzen  ist  aus  diesen 
Schichten  bekannt  geworden. 

Was  nun  die  Gleichstellung  der  vorstehend  aufgeführten  vier  Abthei- 
lungen mit  den  Gliedern  der  d’Orbigny’schen  Eintheilung  der  französi- 
schen Kreidebildungen  betrifft,  so  werden  von  Hohenegger  die  unteren 
Teschener  Schiefer  dem  unteren  Neocom,  der  Teschener  Kalkstein  dem  mitt- 
leren Neocom,  die  oberen  Teschener  Schiefer  mit  dem  Grodischter  Sand- 


1)  Hohenegger  glaubt  auch  Spuren  einer  Süsswasser-Fauna  und  namentlich  Arten  von  Unio 
und  Cyrena  in  dem  Grodischter  Sandsteine  erkannt  zu  haben.  Nach  Ansicht  der  betreffenden  Original- 
Exemplare  halte  ich  diese  Annahme  nicht  für  genügend  begründet  und  sehe  die  fraglichen  Arten  als 
marinen  Geschlechtern  angehörig  an. 


36 


282 


Kreide-Formation. 


stein  dem  oberen  Neocom  und  endlich  die  Wernsdorfer  Schichten  dem 
jjEtage  ürgonien^^  und  zum  Theil  dem  j^Etage  Aptien^^  gleich  gestellt.  In 
dieser  Parallelisirung  kann  nur  etwa  zweifelhaft  sein,  ob  wirklich  die 
Wernsdorfer  Schichten  zum  Theil  auch  dem  Etage  Aptien  von  d’Orbigny 
entsprechen.  Hohen egger  stützt  diese  Annahme  auf  das  Vorkommen 
von  gewissen  Arten  der  Gattungen  Ammonites  und  Ancyloceras,  Allein 
sofern  er  nicht  zugleich  den  Nachweis  liefert,  dass  diese  Arten  in 
einem  getrennten  höheren  Niveau  Vorkommen,  wird  die  Anwesenheit 
derselben  kaum  bestimmen  können,  die  ganze  Schichtenfolge  für  etwas 
Anderes,  als  ein  Aequivalent  der  oberen  Abtheilung  des  Neocom,  d.  i.  des 
ürgonien  von  d’Orbigny  zu  halten,  auf  welche  die  Mehrzahl  der  organi- 
schen Einschlüsse  und  namentlich  so  bezeichnende  Arten,  wie  Scaphites 
Yvanii^)  und  Crioceras  Puzosianus  mit  Entschiedenheit  hinweisen“).  Dem- 
nach würden  alle  vier  genannten  Abtheilungen  Hohenegger’s  dem  Neo- 
com zuzurechnen  sein. 

Der  besondere  petrographische  und  paläontologische  Habitus  dieser 
Neocom-Gesteine  ist  derjenige,  welcher  die  unterste  Abtheilung  der  Kreide- 
Formation  in  den  Alpen  und  in  dem  südlichen  Europa  zeigt,  und  verschie- 
den von  demjenigen  mit  welchem  sie  in  dem  nordwestlichen  Deutschland 
und  im  südlichen  England  entwickelt  ist.  Die  steile  und  gestörte  Schichten- 
stellung, die  bedeutende  Mächtigkeit  der  Schichtenreihe,  die  auf  wenige 
Schichten  beschränkte  Versteinerungsführung  und  im  Verhältniss  zu  der 
ganzen  Mächtigkeit  grosse  Armuth  an  organischen  Einschlüssen,  die  Zu- 
sammensetzung der  Fauna  fast  ausschliesslich  aus  Cephalopoden  und  das 
Vorkommen  solcher  dem  Neocom  des  nördlichen  Europa  durchaus  frem- 
den Arten,  wie  Scaphites  Yvanii,  Crioceras  Puzosianus,  Belemnites  dilatatus, 
Aptychus  Didayi  Coquand  u.  s.  w.  begründen  vorzugsweise  die  Aehnlich- 
keit  mit  dem  alpinen  Neocom.  Was  in  dem  ganzen  orographischen  und 
geognostischen  Bau  der  Karpathen  nachweisbar  ist,  dass  sie  nämlich 


1)  Diese  Art  findet  sich  in  schöner  Erhaltung  und  vollständig  mit  der  typischen  Form  der  Pro- 
vence übereinstimmend  in  den  schvt^arzen  Schiefern  der  Eisenstein-Gruben  von  Wernsdorf. 

2)  Nachdem  das  Vorstehende  bereits  geschrieben  war,  sind  durch  Schenk  die  in  den  Werns- 
dorfer Schichten  vorkommenden  Pflaiizenreste  nach  dem  durch  Hohenegger  gesammelten  Material 
beschrieben  worden.  (Schenk:  Beiträge  zur  Flora  der  Vorwelt  III.  Die  fossilen  Pflanzen  der 
Wernsdorfer  Schichten  in  den  Nord -Karpathen.  [Dunker  und  Zittel,  Palaeontogr.  Bd.  XIX., 
18G9,  mit  7 Tafeln.])  In  Betreff  des  Alters  der  Schichten  gelangt  Schenk  zu  dem  Schlüsse,  dass 
die  Pflanzen  einem  Niveau  angehören,  welches  jünger  als  das  Neocom  und  älter  als  der  Gault  ist 
und  demnach  dem  ürgonien  entspricht.  Zugleich  erwähnt  er,  dass  eine  durch  Zittel  ausgeführte 
Untersuchung  der  thierischen  Reste  ebenfalls  das  Resultat  ergeben  habe,  dass  die  Wernsdorfer 
Schichten  jünger,  als  das  ältere  Neocom  und  älter  als  der  Gault  sind. 


Gault. 


283 


lediglich  eine  Fortsetzung  der  Alpen  sind,  das  zeigt  sich  in  dem  Verhalten 
der  Neocom-Schichten  in  den  Beskiden  besonders  deutlich. 

üebrigens  ist  auch  das  Vorkommen  dieser  !Neocom  - Schichten  mit 
alpinem  Habitus  in  der  Gegend  von  Teschen  keineswegs  ein  ganz  ver- 
einzeltes, sondern  es  steht  durch  verschiedene  andere  Punkte  am  Nord- 
abfall  der  Karpathen  in  Mähren  und  bei  Wien  mit  demjenigen  in  den 
Alpen  selbst  in  Verbindung.  Namentlich  hat  Peters^)  durch  die  Be- 
stimmung von  mehreren  Arten  der  Gattung  Aptyclius  den  Nachweis  gelie- 
fert, dass  Neocom-Schichten  von  wesentlich  gleichem  palaeontologischem 
Habitus,  wie  diejenigen  der  Gegend  von  Teschen  bei  Kurowitz  in  Mäh- 
ren, im  kaiserlichen  Thiergarten  bei  Wien,  in  der  Gegend  von  Hallein 
u.  s.  w.  vorhanden  sind. 

11.  Gault. 

Zu  dieser  mittleren  Abtheilung  der  Kreide-Formation  rechnet  Hohen- 
egg er  die  mächtige  Aufeinanderfolge  von  Sandsteinen,  welche  die  steil 
und  zum  Theil  bis  4000  Fuss  hoch  aufsteigenden  höchsten  Bergrücken  der 
Nord-Karpathen,  wie  namentlich  den  Kniehin,  den  Smrk  und  die  Lissa 
Hora  (4176  Fuss)  südlich  und  südöstlich  von  Friedeck  in  Mähren,  den 
Trawno  und  Jaworowi  südlich  von  Teschen,  die  Czantory  bei 
üstron  u.  s.  w.  zusammensetzen.  Nach  den  deutlichen  Aufschlüssen,  in 
welchen  die  Schichtenfolge  in  dem  südwestlich  von  Teschen  gelegenen 
Godula-Berge  zu  beobachten  ist,  hat  Hohenegger  dieselbe  Godula- 
Sandstein  genannt.  Die  ganze  Bildung  besteht  nach  ihm  aus  einer  2000  bis 
3000  Fuss  mächtigen  Aufeinanderfolge  von  stärkeren  und  schwächeren 
Sandstein-Bänken,  welche  nach  unten  in  sandige  Schiefer  übergehen,  oben 
aber  von  sehr  mächtigen  Conglomerat- Bänken,  die  grösstentheils  aus 
Quarzgeröllen , zum  Theil  aber  auch  aus  Rollstücken  von  Gneiss  und 
anderen  krystallinischen  Gesteinen  bestehen,  bedeckt  werden. 

Auch  ein  eigenthümliches,  aus  grossen  Blöcken  und  Geröllert  von 
Stramberger  Kalkstein  und  einem  thonigen  Cäment  bestehendes  Con- 
glomerat, welches  an  einigen  Punkten  in  Mähren,  namentlich  bei  Chle- 
bowitz  und  Richaltitz  südwestlich  von  Friedeck  den  Wernsdorfer 
Schichten  unmittelbar  aufruht,  rechnet  Hohenegger  noch  zu  derselben 
Bildung.  Desgleichen  eine  Schichtenfolge  von  dünnen  Bänken  eines  sehr 


1)  Die  Aptychen  der  österreichischen  Neocomien  und  oberen  Jura- Schichten  in:  Jahrb,  der 
geolog.  Reichsanstalt,  Jahrg.  V.,  1854,  S.  439  ff. 


36* 


284 


Kreide-F  ormation. 


feinkörnigen  bandförmig  gestreiften  dnnkelgrauen  an  der  Luft  sich  braun 
färbenden  Quarz-Sandsteins,  welcher  zuweilen  in  ein  fast  dichtes  hornstein- 
artiges Gestein  übergeht.  Diese  Schichtenfolge,  welche  durch  die  dünne 
Schichtung  der  gewöhnlich  nur  handdicken,  selten  fussdicken  Bänke  und 
durch  die  starke  glattflächige  senkrechte  Zerklüftung  lebhaft  an  das  Ver- 
halten der  Kieselschiefer  in  der  unteren  Abtheilung  des  Steinkohlen-Gebir- 
ges  in  Westphalen  und  auf  dem  Harze  erinnert,  bildet  eine  schmale  Zone 
am  Fusse  der  hohen  Sandsteinberge  längs  der  ganzen  Nord-Karpathen  und 
ist  an  vielen  Punkten  durch  Steinbrüche  aufgeschlossen,  weil  die  kieseli- 
gen  Sandstein-Bänke  .ein  sehr  geeignetes  Wegebau-Material  liefern.  Ein 
grosser  Steinbruch  dieser  Art  wird  z.  B.  bei  Wilkowice  südlich  von 
Biala,  an  der  von  Wilkowice  nach  Saypusch  führenden  Strasse 
betrieben. 

Die  palaeontologischen  Beweismittel,  auf  welche  Hohenegg  er  die 
Zugehörigkeit  des  Godula-Sandsteins  zum  Gault  stützt,  sind  sehr  schwach 
und  unzureichend.  Organische  Einschlüsse  sind  in  der  ganzen  Schichten- 
folge von  äusserster  Seltenheit.  Das  Wenige,  was  Hohenegger  bei 
jahrelangen  Nachforschungen  hat  auffmden  können,  beschränkt  sich  auf 
Folgendes:  Zunächst  findet  sich  in  dem  thonigen  Gemente,  welches  die 
Kalkblöcke  des  Conglomerats  von  Chlebowitz  verbindet,  ein  kleiner 
Belemnit,  welchen  Hohenegger  als  Belemnites  minimus  bestimmt.  In 
dem  Sandsteine  über  jenem  Conglomerat  wurde  angeblich  Ammonites 
Mctyorianus  beohSiQhiet  Ammonites  Dupinianus  d’Orb.  fand  sich  in  dem 
Sandstein  bei  Brenna.  Der  Sandstein  am  Ostri  bei  Niedek  endlich, 
lieferte  Dentalium  decussatum,  Ammonites  mammillatus  und  ein  mit  B.  Vihrayi 
verwandte  Art  von  Bellerophina, 

Wären  diese  wenigen  Arten  zweifellos  bestimmt,  so  würden  sie  trotz 
ihrer  geringen  Zahl  dennoch  genügen,  um  den  Godula-Sandstein  mit  Sicher- 
heit als  Gault  zu  bestimmen.  Allein  nach  Ansicht  der  Hohenegger- 
schen  Original-Exemplare  scheint  mir  die  Bestimmung  jener  Arten  keines- 
wegs so  zweifellos.  Die  unvollkommene  Erhaltung  der  Stücke  steht  viel- 
mehr einer  sicheren  specifischen  Erkennung  der  Arten  entgegen.  Das  gilt 
namentlich  von  Ammonites  mammillatus  und  Ammonites  Dupinianus,  die 
übrigens  auch  nur  in  je  einem  Exemplare  vorliegen.  Belemnites  minimus 
kann,  selbst  wenn  seine  Bestimmung  richtig  ist,  für  das  Alter  der  Haupt- 
masse des  Godula-Sandsteins  nicht  wohl  beweisend  sein,  da  das  ihn  ein- 
schliessende  Conglomerat  unter  demselben  liegt. 

Wenn  demnach  die  bisherigen  palaeontologischen  Beweise  für  das 
angenommene  Alter  des  Godula-Sandsteins  unzureichend  sind,  so  ist 


Obere  Kreide  d.  i.  Kreide  über  dem  Gault. 


285 


anderer  Seits  zu  bemerken,  dass  nach  den  Lagerungs- Verhältnissen  des- 
selben zwischen  den  entschieden  als  Neocom  bezeichneten  „Wernsdorfer 
Schichten“^^  und  dem  wahrscheinlich  cenomanen  „Istebner  Sandstein^^  sein 
Alter  nicht  wohl  ein  wesentlich  verschiedenes  sein  kann. 

II!.  Obere  Kreide  d.  i.  Kreide  über  dem  Gault. 

Friedecker  Baculiten-Mergel  und  Baschka-Sandstein. 

Mit  diesen  Benennungen  bezeichnet  L.  Hohenegger  zwei  nach  seiner 
Ansicht  eng  verbundene  Glieder  der  Kreide-Formation  in  der  Gegend  von 
Friedeck  und  Teschen.  Die  Friedecker  Baculiten-Mergel  sind 
blaugraue  sandige  Kalk-Mergel,  welche  am  Schlossberge  bei  Friedeck 
in  steiler  Schichtenstellung  anstehen.  F.  v.  Hochstetter  fand  in  densel- 
ben kleine  in  Brauneisenstein  verwandelte  Exemplare  eines  Baculiten, 
welchen  Hohenegger  als  B.  Faujasii  bestimmt.  Andere  organische  Ein- 
schlüsse sind  nicht  bekannt. 

Baschka-Sandstein  nennt  Hohenegger  nach  dem  südlich  von 
Fried  eck  gelegenen  Dorfe  Baschka  eine  mächtige  Schichtenfolge  von 
feinkörnigen  kalkigen  Sandsteinen  mit  Einlagerungen  von  Mergeln  und 
Hornsteinen.  Versteinerungen  sind  in  dieser  Schichtenfolge  äusserst  selten. 
Die  wenigen  Arten,  welche  Hohenegger  anführt  — eine  Art  Yonlnocera- 
mus  und  eine  Art  von  Aptychus  — sind  mir  sogar  nach  Ansicht  der 
Original -Exemplare  sehr  zweifelhaft  und  gewähren  für  die  Altersbestim- 
mung der  Schichten  kein  sich-eres  Anhalten. 

Wenn  daher  hier  beide  Schichtenfolgen  den  senonen  Kreidebildungen 
zugerechnet  werden,  so  darf  diese  Stellung  keinesweges  als  sicher  begrün- 
det gelten  und  wird  nur  aus  dem  Vorkommen  des  Baculites  Faujasii  als 
einer  vorzugsweise  senonen  Art  hergeleitet. 

Yerhreituug  der  einzelnen  Glieder  der  Kreide -Formation  in  den  Nord- 
Karpathen. 

An  der  Zusammensetzung  der  in  das  Kartengebiet  fallenden  Theile  der 
Kord -Karpathen  oder  Beskiden  zwischen  Fried  eck  und  Wadow^ice 
nehmen  nur  Kreide -Gesteine  und  eocäne  Tertiär -Gesteine  und  Teschenit, 
das  der  Gegend  eigenthümliche  Eruptiv -Gestein,  Antheil.  Die  Keocom- 
Gesteine  (Teschener  Schiefer,  Teschener  Kalk  und  Wernsdorfer  Schichten) 
bilden  im  Allgemeinen  eine  nördliche,  der  Gault  (Godula-Sandstein)  eine 
südliche  Zone.  Die  Verbreitung  der  von  Hohenegger  zur  oberen  Kreide 
d.  i.  der  Kreide  über  dem  Gault  gerechneten  Gesteine  (der  Friedecker 


286 


Kreide-F  ormation. 


Baculiten  - Mergel  und  des  Baschka- Sandsteins)  ist  ganz  untergeordnet. 
Sie  beschränkt  sich  auf  kleine  Partien  in  der  Umgebung  von  Fried  eck* 
Der  Teschenit  bildet  zahlreiche  grössere  und  kleinere  Eruptiv-Gesteine  in 
dem  Bereiche  der  Neocom-Gesteine.  Die  eocänen  Tertiär-Schichten  tre- 
ten zwischen  Friedeck  und  Bielitz  nur  in  ganz  beschränkten  Partien 
in  der  Zone  der  Neocom-Gesteine  hervor*  Erst  bei  Say pusch  gewinnen 
sie  plötzlich  eine  grössere  Ausdehnung  in  der  Oberfläche.  In  der  Umgebung 
von  Wadowic.e  sind  sie  schon  die  durchaus  vorherrschende  Bildung  und 
noch  weiter  östlich  verdrängen  sie  die  Kreide-Gesteine  ganz. 

Die  Zone  der  Neocom- Gesteine  beginnt  im  Westen  in  der  Umgebung 
von  Fried  eck  mit  einzelnen  zerstreuten  Partien.  Weiterhin  wird  sie 
zusammenhängend,  erreicht  in  der  Gegend  von  Te sehen  die  grösste  gegen 
zwei  Meilen  betragende  Breite  und  verengt  sich  dann  wieder,  so  dass  sie 
südlich  von  Kenty  und  Andrychau  nur  noch  einen  ganz  schmalen 
Streifen  zwischen  eocänen  Tertiär-Schichten  und  dem  Gault  bildet*  In 
der  Gegend  von  Wadowice  hat  sich  die  Zone  schon  ganz  in  einzelne 
nicht  zusammenhängende  Partien  aufgelöst.  Südlich  von  Kalw’aria  sind 
bei  Bugay  Wernsdorfer  Schichten  und  Teschener  Schiefer  entwickelt* 
In  den  ersteren  werden  hier  Eisensteine,  welche  die  für  die  Wernsdorfer 
Schichten  bezeichnenden  Versteinerungen  enthalten,  gegraben*  Bei 
Tluczan,  1 Meile  nordöstlich  von  Wadowice,  werden  Eisensteine,  die 
Teschener  Schiefern  untergeordnet  sind,  gegraben.  Es  ist  dies  der  nörd- 
lichste Punkt  der  Verbreitung  der  Neocom-Gesteine.  Kur  ein  ^|4  Meilen 
breiter  Zwischenraum  trennt  hier  die  zum  Hebungsgebiete  der  Karpathen 
gehörenden  Gesteine  von  den  Gesteinen  mit  dem  Typus  des  mitteldeutschen 
Flötzgebirges,  d.  i.  zunächst  von  den  jurassischen  Schichten  bei  Kamien. 
Schon  ausserhalb  des  Kartengebietes  liegt  die  Neocom-Partie,  welche  süd- 
lich von  Wieliczka  sich  ausdehnt. 

Die  Zone  der  sandigen  Gault-Gesteine  oder  des  Godula-Sandsteins  ist 
noch  breiter  als  diejenige  der  Keocom-Gesteine.  Südlich  von  Te  sehen 
und  Bielitz  beträgt  die  Breite  gegen  zwei  Meilen.  Sehr  bemerkenswerth 
ist  die  plötzliche  Verengerung  der  Zone  westlich  von  Milowka  und 
Saypusch  und  noch  mehr  als  das  völlige  Abbrechen  der  ganzen  Zone 
südlich  von  Wadowice.  Oestlich  von  Wadowice  sind  nur  noch  ein- 
zelne Partien  des  Sandsteins  bekannt,  welche  wie  Inseln  aus  dem  Gebiete 
der  eocänen  Tertiär-Gesteine  hervortreten* 


Kreide-Formation. 


287 


B.  Kreide-Bildungen  der  Gegend  von  Oppeln  und  Leobschütz. 

Unter  dieser  Bezeichnung  werden  verschiedene  kalkige  und  sandige 
Glieder  der  Kreide-Formation  zusammengefasst,  welche  einer  Seits  in  der 
Umgebung  von  Oppeln  und  anderer  Seits  in  der  Umgebung  von  Leob- 
schütz und  Neustadt  ohne  allen  Zusammenhang  mit  grösseren  Kreide- 
Gebieten  mehrere  inselartig  isolirte  kleine  Partien  zusammensetzen.  Ob- 
gleich eine  Verbindung  an  der  Oberfläche  zwischen  den  Partien  von 
Oppeln  und  denjenigen  von  Leobschütz  nicht  besteht,  vielmehr  die  am 
meisten  genäherten  Punkte  der  beiden  Gebiete  noch  durch  einen  fast  vier 
Meilen  breiten  Zwischenraum,  in  welchem  nur  diluviale  und  tertiäre  Ab- 
lagerungen gekannt  sind,  getrennt  werden,  so  müssen  die  Kreide-Gesteine 
beider  Gebiete  doch  wohl  als  demselben  Becken  angehörig  angesehen 
werden,  da  eine  Erhebung  älterer  Gesteine,  welche  eine  Scheidung 
zwischen  den  Meerestheilen  von  Oppeln  und  Leobschütz  während  der 
Ablagerung  der  Kreide-Schichten  hätte  bilden  können,  nicht  vorhanden  ist. 
Im  Einzelnen  ist  freilich  die  Entwickelung  in  beiden  Gegenden  doch 
auch  wieder  hinreichend  verschieden,  um  eine  gesonderte  Betrachtung  zu 
rechtfertigen. 

a.  Kreidebildungen  der  Umgebung  von  Oppeln. 

Die  hierher  gehörenden  Kreide-Schichten  verbreiten  sich  in  der  Umge- 
bung von  Oppeln  auf  beiden  Seiten  der  Oder  und  sind  besonders  durch 
den  Einschnitt  des  Oder-Thals  unter  der  Bedeckung  der  diluvialen  und 
tertiären  Ablagerungen  sichtbar  geworden.  Auf  dem  rechten  Oder -Ufer 
bilden  sie  eine  an  dem  Oder-Ufer  selbst  zu  Tage  tretende  über  eine  Meile 
lange  grössere  Partie.  Auf  dem  linken  Oder-Ufer  erscheinen  sie  als  ein 
schmaler,  das  Thalgehänge  oberhalb  Oppeln  zusammensetzender  Streifen 
und  treten  in  einzelnen  kleineren  Partien  auch  weiter  westwärts  bis  nach 
Proskau  hin  unter  den  bedeckenden  jüngeren  Schichten  hervor. 

Nur  Ablagerungen  der  oberen  Kreide  d.  i.  der  Kreide  über  dem 
Gault  sind  in  der  Gegend  von  Oppeln  entwickelt.  Alle  drei  Haupt- 
glieder, in  welche  nach  A.  d’Orbignj  die  obere  Kreide  zerfällt,  sind 
durch  dieselben  vertreten,  die  cenomane,  die  turone  und  die  senone 
Abtheilung. 


288 


Kreide-Formation. 


aa.  Cenomane  sandige  Kreide-SchicKten  im  Liegenden  des  turonen  Kreide-Mergels 

von  Oppeln^). 

1.  Geschichtliches. 

Im  Liegenden  des  durch  zahlreiche  organische  Einschlüsse  als  zur 
turonen  Abtheilung  der  Kreide -Formation  gehörend  sicher  bezeichneten 
weissen  Kreide-Mergels  von  Oppeln  ist  eine  aus  losen  Sauden  und  Sand- 
stein-Bänken bestehende  cenomane  Kreide  - Bildung  verbreitet.  Dieselbe 
ist  jedoch  nur  an  wenigen  Punkten  und  auch  hier  nur  unvollkommen  auf- 
geschlossen und  hat  sich  deshalb  bis  auf  die  jüngste  Zeit  der  näheren 
Beobachtung  entzogen.  Herr  0.  v.  Schmid  aus  Oppeln  hat  ia  einer  im 
Jahre  1862  dem  königlichen  Ober -Bergamte  in  Breslau  eingereichten 
geognostischen  Probe -Arbeit  die  Aufmerksamkeit  auf  diese  sandigen 
Schichten  zuerst  gelenkt.  Er  hat  ihr  allgemeines  petrographisches  Ver- 
halten beschrieben,  ihre  Lagerung  unter  dem  turonen  Kreide-Mergel  fest- 
gestellt und  ihr  cenomanes  Alter  vermuthet,  wenn  auch  nicht  durch  ent- 
scheidende organische  Einschlüsse  erwiesen.  Seitdem  hat  A.  Halfar  bei 
Gelegenheit  der  Aufnahme  der  Gegend  von  Oppeln  für  die  geologische 
Karte  von  Oberschlesien  diese  Ablagerungen  einer  näheren  Untersuchung 
unterworfen  und  namentlich  eine  Anzahl  von  Versteinerungen  in  denselben 
gesammelt.  Eine  vorläufige  Notiz,  bei  welcher  diese  Versteinerungen  für 
die  Altersbestimmung  benutzt  wurden,  ist  dann  von  mir  über  die  Bildung 
gegeben  worden^). 

2.  Verbreitung. 

Diese  cenomanen  sandigen  Schichten  bilden  eine  schmale,  nur  gegen 
1000  Schritt  breite  Zone  im  Süden  und  Osten  der  auf  dem  rechten  Oder- 
üfer  südlich  und  östlich  von  der  Stadt  Oppeln  sich  ausdehnenden  Partie 
von  turonem  Kreide-Mergel.  Im  Oder-Bett  bei  dem  Dorfe  Groschowitz 
beginnend  lässt  sich  diese  Zone  über  Grud schütz,  und  zwar  über  das 
südwestliche  Ende  dieses  Dorfes,  und  von  da' nordwestwärts  bis  Gosla- 
witz  und  selbst,  wenn  auch  nur  in  undeutlichen  Aufschlüssen  bis  in  die 
Nähe  von  Kempa  verfolgen.  Allgemein  liegt  diese  Zone  in  einem  tiefe- 
ren Niveau  als  der  weisse  Kreide-Mergel,  dessen  östliche  und  südliche 
Begrenzung  sie  bildet,  was  auf  eine  leichtere  Zerstörbarkeit  hin  weist. 
Anhäufungen  von  Diluvial-Sand  entziehen  weiter  gegen  Osten  und  Norden 
diese  Ablagerungen  der  Beobachtung  an  der  Oberfläche.  Die  deutlichsten 
Aufschlüsse  sind' bisher  diejenigen  bei  Groschowitz  und  Goslawitz. 


1)  Auf  der  Karte  mit  Kr  ® bezeichnet. 

2)  Vergl.  F.  Roemer,  Zeitschr.  der  Deutsch,  geol.  Ges.  XX.,  1868,  p.  464. 


Kreide-Formation. 


289 


3.  Lagerungs  Verhältnisse. 

Da  die  Schichten  des  Kreide-Mergels  von  Oppeln  flach  gegen  Westen 
hin  einlallen,  so  deutet  schon  das  Auftreten  der  sandigen  Ablagerungen 
auf  der  Ostseite  des  Kreide -Mergels  darauf,  dass  sie  durch  den  Kreide- 
Mergel  überlagert  werden.  Diese  Annahme  wird  durch  einzelne  Aufschlüsse 
bestätigt.  0.  v.  Schmid  beobachtete  in  einem  am  nördlichen  Ende  des 
Dorfes  Groschowitz  auf  dem  Gehöfte  des  Schulzen  abgeteuften  40  Fuss 
tiefen  Brunnen  unter  einer  20  Fuss  dicken  Lage  von  weissem  Kreide-Mergel 
gelblich  graue  Sandstein-Bänke  in  einer  gleichfalls  etwa  20  Fuss  betragen- 
den Mächtigkeit.  Das  Liegende  der  Bildung  ist  nirgendwo  beobachtet. 
Aus  allgemeinen  Gründen  ist  zu  schliessen,  dass  es  durch  den  Keuper 
gebildet  wird,  denn  die  Entfernung  von  den  Keuper-Partien  in  der  Um- 
gebung von  Dembio  ist  eine  geringe  und  jüngere  im  Alter  zwischen  Keu- 
per und  cenomaner  Kreide  stehende  Ablagerungen,  und  namentlich  also 
jurassische,  sind  nirgendwo  in  der  ganzen  Gegend  gekannt. 

N 4.  Gliederung. 

So  weit  die  Bildung  bis  jetzt  bekannt  ist,  lassen  sich  drei  Glieder  in 
derselben  unterscheiden,  nämlich: 

1)  Zuunterst  fester  weisser  Sandstein,  im  Bette  der  Oder  bei 
Groschowitz  anstehend  und  auch  in  einem  am  Westende  von  Groscho- 
witz gegrabenen  Brunnen  angetrolfen. 

2)  Glauconitreicher  grauer  oder  grünlicher  Sand,  zuweilen 
zu  einem  lockeren  Sandstein  verbunden  oder  einzelne  Knollen  und  unzu- 
sammenhängende Lager  von  festerem  porösen  gelblichen  oder  weissen 
Sandstein  enthaltend.  Durch  Brunnen  und  Keller  in  dem  Dorfe  Groscho- 
witz aufgeschlossen.  Lose  Stücke  der  festeren  Sandstein-Knollen  überall 
im  Dorfe  Groschowitz  und  in  dessen  Umgebung  an  der  Oberfläche 
umherliegend,  in  grosser  Häufigkeit  auch  in  dem  Diluvial-Kiese  der  südlich 
von  Groschowitz  auf  halbem  Wege  nach  Gräfenort  unweit  der  Schle- 
sischen Eisenbahn  gelegenen  Kiesgruben. 

3)  Zu  oberst  feinkörniger  weisser  Sandstein  mit  gewöhnlich 
nur  sparsamen  feinen  Glaukonit-Körnern,  welcher  vielfach  in  einen  porösen 
leichten  Hornstein  ( Chert)  übergeht,  und  häufig  Schnüre  und  kleintraubige 
Ueberzüge  von  Hyalith  enthält.  Nach  oben  gegen  die  Grenze  mit  dem 
weissen  Kreide-Mergel  wird  der  Sandstein  kalkreich  und  geht  allmählich 
in  den  Kreide-Mergel  über.  Ein  Einschnitt  der  Oberschlesischen  Eisen- 
bahn bei  Groschowitz  und  Gräben  unweit  Kempa  schliessen  diese 

37 


290 


Krcidc-F  ormation. 


Schichtenfolge  vorzugsweise  auf.  Ausserdem  liegen  Stücke  des  Sand- 
steins überall  auf  den  Feldern  zwischen  Groschowitz  und  Grudschütz 
umher*). 

5.  Organische  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.  27  und  28. 

Im  Ganzen  ist  die  in  Rede  stehende  sandige  Schichtenfolge  arm  an 
organischen  Einschlüssen.  Die  meisten  derselben  wurden  in  den  südlich 
von  Groschowitz  auf  halbem  Wege  nach  Gräfenort  unweit  der  Ober- 
schlesischen Eisenbahn  gelegenen  Kiesgruben  durch  A.  Halfar  gesammelt. 
In  diesen  Kiesgruben  ruht  der  aus  Rollstücken  verschiedener  Gebirgs- 
Arten  bestehende  Diluvial-Kies  auf  einem  Lager  von  weissem  Quarzsand 
mit  grünen  Glaukonit -Körnern.  Dieser  letztere  Sand  enthält  die  Ver- 
steinerungen. Wahrscheinlich  gehört  er  selbst  schon  zu  der  cenomanen 
Schichtenfolge.  In  jedem  Falle  ist  die  ursprüngliche  Lagerstätte  der  Ver- 
steinerungen nicht  weit  von  dem  gegenwärtigen  Fundorte  entfernt.  Ausser- 
dem wurden  verschiedene  Versteinerungen  und  namentlich  Turrilites  costa- 
tus  und  Catopygus  carinatus  in  lose  an  der  Oberfläche  umherliegenden 
Stücken  von  grobkörnigem  gelben  Sandstein  in  Groschowitz  selbst 
beobachtet.  Im  Ganzen  Hessen  sich  folgende  Arten  bestimmen. 

Versteinerungen  der  sandigen  Cenoman-Bildung  von 
Groschowitz  bei  Oppeln, 
a.  Pflanzen. 

1)  Finites  lepidodendroides  n.  sp. ; Taf.  27  Fig.  7,  Taf.  28  Fig.  3. 

Auf  der  Oberfläche  eines  *[2  Quadrat -Fuss  grossen  plattenförmigen 
Stückes  von  graulich  weissem  Sandstein  liegt  neben  verschiedenen  Hohl- 
drücken von  längsgestreiften  halmähnlichen  Pflanzenstengeln  der  Taf.  27 
Fig.  7 abgebildete  Pflanzen-Abdruck.  Durch  wellenförmig  gebogene  ver- 
tiefte Längs-Linien  werden  auf  der  Oberfläche  flach  gewölbte  längliche 
Felder  von  elliptischer  Form  begrenzt,  welche  an  den  schmalen  Enden 
mit  dem  nächstfolgenden  Felde  verbunden  sind.  Die  Oberfläche  der  E'el- 
der  ist  längsgestreift  und  in  der  Mitte  zu  einer  Längsleiste  erhoben.  Auf 


1)  Namentlich  auf  der  nordwestlichen  Seite  des  Dorfes  Grudschütz  fand  ich  auf  den  Feldern 
kleine  selten  handgrosse  plattenförniige  Stücke  von  grauem,  einzelne  dunkele  Glaukonit-Körner  ein- 
schliessenden,  kalkigen  Hornstein  (Chert)  oder  kieseligem  Kalk  umherliegen.  Kleine  Höhlungen 
des  Gesteins  sind  mit  kleintraubigem  Hyalith  ausgekleidet.  Auch  feine  Schnüre  von  hellfarbigem 
Chalcedon  kommen  vor.  Unter  der  Lupe  zeigt  sich  das  Gestein  mit  feinen  haarförmigen  Hohlräumen 
erfüllt,  welche  von  ausgefallenen  Spongien-Nadeln  herrühren. 


Kreide-Formation. 


291 


den  ersten  Blick  erinnert  das  Ansehen  des  Abdrucks  lebhaft  an  dasjenige 
von  Lepidodendren  des  Kohlen -Gebirges  5 aber  abgesehen  davon^  dass 
eine  Art  dieses-  in  der  Kreidezeit  längst  erloschenen  Geschlechts  hier  nicht 
zu  erwarten  ist,  so  ist  auch  die  Form  der  an  den  Enden  nicht  geschlosse- 
nen Felder  und  der  Mangel  von  Gefässnarben  in  der  Mitte  der  Felder  von 
Lepidodendron  bestimmt  unterscheidend.  . Es  bleibt  nur  übrig  an  Nadel- 
hölzer und  namentlich  Arten  der  Gattung  Pinus  zu  denken^  bei  welchen 
die  Narben  der  Blätter  auf  den  jüngeren  Zweigen  oft  ähnliche  Figiiren5 
freilich  von  viel  geringerer  Grösse  bilden.  Der  vorliegende  Abdruck 
würde  als  der  Abdruck  der  unteren  oder  inneren  Fläche  eines  Rinden- 
stücks des  betreffenden  Baumes  anzusehen  sein.  Ein  erhöhter  Rand, 
welcher  den  Abdruck  umgiebt,  würde  dann  der  Dicke  des  Riiidenstückes 
entsprechen. 

Ein  zweiter,  Taf.  28  Fig.  3 abgebildeter,  auf  der  Oberfläche  eines 
kleineren  plattenförmigen  Sandsteinstücks  von  demselben  Fundorte  liegen- 
der Abdruck  wird,  obgleich  in  mehreren  Beziehungen  abweichend,  doch 
wegen  der  allgemeinen  Aehnlichkeit  vorläufig  zu  derselben  Art  gerechnet. 
Die  Felder  sind  hier  kleiner  und  noch  weniger  an  den  Enden  geschlossen, 
als  bei  dem  anderen  Abdrucke  und  haben  in  der  Mitte  eine  Vertiefung,  die 
dort  fehlt.  Vielleicht  ist  es  ein  Abdruck  der  Aiissenfläche  eines  Rinden 
Stücks  und  die  Vertiefungen  in  der  Mitte  der  Felder  entsprechen  den  vor- 
ragenden Höckern  auf  der  Rinde  junger  Fichtenstämme,  auf  welchen  die 
Nadeln  sich  befestigen.  Beide  Exemplare  rühren  aus  den  Kiesgruben  bei 
Groschowitz  her. 

2)  Arundinites  Oppelensis  n.  sp.;  Taf.  27,  Fig.  6. 

Ein  4^|2  Zoll  langer  und  1 Zoll  breiter  fein  und  gedrängt  längsgereifter 
flachgewölbter  Stengel-Abdruck,  von  welchem  die  Abbildung  Fig.  6 nur 
ein  Stück  darstellt,  liegt  in  weissem  Sandstein  der  gleichen  Beschaffenheit, 
wie  der  die  Abdrücke  von  Finites  lepidodendroides  einschliessende,  aus  den 
Kies-Gruben  bei  Groschowitz  vor.  Aehnliche  in  tertiären  Schichten 
vorkommende  gestreifte  Stengel-Abdrücke  werden  gewöhnlich  zu  der  Gat- 
tung Arundinites  gestellt.  Die  sehr  feine  und  gedrängte  Längsstreifung  ist 
ein  Merkmal,  welches  die  specifische  Benennung  vorläufig  rechtferti- 
gen mag. 

3)  Culmites  sp.;  Taf.  28,  Fig.  4. 

Ein  fusslanger  und  zollbreiter  Hohldruck  eines  längsgereiften  Stengels 
in  weissem  Sandstein  aus  den  Kies-Gruben  von  Groschowitz  liegt  vor. 
Derselbe  zeigt  deutliche  Quergliederung  und  zwar  so,  dass  die  Interno- 
dien ziemlich  die  gleiche  Länge  von  etwa  zwei  Zoll  haben.  Dass  der 


292 


Kreide-F  ormation. 


Abdruck  von  einem  halmähnliclien,  leicht  zusammendrückbaren  und  nicht 
etwa  festem  holzartigen  Körper  herrührt,  beweist  der  Umstand,  dass  der 
Stengel  nicht  nur  der  Länge  nach  in  der  Mitte  eingedrückt,  sondern  auch 
der  Quere  nach  an  einer  Stelle  geknickt  ist.  Die  Abbildung  Fig.  4 ist  die 
Ansicht  eines  von  einem  Theile  des  Stengel-Abdrucks  genommenen  Grutta- 
percha-Abgusses.  Ausser  diesem  grösseren  Stücke  liegen  noch  verschie- 
dene andere  Abdrücke  und  Steinkerne  von  kleineren  längsgestreiften 
Pflanzenstengeln  vor. 

4)  Fossiles  Holz,  in  dunkelbraunen  Hornstein  verwandelt  und  wahr- 
scheinlich einer  Coniferen-(}nXi\n\g  angehörig,  ist  in  faustgrossen  und  grösse- 
ren Blöcken  in  den  Kies-Gruben  häufig  und  wird  beim  Sieben  des  Kieses 
häufig  ausgesondert.  Obgleich  das  Vorkommen  auf  der  ursprünglichen 
Lagerstätte  nicht  sicher  beobachtet  wurde,  so  ist  es  nach  dem  Erhaltungs- 
zustände der  Stücke  doch  durchaus  wahrscheinlich,  dass  sie  aus  den  san- 
digen cenomanen  Schichten  in  der  Nähe  herrühren. 

b.  Thier 0. 

5)  Siphonia iiyriformis  Goldf. ^ Taf.  28,  Fig.  1. 

Das  abgebildete  in  dunkelen  Hornstein  verwandelte  Exemplar  aus  den 
Kiesgruben  bei  Groschowitz  zeigt  deutlich  die  Gattungs-Merkmale  von 
Siphonia  und  passt  gut  zu  Siphonia  pyriformis,  welche  in  den  cenomanen 
Kreide-Schichten  Englands  verbreitet  ist  und  namentlich  bei  Warminster 
und  Blackdown  vorkommt.  Ausser  dem  abgebildeten  liegen  mehrere 
andere  kleinere  und  weniger  gut  erhaltene  Exemplare  vor. 

6)  Siphonia  sp.;  Taf.  28,  Fig.  2. 

Eine  fast  walzenrunde,  oben  stumpf  endigende  Art  mit  dem  für  die 
Gattung  bezeichnenden  auf  dem  Scheitel  mündenden  grossen  centralen 
Kanäle.  Neben  dem  abgebildeten  liegt  ein  viel  grösseres,  am  oberen 
Ende  Zoll  dickes  Exemplar  aus  den  Kiesgruben  bei  Groschowitz’ 
vor.  Dasselbe  ist  in  hellfarbigen  Hornstein  verwandelt. 

Ausser  den  vorstehend  genannten  Arten  liegen  von  derselben  Localität 
noch  mehrere  andere  wegen  unvollkommener  Erhaltung  nicht  näher 
bestimmbare  Spongien  vor  und  Stücke  eines  gelblich  grauen  porösen 
kieseligen  Kalksteins,  welche  auf  den  Feldern  bei  Groschowitz  umher 
liegen,  sind  ganz  erfüllt  mit  feinen  Kieselnadeln  (Spiculae)  von  Spongien. 

7)  Isastrea  sp. ; Taf.  27,  Fig.  5. 

Das  einzige  vorliegende  Exemplar  ist  ein  mehr  als  faustgrosses,  in 
braunen  Hornstein  verwandeltes  Stück,  welches  ich  selbst  in  den  Kies- 
gruben bei  Groschowitz  fand.  Die  Mündungen  der  Zellen  sind  nur  in 


Kreide-Formation. 


293 


der  Form  von  Steinkernen  erhalten.  Die  Abbildung  Fig.  5 ist  nach  einem 
Guttapercha-Abgusse  von  einem  Stücke  der  als  Steinkern  erhaltenen  Ober- 
fläche des  Korallenstocks  gefertigt  worden.  Dieser  Abguss  lässt  deutlich 
die  generischen  Merkmale  von  Isastrea  erkennen.  Für  eine  scharfe  Ver- 
gleichung mit  den  übrigen  Arten  der  Gattung  genügt  jedoch  die  Erhaltung 
nicht.  Die  grosse  Ungleichheit  der  Grösse  der  Zellen  ist  bemerkenswerth. 

8)  Catojpygus  carinatus  Agass.  (Nucleolites  cannate  G o 1 d f.) ; Taf.  27, 


Fig.  3,  4. 


Nur  ein  einziges,  in  demselben  Gesteinsstücke  mit  dem  weiterhin  auf- 
zuführenden Exemplare  von  Turrilites  costatus  eingeschlossenes  Exemplar 
liegt  vor.  Dasselbe  ist  grösser  und  weniger  gewölbt  als  die  Exemplare 
aus  dem  Grünsande  von  Essen  und  passt  in  sofern  noch  mehr  zu  dem 
Catopygus  columbarius  d’Archiac,  der  jedoch  nach  Desor  (Sjnops.  Echin. 
foss.  p.  283)  wahrscheinlich  nur  eine  grössere  Varietät  des  C.  carinatus  ist. 

9)  Rhynclionella  sp. 

Nur  ein  einziges  nicht  näher  bestimmbares  Exemplar  liegt  vor.  Das- 
selbe fand  sich  in  demselben  Stücke  von  gelblich  grauem,  mit  Kieselnadeln 
von  Spongien  erfüllten  porösem  Sandstein,  welches  auch  Catopygus  carina- 
tus und  Turrilites  costatus  enthielt. 

10)  Inoceramus  striatus  Mant.  ? 

Nur  ein  einziges  unvollständiges  Exemplar,  welches  eine  sichere  speci- 
fische  Bestimmung  nicht  zulässt,  liegt  vor.  Dasselbe  fand  sich  in  demsel- 
ben Gesteinsstücke  mit  Turrilites  costatus  und  Catopygus  carinatus  in  dem 
Dorfe  Groschowitz. 

11)  Turrilites  costatus  Lam.;  Taf.  27,  Fig.  2. 

Nur  das  einzige  unvollständige,  aber  völlig  sicher  bestimmbare  Exem- 
plar, welches  die  Abbildung  darstellt,  liegt  vor.  Dasselbe  ist  in  porösen 
gelblich  weissen  Sandstein  eingeschlossen,  von  welchem  lose  Blöcke  in 
dem  Dorfe  Groschowitz  umherliegen.  Derselbe  Block,  welcher  dieses 
Exemplar  einschloss,  enthielt  ausserdem  Catopygus  carinatus,  Inoceramus 
striatus,  Fragmente  einer  Scyphia  mit  sehr  zierlichem  Maschengewebe  und 
zahlreiche  Kieselnadeln  von  Spongien. 

12)  Ämmonites  Rhotomagensis  Defr.;  Taf.  27,  Fig.  1. 

Nur  das  einzige  abgebildete  Exemplar  liegt  vor.  Es  ist  in  grobkörni- 
gen Sandstein  versteinert  und  rührt  aus  den  Kiesgruben  bei  Groscho- 
witz her.  Es  stimmt  in  allen  Merkmalen  vollständig  mit  gleich  grossen 
Exemplaren  aus  dem  cenomanen  Kreide-Mergel  von  Rouen  überein. 


294 


Kreide-B'ormation. 


6.  Altersbestimmung  und  Vergleichung  mit  anderen  cenomanen  Kreide- 
Bildungen  Ober  Schlesiens. 

Von  den  aufgeführten  Arten  von  Versteinerungen  genügen  Ämmonites 
Bhotomagensis,  Turrilites  costatus  und  Catopygus  carinatus  vollständig,  um 
die  sandige  Schichtenfolge  bei  Groschowitz  und  Grudschütz  als  der 
cenomanen  Abtheilung  der  Kreide -Formation  zugehörend  zu  erweisen, 
denn  alle  drei  sind  weit  verbreitete  Leit-Fossilien  der  cenomanen  Kreide, 
welche  in  keiner  anderen  Abtheilung  der  Formation  Vorkommen.  Sie 
genügen  um  so  mehr,  als  auch  die  Lagerung  der  sandigen  Schichtenfolge 
unmittelbar  unter  dem  unzweifelhaft  zur  turonen  Abtheilung  der  Kreide- 
Formation  gehörenden  Kalk-Mergel  von  Oppeln  auf  diese  Altersstellung 
hinweist.  Eine  Vergleichung  mit  den  nicht  sehr  entfernten  ebenfalls  ceno- 
manen Schichten  zwischen  Leobschütz  und  Neustadt  liegt  nahe.  Die 
sandige  Beschaffenheit  ist  beiden  gemeinsam,  aber  das  palaeontologisclie 
Verhalten  ist  durchaus  verschieden.  Bei  der  Beschreibung  der  letzteren 
Ablagerungen  wird  das  gegenseitige  Altersverhältniss  erörtert  werden. 

bb.  Turoner  Kreide-Mergel  von  Oppeln ' ). 

1.  Geschichtliches. 

Da  die  Stadt  Oppeln  auf  diesen  mergeligen  Schichten  selbst  gelegen 
ist  und  diese  letzteren  bis  an  die  Oberfläche  reichen,  so  konnten  sie  nicht 
wohl  der  Beobachtung  entgehen.  Schon  C.  v.  Oeynhausen^)  erwähnt 
dieselben  und  verzeichnet  auf  der  seiner  Schrift  beigegebenen  geognosti- 
schen  üebersichtskarte  zwei  Partien  desselben,  nämlich  eine  grössere  bei 
Oppeln  selbst  und  eine  andere  nördlich  davon  bei  Döbern  gelegene 
kleinere.  In  der  Altersbestimmung  des  Mergels  irrt  freilich  C.  v.  Oeyn- 
hausen, indem  er  ihn  zum  erzführenden  Kalkstein,  d.  i.  zum  Muschelkalk, 
rechnet,  aber  er  hebt  doch  schon  die  thonige  Beschaffenheit  als  unterschei- 
dend von  dem  gewöhnlichen  Muschelkalk,  wie  demjenigen  bei  Krappitz, 
hervor.  Auch  auf  der  im  Jahre  1826  erschienenen  geognostischen  Karte 
von  Deutschland  in  42  Blättern  (von  Leop.  v.  Buch)  ist  der  Kalk-Mergel 
bei  Oppeln  noch  mit  der  Farbe  des  erzführenden  Kalksteins  von  Ober- 
schlesien bezeichnet.  Mein  Bruder  A.  Roemer^)  bestimmte  1840  die 
Stellung  des  Mergels  schon  richtig  als  zum  Pläner  gehörig  und  dem 
„Chalk  niarl“  der  Engländer  gleichstehend.  Die  Verbreitung  der  Bildung 


1)  Auf  der  Karte  mit  Kr^.  bezeichnet. 

2)  Versuch  einer  geognostischen  Beschreibung  von  Oberschlesien  p.  210. 

3)  Vergl.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  S.  193. 


Kreide-Formation. 


295 


wurde  durch  R.  v.  Garn  all  auf  seiner  1844  erschienenen  geognostischen 
Karte  von  Oberschlesien  zuerst  im  Wesentlichen  richtig  angegeben  ^),  Durch 
die  für  die  neue  Karte  von  Oberschlesien  von  A.  Halfar  ausgeführten  Auf- 
nahmen ist  die  Verbreitung  des  Mergels  gegen  Süd-Westen  bis  in  die  Nähe 
von  Proskau  durch  Auffindung  mehrerer  kleiner  aus  der  diluvialen  und 
tertiären  Bedeckung  hervortretender  Partien  nachgewiesen  worden. 

2.  Petrographisches  und  stratographisches  Verhalten, 

Die  ganze  Bildung  stellt  eine  70  bis  100  Fuss  mächtige  Schichtenfolge 
von  weissen  oder  hellgrauen  Kalk-Mergeln  dar,  welche  nach  unten  kieselig 
und  hornsteinartig 5 nach  oben  thonig  und  lose  werden^).  Die  Haupt- 
masse des  Mergels  hat  die  eigenthümliche  Beschaffenheit,  wie  sie  für  den 
Pläner  Sachsens,  Böhmens  und  des  nordwestlichen  Deutschlands  bezeich- 
nend ist,  derzufolge  das  Gestein  in  dicke,  durch  ebene  Schichtflächen 
begrenzte  Bänke  abgetheilt  ist,  innerhalb  der  Bänke  aber  jede  weitere 
ebenflächige  Parallel- Absonderung  fehlt,  dagegen  aber  eine  krummflächige 
Zerklüftung  vorhanden  ist,  durch  welche  der  Mergel  in  lauter  linsenförmige 
oder  flach  ellipsoidische  Stücke  getheilt  wird.  Ein  dünner  gelbbrauner 
Ueberzug  von  Eisenoxjdhjdrat  bedeckt  meistens  die  Kluftflächen  und 
die  Oberfläche  der  Versteinerungen.  Die  Festigkeit  des  Mergels  ist 
sehr  verschieden.  Je  grösser  der  Thongehalt,  desto  lockerer  ist  das 
Gestein  und  desto  rascher  zerfällt  es  an  der  Luft.  Besonders  thonreich 
ist  der  Mergel  in  den  auf  der  linken  Oder-Seite  gelegenen  Partien,  wie 


1)  Auf  der  im  Jahre  1857  erschienenen  zweiten  Auflage  der  Karte  ist  die  Verbreitung  des  Mergels 
noch  richtiger  verzeichnet,  indem  die  auf  der  Karte  der  ersten  Auflage  zusammengezogenen  Partien 
des  Mergels  hier  getrennt  angegeben  sind.  Irrthümlich  sind  auf  beiden  Auflagen  der  Karte  die  bei 
Dembio  östlich  von  Oppeln  in  kleinen  Partien  dem  Keuper -Mergel  untergeordneten  dünnen 
Schichten  von  mergeligen  Kalkstein  (Woischniker  Kalk)  als  Kreide-Mergel  verzeichnet. 

Eine  im  Jahre  1856  im  Breslauer  üniversitäts -Laboratorium  unter  Leitung  des  Geh.-Rath 
Professor  Dr.  Löwig  ausgeführte  Analyse  des  gewöhnlichen  Kalk-Mergels,  wie  er  in  dem  städti- 
schen Steinbruche  bei  Oppeln  gebrochen  wird,  gab  nachstehendes  Ergebniss: 

Kohlensaurer  Kalk  84,17 
' Thonerde  . . . 4,72 

Kieselsäure  . . . 7,71 

Wasser  ....  3,40 

roo,oo 

Der  Mergel  von  Oppeln  hat  in  neuerer  Zeit  eine  ausgedehnte  Verwendung  für  die  Fabrikation 
von  Cäment  gefunden.  Zwei  dicht  bei  der  Stadt  gelegene  Fabriken  (von  Grundmann  und  von 
Pringsheim)  verarbeiten  denselben  für  diesen  Zweck.  Ich  hatte  schon  vor  der  Gründung  dieser 
Fabriken  einen  Indüstriellen  in  Oppeln  auf  die  Verwendbarkeit  des  Mergels  für  die  Darstellung  von 
Cäment  aufmerksam  gemacht.  Zum  Kalkbrennen  ist  der  Mergel  bei  Oppeln  seit  langer  Zeit 
benutzt.  Endlich  findet  der  Mergel  auch  als  Zuschlag  auf  Eisenhütten  Verwendung.  So  namentlich 
auf  der  Kreuzburger  Hütte  und  auf  der  Vorwärts-Hütte  bei  H'ermsdorf  unweit  Waldenburg. 


296 


Jura-Formation. 


namentlich  bei  Sczepanowitz  westlich  von  Oppeln,  wo  er  namentlich 
durch  eine  dicht  an  der  Landstrasse  gelegene  Mergel-Grube  aufgeschlossen 
ist.  In  keiner  Lage  der  ganzen  Schichtenreihe  ist  der  Thongehalt  so  gering, 
dass  der  Mergel  zu  einem  luftbeständigen  Kalkstein  würde,  sondern  alle 
Lagen  des  Mergels  zerfallen  beim  Liegen  an  der  Luft. 

Die  Lagerung  des  Mergels  ist  ganz  flach.  Mehr  aus  allgemeinen  Grün- 
den als  aus  directer  Beobachtung  an  einem  einzelnen  Punkte  ist  auf  eine 
ganz  flache  Neigung  der  Schichten  mit  einem  Einfällen  gegen  Westen  zu 
schliessen.  Der  Neigungswinkel  wird  aber  kaum  mehr  als  bis  2®  betra- 
gen. Der  Umstand,  dass  am  Ost-  und  Südost-Rande  der  Haupt-Partie  des 
Mergels  bei  Oppeln  die  sandigen  Cenoman-Schichten  sich  verbreiten  und 
anderer  Seits  auf  dem  linken  Oder-Ufer  bei  Sczepanowitz  thonreiche 
graue  Mergel  anstehen,  welche  augenscheinlich  jünger  sind,  als  die  feste- 
ren weissen  Kalk-Mergel  bei  Oppeln  selbst,  führt  auf  die  Annahme  eines 
flachen  Einfallens  gegen  Westen.  In  den  einzelnen  Steinbrüchen  scheinen 
die  Schichten  des  Mergels  ganz  wagerecht  zu  liegen  oder  zuweilen  zeigen 
sie  sich  etwas  wellenförmig  gebogen. 

Die  Begrenzung  der  ganzen  mergeligen  Schichtenfolge  betreffend,  so 
wird  diese  nach  unten  durch  die  sandigen  Cenoman-Schichten,  denen  sie, 
wie  sich  bei  Grudschütz  und  Groschowitz  beobachten  lässt,  gleich- 
förmig aufruht  und  mit  welcher  sie  durch  einen  allmählichen  Uebergang 
der  Gesteinsbeschaffenheit  verbunden  ist,  gebildet.  Nach  oben  fehlt 
dagegen  die  Begrenzung  durch  eine  gleichförmige  aufruhende  jüngere 
Schichtenfolge,  denn  wenn  auch  die  weiterhin  zu  beschreibenden  sandigen 
senonen  Schichten  bei  Dambrau  und  Sokollnik  entschieden  jünger 
sind,  als  die  jüngsten  Schichten  des  Mergels,  so  ist  doch  nirgends  eine 
unmittelbare  Auflagerung  derselben  auf  die  Mergel  zu  beobachten. 

3,  Verbreitung. 

Der  Kreide-Mergel  bildet  mehrere  Partien  auf  dem  rechten  und  linken 
Oder-Ufer.  Die  grösste  Partie  ist  diejenige  von  Oppeln  selbst,  welche  in 
einer  Längenerstreckung,  von  U|2Meilen  zusammenhängend  von  Groscho- 
witz bis  zum  Malapane- Flusse  bei  Czarnowanz  reicht.  Gegen  Osten 
und  Südosten  wird  diese  Haupt-Partie  durch  die  an  vielen  Punkten  nach- 
gewiesenen sandigen  Cenoman-Schichten  begrenzt.  Gegen  Westen  bildet 
das  Alluvium  des  Oder-Thaies,  im  Norden  dasjenige  des  Malapane-Thales 
die  Grenze.  In  Oppeln  selbst  und  dicht  unterhalb  der  Stadt  steht  der 
Mergel  unmittelbar  am  Flussufer  zu  Tage.  Krappitz,  wo  Muschelkalk 
und  bunter  Sandstein  anstehen  und  diese  Stelle  bei  Oppeln,  wo  Kreide- 


Kreide-Formation. 


297 


Mergel  zu  Tage  geht,  sind  beiJäufig  bemerkt,  die  einzigen  Punkte,  an 
welchen  die  Oder  in  ihrem  ganzen  langen  Laufe  von  Oderberg  bis 
Stettin,  feste  Gesteins-Schichten  durchbricht.  Ausser  diesen  natürlichen 
Aufschlüssen  am  Oder- Ufer  ist  der  Kreide-Mergel  durch  zahlreiche  künst- 
liche Aufschlüsse  und  namentlich  durch  Steinbrüche  und.  Eisenbahnein- 
schnitte entblösst.  Als  Untergrund  der  Felder  bei  Oppeln  bedingt  der 
Mergel  die  im  auffallenden  Gegensätze  zu  der  Sterilität  der  weiten  ringsum 
verbreiteten  Sandflächen  stehende  Fruchtbarkeit  derselben*). 

Ein  *|2  Meile  breiter  Zwischenraum,  in  welchem  diluvialer  Kies  und 
Sand  in  grösserer  Mächtigkeit  herrschen,  trennt  das  nördliche  Ende  dieser 
Haupt-Partie  des  Mergels  bei  Oppeln  von  einer  kleineren  Partie  bei 
Döbern.  Nördlich  von  Klein-Döbern  und  östlich  von  Gross-Döbern 
wird  in  zahlreichen  kleinen  Schächten  (sogenannten  Duckein)  weisser 
Kalk-Mergel  von  den  Bauern  gegraben.  Der  Mergel  ist  weisser  und  mehr 
kreideähnlich  zerreiblich,  als  bei  Oppeln.  Auch  sind  Versteinerungen 
viel  sparsamer  und  einzelne  Arten,  wie  gewisse  Zähne  von  Ptychodus, 
haben  sich  bisher  nur  hier  allein  gefunden. 

Endlich  ist  nun  der  Kreide-Mergel  auch  noch  an  einem  über  zwei  Mei- 
len nordwestlich  von  Döbern  entfernten  Punkte,  nämlich  südlich  von 
Carlsmarkt,  wie  schon  R.  v.  Carnall  auf  seiner  Karte  verzeichnet  hat, 
bekannt.  Bei  der  aus  wenigen  Häusern  bestehenden  Colonie  Kalkberg 
auf  der  rechten  Seite  des  Stober-Pdusses  wurde  der  Mergel  hier  früher  ge- 
graben und  zum  Kalkbrennen  benutzt.  Bei  einem  Besuche  im  Jahre  1866 
fanden  wir  die  Brüche  nicht  mehr  im  Betriebe,  aber  noch  einzelne  Stücke 
des  weissen  Kalk -Mergels  umher  liegen.  Zugleich  beobachteten  wir  im 
Bette  des  Stober-Flusses  den  ganz  thonigen  Mergel  anstehend.  Auf  der 
Höhe  des  neben  den  Häusern  von  Carlsmarkt  aufsteigenden  bewaldeten 
Hügels  fanden  wir  einen  ebenfalls  ganz  thonigen  Mergel  in  kleinen  Gräben 
unter  Diluvial-Kies  im  Walde  aufgeschlossen.  Das  Vorkommen  des  Mer- 
gels bei  Carlsmarkt  ist  deshalb  bemerkenswerth,  weil  es  mit  Wahrschein- 
lichkeit auf  das  Vorhandensein  des  Mergels  in  der  Tiefe  in  dem  ganzen 
Zwischenräume  zwischen  Carlsmarkt  und  Döbern  schliessen  lässt. 

Auf  der  linken  oder  westlichen  Seite  der  Oder  ist  der  Mergel  in  einem 
das  linke  Thalgehänge  der  Oder  bildenden  zwei  Meilen  langen  schmalen 
Streifen,  der  von  G ross-Schimnitz  bei  Halbendorf  nordwestlich  von 


')  Der  polnische  Name  Opole  fpole  poln.  P’eld)  für  Oppeln  deutet  auf  die  wegen  der  Güte 
des  Bodens  schon  früh  erfolgte  Urbarmachung  des  Bodens  bei  Oppeln,  derzufolge  die  Umgebung 
als  Lichtung  in  dem  rings  verbreiteten  Walde  erschien. 


38 


298 


Kreide-Formation. 


Oppeln  reicht,  verbreitet.  Zwischen  Gross-Schimnitz^)  und  Chrzo- 
witz  sieht  man  den  Mergel  an  dem  steilen  Thalgehänge  an  vielen  Punkten 
anstehen.  Er  ist  thonig  und  erdig  zerreiblich  und  niemals  so  fest,  wie  in 
den  Steinbrüchen  bei  Oppeln.  Auch  auf  dem  flachwelligen  Plateau 
zwischen  Oppeln  und  Proskau  tritt  der  Mergel  an  mehreren  Punkten 
unter  der  Bedeckung  von  diluvialen  und  tertiären  Ablagerungen  hervor. 
In  der  nächsten  Umgebung  von  Proskau  wird  der  Untergrund  der  Acker- 
felder durch  den  Mergel  gebildet.  Der  Basalt,  der  in  einer  ganz  kleinen 
Partie  nordöstlich  von  Proskau  hervortritt,  hat  ihn  durchbrochen  und 
zum  Theil  in  eigenthümlicher  Weise  verändert  und  hart  gebrannt.  Zwischen 
diesen  Partien  des  Kreide-Mergels  auf  der  linken  Oder-Seite  und  demjeni- . 
gen  auf  der  rechten  ist  übrigens  natürlich  ein  Zusammenhang  unter  dem 
Alluvium  der  Thalsohle  der  Oder  mit  Sicherheit  anzunehmen. 


1)  In  einem  bei  Gross-Schimnitz  vor  einer  Reihe  von  Jahren  gestossenen  Bohrloche  wurde 
das  aus  sandigen  Schichten  bestehende  Liegende  des  Kalk-Mergels  bekannt.  Durch  R.  v.  Carnall 
(Bergmännisches  Taschenbuch,  dritter  Jahrgang  1846,  pag.  45)  ist  uns  das  in  mehrfacher  Beziehung 
wichtige  Bohr-Register  dieses  Bohrloches  erhalten  worden.  Das  Bohrloch  lag  zwischen  dem  Dorfe 
Gross-Schimnitz  und  der  Fähre  bei  Konty  dicht  über  dem  steilen  Thalrande. 


Das  Bohr-Register  ergab  folgende  Aufeinanderfolge  von  Schichten: 

1)  Dammerde  und  Sand 1 Lachter  70  Zoll. 

2)  Grauer  Mergel  und  Letten  mit  Mergelkalk-Rollstücken  1 * — * 

8)  Lichtaschgrauer  und  weisser  mergeliger  Kalkstein,  deutlich  und  fast 

genau  söhlig  in  2 bis  4 Zoll  starken  Bänken  geschichtet,  in  den  unteren 

mehr  thonigen  Lagen  mit  sehr  feinen  grauen  Punkten  (Chlorit)  ...  6 * — * 

4)  Gelblich  grauer  und  isabellgelber  mergeliger  Thon  mit  einzelnen  Sandlagen  1 * 50  * 

5)  Gelber  sandiger  Thon  mit  gröberen  Kieseln 2 * 2* 

6)  Lichtaschgrauer  fester  Thon — * 75  » 

7)  Isabellgelber  sandiger  Thon — • 40  » 

8)  Dunkelockergelber  grobkörniger  reiner  Quarzsand  ........  — • 55  = 

9)  Thonige  und  sandige  Schichten  aus  einem  Wechsel  von  gelben  und  grauen 

Thonen  und  festem  grauen  thonigen  Sandstein  bestehend 2 * 78  * 

10)  Festergelblichweisser  bald  darauf  rauch- u.  bläulichgrauer  dichter  Kalkstein  4 * — * 

11)  Licht  bläulichgrauer  dichter  Kalkstein — * 75  » 

12)  Gelblich  und  gräulich  weisser  dichter  Kalkstein 8 * 23  * 

13)  Licht  asch-  und  bläulich-grauer  Kalkstein,  ganz  dem  blauen  Sohlenkalk- 

stein der  Friedrichsgrube  bei  Tarnowitz  ähnlich — * 75  * 


32  Lachter  27  Zoll. 

In  diesem  Bohr-Register  sind  offenbar,  wie  auch  schon  R.  v.  Carnall  gethan,  die  sub  No.  2 
und  3 aufgeführten  Schichten  als  turoner  Pläner-Mergel  und  die  Kalkstein-Schichten  No.  10  bis  13 
als  Muschelkalk  zu  deuten.  Zweifelhaft  in  Betreff  ihrer  Stellung  können  nur  die  sub  No.  4 bis  9 auf- 
geführten thonigen  und  sandigen  Schichten  sein.  Jedoch  können  sie  wohl  mir  zur  cenomanen  Kreide 
oder  zum  Keuper  oder  zu  beiden  gehören.  Ich  halte  das  erste  für  durchaus  wahrscheinlich  und 
rechne  die  sub  4 bis  9 aufgeführten  Schichten  zur  cenomanen  Kreide.  Die  Angabe  von  „gröberen 
Kieseln“  in  der  Schicht  No.  5 passt  nur  auf  die  cenomanen  Schichten,  welehe  auch  bei  Groschowitz 
zum  Theil  in  ein  Quarz-Conglomerat  übergehen.  Keuper  ist  hier  nicht  zu  erwarten,  weil  bei  dem 
regelmässigen  ost-westlichem  Streichen  der  Trias-Schichten  in  dem  ganzen  Gebiete  zwischen  Gross- 
Strehlitz  und  Krappitz  der  Keuper  erst  weiter  nördlich  im  Oder-Thale  durchstreichen  kann. 


Kreide-Formation. 


299 


4,  Organische  Einschlüsse. 

Vergl.  Taf.  30-37. 

Der  Kreide  “Mergel  von  Oppeln  ist  reich  an  Versteinerungen  und 
namentlich  sind  gewisse  Schichten  desselben  mit  ihnen  erfüllt.  Da  zahl- 
reiche in  regem  Betriebe  befindliche  Steinbrüche  gute  Aufschlüsse  gewäh- 
ren 5 so  ist  auch  das  Sammeln  derselben  erleichtert.  Die  Erhaltungsart 
der  Versteinerungen  lässt  freilich  viel  zu  wünschen  übrig  und  namentlich 
sind  die  meisten  mehr  oder  weniger  verdrückt.  Die  Vertretung  der  ein- 
zelnen Abtheilungeii  von  Thieren  betreffend  so  bilden  Spongien  oder 
Schwämme  nach  Zahl  der  Arten  und  Individuen  den  Hauptbestandtheil 
der  Fauna.  Nächstdem  nehmen  auch  Bracliiopoden , Acephalen  oder 
Lamellibranchiateiij  Gastropoden^  Ceplialopoden  und  von  den  Wirbel-Thie- 
ren  Fische  an  deren  Zusammensetzung  Theil. 

In  dem  nachstehenden  Verzeichnisse  sind  alle  aus  dem  Kreide-Mergel 
von  Oppeln  mir  sicher  bekannt  gewordenen  Arten  verzeichnet  worden. 
Natürlich  sind  sie  nicht  alle  gleichmässig  durch  die  ganze  Mächtigkeit  der 
Ablagerung  verbreitet^  aber  die  Vertheilung  der  Arten  in  die  einzelnen 
Schichten  ist  noch  keineswegs  genügend  ermittelt.  Nur  einzelne  Bemer- 
kungen konnten  in  dieser  Beziehung  bei  einzelnen  Arten  gemacht  werden. 

Verzeichniss  der  organischen  Einschlüsse  des  turonen  Pläners 

von  Oppeln, 
a,  Pflanzen. 

1)  Ehizodendron  oppoliense  Göppert:  lieber  das  Vorkommen  von 
Baum-Fa;rn  in  der  fossilen  Flora 5 insbesondere  in  der  Kreide- 
Formation.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  p.  397- — 399. 

Unter  dieser  Benennung  beschreibt  Göppert  einen  zwei  Fuss  langeUj 
am  unteren  Ende  vollständig  erhaltenen  fossilen  Stamm  eines  Baum -Farn 
von  Oppeln.  Der  Stamm  ist  mit  braun  gefärbten  Luftwurzeln  bedecktj 
zwischen  denen  die  Blatt-Narben  nur  am  oberen  Theile  deutlich  hervortre- 
ten. Während  man  auf  den  ersten  Blick  den  Stamm  eines  Baum-Farn  der 
Jetztwelt  vor  sich  zu  haben  glaub t,  zeigt  sich  im  Inneren  der  Stamm  in 
dunkele  hornsteinartige  Kieselmasse  versteinert.  Die  parenchymatösen 
und  prosenchymatösen  Zellen  der  Luftwurzeln  enthalten  noch  viel  von 
ihrer  organischen  Substanz  und  sind  daher  braun.  Nur  das  Gefässbündel 
in  der  Mitte  derselben  ist  ungefärbt  und  liegt  als  weisser  Faden  darin.  Der 
im  Querschlitf  sichtbare  Holz-Cyliiider  erweist  sich  im  Verhältniss  zum 
Umfange  des  ganzen  als  von  sehr  kleinem  Durchmesser.  Der  Bau  des 

38* 


300 


Kreide-Formation. 


Ilolz-Cylinders  ist  durchaus  verschieden  von  demjenigen  von  Protopteris 
Cottae.  Dagegen  ist  er  demjenigen  von  Älsophila  ehenina,  einigermassen 
auch  demjenigen  der  lebenden  Älsophila  pruinosa  Klf.,  ähnlich.  Als  beson- 
ders bezeichnend  für  den  anatomischen  Bau  des  Stammes  hebt  Göppert 
die  auffallende  Dünnheit  der  Gefässbündelplatten  und  die  grosse  Entfer- 
nung derselben  von  der  äusseren  festen  Rindenschicht,  wie  sie  bis  jetzt  kaum 
an  einem  lebenden  oder  fossilen  Baum -Farn  bekannt  ist,  hervor.  Den 
krautartigen  Farnen  nähert  sich  der  Bau  des  Stammes  durch  den  gänz- 
lichen Mangel  einer  ausgeprägten  Prosenchym- Scheide  um  die  Gefäss- 
platten  und  die  geringe  Zahl  der  dünnen  fadenförmigen  in  die  Blatt-Narbe 
eintretenden  Gefässbündel.  Wegen  „des  übergrossen  Reichthums  von 
Luftwurzeln,  welche  durch  kein  parenchymatöses  Gewebe  verbunden  sind, 
wie  dies  bei  den  Stamm-Farnen  gefunden  wird,^^  wählt  Göppert  die 
generische  Benennung  Rhizodendron.  Die  Abbildung  des  anatomischen 
Baues  des  Stammes  wird  in  der  demnächst  zu  veröffentlichenden  Kreide- 
Flora  von  Schlesien  durch  Göppert  in  Aussicht  gestellt.  Kleinere  ver- 
kieselte  Stücke  solcher  Stämme  sind  auch  durch  mich  selbst  bei  Oppeln 
gesammelt  worden. 

2)  Protopteris  Sternhergii  Cor  da. 

Dieser  ursprünglich  aus  cenomanem  Sandstein  von  Kaunitz  in  Böh- 
men beschriebene  Farn  kommt  nach  Göppert  (Zeitschr.  Deutsch,  geol. 
Ges.  Bd.XVIL,  1865,  p.  647)  auch  in  dem  Kreide-Mergel  bei  Oppeln  vor. 

3)  Geinitzia  cretacea;  Taf.  30,  Fig.  3,  4. 

Sedites  Rahenhorstii  Geinitz  Char.  Sächs.  Kreide -Geb.  I.,  p.  97, 
tab.  24,  Fig.  5. 

Äraucarites  Reichenbachii  Geinitz,  ibid.  p.  98,  tab.  24,  Fig.  4. 

Cryptomeria  primaeva  Cor  da  in:  Reuss  Böhm.  Kreide -Yerst.  II. 
p.  89,  tab.  48,  Fig.  1 — 11. 

Geinitzia  cretacea  Endlicher,  Synops.  Conifer.  p.  281. 

Es  liegen  mehrere  Zweig -Enden  dieser  in  oberen  Kreide -Bildungen 
weit  verbreiteten  Coniferen-Avt  vor.  Ein  anderes  kleineres  Exemplar 
stimmt  vollständig  mit  Corda’s  Abbildung  tab.  48,  Fig.  7 überein.  Die 
Art  ist  nach  Geinitz  und  Reuss  in  dem  turonen  Pläner  Sachsens  und 
Böhmens  weit  verbreitet.  Ausserdem  wird  sie  aber  aber  auch  aus  ceno- 
manem Quadersandstein  Sachsens  und  Böhmens  und  aus  den  senonen 
Schichten  von  Aachen  und  Kieslingswalde  aufgeführt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  3 stellt  ein  grösseres  Zweigstück 
dar.  Durch  die  dünne  schwarze  Kohlenrinde,  in  welche  sich  die  Blatt- 
Substanz  verwandelt  hat,  hebt  es  sich  von  dem  weissen  Gestein  deutlich 


Kreide-Formation. 


301 


ab.  Fig.  4 ist  die  Abbildung  eines  kleineren  Exemplars  mit  deutlich  erkenn- 
barer Blattform. 

4)  Finites  sp.^  Taf.  30,  Fig.  2. 

Haarförmig  dünne  linearische  Blätter  mit  einem  deutlich  erkennbaren 
Mittel-Nerv.  Die  bündelförmige  Gruppirung  der  Nadeln  spricht  für  die  Zu- 
gehörigkeit zu  den  Coniferen, 

Zwei  Exemplare  liegen  vor. 

5)  Dicotyledonen-Bla^it  von  nicht  näher  bestimmbarer  Gattung; 

Taf.  30,  Fig.  1. 

Nur  das  abgebildete  einzige  Exemplar  des  oberen  Theiles  eines  Blattes 
liegt  vor.  Die  Zugehörigkeit  zu  den  Dicotyledonen  ist  zweifellos.  Ein 
feiner  Mittelnerv  und  sehr  feine  von  diesem  ausgehende  Verästelungen 
sind  deutlich  erkennbar. 

Das  Blatt  ist  von  Interesse  weil  in  turonen  Kreide-Bildungen  die  Dico- 
tyledonen  sonst  kaum  vertreten  sind.  Die  anderen  bekannten  Dicotyledonen 
der  Kreide-Formation  gehören  der  senonen  Kreide  mit  Belemnitellen  an, 
wie  namentlich  die  ziemlich  zahlreichen  von  Aachen  und  Haldem. 

b.  TMere. 

6)  Chenendopora  tenuis;  Taf.  31,  Fig.  1,  la,  Fig.  3,  3 a,  3 b. 

Manon  tenue  A.  Roemer,  Verst.  des  Nordd.  Kreide -Geb.  pag.  3 
Taf.  I.,  Fig.  7. 

Manon  tenue  Reuss,  Böhm.  Kreide-Verst.  pag.  78,  tab.  XX.,  Fig.  2. 

Chenendopora  tenuis  A.  Roemer,  Spongitarien  des  Nordd.  Kreide- 
Geb.  pag.  43,  Taf.  15.  Fig.  4.  (Palaeontogr.  von  Dunk  er  und 
H.  V.  Meyer.)  Cassel  1864. 

Ein  plattenförmiger,  verschiedentlich  gekrümmter  und  namentlich 
unregelmässig  lappiger,  unvollkommen  trichterförmiger  oder  ohrförmiger 
Schwamm,  welcher  auf  der  Aussenfläche  mit  punktförmigen,  dicht  gedräng- 
ten, feinen  Oetfnungen  mit  wenig  vorstehendem  Mündungsrand,  auf  der 
Innenfläche  mit  grösseren  und  entfernter  stehenden  Oeffnungen  mit  ring- 
förmig vorstehendem  Rande  besetzt  ist.  Die  Oeffnungen  der  bei  den 
trichterförmigen  Exemplaren  gewöhnlich  nur  sichtbaren  Aussenfläche,  sind 
so  klein,  dass  man  sie  bei  flüchtiger  Betrachtung  des  Schwammes  über- 
sieht und  die  Oberfläche  für  dicht  hält. 

Es  ist  kein  Zweifel,  dass  die  hier  zu  beschreibende  Art  wirklich  Manon 
tenue  meines  Bruders  ist,  denn  derselbe  giebt  als  Fundort  ebenfalls  Oppeln 
an  und  ausserdem  habe  ich  das  der  Beschreibung  zu  Grunde  liegende 
Original-Exemplar  in  der  Sammlung  meines  Bruders  vergleichen  können. 


302 


Kreide-F  ormation. 


Das  von  meinem  Bruder  abgebildete  Exemplar  ist  jedoch  ein  kleineres  und 
die  Art  erreicht  bei  Oppeln  viel  grössere  Dimensionen.  Es  liegen  meh- 
rere trichterförmige  Exemplare  von  mehr  als  6 Zoll  im  Durchmesser  und 
einer  Dicke  der  Trichtervvand  von  drei  bis  sechs  Linien  vor.  Ein  einziges 
Exemplar  stellt  sogar  eine  einen  Fuss  und  sechs  Zoll  lange  aber  nur  drei 
Linien  dicke  sanft  gekrümmte  und  gegen  den  Umfang  hin  wellenförmig 
gefaltete  Platte  dar. 

Reu  SS  führt  die  Art  auch  aus  dem  Pläner  Böhmens  auf.  Vielleicht 
sind  auch  M.  miliare  und  M.  Phillipsii  nur  Varietäten  dieser  Art.  Mein 
Bruder  A.  Ro einer  führt  die  Art  auch  aus  dem  Pläner  des  Harzrandes 
und  namentlich  aus  dem  „Scaphiten-MergeP^  von  Heiningen  auf. 

Vorkommen:  Sehr  häufig,  meistens  freilich  nur  in  Bruchstücken. 
Die  Substanz  des  Schwammes  ist  im  Innern  häufig  in  schwarzen  oder 
grauen  Hornstein  verwandelt. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 stellt  ein  trichterförmiges 
Exemplar  in  natürlicher  Grösse  dar.  Der  Trichter  ist  der  Länge  nach 
geschlitzt  und  ist  durch  die  Zusammenkrümmung  einer  Platte  gebildet. 
Am  oberen  Rande  des  Exemplares  ist  ein  Stück  abgebrochen,  wodurch 
die  Dicke  der  Platte  erkennbar  wird.  Fig.  la  ist  die  vergrösserte  Ansicht 
eines  Stückes  der  Aussenfläche.  Fig.  3 Ansicht  eines  kleineren  ohrförmi- 
gen Exemplars.  Fig.  3 a ein  Stück  der  Innenfläche  desselben  Exemplars 
vergrössert.  Fig.  3 b ein  Stück  der  Aussenfläche  vergrössert. 

7)  Retispongia  racliata;  Taf.  30,  Fig.  5,  Fig.  6,  Taf.  32. 

Ventriculites  radiatus  M a n t e 1 1 . 

Scgphia  Oeynhamii  Go  Id  fuss. 

Scgphia  radiata  R e u s s. 

Retispongia  Hoeninghausii  d’Orbigny,  Prodr.  Pal.  strat.  II.  p.  284. 

Retispongia  radiata  A.  Roemer,  Spongitarien  des  Nordd.  Kreide- 
Geb.  pag.  15,  tab.  VL,  Fig.  2. 

Ein  dünnwandiger  netzförmig  durchbrochener  Schwamm  von  der 
Gestalt  eines  Trichters,  dessen  Mündung  sich  oft  plötzlich  erweitert  und 
zu  einer  tellerförmigen  dünnen  Scheibe  aus  breitet. 

Die  gew^öhnlichste  und  schönste  Form,  in  welcher  die  Art  bei  Oppeln 
vorkommt,  ist  diejenige  einer  ganz  flachen  kreisrunden  netzförmig  durch- 
brochenen Scheibe  von  4 bis  6 Zoll  im  Durchmesser,  welche  meistens 
durch  Eisenoxydhydrat  gelb  oder  braun  gefärbt  sich  gegen  das  ein- 
schliessende  weisse  Gestein  deutlich  abhebt.  Die  Dicke  dieser  scheiben- 
förmigen Ausbreitung  beträgt  gewöhnlich  nur  U''  und  gegen  den  Umfang 
hin  wird  sie  ganz  dünn  schneidig.  In  der  Mitte  der  Scheibe  ist  die 


Kreide-Formation. 


303 


Bruchstelle  eines  etwa  fingersdicken  hohlen  senkrechten  Stieles,  welcher 
die  Scheibe  getragen  hat,  sichtbar.  Immer  sieht  man  nämlich  nur  die 
untere  Fläche  der  Scheibe  oder  deren  Abdruck,  ohne  Zweifel  weil  die 
obere  Fläche  wegen  grösserer  Rauhigkeit  fester  an  dem  Gesteine  haftet. 
Die  gewölbten  Zwischenräume  der  ovalen  rundlichen  oder  abgerundet 
eckigen  Maschen  bestehen  aus  einem  dichten  Fasergewebe,  in  welchem 
man  erst  bei  genauerer  Untersuchung  feine  punktförmige  Oeffnungen  wahr- 
nimmt. 

Sehr  abweichend  von  dieser  scheibenförmigen  Gestalt  ist  eine  andere 
trichterförmige,  wie  Taf.  30  Fig.  5 darstellt.  Es  ist  ein  mässig  schnell  nach 
oben  an  Umfang  wachsender  netzförmig  durchbrochener  Trichter,  welcher 
gewöhnlich  etwas  von  der  Seite  zusammengedrückt  ist.  Die  Maschen 
sind  mehr  verlängert  und  die  Zwischenräume  höher  gewölbt,  als  bei  der 
scheibenförmigen  Gestalt.  Die  Dicke  der  Wandung  des  Trichters  beträgt 
etwa  U".  Auf  den  ersten  Blick  würde  man  kaum  vermuthen,  dass  die 
scheibenförmige  und  die  trichterförmige  Varietät  derselben  Art  angehören. 
Allein  bei  genauerer  Vergleichung  erkennt  man,  dass  der  feinere  Bau  des 
Gewebes  bei  beiden  Formen  durchaus  derselbe  ist  und  in  der  That  finden 
sich  auch  Exemplare,  welche  den  Uebergang  in  Betreff  der  äusseren  Ge- 
stalt zwischen  beiden  Formen  vermitteln. 

Ob  wirklich  MantelTs  Ventriculites  radiatus  mit  unserer  Art  identisch 
ist,  habe  ich  nicht  sicher  feststellen  können.  Dagegen  ist  ScypJiia  radiata 
Reuss  sicher  die  hier  in  Rede  stehende  Art.  Ebenso  d’Orbigny’s 
Retispongia  Hoeningliausii  (irrthümlich  geschrieben  statt  Oeynhausiil), 

Vorkommen:  Dieser  Schwamm  gehört  zu  den  häufigeren  Arten  der 
Fauna.  Ausserdem  ist  er  auch  sonst  in  turonen  und  senonen  Kreide- 
Bildungen  weit  verbreitet.  Reuss  führt  die  Art  aus  dem  oberen  und  unte- 
ren Pläner  Böhmens,  Geinitz  (Quadersandstein-Geb.  pag.  258)  aus  dem 
Pläner  Sachsens  und  namentlich  von  Strehlen  auf.  Nach  A.  Roemer 
findet  sich  die  Art  in  dem  nördlich  vom  Harze  liegenden  Gebiete  im 
„Cuvieri  Pläner.“  Ausserdem  aber  auch  in  der  „Quadraten-Kreide“  und 
in  der  „Mucronaten-Kreide.“  Uebrigens  scheint  nirgendwo  die  Art  ver- 
hältnissmässig  so  häufig  als  bei  Oppeln  zu  sein  und  nirgendwo  namentlich 
die  scheibenförmige  Varietät  in  so  schönen  und  vollständigen  Exemplaren 
vorzukommen. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Taf.  30,  Eig.  5 stellt  ein  trichter- 
förmiges Exemplar  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  dar.  Der  Trichter 
ist  etwas  zusammengedrückt.  An  dem  oberen  Ende  ist  die  Trichterwand 
zum  Theil  w^eggebrochen.  Hier  sind  die  Ausfüllungen  der  Maschen  der 


304 


Kreide-Formation. 


Innenfläche  des  Trichters  zu  sehen.  Die  Versteinerungsmasse  dieses 
Exemplars  ist  dunkeier  grünlich  schwarzer  dichter  Schwefelkies.  Andere 
vorliegende  trichterförmige  Exemplare  sind  schlanker  und  erweitern  sich 
nach  oben  viel  allmählicher.  Fig.  6 Vergrösserte  Ansicht  eines  Stückes 
der  Oberfläche  desselben  Exemplars.  Taf.  32  Ansicht  eines  scheiben- 
förmigen Exemplars  in  natürlicher  Grösse  gegen  die  untere  gewöhnlich 
nur  sichtbare  Fläche  der  Scheibe  gesehen.  In  der  Mitte  ist  die  Bruchstelle, 
wo  der  röhrenförmige  Stiel  sich  anfügte,  sichtbar. 

8)  Crihrospongia  fragilis ; Taf.  31,  Fig.  2,  2a5  2 b. 

Scyphia  fraqilis  A.  Roemer,  Verst.  Nordd.  Kreide -Geb.  pag.  8, 
tab.  IIL,  Fig.  11  (1841). 

Cribrospongia  fragilis  A.  Roemer,  Spongitarien  des  Nordd.  Kreide- 
Geb.  pag.  12  (1864). 

Dieser  Schwamm  stellt  sehr  dünnwandige  niedrige  Trichter  von  drei 
bis  fünf  Zoll  Durchmesser  an  der  Mündung  dar.  Bei  drei  bis  vier  Zoll 
grossen  Exemplaren  beträgt  die  Dicke  der  Trichterwandungen  kaum 
^|2  Linie.  Meistens  sind  die  Trichter  mehr  oder  weniger  von  der  Seite, 
seltener  von  oben  nach  unten  zusammengedrückt.  Die  gewöhnlich  nur 
sichtbare  Aussenfläche  des  Trichters  ist  mit  feinen,  für  das  blosse  Auge 
noch  gerade  sichtbaren  punktförmigen  Poren  durchbohrt.  Mit  der  Lupe 
erkennt  man,  dass  diese  Poren  rundlich  oder  oval  sind  und  ganz  unregel- 
mässig ohne  erkennbare  reihenförmige  Anordnung  neben  einander  stehen. 
Der  Durchmesser  der  Poren  ist  grösser,  als  die  Breite  ihrer  Zwischen- 
räume. 

Von  der  Beschaffenheit  der  Innenfläche  des  Trichters  bekommt  man  in 
der  Regel  nur  an  solchen  Stellen  eine  Ansicht,  an  welchen  ein  Stück  der 
Wandung  des  Trichters  fortgebrochen  und  der  Abdruck  der  Innenfläche 
im  Gesteine  zurückgeblieben  ist.  Die  Innenfläche  zeigt  kreisrunde  Poren, 
welche  im  Gegensätze  zu  den  Poren  der  Aussenfläche  in  regelmässigen 
Längsreihen  angeordnet  sind.  Ein  feines  Fasergewebe  bildet  die  Zwischen- 
räume der  Poren. 

Mein  Bruder  hat  die  Art  ursprünglich  als  Scyphia  fragilis,  später  als 
Cribrospongia  fragilis  beschrieben  und  als  alleinigen  Fundort  derselben 
Oppeln  angegeben.  Es  ist  daher  trotz  der  unvollkommenen  Abbildung 
nicht  zweifelhaft,  dass  die  hier  zu  beschreibende  Art  wirklich  mit  der  Art 
meines  Bruders  identisch  ist. 

Die  von  d’Orbigny  (Prodr.  de  Pal.  strat.  Form.  11.  pag.  294)  auf- 
gestellte Gattung  Cribrospongia  begreift  die  trichterförmigen  Arten  von 
Goldfuss’  Gattung  Scyphia,  AevQxi  Wandungen  von  maschenförmigen 


Kreide-Formation. 


305 


OefFnungen  durchbrochen  sind.  Wenn  d’Orbignj  Goldfuss’  Gattung 
Tragos  für  synonym  mit  seiner  Gattung  erklärt,  so  ist  das  offenbar  ein 
Schreibfehler  (statt  Scyjghia)^  da  unter  den  von  ihm  aufgezählten  Arten 
keine  von  Goldfuss  als  Tragos,  aber  viele  als  Arten  von  Scyphia  be- 
schrieben sind. 

Vorkommen:  Nicht  selten!  Die  Substanz  des  Schwammes  ist  ge- 
wöhnlich, wie  viele  der  bei  Oppeln  vorkommenden  Schwämme  von 
Eisenoxydhydrat  durchdrungen  und  dadurch  gelb  oder  braun  gefärbt. 
Diese  Färbung  bezeichnet  deutlich  die  Grenze  des  Schwammes  gegen  das 
weisse  Gestein. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  2 Ansicht  eines  kleineren,  etwas 
zusammengedrückten  Exemplars  von  der  Seite.  Fig.  2 a ein  Stück  der 
Aussenfläche  vergrössert.  Fig.  2 b ein  Stück  der  Innenfläche  des  Trichters 
vergrössert. 

9)  Camerospongia  fungiformis;  Taf.  33,  Fig.  3,  4,  5. 

1833  Scyphia fungiformis  Goldfuss,  Petrif.  Germ . 

1841  Scyphia  fungiformis  A.  Roemer,  Verst.  Nordd.  Kreide-Geb. 
pag.  7. 

1841  Marion  monostoma  A.  Roemer,  Verst.  Nordd.  Kreide-Geb. 
pag.  2,  tab.  I.,  Fig.  8. 

1847  Camerospongia  fungiformis  d’Orbigny,  Prodr.  Pal.  strat.  II. 
pag.  285. 

Cephalites  campanulatus  Toulmin  Smith,  On  the  Ventricu- 
lidae  of  the  Chalk  in : Annals  and  Magaz.  of  nat.  hist.  Vol.  I. 
Sec.  Ser.  1848.  pag.  289,  tab.  XIV.,  Fig.  12,  13. 

1852  Scyphia  fungiformis  Bronn,  Leth.  geognost.  ed.  3.  Th.  V. 
pag.  70,  tab.  XXIX.,  Fig.  6 a,  b,  c.  . 

1859  Camerospongia  fungiformis  E.deFromentel,  Intr  o d . ä Fetude 
des  eponges  foss.  pag.  41,  tab.  IL,  Fig.  16. 

1864  Camerospongia  fungiformis  A.  Roemer,  Spongitarien  des 
Nordd.  Kreide-Geb.  in:  Palaentograph.  Cassel  1864,  p.  5. 

Dieser  Schwamm  besteht  aus  einer  oberen  halbkugeligen  und  einer  in 
einen  dünnen  Kiel  auslaufenden  kreiselförmigen  unteren  Hälfte.  Die  Ober- 
fläche der  oberen  halbkugeligen  Hälfte  besteht  aus  einem  sehr  feinen  und 
dichten  Faser-Gewebe  und  erscheint  dem  blossen  Auge  glatt  und  nicht 
porös.  Den  Scheitel  nimmt  eine  grosse  kreisförmige  Oeffnung  ein,  welche 
mit  einem  leistenförmig  vorstehenden  glatten  Rande  umgeben  ist.  Nach 
unten  ist  die  halbkugelige  obere  Hälfte  durch  einen  wellenförmig  hin  und 
her  gebogenen  vorstehenden  Saum  begrenzt. 


39 


306 


Kreide-^’  ormation. 


Die  untere  kreiselförmige  Hälfte  ist  mit  dicken  Wülsten  und  rundlichen 
Höckern  bedeckt  und  besteht  aus  einem  mit  blossem  Auge  deutlich  erkenn- 
baren netzförmigen  Fasergewebe.  Einige  der  rundlichen  Höcker  sind  auf 
der  Spitze  mit  einem  kleinen  rundlichen  Loch  oder  Einsenkung  versehen. 

Unter  der  Benennung  Scy'phia  fungiformis  hat  Goldfuss  diesen 
Schwamm  zuerst  von  Coesfeld  in  Westphalen  beschrieben  und  abgebil- 
det. Später  hat  ihn  mein  Bruder  A.  Roemer,  ohne  seine  Identität  mit 
der  Goldfuss’schen  Art,  die  er  besonders  autführt,  zu  erkennen,  als  Manon 
monostoma  von  Peine  in  Hannover  und  von  Oppeln  beschrieben.  Nach- 
her wurde  die  Art  für  d’Orbigny  die  Veranlassung  zu  der  freilich  sehr 
ungenügend  begrenzten  Gattung  Camerospongia.  Nur  ein  Jahr  später 
nannte  Toulmin  Smith  dieselbe  oder  eine  ihr  jedenfalls  sehr  nahe 
stehende  Art  der  gleichen  Gattung  aus  der  weissen  Kreide  Englands 
Cephalites  campanulatus  und  gab  eine  eingehende  Darstellung  von  dem  bei 
den  stets  durch  Druck  veränderten  deutschen  Exemplaren  niemals  deut- 
lich erkennbaren  inneren  Bau.  Neuerlichst  hat  mein  Bruder  A.  Roemer 
die  Art  wieder  unter  der  d’Orbigny’ sehen  Benennung  aufgeführt. 

Die  nahe  Verwandtschaft  der  Gattung  Camerospongia  mit  Coeloptycliium 
ist  an  dieser  Art  deutlich  erkennbar.  Das  Vorhandensein  eines  mit  dich- 
ter glatter  Oberfläche  versehenen  oberen  Theils  und  eines  tief  gefalteten 
unteren  Theils  mit  deutlich  gitterförmig  durchbrochenen  Gewebe  ist  nament- 
lich beiden  Gattungen  gemeinsam.  Mit  Recht  stellt  daher  mein  Bruder  die 
Gattung  Camerospongia  in  die  Familie  der  Coeloptychiden  und  zunächst  zu 
Coeloptycliium, 

Vorkommen:  Die  Art  gehört  zu  den  häufigsten  Fossilien  der  Schich- 
ten von  Oppeln  und  ist  jedenfalls  die  bezeichnendste  Spongie  dieser 
Schichten.  Stets  sind  die  Exemplare  mehr  oder  minder  verdrückt,  was 
bei  der  Dünnheit  der  die  inneren  Falten  bildenden  Membranen,  wie  sie  sich 
aus  der  Darstellung  von  Toulmin  Smith  ergiebt,  nicht  auffallen  kann. 
Gewöhnlich  sind  die  Exemplare  von  oben  nach  unten  zusammengedrückt, 
und  meistens  ist  dann  nur  die  glatte  obere  Hälfte  des  Schwammes  mit  der 
grossen  Scheitelötfnung  sichtbar.  Seltener  sind  die  Exemplare  von  der 
Seite  zusammengedrückt.  In  diesem  Falle  gelingt  es  zuweilen  eine  Seiten- 
Ansicht  der  gefalteten  unteren  Hälfte  des  Schwammes  zu  erhalten.  Nach 
den  Abbildungen  von  Toulmin  Smith  ist  der  Schwamm  unten  mit  einem 
dünnen  Stiele  festgewachsen.  Nur  einmal  habe  ich  an  einem  Exemplare 
von  Oppeln  einen  solchen  unten  in  mehrere  Wurzeln  sich  verzweigenden, 
Stiel  mit  dem  Haupttheile  des  Schwammes  in  Verbindung  gefunden,  wie 
es  Fig.  3 darstellt. 


Kreide-F  ormatlon. 


307 


Die  Verbreitung  der  Art  scheint  aus  den  Scaphiten-Schichten  des  Plä- 
ners bis  in  die. echte  weisse  Kreide  mit  Belemnitella  mucronata  zu  reichen. 
Aus  dem  Scaphiten-Pläner  führt  sie  mein  Bruder  ausser  von  Oppeln  auch 
von  Heiningen  im  Herzogthum  Braunschweig  an.  Nach  demselben  Autor 
soll  sie  häufig  sein  in  der  „Quadraten-Kreide^^  bei  Ilsenburg,  Eikhorst, 
Vordorf  und  Peine.  Bei  Coesfeld,  von  wo  das  Original-Exemplar 
von  Groldfuss  stammt,  sind  nur  obere  senone  Kreide-Schichten  m\i  Belem- 
nitella mucronata  bekannt.  Der  wahrscheinlich  mit  unserer  Art  identische 
Cephalites  campanulatus  von  To ulmin  Smith  gehört,  wie  schon  bemerkt 
wurde,  der  weissen  Kreide  von  England  an. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  3 stellt  ein  vollständiges  Exem- 
plar von  der  Seite  dar.  Fig.  4 Ansicht  der  halbkugeligen  glatten  oberen 
Seite.  In  dieser  Ansicht  von  oben  stellt  sich  der  Schwamm  am  häufigsten 
dar.  Meistens  jedoch  mehr  oder  minder  verdrückt.  Fig.  5 Vergrösserte 
Ansicht  eines  Stückes  der  Oberfläche,  welches  theils  der  glatten  Oberseite, 
theils  der  Warzen  und  Wülste  tragenden  unteren  Seite  angehört  und  in  der 
Mitte  durch  den  die  obere  halbkugelige  Hälfte  begrenzenden  wellenförmig 
gebogenen  Rand  quer  getheilt  wird. 

10)  Camerospongia  megastoma;  Taf.  33,  Fig.  6. 

Manon  megastoma  A.  Roemer,  Verst.  Nordd.  Kreide-Geb.  pag.  3, 
tab.  L,  Fig.  9 (1841). 

Manon  megastoma  Reuss,  Verst.  Böhm.  Kreide-Form.  pag.  77, 
tab.  XX.,  Fig.  1,  tab.  XLIII.,  Fig.  9 (1846). 

? Manon  verrucosum  idem  ibidem  pag.  77,  tab.  XX.,  Fig.  6. 

Cephalites perforatus  Toulmin  Smith,  Ventriculidae  of  the  chalk 
in  Ann.  and  Magaz.  nat.  hist.  Vol.  L,  Sec.  Ser.  1848,  pag.  294, 
tab.  XV.,  Fig.  2. 

Porospongia  megastoma  A.  Roemer,  Spongitarien  des  Nordd. 
Kreide-Geb.  pag.  9 (1864). 

? Porospongia  micrommata  idem  ibidem. 

Dieser  Schwamm  gehört  jedenfalls  in  dieselbe  Gattung  mit  dem  vorher- 
gehenden. Denn  die  Beschaffenheit  der  glatten  dichten  Oberfläche,  die 
scharfe  Umrandung  der  Oeffnungen  und  der  scharfe  Absatz  der  oberen 
Hälfte  gegen  die  gitterförmig  durchbrochene  untere  ist  derjenigen  bei 
Camerospongia  fungiformis  durchaus  ähnlich.  Die  untere  Seite  ist  bei 
deutschen  Exemplaren  niemals  deutlich  wahrzunehmen,  sondern  höchstens 
sind  die  Durchschnitte  der  die  Unterseite  bildenden  gefalteten  Membran 
als  undeutliche  durch  Eisenoxydhydrat  gelbbraun  gefärbte  Linien  sichtbar. 
Toulmin  Smith  hat  dagegen  den  inneren  Bau  an  Exemplaren  der  weissen 

39* 


308 


Kreide-Formation. 


Kreide  deutlich  wahrgenommen  und  mit  demjenigen  der  vorigen  Art  gene- 
risch übereinstimmend  gefunden. 

Die  Form  und  Grösse  der  Oeffnungen  auf  der  Oberseite  ist  augenschein- 
lich veränderlich.  Während  bei  dem  abgebildeten  Exemplare  der  Durch- 
messer der  Oeffnungen  die  Hälfte  oder  ein  Drittel  ihres  Abstandes  von 
einander  beträgt,  sind  sie  bei  einem  anderen  vorliegenden  Exemplare 
doppelt  so  gross  und  ihr  Durchmesser  ist  ungefähr  ihrem  durchschnittlichen 
Abstande  gleich.  Deshalb  ziehe  ich  mioh  Manon  verrucosumJiQ\\.Qs  und 
Porospongia  macrommata  A.  Roemer  hierher.  Ebenso  scheint  auch  die 
ganze  Fornf  des  Schwammes  sehr  veränderlich.  Bei  dem,  abgebilde- 
ten Exemplare  ist  die  Begrenzung  unregelmässig  elliptisch;  bei  anderen 
rundlich. 

Vorkommen:  Nicht  häufig.  Es  liegen  nur  vier  Exemplare  vor.  Die 
Verbreitung  reicht  jedenfalls  aus  dem  Scaphiten-Pläner  bis  in  die  weisse 
Kreide.  Aus  letzterer  beschreibt  sie  To  ul  min  Smith.  Aus  der  jjQua- 
draten-Kreide^^  von  Peine  ist  die  Art  ursprünglich  durch  meinen  Bruder 
beschrieben  worden.  Nach  Reuss  soll  die  Art  bei  Bilin  im  oberen  und 
im  untersten  Pläner  verkommen. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  6 stellt  ein  Exemplar  von  oben 
gesehen  in  natürlicher  Grösse  dar. 

11)  Siplionia  elongata;  Taf.  33,  Fig.  1,  2. 

? Siphonia  elongata  Reuss,  Verst.  Böhm.  Kreide-Form.  pag.  73, 
tab.  43,  Fig.  1. 

Ein  birn-  oder  keulenförmiger  Schwamm  mit  verlängertem  dünnen  Stiel, 
welcher  in  Betreff  der  allgemeinen  Form  gut  mit  der  von  Reuss  gegebe- 
nen Beschreibung  und  Abbildung  der  S,  elongata  aus  dem  böhmischen 
Pläner  übereinstimrat,  ohne  dass  die  Identität  durch  Vergleichung  mit 
böhmischen  Exemplaren  sicher  festgestellt  werden  konnte.  Reuss  citirt 
als  Synonym  Jerea  elongata  Michel  in  und  der  französische  Autor  seiner 
Seits  Siplionia  cylindrica  A.  Roemer.  Ob  mit  Recht  kann  hier  nicht  ent- 
schieden werden. 

Vorkommen:  Nicht  häufig!  Es  liegen  vier  Exemplare  vor,  von 
denen  eines  eine  offenbar  zufällige  tiefe  Einschnürung  in  der  Mitte  der 
Keule  hat. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  1 Ansicht  eines  vollständigen 
unverdrückten  Exemplars  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite.  Fig.  2 
Ansicht  eines  unten  in  mehrere  Wurzeln  sich  theilenden  Stiels,  dessen  Zu- 
gehörigkeit zu  der  Art  jedoch  nur  nach  dem  Zusammenvorkommen  ver- 
muthet  wird. 


Kreide-Formation. 


309 


12)  Limnorea  nohilis  A.  Roemer,  Norddeutsche  Kreide -Spongitarien 

pag.  37,  Taf.  XV.,  Fig.  1 ; Taf.  37,  Fig.  16. 

Ein  cyiindroidischer  einfacher  oder  aus  mehreren  verwachsenen  cylin- 
droidischen  Individuen  bestehender  Schwamm,  welchen  man  zu  der  Gat- 
tung Siphonia  stellen  würde,  wenn  nicht  die  für  Limnorea  bezeichnende 
den  unteren  Theil  überziehende  dichte  Haut  (Epitheca)  es  verböte. 

Vorkommen:  Es  liegen  drei  Exemplare  aus  den  nach  der  frühe- 
ren geognostischen  Betrachtung  jedenfalls  zu  den  jüngsten  der  ganzen 
Schichtenreihe  des  Pläners  bei  Oppeln  gehörenden  Schichten  von  Scze- 
panowitz  auf  dem  linken  Oder-Ufer  vor.  Das  eine  aus  drei  cylindroi- 
dischen  Individuen  bestehende  Exemplar  von  Faustgrösse  lässt  die  gene- 
rischen Merkmale  deutlich  erkennen  und  zeigt  namentlich  die  runzelige 
Epitheca  deutlich.  Nach  A.  Roemer  kommt  die  Art  in  der  „Cuvieri- 
Kreide^^  und  in  der  „Quadraten-Kreide^^  an  mehreren  Stellen  am  Fusse 
des  Harzes  vor. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  16  stellt  ein  kleines  und  unregel- 
mässiges einfaches  Exemplar  dar.  Die  Epitheca  ist  von  dem  Zeichner 
nicht  deutlich  genug  angegeben  worden. 

13)  Plocoscyphia  labyrinthica;  Taf.  33,  Fig.  7,  8. 

Plocoscyphia  labyrinthica  Reuss,  Verst.  Böhm.  Kreide-Form.  p.  77, 
tab.  XVIIL,  Fig.  10. 

Da  nur  ein  einziges  unvollständiges  Exemplar  vorliegt,  so  ist  die  Be- 
stimmung nicht  zweifellos.  Der  Schwamm  besteht  aus  einer  dünnen,  nur 
^|2  Linie  dicken,  fein  netzförmig  durchbrochenen  Membran,  welche  in  ganz 
unregelmässiger  Weise  in  wulstförmige  Erhabenheiten  und  dazwischen 
liegende  Depressionen  gefaltet  ist  und  einzelne  wenige  grosse  deutlich 
umrandete  und  fast  röhrenförmig  vorstehende  Oeffnungen  trägt.  Reuss 
führt  seine  Art  aus  dem  „oberen  Plänerkalke“  von  Kutschlin  und  Lieb- 
schitz  an. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  7 Ansicht  in  natürlicher  Grösse 
von  oben.  Fig.  8 stellt  ein  Stück  der  Oberfläche  vergrössert  dar. 

14)  Cylindrospongia  angustata;  Taf.  30,  Fig.  7,  8. 

Scyphia  angustata  A.  Roemer,  Verst.  Norddeutsch.  Kreide-Geb. 
p.  8,  tab.  ni.,  Fig.  5.  (1841). 

Scypcia  cribrosa  Phillips  bei  A.  Roemer,  ibidem  p.  9 (pars). 

Scyphia  angustata  Geinitz,  Charakt.  Sächs.  Kreide-Geb.  p.  95, 
tab.  XXm.,  Fig.  9.  (1842). 

Scyphia  angustata  Reuss,  Verst.  Böhm.  Kreide -Form.  II.  p.  74, 
tab.  XVII.,  Fig.  11.  (1846). 


810 


Kreide-F  ormation. 


Amoi'phospongia  angustata  d’Orb.,  Prodr.  Pal.  strat.  II.jp.  289.  (1847). 

Cylindrospongia  angustata  A.  Roemer,  Spongitarien  des  Nordd. 

Kreide-Geb.  p.  22,  tab.  VIII.,  Fig.  10.  (1864.) 

Die  Oeffnungen  auf  den  Seiten  dieses  verlängert  trichterförmigen 
Schwammes  variiren  bedeutend  in  Betreff  der  Regelmässigkeit  der  Form 
und  der  Anordnung.  Gewöhnlich  sind  sie  rundlich  oder  oval  und  stehen 
regelmässig  alternirend  in  geraden  Längsreihen.  Zuweilen  sind  sie  unregel- 
mässig dreieckig  und  von  sehr  ungleicher  Grösse.  Gewöhnlich  sind  einige 
schwache  Einschnürungen  des  Trichters  in  ungleichen  Abständen  vor- 
handen. 

Vorkommen:  Die  Art  ist  neben  Camerospongia  fungiformis  der  häu- 
figste Schwamm  und  eines  der  häufigsten  Fossilien  der  Fauna  von  Oppeln 
überhaupt.  Auch  sonst  ist  sie  in  dem  gleichen  oder  in  nahestehenden 
Mveau’s  weit  verbreitet,  namentlich  am  Harze,  in  Sachsen  und  in  Böh- 
men. Mein  Bruder  A.  Roemer  giebt  den  „Scaphiten-Pläner^^  als  die 
eigentliche  Lagerstätte  der  Art  an.  Ursprünglich  beschrieb  er  sie  aus 
dem  Pläner  von  Schönau  bei  Teplitz.  Wenn  er  übrigens  auch  Scyphia 
cribrosa  von  Oppeln  aufführt,  so  kann  er  darunter  keine  andere  als  die 
hier  in  Rede  stehende  Art  verstanden  haben. 

Erklärung  der  Abbildungen:  Fig.  7 stellt  ein  grosses  Exemplar 
in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  gesehen  dar.  Das  untere  Ende  ist  wie 
an  allen  übrigen  vorliegenden  Exemplaren  abgebrochen.  Fig.  8 ein  Stück 
der  Oberfläche  vergrössert. 

15)  Parasmilia  centralis;  Taf.  34,  Fig.  1. 

Madrepora  centralis  Mant. 

Turhinolia  centralis  A.  Roemer,  Geinitz,  Reuss  etc. 

Parasmilia  centralis  M.  Edwards  etJ.  Haime. 

Nur  zwei  Exemplare  dieser  in  senonen  und  turonen  Kreide-Bildungen 
weit  verbreiteten  Art  liegen  vor.  Beide  sind  kleiner  als  die  in  den  seno- 
nen Kreide-Mergeln  Norddeutschlands  verkommende  Form.  Nach  Reuss 
und  Geinitz  ist  die  Art  auch  im  oberen  und  unteren  Pläner  von  Sachsen 
und  Böhmen  verbreitet. 

Erklärung  der  Abbildung:  Fig.  1 stellt  das  grössere  der  beiden 
vorliegenden  Exemplare  in  natürlicher  Grösse  von  der  Seite  gesehen  dar. 

16)  Micraster  Leshei;  Taf.  34,  Fig.  3. 

Spatangus  Leshei  DesmouL,  Tabl.  synon.  p.  392. 

Micraster  hreviporus  Agass.,  Catal.  raison,  p.  130. 

Micraster  Leshei  d’Orbigny,  Pal.  Fr.  p.  215,  PI.  869. 

Bekanntlich  hat  die  specifische  Begrenzung  des  Micraster  cor-anguinum, 


Kreide-F  ormation. 


311 


der  typischen  Art  der  Gattung  Micraster,  seit  langer  Zeit  die  niannichfach- 
sten  Erörterungen  veranlasst  und  unterliegt  noch  heute  sehr  verschiedener 
Auffassung  bei  den  verschiedenen  Autoren.  Die  ursprüngliche  Art  ist  in 
viele  andere  getheilt  worden,  die  dann  von  d’Orbigny  und  zum  Theil 
auch  von  Desor  der  Mehrzahl  nach  wieder  mit  der  Hauptart  vereinigt 
wurden.  Zu  den  Arten  welche  d’Orbigny,  Desor  und  Andere  als  selbst- 
ständige Arten  neben  dem  typischen  M,  cor-anguinmn  anzuerkennen  sich 
veranlasst  gefunden  haben,  gehört  namentlich  Micraster  Leskei  d’Orbigny 
Pal.  Franc,  p.  215,  PI.  869  (M,  breviporus  Agass.).  Die  Art  soll  nach 
d’Orbigny  durch  die  mehr  verlängerte  Gestalt  und  die  geringere  Wöl- 
bung der  Schale,  die  mittlere  Lage  des  Scheitels  und  die  viel  geringere 
Länge  der  Ambulacren  von  M.  cor-anguinmn  sich  unterscheiden.  Die 
meisten  der  Exemplare  von  Oppeln  zeigen  diese  Merkmale  und  sind 
namentlich  durchgängig  länger  als  breit.  Ich  rechne  daher  diese  gewöhn- 
liche Form  von  Oppeln  zu  dem  M,  Leskei,  obgleich  auch  breitere  Exem- 
plare Vorkommen,  welche  den  üebergang  zu  dem  ächten  M.  cor-anguinum 
zu  vermitteln  scheinen.  Wenn  Desor  (Synops  Echin.  foss.  p.  366)  als 
bezeichnend  für  den  Leskei  auch  die  flache  kaum  concave  Form